Kundenrezensionen


473 Rezensionen
5 Sterne:
 (299)
4 Sterne:
 (73)
3 Sterne:
 (39)
2 Sterne:
 (26)
1 Sterne:
 (36)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schule heute
Ja, so sieht's aus an deutschen(?) Schulen. Beim Lesen dachte ich nicht nur einmal: "Gott sei Dank bin ich nicht an so einer Schule gelandet!". Und trotzdem konnte ich mich in vielen Schilderungen wiedererkennen. Das Buch zeigt viele Missstände an unseren Schulen auf, die sich nicht mehr nur auf "Brennpunkt-" und Großstadtschulen...
Vor 12 Monaten von Anna Hübner veröffentlicht

versus
74 von 92 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Realistischer Erfahrungsbericht - mehr aber nicht
Möllers Buch ist ein flüssig geschriebener Erfahrungsbericht aus dem Innenleben einer typischen deutschen Brennpunktschule. Mit leichtem ironischen Unterton beschreibt er, wie ein behütet aufgewachsener Akademiker auf Unterschichtsschüler (viele davon mit Migrationshintergrund) aus chaotischen, kaputten Verhältnissen trifft. Zwei Welten prallen...
Veröffentlicht am 17. November 2012 von Kurt Schnaus


‹ Zurück | 1 248 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schule heute, 16. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ja, so sieht's aus an deutschen(?) Schulen. Beim Lesen dachte ich nicht nur einmal: "Gott sei Dank bin ich nicht an so einer Schule gelandet!". Und trotzdem konnte ich mich in vielen Schilderungen wiedererkennen. Das Buch zeigt viele Missstände an unseren Schulen auf, die sich nicht mehr nur auf "Brennpunkt-" und Großstadtschulen beschränken. Die Klassen werden immer heterogener, was nicht nur der steigenden Integration und Inklusion geschuldet ist, und auch problematische soziale Verhältnisse der Schüler verstärken sich. Und gerade die sozialen Probleme werden zunehmender auch Hauptarbeitspunkte der Schulen. In diesem Buch wird das deutlich. Philipp Möller schreibt aus einer sehr persönlichen Sicht, wie er seine Zeit in einer Schule in Berlin verlebt hat und welche Schlüsse er daraus für sein Leben und das Leben seiner Familie zieht.
Doch meiner Ansicht nach lesen solche Bücher immer nur die Leute, die über die Probleme im deutschen Schulsystem ausreichend informiert sind. Daher empfehle ich auch "Neueinsteigern" dieses Buch, um sich ein Bild zu machen, ohne von Theorie gelangweilt zu werden.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


141 von 166 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lehrerbuch, 7. November 2012
Von 
Enno Arkona (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Wenn „Isch geh Schulhof“ nur ein weiterer witziger Lehrer-Erfahrungsbericht wäre, Genre Humor, Subgenre knallharte & urkomische Schulgeschichten, dann würde ich mir nicht die Mühe machen, eine Rezension zu schreiben. Andererseits, wenn das Buch als Traktat über Pädagogik oder Predigt über Schulpolitik daherkäme, ich hätte mir nicht mal die Mühe gemacht, es zu lesen. Glücklicherweise ist es weder nur das eine noch nur das andere, sondern eine Mischung aus erzählenden und reflektierenden Passagen, als literarische Form irgendwo zwischen Bildungsroman und Essay angesiedelt. Und, nicht zu vergessen, es ist ein autobiographischer Text.

Philipp Möller, Diplom-Pädagoge um die Dreißig, Nichtlehrer also, Quereinsteiger, beißt sich gut zwei Jahre lang als Vertretungslehrer an einer Grundschule durch. Er beschreibt, was er dabei erlebt, wie er sich verändert, wie er in die Aufgabe hineinwächst und am Ende beinahe Klassenlehrer wird.

