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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Welcome to Satis House
Die Handlung
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Als der Waisenjunge Pip in den feuchten englischen Marschländern gerade am Grab seiner verstorbenen Eltern kniet, hallen Schüsse über das neblige Sumpfgebiet: Zwei Sträflinge, die einander nichts Gutes wollen, sind von einer Galeere entkommen und an Land geschwommen, doch Soldaten sind ihnen schon auf...
Vor 7 Monaten von chris veröffentlicht

versus
13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttäuschend
Ich liebe das Buch, und ich liebe die Verfilmung mit Charlotte Rampling und Ioan Gruffudd (wer halbwegs Englisch kann, sollte sich diesen UK-Import besorgen!). Diese Version von 2011 enttäuscht durch ihre geringe Treue zum Original, kaum ein Dialog aus dem Buch findet sich auch nur ansatzweise im Film, viele Handlungsstränge werden ohne Not verdreht, (Jaggers...
Vor 10 Monaten von clara2201 veröffentlicht


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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttäuschend, 15. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Great Expectations - Große Erwartungen (DVD)
Ich liebe das Buch, und ich liebe die Verfilmung mit Charlotte Rampling und Ioan Gruffudd (wer halbwegs Englisch kann, sollte sich diesen UK-Import besorgen!). Diese Version von 2011 enttäuscht durch ihre geringe Treue zum Original, kaum ein Dialog aus dem Buch findet sich auch nur ansatzweise im Film, viele Handlungsstränge werden ohne Not verdreht, (Jaggers Beziehung zu seiner Haushälterin - völlig abstrus!), Miss Havisham ist durch ihre traumatischen Erlebnisse nicht zu einer verhärteten, gefühllosen Persönlichkeit geworden, sondern vollkommen gebrochen und gestört und eigentlich nicht in der Lage, Ihre Rachepläne am männlichen Geschlecht auszuführen. Gillian Anderson erinnert mehr an "The Woman in White", als dass sie als Miss Havisham glaubwürdig ist. Douglas Booth als Pip hat überhaupt kein darstellerisches Spektrum, und an seinem maskenhaften Gesichtsausdruck, den er in jeder Situation zur Schau trägt, krankt der ganze Film. Estella erinnert mich an Evelyn Hamann, warum Pip so von ihr angezogen wird, ist ein Rätsel. Sie hingegen weist ihn immer nur halbherzig zurück, was der Vorlage absolut nicht entspricht, aber wohl notwendig ist, um das unglaubwürdige Happy-End am Schluss halbwegs plausibel zu machen. Was nützen da eine gute Ausstatung und Kostüme, wenn die Geschichte nicht trägt? Zumindest wer das Buch kennt und gern gute Schauspieler sieht, ist bei dieser Verfilmung falsch.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Welcome to Satis House, 7. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Great Expectations - Große Erwartungen (DVD)
Die Handlung
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Als der Waisenjunge Pip in den feuchten englischen Marschländern gerade am Grab seiner verstorbenen Eltern kniet, hallen Schüsse über das neblige Sumpfgebiet: Zwei Sträflinge, die einander nichts Gutes wollen, sind von einer Galeere entkommen und an Land geschwommen, doch Soldaten sind ihnen schon auf den Fersen, um die Entlaufenen wieder einzufangen. Doch wie es der Zufall so will: der nichtsahnende Pip läuft einem von ihnen geradewegs in die Arme. Magwitch - so heißt der bullige Mann, der passend zu seiner Eigenschaft als Schwerverbrecher auch so aussieht als sei mit ihm nicht gut Kirschen essen. Noch hindern ihn seine Fußketten an der weiteren Flucht, und so soll der verängstigte Pip ihm eine Feile aus der Schmiede stehlen, in der der Junge mit seiner verheirateten Schwester und deren Ehemann Joe Gargery lebt. Pip tut wie ihm geheißen und zum Glück ohne sich von seinem Schwager oder dessen Gehilfen Orlick erwischen zu lassen. Aus Mitleid mit dem desorientierten Mann lässt er auch noch ein Stück Pastete aus der Speisekammer seiner überstrengen Schwester für den hungrigen Magwitch mitgehen - und es scheint zunächst, als sei die Flucht des Ausreißers erfolgreich gewesen. Doch schnell schlägt das Gesetz wieder zu und fasst Magwitch, sowie den anderen Entlaufenen, mit dem Magwitch sich vor seiner erneuten Festnahme noch einen hasserfüllten Ringkampf im Schlamm geliefert hatte.

