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68
4,2 von 5 Sternen
Am Strand
Format: Kindle EditionÄndern
Preis:8,99 €
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. März 2009
Vorweg muss ich sagen, dass dies mein erstes Buch von Ian McEwan war. Ich las dieses Buch aufgrund der guten Bewertungen hier auf Amazon und wurde nicht enttäuscht.

In vier Kapiteln berichtet der Autor über die zwei völlig unterschiedlichen Einstellungen zur Hochzeitsnacht zweier frisch verheirateter Menschen im Jahr 1962 und davon, wie daran die Ehe zerbrechen kann. Dabei wechselt er gekonnt zwischen der Erzählung zur Hochzeitsnacht und dem Rückblick darauf wie Florence und Edward sich kennenlernten.

Ein wunderbares Buch eines tollen Autors, dass mich von der ersten bis zur letzten Seite fasziniert hat und das ich somit auf jeden Fall weiterempfehlen kann.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Januar 2009
Edward und Florence sind frisch verheiratet und sitzen nun in ihrem Flitterwochenhotel am Abendessenstisch. Besonders Florence ist äußerst nervös, steht ihr doch die Hochzeitsnacht bevor. Dem prüden Geist der frühen 60er Jahre entsprechend weiß sie so gut wie nichts darüber, was da geschehen soll, und das Wenige, was sie weiß, stößt sie ab.

Edward hingegen freut sich darauf, seine Frau endlich ganz intim kennenzulernen und hat mit ihrer Reaktion auf seine Annäherungsversuche so nicht gerechnet ...

Nur ein schmales, groß gedrucktes Büchlein, aber Ian McEwan ist Meister darin, Stimmungen einzufangen, die gesamte Persönlichkeit eines Menschen durch dessen Gedankenwelt, seine Handlungen und Gefühle zu charakterisieren. Hier herrscht nach der Hochzeit keine fröhliche Euphorie, sondern Unsicherheit, Angst, ja sogar Ekel seitens Florence.

Während das Drama der Hochzeitsnacht seinen Lauf nimmt, werden Rückblenden eingestreut, in Edwards und Florences ganz unterschiedlich verlaufene Kindheit - Florences eher intellektuelle Familie einerseits, Edwards chaotischer Haushalt mit der Mutter, die seit einem Unfall geistig behindert ist, die Studienzeit, das Kennenlernen in Oxford ...