Aus dieser Perspektive werden die Verhältnisse an der Berliner Grundschule geschildert; Verhältnisse, an denen man verzweifeln möchte. Der Lehrer als Potentialentfaltungscoach? Vergessen Sie’s. Möller beschreibt, wie und warum er mutiert zur „frontalpädagogischen Dampfmaschine“, er erzählt, wie ihm die Sicherungen durchbrennen und wie er die Wirksamkeit von systematischer Belohnung kennenlernt. Am Ende ahnt man ein bisschen, wie er es schafft, meistens nicht zu verzweifeln. Eine nicht unerhebliche Rolle spielt dabei ein Menschenbild, das ohne Moral auskommt, das ihm hilft, ohne Vorwürfe an die Beteiligten heranzugehen, an die Schüler, an die Kollegen, auch an die Eltern, und an sich selbst. Das ist das, was mir am besten gefallen und mich am meisten überzeugt hat.

Möller schreibt klar und unprätentiös, oft witzig, manchmal plakativ, immer gut lesbar. Dass seine Schilderungen dicht an der Realität sind, nimmt man ihm ab. Auszusetzen habe ich an seinem Buch vor allem, dass es teilweise – hauptsächlich am Ende – zu sehr in Richtung Manifest geht. „Wenn also auch Sie der Meinung sind, dass Bildung in Deutschland nicht länger sträflich vernachlässigt werden darf, setzen Sie gemeinsam mit mir und anderen ein deutliches Zeichen“ –

Sätze der Art „Egal was sich hier ändert – es kann nur besser werden“ sind mir suspekt. Ist da jemandem wirklich nicht klar, dass es sehr wohl auch schlechter werden kann? Hier in Berlin lassen die Schulen seit Jahren einen bunten Reigen von so genannten Reformen über sich ergehen, Maßnahmen, deren Umsetzung viel Kraft kosten, ohne wirklich etwas Brauchbares zu bewirken. Die Wahrheit ist, kein Mensch weiß, was das Richtige wäre für unser Bildungssystem. Auch wenn der eine oder andere Bildungshüther als Experte daherkommt, man sollte sich nicht täuschen lassen. Für leichtfertige Theorien ist das System zu komplex, erst recht für reformatorischen Eifer.

Um zynisch zu sein, sei er zu jung, schreibt Möller ein- oder zweimal. Ich hoffe, die Alternative zum Zynismus ist nicht, Illusionen anzuhängen.

Weil unter der Aufrüttel-Rhetorik das Nachdenken leidet, von mir einen Stern Abzug.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schweres Thema extrem eingänglich verpackt., 8. Januar 2013
Von 
Nordlicht (Schleswig-Holstein) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Es fällt leicht, sich für dieses Buch zu begeistern. Der Autor, Philipp Möller, schreibt locker daher, bildet Spannungsbögen in den einzelnen Kapiteln, findet gekonnt Abschlüsse in seinen Einzelgeschichten und verbindet all dies durch einen geschickten Umgang mit der deutschen Sprache. So gelingt es mit "Isch geh Schulhof" ein kritisches Buch über den (Berliner) Schulalltag zu verfassen, dass beinahe fröhlich und ungezwungen daher kommt.
Dabei steckt der Autor den Finger in wahrhaft siechende Wunden: Kinder aus Migrantenfamilien ohne deutsche Sprachkenntnisse, erschütternde kulturbedingte Einstellungen zur Rolle der Frau schon bei 10jährigen Jungen und Mädchen, Kinder aus Harz IV Familien mit Drogen- und Gleichgültigkeitsproblemen, dazu sich sinnlos aneinander reihende Schulreformen im 2-Jahres-Rhytmus, ausgebrannte, unvorbereitete oder schlichtweg ungeeignete Lehrkräfte und eine Bildungsinfrastruktur, die dem Zustand Berliner Nebenstraßen gleicht. Das alles dargebracht anhand so genannter Einzelschicksale, die im Fall des Autors einen Großteils der Schüler von der 1. bis zur 6. Klasse umfasst.