Am gleichen Tag kündigt sich Onkel Pumblechook in der Schmiede der Gargerys an, im Gepäck eine wichtige Nachricht: Miss Havisham, eine reiche aber zurückgezogen lebende Lady wohnt auf dem nahegelegenen Anwesen zusammen mit ihrer Adoptivtochter Estella, welche ungefähr in Pips Alter ist. Die exzentrische Frau hat sich in den Kopf gesetzt einen Spielkameraden für Estella zu finden, und ist dabei auf Pip gekommen. Vor allem Pips große Schwester ist von diesen Neuigkeiten überaus angetan und begeistert - sie hat große Erwartungen an ihren kleinen Bruder: Falls Pip sich dort gut anstellt, vielleicht springt als Belohnung am Ende etwas dabei etwas für ihn heraus...? Vorzugsweise natürlich klimperndes Edelmetall in Form von Münzen! Sie wittert für die Familie einen sozialen Aufstieg weg aus der heißen, dampfigen Schmiede und drängt Pip, Miss Havishams Besuchsaufforderung in ihrem Wohnsitz Satis House nachzugeben. Widerwillig macht sich Pip mit Pumblechook auf den Weg - nichtahnend, dass dieser Besuch sein bisheriges Leben für immer verändern wird ....

Die Serie
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In drei Teile von jeweils einer Stunde Länge aufgebaut lässt sich die Serie eine angemessene Zeit zur Entfaltung der sich vor allem im dritten Teil überschlagenden Ereignisse. Die Grundstimmung dieser Verfilmung ist düster und morbide - passend zu Miss Havishams gespenstischem Erscheinungsbild, dem halbverfallenen Satis House und dem gruselig-verrückten Gebaren der Hausherrin und ihrer maliziös scheinenden Adoptivtochter Estella.

Die Darstellung des Pip, als kleiner Junge von Oscar Kennedy gespielt, später als junger Erwachsener von Douglas Booth, ist gut gelungen: Während Oscar Kennedy den Pip als schüchternen, von Satis House und den sich ihm bietenden Zukunftsaussichten überwältigten Jungen spielt, drückt Douglas Booths Mimik als erwachsener Pip auch Jahre später noch immer dieses kindliche Erstaunen aus. Einige der anderen Rezensenten hier haben Booths Schauspiel als zu hölzern und steif gesehen, ich möchte dem jedoch klar widersprechen: Ich interpretiere seine Art der Darstellung als die Zurückhaltung und Unbehaglichkeit, die Pip auch noch in späteren Jahren beim Betreten von Satis House und in vielen weiteren Situationen (auch als er später als Gentleman in London wohnt) empfunden haben wird. Satis House ist meiner Meinung nach kein Ort, an dem man als Fremder in Anwesenheit der tieftraurigen, aber gleichzeitig unheimlichen Miss Havisham laut seinen Gefühlen freien Lauf lässt, und so fügen sich sowohl Booths als auch Kennedys Darstellungsweise des Pip gut in den Gesamtkontext ein. Und doch blitzt aus Pips Augen während seiner Zeit in London immer wieder sehr deutlich auch der Stolz auf den eigenen sozialen Austieg heraus...

Der (un-)heimliche Star der Serie ist aber Gilian Anderson in der Rolle der Miss Havisham. Ich habe auch die Verfilmung mit Charlotte Rampling von 1999 gesehen (Great Expectations- Grosse erwartungen-Charles Dickens- Charlotte rampling - BBC- EU Import englische Tonspur), genauso wie die Kinoversion von 2012, in der Helena Bonham-Carter die Miss Havisham spielt (Große Erwartungen). Im Vergleich zu dieser Darstellung kommen mir die anderen aber sehr eindimensional vor: Während Rampling vor allem das Kalte, Emotionslose in Miss Havisham betont und Bonham-Carter aufs Verrückte fokussiert, stellt Anderson mit ihrer vielschichtigen Interpretation ihre Miss Havisham als gebrochene Frau dar, welche Opfer ihrer Rachegedanken geworden ist, die sie zu der wunderlichen Gestalt gemacht haben, als die Pip sie in Satis House kennenlernt. Anders als bei den anderen Darstellungen fühlt man fast schon mit ihr mit - man kann nachvollziehen und versteht warum sie zu dem wurde, was sie ist. Wer "Great Expectations" im englischen Original ansieht, dem wird von Gilian Andersons Schauspiel vor allem der eigentümliche gehauchte und geflüsterte Singsang in Erinnerung bleiben, in dem sie Miss Havisham reden lässt, um zu unterstreichen, dass diese sich völlig in eine Traumwelt zurückgezogen hat. Die Originaltonspur lohnt sich also in dieser BBC-Verfilmung erst recht.

Estella, die von Miss Havisham einerseits zur emotionalen Kälte und andererseits als für Männer begehrliche Femme Fatale erzogen wurde, soll zum Racheengel am männlichen Geschlecht gemacht werden. Was die Kinderdarstellerin der Estella noch mit launischem Verhalten und Snobismus sehr gut charaktertechnisch umsetzt, beginnt in der Darstellung von Vanessa Kirby, welche später die erwachsene Estella spielt jedoch zu bröckeln. Inwieweit dieses teilweise Ausbrechen aus dem für sie von Miss Havisham vorgesehenen Verhalten der literarischen Vorlage entspricht (inklusive einer sehr guten Szene, in der Estella Miss Havisham diesbezüglich Vorwürfe macht), kann ich nicht beurteilen, weil ich Dickens Roman nicht kenne. Sollte das jedoch erreicht werden, versteht es Kirby sehr gut, dem Zuschauer einen Blick auf ihre durch Miss Havishams geschundene Seele zu geben.

