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am 26. August 2009
Ich habe 'Nachtzug nach Lissabon' gestern Nacht fertig gelesen. Aber ich bin mir sicher, daß dieses Buch mich noch länger im Hinterkopf begleiten wird.
Zuerst mal: Die Vergleiche mit Zafóns Büchern sind meiner Meinung nach berechtigt. Wer den 'Schatten des Windes' und das 'Spiel des Engels' mochte, mag durchaus auch an diesem Buch Gefallen finden. Es ist die Art, wie diese Bücher geschrieben sind, die Poesie vermischt mit ein bisschen Philosophie, die Melancholie, die einem beim Lesen erfassen mag, das Durchleben der Leben der Charaktere.
Dann gibt es da natürlich nach die Parallelen in der Handlung bzw dem Handlungsrahmen. Hier liegt der 'Schatten des Windes' dem 'Nachtzug nach Lissabon' deutlich näher. Beide Male versucht der Protagonist dem geheimnisvollen Autor eines Buches, das ihn nicht mehr loslässt, auf die Spur zu kommen, begegnet dabei Menschen, die ihn kannten, verstrickt sich immer mehr in dessen Leben. Immer geht es dabei um die Suche nach dem eigenen Ich.
Und natürlich lädt der geschichtliche Rahmen ebenfalls zum Vergleich ein. Im 'Nachtzug nach Lissabon' ist es die Salazar-Diktatur in Portugal, im 'Schatten des Windes' die Franco-Diktatur in Spanien. Der Unterschied ist jedoch, daß 'Nachtzug nach Lissabon' in der heutigen Zeit spielt und man über die Geschichte lediglich etwas erfährt, während die Franco-Diktatur im 'Schatten des Windes' ja tatsächlich den geschichtlichen Rahmen bildet.
Doch genug der Vergleiche. Eine Zusammenfassung des Buches wurde hier schon oft genug gegeben. Deswegen werde ich mir diese ersparen.
Es mag stimmen, daß die Handlung des gesamten Romans reichlich konstruiert wirkt. Ein paar Unstimmigkeiten sind sicher auch nicht zu verleugnen oder viel mehr Unwahrscheinlichkeiten. Auch diese wurden in anderen Rezensionen bereits genannt. Doch meiner Meinung nach tut das dem Roman als Ganzem keinen Abbruch. Es mag beispielsweise unwahrscheinlich sein, daß Gregorius sich so wunderbar mit allen Menschen, die er trifft, verständigen kann. So what? Ist das in irgendeiner Form wichtig? Auch die Konstruiertheit erscheint unwichtig im Angesicht der Größe dieses Buches.
Ich denke, daß Merciers wahres Anliegen auch nicht unbedingt die Geschichte um Mundus war, sondern die Gedanken Prados. Sie machen das Buch eigentlich aus. Die wahre Hauptfigur ist nicht Mundus, sondern Prado. Es wird viel mehr Prados Geschichte erzählt als die des Berner Gymnasiallehrers.
Und dafür, für die Passagen aus Prados Buch, muss man sowohl ein gewisses intellektuelles Niveau mitbringen als auch ein Interesse an Philosophie sowie Geduld und Offenheit. Vielleicht auch Durchhaltevermögen. 'Nachtzug nach Lissabon' ist kein Buch, das man mal so eben nebenbei liest. Es ist nicht in dem Sinne fesselnd oder spannend, wie ein guter Thriller es beispielsweise wäre. Aber dafür gibt es so viel mehr. Wer sich auf dieses Buch wirklich einlassen kann, wer direkt an der Seite von Gregorius die Geschichte Prados Stück für Stück aufdeckt, wird vielleicht als ein anderer Mensch aus dieser Lektüre hervorgehen. Auf der Weltbildausgabe des Romans ist auf dem Buchdeckel ein Zitat Iris Berbens abgedruckt, das die Sache ziemlich gut trifft. Sie habe das Buch in drei Nächten durchgelesen und danach sei ihr klar geworden, daß sie ihr Leben ändern wolle. So ein Buch ist Merciers Roman. Die Passagen aus Prados Buch sind tiefschürfend und haben durchaus die Kraft, Dinge in Gang zu setzen, und wenn es auch nur das Denken ist. Selbst mit meinen 19 Jahren und einer sicher noch nicht sehr umfassenden Lebenserfahrung ging mir Prados Geschichte nahe, konnte ich seine Gedanken doch größtenteils nachvollziehen und mich sogar mit nicht wenigen identifizieren. Zweifellos ist dafür eine gewisse Intensität von Gefühlen notwendig und eben die schon genannten Bereitschaft, sich auf dieses Buch einzulassen.
