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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Flucht ins Internet...
Manchmal muss man einen ungewöhnlichen Weg gehen, um etwas wiederzubekommen, das man verloren hat – diese Erfahrung muss Jim Delpe gehen, als er seinem Sohn in das Onlinespiel LoL folgt. Sehr schnell wird er von dieser virtuellen Realität gefangen genommen und erfährt auf der Suche nach seinem Sohn auch sehr viel über sich selbst. McCarten nimmt...
Veröffentlicht am 4. September 2012 von Eskalina

versus
3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ganz normale Helden
Meine Meinung:
„Ganz normale Helden“ ist eigentlich die Fortsetzung von „Superhero“, wobei ich sagen muss, das erste Buch nicht gelesen zu haben, allerdings deshalb auch keinerlei Probleme hatte, der Geschichte zu folgen. Sicherlich ist es ganz interessant zu sehen, wie die Krankheit von Donny die Familie verändert und wie sie letztlich...
Vor 19 Monaten von Sarlascht veröffentlicht


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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Flucht ins Internet..., 4. September 2012
Von 
Eskalina (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Ganz normale Helden (Gebundene Ausgabe)
Manchmal muss man einen ungewöhnlichen Weg gehen, um etwas wiederzubekommen, das man verloren hat – diese Erfahrung muss Jim Delpe gehen, als er seinem Sohn in das Onlinespiel LoL folgt. Sehr schnell wird er von dieser virtuellen Realität gefangen genommen und erfährt auf der Suche nach seinem Sohn auch sehr viel über sich selbst. McCarten nimmt sich in seinem neuen Roman die Welt des Internets vor. Es geht um ganz normale Menschen, die ihren ganz normalen Alltag leben, in den mittlerweile fast überall das Internet Einzug gehalten hat und einen großen Teil der täglichen Routine beherrscht. McCartens „ganz normalen Helden“, die Familie Delps ist dabei, an der Trauer um den Tod des jüngsten Sohnes zu zerbrechen und schafft sich ihre virtuellen Rückzugsorte. Hier können sie sein, wie sie sind – Jeff wird der große Abenteurer und Held in LoL, Jim, im normalen Leben Anwalt und Kämpfer gegen das Verbrechen ermordet plötzlich Kinder und Renata, Übermutter und Hausfrau, sinniert mit einem Seelsorger über Sünde und Moral.

Es ist der Schreibstil von McCarten, der mich immer wieder so begeistert. Es ist, als würde man zusammen mit seinen Figuren durch die Handlung gehen. Gerade bei diesem Plot gerät man in einen Sog, der einen immer tiefer in die Verwicklungen um die Delps hineinzieht. Man spürt in jeder Zeile mit der er die drei Familienmitglieder beschreibt, ihre Mischung aus Trauer, Wut und Hilflosigkeit und sieht als Leser, wohin die Reise in die Scheinwelt führen kann und möchte sie am liebsten warnen. Wie schnell moralische Grenzen überschritten werden und welche Gefahren der Schritt aus der Anonymität des Netzes in die reale Welt bergen kann, all das macht McCarten hier deutlich. Manchmal finden sich ein paar kleine Klischees, doch sie passen zu der Handlung, in der es ja um große Gefühle geht. Wer sich nicht mit Online-Spielen auskennt, der dürfte eventuell nicht so schnell den Zugang zu den vielen geschilderten Szenen haben, die Jeff und Jim online erleben und diese Episoden möglicherweise als etwas zu langwierig empfinden – mir haben sie sehr gut gefallen.
Bei diesem Roman handelt es sich um die Fortsetzung von „Superhero“, und doch um eine eigenständige Geschichte. Man muss „Superhero“ nicht kennen, um sich von den „ganz normalen Helden“ begeistern zu lassen.