Als Pip später in der britischen Haupstadt weilt, trifft er auf Herbert Pocket, einen Bekannten aus Kindertagen. Harry Lloyd (übrigens ein direkter Nachfahre Charles Dickens) versteht es meisterlich dem Zuschauer die Nebenfigur des aufrechten und loyalen, aber leider von seiner reichen Familie verstoßenen Pocket sympathisch und glaubhaft zu vermitteln, sodass man ihn trotz seiner Nebenrolle in Erinnerung behält. Genauso beeindruckend ist Jack Roth (Sohn von Schauspieler Tim Roth) in seiner Rolle als der in Joe Gargerys Schmiede arbeitende Geselle Orlick: Mit verschlagenem Blick, bleichgesichtig und rohem Verhalten ist Orlick zwar auch nur eine Nebenfigur im Dicken'schen Kosmos von "Great Expectations", aber Roth tut sein Bestmöglichstes um dem Zuschauer in den Szenen, in denen Orlick auf den Plan tritt, einen Schauer des Unbehagens und der Beklemmung über den Rücken zu jagen und man ist regelrecht froh, wenn Orlick wieder von der Bildfläche verschwindet. [Einschub: Noch stärker habe ich das bei Nicholas Lyndhursts Darstellung der legendären Romanfigur des Uriah Heep in der 1999er Version von David Copperfield (Charles Dickens' "David Copperfield" (New Edition) [2 DVDs]) empfunden. Eine starke Zuschauerreaktion - in diesen beiden Fällen bei Orlick und Heep negative Gefühle der Abwehr und des Abscheus - spricht für die schauspielerisch talentierte Umsetzung von Roth und Lyndhurst, finde ich.]

Neben der morbiden, in vielen dunklen Blau- und Grautönen gehaltenen Cinematographie, welche das ständig der Handlung unterliegende Thema der Vergänglichkeit perfekt einfängt, machen die Bilder - allen voran die Szenen im spinnwebenverhangenen, staubigen Satis House - zu einer Kulisse, an die man sich auch nach dem Film noch mit Gruseln zurückerinnern wird. Die Setdekorateure haben hier wirklich ganze Arbeit geleistet!

Die meist düstere bzw. bedrohliche Musik des Soundtracks tut ihr übriges - es knarzen tiefe Cellosaiten wie der Boden unter Pips Füßen im halbverfallenen Satis House und in besonders spannenden Szenen steigern sich die Violinen in schrille, abgehackt klingende Hilfeschreie, die ebenso abrupt abbrechen und einer nervenzerfetzenden Stille weichen. Somit fügt sich die Musik passend in den Handlungskontext ein.

Auch bei der DVD-Ausstattung bin ich ehrlich begeistert und voll es Lobes: Die DVD selbst ist in einem hübschen, robusten zu beiden Seiten auffaltbaren Klappschuber untergebracht, der seinerseits nochmals in einem Schuber, der Außenhülle, steckt. Sowohl die Außenhülle, als auch der Klappschuber sind großflächig und in schöner Qualität mit Filmszenen bedruckt, wobei der auch auf dem Cover ersichtliche blau-graue Grundton auch hier dominiert. Das beiliegende Booklet ist optisch ebenfalls schön gestaltet und bietet nicht nur Informationen zu den Schauspielern, sondern auch Zusatzinformationen zu Dickens Romanvorlage und zu der ein oder anderen Casting-Entscheidung. Auch die sechs Postkarten mit Szenenfotos sind qualitativ gut und (vor allem mit dem blendend aussehenden Douglas Booth) ein echter Augenschmaus.

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FAZIT

Ein mit Auge fürs optische Detail gemachter TV-Dreiteiler, der die Motivation und Gefühle der Hauptdarsteller im Vergleich zu anderen filmischen Versionen desselben Stoffes meiner Meinung nach besonders gut einfängt und erlebbar macht. Wer auf morbiden Charme steht und vor einem mit einigen "Memento mori"-Reminiszenzen durchsetzten, genauso spannenden wie nachdenklich machenden Plot nicht zurückschreckt, der ist mit dieser Filmversion von 2011 sicherlich gut bedient.
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Trotz herausragender Miss Havisham nicht ganz überzeugend, 19. Juni 2012
Von 
Tanja Heckendorn "heckendorn" (Lörrach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Great Expectations [UK Import] (DVD)
Die Qualitätsschmiede des englischen Fernsehens hat es sich nicht nehmen lassen, das Jubiläumsjahr des großen Romanciers Charles Dickens bereits im Dezember 2011 einzuläuten und eine hochwertige, wenn auch nicht ganz überzeugende Adaption eines Dickensromanes auf die Bildschirme zu bringen, der für viele Leser als reifstes Werk des Schriftstellers gilt.
Der Entwicklungsroman konzentriert sich auf den Reifeprozess der Hauptfigur Pip, ein Waisenjunge aus einfachen Verhältnissen, der im jugendlichen Alter mit der Aussicht geblendet wird, ein Gentleman mit großartigen Erwartungen sein zu dürfen. Diese großen Erwartungen - daran besteht von Anfang an jedoch nicht der geringste Zweifel - werden sich als bloße Illusion herausstellen. Der ehrbare Moralist in Charles Dickens sieht in den bitteren Erfahrungen des Helden die Möglichkeit, diesen reifen zu lassen und so zu sich selbst zu finden, unterdessen er sich ein eigenes Urteil über die sogenannte bessere Gesellschaft seiner Tage zu bilden.

