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167 von 175 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 100 REZENSENTam 15. Juli 2013
Ich erinnere mich noch gut an die Passage eines Interviews, dass Joanne Rowling vor Jahren gegeben hat. Damals sagte sie, irgendwann würde sie nur noch Bücher unter Pseudonym veröffentlichen, weil ihr bewusst sei, dass die Menschen jedes neue Buch von ihr stets mit den Harry-Potter-Romanen vergleichen würden. Sofort nach Erscheinen von Ein plötzlicher Todesfall, ihrem ersten Werk nach Ende der Potter-Heptalogie, erwies sich ihre Voraussage als absolut korrekt. Tatsächlich stürzten sich einige Rezensenten (auf verschiedenen internationalen Internetseiten) wie die Geier auf das Buch und konnten die bittere Milieustudie gar nicht schnell genug zerreißen. Was mich dabei empört hat, ist die Tatsache, wie viele Rezensenten offen zugegeben haben, das Buch gar nicht gelesen zu haben, sondern allein deswegen 1-Stern-Rezensionen eingestellt zu haben, weil beispielsweise der Preis des Buches zu hoch sei oder schlichtweg, weil das Buch kein neuer "Potter" sei. Ein Schelm, wer sich da denkt, dass manch einer dieser Pseudo-Rezensenten mit Bitterkeit, Eifersucht und Neid auf den weltweiten Erfolg Frau Rowlings blickt. (Nachtrag am 20.07.: Wer einen Blick auf Amazon.com und Amazon.uk wirft, wird feststellen, dass der Roman in den ersten knapp zwei Monaten nach Erscheinen VOR dem Bekanntwerden, wer hinter dem Pseudonym steckt, ausschließlich mit 3, 4 oder 5 Sternen rezensiert worden ist, während seit dem 14.07. die 1-Stern-Rezensionen aus dem Boden schießen.)

Obwohl ich versuche, mich derartigen Vorverurteilungen zu entziehen, gebe ich unumwunden zu, dass ich dieses Buch erst heruntergeladen habe, nachdem ich erfahren habe, wer es verfasst hat, da ich die Harry-Potter-Bücher geliebt habe. Den ganzen Sonntag habe ich daraufhin mit Lesen zugebracht, was ich keineswegs bedaure, im Gegenteil: Der Roman hat mich einmal mehr von Rowlings Qualität als Autorin überzeugt, Harry Potter hin, Harry Potter her.

Natürlich hat Rowling mit ihrem jüngsten Werk das Genre des Kriminalromans nicht neu erfunden, (Ist das überhaupt möglich? Haben wir nicht alles schon einmal, um nicht zu sagen, viele Male, gelesen?), doch ist es der britischen Erfolgsautorin gelungen, eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen. Ich möchte aber zunächst anführen, was ich beim Lesen als etwas problematisch empfunden habe, nämlich dass Rowling viele Klischees verwendet, etwa bei der Wahl ihres Hauptprotagonisten, des Privatdetektivs Cormoran Strike. Strike ist eine Figur, wie sie bereits in sehr, sehr vielen (englischsprachigen) Büchern diverser Genres beschrieben wurde: Er ist ein 35 Jahre alter Kriegsveteran, der von seinem Einsatz in Afghanistan mit seelischen und körperlichen Wunden nach Hause zurückgekehrt ist (in diesem Falle ist seine Heimat die britische Hauptstadt London); er ist abgehalftert, seine wohlhabende und zu gewalttätigen Ausfällen neigende Langzeitverlobte Charlotte hat ihn soeben verlassen und seine finanzielle Lage ist prekär, da er kaum Fälle zu bearbeiten hat.

Das ändert sich, als sich ein nicht minder problembeladener Mann, der reiche Rechtsanwalt John Bristow, an ihn wendet und ihn damit beauftragt, den - im wahrsten Sinne des Wortes - tiefen Fall seiner jüngeren Adoptivschwester zu untersuchen. Besagte Schwester, das weltberühmte Model Lula Landry, dass ebenso wie der Privatdetektiv ein wandelndes Klischee mit On-/Off-Beziehung zu einem drogenabhängigem Musiker ist, soll sich aus dem dritten Stock ihres Appartements im Londoner Nobelbezirk Mayfair gestürzt haben, woran ihr Bruder berechtigte Zweifel hegt.

