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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Urban Fairy Tale
Vorab möchte ich betonen, dass diese Rezension sehr lang ist. Es fällt mir schwer, das Buch lediglich kurz zu beschreiben. Das hat es nicht verdient, denn es ist mehr als nur ein Buch. Es bietet Stoff für unzählige Analysen, und zu gerne würde ich eine 20seitige Abhandlung darüber schreiben. Das geht hier natürlich nicht. Aber weil ich...
Veröffentlicht am 7. August 2011 von SaraSalamander

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Worte der weißen Königin
Lion lebt mit seinem Vater in einer kleinen Hütte in der Nähe vom Wald. Sie haben nicht viel Geld, es reicht gerade noch um etwas zu essen. Lion und sein Vater laufen in die nächste Stadt, da sein Vater dort Fleisch an einen Mann verkauft. Während Lion auf seinen Vater wartet entdeckt er eine Kirche und begibt sich hinein.

Dort hört er...
Vor 14 Monaten von Buechergeplauder veröffentlicht


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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Urban Fairy Tale, 7. August 2011
Von 
Vorab möchte ich betonen, dass diese Rezension sehr lang ist. Es fällt mir schwer, das Buch lediglich kurz zu beschreiben. Das hat es nicht verdient, denn es ist mehr als nur ein Buch. Es bietet Stoff für unzählige Analysen, und zu gerne würde ich eine 20seitige Abhandlung darüber schreiben. Das geht hier natürlich nicht. Aber weil ich sicher bin, dass auch andere diese Gedanken interessant finden, möchte ich Stoff zur Diskussion bieten. Wer das Buch kennt und reflektieren möchte, wird diesen Beitrag hier komplett lesen. Wer sich vor dem Kauf informieren will, der kann sich gerne auf die Punkte INHALT und FAZIT beschränken. Die anderen Punkte beinhalten dennoch keine Spoiler, Ihr dürft also gefahrlos gerne auch alles lesen ;-)

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VOR DEM LESEN

DIE WORTE DER WEISSEN KÖNIGIN ist das neue Buch von Antonia Michaelis. Sie hat bereits viele Kinder- und Jugendbücher geschrieben, die mich begeisterten durch ihre Sprache und Vielfalt, aber der große Wurf ist ihr vor einiger Zeit mit DER MÄRCHENERZÄHLER gelungen. An diesen Erfolg anknüpfend, hat der Oetinger-Verlag wohl auch das Cover gestaltet. Auch die Idee, das "nackte" Buch ohne Schutzumschlag ebenso zu gestalten, das gleiche Motiv nur ohne den Menschen darauf, wurde übernommen. Es ist irritierend für den Leser, denn viele Elemente deuten darauf hin, dass es eine Fortsetzung oder ein Spin-Off des MÄRCHENERZÄHLERS sein könnte. Dennoch ist DIE WORTE DER WEISSEN KÖNIGIN ein komplett eigenes Buch.

INHALT

Seine Mutter hat die Familie verlassen, als Lion drei Jahre alt war, seitdem lebt er allein mit seinem Vater. Er lernt sehr viel von ihm, nicht für die Schule, das kann sein Vater nicht, aber fürs Leben. Doch als sein Vater die Arbeit verliert, beginnt er zu trinken, und anstelle des liebevollen Vaters tritt der "schwarze König", der seinen Sohn misshandelt. Lion möchte gerne frei sein wie die Seeadler, und er vermisst die "weiße Königin", die alte Frau, welche den Kindern Märchen vorlas. Doch die alte Frau ist nicht mehr da, und die Seeadler fliegen ohne ihn. Lion beginnt die Schule zu schwänzen, die Seeadler zu zähmen und sich auf die Suche nach Worten zu machen, wie man sie nur in Büchern findet und durch die er sich mit der "weißen Königin" verbunden fühlt. Als die Misshandlungen durch den Vater zunehmen, flieht er von zu Hause und beschließt, mit den Adlern zu leben und die "weiße Königin" zu finden.

GENRE

Für ein Kinderbuch ist dieses Buch meiner Ansicht nach etwas zu ernst. Während Lindgren in den BRÜDER LÖWENHERZ die Dinge wie den Tod eher umschreibt, ist Michaelis sehr direkt. Ein Kind wird geschlagen, ausgepeitscht, und es es denkt stellenweise sogar daran, den eigenen Vater zu töten. Und dennoch sind die Worte kindgerecht. Für die Kleinsten ist es nicht passend, doch die Altersgruppe Lions, Kinder um die 10 Jahre, dürften bereits Verständnis für dieses Buch haben, wenn man sie nicht alleine damit lässt und mit ihnen darüber redet.

Durch die poetische Sprache, die zahlreiche Symbolik und die fantastischen Elemente mutet das Buch an wie ein Märchen. In Anlehnung an den Begriff der "Urban Fantasy" möchte ich gerne den Begriff "Urban Fairy Tale" einführen. Ein modernes Märchen, das in der Gegenwart spielt. Und so, wie Märchen grausam sein können, so ist auch dieses Buch auf gewisse Weise grausam und zugleich doch schön. Ein Widerspruch, wie ihn nur Märchen in sich vereinen können und wie er immer wieder dazu führt, dass man sich fragt, was man Kindern zumuten kann und was nicht. Diese Frage wird wohl niemals beantwortet werden können ...