Mein Fazit: Ich bin wieder einmal total begeistert von McCarten. Mit diesem Roman hat er sich meiner Meinung nach noch einmal gesteigert und ich hoffe, dass er, der sich scheinbar so gut in virtuellen Welten auskennt, seine Zeit nicht dort verbringt, sondern schon fleißig an seinem nächsten Buch schreibt...
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Geschichte von AGI und Merchant of Menace, 25. August 2012
Von 
Helga Kurz "Helga Kurz" (Stuttgart) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ganz normale Helden (Gebundene Ausgabe)
Wo finden Sie sich wieder?

Wenn Sie (wie der Autor und ich) Kinder haben, die gerade mal so eben erwachsen sind, gehören Sie zu der ersten Elterngeneration überhaupt, zu den „Digital Immigrant“, die ihre Kinder im Computer- und Internetzeitalter großgezogen haben, eine weltumspannende Sache, die Sie erst als Erwachsener kennengelernt haben. Sie haben wahrscheinlich, vielleicht ohne jemals ein Rollenspiel am Computer gespielt zu haben, viele Schlachten geschlagen. Und verloren. Beim Hase- und Igel-Spiel waren Sie meist der oder die mit der hechelnden Zunge, stimmt’s?

Wenn Sie einer dieser jungen Menschen sind, die heute „Digital Natives“ genannt werden, werden Sie vermutlich (wie meine Jungs) nur grinsen, wenn Ihnen von diesem Buch berichtet wird, das Sie vermutlich, wenn überhaupt, nur digital lesen werden. Denn das Lesen haben die meisten von Ihnen ja nicht aufgegeben, nur die Bücherwände Ihrer Eltern sind für Sie ungefähr so kalter Kaffee, wie für uns die selbstgehäkelten Sofaschonerdeckchen unserer Großmütter.

Wenn Sie keine Kinder haben, sind Sie entweder noch jung und werden, was Computer und Internet anbelangt, mit ihren künftigen Kindern, sofern Sie welche haben werden, vielleicht gelassener umgehen, oder Sie sind älter und glauben, dass sich Kindheit und Jugend seit Menschengedenken ähneln. Sie irren sich. Zwischen der Art, wie ich meine Jugend und meine Söhne die ihre verbracht haben, liegen Welten. Virtuelle Welten.

Der Blickwinkel auf dieses Buch kann daher besonders unterschiedlich sein.

Der 18-jährige Jeff, dessen Avatar „Merchant of Menace“ ein erfolgreiches Heldenleben in dem Computerspiel „Life of Lore“, „LoL“ (!) führt, hat in der Realität gestrichen die Nase voll von seinem Elternhaus. Von der Schule sowieso. Nachdem sein kleiner Bruder vor einem Jahr an Krebs gestorben ist, hat er sich redlich bemüht, der Kitt zu sein, der seine auseinanderdriftenden Eltern zusammenhält. Jetzt hält er den Spagat nicht mehr aus. Seine Mutter schnüffelt ihm nach und reagiert panisch, wenn er sich nur um wenige Minuten verspätet und hat sich ansonsten ganz in ihrem Schmerz vergraben. Und sein Vater, der (vorläufig noch) erfolgreiche Rechtsanwalt? Ach, sein Vater… Jeff schnappt sich den Laptop und lässt das familiäre Elend hinter sich. Seine Eltern stehen sich schon bald darauf mit offenem Visier gegenüber. Der eine, der sich in der ländlichen Idylle verschanzt und die andere, die ihren Schmerz nicht lassen will und die Bewältigung der Trauer als Verrat begreift.

Er: „Du. Wirst. Ihn. Nie. Wiedersehen.“

Sie: „Das Problem ist, dass ich gern mit Donald tot wäre… das Problem ist – dass ich die Hälfte meiner Zukunft verloren habe. Und jetzt habe ich auch noch die andere verloren… Das Problem ist – dass ich den einzigen Ehemann, den ich in meinem Leben haben werde, nicht mehr liebe… Das Problem ist – dass ich den Teil von mir verloren habe, der glücklich war. … Das Problem, mein Lieber, das Problem ist, dass ich das Gefühl habe, dass so ziemlich alles, was mir in meinem Leben einmal wichtig war, jetzt nichts mehr bedeutet.“

