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24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Senstationelles Gipfeltreffen der Countertenor-Elite!
Die Ersteinspielung von L. Vincis Artaserse, seinem Schwanengesang von 1730, ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Zum einen ist es die erste Studioeinspielung einer Seria des Komponisten, zum anderen wurde hier der singuläre Versuch gewagt, auch die Frauenrollen von Countertenören singen zu lassen, so dass sich die in der Cd-Geschichte wohl einmalige...
Vor 8 Monaten von Ein kritisches Ohr veröffentlicht

versus
3 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Begegung der mittelmäßigen Art
Ich möchte keinen Essig in den "stylishen" Wein gießen, aber mit Vinci oder der "Zeitenwende" von 1730 hat dieser trendige it-Gipfel gar nix gemein!
a) mp3-Akustik bei virgin ? - aber ja, im Radio tönte es haargenau so drahtkommodig", b) in der Tat, derart unidiomatisch gebellte Rezitative hat man lang nicht mehr erdulden müssen. Dummerweise...
Vor 4 Monaten von Andreas Einbeck veröffentlicht


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24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Senstationelles Gipfeltreffen der Countertenor-Elite!, 12. Oktober 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Vinci: Artaserse (Audio CD)
Die Ersteinspielung von L. Vincis Artaserse, seinem Schwanengesang von 1730, ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Zum einen ist es die erste Studioeinspielung einer Seria des Komponisten, zum anderen wurde hier der singuläre Versuch gewagt, auch die Frauenrollen von Countertenören singen zu lassen, so dass sich die in der Cd-Geschichte wohl einmalige Besetzung von fünf Vertretern dieses Stimmfachs gegenüber einem Tenor ergibt. (Nur auf DVD hat B. Lazar mit Landis St. Alessio -übrigens auch mit Cencic und Jaroussky-ein ähnliches Experiment gewagt) Hintergrund ist das päpstliche Auftrittsverbot für Frauen an allen Theatern des Kirchenstaats. Schenkt man zeitgenössischen Berichten Glauben, müssen die in Frauenrollen eingesetzten Kastraten damals stimmlich und visuell so täuschend weiblich und verführerisch gewirkt haben, dass sämtlichen Theaterbesuchern, egal ob hetero- oder homosexuell veranlagt, die Sicherungen durchgebrannt sind. Natürlich lässt sich das Timbre eines heutigen Countertenors nicht mit einer Kastratenstimme, von der wir nur die um 1900 entstandenen nicht wirklich repräsentativen Aufnahmen Alessandro Moreschis besitzen, vergleichen. Es fällt also schwer, die Rollen der Mandane und Semira (technisch hervorragend gesungen von M.E.Cencic und V.Barna-Sabadus) beim reinen Hören als spezifisch weiblich wahrzunehmen. Am ehesten etwas androgyn wirkt die jugendlich-knabenhafte Stimme Jarousskys, der aber die männliche Titelrolle verkörpert. Ob die Travestie auf der Bühne überzeugend wirken würde, mag auch bezweifelt werden, denn wenn man sich die Fotos der Herren ansieht, ist schwerlich zu glauben, dass ein Maskenbildner eine Verwandlung in verführerische Damen bewerkstelligen könnte, ohne in Drag-queen-Untiefen zu geraten.
Bei aller stupenden Qualität der hier versammelten Countertenor-Elite, stellt sich in dem trotz hoher Stimmlagen durchweg recht männlichen klingenden Ensemble doch nach gewisser Zeit die Sehnsucht nach einem "echten" Sopran ein, der ein abwechslungsreicheres vokales Timbre in den auf Dauer recht ermüdenden Ablauf von teils sehr langatmigen Secco-Recitativen (die man ohne schlechtes Gewissen überspringen kann) und Dacapo-Arien bringen könnte.
Doch eben diese hohe Qualität macht die Aufnahme so einzigartig, denn neben dem gut disponierten Tenor singen alle Counters auf höchstem Niveau und es ist reine Geschmackssache, wem man den Vorzug gibt. Hier meine beiden persönlichen Favoriten: Die musikalisch reichste und aufwendigste Partie des Arbace (1730 von Carestini gesungen) verkörpert F. Fagioli als primus inter pares mit stupender stimmlicher (Umfang fast zweieinhalb Oktaven) und musikalischer Souveränität , gefolgt von V.Barna-Sabadus in der Rolle der Semira, der als einziger in dem Quintett über eine genuin hohe Sopranlage verfügt und besonders durch Zartheit und Grazie berührt. Alle anderen Leistungen befinden sich aber gleichfalls auf höchsten internationalen Standard und stellen eindrucksvoll unter Beweis, wie hoch sich der Countertenorgesang in den letzten 10-15 Jahren entwickelt hat. Bestnoten auch für den gleichermaßen temperamentvollen wie sensiblen Dirigenten D.Fasolis und das ausgezeichnete, in leuchtenden Farben spielende Concerto Köln, das sich endlich wieder auf geglückter Entdeckungsreise jenseits von Multikulti- Crossover und allzu Populären befindet.