Unaufgeregt und mit einem Minimum an Action - auf wilde Verfolgungsjagden und blutige Gemetzel wie wir sie aus zahlreichen Krimis und Thrillern kennen, verzichtet Rowling weitgehend - führt uns die Autorin auf der Suche nach der Wahrheit durch das London der Gegenwart und macht uns mit seinen Bewohnern bekannt. Hier erinnert das Buch wieder an seine Vorgänger "Ein plötzlicher Todesfall" und an die Harry-Potter-Romane, denn wir bekommen es mit einer Fülle unterschiedlicher Charakteren zu tun, vom einfachen Arbeiter bis zum egozentrischen Modedesigner. Ihre Nebenfiguren hat Rowling so sorgfältig und präzise gezeichnet, dass ich sie dafür nur bewundern kann: Sie verleiht ihnen eine ganz eigene Stimme mit ausgesuchtem Wortschatz und individuellen Charaktereigenschaften und Verhaltensmustern. Eine meiner Lieblingsfiguren ist Strikes Aushilfssekretärin Robin Ellacott, die eigentlich nur für eine Woche von einer Zeitarbeitsfirma als Aushilfe geschickt wird und sich als ebenso effiziente wie kluge und fähige Assistentin erweist.

Fazit: Ich finde den Roman lesenswert, denn er verfügt über eine präzise Charakterzeichnung, schillernde Protagonisten und eine detaillierte Schilderung des mondänen London. Gefallen haben mir auch die ausgefeilten Dialoge, die der jeweiligen Person, deren Herkunft und Bildungsgrad angepasst sind. Da Joanne Rowling von blutigem Leichensezieren und politischen Analysen weitgehend absieht, fühlte ich mich beim Lesen an klassische Kriminalgeschichten erinnert.
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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. August 2013
Ich finde man sollte Rowlings Intention nachgeben und dieses Buch nicht mit schon Dagewesenem vergleichen, sondern das Buch als eine Art Neuanfang betrachten.
Dieser Neuanfang ist ihr gut geglückt, auch wenn es noch Schwächen gibt.

Was natürlich wieder einmal herraussticht, ist ihre unglaubliche Fähigkeit, den Leser in ihren Bann zu ziehen. Sie schreibt einfach fantastisch und das Buch liest sich weg wie nichts. Selbst ihre teilweise ausschweifenden Beschreibungen tun dem kein Abbruch.

Warum also nur 4 Sterne geben?

Ich möchte nichts vom Inhalt erzählen, was ja immer schwierig ist, aber ich versuche zu umschreiben, was mir nicht so gut gefiel.

Die Geschichte als solches finde ich prima.
Allerdings finde ich den Hauptcharakter (Cormoran Strike) etwas zu stereotypisch (abgewrackter, mittelloser, vor Kurzem aus einer langjährigen Beziehung geschiedener Detektiv).
Die Geschichte selbst hätte mehr Abwechslung vertragen können, das heißt weniger Interviews und eventuell mehr gefährliche Dreh- und Angelpunkte, denn wo auf dem Klappentext des Buches irgendetwas von Gefahren für ihn steht, umso mehr er sich mit dem Fall beschäftigt, ist in dem Buch von den Gefahren nicht so viel zu lesen.

Das Gravierndste aber fand ich das vorhersehbare Ende. Ab dem ersten Kapitel wusste ich, wer der Täter ist. Das ist zu einfach.
Da hätte ich der grandiosen Geschichtenschreiberin Rowling doch noch mehr zugetraut.

Für die Schwächen gab es den Stern Abzug, aber insgesamt liest sich das Buch wunderbar und fesselt auch durch die tolle Erzählweise.
Da sie angekündigt hat, weiter an dieser Figur zu arbeiten und weitere Cormoran Strike Bücher zu veröffentlichen, bleibt die Hoffnung, dass sie sich da noch mehr überraschende Wendungen und unvorhergesehende Handlungsstränge einfallen lässt.
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. August 2013
Nach der Veröffentlichung Ende April kam Mitte Juli heraus, dass es sich bei Robert Galbraith, dem Verfasser von „The Cuckoo’s Calling“, um ein Pseudonym von „Harry Potter“-Autorin Joanne K. Rowling handelt. Zu den Wirren um die Aufdeckung des Pseudonyms sei auf die Tiefen des Internets verwiesen.