Lediglich der Schluss hat mich etwas enttäuscht. Etwas weniger offen hätte er doch sein können.
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am 11. Februar 2014
Wie gerne wuerde ich ein Buch loben und empfehlen, das Philosophie und Kriminalroman verbindet, dazu von einem anerkannten Philosophieprofessor geschrieben! Aber leider, leider ueberzeugt mich das Buch nicht. Die Hauptpersonen (Gregorius und Prado) sind - jeder auf seine Weise - als Uebermenschen konstruiert, die mit den ihnen vom Autor aufgeladenen Eigenschaften kaum laufen und schon gar nicht ueberzeugen koennen. Die Handlung funktioniert wie ein gut geoeltes Uhrwerk, ganz ohne Ueberraschung. Die philosophischen Einschuebe sind prezioes und driften aus dem Gedaechtnis, sobald man sie gelesen hat. Also leider, leider nicht die erhoffte literarische Offenbarung eines Philosophen. Leute lest Montaigne, wenn ihr Philosophie lesen wollt! Vom "Schatten des Windes", einer ebenso am Reisbrett konstruierten Geschichte, war ich uebrigens in gleicher Weise enttaeuscht...
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am 7. August 2006
Was soll ich nach 57 vorhergehenden Rezensionen noch schreiben? Vermutlich ist schon alles gesagt und dennoch:

Ich habe noch nie ein Buch gelesen, das mich so sehr berührt und gefesselt hat. Die "Wachheit" die Gregorius beim Lesen der Aufzeichnungen Prados erfährt...phasenweise erlebte ich sie ebenfalls. Mögen Profi-Philosophen die Gedanken trivial finden, Autoren-Experten den Handlungsstrang zu konstruiert oder zu zufällig, für mich war das Buch eine einzigartige Erfahrung und eine Fahrkarte ins eigene Ich, auf eine bisher nie dagewesene Art.

Habe die Reisewege von "Mundus" in Google Earth nachvollzogen und so Lissabon (dank der in diesem Gebiet relativ hochaufgelösten Karten) wieder entdeckt.

Philosophie in einen Detektivroman verpackt, das gut verständlich und in schöner, gebildeter Sprache...eine herausfordernde Lektüre.

Ein -wie kaum ein anderes- faszinierendes Buch, das nachwirkt und sicher von mir noch mehrmals gelesen wird.

Definitiv unter meinen "TopTen" neben "Der Plan von der Abschaffung des Dunkels" von P.Hoeg oder "Schatten des Windes" von C.Ruis Zafon (mit dem es übrigens kaum etwas gemein hat. Wer hat diesen Vergleich bloß bemüht?)

Bitte unbedingt lesen !
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am 25. März 2005
Fasziniert von der Erscheinung einer Portugiesin und der Art, wie sie das Wort "portugues" ausspricht verschlägt es den berner Gymnasiallehrer Gregorius in eine Buchhandlung wo er eine philosophische Abhandlung des lissaboner Arztes Amadeu de Prado ersteht.
Gregorius verlässt sein in geregelten Bahnen verlaufendes Leben und macht sich auf die Spur des bereits verstorbenen Arztes. Gregorius trifft Menschen, die Amadeu Nahe standen. Durch die Erzählungen dieser Personen baut sich dem Leser Seite für Seite ein Bild eines überdurschnittlich intelligenten, gegen sich selbst gerechten, sensiblen Menschen auf.