Zuletzt noch ein Wort zur Musik Vincis: Bei allem Erfindungsreichtum, galanten Schwung und vokalem Glanz bleibt die Oper musikalisch doch deutlich hinter Händel, A. Scarlatti oder Hasse zurück. Schwer zu sagen, wie sich der Komponist entwickelt hätte, wenn ihm ein längeres Leben vergönnt gewesen wäre.
Insgesamt eine grandiose Produktion, die trotz einiger Fragezeichen in die CD-Geschichte eingehen wird. Uneingeschränkte Kaufempfehlung!
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alle Farben der Countertenorstimmen, 13. Oktober 2012
Von 
Lilienthal - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Vinci: Artaserse (Audio CD)
Undenkbar war es in Rom, der katholischsten aller Städte, im Jahr 1730, dass eine Frau auf der Bühne in einer Oper gesungen hätte, und so war die Premierenbesetzung von Leonardo Vincis „Artaserse“ in diesem Jahr rein männlich, besetzt also mit Kastraten, mit dem großartigen Carestini in der Rolle des Arbace. Mittlerweile stehen uns viele hervorragende Countertenöre zur Verfügung, die den schwierigen Partien in Barockopern gewachsen sind, und so ist es nur konsequent, einmal eine Oper nur mit Countertenören zu besetzen (wie ja auch schon von W. Christie erfolgreich umgesetzt). So haben wir also das Glück, in diesem „Artaserse“ (übrigens der Erstvertonung dieses berühmten Librettos von Metastasio - Hasse kam erst nach Vinci - und einer Ersteinspielung) fünf der besten Countertenöre unserer Zeit zu hören, deren Stimmen zudem so verschieden sind, dass keinerlei Eintönigkeit aufkommen wird.
Hervorzuheben ist bei dieser Einspielung zuerst das stringente und rhythmusstarke Dirigat des großartigen Diego Fasolis, unter dessen souveräner Leitung jedes Ensemble präzise spielt und jede Arie, jedes Rezitativ seinen eigenen, interessanten Charakter erhält. Solche technische Perfektion und solchen musikalischen Schwung würde man sich von jedem Dirigenten wünschen. „Concerto Köln“ spielen die abwechslungsreiche und klug gestaltete neapolitanische Komposition Vincis lebhaft und schwungvoll.
Philippe Jaroussky in der Titelrolle des Prinzen Artaserse überzeugt stimmlich mit seinem glanzvollen, über die gesamte Tessitura hinweg makellosen Stimmton sowie mit perfekter Technik. Zudem berührt Jaroussky mit seiner vollkommenen Beherrschung von Timbre und Ausdruck sowie mit lyrischem Ton und herausragender Musikalität den Hörer von der ersten Note an. Dieser herausragende Sänger verfügt deutlich mehr als seine Countertenor-Kollegen über die Kunst, den Zuhörer nicht nur zu beeindrucken, sondern ihn mit seinem Gesang emotional zu berühren und zu bewegen. Der vorliegende „Artaserse“ verdankt somit Philippe Jaroussky einen großen Teil seiner Wirkung.
Der bislang noch recht unbekannte Franco Fagioli zeigt in der schweren Rolle des Arbace einen eindrucksvoll großen Stimmumfang mit klarer, perfekt gestützter Höhe, einem weichen, oft erstaunlich vollen tiefen Register sowie hervorragende Technik auch in den schwierigsten Koloraturarien. Für mich klingt sein Ton im tieferen Bereich manchmal etwas beengt und sein Gesang vielleicht etwas übermäßig kontrolliert, nicht vollkommen frei, aber dies ist bereits Geschmackssache.
Der junge Valer Barna-Sadabus verfügt über eine im Bereich des Sopran gelagerte, klangschöne und leichte, gut gestützte Stimme sowie offenkundig über eine hervorragende Ausbildung. Es ist sehr zu hoffen, dass dieser begabte und gutaussehende junge Sänger seine Karriere klug angehen, weiterhin intensiv an seiner Technik und Intonation (die selten ganz wenig „verrutscht“) arbeiten, und nicht kurzfristig von profitbegierigen Plattenfirmen „verheizt“ werden wird.