Wie wohl die Meisten bin ich auch erst nach dem Bekanntwerden von JKRs Autorschaft auf den Roman aufmerksam geworden, ob sich das gelohnt hat, wird mein Fazit zeigen, es sei aber gleich Eines gesagt (auch wenn es vermutlich schon unzählige Male erwähnt wurde):
Es handelt sich um einen Krimi. Mit „Harry Potter“ hat das Ganze nichts zu tun. Jedenfalls inhaltlich.

Auf eine Inhaltszusammenfassung verzichte ich hier aber (dazu gibt’s auch Genug im Web), daher direkt zu einer der großen Stärken Rowlings (jedenfalls in meinen Augen): Wie schon bei den Potter-Büchern und auch bei „A Casual Vacancy“ zeigt JKR ihr Talent in der Ausgestaltung der Tiefe der „Welt“, nur dass es sich hier eben nicht um eine Fantasy-Welt oder ein abgeschiedenes Dörflein handelt. Die Charaktere, allen voran Protagonist Cormoran Strike, werden mit einem glaubhaften Hintergrund unterfüttert. Sie handeln plausibel, ihre Gedanken und Taten sind nie ohne Motivation. Es ist zwar ein Trend von aktuelleren (Fernseh-)Krimis, das Privatleben der Ermittler mehr in den Vordergrund zu rücken und das kann auch gehörig schief gehen, aber hier hat man einfach das Gefühl, dass Rowling sich wirklich Gedanken über die Charaktere gemacht hat. Sie haben zwar stets einen Touch Klischeebild an sich und man erkennt Grundmuster von Typen hinter ihnen (der körperlich grob wirkende, im Privatleben scheiternde Privatdetektiv und Ex-Soldat Strike; der Dandy-Rockstar Duffield mit weichem Kern; die fragile Rochelle mit psychischen Problemen), aber mal ganz ehrlich – ein jeder, der ein wenig durch die Welt läuft, wird sich eingestehen müssen, dass er selbst Menschen Typen zuordnet. Die „Typen“ sind bei JKR aber, wie gesagt, nur der Unterbau, der Grundlage bildet für höchst individuelle, mit einer eigenen Lebensgeschichte ausgestatteten Charaktere.
Es schwächelt da vielleicht ein wenig ausgerechnet bei Robin, Strikes „halber“ Assistentin, die auf mich irgendwie ein wenig farblos wirkt; ihre Beziehung zu Matthew finde ich auch ein wenig unglaubwürdig – gerade verlobt, auf dem Höhepunkt des Glücks quasi, bringen die beiden ein paar Kleinigkeiten zum Streiten? Spekulation: in den Folgebänden (denn solche sind ja angekündigt) wird die Trennung, die jetzt bemüht sachte vorbereitet wurde, schließlich durchgeführt. Man wird sehen.
Das sind aber auch so ziemlich die einzigen Kritikpunkte, die ich an den Charakteren zu äußern habe. Ansonsten sind sie, ich kann es nicht oft genug sagen, ausgezeichnet und glaubwürdig dargestellt. – Ebenso wie das Setting, die ganze Umgebung: Rowlings London-Kenntnisse sind unverkennbar. Mit Umsicht werden zudem Räumlichkeiten oder kleinere, scheinbar unwichtige Ereignisse farbenfroh gezeichnet; Einiges, das für den reinen Plot in dieser Ausführlichkeit irrelevant sein mag (cf. die Shopping-Szene), wird ausgebaut und verleiht dem Roman so eine Tiefe und Echtheit, wie sie auch bei Harry Potter schon zu finden war.