Was fasziniert und erschrickt zugleich: Philipp Möller kommt ohne entsprechendes Studium auf die Stelle eines Aushilfslehrers, hangelt sich über mehrere Zeitverträge langsam die Hierarchie nach oben und soll im 3. Jahr seiner Tätigkeit letztlich verantwortlicher Klassenlehrer werden, von der besonderen Stellung in der aktuellen Schulreform schon im 2. Jahr ganz zu schweigen. Bei aller individueller Befähigung des Autors trifft der Berliner Senat diese Auswahl nicht unbedingt aufgrund von Leistung, sondern der Kostenersparnis gegenüber entsprechend ausgebildeten Lehrkräften. Zumal man diese Hilfslehrer in den Sommerferien auch noch freistellen, also der Allgemeinheit via Arbeitslosengeld I oder II aufbürden kann. Mehrfach schwankt er in seinem Glauben an die eigenen Fähigkeiten, seinen Glauben ans Schulsystem und an viele der Kollegen, aber zum Glück gibt es auch Lehrkräfte, die ihm zur Seite stehen, eine liebevolle Partnerin und ab dem 2. Jahr eine fähige Schulleitung. Ansonsten hätte auch er kapituliert - wie viele andere.

Was nervt: Was über weite Strecken ein humoristischer und entlarvender Alltagsbericht aus der Schule ist, verfärbt sich zum Ende hin in ein ideologisch angehauchtes Machwerk. Obwohl all seine Beispiele zur Frauen- und Schwulenfeindlichkeit bei Schulkindern unter zwölf Jahren und der überwiegende Teil der eklatanten Sprachprobleme Kinder mit muslemischen Migrationshintergrund betrifft, streitet er wiederholt jeglichen Zusammenhang ab. Im Gegenteil wirft er Sarazzin und anderen Autoren, die hier einen Zusammenhang erkennen, plumpen Rechtspopulismus und eine Vergiftung der Diskussion vor. Um sich dann an anderer Stelle zu beschweren, und dies berechtigt zu kritisieren, dass es eben diese Diskussion gar nicht gebe. Auch verteidigt er seinen Pädagogikansatz (Spiel und Spaß als Grundlage des Lernens) als einzig gangbaren, grade und mit voller Vehemenz gegen den so genannten Frontalunterricht. Hierfür zieht er wiederholt die PISA Studie als Beleg heran. Dabei unterschlägt er aber, dass grade in den erfolgreichsten Nationen dieser Studie der Frontalunterricht am besonders ausgeprägten ist (Süd Korea, Japan, Finnland, etc. - und dies ist keine Aussage pro Frontalunterricht nur eine von mehreren mangelhaften oder einfach nicht ehrlich geführten Grundsatzdiskussionen in den Schlußkapiteln).

Alles in allem ein trotz meiner Kritik gutes, ein wichtiges Buch, dass der Berliner, wohl aber auch der in den meisten anderen Bundesländern üblichen, Schulpraxis ein erbärmliches Zeugnis ausstellt. Besonderes Lob gilt dem Humor, der dieses schwere und ideologisch geprägte Thema so eingänglich wiedergibt und der einem, obwohl so manches Lachen im Halse stecken bleibt, das Aufnehmen und Reflektieren des Gelesenen so viel leichter macht. Schade nur, dass Deutschlands Kultusminister wohl zu selten in solche Bücher blicken oder wenn, sich selber außerhalb dieser Kritik stehen sehen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


74 von 92 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Realistischer Erfahrungsbericht - mehr aber nicht, 17. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Möllers Buch ist ein flüssig geschriebener Erfahrungsbericht aus dem Innenleben einer typischen deutschen Brennpunktschule. Mit leichtem ironischen Unterton beschreibt er, wie ein behütet aufgewachsener Akademiker auf Unterschichtsschüler (viele davon mit Migrationshintergrund) aus chaotischen, kaputten Verhältnissen trifft. Zwei Welten prallen ungebremst aufeinander. Dabei beschreibt Möller nach meinen eigenen Erfahrungen als Lehrer vollkommen realistisch und sogar differenziert: Auch in einer chaotischen, schwierigen Klasse sitzen ja sehr unterschiedliche Kinder.