Soweit zum Roman. Die Verfilmung hat die dreiteilige Gestaltung und auch die chronologische Darstellung der Ereignisse fast 1:1 übernommen. An Dramatik fehlt es ja in der Vorlage wahrlich nicht und die Adaption beschränkt sich beinahe völlig auf die dramatischen Elemente. Die Beleuchtung und Gestaltung des Filmbildes ist in kalten Tönen gehalten, wobei grau, eisblau und schwarz eindeutig dominieren. Die Musikuntermalung dazu angemessen spannungsgeladen und etwas melancholisch.

Bereits die Eingangsszene vermittelt einen Eindruck von der Lage des kleinen Pip, der auf einem einsamen Friedhof mit Hingabe das Unkraut vom Grab seiner Eltern zupft. Hier wird er von einer erschreckenden Kreatur überrascht, die kaum Züge der Menschlichkeit trägt: Es ist ein flüchtiger Gefangener, der den Jungen mit drohenden Gebärden beauftragt, ihm schnellstmöglich eine Feile zu bringen, damit er seine Fesseln lösen kann. Diese Feile muss Pip aus der Schmiede seines Stiefvaters entwenden, doch Joe ist der einzige Mensch auf der Welt, der dem Jungen aufrichtig zugetan ist. Ein Dilemma, welches der Held unserer Geschichte alsbald überwindet und den Diebstahl noch mit der Entwendung eines Stückes Kuchens krönt, welches er dem überraschten Mann in der Nähe des Friedhofs überreicht.
Noch hat Pip keine Vorstellung davon, wie sehr ihn dieses Abenteuer in der Zukunft einholen könnte, doch in der Gegenwart werden seine Gedanken bereits von ganz anderen Träumen bewegt. Eine reiche und reichlich skurrile Lady namens Miss Havisham hat ihn zum Spielpartner ihrer Adoptivtochter Estella erkoren und setzt dem einfachen Jungen reichlich Flausen in den Kopf. Pip möchte unbedingt der jungen Schönheit ebenbürtig sein, doch zunächst wird er schwer gedemütigt und als Geselle seines Stiefvaters als Schmied ausgebildet. Seine Lehrzeit findet allerdings ein jähes Ende, als ein Anwalt, den Pip bereits bei Miss Havisham getroffen hat, eigens aus London in das Marschland kommt, um mitzuteilen, dass der junge Mr. Pip ein Mann mit großen Erwartungen sei und von einem ungenannten Gönner zum Gentleman ausgebildet werden solle. Voller Erwartung reist Pip ab und verlässt die Schmiede und seinen treuen Freund Joe, der vermeintlich glänzenden Zukunft entgegen...

Obwohl sich die Verfilmung in ungewöhnlicher, aber durch anregender Weise die Nebenfiguren Miss Havisham und Abel Magwitch als heimliche Hauptpersonen wählt und die Darsteller hier ihre Sache richtig gut machen, kann die Hauptfigur des Romans natürlich niemals aus dem Fokus des Zuschauers gedrängt werden. Dem prüfenden Blick entgeht nicht die hölzerne Darstellung von Douglas Booth, der zwar als recht moderner Schönling optisch zu punkten versteht, aber gegenüber dem lebhaften Spiel des jungen Pip durch Oscar Kennedy (diese Szene mit der jungen Estella, in der er erklärt, warum er sie so freundlich ansieht - selbst Dickens wäre gerührt gewesen) beinahe statisch wirkt. Die zurückgenommene Darstellung mag vielleicht eine bestimmte Absicht verfolgen, aber der innere Reifeprozess wird kaum fühl- oder erkennbar, im Gegenteil erscheint Pip auch am Ende immer noch der Snob zu sein, der einst mit großen Erwartungen nach London fuhr. Allerdings kann man dem Schauspieler nicht allein die Schuld geben, denn auch der Schluss ist zu hastig und mit wenig Potenzial für den Hauptdarsteller ausgelegt. So wird die Geschichte dann irgendwie doch auf die Liebesgeschichte reduziert, was verschenkte Möglichkeiten bedeutet.

