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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „Everything Seems Beautiful Because You Don’t Understand …, 25. September 2012
Von 
Tristram Shandy - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Arthaus Retrospektive 1943 - Ich folgte einem Zombie (DVD)
… Those flying fish, they’re not leaping for joy, they’re jumping in terror. Bigger fish want to eat them. That luminous water, it takes its gleam from millions of tiny dead bodies. The glitter of putrescence. There is no beauty here, only death and decay.”

[Achtung, massive Spoiler! Es wird auch eher über den Film als die DVD geschrieben.]

Diese von dunkler Poesie getragenen Worte hört die junge Krankenschwester Betsy Connell (Frances Dee) von ihrem neuen Arbeitgeber Paul Holland (Tom Conway), als die beiden an Bord eines Schiffes zu ihrem künftigen Arbeitsplatz fahren. Die Szenerie ist malerisch, eine helle Nacht, der Ozean glitzert ruhig und klar, man fühlt geradezu die träge Brise, die die Menschen an Bord umweht, nur der Gesang der Mannschaft, Einheimischer der Westindischen Inseln, wirkt seltsam bedrohlich. Miss Connell ist von ihrem ursprünglichen Arbeitgeber in Kanada zu dieser neuen Stellung beglückwünscht worden: Sie arbeitet für einen reichen Zuckerrohrplantagenbesitzer, um dessen kranke Frau sie sich zu kümmern hat, aber sie werde sich wohl darauf freuen können – so der Vorgesetzte mit einem Blick durchs Fenster auf den kanadischen Winter –, in der Sonne liegen und die Tropen genießen zu dürfen. So kommt Betsy denn wohl mit frohen Erwartungen auf die Insel, doch wird sie kurz nach ihrer Ankunft erst einmal zu Tode erschreckt durch ihre erste Begegnung mit Jessica Holland (Christine Gordon), ihrer neuen Patientin: Die wunderschöne Frau befindet sich im Zustand völliger Geistesabwesenheit, kann allenfalls einfache Anweisungen befolgen und wandelt wie ein Geist teilnahmslos umher. Der Arzt der Familie führt diesen Zustand darauf zurück, daß ein Fieber das Rückenmark der jungen Frau partiell aufgezehrt habe, doch verbreitet ein Calypsosänger auf der Insel eine andere Version der Geschichte: Laut dieser sei der jüngere Halbbruder Hollands, Wesley Rand (James Ellison), für Jessica entbrannt, und diese habe seine Leidenschaft erwidert, woraufhin Holland zur Tat geschritten sei.

Ihrerseits verliebt sich nun auch Betsy nach und nach in ihren verschlossenen, von Selbstvorwürfen geplagten Arbeitgeber und nimmt sich vor, Jessica um jeden Preis wieder zu kurieren, um Holland von seiner Last zu befreien. Als schulmedizinische Mittel nicht verfangen, wendet sich Betsy schließlich dem Voodoo zu, der auf der Insel praktiziert wird. Als sie ein Voodoo-Ritual besucht, muß sie zu ihrer Überraschung feststellen, daß sich hinter dem Voodoopriester Mrs. Rand (Edith Barrett) verbirgt, die Mutter der beiden Halbbrüder. Die Medizinerin bedient sich des Voodooglaubens der Eingeborenen, um ihnen über den Umweg des Aberglaubens Verhaltensregeln der modernen Medizin einzuimpfen. Jedoch ist der Voodooglaube der Eingeborenen noch so stark, daß sie in Jessica einen Zombie zu erkennen glauben, den sie unbedingt, und sei’s mit Zauber, in ihre Mitte zurückholen möchten …

