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Closer
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74 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. Mai 2001
Es ist kaum in Worte zu fassen, was man fühlt, wenn die ersten Töne dieser 21jährigen Scheibe erklingen. Das erste Stück "Atrocity Exhibition" verstört mit seinem ewigen Getrommel und dieser Text... Wie auch immer. CLOSER ist der Meilenstein der moderne Independent Musik und bieten sogar noch einiges mehr. Musikalisch ist dieses Album sogar bis heute hinein durchaus als hochgradig innovativ zu bezeichnen. Kaum jemand (oder eigentlich niemand) hat es nach Ian Curtis verstanden, der Dunkelheit soviel Substanz, soviel energetische Kraft zu verleihen wie auf diesem Album. Seine Texte und die Musik verschmelzen zu einer einzigartigen Einheit, an Intensität bis heute unerreicht. Natürlich spielt die Produktion wie schon bei "Unknown Pleasures" DIE dritte tragende Rolle. Das Integrieren von Keyboards -elektronische Fanfaren, zischendes Flakfeuer aus primitiven 80er Jahre Dioden- ist vollständig gelungen. Wie in Stein gemeißelt wirken die Songs, unabänderlich, ewig. Nichts kann diese Töne wieder löschen, für immer gebannt auf der Festplatte der Erinnerung. "Heart and soul" zum Beispiel. Ein Sound aus einer anderen Welt. Metallisch, kalt, unerbittlich. Oder "Decades": das schönste, grausamste Lied über die Einsamkeit, das ich kenne. Oder "Isolation", oder, oder, oder. Wer der dunklen Seite der Existenz eher kopfschüttelnt gegenübersteht: Leute - Finger weg von diesem Album. Hört weiter euren Techno-Müll oder Britney-Dreck. Hier waren Künstler am Werk, die jenseits einer messbaren Skala agierten...
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53 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Oktober 2005
Joy Division sind leider längst tot. Die Band starb 1980 mit dem Selbstmord des charismatischen Leadsängers Ian Curtis der sich, kurz nach Beendigung und einige Monate vor der Veröffentlichung des Meilensteins "Closer" erhängte. Ihre Musik jedoch konserviert einem kleinen Hörerkreis immer noch die Stimmung der ausgehenden 70er Jahre, in denen es überraschenderweise NICHT nur Bombast-Rock und freie Liebe gab. Schwarz ist diese Platte, durch und durch. Streckenweise absolut furchteregend, kalt und demzufolge auch nicht unbedingt für labile Seelen gedacht.
Dass Joy Division zu den Heroen der düsteren Musik gehören, ist unbestritten. Dies bestätigen auch immer wieder Umfragen unter Szene-unabhängigen Musikjournalisten: "Closer" ist eine der besten Scheiben der letzten Jahrzehnte. Der Vergleich zu anderen Grössen der Szene wie Depeche Mode oder The Cure fällt jedoch schwer. Joy Division zeigten in ihrem musikalischen Gesamtwerk die viel schwärzeren Bereiche und Abgründe der menschlichen Seele, untrennbar verbunden mit dem charismatischen Ian Curtis. Curtis prägte die Musik von Joy Division sowohl thematisch als auch durch seinen durchdringenden, kalten Gesangsstil. Hoffnung- und Perspektivlosigkeit spiegelte sich immer wieder in seiner selbst. So wird "Closer" zu einer Reise in die Untiefen, in die Abgründe der menschlichen Seele.
"Isolation" und Konfusion zieht sich wie ein roter Faden durch die Songs, untermalt von der minimalistischen und tiefdüsteren Atmosphäre der elgischen Kompositionen. Es ist schwer, sich der Faszination zu entziehen, wenn einmal der Zugang zur Grundstimmung des Albums gefunden ist. Joy Division zeigen gnadenlos die Ziel- und Rastlosigkeit des alltäglichen Lebens auf, ohne in gängige Klischees zu verfallen. Zu Anfang ist es ziemlich schwer mit den wirklich arg depressiven Botschaften der Band umzugehn. Geradezu lebenslustige Menschen werden demnach auch nich den Sinn dieses Meisterwerks entschlüsseln können.