Das Buch vermischt Märchen und Realität auf faszinierende Weise. Während man in klassischen Märchenbüchern klar weiß, was Realität und Fiktion ist, so sind die Grenzen hier fließend. Kann man einen Seeadler zähmen? Kann ein Kind im Horst eines Seeadlers nächtigen? Auch ist der unsichtbare Freund (hier in Gestalt der jüngeren Schwester, einer Personifikation der nicht gelebten Wut Lions) ein häufiges Thema in realen Geschichten. Doch was, wenn der unsichtbare Freund mit realen Menschen agiert und diese reagieren: vielleicht ist der Freund ja doch real? Oder vielleicht können nur andere Kinder ihn sehen, nicht jedoch die Erwachsenen? Oder vielleicht ist es eine Metapher für das, was eigentlich Lion selbst tut und psychologisch betrachtet von sich abspaltet?

Das Buch richtet sich auch an Erwachsene, denn Kinder werden wohl all die Anspielungen nicht verstehen, können nicht die komplette Tragweite des Buches erfassen. Und ich bin sicher, dass durch die vielen verschiedenen Symbole auch die Erwachsenen das Buch sehr individuell lesen werden, jeder wird etwas anderes darin sehen und die Situationen unterschiedlich deuten. Es gibt unbeantwortete Fragen am Ende, die Antworten finden sich zwischen den Zeilen in einzelnen Umschreibungen. Ich bin sicher, dass das Buch die Gemüter sehr spalten wird. Das gefällt mir, denn es stellt keinen Absolutheitsanspruch, statt dessen regt es zum Nachdenken und Diskutieren an.

GEFÜHL WÄHREND DES LESENS

Dies ist das Einzige, wo ich Parallelen zum MÄRCHENERZÄHLER ziehen möchte. Das Gefühl während des Lesens ist fast das gleiche. Einerseits die wunderbaren Worte, die ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln, die klaren Bilder, die im Kopf des Lesers entstehen. Und zugleich der dicke Kloß im Hals, der den Leser zum Weiterlesen zwingt, man möchte den Kloß loswerden, man wünscht sich, dass diese Anspannung sich löst. Und doch ist das Buch zu realistisch, als dass es schön sein könnte. Eine dunkle Melancholie legt sich wie eine Decke über den Leser, nur manchmal wagt er einen Blick in den Himmel, wo er mit Lion und den Adlern durch den Himmel gleiten und diese Freiheit erleben möchte. Oft musste ich das Buch für einige Momente unterbrechen und das wirken lassen, was ich eben gelesen hatte. Ich kann nicht lesen, wie ein Vater sein Kind mit einem Holzscheit prügelt und dann einfach weiterlesen, als wäre nichts geschehen. Es braucht eine Pause, um dies zu verdauen. Die kindlichen Gedanken und Worte machen das Geschehen umso tragischer, die Verletzbarkeit des Jungen, seine kindliche Unschuld wirken regelrecht greifbar.

DER MÄRCHENERZÄHLER machte mich betroffen, doch dieses Buch steigert diese Gefühl. Denn Anna und Abel sind Jugendliche, die bereits eine gewisse eigene Entscheidungsfähigkeit und Selbstverantwortung tragen. Lion ist noch ein Kind, und er ist den Erwachsenen ausgeliefert. Sein Versuch sich zu wehren und Freiheit zerreißt dem Leser schier das Herz, vor allem, wenn er getriggert wird und Dinge tut, die ein Kind in diesem Alter niemals tun sollte, weil es Dinge weiß, die ein Kind nicht wissen sollte ...

LITERARISCHE BEZÜGE

Wie auch schon in einigen ihrer anderen Bücher bezieht sich Antonia Michaelis auf andere bekannte Bücher. In diesem Fall sind es Kipling (Rikki Tikki Tavi), Exupery (der kleine Prinz) und Astrid Lindgren (Klingt meine Linde, die Brüder Löwenherz). Geschickt hat sie die einzelnen Elemente in die Handlung gebracht und den Inhalten eine neue Bedeutung verliehen. Ich mag diese Bezüge und finde sie sehr treffend, sie passen in das Buch, stellenweise scheint es fast, als wären diese Geschichten Inspiration gewesen und als hätte sie das Märchen von Lion (der nicht zufällig den Namen des Löwen trägt) um diese Elemente herumgewebt. Eine wundervolle Variation!

THEMEN

Das Buch beinhaltet sehr viele elementare Themen. Einige davon werden klar benannt, andere sind zwischen den Zeilen zu finden. So geht es nicht nur um Kindsmisshandlung, sondern auch um Wut, Hass, Angst. Aber auch Vergebung, Familie, Freiheit, Selbstbewusstsein, Stärke und Mut. Es stellt sich die Frage, was wichtig ist im Leben. Lion ist arm, er trägt zerfetzte Kleidung, geht auf eine Förderschule und beneidet andere Kinder um das, was sie haben: MP3-Player, neue Kleidung, ferngesteuerte Autos. Er ist wütend darüber, wie wenig sie ihre Frisur schätzen und wiesehr sie sich gehenlassen. Und doch ist er froh über das, was er hat und sie niemals haben werden: die Freiheit und das Wissen der Seeadler. Es ist ein Buch der großen Gefühle, gekleidet in kleine Worte mit großer Bedeutung. Lion sagt von sich selbst, dass ihm die Worte fehlen, erst durch die weiße Königin lernte er neue Worte kennen, die seinen Horizont erweiterten, doch als die Königin ging, suchte er nach neuen Worten. Die Worte sind klein. Die Inhalte sind groß ...