Herausragend ist jedoch die Darstellung der Miss Havisham durch Gilian Anderson, die ihr Talent bereits in einer Dickensverfilmung von Bleak House eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte. Doch für ihre Rolle in diesem Film hat sie sich quasi transformiert. Auch Miss Havisham haftet eindeutig etwas Unwirkliches oder beinahe Unmenschliches an. Im Roman wird sie einmal als Hexe des Hauses bezeichnet und ihre gespensterhafte Erscheinung wird durch das Tragen ihres alten Hochzeitskleides, den klapprigen Körper und den völlig weißen Haaren vervollkommnet. Dazu kommt, dass sich Gilian Anderson tatsächlich diesem fast unheimlichen Singsang in der Stimme bedient, welcher im Roman so eindrücklich beschrieben wird und seine beunruhigende Wirkung nicht verfehlt. In manchen Augenblicken wirkt diese verlorene Gestalt wie eine zerbrochene Puppe mit starr blickenden Augen und ohne Glanz im kalten Blau der Pupille und es gelingt Anderson durch die komplexe Darstellung sogar etwas Empathie für ihre Figur zu erwecken. Allein aus diesem Grunde sollte man sich diese Verfilmung nicht entgehen lassen.

In den Nebenrollen glänzen außerdem David Suchet als kalter Anwalt Jaggers und Harry Hloyd als Herbert Pocket, Pips Freund in London. Hloyd ist übrigens selbst ein Nachkomme des unnachahmlichen Charles Dickens, denn Roman man nach dieser Verfilmung gerne noch einmal zur Hand nimmt, um sich in die anregende Lektüre zu vergraben!

Die DVD ist mit zuschaltbaren Untertiteln in englischer Sprache ausgestattet und enthält keinerlei Extras.
Interessanter Hinweis zur Altersfreigabe ab 12 Jahren: "Contains moderate violence, bloody injury and language." Dazu wäre anzumerken, dass die humorvollen Momente leider tatsächlich fast komplett fehlen. Die Interpretation des Romans ist tragisch ausgelegt und so kann nicht einmal über Onkel Pumblechook lachen!
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grosse Erwartungen - wurden mehr als erfüllt..., 2. Dezember 2012
Von 
Sebastian Janeck "sebastian2103" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Great Expectations - Große Erwartungen [Blu-ray] (Blu-ray)
In England lief der Film als Dreiteiler im Fernsehen, nun erscheint die Mini-Serie zum Glück auch bei uns auf blu ray.

Die klassische Geschichte um den Waisenjungen Pip, die exzentrische Miss Havisham und ihre Tochter Estella ist sicherlich den meisten ein Begriff, denn verfilmt wurde "Great Expectations" schon öfter. In der BBC-Version geht es, wie man es von einem Charles Dickens-Klassiker erwartet, sehr düster los. Der kleine Pip, überzeugend von Oscar Kennedy gespielt, lebt in einer wenig gemütlichen Gegend. Der erste Teil lebt von stimmigen Grau-in-Grau-Tönen. Etwas farbiger wird es mit der tragischen Schönheit Miss Havisham, exzellent dargestellt von Gillian Anderson, der jüngsten Schauspielerin, die jemals diese Rolle spielte. Sarah Phelps erklärt die jüngere Version damit, dass der Zuschauer ihr den Zorn über ihre Zurückweisung eher abnimmt, weil diese noch nicht allzu lange her ist, womit sie auch Recht hat. Mit einer leisen Stimme und wirren Haaren überzeugt Gillian Anderson in ihrer Rachsucht, rührt aber auch durch den langsamen Verlust ihrer Anmut und Schönheit.

Schön wird es auch im zweiten Teil, in dem Pip herangewachsen ist und jetzt von dem makellosen Douglas Booth dargestellt wird. Sein Pendant ist die junge Estella, hübsch und von der zornigen Miss Havisham zur Gefühlskälte erzogen. Dem jungen Pärchen mangelt es bisweilen etwas an Chemie, zudem übertrifft Pip Estella in Sachen Schönheit. Im Mittelpunkt steht allerdings eh das Erwachsenwerden von Pip und hier folgt man Douglas Booth gerne. Nicht vergessen sollte man außerdem Ray Winstone, der den entflohenen Sträfling Magwitch spielt und nach der Rettung durch Pip ordentlich Einfluss auf dessen Leben nimmt. Winstone mimt den Sträfling äußerlich hart und angsteinflößend, überrascht dann jedoch durch weiche Seiten.

Äußerlich macht die blu ray einiges her, kommt sie doch in einem schmucken Schuber, dessen Inneres sich aufklappen lässt, daher. Neben der blu ray befinden sich darin sechs Postkarten zum Film sowie ein kleines Booklet mit Hintergrundinformationen. Vor allem für Sammler sehr empfehlenswert!

