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5.0 von 5 Sternen "Vollendet das ewige Werk" - krönender Abschluss des Frankfurter Rings, 13. September 2012
Von 
Thomas Barisch (Euerbach, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Götterdämmerung (Audio CD)
Nach den bisher vorliegenden Teilen war meine Erwartung an die Vollendung des Frankfurter Rings hoch - sie wurde aber noch übertroffen. Das liegt hauptsächlich an Sebastian Weigles mitreissenden Dirigat und der Umsetzung durch das beeindruckende Frankfurter Orchester. Gerade die Götterdämmerung kann ja furchtbar zäh und bleiern sein, Weigle treibt aber die Musik ständig voran, braucht am Ende auch die üblichen knapp 4,5 Stunden, aber man merkt es garnicht. Wie Thielemann hält er die Musik ständig im Schwung, gerade die musikalisch "dürren" Gibichungenszenen eilen voran, an musikalischen Höhepunkten wird aber unmerklich abgebremst, aber auch alles extrem deutlich ausgespielt. Die Klangästhetik dieses Rings ist ja geradezu diametral gegenüber dem Bayreuther Mischklang. Gerade die tiefen Blechbläserfarben sind differenziert zu hören, Hörner, Wagnertuben, Posaunen, Bassposaune, Kontrabasstuba sind fast einzeln zu orten, Holzbläsertriller und Gegenstimmen, alles ist extrem deutlich eingefangen. Trotz dieser Trennschärfe haben die Höhepunkte aber auch einen wuchtigen, runden Gesamtklang (im Gegensatz etwa zum Deccasound des Soltirings). In der Götterdämmerung freuen sich doch alle auf den Trauermarsch, zu den einleitenden Paukenschlägen hält das Publikum immer den Atem an und Weigle formt hier einen wirklichen Höhepunkt mit melodischem Fließen der leisen Stellen und dem dreimaligen, aggressiven Niederschmettern von Wotans Ideen und Hoffnungen durch das tiefe Blech und Schlagzeug. Das eigentliche Wunder ist aber, dass das nicht aufgesetzt, sondern absolut organisch sich vorbereitet, schon mit dem Schluss des Rheingoldes konnte man diese Eruptionen erwarten.
Technisch ist diese Live-Aufnahme ebenfalls hervorragend gelungen, gerade die richtige Balance zwischen Stimmen und Orchester, dann doch wieder ein Plädoyer für den Stereo-Klang (auf vielen DVDs sind die Stimmen arg im Vordergrund).
Dazu hat die Frankfurter Oper ein überzeugendes Sängerensemble aufgeboten, das in manchen Rollen ungewohnt, aber letztlich überzeugend ist. Tolle Leistungen liefern Johannes Martin Kränzle und Anja Fidelia Ullrich als Gunther und Gutrune, eine absolute Aufwertung dieser Rollen, beide voll und rund tönend. Gregory Frank als Hagen hat nicht die schwarze Stimme eines Gottlob Frick (die hatte ja eh keiner mehr), ist auch nicht so brachial wie Salminnen oder König, aber er gibt einen herrischen, manchmal fast schon heldenbaritonal geführten Hagen, kein lethargischer Zombie. Schon die Nornen lassen aufhorchen angeführt von der orgelnden Meredith Arwady. Claudia Mahnke als Waltraude liefert sich mit Brünnhilde ein packendes Duell.
Lance Ryan ist ja binnen kurzer Zeit zu einem vielgefragten Siegfried geworden, wird der nächste Bayreuther Siegfried. Er ist kein Schönsänger, aber er gestaltet diese schwierige Rolle differenziert und intellegent (!), viele Zwischentöne, noch nie habe ich das "Gönne mir dein Gemach" so eklig gehört, manchmal wäre mir etwas mehr Gesangslinie lieber gewesen - aber das ist ja auch eine Frage des gesamten Konzepts. Ksnditionell scheint er wohl gar keine Probleme zu haben. Susan Bullock als Brünnhilde schließlich entspricht nicht der gängigen Besetzung mit oft auch bedenklich wabernden Heroinen, eine schlanke, helle Stimme, nicht ohne Schärfen, am berührendsten, wenn immer Wotans ja noch immer junge Tochter durchkommt, wenn wir die 25 Jahre Schlaf (?) mal weglassen. Andererseits durchschneidet ihr Sopran aber auch mühelos die Orchesterwogen, die Attacken des 2.Aktes ("dem Manne dort bin ich vermählt") kommen auf dem Punkt und mühelos. Sicher keine Nilsson (wie bei Frick - wer ist das schon), aber dafür viel differenzierter und erfühlter.
So wird der Frankfurter Ring sicher in die Schallplattengeschichte eingehen, als ganz eigene, stets spannende und ergreifende Interpretation. Sicher eine Außenseiterproduktion, aber auch Günter Wands oder Michael Gielens Interpretationen haben sich behauptet, sogar durchgesetzt und das nicht nur bei Kritikern. So wird sicher dank der Mitwirkung von Publikumslieblingen wie Terfel oder Kaufmann (die ich ja auch sehr schätze) die in Kürze erscheinende DVD des Metrings viel mehr Käufer finden. Was im Kino aber zu hören war, kommt zumindest orchestral nicht an Intensität des Frankfurter Rings heran.
Daher eine Kaufempfehlung für alle Wagnerfans, auch wenn sie schon alle Ringe haben, sie werden neues hören. Und auch wer neu einsteigt, trifft eine gute Wahl.
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Götterdämmerung
Götterdämmerung von Lance Ryan (Audio CD - 2012)
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