Er: „… Bitte geh’ zu einem Psychologen.“

So ist der Stand der Dinge, als Jeff das Haus mit unbekanntem Ziel verlassen hat. Und während seine Mutter Freunde und Telefonnummern abklappert und zum Schreckgespenst jener wird, denen das häusliche Glück noch hold ist, macht sich sein Vater auf dem Weg in die Welt von „Life of Lore“. Wenigstens dort will er seinen Sohn finden und wieder näherkommen…

Dass Antony McCarten sehr erfolgreich Theaterstücke und Drehbücher schreibt, ist auch in seinen Romanen zu spüren. Dieses Buch hat den Finger am Puls der Zeit. Gleich zu Beginn sind seine Protagonisten „on stage“ und da bleiben sie auch bis zum Ende. Ungekünstelt, mit leichter, jedoch nicht seichter Hand schafft er lebendige Szenarien; seine Geschichten sind Tragikkomödien, Dramen, mit einem hohen Anteil Wörtlicher Rede, die Kino im Kopf erzeugen. „Ganz normale Helden“ hat eine Vorgeschichte namens „Superhero“, in der das kurze Leben von Donald Delpe, 14, witzig und dennoch unter die Haut gehend erzählt wird. Er war Jeffs kleiner Bruder, der hier seinen Kampf gegen den Krebs bereits vor einem Jahr verloren hat. Aber seine genialen Comiczeichnungen gibt es noch und sein Bruder trauert auf unkonventionelle Weise sehr um ihn. Hightechmäßig, sozusagen. („Superhero“ kommt dieses Jahr unter dem Titel „Am Ende eines viel zu kurzen Tages“ in die deutschen Kinos.)

Für mich war die Lektüre von „Ganz normale Helden“ fordernd. Das Internet ist hier ständig präsent und es zeigt sich deutlich, wie sehr es im Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte besonders mit seinen dunklen Seiten unsere Gesellschaft verändert hat. Vermutlich hat es, nachdem jahrzehntelanger Friede und daraus resultierender relativer Wohlstand für viele den Boden bereitet hat, sehr zur inneren Vereinsamung beigetragen. Es ist so viel bequemer, sich auszuloggen, als einen Konflikt im wirklichen Leben zu lösen. Die virtuelle Welt ist in die reale eingedrungen, sie beeinflusst Beziehungen: Wirken sich virtuelle Flirts oder gar Ehebruch wie in diesem Buch auf die Gefühle des Partners nicht so verheerend aus wie in der Realität? Halten unsere Gefühle geschmeidig Schritt mit der schönen, neuen Welt oder sind sie nach wie vor, uralten Instinkten folgend, so wie sie seit Menschengedenken waren? Wie geht man mit einer Frau um, die mit „Gott“ chattet? Was kann die Realität der Faszination von Rollenspielen, die McCarten sehr eindrücklich schildert, entgegensetzen? Welcher reale Körper kann mit der möglichen Perfektion von Avataren mithalten? Wie schmerzhaft ist es, im Internet immer wieder auf Spuren geliebter Menschen zu stoßen, die gestorben sind? Im Netz endgültig zu sterben, wird immer schwieriger und ist eines Tages vielleicht überhaupt nicht mehr möglich, auch wenn es mittlerweile sogar virtuelle Friedhöfe gibt. Und nicht zuletzt, ist es doch so viel einfacher, im Internet seine wahre Identität zu verschleiern und anderen etwas vorzumachen. Im Netz sieht niemand, wenn Sie „einen Ar*** haben, den man ansieht, dass er am liebsten sitzt“ (Vorsicht mit Fotos!)