Generelle Hörtipps kann und will ich bei diesem Album nicht geben, da es auch ohne eine, in den meisten Fällen, nicht vorhandene Verknüpfung der einzelnen Stücke, wie eine einzige mörderisch depressive Komposition klingt.
Skippen verboten!!!
In jedem Falle ist "Closer" nicht zur beiläufigen Beschallung geeignet. Zu intensiv ist die Musik, und zu wertvoll.
Zum Abschluss möchte ich noch den Erstling "Unknown Pleasures" empfehlen, der für viele Fans immer noch als Zenit dieser Band steht. Ich mag beide sehr gerne, doch verbinde ich mit "Closer" noch einige Dinge die über den Musikalischen Bereich hinausgehn ...
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. August 2009
Erst als es die Band nicht mehr gab, zogen die Plattenverkäufe plötzlich an. Im Juli 1980 erschien CLOSER im Großbritannien und schoss in die Charts, als die Nachfolger New Order gerade ihr erstes Konzert gaben. "Love Will Tear Us Apart", die Single, chartete ebenfalls, und UNKNOWN PLEASURES zog im Jahr eins nach Veröffentlichung ebenfalls nach. So makaber funktioniert das Showbiz: Erst Ian Curtis' Freitod in der Nacht zum 18. Mai desselben Jahres und ihre daraus resultierende Auflösung verschaffte der toten Band Ruhm und Ehre.

Noch vor dem Joy-Division Debüt UNKNOWN PLEASURES ist CLOSER das musikalische Vermächtnis der bahnbrechenden Postpunk-Band aus Manchester. Während der Aufnahmesessions im März 1980 soll nur Annike Honorè, Curtis' belgische Geliebte, die ganze Tragweite der finsteren Absichten des Sängers begriffen haben. Was im Gothic-Rock eher einer provokativen Theatralik diente, war bei Joy Division wohl bitterer Ernst. Über allen weltverlorenen Zeilen, die Curtis für CLOSER zu Papier brachte, schwebt wie ein Fanal die in "Isolation" formulierte erschütternde Erkenntnis: "I'm ashamed of the person I am". In Ian Curtis' semiautistischer Gedankenwelt bleibt das Du unerreichbar: "I put my trust in you", singt er grimmig in "A Means To An End", dabei verrät die Wankelmütigkeit seiner Stimme Hoffnungslosigkeit. "Got to find my destiny before it gets too late": Wie das meiste der Lyrics auf CLOSER bleibt auch die verstörende Schlusszeile aus Twenty Four Hours" rätselhaft. Verrät sie eine Spur von Hoffnung, und sollte "some therapy" Curtis' von Epilepsie geschüttelte Gesundheit doch noch einrenken? Oder beabsichtigte der Sänger, die durch seine Ehekrise eingetretene Verschärfung seines Leidens - "the crisis I knew had to come" ("Passover") - aus tiefer Überzeugung im Suizid zu beenden, "deep in the heart of where sympathy held sway"?

Bei aller autobiographischen Tragik lässt sich CLOSER auch jenseits von Anthony Corbijns Film-Biographie "Control" begreifen: als ein universelles Stück Musik. CLOSER erzählt nicht nur von moderner Entfremdung - es klingt auch noch so. Natürlich nicht zuletzt dank Martin Hannetts bahnbrechenden Geniestreichen an den Regiereglern, die Bernard Albrechts (g), Peter Hooks (b) und Stephen Morris' (dr) kalte Beiträge noch eisiger klingen ließen: der Zahnbohrer-Gitarrensound auf "Atrocity Exhibition", der unerbittliche Beat von "Heart And Soul", die synthetischen Drums auf "The Eternal". CLOSER, obwohl mit seinen zeitlosen Elektrosounds stilistisch weit versierter als das monolithische UNKNOWN PLEASURES, ist wie sein Vorgänger perfekte Schwarzweißmalerei ohne Zwischentöne. Sämtliche Subtilitäten - es mangelt nicht daran - dienen einzig dem Zweck, den inhärenten Ausdruck an Verlorenheit musikalisch zu perfektionieren: der an die Krautrocker Can (wichtige Inspirationsquelle) gemahnende tribal beat des Openers, die raffinierte Laut-Leise-Dynamik von "Twenty Four Hours", Peter Hooks seltsames Bassgeschrammel auf "Passover", der sachte polyrhythmische Beginn von "Decades". Raffinesse in hochexpressivem Minimalismus, von dem sich ruhig weitere Dutzend Beispiele nennen ließen.