Um ehrlich zu sein, war es bei den Potter-Büchern immer vor allem die Welt, die Detailverliebtheit, die mich zu begeistern wusste. Die Story war ok bis gut, aber letztlich vor allem dazu da, in diese Welt eintauchen zu können. – Wie sieht es nun bei „The Cuckoo’s Calling“ mit der Story bzw. dem Fall aus?
Wer auf viel Spannung und Action, auf einen harten Handlungseinstieg hofft, wird hier wohl enttäuscht sein. Ich muss an dieser Stelle wohl sagen, dass JKRs Neuling mein erster Krimi war – jedenfalls in Romanform, im TV sind Krimis so ziemlich das Einzige, was ich neben den Nachrichten sehe. – Der Krimi setzt jedenfalls langsam ein und nimmt sich Zeit, den Fall zu entfalten. Ohne dabei zu spoilern kann ich sagen, dass es sich um einen in meinen Augen intelligent konstruierten Fall mit Tiefe handelt, dessen Auflösung man so wohl nicht erwartet hätte. Hier also Daumen hoch. Doch Hand in Hand damit geht direkt ein Kritikpunkt: entweder ist ein Krimi in Romanform etwas völlig Anderes als im Film und ich scheitere hier kläglich (denn ich bilde mir ein, bei TV-Krimis in dieser Disziplin wenn auch kein Meister, so aber doch nicht ungeübt zu sein) – oder aber JKR verbaut einem tatsächlich durch die gekonnt verzwickten Wirrnisse des Falls das Knobeln. Ja, was am Ende bei der Auflösung herauskam, hatte ich mir in Ansätzen so gedacht – aber nur mal zwischendurch, als eine von vielen Möglichkeiten, die sich einem da auftun. Eigentlich war ich ahnungslos und das stört mich tatsächlich, denn bei einem Krimi möchte ich „mitraten“ können.
Kurios und fast ärgerlich dabei: Cormoran Strike wandert von einem Interview zum nächsten, ermittelt hier und da, tatkräftig unterstützt von Robin, und scheint einfach Alles richtig zu machen. Natürlich löst er nicht Alles im Handumdrehen auf, nebenbei läuft so Einiges in seinem Privatleben schief, aber den Fall entwirrt er Stück für Stück und präsentiert am Ende die perfekte Auflösung. Letzteres sei gestattet, hat sogar Reiz, aber hätte dem Leser nicht etwas früher schon das ein oder andere Schnipsel von Strikes Vermutungen präsentiert werden können? Sicher, der Spagat, dem Leser nicht zu viel und nicht zu wenig zu präsentieren, sodass er am Ende etwas ahnt, aber dennoch überrascht ist, ist schwierig. Da das hier aber eine Kritik ist, kann ich ruhig sagen: leider nicht so wirklich gelungen, Mrs Rowling. Ein perfekter Privatdetektiv, der einen perfekt-komplizierten Fall am Ende perfekt auflöst – das läuft mir ein wenig zu glatt und nimmt tatsächlich einiges an Spaß beim Lesen. Besonders der berüchtigte Mittelteil zieht sich etwas. Ich vermisse gar nicht die Action (die wirklich spärlich ist) oder das große Schock-Erlebnis kurz vor Schluss, aber ich vermisse ein paar mehr erstaunliche Erkenntnisse und Kehrtwenden zwischendurch, ich vermisse einen Strike, der auch mal einer falschen Spur gefolgt ist, der auch mal ein Detail übersieht, nur um es später zufällig in anderem Licht zu betrachten …

Fazit: Welt, Detailverliebtheit, Charaktere – Farbe! – wie gewohnt von Rowling meisterhaft beherrscht (obwohl das bei einer non-fantasy novel sicher schwieriger ist). Auch der Fall ist durchdacht und läuft nicht Gefahr, so oder ähnlich schon diverse Male umgesetzt worden zu sein. Aber am Plotaufbau, der Handlungskonstruktion, an herausragenden Momenten hapert es (bis kurz vor Ende) leider. Das aber alles von einem (Roman-)Krimi-Neuling.
Dennoch: ich werde mir wohl zumindest den nächsten Fall mit Strike kaufen (JKR will unter Pseudonym weitere Romane folgen lassen) und sei es nur wegen der Charaktere. Rowling ist ja neu auf diesem Gebiet, ihr Krimi-Debüt also. Im Fantasy-Genre hat sie Meilensteine gesetzt. Beim Crime muss sie vielleicht noch etwas lernen, aber das kann ja kommen.