FAZIT

Das Buch hat mich sehr bewegt, und unter den aktuellen Büchern ist es auf jeden Fall eine absolute Empfehlung für Jung und Alt. Kinder ab 12 Jahre sollten es allerdings nicht alleine lesen sondern einen Erwachsenen an ihrer Seite haben. Ältere Leser sollten sich bewusst sein, dass all die ernsten Themen nicht in Absolutheit behandelt werden können und vieles unbeantwortet bleiben muss. Die Worte klingen sanft und still, doch ihre Wirkung ist gewaltig. Ein Buch, für das man Zeit braucht und ein offenes Herz.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wundervolles Buch, 2. August 2012
KLAPPENTEXT:
In dem kleinen Dorf an der Ostsee gibt es nicht viel. Die meisten Leute sind weggezogen, Arbeit hat kaum einer. Hier lebt Lion allein mit seinem Vater, seit die Mutter die Familie verlassen hat. Doch der Vater leidet sehr unter der Trennung und seiner Arbeitslosigkeit. Immer öfter greift er zum Schnaps und verwandelt sich dann in den schwarzen König - grausam und gewalttätig. Zum Glück gibt es eine alte Frau, die samstags in der Kirche den Kindern vorliest und die Lion die weiße Königin" nennt. Nichts spendet Lion so viel Trost wie die Worte aus ihren Büchern. Und dennoch: Eines Tages hält er es zu Hause nicht mehr aus. Er läuft weg und beginnt ein Leben in den Wäldern, nur in Gesellschaft eines Seeadlers, den er gezähmt hat, und eines seltsamen Mädchens, das ihn begleitet. Doch der Sommer dauert nicht ewig ...

AUTORIN:
(Quelle: Oetinger)
Antonia Michaelis, Jahrgang 1979, in Norddeutschland geboren, in Süddeutschland aufgewachsen, zog es nach dem Abitur in die weite Welt. Sie arbeitete unter anderem in Südindien, Nepal und Peru. In Greifswald studierte sie Medizin und begann parallel dazu, Geschichten für Kinder und Jugendliche zu schreiben. Seit einigen Jahren lebt sie als frei Schriftstellerin in der Nähe der Insel Usedom und hat bereits zahlreiche Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht - spannend, fantasievoll und äußerst erfolgreich.

EIGENE MEINUNG:
Antonia Michaelis hat eine bitter süße Geschichte geschrieben, die nach einem Märchen klingt und doch so viel von der Realität in sich trägt. Einer Realität, die brutal und grausam ist und nur durch Geschichten, Gedanken und Freundschaften zu ertragen ist.
Nimmt man Die Worte der weißen Königin" in die Hand, sollte man sich warm anziehen, denn Lions Erlebnisse lassen einen unter Gänsehaut frösteln. Er ist ein netter Junge, der allein mit seinem Vater in einem kleinen Dorf lebt. Beide sind verletzt worden durch den Weggang der Mutter, doch während Lion versucht ein noch innigeres Verhältnis zum Vater aufzubauen, kann dieser den Schmerz kaum ertragen, wendet sich vom Sohn ab und dem Alkohol zu. Als Lion dann auch noch eine alte Frau vergöttert, die Geschichten erzählt, gerät der Vater völlig außer sich und begeht einen großen Fehler: er schlägt zu.
Die Worte der weißen Königin" ist von ganz wundervoller Schreibe. Sanft und doch sehr eindrücklich erzählt. Manches ist so zart ausgedrückt, dass die Realität, die beschrieben wird noch härter auftrifft und den Leser bis ins Innerste berührt.
Sowohl Lion als sein Vater haben mit ihren eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Vater ist einsam und fühlt sich verlassen von der Frau. Gibt sich selbst vielleicht sogar die Schuld dafür. Alles was er möchte ist Lion ein gutes Leben bieten, doch das kann er nicht, denn als er auch noch seine Arbeit verliert wird das Geld immer weniger und durch verschiedene Umstände fallen Lions Noten in der Schule ab. Der Vater hat Angst, dass sein Sohn irgendwann so endet wie er selbst. Er fühlt sich unfähig und nutzlos und sucht den Trost im Alkohol. Doch dieser macht alles nur schlimmer, denn er öffnet die Schleusen für all die Wut, die in ihm steckt. Wut auf seine Frau, die Seeadler, sein Leben und vor allem Wut auf sich selbst. Er öffnet sich für den schwarzen König", der nichts mehr von Liebe und Fürsorge in sich hat und sein Kind schlägt, bis dieses wegrennt. Erst dann bemerkt er, was er eigentlich getan hat ...
Ich war Lion, der Junge, der zu wenig Löwe in sich hatte und umso mehr Seeadler."
Lion wird von so vielen Dingen bedrückt, dass es ihm nur schwer gelingt diese alle auszuhalten und so flüchtet er sich in seine eigene Welt. Verzaubert von den Worten einer alten Frau, die ihm mit diesen Geschichten so viel gegeben hat, dass er sie die weiße Königin nennt. Denn sie ist seine Rettung. Ihre Worte holt er hervor, wenn er die Schläge seines Vaters ertragen muss. Außerdem hat er eine besondere Freundschaft aufgebaut. Zu einem jungen Seeadler, den er bewundert dafür, dass er frei ist und fliegen kann wohin er will. Als er ihn eines Tages mit einer Verletzung auffindet und wieder gesund pflegt, baut sich etwas beinahe magisches zwischen ihnen auf und sie werden unzertrennlich. Auch der Seeadler wird Lions Trost in schweren Stunden.
Als wir das Grab verließen, versuchte ich, Tränen zu finden. Doch ich fand keine. Ich fand eine Adlerfeder in meiner Tasche."
Die Worte der weißen Königin" hat mich zutiefst berührt. Vor allem die Beziehung zwischen Lion und dem jungen Seeadler, die keiner Worte bedarf und unabdingbares Vertrauen voraussetzt. Trotz vieler Elemente, von denen man nicht genau weiß, ob es diese nun wirklich gibt oder nicht, weiß ich, dass diese Geschichte mehr als echt ist. Viele Kinder sind in Lions Situation und nicht wenigen dieser Kinder bleibt nichts anderes übrig als die Flucht in eine eigene Welt, um all das ertragen zu können, was schon so schwer auf ihren kleinen Schultern lastet. Dennoch ist es nicht nur ein trauriges Buch, sondern auch eine schöne Geschichte, deren Ende mich zu Tränen rührte.

