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37 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen von einer Sekunde zur nächsten.....
...kann sich manchmal ein Leben ändern, kann ein Ereignis eine Kette von Geschehnissen auslösen, die zu einem unvermeidlichen fatalen Ende führen.
Eine solch dunkle Geschichte erzählt uns Ian McEwan gekonnt einfühlsam und durchweg spannungsgeladen in seinem Roman "Liebeswahn".
Ein schöner Sommertag lädt ein glückliches...
Veröffentlicht am 12. Juni 2005 von Alexandra Egli

versus
3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Bestenfalls als Gute-Nacht-Lektüre geeignet
McEwan wird nachgesagt, er sei ein guter Schriftsteller, und sicherlich geben ihm die Verkaufszahlen seiner Werke zumindest in finanzieller Hinsicht recht. Sprachlich, inhaltlich und erzähltechnisch konnte mich aber auch 'Liebeswahn' nicht mal ansatzweise überzeugen. Dafür wirkt die Geschichte auf mich einfach zu sehr konstruiert und in ihrer...
Vor 9 Monaten von Herr Odes veröffentlicht


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37 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen von einer Sekunde zur nächsten....., 12. Juni 2005
Von 
Alexandra Egli (Frankfurt/M.) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Liebeswahn (Taschenbuch)
...kann sich manchmal ein Leben ändern, kann ein Ereignis eine Kette von Geschehnissen auslösen, die zu einem unvermeidlichen fatalen Ende führen.
Eine solch dunkle Geschichte erzählt uns Ian McEwan gekonnt einfühlsam und durchweg spannungsgeladen in seinem Roman "Liebeswahn".
Ein schöner Sommertag lädt ein glückliches Ehepaar, Clarissa und Joe, zu einem Picknick im Grünen ein, als, nicht weit von den beiden entfernt, ein Fesselballon abzustürzt. Mehrere Menschen, so auch Joe, eilen aus allen Himmelsrichtungen herbei um dem Ballon-Piloten, dessen kleiner Enkel sich noch im Korb befindet, zu helfen, das Gefährt am Boden zu halten und zu sichern. Doch der Hilfeversuch scheitert - mit fatalen Folgen: ein Mensch verunglückt tödlich. In dieser Situation lernt Joe einen der anderen Helfer kennen, Jed Parry, ein Mann, der fortan Joes Leben in ein Desaster stürzen wird. Jed ist nämlich davon überzeugt Joe zu lieben und von Joe geliebt zu werden.
Der Liebeswahn, das Clérambault-Syndrom, lassen Jed in Joes Leben eingreifen in einer Form, die wir heute "Stalking" nennen: Permanente Telefonanrufe, ständige Präsens, das Auftauchen an den unmöglichsten Orten, das Beaobachten aus der Ferne, Nachrichten auf dem Anrufbeantworter und in Form von Briefen - erst vorsichtig zurückhaltend, dann immer bedrohlicher werdend - lebensbedrohlich. Die Polizei ist machtlos, denn es passiert ja nichts "Schlimmes", doch der so von einem Stalker verfolgte Mensch, gerät in einen Strudel des Chaos. So auch Joe, dessen Leben sich radikal verändert und dessen Ehe an den Ereignissen zerbricht.
Ian McEwan erzählt mit einem feinen Gespür, auf sprachlich höchstem Niveau. Er lässt den Leser mit dem bedrohlichen Gefühl zurück, dass jedem von uns so etwas passieren könnte, dass ein "Jed Parry" hinter jeder Ecke lauern könnte, um unser Leben zu verändern. Dieser Roman ist eine echte Empfehlung im Genre des Psychothrillers.
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29 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein äußerst spannender Psychthriller!, 3. Mai 2000
Rezension bezieht sich auf: Liebeswahn (Taschenbuch)
Ian McEwan ist sowieso schon ein fantastischer Schriftsteller, aber mit diesem Roman hat er sich wirklich selbst übertroffen! Wer das erste Kapitel gelesen hat, wird erstens nie wieder die Dramatik der Ballonszene vergessen und zweitens das Buch nicht aus der Hand legen, bevor es zuende ist. Ich habe selten ein Buch gelesen, in dem so viel Spannung transportiert wurde, ohne das der Autor sich irgendwelcher Thriller-Klischees bedient. Stattdessen ist er ein Meister der Psychologie, der uns mit neuen Bildern und Ideen in den Bann seiner Geschichte zieht. Also, bevor Ihr Euch den x-ten 08/15-Thriller reinzieht, lest lieber mal Ian McEwan!