Nachdem man ca. 150 Seiten lang den Schilderungen Möllers halb belustigt und halb geschockt gefolgt ist, zeigt das 350 Seiten lang Werk dann doch seine Schwächen: Die persönliche Lebensgeschichte Möllers (Freundin, deren Studienplatzsuche, Geburt eines Kindes) ist inhaltlich banal und ganz uninspiriert geschrieben. Möllers Entwicklung vom hilflosen Anfänger zum erfolgreichen und bei Schülern und Schulleitung beliebten Lehrer, dazu fehlen dem Autor Möller dann doch wesentliche Konzepte und sprachliche Mittel, um dies nachvollziehbar zu beschreiben. Abgesehen davon, dass Selbstbeweihräucherung vom Leser nie so gern gesehen wird...

Möllers große Erleichterung, den Schuldienst nach 2,5 Jahren zu beenden, ist angesichts seiner angagierten Schuljahresvorbereitung nicht nachvollziehbar. Gänzlich unnötig ist das von Möller als "wichtige Zeilen" benannte, fast pubertäre Nachwort, welches oberflächlich und unwissenschaftlich Ergebnisse der Hirnforschung aufzählt (auch wenn es nur ein kleines Detail ist: Das Konzept der sogenannten "Spiegelneuronen" ist wesentlich problematischer, als Möller dies meint).

Unter dem Strich bleibt ein flüssig zu lesener Bericht, in dem sich vermutlich unzählige Lehrer wiederfinden werden. Einzig die häufige Erwähnung des so frühen Feierabends hat mich gewundert. Offenbar hat Möller kaum Unterricht vorbereitet, Arbeiten korrigiert, sich mit Kollegen abgestimmt, den Klassenraum eingerichtet, Hausbesuche durchgeführt und mit sozialen Organisationen Kontakt aufgenommen. Wesentlich bedauerlicher jedoch ist, dass den häufigen nebulösen Vorwürfen politischer und gesellschaftlicher Fehlenwicklungen keine Lösungsansätze folgen. Dass Schule auch in sozialen Brennpunkten (wenigstens teilweise) gelingen kann, für diese Erkenntnis war Möller Erfahrung wohl doch zu kurz und schmal.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sch'abe gefliegt, 20. Dezember 2013
???

Auf Deutsch: Ich bin geflogen. Auch: Isch hab gefliegt. Typisches Ghetto-Deutsch, wie es in Berlin gang und gäbe ist, auch und besonders bei hier geborenen, türkischstämmigen Berlinern und sonstigen Deutschen, die es sich angewöhnen, weils cool ist und man Homie werden will – oder muss.

Ich habe manchmal Tränen gelacht. Manchmal ist mir das Lachen auch im Hals steckengeblieben, weils manchmal eigentlich doch nicht komisch ist.

Wenn Lehrer Möller seinen Schützlingen erklären will, dass Schwule nicht ansteckend sind und man sie nicht steinigen darf, dreht er einfach ein paar Stunden lang Runden um den Schöneberger Nollendorfplatz zwecks Anschauungsunterrichts am lebenden Objekt. Er erklärt ihnen auch, dass Frauen Menschen sind und sie zu achten sind wie ihre Mütter. Nur weil ein Mann körperlich (meistens jedenfalls) stärker ist als eine Frau, heißt das nicht, dass er auch stärkeren Grips hat.

Geduldig erträgt er die Hibbelanfälle der an ADHS-leidenden Schüler, gerät auch mal selbst in Gefahr, wenn sie absolut nicht zu bändigen sind. Zu viel Zucker, zu viel Fastfood – das brennt die schärfste Gehirnzelle weg. Nur ihnen grammatikalisch richtiges Hochdeutsch beizubringen – das hat er längst aufgegeben.