Einziges Mängelchen für mich war die Kürze des Ganzen, ich mag McEwan noch etwas lieber, wenn er sich ein bisschen mehr Raum gönnt, die Geschichte zu entwickeln.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. Februar 2010
Ian McEwan hat mich schon mehr als ein Mal begeistert, dieser Roman(Hörbuch) übertrifft mal wieder jede Erwartung!
Obwohl sich die eigentliche Handlung nur über ein paar Stunden erstreckt, erfährt man drum herum das ganze Leben zweier Menschen, aus welchem Milieu sie kommen, was sie geprägt hat, was ihnen wichtig ist, wie sehr sie sich lieben und im Grunde auch verstehen und trotzdem das Falsche tun.
Jan Josef Liefers liest das Hörbuch geradezu perfekt. Jeder Gedanke der Protagonisten wird so lebendig als dächte man ihn selbst, jede Bewegung vollführt man im Inneren, jedes Schweigen lastet auf einem und als Frau fasse ich es kaum, wie detailliert ein männlicher Autor solche Gedanken zu Papier bringen kann, deren Vorhandensein sich Frauen in jener Zeit vor der sexuellen Revolution wohl selbst kaum bewusst waren, geschweige denn aussprachen.
Ein großartiges, emotional tiefgründiges Buch!
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 27. September 2009
"Wunderlichstes Buch der Bücher / Ist das Buch der Liebe; / Aufmerksam hab' ich's gelesen: / Wenig Blätter Freuden, / Ganze Heften Leiden", so dichtete Goethe einst über die unerklärliche und leidvolle Erfahrung der Liebe. Ian McEwan hat diesem unendlichen Buch der Liebe nun ein weiteres Kapitel hinzugefügt: Eine Liebe, die an sich selber scheitert. An ihrem Stolz, an ihrem Trotz, ihrer Uneinsichtigkeit, ihrer Erfahrungslosigkeit und ihrer Blindheit. Das schmale Buch Am Strand ist dabei zugleich so etwas wie ein Museum vergangener Sexualmoral und abgelebter Gesellschaftspsychosen. Es ist komponiert wie ein kleines Meisterwerk; in einer Fünf-Akt-Struktur, die notwendigerweise schließlich in der Katastrophe eines verfehlten Lebens mündet. Dabei fing alles so gut an:
Es ist der Juli 1962, Edward und Florence verbringen den Tag ihrer Hochzeit, den Abend vor der psychisch bis zum Bersten aufgeladenen Hochzeitsnacht in einem kleinen Hotel vor Cecil Beach. Beide sind aufstrebende junge Leute: Florence eine reich beschenkte Violinistin aus dem gehobenen Bürgertum, Edward ein aufstrebender Historiker, Sohn eines Grundschuldirektors. Es ist das Nachkriegs-England, ein Land, das zwar den Krieg gewonnen, aber seine Kolonien verloren hat und mit sich selber hadert zwischen Aufbruch und Vergangenheit. Und es ist schließlich das Jahrzehnt der 60er Jahre, in dem sich alles ändern wird. Von diesem unumkehrbaren gesellschaftlichen Bruch erzählt der Roman. Von dem, was vorher war und dem, was nachher war - und wie sich das eine nicht in das andere übersetzen lässt und beide sich doch so ähnlich sind.
Das was vorher war: Florence und Edward sind ein sympathisches Liebespaar, die alles haben, was man sich wünschen kann: Sie sind jung, talentiert, aufstrebend, schön und vor allem verliebt ineinander. Allerdings wissen sie kaum etwas von sich selbst. Sexualität ist eine terra inkognita für beide, auch wenn Edward als Mann schon klarere Gedanken hierzu hat. Florence ist von diesem dunklen Kontinent, der in ihr schlummert, verängstigt und reagiert mit Abwehr und Flucht. So sehen sich beide in ihrer Hochzeitsnacht einem unlösbaren Problem gegenüber. Wie können sie miteinander handeln, den ganzen gesellschaftlichen Ballast hinter sich lassen, ehrlich zu sich sein, ohne sich selber fremd zu werden. Es ist eine Atmosphäre, die aufgeladen ist von Unsicherheit, Misstrauen, Angst und Verstörung. Das Schlimmste wäre, sich zu blamieren - und natürlich kommt es so: Als Edward vorzeitig ejakuliert und Florence sich ekelt, ist das Scheitern ihrer Ehe besiegelt. Wie lächerlich! Und wie tragisch! Ein Paar, das sich zwar liebt, aber nichts voneinander weiß und nicht miteinander reden kann. Florence verlässt am selben Abend das Hotel. Auf den letzten Seiten bricht die Kulturrevolution der 60er Jahre herein. Alles ist erlaubt und alles wird gelebt. Menschen, die derartig wenig von sich wissen, darf es nun nur nicht mehr geben. Aber ist damit etwas gewonnen? Edward lebt ein Leben mit allen sinnlichen Freuden, aber er erkennt als bereits 60-jähriger Mann, "dass er nie wieder jemanden kennen gelernt hatte, den er so liebte, wie sie". Er hatte es vergeigt: "Sie hatte nur die Gewissheit seiner Liebe gebraucht und die Bestätigung, dass keine Eile geboten war, da das ganze Leben noch vor ihnen lag."

Thomas Reuter
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. April 2008
Nur ein halbes Jahrzehnt vor der sexuellen Befreiung der 68er sitzt das frischvermählte Paar Edward und Florence in der Hochzeitssuite eines Hotels an der englischen Kanalküste. Die Luft virbriert vor Spannung. Für beide steht das "erste Mal" bevor. Doch während bei Edward die Stimmung schwankt zwischen Versagensangst und sexueller Erregung, empfindet Florence blanke Angst, hervorgerufen aus konventionstreuer Erziehung, Religion und einem unterschwelligem Abscheu vor dem, was ihr nun bevorsteht.