Fazit:

Fans von Charles Dickens und großen Dramen werden dank der tollen Darstellerriege voll auf ihre Kosten kommen. Eine äußerst gelungene Dickens-Verfilmung. Unbedingt zu empfehlen!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Steht BBC drauf, ist auch BBC drin !, 9. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Great Expectations - Große Erwartungen (DVD)
Es ist die längste Adaption des Charles Dickens- Romans, die mir bekannt ist. Dürfte daher auch werkgetreu sein.

Ich habe wie auch bei anderen Flmen die Romanvorlage nicht gelesen, wusste aber grob, worum es geht. Kann also nicht beurteilen, ob alle Handlungsstränge korrekt wiedergegeben wurden oder die Personen genau getroffen sind.
Für sich allein funktioniert dieses Mini- Epos jedenfalls.
Die Darsteller sind bis auf eine Ausnahme eine Wucht. Die erwachsene Estella ist im Gegensatz zu Gwyneth Paltrow 1998 nicht attraktiv genug. Kaum zu glauben, dass Pip einem solchen Trugbild hinterher jagt. Noch dazu ist sie nicht besonders nett zu ihm.

Gillian "Scully" Anderson ist eigentlich zu jung für diese Rolle. Da war Anne Bancroft 1998 die logischere Wahl.
Gleichwohl hat sie ihre Momente und wirkt, gerade auf den Jungen, gruselig und verrückt genug.
Sie ist ja eine sitzen gelassene Braut, und man darf nicht vergessen: Zu ihrem Zeitpunkt ist das fast wie ein Todesurteil gewesen.

Ray Winstone wächst mir immer mehr ans Herz. Für Rollen wie diese, einen entflohenen Sträfling, passt er super.
Wir kennen ihn ja aus "Sexy Beast" und dem letzten Indiana Jones. Immer hat er neben seiner grobschlächtigen Art auch Herz und Humor. Seine physische Präsenz ist enorm
Der Hauptdarsteller, also der erwachsene Pip, empfiehlt sich für Rollen wie die des Dorian Gray.

Bei den Nebenrollen habe ich mich gefreut, zwei Barnaby- Mitstreiter zu entdecken.
Der Darsteller des Orlick ( der andere Junge in der Schmiede ) ist doch tatsächlich Jack Roth, der Sohn des Schauspielers
Tim Roth. Hat in einer neueren Folge von "Inspector Barnaby" mitgespielt ( Geisterwanderung ).

Joe Gargery wird von Shaun Dooley gespielt, ganz toll. Kein Begriff ? Bei Barnaby war er in der Folge "Kind des Todes" als Mark zu sehen.
David Suchet, sonst als Hercule Poirot unterwegs, macht hier den Mr.Jaggers, dessen Aufgabe es ist, Pip die geheimnisvolle Erbschaft zu übergeben. Eine geheimnisvolle Figur und ein wandlungsfähiger Schauspieler.
Das Erzähltempo ist sehr gemächlich, weshalb ich mir diese Adaption auch in mehreren Etappen angesehen habe.
Mir schien hier alles authentisch, die Atmosphäre, die Kostüme, die Kulissen, kurz: Ich habe von der BBC nicht mehr und nicht weniger erwartet. Wer, wenn nicht die Briten, sollten diesen Stoff verfilmen können ?
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Große Erwartungen.. leider nicht erfüllt..., 9. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Great Expectations - Große Erwartungen (DVD)
Ich hatte mich sehr auf diese Verfilmung gefreut, da ich ein Riesenfan von Dickens-Büchern und den Verfilmungen bin.
Dieses ist ca. die 5. Verfilmung dieser Geschichte, die ich mittlerweile gesehen habe.
Die Aufmachung der DVD ist wirklich wunderschön plus der sehr schönen Postkarten.

Die Verfilmung hält sich in einigen Dingen nicht an das Buch, ok, das ist sicherlich künstlerische Freiheit, mich hat es allerdings gestört, weil es wichtige Beziehungen z.b.von Joe zu Pip, reduziert. Andere, wichtige Charaktere tauchen gar nicht erst auf, oder Handlungen werden total verändert.

Die Darsteller sind meiner Meinung nach nicht stimmig. Douglas Booth als Pip ist viel zu hübsch und zu wenig ausdrucksstark. Seine Justin-Bieber-Frisur und sein ewig gleicher Gesichtsausdruck langweilen bzw. sind unpassend.
Gillian Anderson als Miss Havisham ist für mich deutlich zu jung und läuft unnatürlich wie ein Zombie durch die Szenen. Weniger wäre dort mehr gewesen.

Die Ausstattung des Films ist grandios,ebenso die Kostüme.