FAZIT:
Die Worte der weißen Königin" ist eine berührende Geschichte, die mit sanften Worten so stark bewegt. Ein Buch über die Macht der Freundschaft, Mut und den Willen etwas zu ändern, etwas zu erreichen. Ich konnte nichts tun. Oder alles."
Ein Roman für Leser, die ebenso wie Lion in die Welt der Geschichten entfliehen können, sich aber auch mit traurigen Dingen der Realität auseinandersetzen können und ein Buch für alle, die den Mut haben etwas zu verändern. Absolut empfehlenswert!!
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Einfühlsames Jugendbuch, 10. September 2011
Der zehnjährige Lion wächst bei seinem Vater auf, seit seine Mutter vor Jahren die Familie verlassen hat. Als Lions Vater seine Arbeitsstelle verliert, wird plötzlich alles anders. Er fängt an zu trinken und schlägt Lion immer öfter. Er sperrt ihn in den kalten Keller. Eines Tages kann Lion es nicht mehr ertragen und läuft davon. Er hat ein Ziel: er möchte nach Berlin. Dort liegt die weiße Königin im Krankenhaus. Die weiße Königin ist eine alte Dame, die ihm und anderen Kindern früher in der Kirche Geschichten vorgelesen hat. Er möchte die Worte der weißen Königin wieder hören. Bei seiner Reise wird er von einem Seeadler begleitet; seinem einzigen Freund.
*******
Eine bewegende Geschichte für Kinder und Jugendliche ab 14 Jahren. Es geht um einen zehnjährigen Jungen, der von seinem alkoholkranken Vater geschlagen wird. Der Junge sucht Zuflucht in den Geschichten einer alten Dame, die in der Kirche aus Büchern vorliest. Die Worte helfen dem Kind, in eine bessere Welt zu flüchten. Dort lebt auch Olin, seine Schwester. Immer, wenn Lion Hilfe braucht, sind Olin und sein Seeadler zur Stelle.
Das Buch läßt sich trotz der ernsten Thematik sehr flüssig lesen. Die Handlung ist nachvollziehbar und strukturiert aufgebaut. Die Gefühle des Jungen werden sehr deutlich und klar beschrieben.
Antonia Michaelis hat einen ganz eigenen Schreibstil. So ist zum Beispiel die Fantasie-Schwester Olin immer irgendwie präsent, obwohl der Leser genau weiß, daß sie doch eigentlich nur in Lions Fantasie wirklich existiert.
Sehr gut gefallen hat mir auch die tiefe Freundschaft zwischen dem Jungen und dem Adler. Sie vermittelt die Botschaft, daß Tiere unsere Freunde sind und mit Respekt behandelt werden sollten.
Auch das Ende finde ich für ein Kinder- bzw. Jugendbuch sehr gelungen. Zwar ist es wegen seiner Einfachheit irgendwie unglaubwürdig, aber wenn man sich klarmacht, daß man ein Kinderbuch vor sich hat, dann ist dieses Happy End" doch angebracht. Jungen Lesern sollte durch ein realistischeres Ende nicht gleich der Spaß am Lesen genommen werden.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein tragisches Abenteuermärchen und eine Heldenreise auf den Spuren von Astrid Lindgrens Geschichten, 9. August 2011
Von 
kittekatze - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   
Meine Meinung
Ich hatte ein wenig Sorge, dass diese Autorin mich nach dem 'Märchenerzähler' nie wieder begeistern kann; einfach weil ich dieses Buch so grandios fand, dass es unmöglich zu toppen oder nur zu erreichen ist. Das hat Antonia Michaelis aber auch nicht versucht, nicht einmal ansatzweise.
Zwar gibt es ein paar Ähnlichkeiten, z.B. das Thema häusliche Gewalt und die tröstende Kraft der Märchen und Geschichten, aber das Buch ist vollkommen anders umgesetzt, vollkommen anders geschrieben, sodass schon während der ersten Seiten etwas ganz Erstaunliches passiert ist: ich hab ihr letztes Buch einfach vergessen (und das versuche ich immer, aber es gelingt mir in vergleichbaren Situationen selten).

'Die Worte der weißen Königin' ist trotz realistischer Ausgangslage ein Märchen, eine Metapher. Die Worte 'realistisch' oder 'glaubwürdig' kann man vor Lions Aufbruch ruhig aus dem Wortschatz ausschließen, man wird sie für die nächsten 250 Seiten nicht benötigen.
Es ist eine märchenhafte Reise, auf die sich Lion begibt, als er versucht, die weiße Königin zu finden, weil nur sie ihm gegen den schwarzen König helfen kann, der seinen Vater gefangen hält, und dessen Körper missbraucht, um Lion schlimmes anzutun. Und ohne es zu wissen, erklärt Lion dem schwarzen König mit seiner Flucht den Krieg.
Wie das nun einmal so ist im Märchen, findet Lion die wundersamsten Freunde und trifft immer zur rechten Zeit auf das richtige Gesicht. Aber ' auch das ist so, im Märchen ' auch seine Häscher sind ihm immerzu auf den Fersen, und so begleiten wir den 10jährigen auf einer Reise voller Abenteuer, von denen ich kein Wort zu viel verraten möchte, nur soviel: Alles passiert zweimal. Man kann neu entscheiden.

