Fashion Sale Hier klicken Fußball Fan-Artikel studentsignup Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More Indefectible Sculpt roesle Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip Summer Sale 16

Kundenrezensionen

4,0 von 5 Sternen2
4,0 von 5 Sternen
5 Sterne
0
4 Sterne
2
3 Sterne
0
2 Sterne
0
1 Stern
0
Format: Audio CD|Ändern
Preis:19,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel

Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 19. Oktober 2012
Am 3. Dezember 2011 wäre Franz Josef "Karratsch" Degenhardt 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlaß organisierten seine Freunde eine Art "Geburtstagskonzert", auf dem neben dem Jubilar befreundete Künstler, Mitstreiter, Kollegen und Gesinnungsgenossen mit Material sowohl aus dem eigenen als auch aus dem Degenhardt'schen Œuvre auftreten sollten. Als Degenhardt am 14. November 2011, einen guten Monat vor dem geplanten Termin, nach langer Krankheit verstarb, hielt man an dem geplanten Konzert weiterhin fest, wobei die Ankündigung nun allerdings unter dem Titel "Farewell Karratsch" lief - aus dem Geburtstagskonzert war ein Gedenkkonzert geworden, eine letzte Verbeugung vor einem der einflußreichsten deutschsprachigen Liedermacher des 20. Jahrhunderts. Knapp zehn Monate später wurde ein Mitschnitt dieses Abends unter dem etwas plumpen Titel "Freunde feiern sein Werk" veröffentlicht.
Schon beim Blick auf die Gäste- und Titelliste fallen zwei Dinge auf: erstens fehlen die "Hits" von Franz Josef Degenhardt - keiner singt von den Schmuddelkindern, mit einer Ausnahme wählt keiner Degenhardts Geschichten über seine Figuren wie Väterchen Franz, Rudi Schulte, Horsti Schmandhoff und wie sie alle heißen, keiner beklagt sich über die Zwischentöne oder kommt zu dem Schluß "Irgend'was mach' ich mal". Zweitens ist die Gästeliste begrüßenswert bunt - neben Weggefährten wie Hannes Wader oder Konstantin Wecker sowie den beiden Degenhardt-Söhnen Kai und Jan, mit denen man bei einem solchen Anlaß fest rechnen konnte, finden sich auch jüngere Einsprengsel wie Dota Kehr, Max Prosa oder sogar Interpreten, die man schon aus stilistischen Gründen nicht zwangsläufig mit Degenhardt in Verbindung bringt wie Liedermaching-Urgestein Götz Widmann bzw. "Verfremdungsklezmer"-Musiker Daniel Kahn. Insofern verspricht dieses Album schon auf den ersten Blick, eine spannende Entdeckungsreise zu werden. Genau dieser Eindruck bestätigt sich auch beim Hören: spannend, wenn auch nicht immer angenehm, wobei das natürlich exakt die Attribute sind, die auch für einen Großteil der Discographie des Originals gelten.
Die meisten der beteiligten Interpreten gehen die Stücke von Franz Josef Degenhardt unverkrampft an, sie lassen ihren eigenen Stil mit einfließen und orientieren sich nicht allzu sehr am Original. Das kann auch schon einmal darin gipfeln, daß vorhandene Liedtexte mit einer neuen Melodie versehen werden (Wecker "Weiter im Text!") oder umgekehrt Degenhardt-Melodien einen neuen Text erhalten (Viehweg "Linke Liste", basierend auf "Kommt an den Tisch unter Pflaumenbäumen"). Gerade durch die Bekenntnisse der Künstler zu den von ihnen ausgewählten Stücken ergeben sich mitunter äußerst gelungene Interpretationen. Der "Deutsche Sonntag", in Degenhardts Version wohl am ehesten mit einem geschickten Hantieren mit präzisen Nadelstichen zu vergleichen, verliert dank Götz Widmann zwar den schelmischen Unterton, gewinnt aber gleichzeitig auf beeindruckende Weise an Widerborstigkeit und Häme. Wiglaf Droste verleiht den "Wölfen mitten im Mai" einen gekonnten Nachdruck, der mehr als deutlich macht, wie aktuell manche Degenhardt-Lieder auch noch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung (1965!) sein können. Jan Degenhardt zeigt, daß auch ein in ein neues Arrangement gekleideter "Fuchs auf der Flucht" seine Wirkung nicht verfehlt, während Hannes Wader routiniert die "Reiter wieder an der schwarzen Mauer" in ein lupenreines Wader-Werk verwandelt. Daß derartige Vereinnahmungen von Material nicht immer gut gehen müssen, beweisen an dieser Stelle leider auch (ausgerechnet) Prinz Chaos II, dessen "Nevada Kid" etwas zu bemüht und distanziert klingt, Max Prosa, der das zugegebenermaßen äußerst mutige Eröffnungsstück "Gelobtes Land" vielleicht aus Nervosität ungewöhnlich ungelenk in den Sand setzt, sowie Goetz Steeger, der mit der drohenden Ernte ein wenig überfordert wirkt.