Daher 3,5 Sterne, da das nicht geht mit etwas gutem Willen vier.
Empfehlung für alle JKR-Fans (schreibe bewusst nicht HP-Fans) solche, die es noch werden könnten und alle, die einmal sehen wollen, wie die bestverdienende Autorin der Weltgeschichte sich an einem neuen Genre versucht.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 31. August 2013
Lula Landry, Supermodel, stürzte vom Balkon ihres Luxusapartments im noblen Londoner Stadtteil Mayfair zu Tode. Ihr Adoptivbruder John Bristow, ein Anwalt, glaubt nicht an einen Selbstmord. Drei Monate nach dem Tod Lulas engagiert er einen Privatermittler, um zu beweisen, dass es Mord war. So lässt Robert Galbraith, sprich J.K. Rowling, diesen Kriminalroman beginnen und führt mit Cormoran Strike einen Detektiv ein, der es aufgrund seiner Ecken und Kanten noch auf weitere erfolgversprechende Romane bringen könnte.

Strike ist 35, kämpfte für die britische Armee in Afghanistan, verlor dabei ein Bein, macht gerade den Trennungsschmerz von seiner Upperclass-Freundin durch, schläft auf einem Campingbett im Büro und ist knapp bei Kasse, da er nicht gerade rasend viele Klienten hat. Kein smarter Frauenheld, kein Geige spielendes Deduktionsgenie, sondern einer, der gegen seinen gesellschaftlichen Absturz kämpft. Ein Detektiv mit Alltagsproblemen, durch den die Leserschaft Projektionsflächen findet.

Es gibt in diesem Roman keine Schießereien oder halsbrecherischen Verfolgungsjagden; der Fall wird im Interviewstil gelöst. Galbraith/Rowling schickt Strike kapitelweise zu Befragungen all jener Personen, die Lula Landry in der einen oder anderen Form nahe standen. Chauffeur, Make-up-Visagistin, Modedesigner, Filmproduzent, Adoptivfamilie, leibliche Mutter, Lover Evan oder Supermodelfreundin Ciara – alle werden unter die Lupe genommen.

Die einzelnen Charaktere entsprechen zwar gewissen Klischeevorstellungen: drogensüchtiger Lover, leichtlebige Freundin, schwuler Designer, sexuell gewalttätiger Produzent, Gangster-Rapper, usw. Aber innerhalb dieser Klischees ist alles stimmig. Die Personen wirken glaubhaft in dem was sie tun und sagen. Insofern hat JKR wie schon in ihrem Roman The Casual Vacancy weniger Wert auf eine Mordsgeschichte mit Spannung gelegt als auf die Skizzierung gesellschaftlicher Sittenbilder. Was am Ende dabei rauskommt, ist durchaus interessant konstruiert. Die Lösung ist keine hanebüchene, sondern ergibt Sinn.

Der Roman sollte unbedingt im englischen Original gelesen werden, um Slang und Dialekt einzelner ProtagonistInnen voll auskosten zu können. Kennzeichnend ist zudem, dass Galbraith/Rowling die Großkapitel mit Zitaten von Christina Rossetti, Boethius oder Vergil einleitet und mit den Anfangszeilen von Alfred Tennysons "Ulysses" abschließt. Die Odyssee nach dem Mörder hat ihr Ende.