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Grauen kommt immer auf leisen Sohlen..., 8. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Liebeswahn (Taschenbuch)
...und schleicht sich auch in diese Geschichte so ein, dass man sich als Leser fast ohnmächtig fühlt!

In diesem frühen Roman von Ian McEwan erzählt der englische Autor die Geschichte eines Paares, dessen Liebe am Anfang unverbrüchlich erscheint. Joe und Clarissa feiern nach einer längeren, beruflich bedingten Trennung ihr Wiedersehen. Es ist ein perfekter Tag im Mai, die beiden machen ein Picknick im Park, als sich am Himmel etwas Schreckliches ereignet. Ein Ballonunglück, dass jedoch erst durch die unkoordinierte Hilfsaktion einiger Passanten, u.a. Joe, zur Katastrophe wird. Traumatisiert und erschüttert versucht Joe nun, seinen Alltag wieder aufzunehmen. Da drängt sich ein anderer Helfer in sein Leben, der sich augenscheinlich in ihn verliebt hat. Joe weiß zunächst kaum, wie ihm geschieht. Doch zunehmend empfindet er das Werben, das sich zu einer ausgeprägten Stalking-Belästigung entwickelt, als bedrohend.

Es gelingt ihm allerdings nicht, seiner Frau klar zu machen, was geschieht. Sie ignoriert diese Belastung und damit wird die Beziehung zwischen Joe und Rose zunehmend ausgehöhlt...

Ian McEwan ist ein Meister darin, Brüche in seine Geschichten einzuarbeiten. Auch in diesem Buch entwickelt ein Geschehen eine Eigendynamik, die von den Beteiligten vollkommen unterschiedlich wahrgenommen und eingeschätzt wird. So schleicht sich auch hier das Grauen leise, aber unumkehrbar ein. Man möchte beim Lesen dauernd "Aufwachen" rufen, da so vieles auf dem Spiel steht, aber Ian McEwan führt diese Geschichte zu einem konsequenten Ende, bei dem es dem Leser überlassen bleibt, eigene Schlüsse zu ziehen.

Ein grandios erzählter, unglaublich spannender Roman!
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eines seiner besten Bücher, 18. Januar 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Liebeswahn (Gebundene Ausgabe)
Nicht umsonst hat McEwan letztes Jahr den wichtigsten Buchpreis Großbritanniens, den Booker-Preis, erhalten. Liebeswahn hat einen wirklich unvergesslichen Anfang, man hastet von Seite zu Seite, will nicht schlafen, nicht arbeiten, nicht aufhören zu lesen. Von der ersten Seite an fesselte mich dieses bitterböse, intensive und wahrhaft meisterliche Buch. Prädikat Weltliteratur
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unter Zwang, 23. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Liebeswahn (Taschenbuch)
Was einem so alles zustoßen kann, wenn man Gutes tun will. Joe will ein Kind aus einem Fesselballon retten und muß mit ansehen, wie einer der Retter bei der Aktion ums Leben kommt. Ein Mann spricht ihn an, fordert ihn auf, gemeinsam zu beten, und Joe sieht sich im Verlauf der Geschichte den seltsamen Nachstellung Jed Parrys ausgesetzt, der vorgibt, sich in ihn verliebt zu haben. McEwan beschreibt jedoch nicht nur den Wahn eines religiös Verwirrten, der in einer Melange aus gläubigem Sendungsbewußtsein und Liebesgefühlen das Leben eines Ehepaars durcheinander bringt, er zeigt auch wie hilflos jemand solchen Anwandlungen ausgesetzt ist, wenn dieser sich nichts zu schulden kommen läßt. Was die Liebesschwüre, dunklen Drohungen bei Joe anrichten, der absolut nicht von Parry geliebt werden möchte, wie er miterleben muss, dass ihm niemand glaubt, er beginnt, sich seiner Frau zu entfremden, ist eindringlich geschildert. Die psychologische Begründung liefert der Autor gleich mit. Bei Parrys Wahn handelt es sich um das Clérambault-Syndrom. Eine Bezeichnung für krankhafte, abgewiesene Liebe, die zur Gewalt neigt. Viel schlimmer jedoch erscheint der Umstand, wie Joe allmählich den Boden unter den Füßen verliert, alles Parry unterordnet. Es kommt sogar zum Bruch mit seiner Frau Clarissa, dem verzweifelten Versuch, sich durch den Kauf einer Pistole zu schützen. Wie sich die Katastrophe allmählich zuspitzt, zeigt einmal mehr, mit welcher Akribie McEwan es versteht, Menschen aus ihrem Alltag zu reißen. Gleich einer Schlinge zieht der Autor die fehlgeleitete Liebe um die Hauptfiguren zu. Keiner bleibt unbeschadet. Und einmal mehr schafft McEwan es, Beklemmung so spannend zu beschreiben, dass man das Ende gespannt erwartet.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterhaftes Psychogramm, 17. August 2003