„I Walked with a Zombie“ (1943) ist nach “Cat People” (1942) der zweite Gruselfilm, den Jacques Tourneur im Verein mit dem Produzenten Val Lewton für RKO drehte. Vom Studio wurde die Vorgabe gemacht, im Sinne einer Gewinnmaximierung möglichst billig zu drehen, so daß bei diesen Filmen wenig Geld für Spezialeffekte zur Verfügung stand. Lewton und Tourneur beschlossen daher, aus der Not eine Tugend zu machen, indem sie ganz auf spektakuläre Schaueffekte verzichteten und statt dessen auf leises Unbehagen und die Schrecken, die geschickte Andeutungen in der Phantasie der Zuschauer – ja, damals hatten Zuschauer noch Phantasie – hervorrufen mochten, setzten. So überzeugt „I Walked with a Zombie“ denn auch durch eine morbide Atmosphäre, in der sich inmitten scheinbarer Idylle und Schönheit immer wieder ein Gefühl der Bedrohlichkeit einschleicht. Hat Betsys erster Arbeitgeber ihr noch nahegelegt, sie könne in der Sonne liegen, erfährt sie recht bald von Holland, inmitten all der ihr noch unbekannten Schönheit, daß sich hinter all diesem Zauber nur Tod und Verderben befinde. Auch der Bediente, der Betsy wenig später zu ihrem Domizil geleiten wird, hat für ihre Bekundungen der Bewunderung, wie schön es doch auf der Insel sei, nur ein enigmatisches „If you say so“ übrig. Die Lebensverneinung, die sich als Folge der Abstammung der Eingeborenen von afrikanischen Sklaven immer noch in ihrem Denken und Fühlen hält, äußert sich zu Betsys Überraschung auch darin, daß Geburten – eingedenk all der Beschwerlichkeiten, die den neuen Erdenbürger wohl erwarten – beweint werden.

Die Ambivalenz, in dem augenscheinlich Schönen nur das Zeugnis roh waltender Naturkräfte, die mit dem Einzelleben verschwenderisch und gedankenlos umgehen, zu sehen, überträgt sich in „I Walked with a Zombie“ auf jeden Aspekt der Schönheit. So muß Betsy nach und nach erfahren, daß es Jessicas Schönheit war, die Wesleys Leidenschaft auf seine Schwägerin lenkte, und daß die Ehefrau trotz ihres engelsgleichen Aussehens zur Untreue neigte. Doch nicht nur für das Schöne gilt, daß es von Ambivalenz bestimmt ist, sondern auch für das, was man gemeinhin für das Wahre ansieht – namentlich die Wissenschaft. Mrs. Rand mag sich des Aberglaubens der Eingeborenen bedienen, um diesen, quasi subkutan, die Segnungen der Wissenschaft nahezubringen, aber insgeheim hat sie sich dabei schon längst mit dem Aberglauben infiziert, wie ihr Entschluß beweist, ihre Schwiegertochter zum Schutze ihrer Söhne mit einem Voodoofluch zu belegen. Allerdings scheint auch die Religion keinerlei Sicherheit mehr zu bieten, vielmehr dem gleichen Zweifel unterzogen zu werden, wie es sich die arrogante Wissenschaft gefallen lassen muß, die anfangs noch dachte, die religiösen Kulte instrumentalisieren zu können. Daß der Film keinerlei Anhaltspunkte dafür bietet, die Voodoorituale eindeutig als leeren Aberglauben oder aber als machtvollen Zauber anzusehen, ist sicher ein Faktor seiner nachhaltigen Wirkung. Doch auch das Christentum entgeht dem Generalzweifel nicht: Am Eingang zur Plantage steht eine alte Galionsfigur, die den Heiligen Sebastian darstellt, wie man ihn eben kennt – von Pfeilen durchbohrt. Der Zuständigkeitsbereich dieses Heiligen ist zwar einigermaßen komplex, doch wird er auch als Schutzheiliger gegen die Pest und andere ansteckende Krankheiten angesehen; im Falle Jessica Hollands scheint sein hölzernes Ebenbild allerdings wirkungslos geblieben zu sein, wurde sie doch Opfer eines Fiebers (oder eben eines Fluches). Wesleys Verzweiflungstat, nämlich Jessica mit einem Pfeil, dem er aus dem Heiligenbild gezogen hat, zu töten, um sie vor den Nachstellungen durch die Voodoojünger zu bewahren, scheint dann schon wieder eher im Sinne einer Heilung zu geschehen, denn wenn Jessica auch stirbt, so ist sie immerhin kein „Zombie“ mehr, und gemäß christlicher Anschauung liegt im Tod ja das ewige Leben. Dieser Interpretation entsprechen denn auch die Schlußworte, in denen um Vergebung für die beiden Sünder – Jessica und Wesley – gebeten wird. Paradoxerweise wurde Jessica allerdings durch einen Pfeil getötet, und dieser läßt sich leicht dem Gott Apollon zuordnen, der nicht nur heilen, sondern auch – der Heilige Sebastian möge es verzeihen – mit seinen Pfeilen die Pest ins Land schießen konnte. Der Pfeil als Mittel der Heilung wirkt also seinerseits wieder höchst ambivalent.