Eigentlich wollte den Film nach der ersten Episode nicht weiter anschauen, da er mir nicht sonderlich gefiel. Letztendlich habe ich den Film bis zum Ende gekuckt und war leicht versöhnt. Zu meinen Lieblingsverfilmungen zählt er sicherlich nicht.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Beste Version, 21. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Great Expectations - Große Erwartungen (DVD)
Ich hatte mir sogleich beide Versionen von Great Expectations gekauft, diese BBC Version hier und die mit Helena Bonham Carter, Diese hier magnetisiert geht unter die Haut, wunderbar !!!! Ich hatte ein wenig Bedenken wegen "Scully" Darstellerin Gillian Anderson, weil sie so jung ist und man sie vielleicht immer mit Scully in Verbindung bringt, aber sie ist großartig !!!! Sie berührt als Miss Havisham total. Ja ich gebe ungern zu ,sie spielt sie besser als Helena Bonham Carter in der gleichen Rolle....obwohl für Fans die andere Version mit Helena und weiteren Top Schauspielern ein Must-Have ist. Aber die BBC Produktion hat alle meine Erwartungen übertroffen und das mit sämtlichen Schauspielern, viele für mich unbekannte Gesichter, was vielleicht ein großer Vorteil ist. Der kleine Pip ist noch genialer als der erwachsene ! ...ja ich höre schon auf zu schwärmen, guckt's Euch selbst an ! :o)
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schöne Atmosphäre, aber..., 1. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Great Expectations - Große Erwartungen (DVD)
leider nicht wirklich gut besetzt. Douglas Booth als Pip ist ausdruckslos und langweilig.[ Ich habe auch ein persönliches Problem mit seinem Fischmund :-( ]. Vanessa Kirby als Estella ist wirklich nicht im Mindesten besonders attraktiv und unnahbar.Gillian Anderson als Miss Havisham ist verrückt und nervt etwas mit ihrer piepsigen Stimme(engl.). Sie ist geheimnisvoll, okay, aber, dass diese schwache Frau den Plan hat, Estella zur Rächerin zu erziehen, ist kaum vorstellbar. Gut besetzt sind Magwitch mit Ray Winstone, ein zunächst furchteinflößender Verbrecher mit Herz, und der wie immer wunderbare David Suchet als eiskalter Mr. Jaggers. Die Umsetzung der literarischen Vorlage ist gut, das Set sehr eindrucksvoll und die Musik fügt sich gut ein. Mir persönlich gefällt die Verfilmung von Mike Newell mit Jeremy Irvine und Holliday Grainger besser. Aber am besten besetzt ,meiner Meinung nach ,ist die Verfilmung mit Ioan Gruffud und Charlotte Rampling.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr schöne deutsche Ausgabe einer nicht ganz überzeugenden Adaption, 10. Dezember 2012
Von 
Tanja Heckendorn "heckendorn" (Lörrach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Great Expectations - Große Erwartungen (DVD)
Das Jubiläumsjahr des englischen Autors Charles Dickens ist nun fast schon zu Ende, doch es ist auf jeden Fall zu würdigen, dass es nun auch im deutschsprachigen Raum gelungen ist, dessen Werk filmisch zu würdigen. Dabei ist Great Expectations - Große Erwartungen gleich zweimal mit dieser Ehre bedacht worden - ab diesem Monat ist eine Kinoadaption zu erwarten und dann gibt es diese BBC-Verfilmung von Dezember 2011 in einer deutschen Sprachfassung.

Der Entwicklungsroman konzentriert sich auf den Reifeprozess der Hauptfigur Pip, ein Waisenjunge aus einfachen Verhältnissen, der im jugendlichen Alter mit der Aussicht geblendet wird, ein Gentleman mit großartigen Erwartungen sein zu dürfen. Diese großen Erwartungen - daran besteht von Anfang an jedoch nicht der geringste Zweifel - werden sich als bloße Illusion herausstellen. Der ehrbare Moralist in Charles Dickens sieht in den bitteren Erfahrungen des Helden die Möglichkeit, diesen reifen zu lassen und so zu sich selbst zu finden, unterdessen er sich ein eigenes Urteil über die sogenannte bessere Gesellschaft seiner Tage zu bilden.

Soweit zum Roman. Die Verfilmung hat die dreiteilige Gestaltung und auch die chronologische Darstellung der Ereignisse fast 1:1 übernommen. An Dramatik fehlt es ja in der Vorlage wahrlich nicht und die Adaption beschränkt sich beinahe völlig auf die dramatischen Elemente. Die Beleuchtung und Gestaltung des Filmbildes ist in kalten Tönen gehalten, wobei grau, eisblau und schwarz eindeutig dominieren. Die Musikuntermalung dazu angemessen spannungsgeladen und etwas melancholisch.

Reichlich Stoff für dramatische Augenblicke ist gewiss vorhanden. Dass der kleine Waisenjunge Pip den einsamen Friedhof im morastigen Marschland als Zufluchtsort wählt, sagt viel über sein Zuhause aus. Doch auch hier kann er nicht friedlich das Unkraut auf dem Grab seiner Eltern zupfen, sondern wird von einem beinahe unmenschlich erscheinenden Wesen aufgestört, welches ihn bedroht. Das Abenteuer Pip mit dem Strafgefangenen nimmt allerdings zunächst ein glimpfliches Ende und wird bald weiteren Ereignissen in seiner Erinnerung verdrängt. Die reiche, aber auch reichlich skurrille Miss Havisham lädt den Jungen als Spielgefährten für ihre wunderschöne Adoptivtochter ein. Pips Blutsverwandte sind überzeugt, dass dies ein Vorzeichen für den gesellschaftlichen Aufstieg bedeutet. Pip, dessen bester Freund bisher der Ehemann seiner Schwester war, der herzensgute Schmied Joe, beginnt nach dem Gesäusel der feinen, aber irren Lady von Satis House von einem besseren Leben zu träumen. Doch er ahnt nicht, wie sehr ihn seine Träume tatsächlich einholen werden...