Von 
Dierk Matthäus (3047 Bremgarten Switzerland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Liebeswahn (Taschenbuch)
Ich kann mich dem vorwiegend positiven Echo über dieses Buch nur anschliessen: Meisterhaft und packend bis zu letzten Zeile ist die Innenwelt des Psychopathen und vor allem diejenige seines Opfers mit Mitteln gezeichnet, die man nicht nur einfach "literarisch" nennen kann: Da wird zu Beginn in der Ballonszene mit in der Literatur wohl unerreichten Rückblende- und Zeitlupentechnik und Perspektivewechseln eine Detailiertheit der Schilderung erreicht, die die Szene beinahe Realität werden und entsprechend unter die Haut gehen lässt. Die gleiche Meisterhaftigkeit dann in den Begegnungen zwischen Joe und Jed. Jedes Wort dieser Dialoge sitzt hier und öffnet Abgründe im Innenleben der Figuren. Der Innenwelt-Krimi wird schliesslich zum handfesten Krimi, der dann als Tüpfelchen auf dem i noch den Mut zu einem gekonnten, unlarmoyanten Happyend hat. Man spürt die Sorgfalt und Leidenschaft, mit der der Autor das Krankheitsbild recherchiert hat.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen intelligenter und packender Roman, 12. Juli 2003
Rezension bezieht sich auf: Liebeswahn (Taschenbuch)
Liebeswahn von Ian McEwan war ein Zufallskauf und da ich noch nie vorher von Ian McEwans gehört hatte, knüpfte ich dementsprechend wenig Erwartungen an das Buch. Doch welch ein Glückgriff dieser Kauf war, zeigte sich schon auf den ersten Seiten. Brilliant geschrieben verdichtet dieser ungewöhliche Thriller sich immer mehr.

Ebenso interessant sind Ewans Exkursionen ins Reich der Wissenschaft, die die Echtheit seines Hauptdarstellers untermauern und ganz nebenbei informieren. Meisterhaft auch Ewans Talent ominöse Gefühle und Stimmungen in Worte zu kleiden und sie mit einer analytischen Präzision zu beschreiben, die tiefgehend und erkenntnisreich ist. Übrigens mitlerweile verfilm mit Daniel Craig, dem neuen Bond-Darsteller.

Ich war insgesamt so angetan von der Lektüre, daß ich mir direkt noch mehr Ewans-Bücher gekauft habe und mich richtig freue Werke wie seinen Zementgarten noch vor mir zu haben.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dr. Hans W. Wieczorrek Ein Psychogramm, 31. Januar 2011
Von 
Dr. Hans Wilhelm Wieczorrek "Hans" (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Liebeswahn (Taschenbuch)
Ich habe jetzt 3 Romane von McEwan gelesen: Solar, Liebeswahn und Abbitte. Es fällt mir schwer eine Präferenzenliste zu erstellen, aber ich mache es trotzdem 1. Solar 2. Liebeswahn 3. Abbitte. Andere mögen da anderer Meinung sein, aber dass McEwan ein großartiger Schriftsteller ist, wird kaum jemand bestreiten. Auch Thomas Mann hat nicht immer Meisterwerke verfasst. Das Buch Liebeswahn beginnt mit dem Absturz eines Ballons, den ein junges Ehepaar, das Picknick macht, beobachtet. Sie eilen natürlich zu Hilfe, wobei ihre Hilfestellung nicht gerade professionell abläuft. Aus dieser tragischen Begebenheit entwickelt der Autor das Psychogramm einer Stalkerstory, denn einer der Helfer verliebt sich in Joe, der von nun an permanenten Belästigungen ausgesetzt ist. Die Belästigungen werden immer bedrohlicher, ja sogar lebensbedrohlich, so dass Joe die Polizei einschaltet. Diese ist allerdings "machtlos", da ja real nicht Schlimmes passiert. Joes Leben gerät völlig aus den Fugen, so dass sogar seine Ehe daran zerbricht. Diese im Prinzip simple Geschichte, erhebt McEwan auf ein sprachliches Niveau, das zur Zeit seinesgleichen sucht. Das Buch ist ein echter Psychothriller, dessen Ende ein zerstörtes chaotisches Leben ist.