Außerirdische Kälte klang nie menschlicher als auf den naiv-genialen Prä-Industrialsounds von CLOSER. Der amerikanische All Music Guide fasst die Größe von CLOSER bemerkenswert zusammen: "Egal wie man Rockmusik definiert: Selten wirkt und klingt sie so bedeutend, so lebendig, so unwiderstehlich und unleugbar wie hier".
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. September 2004
.... und dennoch hat dieses Album seinen Platz in den Top 50 der wichtigsten Alben aller Zeiten verdient. Wer das Buch von Ian Curtis' Witwe gelesen hat, wird angesichts der szenarischen Beschreibungen etwas ernüchtert gewesen sein. Joy Division hatten nämlich meistens ihren Spaß, wenn sie ins Stduio gingen und waren dann genau so stolz wie jede Schülerband, wenn sie den Leuten die Demos vorspielen konnten. Eine Band wie jede andere also. "Closer" unterscheidet sich jedoch von allen anderen Millionen von Musikprodukten durch die einzigartige Produktion, die in weiten Teilen auf Martin Hannett's Mist gebaut ist. Wer sich "Closer" mal über Kopfhörer eingeführt hat, wird wissen, was ich meine. Es sind die Sounddetails, die Kleinigkeiten am Rande, die diese Platte so einzigartig machen. Hinzu kommen Curtis' Texte, die freilich jeder selbst für sich interpretieren kann, deren Kernaussagen sich jedoch wie das Tagebuch eines jungen manisch-depressiven Menschen lesen, der seinen Weg nicht findet. Alles traurig und letztendlich auch tragisch. Die Dinge wirken auf "Closer" zusammen. So einfach ist das. Es funktioniert, diese Band hat funktioniert. Wie auch immer, warum auch immer. "Closer" ist der Soundtrack einer Dekade, in der Orientierungslosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Depression herrschte. Hinter den Fassaden jedoch machte das Leben Spaß, so oder so. Und von all dem handelt "Closer", das der heute 18-Jährige nicht verstehen wird. "This is the crisis I knew had to come..." Seufz.....
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. Juni 2012
Die 1977 gegründete Post Punk- und New Wave-Legende um den früh verstorbenen Sänger Ian Curtis legte mit dem tiefschwarzen "Unknown Pleasures" bereits einen exzellenten Erstling vor. Die Nähe zum Punkrock der Gruppe aus Manchester war zwar immer noch spürbar, doch es war die unterkühlte Atmosphäre sowie die reduzierte Ästhetik, die dieses Debüt so herausragend machten. Ein Jahr später erschien sein Nachfolger "Closer". Ian Curtis erlebte die Veröffentlichung des Albums allerdings nicht mehr. Er begann zwei Monate vor Erscheinen des Albums Selbstmord. "Closer" bestätigte die Weiterentwicklung Joy Division`s weg vom rauen Post Punk, hin zu minimalistisch, ästhetisch ausformulierten New Wave. Trotzdem merkt man dem zweiten- und letztem Album der Gruppe aus Manchester seine Unfertigkeit an. Der etwas statisch-ungelenkige Beat in "Isolation" will nicht so recht mitreißen genauso wie dem faden "Colony", den einprägsame Hooks fehlen, um den Song im Gedächtnis haften zu lassen. Es ist die zweite Hälfte von "Closer", auf der die Band zur Höchstform läuft und die vielleicht intensivsten Songs ihrer Karriere spielt. "Heart And Soul", "Twenty Four Hours", "The Eternal" und das abschließende "Decades" leben von ihrer zermürbend-depressiven Stimmung und ziehen "Closer" in tiefe Abgründe. Kein wirklich hoffnungsvoller, aber schöner Abschluss einer kurzen, aber denkwürdigen Ära.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. November 2010
Nachdem ich Anfang der 90er Jahre die Original-LP (übelst bekleckert und völlig verbogen) bei einem Freund erstmals gehört hatte, war es schon um mich geschehen.