Amadeu rettet dem Geheimdienstmirabeiter Mendes, genannt der Schlächter das Leben. Seine Patienten verschmähen ihn darauf. Um sein Handeln vor sich selbst zu rechtfertiegen schließt sich Amadeu dem Widerstand unter dem Salazarregime an. Dort trifft er auf eine Frau, die bald zwischen ihm und seinen besten Freund Jorge stehen wird.
Wer dieses Buch gelesen hat, wird auch viel über sich selbst nachgedacht haben, Texte aus Amadeus fiktiven Buch sind "Im Nachtzug nach Lissabon" abgedruckt. Es ist ein leises Buch über Freundschaft, Loyalität und der Wandlung eines berner Altphilologen. Spannend ist der Gedanke: Was wäre wenn ich morgen ein ganz anderes Leben führen würde?"
Leider nimmt der Spannungsbogen ein bisschen ab im Laufe des Buches ein wenig ab, vielleicht aber auch nicht anders zu erwarten, denn es ist ein Buch zum Nachdenken und nicht zum Weglesen !
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am 4. Januar 2005
Zu Beginn des Buches von Pascal Mercier (Peter Bieri) wird man unweigerlich an Caros Ruiz Zafons "Der Schatten des Windes" erinnert. Äusserliche Parallellen sind unverkennbar. Auch in Zafons Roman ist ein Buch der Ausgangspunkt der Geschichte und die Person des Autors der eigentliche Protagonist des Romans. Und wo bei Zafon die Diktatur Francos in Spanien der zeitliche Hintergrund bildet, ist es bei Mercier diejenige Salazars in Portugal.
Damit ist es auch schon vorbei mit den Paralellen. Wo sich Zafon mit einer spannenden Jagd (nach Art des Indiana Jones) durch Barcelona begnügt, bietet uns Mercier ein hochphilosophisches Werk über den Sinn des Lebens an. Seine philosophischen Gedanken lässt er uns durch Amadeu de Prado, einen sensiblen Lissaboner Arzt aus höherem Stand, der die Schreibfeder mindestens so gut oder besser beherrscht als das Skalpell, verkünden. Das ist zugegebenermassen anspruchsvolle Literatur, die Sprache und die Gedanken des Amadeus sind nicht immer einfach. Gleichwohl -- und das ist das Überraschendste an Merciers neustem Roman -- ist das Buch überaus spannend und während der Lektüre nicht leicht aus der Hand zu legen. Mit jeder Seite erfährt der Leser mehr über Amadeu de Prado und wird begierieger noch mehr zu erfahren.
Ungewöhnlich und vielversprechend ist die Ausgangslage des Romans: Raimund Gregorius, ein Lehrer für Latein, Griechisch und Hebräisch an einem Gymnasium in Bern, eine langweilige, graue und papiererne Gestalt (von der Schülern "Papyrus" genannt), bricht eines Tages Knall auf Fall aus seinem bisherigen, kargen Leben aus, um in Lissabon dem Autor eines portugiesischen Buches, das er in einem Berner Antiquariat gekauft hat, nachzuspüren. So aussergewöhnlich ist dieser Ausbruch zwar auch wieder nicht; er wurde im Leben des Gregorius schon viel früher angelegt, als er als junger Lehrer eine Gelegenheit verpasste, in Isfahan (Persien) eine Stellung als Hauslehrer anzutreten. Lissabon wird nun zu Isfahan und Gregorius macht sich mit Besessenheit und Akribie daran, das Leben des Amandeu de Prado zu sezieren und zu begutachten.