Was ist Traum, was ist Wirklichkeit ' ist überhaupt irgendetwas Traum oder Wirklichkeit? Diese Fragen stellt man sich immer wieder und das verleiht auch den ruhigen Momenten im Buch Spannung.
Das Buch hat seine düsteren Momente - sehr düstere, die mich erschreckt haben -, aber auch sehr lichte, hoffnungsvolle.
Es ist eine Hommage an Märchen und Geschichten, vor allem an die der Astrid Lindgren. Sie würde sich darüber freuen, glaube ich.
Ich würde es als klassischen All Age Roman bezeichnen, lesbar sicher ab 10-12 Jahren, auch wenn Kinder die ungeschriebene Ebene des Buchs vielleicht noch nicht durchschauen. Sicher wäre das Buch auch wunderbare Schullektüre, denn die Möglichkeiten der Interpretation und der eigenen Gedanken über Lion sind endlos wie der Himmel.

Einen winzigen Punkt Abzug gibt es von mir für das Ende; hier wurde es mir persönlich etwas 'zu viel'; wovon, verrate ich aber nicht.

Fazit:
Ein zauberhaftes Märchen für Groß und Klein. Bitte als solches lesen, dann kann man es fast nur lieben.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwere Kost, 23. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Worte der weißen Königin (Broschiert)
Klappentext
Niemanden beneidet Lion mehr als die Seeadler, wenn er sie beobachtet, wie sie hoch am Himmel kreisen, frei und glücklich. Bei ihm zu Hause, in dem Dorf an der Ostsee, gibt es nicht viel, auf das man neidisch sein könnte. Immer häufi ger verwandelt sein Vater sich im Alkoholrausch in den gewalttätigen schwarzen König. Als Lion es nicht mehr aushält, flüchtet er in den Wald zu den Adlern. Doch das Leben dort ist hart, und immer wieder denkt Lion an die weiße Königin, die alte Frau, die ihm einst so wunderbar vorgelesen hat. Durch sie hat er den Zauber der Worte, ihre Wärme und Kraft entdeckt.

Über den Autor
Antonia Michaelis wurde 1979 in Kiel geboren. Fünf Jahre später begann sie zu schreiben - und hat seitdem nicht mehr damit aufgehört: während ihrer Schulzeit in Augsburg oder auf ihren zahlreichen Auslandsreisen. Sie ließ sich inspirieren von der englischen Literaturgeschichte, die sie in ihrem ersten großen Kinderroman "Die wunderliche Reise von Oliver und Twist" verarbeitete. Antonia Michaelis lebt im Nordosten Deutschlands und hat gerade ihr Medizinstudium abgeschlossen

Schreibstil & Spannung
Die Autorin schafft es, den Leser direkt im ersten Kapitel zu fesseln. Man sit sofort im Geschehen des Buches drin und kann es nicht mehr aus der Hand legen. Aber weniger weil das Thema so toll ist, sondern weil es ganz schlimm ist. Sie schreibt von Gefangenschaft und Misshandlung eines kleinen Jungen. Sehr ernste Themen die einen beschäftigen, aufwühlen. Man leidet mit dem kleinen Jungen mit und muss einfach wissen ob ihm geholfen wird.

Die Charaktere
Die wichtigste Person in diesem Buch ist der kleine Lion. Ein kleiner Junge der sein ganzes Leben vor sich hat und es dennoch nicht geniessen kann. Die Situation zu Hause ist nicht einfach und so flüchtet er nach einigen Vorkommnissen in den Wald und freundet sich mit dem Seeadler an. Ein sehr verletzlicher Junge der eigentlich nur Frieden und Halt sucht.
An seiner Seite Odin, ein tapferes Mädchen was ihm immer wieder Mut zu spricht und für ihn da ist wenn er sie braucht.
Dann spielt die "weiße Königin" noch eine sehr zentrale Rolle. Sie hofft er zu finden weil sie ihm Hoffnung gibt, nur wo ist sie?

Meine Meinung
Ich weiß meine Gedanken zu diesem Buch kaum zu sortieren. Ein sehr ergreifender, bewegender Jugendroman, der einem auch zwischendurch echt die Tränen in die Augen treibt. Ein tapferer Junge mit dem man sehr mitleidet, weil er nicht das erleben sollte was er gerade durchmacht.
Das Buch behandelt ein sehr ernstes Thema, wo auch heut zu Tage leider immer noch weggeschaut wird. Seelische und körperliche Misshandlung von Kindern, gerade auch unter Alkoholeinfluss der Eltern.
Lion erschafft sich daraufhin eine Scheinwelt, versucht seinen Vater weiterhin zu schützen damit er nicht sieht was wirklich geschieht.
Auf der anderen Seite liest man die Liebe zu dem Vater und versucht lange es auszuhalten. Wieso hat es nicht früher jemand gemerkt und ist ihm zu Hilfe gekommen?