Franz Josef Degenhardt war ein politischer Liedermacher, dessen Lieder sehr häufig Reaktionen auf aktuelle Ereignisse oder Warnungen vor drohenden Entwicklungen waren, insofern also fest in der Zeit ihrer Entstehung verwurzelt sind. Das macht eine Neuinterpretation in der heutigen Zeit naturgemäß schwer, insofern bleibt dieser Aspekt bei diesem Konzert größtenteils außen vor, die beteiligten Interpreten verstehen es allerdings, ihre eigenen Beiträge entsprechend auszuwählen und auf diese Art und Weise selbst Kritik anzubringen oder zu warnen. Barbara Thalheim oder Frank Viehweg seien an dieser Stelle hervorgehoben, die mit ihren eigenen Liedern ("So lebten wir in Zeiten der Stagnation" respektive "Hier, wo ich lebe") ihren Blick über die Gesellschaft schweifen lassen. Auch Dota Kehr pickt sich mit "Utopie" ein nachdenkliches Stück aus ihrem Portfolio heraus und erntet vom erfreulich aufgeschlossenen Publikum entsprechende Zustimmung. Daniel Kahn aus Detroit nimmt sich auf eine so pfiffige Art in seiner Muttersprache dem Phänomen der Ostalgie an, daß man sich direkt das amüsierte Lächeln in Väterchen Franz' Gesicht vorstellen kann, während Konstantin Wecker mit "Empört Euch!" gewohnt wütend aufbegehrt und damit die Zuschauer mitreißt. Die Botschaft des Abends kommt an: einer der Kämpfer ist von Bord gegangen, aber der Kampf ist noch nicht beendet, da auch das Schlachtfeld immer wieder neu bestellt wird.
Daneben finden sich weitere Töne, die nicht direkt mit Franz Josef Degenhardt in Verbindung gebracht werden dürften, aber dennoch in den Abend passen, wenn man sie genauer betrachtet. Joanas Titelwahl wirkt eher unspektakulär, allerdings überzeugt sie durch eine feinfühlige Interpretation, die Akzente zu setzen vermag und Botschaften vermittelt. Götz Widmanns Stück aus eigener Feder ("Proletarier sucht Frau") wirkt schroff und dürfte nicht jedem im Publikum gefallen haben, zumindest in stilistischer Hinsicht finden sich hier Parallelen zu Degenhardts "Live"-Zeiten. Das wuchtige, mit Bildern und Worten jonglierende "Unser Berlin" von Prinz Chaos II wirkt, als sei es nach einer ausgedehnten Reise durch die Zeilen der surrealen Lieder Degenhardts entstanden. Jan Degenhardt und Hannes Wader schließlich wählen für ihren eigenen Titel einfühlsame Stücke, die sie ihrem Vater bzw. Freund gewidmet haben, während Gisela May, die eigentlich nur als Gast diesem Konzert beiwohnen wollte, von Konstantin Wecker auf die Bühne gebeten wurde, um dort aus dem Stand und a cappella eine Strophe aus dem "Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens" aus der "Dreigroschenoper" von Kurt Weill und Bertholt Brecht zum Besten zu geben.
"Farewell Karratsch" wäre ein Geburtstagskonzert geworden, das Franz Josef Degenhardt sicher gefallen hätte, zeigt es doch Vergangenheit, Gegenwart und eine mögliche Zukunft seines Werks. Künstler zollen ihm Tribut, die über Rückgrat verfügen, sich nicht anbiedern, sondern mit eigenen Interpretationen den Fokus bestimmter Stücke verschieben und ebenfalls ihre eigene Meinung äußern, selbst auf die Gefahr hin, daß der Jubilar mit der einen oder anderen Aussage nicht oder nicht vollständig einverstanden gewesen wäre. Franz Josef Degenhardt konnte aus gegebenem Anlaß an jenem Abend lediglich per Konserve zugegen sein - zu seinem "An der Quelle" nahmen die anwesenden Künstler den abschließenden Applaus entgegen -, somit läßt sich natürlich nicht sagen, wie er darauf reagiert hätte, aber niemand wird bestreiten können, daß diese Verbeugung Charakter hat. Es ist kein Konzert für Degenhardt-Neugierige geworden, es erleichtert einem weder den Zugang zu seinem Werk, noch trumpft es mit seinen bekanntesten bzw. einflußreichsten Liedern auf, aber es dokumentiert die Kunstfertigkeit, Flexibilität und Nachhaltigkeit mancher Stücke ebenso wie die Entschlossenheit und Leidenschaft, mit der seine Freunde den Stab weitergeben. Darüber hinaus sei natürlich noch das Publikum erwähnt, das für ungewohnte Interpretationen erfreulich offen war, Neubearbeitungen und die eigenen Werke der Künstler. Nicht alles an diesem Abend ist gelungen und an manchen Dingen wird man sich hervorragend und wohl auch zurecht reiben können, aber unterm Strich ist es ein Abschied auf Augenhöhe geworden, eher ein schulterklopfendes "Machs gut" als ein demütiges Augensenken und eher eine kräftige Kampfansage als ein nostalgischer Rotweinabend. Folgerichtig wurde das Album keines für die breite Masse, eher eines für eine verhältnismäßig kleine Schar von Freunden. Für genau die. Und für die aus vollem Herzen und mit ganzer Überzeugung.
11 Kommentar|25 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 9. September 2013
Franz Josef Degenhardt starb am 14. November 2011 kurz vor seinem 80., und so wurde die geplante Geburtstagsfeier zum musikalischen Leichenschmaus im Berliner Ensemble (wieso eigentlich in Berlin und nicht in Hamburg, Quickborn oder Schwelm?). Im Radio wurde es übertragen, doch so ist das Konzert auch als Doppel-CD zu erhalten. Der Beileger stellt neben zwei Einführungstexten die Interpreten kurz vor. Liedtexte gibt es nicht.

Beim ruhigen Durchhören wird zunächst eins wieder ganz deutlich: dass da wohl der beste Liedermacher von uns ging und die Nachgeborenen noch einen weiten Weg vor sich haben. F.J.D. darf mit seinem "An der Quelle" frei nach Bellmann als eingespielte Aufnahme dann zu Recht das Konzert abschließen.

Schwachstellen:
* Wie zu erwarten, knödelt und flügelhämmert Konstantin Wecker letztlich selbstbezogen vor sich hin. Er ein Liedermacher?
* "Max Prosa" kann nur mit Welpenschutz auf die Bühnenbretter geraten sein;
* Barbara Thalheim hätte mit dieser offenbar gerade defekten Stimme nicht auftreten müssen. Gisela May hat den improvisierten Vortrag der Brechtschen Ballade von der Unzulänglichkeit ja auch ganz schnell abgebrochen;
* Joana zersingt mit groteskem Übervibrato und kurpfälzischem Einschlag die "Kirschenzeit";
* "Prinz Chaos II." missversteht Degenhardts "Nevada Kid" als (Zitat:)"schwule Attacke" - nasal und kampfklampfend werden das Lied und der Zuhörer gleichermaßen gequält. Das eigene Lied ist wohl nicht einmal nach drei Mass und vier Tüten erträglich: Beruf tragisch verfehlt.

Lichtblicke:
* die Degenhardt-Lieder als solche - es sind meist nicht die Gassenhauer, dabei durchaus gute und bekannte;
* Götz Widmann bietet, nachdem er noch den "Deutschen Sonntag" nicht völlig hinbekommen hat, den Antilinksschickeria-Song "Proletarier sucht Frau" und piekst nebenbei kess in Degenhardts schwache Stelle (die Über-Solidarität sogar mit der DDR: dieses Land);
* Dota Kehrs "Meeedchen"-Stimme passt richtig zum "Schönen Lied"; ihre eigene "Utopie" kann daran anknüpfen;
* Wiglaf Droste, das Großauge aus Bielefeld, war für mich eine positive Überraschung;
* A propos Bielefeld: Hannes Waders Stimme will das Belcanto, doch hier singt einer der auch inhaltlich begabten Weggefährten;
* Auch wenn Kai Degenhardt bei seiner Ansage 1990 als großen Verlust der Linken glaubt betrauern zu müssen, anstatt sich als Linker gerade über den Wegfall der Fratze zu freuen, ist er ein würdiger Interpret; ebenso Bruder Jan, der in Sprechpausen und -melodie dem Vater noch mehr ähnelt;
* Frank Viehweg hat das "Kommt an den Tisch unter Pflaumenbäumen" zu einem FJD-Motiv-Medley umgetextet;
* Daniel Kahn zeigt eine englisch-jiddisch-deutsche Zukunft für die "Alten Lieder" auf.

Insgesamt arg viel "Ich" in den eigenen Liedern der Geburtstagsgäste - wo ist das "Wir" oder "Er" Degenhardts geblieben? Auch liegen oft Welten zwischen der unverwechselbar knarzigen Stimme des Schwelm-Hamburger Anwalts und den künstlich-coolen Dehnpressstimmen einiger seiner Berliner und Hamburger Lokal-Epigonen.

Fazit: Bevor man diese Doppel-CD kauft, erst die Degenhardtschen Originale! Für die hohe Qualität vor allem der Degenhardt-Stücke aber noch vier Sterne.
11 Kommentar|7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen

15,49 €
18,99 €