Das ist ungemein spannend und als Leser freut man sich jeweils darauf, wieder eine neue, Prado nahestehende Person kennenzulernen. Dabei ist es unvermeidlich, dass die Konstruktion des Plots einige Unwahrscheinlichkeiten mit sich bringt. So ist es selbst für einen äusserst sprachbegabten Gymnasiallehrer kaum zu schaffen, in wenigen Tagen so viel Porzugisisch zu lernen, um die schwierigsten Aussagen von Amadeus Buch locker zu übersetzen. Auch sonst sind gibt's keine sprachlichen Schwierigkeiten, alle handelnden Personen können sich mit Gregorius (in französischer oder englischer Sprache) blendend über schwierige philosophische Themen unterhalten und sind auch stets bereit, so zu willfahren, wie es Gregorius wünscht. Dass er sich in das Liceu, welches Prado Jahrzehnte zuvor besucht hatte, einfach so einquartieren und einen Ausstellungsraum über Isfahan errichten kann, ist gleichfalls eine Begebenheit, die eher unwahrscheinlich klingt. Ferner ist die Erinnerung an die Salazar-Zeit leicht verblichen, weshalb man über den geschichtlichen Hintergrund etwas mehr erfahren möchte, als nur die Geschichte über den plakativ geschilderten "Schlächter von Lissabon".
Trotz dieser Nebensächlichkeiten: Mercier ist ein fabelhaftes Buch, ja ein Stück Literatur gelungen. Und wer Lissabon kennt und die Stadt liebt, wird an diesem Werk sowieso doppelte Freude haben.
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am 16. Mai 2015
Der Latein-, Hebräisch- und Griechischlehrer Raimund Gregorius trifft eines Morgens auf dem Weg zur Arbeit auf eine Frau, die sich scheinbar von einer Brücke stürzen möchte. Er interveniert und bittet die Frau ihn in den Unterricht zu begleiten. Als sie seine Stunde ebenso unvermittelt verlässt, wie sie seinen Weg gekreuzt hat, wirft es Gregorius derart aus der Bahn, dass er ebenfalls die Schule verlässt und, wahrscheinlich auf der Suche nach der Frau, ein Antiquariat betritt und dort auf einen schmalen Band des portugiesischen Arztes und Philosophen Amadeu Inácio de Almeida Prado stößt. Von dessen Schriften ergriffen, da sie seiner Ansicht nach Wort für Wort auf ihn zutreffen und da auch die mysteriöse Frau auf der Brücke Portugiesin war, beschließt Gregorius Portugiesisch zu lernen und ad hoc nach Portugal zu reisen, um dort dem Leben des Autoren nachzuspüren oder ihn bestenfalls persönlich zu treffen. Nun beginnt für ihn eine Reise auch in sein Innerstes. Wiederholt greift er zu dem erstandenen Buch und liest einzelne Passagen, die ihm Fragen und oftmals auch Antworten zu seinem eigenen Leben bieten. Schnell erfährt er, dass Prado bereits lange verstorben ist und muss folglich mit Personen aus dessen Leben vorlieb nehmen, die ihm Stück um Stück das Leben, die Ansichten, Stärken und wenige Schwächen des Arztes und zeitweiligen Widerstandskämpfers offenbaren. So entsteht das Bild eines Menschen, der größten Wert auf Worte und Sprache legte und sich unbarmherzig Fragen nach dem „noch ungelebten Leben“ stellte. Auch Gregorius konfrontiert sich zwangsläufig mit diesen Fragen und erforscht zugleich sein Leben und wie dieses verlaufen wäre, hätte er sich in manchen Momenten der Vergangenheit anders verhalten oder entschieden.