Die Rolle der Mandane wird von Max Cencic wie immer mit einem reichen „mezzosopranigen“ Timbre, doch leider stellenweise auch einer gewissen schneidenden Härte in der höheren Lage gesungen. Hier wäre, zudem in einer Frauenrolle, wieder einmal etwas weniger besser gewesen.
Klangschön präsentieren sich auch die Stimmen von Minenko, der sehr ähnlich wie Cencic klingt, und Daniel Behle, dem einzigen Tenor in dieser Oper, der eigentlich für einen Bösewicht geradezu zu angenehm klingt.

Die Technik der Einspielung, das Booklet und dessen visuelle Gestaltung überzeugen ebenfalls - jeder Freund von Barockopern wird hier gerne zugreifen und mit Sicherheit langanhaltende Freude an dieser Einspielung haben.
Die Oper wird übrigens in wenigen Wochen (Herbst 2012) in Nancy inszeniert mit quasi der Besetzung dieser CD, und anschließend in anderen Städten, unter anderem Köln, in konzertanter Version zu genießen sein. (Ob man einige der Männer dann lieber "in Röcken" oder ohne erleben möchte, kann man sich somit aussuchen...)
Uneingeschränkte Empfehlung.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine hervorragende Aufnahme, 20. Januar 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vinci: Artaserse (Audio CD)
Die Aufnahme gibt das Konzert wieder, das ich konzertant in Köln gehört habe und das wirklich ausgezeichnet war. Die Aufnahme in (fast) gleicher Besetzung ist hinsichtlich aller Solisten einfach phänomenal! Die Barockmusik wird auch beim Hören zuhause nie langweilig oder eintönig. Eine bessere Bewertung ist meines Erachtens nicht möglich.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Fest!, 13. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Vinci: Artaserse (Audio CD)
Die Bedenken, die der erste Rezensent dieser CD geäußert hat ("Ob die Travestie auf der Bühne überzeugend wirken würde, mag auch bezweifelt werden, denn wenn man sich die Fotos der Herren ansieht, ist schwerlich zu glauben, dass ein Maskenbildner eine Verwandlung in verführerische Damen bewerkstelligen könnte, ohne in Drag-queen-Untiefen zu geraten.") kann ich voll und ganz ausräumen. Die Übertragung der Aufführung aus dem Theater in Nancy hat gezeigt, dass die "Travestie" auf der Bühne ganz hervorragend funktionierte. Der Gedanke an "Dragon Queens" kam bei den weiblichen Rollen nie auf. Besonders das innige Spiel von Max Emanuel Cencic war überzeugend und herrlich anzuschauen.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spitzenproduktion und Spitzenwerk!, 18. Dezember 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vinci: Artaserse (Audio CD)
Nach der gestrigen konzertanten Aufführung des Werkes in Köln mit tobendem und jubelndem Publikum, der nach jeder Arie stärker wurde, muss ich nur noch sagen: Die vorigen Rezensionen treffen die Qualität der CD! DIe Livekonzerte sind noch einen Deut besser, da vor allem Fagioli stilsicher ausziert.
Nur in einem Punkt muss ich der ersten Rezension deutlich widersprechen: je öfter ich das Werk höre, und das war sicher schon an die Zehnmal, um so mehr empfinde ich seine hohe Qualität, die keinen Vergleich mit Händel, Vivaldi oder Hasse scheuen muss sondern von einem ganz großen Komponisten des 18. Jahhunderts stammt, der mit Ende 20 schon ein Genie war!
Händel selbst orientierte sich an Vincis sensationellen Erfolgen (die er auf seiner Italienreise 1729 vor Ort erlebt hatte) und suchte nach 1729 melodiöser zu schreiben im Vinci-Stil, hatte damit aber kaum mehr Erfolg in London, da ihm auch die Spitzenkastraten fehlten, die er noch Anfang der 1720iger Jahre hatte.
Hoffen wir auf eine Vinci-Renaissance dieses im ganzen 18. Jahrundert hoch geschätzen Opernkomponisten! Was mag da noch in den Archiven schlummern?
PS. Die gesamte Aufnahme der Opernproduktion aus Nancy gibt es bei Youtube anzuschauen genau wie einzelne Arien.