Das Beste an diesem Buch ist allerdings die Intension. Es mögen spaßige Beobachtungen unseres Schulalltags sein, aber es geht um mehr. Lehrer Möller liebt seine Schüler. Er möchte ihnen etwas auf den Lebensweg mitgeben. Die Liebe beruht auf Gegenseitigkeit. Leider braucht man für diesen Beruf besonders starke Nerven und ein dickes Fell, das Philipp Möller nicht immer hat. Schade für die Schüler und das Berliner Schulsystem an sich, aber letzteres ist zu starr für ihn. Leider.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


40 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bildungspolitischer Vorschlag-Hammer, 5. Oktober 2012
Supergeiles Buch, Alter, sch'wöre! Isch mach Reschension:
Der Autor Philipp Möller, Jahrgang 1980, Diplom-Pädagoge, liefert mit diesem Buch einen ungeschminkten Erlebnis- und Erfahrungsbericht über seinen zweijährigen Quereinstieg als Lehrer an Berliner Grundschulen ab. Unverkrampft und unbelastet von pädagogischer oder didaktischer (Pseudo-?)Wissenschaft kommt Möllers Text leichtfüßig daher und ist doch ein bildungspolitischer Vorschlag-Hammer. Denn hier wird anhand einer auf den ersten Blick humorig anmutenden Plauderei aus der Schule die bitterböse und mehr als erschreckende Realität infolge einer hoffnungslos verkorksten Bildungspolitik schonungslos freigelegt. Möller nimmt kein Blatt vor den Mund und schildert in jener Klarheit, die besonders einem Lehrer gut zu Gesicht steht, und, ja, auch auf heitere Weise befremdliche bis schockierende Begebenheiten aus Klassenzimmer, Treppenhaus und Pausenhof. Nein, das sind keine Anekdötchen á la Feuerzangenbowle - da tobt ein regelrechter Überlebenskampf zwischen allen Betroffenen, Schülerinnen und Schülern ebenso wie Lehrerinnen und Lehrern, inmitten dessen Tohuwabohu der Junglehrer Möller oft genug verzweifelt versucht, seinen Schützlingen wenigstens ein paar Häppchen Bildung nahezubringen. Und genau das macht ihn, seinen Bericht und seine Vorschläge besonders sympathisch: Trotz all der Widrigkeiten, Pannen und Niederlagen verfällt Möller nicht in Resignation, wird er nicht zum Zyniker sondern versucht, auch aus den peinlichsten persönlichen Schlappen neue Kraft und neue Ideen zu gewinnen. Immer schlägt er sich dabei auf die Seite der Schwächsten, der ihm anvertrauten Mädchen und Jungs, auch wenn einige von ihnen ihm noch so sehr zusetzen, denn "...sie können nicht dafür, wie sie sind, und unter anderen Lebensumständen wäre ich vielleicht genauso wie sie." Eine wahrhaft humanistische Denkweise wie sie für Möller eben nicht nur im Buche steht und die ihn dazu veranlasst, selbst Vorschläge zu machen und aktiv für Neuerungen einzutreten, auch wenn deren Erfolg noch fragwürdig ist, denn "es kann nur besser werden." Schule sollte endlich im 21. Jahrhundert ankommen!
Das Werk sollte Pflichtlektüre sein für alle, die mit Bildungs- und Erziehungsfragen befasst oder konfrontiert sind, also Schüler, Studenten, Lehrer und Erzieher sowieso, Bildungstheoretiker und Politiker, Hausmeister, Eltern und Großeltern - ja, eigentlich alle.
Was liest du, Zeitung oder was? Musst lesen das Buch von Herr Mülla, Alter! Obergeil, sch'wöre.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


52 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vallah, voll aus dem Leben gegriffen!, 10. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Isch geh Schulhof: Unerhörtes aus dem Alltag eines Grundschullehrers (Kindle Edition)
Dieses Buch ist das beste, was ich seit langer Zeit gelesen habe!!!
Ich war selbst 10 Jahre Lehrer in Neukölln und kann (fast) sämtliche Schilderungen bestätigen, die sehr nah dran sind und mit der richtigen Ausdrucksweise beschrieben werden.
Es schießen derzeit solche Bücher aus den "Problemzonen" wie Pilze aus dem Boden, aber dieses Buch war der Hammer!
Aus der Sicht eines unverbrauchten Quereinsteigers werden die Zustände im Berliner Schulsystem detailliert beschrieben, ohne irgendwie beleidigend oder niveaulos zu wirken. Alles, was geschrieben steht, ist Tatsache!
Philipp Müller hat sehr fein beobachtet und Dinge skizziert, die manchen Lehrern schon gar nicht mehr auffallen....