Aufgrund der zahlreichen positiven Kritiken zu diesem Buch bin ich nach der Lektüre etwas enttäuscht. Für mich besteht „Nachtzug nach Lissabon“ zu einem Gros aus heißer Luft. Finde ich die Idee der Hauptfigur, die sowieso mit ihrem Leben hadert, aus diesem auszubrechen und nur aufgrund einiger treffend formulierter Sätze in einem Buch das Land zu verlassen, sehr gut und spannend, so denke ich nun auch, dass der Autor anders damit hätte umgehen sollen. Vor allem diese zumeist blasierte und vor allem affektierte Sprache empfand ich als hochgradig langweilig, stellenweise gar als Angriff auf den Verstand. Permanent bastelt Herr Mercier sich Metaphern zurecht, die irgendwen oder irgendwas beschreiben sollen, anstatt einfach klipp und klar zu sagen, was er sagen möchte. Auf Seite 82 (zumindest in meiner Club-Ausgabe) war ich zum ersten Mal kurz davor, dieses Werk zu beseitigen. Denn dort ist von „quecksilbriger Intelligenz“ die Rede. Bitte was? Und der Autor findet diesen Vergleich so wunderbar, dass er ihn noch mehrfach bemüht, bis sogar von quecksilberner Metaphysik gesprochen wird. Generell bläst Pascal Mercier dieses Buch auf fast 500 Seiten mit gekünsteltem, oftmals pseudo-intellektuellem Geschwafel auf, dass man sich als passionierter Leser fragt, ob man für blöd gehalten wird. Einer bzw. zwei meiner Lieblingssätze, die toll klingen, aber kaum etwas sagen sind auf Seite 170 zu finden: „Es war das gleiche Gefühl, und es war ein anderes, weil es nicht mehr dasselbe war. Es tat ihm weh zu spüren, dass es nicht mehr dasselbe war und dadurch eigentlich auch nicht mehr das gleiche“. Ach so…!? Wenn ich dann Kritiken lese, die so etwas mit Kafka vergleichen, bekomme ich einen Herzklappenriss. Kafka konnte mit wenigen, aber treffenden Worten viel sagen. Das ist Wortgewalt. Mercier aber sagt mit viel zu viel prätentiösen Worten allerhöchstens wenig. Des Weiteren ist die Geschichte zwar nicht uninteressant, aber an vielen Stellen auch einfallslos. Der Hauptfigur wird es durch die uneingeschränkte Hilfsbereitschaft der noch lebenden Freunde und Verwandten Prados unglaublich leicht gemacht das Puzzle seines Lebens zusammenzusetzen. Man muss bedenken, dass Ramund Gregorius ein vollkommen Fremder ist, der die Sprache anfangs nur rudimentär beherrscht. Dennoch erhält er fast prompt alle erdenklichen Informationen über Prado und bekommt sogar Schriftstücke ausgehändigt, die teilweise nicht mal von nahen Verwandten gelesen wurden. Ich halte diese Philanthropie für äußerst übertrieben und märchenhaft.
Im Großen und Ganzen schlussendlich ein interessanter Aufhänger für einen Roman, der sogar manchmal tiefgründige Gedanken hervorbringt und zum Nachdenken anregen kann, der aber leider für mich an der Sprache und einigen einfallslosen Ausführungen gescheitert ist.
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am 25. Februar 2005
Ein alternder, pflichtbewußter und sprachverliebter Lehrer eines humanistischen Berner Gymnasiums gerät aus seiner gewohnten Lebensbahn.
Ausgelöst durch eine skurril verlaufende Begegnung mit einer jungen, ihm bis dato unbekannten Portugiesin kommt es dazu, daß er Hals über Kopf die seit Jahrzehnten ausgetretenen Pfade des Unterrichtens und Studierens verläßt und nach Lissabon reist. Dort folgt er den Spuren eines Mannes, der ebenfalls ein sehr ernsthafter, gebildeter und dazu noch selbstreflektierter Mensch war. Im Zuge seiner Nachforschungen begegnet er etlichen weiteren klugen Menschen, deren Schicksale miteinander verwoben sind und die reichhaltige Informationen über jene Person liefern, deren Spuren der Lehrer aus der Schweiz folgt.
Der Roman spielt ausschließlich im Gelehrten-Milieu. Kinder und Ungebildete tauchen nicht auf, jegliche Situation und Person des Romans ist bedeutungsschwanger und transportiert eine Botschaft.
Vorausgesetzt, man mag diese Art Literatur, hat man mit dem Erwerb dieses Buches einen Glücksgriff getan! Peter Bieri alias Pascal Mercier verpackt seine philosophischen Gedanken hier perfekt in Romanform. Bei vorhandenem Interesse an tiefründigen, ins Philosophische reichenden Fragen über Verantwortung, berufliche Erfüllung, die Bedeutung des Lebens und anderes mehr wird man beim Lesen dieses Buches große Freude haben und vermutlich die Lektüre genüßlich lange strecken, viele Seiten mehrfach lesen und die ausgefeilte Sprache (sowie die ausgefeilten Betrachtungen über Sprache) genießen!