Die Mitglieder der Familie Delpe haben sich gründlich im Netz verfangen. Es ist sehr beklemmend, ihnen bei ihren Verstrickungen über die Schulter zu sehen. Im krassen Widerspruch dazu stehen das kostspielige Häuschen auf dem Lande aus einer ganz anderen Zeit und die Sehnsucht nach den Heilkräften der Natur. Doch seinem Zeitalter ist noch niemand entkommen. Das Häuschen ist Fassade und birgt im Innern das 21. Jahrhundert, Internetanschluss inklusive. Das Ende der Geschichte mag uns zwar tröstlich scheinen, vielleicht sogar optimistisch stimmen, Zweifel bleiben dennoch.

Helga Kurz
25. August 2012

Superhero
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ... nichts als die Fahne des Robinson auf dem höchsten Punkt der Insel. (Kafka), 4. November 2012
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Ganz normale Helden (Gebundene Ausgabe)
"... doch alle drei kommunizieren schon heftig auf jenen geheimen Kanälen,
auf denen sie für alle Zeit, und was auch immer geschieht, verbunden sind."

So wie Jeff als Merchant of Menace ins Internetspiel entführt wird, so wie Jim als AKI sich auf die Suche nach ihm macht und sich beinahe selbst verliert, so spürt der Leser den Sog dieses Buches und die Genialität eines Autors, selbst zu erzeugen, was er als Abhängigkeit erkennt. Als Leser weigern Sie sich nahezu, dass Buch aus der Hand zu legen.

Anthony McCarten (1961-) gelingt es, in einer brillanten Sprache die Diskrepanz zwischen digital natives und digital immigrants aufzuzeigen. Ihm gelingt es, das Netz zu spinnen, an dem alle hängen. Das familiäre Netz, dass ihre ursprüngliche Kommunikation erzeugt hat und welches nun durch einen Todesfall aus den Fugen geraten ist. So führt es in ein neues Netz der Ablenkung, weil den Hinterbliebenen die Anschlusskommunikation nicht mehr möglich war. Alle gehen ihre Wege, Jeff ins Cyberspiel, Renate, die Mutter, in eine online-Beichte, Jim als Vater und moderner Cowboy begibt sich auf die Suche nach seinem Sohn in eine ihm unbekannte Welt und muss sich dort neu kennenlernen. Sie fliehen aus dem Real Life, weil das virtuelle den Schein eines Halts bietet.

Sich selbst begegnen ist diese zweite Headline, die unterschwellig für jeden mitschwingt. Neue Orientierung über andere Wege wird gesucht, ein Fragen ohne Antworten, ein Vermuten zwischen Leben und Tod, ein Agieren zwischen Virtualität und Realität. In der Tat führt das eine ins andere, die Vermischung ist es, die zeigt, dass alles Eins ist und dass nun am Ende das neue Reale überhand gewinnt, wie das Spüren von "Haut an Haut" Einsamkeit überwindet.

Einbruch des ganz Anderen, Ausbruch aus dem Gewohnten - diese beiden Weisen zeigen, dass das Normale nichts beweist, die Ausnahme ist es und diese Ausnahme hier durchbricht mit der Kraft des wirklichen Lebens die Kruste eines Lebens in Wiederholung.

Ein moderner, sehr lesenswerter Roman, der fesselt, begeistert und sehend macht.

Einige Sentenzen:

... wenn ein Mensch sich in ein Spiel vertieft, dass ihm gefällt, gibt es für den Verstand keinen Grund, nicht daran zu glauben. (S.98)
Aber die Wahrheit ist nicht beliebt und wird nie verstanden. Bei einer schmeichelhaften Lüge verhält es sich genau umgekehrt. (S.115)
... vielleicht steckt auch mehr dahinter, etwas in dir selbst, dass du erforschen willst im dunkel der anonymität. (S.143)
Die Herausforderung? Sie besteht darin, dass wir unser Leben buchstäblich wieder selbst in die Hand nehmen müssen. Irgendwie. (S.206)
So reagieren Menschen heute. Sie gehen nur näher ran, um einen besseren Aufnahmewinkel zu bekommen. (S.361)
Liebe ist das Gefühl, dass in uns entsteht, wenn jemand uns bestätigt, dass wir so sind, wie wir uns in unseren hoffnungsvollsten Augenblicken sehen - (S.423)