Das Ding kratzte, knisterte und hakte in übelster Weise auf meinem guten Plattenspieler. Trotzdem konnte es mir den Hörgenuss nicht vermiesen!
War so etwas wie eine Grenzwerterfahrung. Solcherart Klangspektren und Töne hatte ich noch nicht gehört. Dabei ist alles so melodisch und lässt Raum für Interpretationen des Gehörten. Wahnsinn!!!
Man muss sich das Werk nachts mit gutem Kopfhörer anhören, um sich völlig fallen zu lassen. Erst dann wird man Joy Division richtig verstehen.
Ist für mich ein Meilenstein in der Musikgeschichte!
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. Januar 2000
Diese frühen (Dis-)Harmonien erleuchten die Ursprünge des New Wave. Hier offenbart sich der pubertäre Zeitgeist von The Sisters of Mercy, The Cure u.v.a. Epigonen. Wie der Wechsel von "Licht und Blindheit", so drängt die Simultanität von stählener Härte, melancholischer Depression und einfühlsamer Empathie von Closer tief in das Gemüt. Wer die spät-70er von Manchester oder des Dortmunder Nordens kennt, gewahrt sich zu Hause - wer nicht - erfriert. Das Album läßt keinen Zweifel, welchen Abgang Frontman Ian Curtis kurze Zeit später wählte. Ein Genuß für Jeden, der guten Mutes sucht, tiefe Traurigkeit zu erfahren. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. November 2000
Hier ist er, der Grundstein des momentan zur reinen Modebewegung verkommenen Gothic-Kultur...der Vergleich der Musik von Joy Division mit einer gothischen Kathedrale trifft förmlich ins "Schwarze", denn es war nicht nur die Ursache für eine neue Begriffswerdung, sondern einer der ersten Bands die diese damals neugeborene schwarze Weltperspektive, die Einsamkeit und Isolation in der Grosstadtwüste, die düstere Industrieromantik und dem unaufhaltsamen "Ice Age" der Gesellschaft auf eine puristische, zugleich brutale und zerbrechliche Weise ausdrücken konnten. "Closer" ist wie ein gewaltiges Schwarzes Loch, das einen abgrundtief verstört und erschreckt, aber auch anzieht und förmlich in seiner elektrischen Dichte und Weite aufsaugt. Im Vergleich zu den anderen Alben ist dieses deutlich homogener und vielschichtiger, da sind fast dissonante Keyboards auf "Isolation" zu finden, auch psychedelische Strukturen bei "Heart and Soul", buchstäblich das Herzstück des Albums, aber auch militärisch wirkende Punk-Einflüsse in "Colony". Das stärkste Stück ist jedoch ganz eindeutig das minimalistische "Passover"; hier wird der Joy Division-typische mächtige Bass verknüpft mit einer leise verzerrten Gitarre, die der Inbegriff jeder nächtlichen Klaustrophobie und Verzweiflung in seiner Reinform ist... Dieses Album hat mein Bewusstsein verändert...Die Pforten der Wahrnehmung sanft aufgestossen. R.I.P. Ian Curtis
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. September 2011
Nach dem frühen Suizid von Ian Curtis im Alter von 23 Jahren sollten die Werke von Joy Division lange in Erinnerung bleiben. Der Titel 'Love Will Tear Us Apart' wurde zu einem der größten Songs, abseits des Mainstreams, der 80er Jahre. Auch durch eine beachtliche Version die in einer BBC-Session eingespielt wurde. Neben diesem Lied gelten Unknown Pleasures und Closer als zwei der Alben die den Post-Punk am stärksten prägten.