Dem Leser wird durch diese bedrückende Schilderung klargemacht, dass ein solches Ereignis jeden von uns treffen kann, egal in welchem geborgene Umfeld wir uns zu befinden glauben.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Standbild eines Augenblickes, 25. Januar 2011
Von 
Walter "Walter" (Buxtehude, Baden-Württemberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Liebeswahn (Taschenbuch)
Dem Autor Ian McEwan ist hier ein ungewöhnlicher, höchst skurriler und absonderlicher Roman gelungen. Die Qualitäten des inzwischen renommierten und international geschätzten Schriftstellers zeigen sich wie gewohnt in seiner Sprachfertigkeit; seinem etwas britisch-unterkühlten aber dennoch mitreißenden Erzählstil. McEwan ist wie ein Koch, der die Zutaten seiner Gerichte in minimalen Mitteln wählt, aber es versteht, höchste Wirkung und Spannung zu entfalten. Seine erzählerische Tiefe, die Zeichnung seiner Figuren mit glaubhaften und authentischen Zügen, ebenso seine Vorliebe für die Seitenwege der Philosophie, liefern dem Leser niveauvollste Genüsse an Unterhaltung und Spannung.
Die Geschichte ist schnell umrissen: Die scheinbar solide und glückliche Beziehung eines Paares gerät durch einen offenkundig dem Liebeswahn verfallenen Psychopathen namens Parry in Unordnung und läuft Gefahr, zerstört zu werden. Das Ziel dieser irr geleiteten Liebe gilt Joe, dem Ehemann, ausgerechnet ein Vernunftsmensch (Wissenschaftler), der diesem der Metaphysik und dem Glaubenswahn verfallenen Kranken nur unbeholfen Paroli bieten kann. (Gegen Metaphysik gibt es keine vernunftsbezogenen Argumente.) Als Clarissa, die Frau aus der Beziehung, an der Glaubwürdigkeit ihres Gatten zu zweifeln beginnt, erodieren Vertrautheit und Verlässlichkeit im gegenseitigen Miteinander.
McEwan beginnt die Geschichte mit einem Paukenschlag an Symbolik und Dramatik: der Rettungsaktion eines Jungen aus einem außer Kontrolle geratenen Ballon. Der irrsinnige Parry schließt sich dem Team der Rettungshelfer an und lernt auf diese Weise den Erzähler der Geschichte, Joe, kennen. Seine Obsession kennzeichnet sich fortwährend dadurch, dass er meint, Joe gebe ihm Botschaften, ihn zu lieben. Herausragend an der Szene mit dem Ballon, wie auch an anderen Stellen des Buches, ist, wie der Autor es schafft, mit den Erzählperspektiven zu spielen. Er versteht es, ganze Situationen im Bild einzufrieren, den Erzählfluss auf Zeitlupentempo herunterzudrehen, -- und in einer Art Kaleidoskop der weiteren möglichen Handlungen die Geschichte fortzuspinnen. So verschachtelt er Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. An einer Stelle der Geschichte wechselt er in fast unbemerkter Weise die Erzählperspektive des Icherzählers in die von außen betrachtete Leserperspektive. Es ist der Moment, als Clarissa ihren Gatten nicht mehr versteht und zu ihm Distanz aufbaut; somit wird die Entfremdung des Paares durch diese feinfühlige Textstilistik untermalt. Das Schöne an solcher Art von Literatur ist nicht nur, dass man über eine spannende Geschichte in Atem gehalten wird, sondern Lebensphilosophie und Sprachvirtuosität allererster Güteklasse vermittelt bekommt. (Sprachbildung. Denkkraft.)