Cormoran Strike zeigt Potential. Beim nächsten Mal aber bitte ein wenig mehr suspense!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 27. September 2013
Der Roman ist ausgesprochen kurzweilig, die Hauptfiguren werden im Handlungsverlauf gut eingeführt. Der Tatverlauf wird
sehr genau rekonstruirt, aber die Figur des Opfers bleibt etwas farblos. Über die Motive des Täters schreibt der Autor zu Gunsten
der Spannung und der überraschenden Auflösung am Ende sehr wenig, deshalb wirken diese Motive nicht ganz überzeugend.
Und die Kampfszene am Ende ist wirklich übertrieben ... Trotzdem eine gute Empfehlung für alle, die einen abwechslungsreichen,
kurzweiligen Krimi mögen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Dies ist der Krimi von J.K. Rowling, auf den wir gewartet haben. Als "The Casual Vacancy" herauskam, dachte so mancher - auch ich - aufgrund des Klappentexts ("When Barry Fairbrother suddenly dies . . ."), es werde um die Aufklärung eines Verbrechens gehen, aber dann handelte das Buch von dem Verbrechen, das Kapitalismus heißt. Aber jetzt ist es soweit: "The Cuckoo's Calling" ist, sozusagen, "Casual Vacancy" als Krimi. Auch hier stirbt jemand im Prolog. Auch hier setzt danach die Spurensuche nach den Beziehungen des Toten ein. Auch hier ist der geschliffene Dialog das Mittel der Erzählung. Auch hier geht es um eine kritische Gesellschaftsstudie. - Aber es tritt, anders als dort, ein Held auf den Plan - der Detektiv Cormoran Strike -, und damit entfaltet sich ein klassischer Krimiplot, der mit der Entlarvung des Mörders endet.