~~
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Abenteuerreise ins Internet, 3. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Ganz normale Helden (Gebundene Ausgabe)
Jim ist ein langweiliger Rechtsanwalt, seine Frau Renata eine überbesorgte, depressive Mutter. Die beiden haben ihren Sohn Donald als Jugendlichen durch Krebs verloren (Buch "Superhero") und verlieren nun ein Jahr später auch noch ihren zweiten Sohn Jeff. Er geht weg und hinterlässt keine Adresse und niemand weiß, wo er ist. Da macht Jim sich im Internet auf die Suche nach seinem verlorenen Sohn und entdeckt dort ganz erstaunliche Dinge über seinen Sohn und über sich selbst und über das Leben ...

Der 52jährige Neuseeländer Anthony McCarten schreibt flüssig, spannend, humorvoll. Man mag das Buch gar nicht wieder aus der Hand legen. Neben den beiden Grundstories - Jim wird zum Helden "Agi" im Internetspiel "Life of Lore" und Renata chattet immer wieder mit einem virtuellen Beichtvater namens "Gott" - innerhalb dieser beiden Stories gibt es jede Menge internetmäßig vertrackte Einzelfragen: Soll Agi im Spiel dem hilfreichen Captain Friendly trauen oder seinen Kopf mit einem headshot zum Platzen bringen? Wie haben ein männlicher Agi und eine weibliche Kayla im Internet Sex miteinander, und was passiert dabei mit den Personen an der Computertastatur? Ist es moralisch erlaubt, maskiert im Internet mit seinem eigenen Sohn ein Buddy-Gespräch von Mann zu Mann zu führen, und was macht man, wenn man dabei Dinge über sich zu hören bekommt, die man gar nicht wissen will? Und ganz ernsthaft spitzt sich der Roman immer mehr auf die eine große Frage zu: Welche Auswirkungen hat ein intensives Teilhaben und Mitspielen in einer virtuellen Internetwelt ("Life of Lore") auf mein Verhalten in der realen Welt? Der Roman spielt deutlich mit der These: Ein Internetspiel ist keineswegs nur ein Spiel. Wer im Internet Mut und Kampfgeist und Durchsetzungsfähigkeit trainiert (Agi), verändert sich nach und nach auch im realen Leben. So findet sich der Langweiler Jim plötzlich in einem sehr realen, lebensbedrohlichen Kampf Mann gegen Mann mit einem mehrfach bestraften Gewalttäter wieder ...

Man merkt, dass McCarten kein Jugendlicher mehr ist; seine Einblicke in die Absurditäten und Brutalitäten des Internets sind keineswegs so überraschend und schockierend, wie die handelnden Personen des Romans immer wieder sagen. Es geht im realen Internet noch viel bunter und wilder zu als in diesem Roman. Aber der Roman vermittelt auf humorvolle Weise treffende und solide Grunderkenntnisse über das world wide web, ist vergnüglich zu lesen und - hat ein tolles, sogar biblisches happy end: Alles wird gut. Lukas 15, 20 leuchtet anschaulich wie eine gut verfilmte Theaterszene vor dem inneren Auge des Lesers auf. Der Kampf und das Leiden hat ein Ende.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erschreckend und berührend zugleich..., 20. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Ganz normale Helden (Gebundene Ausgabe)
Das Leben der Familie Delpe gleicht dem virtuellen Schlachtfeld des Onlinespiels “Life Of Lore”, in dem sich der 18-jährige Jeff Delpe Tag für Tag verliert. Seit sein 14-jähriger Bruder Donny vor einem Jahr verstarb sind Jeff und seine Eltern Einzelkämpfer mit dem verzweifelten Wunsch, den Weg aus der Trauer und dem Schmerz zu finden. Statt liebevoller Unterstützung und gemeinsamer Trauerarbeit herrscht bei den Delpes eine Atmosphäre von Hoffnungslosigkeit, gegenseitigem Unverständnis und Verlustangst. Die vielen Auseinandersetzungen, die aus dieser Situation entstehen, gleichen emotionalen Schlachten. Als Jeff diesen Zustand nicht mehr erträgt, beschließt er, dass seine Eltern nun einen anderen Zusammenhalt für ihre gescheiterte Ehe als ihren Erstgeborenen finden müssen, und flüchtet in eine ungewisse Zukunft fernab seiner Eltern. Während sich Jim und Renata nun jeder auf die eigene Art und Weise auf die Suche nach dem verschwundenen Sohn machen, müssen sie sich ebenso wie Jeffrey weiterhin mit dem Verlust des jungen Donny auseinandersetzen.