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5.0 von 5 Sternen Treffen der Countertenor-Giganten, 3. Mai 2013
Von 
Dieter Kroll-Prätz (Allemagne) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vinci: Artaserse (Audio CD)
Als maßstäblich dürfte diese Aufnahme gelten, weil sie erstmals und kompetent Aufschluss über einen eigentlich höchstens namentlich bekannten Opernkomponisten gibt, der die neo-neapolitanische Opera seria nach den Maßgaben Metastasios vertritt. Zudem bietet die leidenschaftliche Interpretation von Concerto Köln unter Leitung des hitzigen Diego Fasolis ein abwechslungsreiches Erlebnis. Dass es mittlerweile auch männlichen Sopranisten unter den sogenannten Counter-Tenören gelingt, die virtuose Kunst des Kastratengesangs auferstehen zu lassen, hat mittlerweile Philippe Jaroussky zu einem Superstar werden lassen. Er tritt hier in der Titel-Rolle als Prim'Uomo in nahezu sportiven Wettstreit mit den Counter-Newcomern Max Emanuel Cencic als seine Schwester (!) Mandane, Franco Fagioli und Yuriy Mynenko und Valer Barna-Sabadus in der Frauenrolle der Semira. Dass die Barock-Oper auch von solchen Absurditäten lebt, beweist diese Neuaufnahme eindrucksvoll.
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5.0 von 5 Sternen genial Must have for Baroque Lover, 22. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Vinci: Artaserse (Audio CD)
I did not knew Vinci before. Franco Fagioli had great performace.Waiting to have the DVD.. Must have for the Baroque Opera lovers.
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5.0 von 5 Sternen Ausgezeichnete Aufnahme mit Ausnahmekünstlern, 21. März 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vinci: Artaserse (Audio CD)
Das macht nur unheimlichen Spaß! Die Herren Sänger befeuern sich gegenseitig zu Höchstleistungen. So macht diese Ausgrabung einfach nur Sinn.
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5.0 von 5 Sternen CD, 12. Februar 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vinci: Artaserse (Audio CD)
Vinci: Artaserse:
Sehr schöne Aufnahme. Klangqualität ist hervorragend. Die CD ist auf jeden Fall empfehlenswert, zumal das Preis-/Leistungsverhältnis stimmig ist. Würde ich wieder erwerben.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Feuerwerk mit Fehlzündungen, 16. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Vinci: Artaserse (Audio CD)
Leonardo Vinci war zu Lebzeiten einer der populärsten Opernkomponisten Europas - und ein stilbildender Revolutionär, der die Oper mit galantem Schwung vom Barock hinein in die Klassik beförderte. Die Essenz des musikalischen Dramas lag für ihn in den Worten, mit denen die Figuren ihre Affekte der jeweiligen Situation gemäß reflektieren - eine Kunst, in der sein Librettist, Freund und Mitstreiter Pietro Metastasio der anerkannte Meister aller Klassen war. Vinci hat dessen Verse in kongenialer Weise in Melodien zu übersetzen verstanden. Natürlich hat es auch vorher in der Oper schon "schöne" Melodien gegeben. Neu bei Vinci ist aber, wie Königin Melodie bei ihm endgültig das Szepter übernimmt und zur absoluten Herrscherin über das musikalische Satzgefüge wird. Seine Musik erklärt so deutlich wie keine andere zuvor das Generalbasszeitalter für beendet.

Ich bitte um Entschuldigung, dass ich diese etwas dröge Einleitung für notwendig halte, um meine Kritik an dieser Aufnahme zu begründen. Denn obwohl sie durchaus ihre Meriten hat, lässt sich gerade die Stellung Vincis an einem Wendepunkt der Musikgeschichte hier nur schwer nachvollziehen. Ich gestehe gerne, dass ich nach dem ersten Anhören spontan begeistert und versucht war, fünf Sterne zu geben, da diese Aufnahme mit ihrer oberflächlichen Brillanz zunächst sehr für sich einzunehmen weiß. Bei näherer Betrachtung wird man als reflektierender Zuhörer aber doch skeptisch. Dirigent Diego Fasolis scheint gerade die Loslösung der Musik von den Fesseln des Bassfundamentes kaschieren zu wollen, indem er die - hier eigentlich rein funktionellen - Basslinien überbetont. Offenbar mag er sich nicht damit abfinden, dass seine famose Continuogruppe mitunter ganze Arien lang nur in gleichförmigen Achtelnoten im Schatten der strahlendsten Melodien einhertrotten soll, und sorgt mit allerhand effekthaschenden Spielereien dafür, dass die Klangbalance von Vincis eigentlich extrem oberstimmenbetonter Partitur ins Basslastige umkippt. Sicher kann man sich über manches farbige Detail freuen, das in dieser Form aber bei Monteverdi weit eher am Platz wäre. In dieser Hinsicht ist hier ein Punkt erreicht, wo die historisierende Aufführungspraxis ungeachtet aller Verdienste Gefahr läuft, sich selbst ad absurdum zu führen. So zum Beispiel durch den kuriosen Einfall, den Schurken Artabano durch ein hinzugefügtes Fagott zu charakterisieren, das sich in allen seinen Rezitativen hartnäckig an seine Fersen heftet, was eher komisch als bedrohlich klingt.

