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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Flucht nach Le Havre..., 2. Februar 2013
Von 
Ray "rayw260" (Rheinfelden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Arthaus Retrospektive 1938 - Hafen im Nebel (DVD)
Jean (Jean Gabin) ist ein dersertierter Soldat. Er schlägt sich per Anhalter durch. In einer nebligen Nacht nimmt ihn ein Lastwagefahrer mit, der in Richtung der Hafenstadt Le Havre unterwegs ist. Der Fahrer fährt im dichten Nebel beinahe einen Hund tot, in letzter Sekunde reisst Jean das Steuer um, der Laster kommt etwas von der Fahrbahn ab. Fortan wird Jean den streunenden Hund, der anscheinend niemand hat, nicht mehr los. Jean will vorerst untertauchen und in kurzer Zeit auf ein Schiff Richtung Venezuela verschwinden will.
In den regnerischen und nächtlichen Gassen der Stadt trifft er auf den Bettler und Gelegenheitsdieb Quart-Vittel (Raymond Aimos), der den Deserteur vor einer Patrouille der Militärpolizei beschützt. Zur etwa gleichen Zeit ist der zwielichte Geschäftsmann Zabel (Michel Simon) in einem Club mit dem Schmalspurgangster Lucien Legardier (Pierre Brasseur) verabredet. Dieser sucht seinen Kumpel Maurice und vermutet, dass Zabel etwas mit dessen Verschwinden zu tun hat. Außerhalb der Stadt liegt das Gasthaus von Panama (Édouard Delmont), ein eigensinniger Sänger und Weltenbummler, in dessen Hütte sich allerlei sonderbare Gestalten trifft. Heute Abend weilt der lebensüberdrüssige Maler Michel Krauss (Robert Le Vigan) unter den Gästen, der seinen Selbstmord plant und auch Jean mit seinem vierbeinigen Begleiter. Auch die 17jährige Nelly (Michèle Morgan), eine hübsche, treibt sich hier herum, im Nebenzimmer kommen sich die beiden näher. Am anderen Tag ist nichts mehr so wie es war, die Liebe ist präsent, auch eine Passage nach Übersee erscheint möglich...
Ein Film zwischen Tristesse und Hoffnung. Mit poetischem Realismus inszenierte der große Marcel Carne (Kinder des Olymp) seinen zweitbesten Film, der voller Kraft eine Art "Missing Link" zwischen dem expressionistischen deutschen Stummfilm und dem Film Noir darstellt. Der Film spielt sehr oft in dunkler Nacht und düsterer Atmosphäre. Ort der Handlung sind dunkle Kneipen, eine geheimnisvolle Subkultur.
Carnes Film erinnert sehr stark an "Pepe le Moko - Im Dunkel von Algier", ein weiterer 30er Jahre Filmklassiker mit Jean Gabin, der leider noch nicht auf einer deutschsprachigen DVD erschienen ist.
Hervorragend auch die geniale Kameraarbeit des Deutschen Eugen Schüfftan (Metropolis, Augen ohne Gesicht, Haie der Großstadt).
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Du weißt, daß du einen französischen Film schaust, wenn …, 5. Juni 2013
Von 
Tristram Shandy - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Arthaus Retrospektive 1938 - Hafen im Nebel (DVD)
[Vorsicht, sehr starke Spoiler!]

… die Figuren reden, als ständen sie auf der Bühne und wären nicht gerade sie selbst, sondern eine Idee, die nicht so leicht in Worte zu fassen ist, wenn Schauplätze vor Symbolik kaum vernünftig in der Landschaft stehen können und man insgesamt das Gefühl hat, einem bedeutungsschwangeren Moment nach dem anderen beizuwohnen – kurzum, ein französischer Film wirkt oft so gekünstelt, daß man in ihm ein Fremder bleibt.