Fazit: McEwan ist einer der ganz großen Erzählkünstler der Gegenwart und das Buch für mich eine klare Kaufempfehlung.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwingende, intensive Erzählung, 26. März 2008
Von 
Thomas Liehr (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Liebeswahn (Taschenbuch)
Es sollte ein Wiedersehensfest werden - der Wissenschaftsjournalist Joe Rose hat seine Freundin Clarissa, ihrerseits Literaturwissenschaftlerin und Keats-Begeisterte, soeben nach siebenwöchiger Trennung vom Flughafen abgeholt und führt sie zum Picknick in die Hügel irgendwo außerhalb Londons. Doch gerade als es sich die beiden an einer windgeschützten Stelle bequem gemacht haben, hören sie Hilferufe. Ein Mann versucht, seinen Fesselballon zu landen, und kämpft vergeblich gegen die starken Böen. Vier Männer eilen herbei, um dem Ballonfahrer zu helfen, einer davon ist Joe Rose. Der Rettungsversuch wird ein Todesopfer fordern. Joe Rose wird anschließend von einem der anderen Helfer ersucht, angesichts der Situation gemeinsam zu beten. Verstört lehnt der atheistische Journalist ab. Aber so leicht lässt sich Jed Parry nicht abschütteln.
Ganz im Gegenteil. Aus der dramatischen Zufallsbegegnung entwickelt sich eine ständig bedrohlicher werdende Krise. Bereits in der Nacht nach dem Unglück ruft Jed Parry bei Joe Rose an, offenbart ihm seine Liebe und drängt ihn, sich seinerseits die Liebe zu Parry einzugestehen. In der Folge entwickelt sich der religiös verblendete und pausenlos von Gottes Liebe plappernde Mensch zu einem immer aufdringlicheren Stalker, während niemand außer Joe Rose selbst die Gefahr zu erkennen oder richtig einzuschätzen scheint. Clarissa und er entfremden sich, die Polizei verlacht Rose, und so wird aus einer vermeintlich lächerlichen Verblendung eine Kette von desaströsen Ereignissen. Dies geschieht, wie immer bei McEwan, auf leise, schleichende Art; der Protagonist zweifelt nicht selten an sich selbst, sucht Auswege, trifft auch Fehlentscheidungen, aber es scheint sowieso nichts geeignet, das Unausweichliche zu vermeiden. Rose steht der Situation alleine gegenüber, weil niemand dazu bereit ist, ihm zu glauben. Parry hingegen entwickelt immer mehr Cleverness und Selbstsicherheit. Diese zuwiderlaufenden Entwicklungen sind Kern der Handlung; Roses Weltbild wird nachhaltig erschüttert, während alles auf einen ebenso nachhaltigen Triumph des gottesfürchtigen Stalkers hindeutet.
Das Buch erzählt also von der verblendeten Liebe eines Mannes für einen anderen, davon, wie Zeichen gedeutet werden, die keine sind und nie als solche gedacht waren, wie alleine der Glauben an eine Sache diese zur Wirklichkeit werden lässt, zu singularen, persönlichen Wirklichkeit, die nichtsdestotrotz Basis des Handelns wird und sich aller störenden Faktoren notfalls auch gewaltsam entledigt. Es ist deshalb auch nur vordergründig ein Buch über die als De-Clérambault-Syndrom bekannte Erotomanie, die heutzutage "Stalking" genannt wird, sondern vor allem eines über den Widerstreit zwischen naturalistischer und religiöser Weltsicht, wobei McEwan zwar eindeutig Partei ergreift, aber auch die Position zu relativieren bereit ist, für die er offenbar eintritt. Diese Position übernimmt Roses Freundin Clarissa, die den nüchtern-analytischen Journalisten immer wieder dazu drängt, eine ganzheitlichere Sicht auf die Phänomene zuzulassen, über die er schreibt.
Anfangs etwas spröde, gewinnt das Buch rasch an Intensität, Dramatik und Spannung. McEwan gehört fraglos zu den größten Romanciers unserer Zeit, und mit "Liebeswahn" ist ihm eine subtile und zwingende Erzählung von enormer Dichte gelungen.
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Liebeswahn
Liebeswahn von Ian McEwan
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