Die Familie ahnt Familie nicht, wie sehr sich die verschiedenen Arten der Trauerbewältigung ähneln. Jeff versteckt sich weiterhin in der Welt von “LOL” und schafft seinem jüngeren Bruder dort ein virtuelles Andenken. Derweil chattet Renata regelmäßig mit einem Unbekannten, der sich “Gott” nennt. Nur Jim ist das Internet zunächst suspekt. Er beschließt, dass ein Umzug von London auf das Land der beste Weg ist, um der Familie wieder ein bisschen Glück zu bieten. Doch als er merkt, dass ihm nun auch der Verlust des ältesten Sohnes droht, beschließt er, Jeffs Welt im World Wide Web zu erkunden und seinen Sohn zu finden. Kurzerhand registriert er sich bei “Life Of Lore”. Anders als erwartet wird auch er von dem Spiel gefesselt und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis die letzten Reste seiner Ehe bröckeln; Jim erkennt, dass das Haus nicht der lang ersehnte Neuanfang ist und seine Partner in der Kanzlei keinen Gebrauch mehr für seine Arbeit haben. Was sich zunächst als Katastrophe abzeichnet, wird plötzlich die letzte Chance für Familie Delpe.

“Gänzlich verschwunden der aufsässige Jugendliche, der lebte, als hätte er permanent die FESTSTELLTASTE GEDRÜCKT, alles war ÜBERTRIEBEN UND SUPERDRINGEND UND ZU GROSS GESCHRIEBEN, GEFÜHLE WICHTIGER ALS VERSTAND, TRÄUME WICHTIGER ALS DAS GEWISSEN, ANGETRIEBEN VON SO VIEL ÜBERZEUGUNGSWILLEN UND HYPE, DASS DIE GRENZE ZWISCHEN FAKT UND FIKTION SCHLIESSLICH … VERPUFFT. Dieser Junge? Nicht mehr da. ” (S. 29)

Anthony McCarten hat mit dem Roman Ganz normale Helden die Fortsetzung zu Superhero veröffentlicht. Superhero befasst sich mit dem 14-jährigen Comiczeichner Donald Delpe, der dem Krebs erliegt. Ganz normale Helden knüpft an diese tragische Geschichte an und begleitet die Familie Delpe einige Monate nach Donnys Tod bei der Trauerarbeit im Alltag. Auch ohne Kenntnis des Vorgängerromans führt Anthony McCarten den Leser gefühlvoll in die von Schmerz und Trauer geprägte Welt der Familie Delpe ein. Mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit beschreibt er eine paradoxe Atmosphäre von Gleichgültigkeit und Verlustängsten. Kommunikation ist in dieser Familie scheinbar nur virtuell möglich. Die zwischenmenschliche Kommunikation ist auf ein Minimum beschränkt und zeigt eindrucksvoll das Ausmaß der familiären Probleme. Nach einigen Seiten wird bereits deutlich, wie schmerzlich Jeffs Lage ist. Der tote Donny gleicht in den Augen der Mutter mittlerweile einem Heiligen. Jeff hingegen muss sich ständig mit dem Misstrauen seiner Eltern und dem kaputten Familienleben auseinandersetzen. Letztendlich scheint es fast eine logische Konsequenz, dass er verschiedene Formen der Flucht ergreift.