Geschickt wird die Enticklung der beiden Jugendlichen aus unterschiedlichen sozialen Milieus bis hin zu diesem verhängnisvollen Abend in die Erzählhandlung eingebunden, der dann in einem Eklat gipfelt, aus dem beide nicht wieder herausfinden.

JJ Liefers ist die Idealbesetzung für dises Hörbuch. Er versteht es brillant, die unterschiedlichsten Stimmungen der beiden Personen widerzugeben, deren Lebensglück von der Prüderie und Enge der Zeit verunmöglicht wird.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. September 2009
Ian McEwan, ein Meister der Psychologie, hat dieses mal die Philosophie zu seinem Thema gemacht. Streng nach dem Motto "Panta Rhei" (alles fließt) konstruierte er einen Roman, der die "Architektur" der Erzählung mit dem Leitgedanken der Handlung verknüpft.
Der Aufbau des Romans ist dem Motiv von Wellen, die auf den Strand auftreffen nachempfunden ebenso wie dem Motiv des Geschlechtsaktes der Penetration. Vor und zurück. Die Handlung wird in gleichlangen Wellenbewegungen vorangetrieben und mittels Rückblenden zurück. Diese Konzeption zieht sich streng durch den ganzen Plot und wird erst zum Schluss aufgegeben indem die Handlung bis in die Gegenwart gezogen wird bzw. ausfließt.

Das Hauptmotiv des Plots stammt aus Platons Gleichnis über die platonische Liebe: Platon schildert, wie Alkibiades vergeblich versucht, Sokrates zu verführen. Dieser schlägt statt der sexuellen Vereinigung eine "höhere", nichtkörperliche Form der Liebe vor, in der die Seelen zueinander finden.

Dieses Motiv der platonischen Liebe, vertreten durch Florence, verknüpft der Autor mit dem Existenzialismus, repräsentiert durch Edward. Also die Idee der Ideale (von seelischer Verbundenheit, Schönheit u. Wahrheit) verknüpft er mit der Persönlichkeit und ihren Handlungsoptionen.

Ian McEwan etikettiert dabei die handelnden Personen exakt bis ins kleinste Detail mit den typisch Kennzeichen als Vermittler dieser philosophischen Ausrichtung/ Orientierung. Edward der Existenzialist und seine Herkunft aus einem Elternhaus, das diese Attribute spiegelt. Florence aus einer dem hellenistischen, humanistischen Ideal reflektierenden Familie.

Die Bilanz am Ende ist, dass Florence ihre Ziele verwirklicht im Gegensatz zu Edward, der ein Gefangener des Zeitgeistes und seiner Situation bis in die Gegenwart bleibt und im Nachhinein, die damalige Fehlentscheidung, nicht auf den Vorschlag von Florence eingegangen zu sein, bereut. Allgemein gesprochen: Menschen sind nicht frei in ihrem Denken und Handeln, weil jede Lebensgeschichte eine Folge von Normierungsmaßnahmen und Zeitgeistanpassungen ist.

Darüber hinaus lässt sich der Roman auch wunderbar in seiner vordergründigen Handlung als Portrait einer Zeit lesen. Den Konventionen und Zwängen der Ende 50er und Anfang 60ger Jahre. Es fließen auch immer wieder geschichtliche Themen (Zerfall des Britischen Empire, Atomtests, Friedensbewegung, Europa und EU usw.) in die Handlung ein. Dinge, aus der Vergangenheit, die in der Gegenwart nachwirken und wahrscheinlich auch in der Zukunft eine große Rolle spielen werden. Es stellt sich die Frage:
Sind wir heute wirklich so aufgeklärt und "open minded" wie wir denken? Oder hängen auch wir den Denkmustern und der Zeitgeistanpassung nach?
Das werden vermutlich zukünftige Generationen beantworten, wenn sie über unsere Epoche schmunzeln.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. Februar 2014
"Am Strand" erzählt vom Wendepunkt in Edward und Florences Leben. An ihrem Hochzeitstag im Juni 1962 sehen sie beklommen, fasziniert und völlig unwissend ihrer Hochzeitsnacht entgegen.