Auf den ersten Blick erschien mir "The Cuckoo's Calling" als Krimi sogar fast ZU richtig: Das psychisch instabile Supermodel, das in den Tod stürzt, und der abgehalfterte, vom Leben gezeichnete, abgebrannte Detektiv, der sich an die Aufklärung macht - das versprach allzu viel Klischee. Doch die Klischees füllen sich binnen weniger Seiten mit Leben, und darin liegt das Fesselnde des Buchs. Der Detektiv Strike wird vom Bruder der Verstorbenen mit der Untersuchung des Todesfalls beauftragt, denn anders als die Polizei glaubt er nicht an einen Selbstmord. Drei Monate sind seit dem Tod des Models vergangen, daher kann Strike keine unmittelbaren Spuren mehr sichern. Also befragt er alle Menschen, die an ihrem letzten Tag mit der Toten zu tun hatten. So ist der größte Teil des Buches eine Abfolge von Gesprächen.
Und in diesen Gesprächen, in der Wahrnehmung von Gesten, Mimik, aufblitzenden Persönlichkeitsschichten, ersteht das moderne London mit den Reichen und Schönen, die das Personal des Romans stellen, in packender Wirklichkeit und Lebendigkeit. Jede Seitenfigur erhält ein unverwechselbares Eigenleben, das Rowling manchmal mit wenigen Strichen treffsicher zeichnet. In dieser Fähigkeit, glaubwürdige Figuren zum Leben zu erwecken, sehe ich mittlerweile Rowlings größte Kunst. Strike und seine Sekretärin und Assistentin Robin Ellacott werden lebendig als sympathische, vielschichtige Menschen, denen man weiter folgen möchte. So übte "The Cuckoo's Calling" gegen Ende auf mich einen ähnlichen Zauber aus wie die Harry Potter-Bücher: Ich hatte mich in diese Geschichte eingeträumt und wollte weiterlesen. Ein Glück, dass der zweite Band - "The Silk Worm" schon in zwei Wochen rauskommt.
Man sollte diese meisterliche psychologische Schilderung zu schätzen wissen, denn äußere Spannungselemente gibt es kaum: Keine Schießerei, keine Verfolgungsjagd, kein Blut, keine Entführung, kein Showdown. Die Spannung - und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen - ergibt sich aus der Personenzeichnung, aus der Suche nach winzigen Spuren in den Gesprächen, die Strike führt, und aus dem klassischen Rätsel des verschlossenen Raums: Die Polizei kommt auch darum zum Verdikt "Selbstmord", weil niemand bei dem Model gewesen sein kann. Das Haus war verschlossen und überwacht. Wo könnten die Lücken in der Beweisführung sein?
Nebenbei leistet Rowling mit dem Buch eine Milieustudie der Superreichen. Diese Schicht, in die sie selbst unverhofft vorgestoßen ist, ist ihr merklich fremd geblieben, und so kann sie dieses Milieu mit der Außensicht schildern: Menschen, die stinkreich sind, aber darum nicht klüger, gebildeter oder besser als jeder andere, sondern ebenso vulgär in ihrer Ausdrucksweise, egoistisch, skrupellos. Der cholerische Filmproduzent, der unverschämte Designer, die geschwätzige Visagistin - sie alle denken in erster Linie an sich, und offenbaren doch in Momenten der Schwäche einen menschlichen Kern, der sie zu mehr als bloß sozialkritischen Klischees macht.
So. Genug der Empfehlung. Zum Abschluss ein Hinweis zur Sprache: Aus alter Gewohnheit habe ich das Buch im Original gelesen. Bei Harry Potter was das ja ratsam, weil viele Wort- und Sprachspiele unübersetzbar sind (Ich grüble heute noch manchmal, wie ich "Voldy's gone mouldy" übersetzen würde). "The Cuckoo's Calling" hingegen stellt einen Übersetzer vor keine unlösbaren Aufgaben, aber wer im Englischen nicht sehr sicher ist, könnte mit dem Slang, den manche Personen sprechen, Probleme haben. Man kann das Buch also getrost auf Deutsch lesen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 500 REZENSENTam 1. Dezember 2013
dass sie das ist, beweist J.K.Rowling wieder mit ihrem neuen Buch " The Cuckoo`s Calling "das sie unter dem Pseudonym Robert Galbraith schreibt. Meine Erfahrung beim Lesen ist frei von Vergleichen, denn ich habe keines der Harry Potter Bücher gelesen, konnte mich aber an die Begeisterung meiner Söhne erinnern, die diese Bücher verschlungen haben.
Hier handelt es sich allerdings nicht um einen Fantasyroman, sondern um den Beginn einer Krimireihe um den Privatermittler Cormoran Strike.Strike ist eine Figur, die durchaus noch ausbaufähig ist, aber schon einem gewissen Schema in englischen Krimis folgt. 35 Jahr alt, schlägt sich der ehemalige Afghanistankämpfer, der im Krieg ein Bein verlor als Privatermittler durch, eher erfolglos und somit eigentlich auch immer pleite. Nach seiner Trennung von seiner Lebensgefährtin, schläft er auf einer Campingliege in seinem Büro und bekommt eines Tages Besuch von John Bristow, selbst Anwalt. Seine Schwester, ein bekanntes Fotomodel, ist vom Balkon ihres Apartments zu Tode gestürzt. Selbstmord? Ihr Bruder glaubt das nicht und so beauftragt er Cormoran Strike die Beweise für einen Mord zu finden. Strike steht seine Assistentin Robin zur Seite, die kurz bevor Bristow das Büro betrat, von einer Arbeitsagentur als Aushilfe dort hingeschickt wurde. Sie überzeugt Strike durch schnelles intelligentes und flexibles Verhalten und so machen sich die beiden an die Arbeit diesen Fall zu lösen.
Wer hier jetzt einen aktionreichen, bluttriefenden Thriller erwartet, der sei gewarnt. Dies werden Sie bei diesem Buch nicht finden. Die Spannung hält sich in Grenzen, auch dadurch, dass Rowling ihre Geschichte in Interviewform schreibt. Bei den Personen , die interviewt werden , geraten schon einige klischeehafte Beschreibungen, wie ein schwuler Designer, drogensüchtiger Lover, Gangster Rapper usw., doch die Geschichte an sich ist ihr gut gelungen und meiner Meinung nach auch gut konstruiert. Die Person Robin hat mir gut gefallen, nur scheint ihre Beziehung zu Strike etwas durchschaubar.