100 Punkte für dieses lustige, spannende und denkwürdige Buch!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht schlecht, aber die Antwort fehlt, 5. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Isch geh Schulhof: Unerhörtes aus dem Alltag eines Grundschullehrers (Kindle Edition)
"Du kommst dir vor wie ein Dompteur oder wie im Jugendknast", sagt Möller, "weil du ständig sagen musst, es reicht, Schluss jetzt, setz dich hin, hör auf, deinen Nachbarn zu schlagen!'" Möller, eigentlich Dipl. Pädagoge unterrichtete zwei Jahre an einer Berliner Grundschule. Er erwähnt mehrfach, er sei ja kein ausgebildeter Lehrer, macht seine Sache aber ganz gut. Dabei vergisst er allerdings auch zu erwähnen, dass er als Dipl. Pädagoge weit mehr Pädagogik, Psychologie und Didaktik in seinem Studium genoss, als ein ausgebildeter Lehrer, der fast ausschliesslich sein Fachwissen über Deutsch, Erdkunde usw. studiert. Ein Dipl. Päd wird als Lehrer ausgebildet, allerdings in der Erwachsenenbildung.
Die Kinder auf dieser Schule entstammen fast ausschließlich bildungsfernen Elternhäusern und bekommen von daheim keine Regeln oder Vorbildrollen vermittelt. Manche Mutter liegt schon am frühen Nachmittag betrunken auf dem Wohnzimmersofa. In deutschen „Familien“ fehlt meist der Vater, in Migrantenfamilien sind sie der strenge Patriarch. Eine Mehrheit der Kinder spricht schlecht Deutsch, eine Familie lebt mit 8 Kindern in einer Zweizimmerwohnung. Die meisten Eltern beziehen ihr Geld vom Amt. Kurzum: Die familiären Verhältnisse sind desaströs, und die Klasse spiegelt diesen Hintergrund wieder, alles Hilfeempfänger.
Möller schildert glänzend, wie unser Bildungssystem versagt, warum es nicht funktionieren kann. Er stellt seine Schüler als liebenswürdig dar, trotz aller Defizite und Aggressionen. Genau das macht dies Buch so liebenswert. Hier wird niemand verurteilt, sondern das System. Frontalunterricht passt nicht in unsere Gesellschaft, etwas das ich seit 30 Jahren propagiere. Geändert hat sich nichts. Berlin ist sicher ein Extremfall. Ich kenne andere Problembezirke in Deutschland, wo wir ähnliche Problematiken haben, allerdings nicht in diesem Ausmass. Trotz allem ist die Politik nicht in der Lage, die Strukturen in den Schulen aufzulösen, die Lehrerausbildung neu zu strukturieren, mehr Lehrer einzustellen, gute Alternativen kann man bei anderen abschauen.
Mir hat das Buch gut gefallen in seiner Schreibweise und seinem Fingerzeig. Es muss etwas passieren in dieser Republik!
Punktabzug aus zwei Gründen: 1. Möller beweihräuchert sich selbst zu viel. Er ist der Oberschlaue, den die Schüler mögen. Unter Lehrern gibt es unbestritten traurige Gestalten, sie sind ja unkündbar. Andere sind im Laufe ihrer Arbeit ausgelaugt, zermürbt. Aber Möller ist nicht der Supermann, als den er sich hier darstellt. Es würde zu weit führen das kurz zu erörtern. 2. Möller erklärt, das System ist gescheitert. Ok. Und wie sähe ein besseres Schulsystem aus, Herr Möller. Ich könnte Sie ihnen geben. Von einem Dipl. Päd. Hätte ich hier ein wenig mehr erwartet!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lehrer ein harter Job?!, 10. März 2013
Ich habe dieses Buch für meinen Sohn gekauft.
Der macht aktuell ein Praktikum an einer "ganz normalen "Grundschule und kommt mit seinen 17 Jahren jeden Tag mit irren "Geschichten" zurück.(zB. kam ein 4.Klässler mit einem Messer zur Schule und bedrohte seine Lehrerin.)
Ich blätterte das Buch durch und war gefangen.
Herr Mölla schildert viele Dinge wie mein Kind und noch krasser.
Nur ist mein Kind in einer Kleinstadt und kleinen Klassen, mit wenig Ausländer Anteil.
Auch er fühlte sich traurig und machtlos. Wird als Praktikant für viele Arbeiten herangezogen, die man einem 17. jährigen nicht übertragen darf. (Hausaufgaben Betreuung,alleine, wegen vieler Krankheitheitsfälle)
An seinem letzten Tag, nach 4 Wochen war er traurig und doch erleichtert zu gehen.
Warum er sich vorstellen kann ein Grundschullehrer zu werden?
Weil die Lehrer/in Ihm erzählten wie lange man Ferien hat und wenn man "verbeamtet" ist ,sich auch mal eine längere Pause gönnen kann und sowieso jeder mit spätestens 55 in Pension geht oder "kaputt" geschrieben wird.!!!!
Ich habe Respekt vor dem harten Lehrerjob, aber wenn junge, motivierte Menschen schon zu beginn soetwas hören, geben Sie eher auf, auch wenn Sie mit den besten Absichten kommen.
Hierzu schreibt Mölla viel wahres.
Das Problem muß an der Wurzel bearbeitet werden!
und wenn die Lehrer sich nur noch von Ferien zu Ferien hangeln (auch davon schrieb Mölla)ist das schlecht für unsere Kinder!
Wer jetzt an der Macht sitzt und denkt...klar staatliche Schulen! Ich rette mein Kind auf eine privat Schule und wir sind fein raus,der Irrt! die Kids sind oft genauso krass, aber das ist ein anderes Thema.
Dieses Buch bleibt bei uns, auf jeden Fall im Regal.
DAS BUCH IST EIN MUSS!
Punktabzug gibt es für mich, weil genau so Menschen wie Möller an unseren Schulen bleiben müssen.
Trotzdem ich seine Entscheidung verstehen kann.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