Mit seiner unheimlich dichten, bilderreichen Erzählweise hat mich Ian McEwan sofort in seinen Bann gezogen. Mit seiner auf den Punkt gebrachten Sprache ist es ihm gelungen, die Geisteshaltung einer untergegangen Zeit wieder auferstehen zu lassen. Die 200 Seiten waren im Nu ausgelesen und ich freue mich auf ein nächstes Werk von McEwan.
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22 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. September 2007
In seiner wie üblich geschliffenen, wunderschönen Sprache lässt uns Ian McEwan teilhaben am Scheitern einer Hochzeitsnacht in den frühen 60-er Jahren. Sehr elegant schafft McEwan die Kurven aus der Hochzeitssuite zur Vorgeschichte von Florence und Edward, zum Entstehen dieser Beziehung und zur Herkunft der beiden Protagonisten, um dann wieder zur Handlung zurückzukehren. Wunderschön zu lesen.
Erstaunlicherweise nimmt man sogar mit Spannung am Geschehen in der Hochzeitsnacht teil, hoffend, dass doch noch eine Annäherung stattfinden könnte. Das Thema scheint die Kommunikationsunfähigkeit eines Paares zu sein, die durch gesellschaftliche Konventionen, Sachzwänge, Unsicherheit und Angst verursachte Nicht-Wahrhaftigkeit der Figuren, und damit die Unmöglichkeit von wirklicher körperlicher und geistiger Nähe und Offenbarung zu sein. Ein Thema, welches durchaus auch heute sehr aktuell ist, ein Stoff, mit dem es sich zweifellos lohnt, sich auseinanderzusetzen.Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass man in den frühen 60-er Jahren noch dermassen verklemmt und prüde gelebt hat, aber dies nur nebenbei.
Wirklich an den Rand des Abgrunds in Richtung Trivialliteratur manövriert wird der Roman durch die nur angedeutete Geschichte des Missbrauchs von Florence durch ihren Vater. Dadurch ist die Sprachlosigkeit der beiden scheiternden Liebenden plötzlich nicht mehr relevant. Wir wissen ja, warum "es" so ist. Die arme Florence ist missbraucht worden. So einfach, so schrecklich. Wenn aber nun Missbrauch das Thema sein sollte, wäre doch zu erwarten, dass McEwan sich tatsächlich darauf einlässt. Leider keine Spur.
Es keimt der Verdacht, dass der Bestsellerautor ein Auftragswerk zu einem bestimmten Zeitpunkt abzuliefern hatte und das Thema nicht mehr abhandeln konnte, oder dass aus Effekthascherei noch etwas "Missbrauch" hinzugefügt wurde, um vielleicht den "Zeitgeschmack" des 21. Jh. zu treffen und aktuell zu sein. Damit wird die zweifellos vorhandene Schönheit und Qualität des Werkes buchstäblich zunichte gemacht.
Sehr schön zu lesen, Lektüre für einen Abend, mit leider sehr schalem Nachgeschmack.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Juni 2010
Nach acht Stunden Ehe scheint auch schon alles vorbei zu sein. Nein, hierbei handelt es sich nicht um die Darstellung eines Ausschnitts aus dem Leben von Lothar Matthäus oder Boris Becker, sondern um die seltsam vage Beziehung zwischen Edward und Florence im prüden England der 60er Jahre. McEwan erweist sich dabei wieder einmal als kluger Beobachter verschrobener menschlicher Verhaltensweisen. In fünf verschieden langen Teilen seines überschaubaren Romans erzählt der Brite von einer eigenartigen Liebe auf Distanz, einer platonischen Liebe, die in der Hochzeitsnacht durch die körperliche Vereinigung der Frischvermählten endgültig den Stempel einer normalen Ehe aufgedrückt bekommen soll - so wie es sich eben traditionell gehört.