Der Reiz von Closer liegt in Verschiedenem. Zum einen ist es die Art und Wiese wie einfach Riffs in Bass und Gitarre mit elektronischen Elementen kombiniert werden. Der gekonnte Einsatz von Effekten trägt zum generellen Sound ungemein bei. Dieser bewegt sich auf eine bemerkenswerte Weise zwischen organisch und krachend. Immer wieder ertönt Rauschen und undefinierbare Geräusche die auf das Gehör im ersten Moment befremdlich wirken. Doch man wird nie überfrachtet, weil die Musik angenehm unkonventionelle, psychedelische Klänge und vertraute und simple Strukturen verbindet.
Was bei erstem, aufmerksamen Hören sofort auffällt ist die grundlegende Stimmung: Beklemmung und Subtilität zugleich.
Was die Musik dann letztendlich zu einem Unikat macht ist allerdings der Gesang von Ian Curtis. Doch nicht nur seine Stimme, auch die Texte. Das Vorbild Curtis' war Jim Morrison, das merkt man in diesem Bezug, denn für beide Frontmänner war es immer ein Anliegen Poesie und Musik zu verbinden.
Der Eingangssong 'Atrocity Exhibition' beginnt mit einem eingängigen Schlagzeug Rhythmus. Dann hört man eine simple Bassmelodie. Ein verwirrt hetzender Lärmteppich beginnt über den sich die Vocals legen. Immer wieder wird die Zeile 'This is the way / Stepp inside...' wiederholt. Die Aufforderung zum Eintritt, beunruhigend gesungen, aber. Wie bei einem Ritual wird sie wiederholt.
Das Intro zu 'Isolation' ist genauso trivial. Einfache Drums und Bassline. Dazu ein Synthesizer, der immer in die Ferne abdriften zu scheint. Auch hier eine textliche Wiederholung, diesmal ist es nur das Wort 'Isolation'. Perfekt unterstreicht Ian das Feeling des Songs. Seltsam: Auf den Song könnte man wunderbar tanzen, trotzdem verspürt man aufschwellende Beklemmung. Am Ende wird es schlagartig leise, dann wieder für einen Liedschlag laut und dann ist es vorbei. Sogar heute noch bemerkenswerte Effekthascherei.
Die Effekte werden auch bei 'Passover' exzellent eingesetzt. Unter der hypnotischen Stimme und dem monotonen Spiel der Instrumente spürt man die ganze Zeit einen wallenden, tiefen Basslaut. 'This is a crisis I knew had to come / Destroying the balance I'd kept' Textlich: Typisch Curtis.
Das Beginnen von 'Colony' klingt, als wollte es einem zum Flüchten motivieren. Ians Intonation klingt ratend und befehlend. 'I can't see why all these confrontations' Man könnte meinen er bezieht sich auf einen Konflikt mit sich selbst.
'I put my trust in you' heißt es bei 'A Means To An End'. Gesungen wird es aber nicht wie vertrauend. Eher enttäuscht und voller Resignation. Am Schluss gibt auch die Band auf wird langsam und kraftlos. Mal wieder dank eines wunderbar ausdrucksstarken Effekts.
'Heart And Soul': Synthesizer und Vocals wirken weit entfernt und die Worte werden lang gezogen, als falle es schwer sie auszusprechen. Verständlich! 'Soulless and bent on destruction / A struggle between right and wrong.' und 'Heart and soul / One will burn'. Das sind keine besonders positiven Botschaften.
Ich sehe eine Gestallt vor mir die versucht zu gehen aber immer wieder zurückgeworfen wir, am Anfang von 'Twenty Four Hours'. Plötzlich ändert sich das alles. Als ob man in einen Zeitraffer gewechselt hätte. Später dann wieder in zurück Zeitlupe. Und das immer wieder. Hektisch werden Worte in den Raum geworfen oder sie werden dahingesungen, trotzdem schwerwiegend.