Das mag zunächst einmal wie eine Warnung klingen, und ich muß gestehen, daß ich mit dem französischen Kino oftmals so meine Probleme habe – wie könnte ich auch nicht, als John-Ford-Aficionado. Doch gibt es durchaus eine Reihe von Filmen, deren Atmosphäre und deren lautem Geflüster ich mich nicht entziehen kann und mag, und Marcel Carnés „Le Quai des brumes“ (1938) ist einer von ihnen. Jean Gabin spielt hier einen Deserteur namens Jean, der möglichst schnell und unauffällig das Land verlassen will, weil ihm der Krieg nicht geschmeckt hat. In einer Hafenkneipe trifft er eine Reihe eigenwilliger Charaktere, darunter auch die junge Nelly (Michèle Morgan), die vor ihrem zudringlichen Vormund, dem heuchlerischen Biedermann Zabel (Michel Simon) davongelaufen ist und weiß, daß sie am Ende doch wieder mal zu ihm zurückkehren wird. Jean und Nelly verlieben sich ineinander, was den Deserteur nicht nur mit Zabel aneinandergeraten läßt, sondern ihm auch die tödliche Feindschaft des lokalen Gangsterbosses Lucien (Pierre Brasseur) einbringt. Jean demütigt Lucien mehrere Male, indem er ihm in aller Öffentlichkeit ein paar Ohrfeigen verpaßt, als hätte er einen vorlauten und verwöhnten Rotzlöffel vor sich – was in gewisser Weise sogar eindeutig der Fall ist –, doch nimmt der erniedrigte Kriminelle Rache, indem er den Deserteur, kurz bevor er auf das Schiff, das ihn nach Venezuela bringen soll, gelangen kann, auf der Straße niederschießt.

Alles in allem erzählt „Le Quai des brumes“ eine sehr pessimistische Geschichte, wenngleich Jean und Nelly eine kurze Nacht der Liebe miteinander verbringen dürfen, deren Glück indes von kurzer Dauer ist. Es sind vielleicht diese kurzen Momente des Glückes, auf die uns dieser insgesamt eher finstere Film hinweisen möchte; so gelingt es im Verlaufe der Handlung ja auch dem obdachlosen Alkoholiker, sich seinen vergleichsweise bescheideneren Traum, einmal im Leben in einem sauberen und warmen Bett zu schlafen, zu erfüllen, nachdem er so oft durch seine Trunksucht daran gescheitert ist. Ob er aber jemals wieder in diesen Genuß kommen wird, läßt sich nicht sagen. Dominiert wird die Welt dieses Hafens im Nebel aber unter anderem von der systematischen Heuchelei eines Zabel, der nimmer müde wird, seine scheinbare Kulturbeflissenheit und Rechtschaffenheit nach außen zu kehren und dabei doch von krankhafter Eifersucht und der Verzweiflung angesichts der Ablehnung, die er seinen Mitmenschen einflößt, zerfressen ist. Zabel ist nicht einfach nur ein Schurke, sondern ein zum Unglück geborener Mensch, weiß man doch nicht, ob alle Welt ihn verabscheut, weil er so ein Schwein ist oder ob er so ein Schwein geworden ist, weil allein sein Gesicht seine Umgebung auf Abstand gehen läßt. Gegen diesen spinnengleichen Unmenschen ist der halbstarke Lucien eine nachgerade lächerliche Figur, auch wenn er es sein wird, der am Ende für Jeans Untergang sorgt. Nicht zufällig sicherlich wird Lucien gerade am Autoscooter auf einem Rummelplatz vor aller Augen von Jean gedemütigt, ganz so als handele es sich um ein Aneinanderrasseln vonn orientierungslosen Heranwachsenden. Gemessen an den Gangstern, die die amerikanischen Leinwände unsicher machten, ist Lucien denn auch ein ein verwöhnter, haltloser Rotzbengel, dessen Gefährlichkeit man zwar zu unterschätzen neigt, die aber deshalb keinen Moment in Frage gestellt wird. Des weiteren ist die Welt Jeans und Nellys fast ausschließlich von nicht ganz unsympathischen Verlierern bevölkert, wie dem seiner Panama-Nostalgie nachhängenden Wirt einer Hafenkneipe, dem Obdachlosen und vor allem dem lebensmüden Maler, der dem von ihm als Deserteur erkannten Jean seine Kleidung und sein Bargeld vermacht, kurz bevor er sich das Leben nimmt. Dies ist denn auch eine deutliche Vorwegnahme des Schicksals unseres Protagonisten, läuft er doch schließlich in den Kleidern und der Identität eines toten Mannes durch den Film.

Solche Vorwegnahmen sind in „Le Quai des brumes“ nicht selten und entbehren oftmals nicht einer schweren tragischen Ironie – man beachte beispielsweise, daß Jean, der schließlich selbst erschossen werden sollte, am Anfang einen sehr theatralischen Monolog über das Erschießen anderer Menschen im Krieg hält. Auch die Ausführungen des Malers – etwa „Wenn ich einen Schwimmer malen will, sehe ich schon den ertrunkenen Mann“ – gehen in die gleiche Richtung und tragen zu der hochgradigen Aufladung des Filmes mit subtextualer Bedeutung bei. Dem Heuchler Zabel, der schon vor Beginn der Filmhandlung einen Menschen gemordet hat, wird denn bezeichnenderweise die Beobachtung in den Mund gelegt, daß sich Blut von den Händen eines Menschen viel leichter abwaschen lasse als von seiner Kleidung.