Mit seinem schlafwandlerisch sicheren Schreibstil, der präzise und einfach ist, aber nie primitiv, seziert McEwan schonungslos die Tragik von Edwards und Florences kurzer Ehe und präsentiert dem Leser ein England-Bild, dass in vielen Köpfen heute noch so oder so ähnlich vorherrscht. Neben dieser verschreckenden Erkenntnis wird man zudem mit einem Männerbild konfrontiert, das zwischen Liebe und Trieb einerseits dem typischen Klischee entspricht. Andererseits ist die Beziehung der beiden Verliebten auch geprägt von Florences Frigidität und Edwards unfreiwilligem Triebverzicht. Doch kann eine Ehe funktionieren, die zwar auf Liebe fußt, aber die sexuellen Bedürfnisse des einen außer Acht lässt? McEwan beantwortet diese Frage nicht, sondern nimmt uns stattdessen in der Hochzeitsnacht mit an den Strand und lässt uns Zeuge werden, wie das junge Paar verzweifelt versucht, einen kleinen Fauxpas ungeschehen zu machen. Dabei wäre es interessant zu erfahren, wie unterschiedlich Männer und Frauen den Roman rezipieren. Lesenswert ist er allemal, lediglich das gerafft und sehr schnell kommende Ende weiß nicht wirklich zu überzeugen, weist aber somit zumindest eine Parallele zum kurzen Liebesglück der beiden Protagonisten auf.
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18 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. August 2007
Mit seinem Roman "On Chesil Beach" (bzw. dt. "Am Strand) taucht der Booker-Prize-Träger Ian McEwan tief in die Gemüter zweier Eheleute ein. Edward und Florence, frisch verheiratet, verbringen ihre Hochzeitsnacht in der Suite eines Strandhotels. Die erste Liebesnacht der beiden wird überschattet von schwer überwindbaren Hindernissen: Ängsten, Sehnsüchten, Unausgesprochenem, Vergangenem - und vor allem dem Versuch, eine Rolle wider die eigenen Bedürfnisse zu spielen.

"On Chesil Beach" verwandelt den dramaturgischen Aufbau hin zum buchstäblichen "Höhepunkt" der Hochzeitsnacht in das absolute Gegenteil. Subtil, feinsinnig, mit einem sicheren Gespür für die kleinen und großen Kränkungen, die Gesten, Berührungen und Worte - auch die unausgesprochenen - auszulösen vermögen, erzählt McEwan seine Geschichte.
Die Geschehnisse der Hochzeitsnacht werden mit Episoden aus der Vergangenheit des Ehepaars illustriert und lassen so die beiden Charaktere sehr plastisch werden.

McEwan hat in seinem Roman ein subtiles Geflecht aus Wissen und Nicht-Wissen angelegt; der Leser kennt die Figuren wesentlich besser als sie einander kennen. Und so wird - um einmal in der sexuellen Konnotation des Wortes zu bleiben - das "Erkennen" von Edward und Florence zum eigentlichen Desaster. Die Charaktere teilen den Makel, dass es ihnen lange Zeit an der wahren, echten Gefühlsaussprache fehlt. Die Begierde Edwards muss an den unterdrückten Gefühlen seiner Gattin förmlich abprallen. Dass hinter der etwas spätentwickelten, scheinbar frigiden Florence allerdings noch weit mehr steckt, wird der Leser erst nach dem Lesen der letzten Romanseite vollends durchschaut haben.

McEwan hinterlässt mit "On Chesil Beach" großen Eindruck. Es ist unter den Buchpublikationen auf dem Literaturmarkt dieser Welt keine Selbstverständlichkeit, dass ein Schriftsteller derart stilsicher und souverän in die Seelen zweier Figuren zu blicken vermag. Dass er ferner das Geschehen poetisch ausgestaltet und das ganze Gebilde schließlich in einen großen Lebenslauf der beiden einbettet. Selbst der kleine Nachtrag McEwans berührt - wie der gesamte Roman - das Gemüt. Ein rundum gelungenes Werk, das sich für die engere Auswahl im Rennen um den diesjährigen Booker-Prize empfohlen haben dürfte - bzw. bereits hat, da das Werk in der diesjährigen Booker-Longlist seinen Platz bereits eingenommen hat.
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