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am 20. August 2006
Pascal Mercier hat eine an sich gute Geschichte für meine Begriffe nicht immer überzeugend erzählt.
Ziemlich konstruiert geht es los: ein Schweizer Altphilologe rettet eine attraktive Portugiesin vor dem Suizid. Fasziniert von der Sprache der Frau gerät er in einer Buchhandlung an das Buch eines portugiesischen Schriftstellers, das den offenbar knochentrockenen Berner in Brand setzt. Er wirft sein bisheriges Leben hin und begibt sich nach Lissabon, um sich auf die Spur des längst verstorbenen Autors zu machen.

Wenn man über den holprigen Einstieg hinwegsieht, ist die Geschichte selbst recht interessant. Wie Raimund Gregorius, indem er das Leben des Portugiesen zu verstehen sucht, sein eigenes Leben und seine (Irr)Wege aufdröselt, hat mich überzeugt. Mercier kann schreiben; für mein Gefühl hat er sich aber nicht genügend Zeit gelassen, die an sich gute Idee ordentlich auszuarbeiten und in sich reifen zu lassen. Manchmal wirkt der Roman wie mit einer heißen Nadel gestrickt. So leistet er sich immer wieder Unstimmigkeiten und Plattitüden. Dazu 2 Beispiele:

Zum einen ist gerade noch nachzuvollziehen, dass ein früherer Lehrer des Portugiesen sich nach 70 (!) Jahren an den einstigen Musterzögling erinnert, wie er aber dessen Beziehung zu einem Mädchen in ihrer psychologischen Tiefe angeblich noch parat hat, ist nicht stimmig.

Im Laufe seiner Suche trifft Gregorius eine weitere Frau, die im Leben seines Autors eine wichtige Rolle spielte. Sie ist jetzt Professorin für Geschichte und er erlebt sie zunächst in einer Vorlesung mit einer Stimme, die eine Kathedrale füllen würde. Und ein Blick, der einen hoffen ließ, die Vorlesung möge niemals enden." Platter geht es nicht. Deshalb leider nur 2 Sterne!
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am 29. Juli 2008
Die Geschichte des Gregorius Raimund ist eine spannende Reise in das Leben eines anderen Menschen und in sein eigenes. Gregorius lernt auf dieser Reise viel über sich selber kennen, vor allem aber fängt er an ans ich und seinem gewählten Lebensweg zu zweifeln und stellt auch einiges in Frage. Obwohl die Geschichte einige kleine Höhepunkte hat, ist dennoch kein richtiger typischer Spannungsaufbau, wie man ihn aus anderen Romanen kennt, vorhanden. Was aber nicht bedeutet, dass dieses Buch langweilig ist. Es ist ein philosophisches Buch, das sich mit den wichtigen Themen unseres alltäglichen Lebens beschäftigt: Freundschaft, Liebe, Beruf, Tod, Eltern. Ein schöner, stilistisch dennoch nicht besonders hervorzuhebender Roman, der eine perfekte Sommerlektüre darstellt.
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am 1. Juni 2005
Wenn einer eine Reise tut, dann wird er sich verändern...
Merciers philosophische Hommage an das Leben

„Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist - was geschieht mit dem Rest?"
Der Berner Lehrer für Latein und Griechisch Raimund Gregorius setzt sich mit genau dieser Frage auseinander als er beschließt aus seinem geregelten Alltag auszubrechen und den Spuren eines unbekannten Portugiesischen Autors zu folgen.
Auslöser ist das im Selbstverlag erschienene Buch Amadeu de Prados, welches dessen Leben als wohlhabenden Arzt im Kampf gegen die Diktatur unter Salazar in den 70er Jahren schildert, und gleichzeitig Erfahrungen und Fragen des Lebens in Worte fasst.
Fasziniert von dem im Buch abgebildeten Portrait des Autors, steigt Gregorius in den Nachtzug nach Lissabon und macht sich auf die Suche nach den Menschen, die an Prados Leben beteiligt waren. Es beginnt eine Reise durch die Geschichte Portugals und das Leben zweier grundverschiedener Menschen, die beide das selbe Ziel verfolgen: sich selbst zu finden.