Alles in allem hat mir das Buch aber gut gefallen. Rowling hat einfach einen fesselnden Erzählstil, was das Ganze sehr unterhaltsam macht.
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der hier präsentierte Kriminalfall ist solide und interessant, wenn auch nicht übertrieben originell und erfahrene Krimileserinnen und –leser mögen bereits zu Beginn des letzten Drittels eine Idee bekommen, wie die Geschichte ausgehen könnte. Aber das ist nicht weiter schlimm. Dieses Whodunnit dient nämlich auch dazu, eine bestimmte Sicht auf London zu präsentieren und Cormoran, Robin, Matthew und einige andere Charaktere vorzustellen und zueinander in Beziehung zu setzen, die im weiteren Verlauf der Krimireihe eine grundlegende Rolle spielen werden und dies gelingt in diesem Roman ganz hervorragend, ohne die Ermittlungshandlung allzu sehr aufzuhalten. Ein Kunstgriff, der auch vielen etablierten Autoren nicht unbedingt immer gelingt – und J.K. Rowling, die sich hier mit einem Pseudonym in ein neues Genre wagte ist sicherlich eine etablierte Autorin, auch wenn sie es für den Anfang dieser Reihe eigentlich erst einmal nicht für die Öffentlichkeit sein wollte.

Auch sprachlich ist dieser Roman mit seiner Mischung aus lakonischem series-noir-Passagen und stellenweise beinahe viktorianischen Beschreibungen eine Freude für jeden, der an sprachlichen Spielereien, die nicht überhand nehmen seinen Spaß hat. Thrillerfreundinnen und –freunde, die Action und Spannung erwarten, werden von diesem eher ruhigen Roman etwas enttäuscht sein, aber die Charaktere und die Erzählung steht eher in der klassischen Whodunnit-Tradition als in der modernen wieviele-Special-Effects-und-Verfolgungsszenen-kann-ich-einflechten-Tradition. Ein sehr runder und befriedigender Kriminalroman, der Kritiker und Filmrechtkäufer bereits begeistert hat, bevor der wahre Name der Autorin enthüllt wurde – interessanterweise in einer Art und Weise, die im Roman in einer kleinen Nebenhandlung eine Spieglung findet. Sehr lesenswert.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. September 2013
Meine Vor-Rezensenten sind schon sehr ausführlich auf den Inhalt des Buches eingegangen, daher werde ich zum Inhalt nicht mehr allzuviel sagen. Es handelt sich um einen klassischen "Whodoneit"-Krimi, und für den ersten Band einer (hoffentlich) längeren Serie ist das Buch ganz ordentlich, es liest sich flüssig und bietet gute Unterhaltung - mit "Luft nach oben" für die nächsten Geschichten. Die Hauptfigur (Cormoran) ist noch ein wenig stereotyp, aber ausbaufähig und ich hoffe, daß der heimlichen Hauptfigur (Robin) noch ein wenig mehr Platz eingeräumt wird (vielleicht sogar, ohne den "offensichtlichen" Weg in der Beziehung der beiden Hauptfiguren einzuschlagen??).

Was die Auflösung des Falles angeht: Ich schwankte von Anfang an zwischen zwei potentiellen Mördern (beide aus der Familie), einer davon hat sich ja dann als richtig herausgestellt... Auch hier schließe ich mich der Meinung eines Vor-Rezensenten an und wünsche mir für die zukünftigen Bände der Serie etwas mehr Originalität.

Aber nach dem Lesen der beiden Bücher (The Sudden Vacancy und The Cuckoo's Calling) finde ich nach wie vor, daß Mrs. Rowling eine sehr gute bis großartige Schriftstellerin ist, und freue mich schon auf die nächsten Bücher. Ich hätte es ihr gegönnt, daß ihr Pseudonym noch ein wenig länger gewahrt bleibt, das hätte vielleicht einige objektivere Wertungen hervorgebracht. Aber das hat wohl nicht sollen sein.

Alles in allem: ein durchaus kurzweiliger Krimi, angenehm zu lesen und gute Unterhaltung. Macht Lust auf mehr.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. Februar 2014
Mich hat der Roman an Elizabeth George zu ihren allerbesten Zeiten erinnert. Sehr gut gezeichnete Figuren, die noch viel Entwicklungsspielraum lassen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es bald eine Fortsetzung des Detektiv-Assistentinnen-Teams geben wird.
Die Story ist nicht wahnsinnig spannend, aber spannend erzählt. Kein Widerspruch, im Gegenteil, denn dies zeugt von der wahren Schreibkraft der Autorin. Mir hat der Krimi einfach nur Spaß gemacht!
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