Der Roman Ganz normale Helden beschäftigt sich mit der Trauer, der modernen Familie und besonders der Rolle des World Wide Web im täglichen Leben. Anthony McCarten schafft es, das Internet nicht zu relativieren. Er präsentiert einfühlsam die Bedeutung und den Einfluss der virtuellen Vernetzung auf die Kommunikation, das Zusammenleben und die Emotionen im realen Leben. Die Gefahren, die sich hinter der Anonymität des World Wide Web verbergen, aber auch die kleinen Lichtblicke, wie die ehrliche und fürsorgliche Gestalt namens “Gott”, werden im Roman ohne mahnenden Zeigefinger beschrieben. Erstaunlich, wie hier so unterschiedliche Themen mithilfe von authentischen Figuren zu einem so emotionalen Roman verschmelzen. Anders als erwartet, handelt es sich hier nicht um einen schwermütigen Roman. Vielmehr blitzt auf jeder Seite ein kleiner, verloren geglaubter Funke Hoffnung auf.
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5.0 von 5 Sternen Dieses Buch zeigt sehr gelungen wie unterschiedlich Menschen mit einem schweren Schicksalsschlag umgehen., 15. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ganz normale Helden (Kindle Edition)
Diese Familie hat durch eine schwere Krankheit den jüngsten Sohn verloren. Das Buch beschreibt sehr gelungen wie unterschiedlich die einzelnen Familienmitglieder auf den Verlust reagieren, wie das Verhältnis der übrig gebliebenen zueinander, scheinbar zerstört ist und wie sie, teilweise über recht ungewöhnliche Methoden, den Kontakt zueinander suchen und am Schluss auch wieder herstellen können. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen und ich kann es nur weiterempfehlen.
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5.0 von 5 Sternen eine bewegende Geschichte, 24. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ganz normale Helden (Kindle Edition)
von Eltern, die nicht aufgeben. Von einem Sohn, der sich nicht genügend beachtet fühlt, weil die Trauer um den verstorbenen kleinen Bruder die Kraft der Mutter bindet und den Vater sprachlos gemacht hat. Als der zweite Sohn also 18 wird und das Haus verlässt, beginnt ein Umdenken.
In dieser Familie hat jeder die Trauer um das Familienmitglied zu bewältigen. Jeder von ihnen versucht es auf andere Weise und vergisst darüber zu leben und sich um die Anderen, noch Lebenden, zu kümmern.
Das Buch beschreibt sehr einfühlsam, wie verschieden Bewältigungsstrategien sein können. Nicht ohne einen Tick Humor und Selbstironie, die sehr befreiend wirkte. Eine wahrhaftige gute Geschichte.
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4.0 von 5 Sternen Gute Unterhaltung, 23. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ganz normale Helden (Kindle Edition)
Das Buch liest sich in wenigen Stunden, wirklichkeitsnah, unterhaltsam und spannend. Für mich jedoch mit einem unbefriedigenden Abschluss. Durchaus empfehlenswert auch als Urlaubslektüre.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Flucht aus der Realität, 26. Oktober 2012
Von 
Gospelsinger (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Ganz normale Helden (Gebundene Ausgabe)
Es ist schlimm, wenn ein Kind stirbt. Schlimm für die Eltern, und schlimm für die Geschwister.
Ein Jahr nach dem Tod ihres Sohnes Donald sind Jim und Renata immer noch nicht wieder zu einem normalen Leben fähig. Jim hat ein Haus auf dem Land gekauft und meint, dass die Abgeschiedenheit hilfreich für die Familie sein wird, und Renata chattet mit einem Online-Priester. Oder vielleicht auch direkt mit Gott.
Dass ihr 18jähriger Sohn Jeff trotz seiner eigenen Trauer versucht, ihnen über den Verlust hinwegzuhelfen, merken Jim und Renata nicht einmal. Also haut Jeff ab. Erst in das Online-Rollenspiel „Life of Lore“ (LoL), dann auch in der Realität. Jeff ist eines Tages spurlos verschwunden und meldet sich nicht mehr.