20 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Das wahr wohl nix, 30. Januar 2013
Ich habe mir das Buch ausgeliehen, im Grunde in nicht in der Erwartung ein anspruchsvolles Werk in punkto Sozialkritik zu bekommen.

Eher dachte ich an ein Buch, das mit Spaß und Witz an ein ernstes Thema herangeht.
Die ersten 150 Seiten wurde ich auch prächtig unterhalten.
Der Autor schaffte es einen desolaten Zustand an einer Berliner Schule detailgetreu aber auch mit einer Portion Witz darzustellen.

Ich war gleichermaßen geschockt als auch amüsiert.
Sehr schön so weit.

Aber dann...der Autor verlässt seine Rolle als im Grunde inkompetenter Neueinsteiger in einem für ihn völlig fremden Beruf und schwingt sich zum Retter des Systems und der Nation auf.

Großartige pädagogische Fähigkeiten lässt er dabei vermissen.
Das einzige was man ihm zuschreiben kann ist ein gewisses Maß an Autorität.
Er schafft es teils die extrem schwierigen Kinder ruhig zu halten durch das schlichte Prinzip der Strafe.

Ob ihm dabei dann auch Lernerfolge beschieden sind, wird (sicherlich nicht grundlos) nicht erwähnt.

Unglaubwürdig bleibt auch die Tatsache, dass er in seinem Buch offenbar nur Lehrer, Eltern und Kindern begegnet die ihn ganz toll finden und in ihm den Messias des Schulsystems feiern.
Kein bisschen Kritik?
Außer ganz am Ende mal zwei Sätze?

Unglaubwürdig, völlig unglaubwürdig.