'The Eternal' war von Anfang an das Lied auf Closer, das mich am meisten ansprach. Schlangenartige Geräusche, dann der Bass. Der Synthesizer beginnt. Alles ist geballte Emotion. Intensiv singt Ian Curtis den tiefgründigen Text. Dennoch tut er es nüchtern, ebenso verheißungsvoll und düster. Diese Antithetik macht den Song so einmalig. 'Procession moves on, the shouting is over / Praise to the glory of loved ones now gone.' Die Lyrics zeichnen das verschwommene Bild einer Prozession und metaphorisch von Depression. Alles ist in diesem Stück bedenklich. Alles wirkt mehrdeutig und bedrückend. Emotional betrachtet ein meisterhaftes Werk!
Der letzte Track 'Decades' ist wieder Hypnose. Im Hintergrund unterstützt der Synthesizer durch rudimentäre Arrangements dieses Bild. Mit ihm die Stimme. Sie ähnelt diesmal dem Gesang von Mönchen. Sie ist bedeutungsschwanger wie immer. 'Decades' hört mit dem klassischen Leisewerden auf und lässt den Zuhörer geistesabwesend einfach dort sitzen, liegen oder stehen wo er das Album hörte. Er hat das Gefühl es sei ein folgenreicher Abschied.
Auch wenn Ian bereits zwei Monate tot war als die LP erschien, es wird immer sein Vermächtnis sein. Das letzte Werk einer dramatischen Persönlichkeit. Er kreierte mit Hilfe seines kongenialen Ensembles eine ganz eigene Fusion aus Poesie und Musik. Beides ist überhaupt fröhlich, dafür aber ergreifend. Schon die Fotografie von Bernard Pierre Wolff die das Cover ziert manifestiert diese Stimmung. Der Anteil des Schwarzes ist wesentlich größer als der des Weißes. Gebückte Vermummte sammeln sich um einen aufgebarten Körper. Man kann nur hoffen, dass diese neun Songs noch viele Generationen überstehen ohne in Vergessenheit zu geraten.

[MJH]
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. Januar 2009
...umhüllt dieses Album wie ein Leichentuch. Joy Division Sänger und Teilzeit-Gitarrist Ian Curtis weilte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von "Closer" im Frühsommer 1980 schon nicht mehr unter den Lebenden. Leider. Der begnadete Lyriker (mann kann ihn auch ohne Weiteres als Dichter bezeichnen) erhängte sich kurz vor Beginn der US-Tour von Joy Division. Eine schwere Krankheit in Form der Epilesie hatten den hochbegabten Sänger in ein psychisches Wrack verwandelt und ihm mit nur 23 Jahren zum Freitod getrieben. "Closer" ist die musikalischen Hinterlassenschaft Joy Divisions, wohl aber zum größten Teil die der Privatperson Ian Curtis. Natürlich liest sich das Wort "autobiograpisch" für die Beschreibung eines Albums immer mit sehr viel Vorsicht. Doch in diesem Fall fällt mir kein Begriff ein, der es im Nachhinein passender auf den Punkt bringt. Ian Curtis singt von Isolation, Selbsthaß, Entäuschung, Schmerz und eben der ewige Ruhe, gespickt von Zeilen die im Nachhinein Hilferufe einer sich auflösenden Seele waren. Und das in einer schonungslos ehrlichen Art, wie es die wenigsten Menschen wohl auf Anhieb verdauen werden. Labile Menschen sollten dieses Album mit Vorsicht genießen. Ob das Album dunkel ist? Oh ja, es ist tiefschwarz und ist meiner Meinung nach vollkommen referenzfrei. Vor und nach "Closer" kam nicht mehr was in Sachen Düsternis und lyrischer Genialität an dieses Album herankommen kann. Auch wurden Genres (Gothic/Dark Wave) und unzählige Bands von dem Sound Joy Divions und der Person Ian Curtis geprägt (im speziellen wohl The Cure in den Achtziger). Schlussendlich bleibt mir nur noch zu sagen das "Closer" ein absolutes Meisterwerk ist und wohl Pflichtlektüre in jeder halbwegs gut ausgebauten Plattensammlung sein sollte
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