Fazit
Ein Buch was kein leichtes ist. Die Autorin schafft es dennoch, es so zu schreiben das es einen in den Bann zieht und man unbedingt erfahren mag wie es Lion ergehen wird. Wer ein leichten Jugendroman erwartet ist hier leider falsch. Aber trotz allem eine absolute Leseempfehlung

Sterne
5/5
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein reales Märchen oder ein Märchen voller Realität ?, 7. August 2013
Lion hat seine eigene Welt. Es gibt in ihr den schwarzen König- der seinen Vater verdrängt, es gibt Olin- die ihn auf seiner Reise begleitet ,es gibt die Seeadler- die seine Familie sind, weil er kein Löwe ist sondern auch ein Seeadler und es gibt die weiße Königin- die mit wundervollen Worten wie: „klingt meine Linde ,singt meine Nachtigall“ Geschichten vorlas. Und nun sucht er diese Worte, so wie er auch die weiße Königin sucht. Wird er beides finden?

Du bist verwirrt? Dann lies diese Buch und du wirst Lions Geschichte verstehen.

Und wieder einmal erwartete mich ein reales Märchen oder war es ein Märchen voller Realität ? ... voll trauriger und ernster Realität einer Kinderseele.
Antonia Michaelis schafft es wieder mich mit ihren Schreibstil zu verzaubern.
Ich war Lion, ich fühlte wie er ,ich dachte wie er , ich war in seiner Welt und ging mit ihm auf eine Reise seines 11 jährigen Lebens, begleitet von Olin, den Seeadlern und den Gedanken.
Diese ruhige Geschichte voller unterschiedlicher Gefühle wie Wut, Trauer, Liebe, Angst und Hass erlebt man persönlich, man fliegt mit ihr dahin und genießt die Magie der Worte, der Sätze und der Beschreibungen. Die Realität verschwimmt in ein märchenähnlichen Zustand ,ohne dass man genau weiß was real ist und was Fiktion. Erst am Ende , wie in all ihren Büchern, gibt die Autorin alles preis. Der Leser ahnt schon viele Dinge vorher ,doch kann er sich nicht sicher sein, denn er taucht so tief in dieses Erlebnis ab, dass er gar nicht neutral nachdenken kann und es auch nicht will, denn er möchte sich in die Welt von Lion nur hineinfallen lassen und den Worten der Poesie lauschen und die Zitate aus Astrid Lindgrens "Klingt meine Linde" und "Die Brüder Löwenherz" sowie Saint- Exuperys "Der kleine Prinz" ,die sich durch das ganze Buch bewegen, genießen ,denn mit ihrer bildgewaltigen Sprache fühlt man mit und verliert sich in den Sätzen und Beschreibungen, man vergisst alles um sich herum und taucht in die Charaktere ein, denn sie sind so real geschrieben, ihre Geschichte ist so dicht gewebt, dass man gar nicht mehr auftauchen möchte.
Ich liebe ihre Art, die Realität in Märchenwolken zu verpacken und den Leser mit der Kraft von Worten und Sätzen zu verzaubern und ihm dann ein märchenhaft-reales Ende zu präsentieren. Man darf nur nicht zu viel Realität erwarten, hier verschwimmt es auf eine Art und Weise, wie ich es es nur von Antonia Michaelis Romanen kenne. Bei ihr brauche ich keine klaren Abgrenzungen, bei ihren „Märchen“ lasse ich mich fallen und genieße es.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Und der Klang der Worte stieg hinauf in den Himmel wie goldene Seifenblasen", 18. März 2012
"Und wenn ich las, sprangen die Worte von den Seiten und flatterten in die Luft auf. Sie konnten fliegen." Antonia Michaelis findet wahrlich stets die rechten Worten für ihre Geschichten. Ich liebe diesen Schreibstil.

Diese Geschichte von Lion, dem Jungen der "zu wenig Löwe und zu viel Seeadler war", ist zutiefst berührend, sehr traurig, aber doch wunderbar schön. Sie erinnert mich an ein Märchen. In anderen Rezensionen habe ich gelesen, dass die Geschichte nicht von allen verstanden wird. Nun, Märchen öffnen sich auch nur demjenigen, der sich einfach darauf einlässt und nicht krampfhaft versucht, den genaueren Sinn zu ergründen ;) Vielleicht erscheint das Ende recht merkwürdig, dass Olin einfach verschwindet und fortan als Seeadler weiterlebt? Fakt ist, dass Olin immer an Lions Seite war und dass sie ihm genau dann erschienen ist, wenn er sie gebraucht hat. Möglicherweise ist ihre Aufgabe am Ende erledigt...
Wie dem auch sei, diese Geschichte steckt voller Grausamkeiten und Schönheiten zugleich. Für Lion beginnt ein Alptraum, als sein Vater anfängt zu trinken und sich in den "schwarzen König" verwandelt, der Lion misshandelt. Trost findet er in den Geschichten, in den Worten der "weißen Königin" - einer älteren Dame, die den Kindern in der Kirche vorliest. Und in der Freundschaft zu einem Seeadler. Lion ist stark, tapfer und mutig und so gibt er auch in der ausweglosesten Situation nicht auf. Trotz der Qualen empfindet er es als Geschenk, dass er nur "seinen" Adler wieder sieht. "Jedes Mal, wenn etwas Schlimmes passierte , passierte auch wieder etwas Gutes."
Lion beschließt irgendwann, jeden Tag zu lachen. "Und wenn es nichts zu lachen gibt, lache ich über mich selbst". Sind das nicht weiße Worte?...

Diese Geschichte bzw. dieses Märchen wird sehr spannend erzählt. Der Leser ist bis zum Schluss gebannt von den Figuren, der Handlung und natürlich den wunderbar klingenden Worten.
Lions Geschichte beginnt in der Dunkelheit. "Denn in der Dunkelheit traf ich die erste wirklich wichtige, wirklich mutige Entscheidung meines Lebens. Es war die Entscheidung, die Dunkelheit zu verlassen. Und meine eigene Geschichte zu beginnen, draußen, im Licht."
Ich denke jeder muss irgendwann für sich in irgendeiner Situation eben genau diese Entscheidung treffen...