Doch in „Le Quai des brumes“ wird nicht nur wortgewaltig philosophiert, daß darüber ein John Ford nur den Kopf geschüttelt hätte, dem es immer mehr darauf angekommen ist, die Bilder für sich selbst sprechen zu lassen. Auch Carnés Bilder haben eine Menge zu sagen, steht der Film doch immerhin in der Tradition des poetischen Realismus, der sich nicht damit zufrieden geben konnte, die Dinge Dinge sein zu lassen, und der seine materialistisch-pessimistische Weltsicht statt dessen mit Symbolen verbrämte. Dies unterscheidet „Le Quai des brumes“ denn auch von den späteren amerikanischen Films noirs, die er zweifellos deutlich mit beeinflußt hat. Bei Carné ist der Nebel nicht nur Nebel und dient auch nicht nur der Schaffung einer düsteren Stimmung, sondern er markiert die allgemeine Orientierungslosigkeit, die typisch für Jeans Leben ist und die auch in den anderen Charakteren – wie dem Werte mißbrauchenden Zabel, den Werte offen verachtenden Lucien, der immer wieder in ihre private Hölle zurückkehrenden Nelly und dem treuen Hund, der, wie im Film gesagt wird, zwar hübsch aussieht, aber nicht glücklich zu sein scheint – immer wieder hervortritt. Mehr als einmal wird der Nebel denn auch nicht nur visuell inszeniert, sondern auch in den Dialogen der Figuren angesprochen, meist auch verwünscht.

Dieser in seiner Atmosphäre sehr eigenwillige Film wird vor allem jene Zuschauer ansprechen, die – wie ich – sehr gern die Romane Emile Zolas lesen, denn er hat mit jenen vor allem gemeinsam, daß das sehr detailreich und kraftvoll dargestellte Milieu, in dem sich die Figuren bewegen, letztlich doch über sich selbst hinausweist.

Die vorliegende DVD von Arthaus enthält neben einem Interview mit der Filmexpertin Ginette Vincendeau keine weiteren Extras, doch ist der Film in den Sprachen Französisch und Deutsch nebst enstprechenden ausblendbaren Untertiteln in guter Qualität aufgespielt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Leben ist gemein, 18. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Arthaus Retrospektive 1938 - Hafen im Nebel (DVD)
Der Grundton des Films ist sehr pessimistisch. Die Charaktere im Film suchen nach dem Glück und scheitern doch immer wieder. Ein Maler ertränkt sich im Meer und wird von Kneipenbesitzer nicht davon abgehalten ("was willst du, soll ich dazu sagen"). Der Mensch ist seinem Schicksal ausgeliefert. Selbst die kleine aufflackernde Romanze später im Film steht im unheilvollem Licht (man beachte den Dialog nach der Liebesnacht!). Unterstreicht wird der Grundton durch sehr expressionistischer Kameraarbeit und einem düster-schaurig schönen Soundtrack.
Jean Gabin als Deserteur wirkt wie ein gehetztes Tier und spielt gekonnt den gereizten und resignierten Helden. Fatalistisch scheint er selbst nicht an den Erfolg seiner Flucht zu glauben. Michele Morgan ist wunderschön und ihr Wandel von einer fast zynischen Lebedame zu einem naivem verliebten Ding ist überzeugend dargestellt.
Alles in allem stimmen die Zutaten des Films und man ist sehr angetan von diesem Klassiker des poetischen Realismus. Mindestens genauso gut - vielleicht noch düsterer - ist Marcel Carnes Le jour se leve.
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1 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gutes Kino, aber Handlung nicht jedermanns Geschmack, 3. Februar 2013
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Rezension bezieht sich auf: Arthaus Retrospektive 1938 - Hafen im Nebel (DVD)
Film war nicht ganz nach meinem Geschmack. Darsteller waren großartig.
Qualität/Ton waren nicht ganz im 5 Sterne Bereich. Sonst ok
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Arthaus Retrospektive 1938 - Hafen im Nebel
Arthaus Retrospektive 1938 - Hafen im Nebel von Marcel Carné (DVD - 2012)
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