Die Tatsache, dass Vinci das verwendete Orchester - Streicher, Oboen, Hörner und Trompeten - für seine Zeit ungewöhnlich liebevoll und stellenweise geradezu üppig bedacht hat (auf ausschließlich vom Basso continuo begleitete Gesänge, von denen Händel sich auch in seinen Spätwerken nie ganz trennen mochte, verzichtet er hier bereits gänzlich), sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Artaserse" eine reine "Sängeroper" ist - vielleicht die erste überhaupt. Der Orchesterpart hat prächtig aufrauschende Stellen, bleibt aber stets der - freilich sehr plastische - Hintergrund in den Affektgemälden der Arien, in denen die Gesangsstimmen klar im Vordergrund stehen sollten. Dort, wo Fasolis und das glänzend aufgelegte Concerto Köln auf den Putz hauen dürfen, gelingt ihnen das so gut, dass man sofort das Wiederholungsknöpfchen betätigen möchte - man höre etwa das orchestrale Tischfeuerwerk in der Arie des Megabise "Sogna il guerrier le schiere". Insgesamt entsteht aber der Eindruck, dass der Maestro kein musikalisches Drama dirigiert, sondern eine abendfüllende Orchestersuite mit obligaten Singstimmen.

Und wie steht es nun um die Sänger? Wie bekannt, mussten wegen eines päpstlichen Auftrittsverbotes für Frauen seinerzeit auch die weiblichen Rollen von Männern, sprich von Kastraten verkörpert werden. Deren Partien sind hier konsequenterweise mit Countertenören besetzt. Das ist historisch einwandfrei und hat seinen eigenen Reiz (William Christie hat es 1986 mit "Cleofide" von Hasse vorexerziert). Sonst bin ich eher der Ansicht, dass Countertenöre in Studioproduktionen besser, weil unforcierter klingen als live auf der Bühne. Dieses Mal aber ist es eher umgekehrt. Die meisten Sänger hinterlassen in den begleitenden Live-Aufführungen des "Artaserse" einen besseren Eindruck als auf der Tonkonserve. Allen ist selbstverständlich bewusst, dass sie im Aufnahmestudio für die Nachwelt verewigt werden. Während der keiner Elogen mehr bedürfende Philippe Jaroussky und auch Valer Barna-Sabadus und Tenor Daniel Behle mit dieser Situation souverän umgehen und wunderbar flüssigen, hochmusikalisch phrasierten Gesang bieten, schießen die Anderen im Bestreben, ihre Sache besonders gut zu machen, mehr oder weniger weit übers Ziel hinaus. Der technisch hochbegabte Franco Fagioli (man höre etwa die sauber geschlagenen Triller in "Mi scacci sdegnato") verfärbt seine Stimme oft in einer Manier, die eher zoologische als musikalische Assoziationen weckt. Das berühmte Seesturmgemälde "Vo solcando un mar crudele", welches das zeitgenössische Publikum in ein Delirium des Entzückens versetzte, wird so um einen guten Teil seiner Wirkung gebracht. Der schon gestandene Max Emanuel Cencic hat großartige Momente, übertreibt es aber an den entscheidenden Stellen mit selbstgefällig überbordenden Verzierungen und bizarren, die Melodielinie zerreißenden Schlenkern. In der Reprise des wundervollen Duetts "Tu vuoi ch'io viva, o cara" bringt er es fertig, das Hauptthema bei der Wiederkehr vollständig zu entstellen, statt es zu verschönern. Das hätte der Dirigent ihm ausreden müssen. Yuriy Mynenko schließlich schmettert seine Arien mit solchem Überdruck, dass sich die Qualität seines Timbres kaum beurteilen lässt, trifft aber immerhin alle Töne sicher.

Obwohl meine Rezension sich wahrscheinlich liest wie ein Verriss, möchte ich den Komponisten und sein Meisterwerk dennoch allen Barockopernfreunden wärmstens ans Herz legen. Deshalb vier Sterne für diese Aufnahme, denn gänzlich misslungen ist sie ja nicht. Ich hege nur Bedenken, ob die Barockoperninterpretation den hier eingeschlagenen Weg weiter verfolgen sollte.
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Vinci: Artaserse
Vinci: Artaserse von Philippe Jaroussky (Audio CD - 2012)
EUR 27,99
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