Die klugen, klingenden Worte der weißen Königin wurden aus Astrid Lindgrens Geschichten entnommen, sowie von Antoine de Saint-Exupery.
Ein traumhaftes Buch voller Sehnsüchte, Ängste und Hoffnungen eines Jungen.
"Und ich wollte glücklich sein, ganz und rundum glücklich, aber ich traute mich nicht."

Ein wahrer Schatz ist dieses Buch, das ich wärmstens empfehlen kann.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbeschreiblich gefühlvoll und knüppelhart, 8. August 2011
Von 
MacBaylie (NRW) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Lion lebt mit seinem Vater in einem kleinen Dorf an der Ostsee. Die Verhältnisse dort sind recht ärmlich. Eine Mutter gibt es schon lange nicht mehr. Sie hat die beiden vor vielen Jahren verlassen, um ihr Glück im Westen zu suchen.
Lion liebt seinen Vater sehr, denn er allein ist es, der ihm alles beibringt, für ihn da ist und ihn mit Essen und Kleidung versorgt.
Als die beiden eines Tages auf der Suche nach einer weggelaufenen Ziege zwei Seeadler entdecken und Lions Vater auf eins der Tiere schießt, bekommt die Beziehung schon einen leichten Knacks. Lion nennt das:

Zitat:
'Als wäre da eine Hecke gewachsen, durch die man sich schlecht unterhalten konnte.'

Diese Hecke wird noch dichter, als Lion in einem Nachbardorf die Geschichten einer alten Frau, die er die weiße Königin nennt, hört. Er verliebt sich in ihre Worte und will immer mehr davon hören. Sein Vater allerdings will von diesem Unsinn nichts wissen. Worte machen nicht satt.
Als Lions Vater dann auch noch seinen Job bei der Werft verliert, gerät alles aus dem Ruder. Er betrinkt sich immer öfter und lässt seine Wut und seine Hilflosigkeit an Lion aus. Wird immer gewalttätiger.
Für Lion ist aber nicht sein Vater der Schuldige, sondern der schwarze König, der Besitz von ihm ergriffen hat. Lange kann er sich damit trösten und bleibt. Doch eines Tages, als es wieder mal besonders schlimm ist, hält er es nicht mehr aus und flüchtet in den Wald, und in den Gedanken, die weiße Königin könne ihn retten, wenn er sie nur finden würde. Eine sehr aufregende und bewegende Reise beginnt.

Antonia Michaelis hat wiedermal eine absolut berührende und beeindruckende Geschichte zu Papier gebracht. Von Anfang an ist man in Lions Leben in seinen Gefühlen und Gedanken gefangen und teilweise fällt es wirklich schwer, weiter zu lesen. Aufhören kann man aber auch nicht. Man kommt nicht ohnehin, an die vielen Kinder zu denken, deren Verletzungen einem 'Treppensturz', 'Sportunfall' oder ähnlichem, geschuldet sind. Und das sind (verdammt noch mal) viele.
Einem Thema, wie häusliche Gewalt, auf diese Weise zu begegnen, mutet bisweilen vielleicht erstmal seltsam, oder ein bisschen befremdlich an, ist jedoch auch unglaublich verinnerlichend und wirkungsvoll. Im Grunde müsste dieses Buch prophylaktische Pflichtlektüre für alle Eltern werden, damit sie sich rechtzeitig vor den schwarzen Königen und Königinnen schützen und verschließen können.
Viel mehr kann ich zu 'Die Worten der weißen Königin' gar nicht sagen. Ich bin ziemlich Sprachlos, denn die Worte, die dieses Buch verdient hätte, muss ich erst noch suchen gehen.
Mein Respekt gilt Frau Michaelis, die den Mut bewiesen hat, auch solche Themen, äußerst gefühlvoll und dennoch in aller Härte, zu behandeln.

Ein Buch für 'Kinder', Jugendliche, Eltern und alle die, die in irgendeiner Form mit Kindern zu tun haben - also für alle.
Ein Buch das warnt, tröstet, Mut macht, an die eigene Willenskraft appelliert und stärkt.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Märchenhaft und ganz besonders, 30. August 2011
Von 
"Die Worte der weißen Königin" ist der neuste Geniestreich der grandiosen Antonia Michaelis, die es wie kaum eine andere versteht, mit poetischen Worten die Herzen ihrer Leser im Sturm zu erobern. Sie schafft es, die wahrlich ernste Themen Kindesmisshandlung, Gewalt in der Familie und Alkoholmissbrauch auf großartige Weise in eine Geschichte zu kleiden, so dass am Ende eine Art Märchen herauskommt und wird dennoch der Ernsthaftigkeit der Themen absolut gerecht. Die märchenhaften Elemente schwächen sie keinesfalls ab, sondern geben den Hintergründen lediglich ein neues Gewand. Natürlich geht der Realitätsbezug manchmal ein wenig verloren, aber welches Märchen ist schon realistisch?

Neben den klar benannten Themen gibt es aber noch viele andere, die Lion beschäftigen - Trauer, Verlust, Wut, Neid, Angst... aber auch das Gefühl der Freiheit, Vergebung und Freundschaft spiele eine große Rolle in seinem Leben. Mit überwiegend sanften, leisen Tönen, manchmal aber auch mit gewaltigen Worten bringt die Autorin dies alles zum Ausdruck und dem Leser Lions Leben nahe.