Mit einer dichten und klaren Sprache nimmt Pascal Mercier den Leser in seinen Bann.
Je mehr Gregorius in dem Buch liest, desto intensiver wird der Leser in die Geschichte beider Charaktere involviert und beginnt sein eigenes Dasein zu hinterfragen. Was heißt es, einen anderen Menschen zu kennen, kann ich mich überhaupt verändern und welche Bedeutung hat das auf mein späteres Leben?
Man findet sich wieder, sowohl in dem Gewohnheitstier Gregorius, dessen Leben aus-gefüllt ist von der Welt der toten Sprachen, der Texte mehr liebt als das Leben und der aus Furcht vor Enttäuschung erst so spät den Mut findet, auszubrechen um zu prüfen, was sich noch in ihm verbirgt, als auch in dem Rebellen Amadeu, Sohn eines hohen Büro-kraten im Dienste der Diktatur, auch Sohn eines Vaters, der an einer unheilbaren Rü-ckenkrankheit leidet, aus diesem Grund Arzt geworden, oft überfordert von seiner eigenen Intelligenz und dem Wunsch, seinem strengen Vater zu gefallen.
Der Schweizer, an der Freien Universität Berlin lehrende, Philosoph Peter Bieri (60) veröffentlichte unter seinem Pseudonym Pascal Mercier drei Romane. Perlmanns Schweigen (1995) ist die Geschichte eines renommierten Sprachforschers, der plötzlich merkt wie ihm die Wissenschaft abhanden kommt. Der Inzestroman Der Klavierstimmer (1998) ist Bieris zweites Buch. Als bis jetzt letzte Erzählung folgte Nachtzug nach Lisa-bon (2004). In jedem Roman findet sich die Auseinandersetzung des Autors mit seinem realen Leben wieder. Die Furcht des Wissenschaftlers von den Fachgenossen nicht akzeptiert zu werden hat auch Bieri gespürt, als er der Situation ausgesetzt war, seine Rolle als Romanautor zu gestehen. Den Gedanken aus dem gewohnten Leben auszubrechen und einen völlig anderen Weg einzuschlagen hatte der Autor ebenfalls gehegt.
Alle Romane werden untermalt von einer kraft- und klangvollen Sprache. Sie behandeln die ganz großen Fragen zu Liebe, Freundschaft und Tod ohne jemals pathetisch zu werden.
„Die Fantasie ist unendlich viel intelligenter als der Verstand" sagte Bieri in einem Inter-view. Und das spürt man auch in seinem neuesten Roman. Er lässt den Leser in seine Schöpfungswelt eintreten und ihn mit ihr verschmelzen. Man findet in der Fülle an Charakteren scheinbar jede erdenkliche Persönlichkeit. Der strenge Vater, der in Wahr-heit nur Angst hat, sich vor seinem überlegenen Sohn lächerlich zu machen. Die große Liebe, die einen zurückweist„du bist zu hungrig" sagt sie und zerstört ein Leben. Jorge, den besten Freund und treuen Begleiter kennt wohl jeder, mit ihm führt Amadeu seine philosophischen Gespräche, sie stärken sich gegenseitig den Rücken, erst in der Schule, dann in der Revolution und setzten schließlich diese Freundschaft aufs Spiel.
Nachtzug nach Lissabon ist für Menschen, die Worte für ihre Gefühle und Gedanken suchen, die morgens aufwachen und nicht wissen, warum sie zur Arbeit gehen, und für Menschen, die wie Prado davon träumen eine Sprache zu finden, die klar ist wie Glas, weich wie Samt und frei von allen Klischees. „Ein Wind möge all die abgegriffenen Worte, all die faden Sprechgewohnheiten aus mir herausblasen, so dass ich zurückkommen könnte mit gereinigtem Geist, gereinigt von der Schlacke des immer gleichen Geredes."
Dieser Traum wird 495 Seiten lang erfüllt. (Und vielleicht noch über dieses Buch hinaus)
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