Jim verzweifelt daran, denn er will nicht auch noch sein zweites und letztes Kind verlieren. Also macht er sich auf die Suche, auf die virtuelle Suche. Er meldet sich bei LoL an und versucht dort, seinen Sohn zu finden. Aber das ist gar nicht so einfach, denn Jeff hat das höchste Level erreicht. Jim muss sich im Spiel hocharbeiten, um Jeff treffen zu können. Das hat Folgen…
Dieses Buch ist die Fortsetzung von „Superhero“, lässt sich aber auch problemlos lesen, wenn man den ersten Band nicht kennt.
Sehr positiv fand ich, dass in diesem Buch deutlich wird, dass nicht nur Jugendliche dem Reiz der Online-Rollenspiele erliegen, sondern auch Erwachsene sich so sehr darin verlieren können, dass ihr beruflicher und privater Alltag darunter leidet. Nicht nur Kinder und Jugendliche müssen Medienkompetenz lernen, auch deren Eltern.
Die Beschreibung des Spiels hat mir an der Geschichte am besten gefallen. Ich glaube, auch ich wäre diesem Spiel verfallen, so interessant klingt es. Diese Teile des Buches sind auch am humorvollsten.
Die Charaktere wirken lebendig und authentisch, auch wenn ich ihre Reaktionen und ihr Verhalten nicht immer nachvollziehbar fand. Und der flüssige Schreibstil sorgt für eine gute Lesbarkeit. Lediglich das Ende fand ich ein wenig abrupt.
Anthony McCarten hat einfach ein Händchen für ungewöhnliche und fesselnde Geschichten.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen von level zu level, 26. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Ganz normale Helden (Gebundene Ausgabe)
Lost in the world wide web!, So könnte der Untertitel lauten.
Verloren hat der Protagonist Henry Delpe seinen 18 jährigen Sohn Jeff, zunächst im realen Leben. Er kommt nicht an ihn heran, ebenso wie die hilflose Mutter.
Hilflos, nein nicht so ganz, denn sie ist durchaus in der Lage sich Hilfe zu holen, auch aus dem Internet und dann noch von Gott, ein nettes Synonym im Chat, dass sie gleichzeitig auch verwundbar macht und zu einem gläsernenn Menschen.
Kommunikation in der Familie Delpe findet also nur im Internet statt.
Es ist also nur naheliegend, dass Henry es auch versucht und den Kontakt zu seinem verlorenen Sohn über lifeoflore, dem grossen Onlinespiel herstellen möchte. Sein Sohn, im Spiel der Merchant of Menace (Shakespeare lässt grüssen)bekommt Kontakt zu AGI, seinem Vater. Es spielt, wie bei Shakespeare auch das Böse mit, nämlich Luther, ein enger Vertrauter und Meister Jeffs. Denn Meister braucht man für dieses Spiel, das lernt Henry schnell, wie auch das Geschick sich von level zu level hochzuarbeiten.
Das ist Henrys Ziel, weil er weiss, dass er dann in die höheren Ränge kommt und somit mehr Kontakt zu seinem Sohn haben kann. Aber die Gegenseite schläft nicht unbd stellt Fallen, und wie soll es auch anders sein mit verlockenden Frauen und Cybersex.
Henry hat schon längst den Kontakt zum realen verloren und zeigt die Symptome eines Onlinejunkies, er nähert sich der Realität seines Sohnes an.
Learning by doing: er versteht die Tiefen, Abgründe und Sehnsüchte des Onlinespiels.
Der schöne Schein und der trügerische Ruhm, die in Onlinespielen vor allem auch kommerziell ausgenutzt werden, finden hier in diesem brillianten Roman Eingang.
Aufschlagen, anfangen zu lesen und bis zum letzten Wort nicht mehr weglegen.
Viele Eltern von Teenagern werden diesen Roman lieben und schätzen, aber auch wenn die Kinder gross sind und davongekommen.
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Ganz normale Helden
Ganz normale Helden von Anthony McCarten
EUR 9,99
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