Wie ein roter Faden ziehen sich Zitate aus Astrid Lindgrens "Klingt meine Linde" und "Die Brüder Löwenherz" sowie Saint- Exuperys "Der kleine Prinz" durch das ganze Buch und vor allem "Klingt meine Linde" hat einen ganz besonderen Stellenwert. Sie verleihen der Geschichte eine ganz besondere Note.

Über das Ende kann man natürlich streiten, auch mir hat es nicht sonderlich gut gefallen, denn hier fehlte mit der Realitätsbezug ZU sehr. Dies ist aber auch der einzige Kritikpunkt, denn ich an "Die Worte der weißen Königin habe". Ich kann mir vorstellen, dass viele Leser von diesem Buch etwas ganz anderes erwartet haben. Doch wer Märchen mag und bereit ist, sich auf eine etwas andere Geschichte einzulassen, wird es lieben!
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5.0 von 5 Sternen Die Worte der weißen Königin, 3. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Worte der weißen Königin (Broschiert)
Zum Inhalt:

Lion lebt mit seinem Vater in einem kleinen Haus an der Ostsee und verbringt seine Zeit am liebsten mit den Seeadlern. Er liebt es, sie dabei zu beobachten, wie sie frei und glücklich hoch am Himmel durch die Luft kreisen. Dort findet er auch Trost, wenn sich sein Vater unter Alkoholeinfluss in den schwarzen König verwandelt und ihn misshandelt. Als Lion es zuhause nicht mehr aushält, ist es auch ein Adler, der ihm den Weg in die Freiheit ermöglicht. Er flüchtet in den Wald und lebt dort mit den Seeadlern. Doch Lion ist mit seiner Flucht noch nicht am Ende seines Wegs angekommen. Er möchte unbedingt die weiße Königin wiederfinden – eine alte Frau mit weißen Haaren, die Lion und anderen Kindern vor langer Zeit aus Büchern vorgelesen hat und ihm so die schönsten Worte geschenkt hat. Worte, die ihm Kraft gegeben haben. Worte, die er fast schon vergessen hat…

Meine Meinung:

Nach “Der Märchenerzähler” war “Die Worte der weißen Königin” mein zweites Buch von Antonia Michaelis. Und ich kann vorab schon mal sagen, dass ich wieder absolut begeistert und zutiefst berührt bin.

“Während ich dem Seeadler zusah, sammelte ich alle Kraft in mir, die ich hatte. Kraft, um zu fliehen. Ich wusste: Ich musste an etwas Helles, Schönes, Warmes denken, um diese Kraft zu sammeln. Und ich dachte daran, wie alles gewesen war, bevor es den schwarzen König gab.” (Seite 11)

Lion, den „Helden“ dieser Geschichte (und für mich hat er dieses Attribut wirklich verdient), habe ich bereits nach wenigen Seiten fest in meinem Herzen verankert. Denn Antonia Michaelis hat mit dem aufgegriffenen Thema einen Nerv bei mir getroffen. Und zwar so sehr, dass sich mein Herz während des Lesens gar nicht mehr beruhigen wollte und konnte. Kein Kind sollte als elterlicher Sündenbock herhalten müssen. Kein Kind sollte emotional und/oder körperlich misshandelt werden müssen. Kein Kind sollte den willkürlichen Übergriffen von Eltern ausgesetzt sein müssen, nur weil diese ihr Leben nicht im Griff haben und mit sich selbst unzufrieden sind. Kein Kind sollte das erleben müssen, was Lion aushalten muss. Sollte… Doch leider geschieht das in unserer Welt jeden Tag unzählige Male.

Die Art und Weise der Autorin, wie sie die Geschichte von Lion niedergeschrieben hat, hat mich schlicht fasziniert. Sie schafft es, dass die Wörter, die böse und schreckliche Taten beschreiben, auf den ersten Blick nicht wirklich böse erscheinen. Und dennoch kann man sich als Leser dem Bösen nicht entziehen und es in seinem ganzen Ausmaß erkennen.

“Diesmal war der schwarze König zu weit gegangen.
Als er meinen Vater am nächsten Tag freigab und mein Vater die Küche aufgeräumt hatte, hielt er mich lange fest und weinte. Wirklich, er weinte wie ein kleines Kind.
Dann brachte er mich zur Klinik in der Stadt.” (Seite 66)

Sie erschafft poetisch anmutende Umschreibungen und kreiert so tolle Wörter wie “Schonfrühlingsnachmittag”. Sie lässt Lion seine ganze Fantasie einsetzten um die schrecklichen Erlebnisse ertragen und überleben zu können. Die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen dabei zum Teil, da die Wörter eine ungeheure Macht auf den Leser ausüben und man sich wünscht, dass das alles wirklich wahr ist. Damit Lion es leichter hat. Damit Lion für kurze Zeit dem Schrecken entfliehen kann.

Ich war mit Lion im Keller, hab mit ihm Wald gelebt und mich mit den Seeadlern angefreundet. Ich suchte die weiße Königin und hatte Angst vor dem schwarzen König. Und jetzt, nachdem ich das Buch zugeschlagen habe, trage ich Lion und seine Geschichte in meinem Herzen.

Mit “Die Worte der weißen Königin” hat die „Märchenerzählerin“ Antonia Michaelis ein sprachlich wunderbares Buch geschrieben, in dem das Thema „Gewalt in der Familie“ emotional und berührend – aber auch mit all Schrecken – behandelt wird. Für Fans von “Der Märchenerzähler” meiner Meinung nach ein absolutes Muss.

© bookwives.wordpress.com
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Die Worte der weißen Königin
Die Worte der weißen Königin von Antonia Michaelis
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