Herr Möller sieht sich selbst als Experten für Pädagogik, Medienpädagogik, Neurologie, Religion und das Schul- und Sozialsystem dieses Landes. Er besitzt jedoch lediglich solides Allgemeinwissen, keinesfalls Fachwissen.

Er beschwert sich allen ernstes darüber, dass manche Lehrer ihrer Aufgabe nicht mehr gewachsen sind, weil sie in theoretischer Hinsicht nicht mehr auf dem laufenden sind, dass sie ihr damaliges Studium in keiner Weise auf die heutigen Bedingungen vorbereitet hat.

Mag alles stimmen, was er in seiner höchst selektiven und selbtsherrlichen Wahrnehmung übersieht...er besitzt nicht das geringste Wissen in dieser Hinsicht.
Er behauptet zwar, dass ihn sein fachfremdes Studium besser auf den Beruf vorbereitet hat als manches spezifische Lehrerstudium...was aber eher in den Bereich der Phantasterei gehört.

Gestörte Selbstwahrnehmung würde ich das nennen.

Es ist nicht so, dass seine Kritik am System falsch ist, er zeigt schon einige Punkte sehr gut und klar auf.
Seine Erlöserrolle, die er bewusst einnimmt, macht in mir aber dermaßen unsymphatisch, dass mich das Buch ab Seite 150 weder amüsiert noch wachrüttelt, sondern eher gegen ihn einnimmt.

Er ist so eine Art Saubermann, der den vollen Durchblick hat, der Einäugige unter den Blinden sozusagen, der sich hauptsächlich durch einen autoritären Lernstil hervortut und dadurch auszzueichnen versucht, dass er Lehrer und das System im allgemeinen niedermacht.

Ich will seinen autoritären Stil nichtmal abwerten, der kann durchaus nötig sein.
Aber das ist nunmal alles was er dem Buch nach besitzt:
Durchsetzungsvermögen.
Qualitäten als Lehrer?
Lassen sich nicht erkennen.

Da nützt es auch nichts auf Lehrern rumzuhacken die es vielleicht schlechter machen als er und deren Kündigung zu fordern.
Hätte er auch nur einen Funken Verantwortungsgefühl besessen, hätte er gar nicht erst versuchen dürfen soviel Veratwortung zugeschanzt zu bekommen.
Ein verantwortungsbewusster Mensch hätten diesen Posten mit seiner mangelnden Qualifikation niemals annehmen dürfen, sondern dafür plädieren müssen, dass dieser Posten einer qualifzierten Person gehören muss!

Deutlich wird dies alles vor allem am Schluss.
Sein Vertrag wird nicht verlängert.
Was tut der gute Autor?
Er jubelt!
Er ist froh, dass er die Bälger und deren Probleme endlich los ist und sich nun ein anderer darum kümmern muss!
Wer bis dahin immer noch nicht verstanden hat, dass es dem Autor leidglich um Selbstdarstellung ging und darum seine sehr persönlichen Werte und Normen an den Mann zu bringen...dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Die Kinder waren ihm zu jedem Zeitpunkt egal, dass wird am Schluss ganz deutlich.
Aus dem Schreibstil lässt sich auch eine gewisse Verachtung für die "Menschen der Unterschicht" herauslesen deren einzige Rettung darin bestehen muss sie aus dieser "Schicht" herauszuholen.

Das es millionenfach Menschen (Kinder) gibt die zwar besseren Klassen angehören und auch bessere Noten nach Hause bringen gibt, die aber dennoch soziale Analphabeten sind...sollte ihm einmal bewusst gemacht werden.
Immerhin besitzt er ein minimum an Einsicht, dass ihm sein Denken (speziell bezogen auf sein eigenes Kind) als Elitär aufzeigt, von dem er aber dennoch nicht abweicht.
Leider macht der Autor da keine Ausnahme, er ist nur sehr stolz auf sein Wissen und seine persönliche Art die Dinge zu sehen.

2 Sterne gibt es von mir für die ersten 150 Seiten.
Danach....kommen zum Glück nicht mehr so viele ;)

Nur als Anmerkung:
Ich bin weder Lehrer noch Beamter ;)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 248 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen