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4.0 von 5 Sternen Zuckersüß gepfeffert -- oh yeah!, 25. November 2011
Rezension bezieht sich auf: The Genius of Ray Charles (Audio CD)
Im Jahr zuvor in Newport hatte Ray Charles furios auf sich aufmerksam gemacht, mit Blues der eleganten Art (dochdoch, klar geht das. Spätestens seit dem 5. Juli 1958 bewies es dieser Herr). Und jetzt, ein paar Monate später, legte derselbe Ray Charles auf dem anderen Ende der Skala los: Anfangen tut's so, wie man Ray Charles jahrzehntelang kannte und noch länger kennen wird: "Let the Good Times Roll" hat schon alles, was ein Ray-Charles-Song braucht. Es hat sogar noch mehr zu bieten, viel mehr. Gleich die ersten Takte sind einsame Spitze: zeitlos dahinbretternd, die Band hält sich zurück, bleibt Band, übertreibt nicht. Und der Solist, der mittendrin plötzlich loslegt... Haargenau so muss ein Song klingen, wenn er zeitlos sein soll. Und "Let the Good Times Roll" wurde ein zeitloser Klassiker.
"The Genius of Ray Charles" beginnt mit Ray Charles' klassisch gewordenen Stil und endet mit scheinbar (oder auch tatsächlich -- was soll's) konventionellem Bigband-Jazz. Das klingt nach "wild durcheinandergewurschtelt", ist aber durchdacht und kommt auch so an beim Zuhörer. Der Bigband-Sound schleicht sich allmählich ein, mal schnörkellos und präzise ("It Had to Be You"), mal bis an die Schmerzgrenze schmalzig ("Just for a Thrill"). Immer gekonnt, immer präzise, doch nie runtergerieselt.
Es sind diese Details, die das einmalige Album von der Masse unterscheiden. Mal sind's diese Bläser-Soli, gekonnt, aber nicht schleimig, sondern so rauh, wie sich's mit harmonischer Bigband eben gerade noch vereinbaren lässt. Mal sind's diese kleinen, anscheinend völlig von Zeit und Raum unabhängigen Piano-Fingerspielereien (dreimal dürfen Sie raten, wessen Finger da spielen und wer am Ende von "You won't Let Me Go" ein "Oh yeah" haucht, das einen den jener Zeit gehorchend übertriebenen musikalischen Zuckerverbrauch vergessen lässt), und wessen Stimme verhindert, dass die Songs in einem zeittypischen Tralala versanden. Wenn Ray Charles singt, dann ahnt man auch im scheinbar Harmlosesten noch den musikalisch doppelten Boden. Und was er hier aus "Am I Blue" macht -- überraschend, an den Stil des Albums angepasst und dank des Sängers Stimmgewalt doch zeitlos... Das und das direkt anschließende "Come Rain or Come Shine", außerdem "Let the Good Times Roll", "It Had to Be You" und das quietschfidele "Alexander's Ragtime Band" halte ich für die stärksten Songs dieses Albums.
Dem dramatischen "Come Rain or Come Shine" gilt meine besondere Zuneigung -- trotz des gewöhnungsbedürftigen Hintergrundchores, der vor allem die zweite Hälfte des Album beglückt.

Das Album "The Genius of Ray Charles" von 1959 ist in seiner Art sehr schön geworden, der Sound ist glasklar. Ray Charles war damals ohnehin in hervorragender Form; jedenfalls ist mein Gehör dieser Meinung. Dennoch steht die CD zumindest bei mir nicht in der allervordersten Reihe. Gegen das Genre hab ich nichts. Aber in allzu vielen Songs vor allem auf der zweiten Hälfte des Albums musiziert er allzu viel Tribut an einen musikalischen Trend seiner Zeit, der in konzentrierter Form heute fast schon unfreiwillig komisch wird (zum Glück nur fast, dank Ray Charles). Vor allem dieser Hintergrundchor... die Damen passen zu den Streichergeschwadern, die hier ebenfalls nix zu suchen gehabt hätten, aber was sonst haben sie hier verloren?
Möglicherweise liegt's nicht an Ray Charles und/oder seiner Band, sondern an dem/den Produzenten, die allzu viel Rücksicht auf den vermuteten Zeitgeschmack nahmen.

Wie auch immer...
Dank der Könner in der Band, vor allem aber dank des Genies Ray Charles sinkt das Niveau noch nichtmal bis Mittelmaß. Hier hat auch der überproduzierteste Song noch das gewisse Etwas, und auch darin unterscheidet sich dieses Album von all den Eintagsfliegen jener Zeit. Aber leider ist nunmal ein wenig allzu oft allzu dick aufgetragen worden im Studio, auch wenn immer wieder diese genialen Augenblicke wie musikalische Supernovae in jedem Song aufleuchten. Im Ray-Charles-Universum gibt's nun einmal viele andere, leuchtendere Sterne, deren Leuchtkraft gegen Modeerscheinungen immun ist.
Vielleicht beurteilt ein Fan des doch etwas spezifischen musikalischen Genres das anders und vergibt fünf Sterne -- nachvollziehbar fände ich das. Ich hingegen vergebe vier Sterne, weil auch die zuckersüßeste Bigband unter Ray Charles' Regie gepfefferte Musik spielt. Und genau das mag ich.
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