Herausragend ist jedoch die Darstellung der Miss Havisham durch Gillian Anderson, die ihr Talent bereits in einer Dickensverfilmung von "Bleak House" eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte. Doch für ihre Rolle in diesem Film hat sie sich quasi transformiert. Auch Miss Havisham haftet eindeutig etwas Unwirkliches oder beinahe Unmenschliches an. Im Roman wird sie einmal als Hexe des Hauses bezeichnet und ihre gespensterhafte Erscheinung wird durch das Tragen ihres alten Hochzeitskleides, den klapprigen Körper und den völlig weißen Haaren vervollkommnet. Dazu kommt, dass sich Gillian Anderson tatsächlich diesem fast unheimlichen Singsang in der Stimme bedient, welcher im Roman so eindrücklich beschrieben wird und seine beunruhigende Wirkung nicht verfehlt (daher unbedingt den Film auch im Original genießen, da dieser Aspekt bei der deutschen Fassung leider nicht erfüllt wird). In manchen Augenblicken wirkt diese verlorene Gestalt wie eine zerbrochene Puppe mit starr blickenden Augen und ohne Glanz im kalten Blau der Pupille und es gelingt Anderson durch die komplexe Darstellung sogar etwas Empathie für ihre Figur zu erwecken. Allein aus diesem Grunde sollte man sich diese Verfilmung nicht entgehen lassen.

Warum man sich bei dieser Verfilmung die Grundstimmung so düster und kalt gehalten hat und den ironischen Humor der Buchvorlage komplett ausgeklammert hat, ist nicht ganz ersichtlich. Vielleicht sollte dem Klassiker damit die moderne Dramatik verliehen werden. Dazu passt auch die Metapher des aufgespießten Schmetterlings, der wohl auch dieser zusätzlichen Dramatik geschuldet ist. Zu dem modernen Ton passt auch der Pip dieser Adaption sehr gut. Douglas Booth sieht einfach topp gestylt aus, auch wenn er die Kleidung des 19. Jahrhunderts trägt. Dafür ist die Entwicklung seiner Figur nicht so richtig greifbar, was allerdings nicht nur an seiner etwas hölzernen Darstellung liegt, sondern an dem sehr gerafften Ende, welches die Geschichte schließlich fas ganz auf die Liebesgeschichte reduziert, was ein echter Jammer ist.

Obwohl der Singsang in Miss Havishams Stimme in der deutschen Sprachfassung fehlt, gibt es sonst hier überhaupt nichts zu meckern. Douglas Booth wurde eine sehr angenehme Synchronstimme verpasst und der Synchronsprecher geht sehr gut auf die sprachliche Entwicklung der Figur ein, wobei die sprachlichen Patzer diesen Pip besonders sympathisch werden lassen.

Nur Pluspunkte gibt es indes für die sehr liebevoll gestaltete DVD-Ausgabe des Hauses polyband. Dem Pappmantel entnimmt man die aufklappbare DVD-Hülle, die mit Szenen-Bildern aus dem Film bedruckt ist. Im inneren Teil befindet sich auf der rechten Seite die DVD und auf der linken Seite findet man eine Infobroschüre mit Hinweisen und Bildern der Hauptdarsteller. Außerdem befinden sich sechs stilvolle Postkarten als weiteres Extra auf dieser Seite. Das Menü ist animiert und enthält als einziges Extra Trailer zu weiteren Filmen.

Für den Film werden 3 Sterne vergeben; für die schöne Ausgabe 5 Sterne.
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4.0 von 5 Sternen Eine gute BBC Verfilmung eines weltbekannten Romans, 7. April 2014
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Great Expectations - Große Erwartungen [Blu-ray] (Blu-ray)
BBC hat sich viel Mühe gemacht um dem Buch gerecht zu werden. Die Serie läuft in 3 Teilen die automatisch nacheinander von der einen Blu-Ray Disk in der Papphülle ablaufen.In den 180 Minuten wird das Buch ausreichend wiedergegeben. Die Schauspieler,Kostüme und die Kulissen sind sehr gut ausgewählt und es macht viel Spaß sich den Film( Miniserie ) anzuschauen.

In der Papphülle befindet sich die typische blaue Blu-Ray Hülle mit einem Booklet und Postkarten. Die Verpackung ist liebevoll gestalltet.

Wer Romanverfilmungen mag kann unbedenklich zugreifen
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Great Expectations - Große Erwartungen [Blu-ray]
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