Einigen mag ich es mit Sicherheit schon zu weit getrieben haben, und ich hatte auch beim Schreiben dieses Textes anfangs keine Ahnung, wo das alles hinführen sollte, aber eines ist wohl klar: „I Walked with a Zombie“ zieht seinen Horror aus den Widersprüchen zwischen Schein und Sein, zwischen einer kulturell bedingten, teilweise ästhetisierten Wahrnehmung der Natur und der Amoralität der Natur selbst, d.h. zwischen (wahrgenommen) fliegenden, aber gleichzeitig fliehenden Fischen, um wieder an den Anfang zurückzukehren. So sind denn auch die Bilder der beiden durch ein nächtliches Zuckerrohrfeld schleichenden Frauen gleichermaßen schön wie bedrohlich, ohne allerdings eindeutig zu einer Seite hin auszuschlagen. Dies macht „I Walked with a Zombie“ zu einem sehr subtilen, ästhetisch gelungenen, aber gleichwohl beunruhigenden Film, der allerdings nichts mit anderen Filmen, die das verheißungsvolle Wort „Zombie“ im Titel tragen, gemein hat. Ich kann diesen Film jedem Freund subtilen Grusels nur ans Herz legen.

Die DVD verfügt neben der deutschen Synchronisation auch noch über das englische Original, jedoch nicht über englische Untertitel. Bild- und Tonqualität sind im ganzen akzeptabel.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Düster, dräuend und....dämonisch?, 7. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Arthaus Retrospektive 1943 - Ich folgte einem Zombie (DVD)
[ACHTUNG: SPOILER]
Die Krankenschwester Betsy tritt einen neuen Job auf der Karibikinsel San Sebastian an. Sie soll auf einem Anwesen die junge Jessica Holland versorgen, die - sehr zum Unglück ihres Mannes Paul - in eine Art katatonische Starre verfallen ist. Sie lebt, doch ihr Geist scheint entrückt, möglicherweise gar zerstört. Der verbitterte Ehemann Paul versucht ihr schon auf der Überfahrt vom Überseehafen auf die Insel zu vermitteln, daß das, was ihr schön erscheint (hier: Fliegende Fische über der spiegelglatten, scheinbar leuchtenden See), in Wahrheit ein Spiegel der rauhen, vielleicht gar bösen Natur sei: die Fische flögen aus Furcht, sie seien auf der Flucht, das leuchten der See käme von toten Algen: Alles sei Vergehen und vergänglich, was schön sei, sei oft nur ein Abbild des Todes. Auf dem Anwesen, dessen Eingang von einer zweckentfremdeten Gallionsfigur, die den heiligen Sebastian darstellt, geschmückt wird, lernt Betsy dann die anderen Bewohner kennen: Wesley, der Bruder von Paul, ein Alkoholiker, der wohl ein dunkles Geheimnis brütend mit sich trägt und die Mutter der beiden, Mrs. Rand. Sowohl der Hausarzt als auch Paul haben jeweils eine Erklärung für Jessicas Zustand: der erstere hält ihn für die Folge eines Tropenfiebers, der letztere deutet seine Verantwortung an, ohne zu sagen, worin diese bestünde. Nach und nach verliebt sich Betsy in ihren Arbeitgeber. Selbstlos, wie sie ist, will sie gerade deswegen Jessica heilen, um Paul glücklich zu sehen. Dieser jedoch läßt sie wissen, daß seine Gefühle ihr gegenüber den ihrigen nicht unähnlich sind, er also Jessicas Heilung nicht unbedingt wünsche. Betsy will nicht aufgeben und folgt dem Rat einer Hausangestellten, einen Voodoopriester aufzusuchen, möglicherweise habe Jessicas Zustand etwas mit den ominösen Zauberpraktiken der einheimischen Magier zu tun? Da die Betsy bekannten Methoden der Schulmedizin (Insulinschocks) nicht helfen, führt sie Jessica nachts zu dem Voodooplatz, wo sich der große Magier als niemand anderes als Mrs. Rand entpuppt, die sich den Voodooglauben der Einheimischen zu Nutze macht, um sie "normalen", also schulmedizinischen Untersuchungen unterziehen zu können. Und so schließt sich der Kreis. Es hatte sich zuvor schon angedeutet, daß Wesley in Jessica verliebt gewesen ist und Mrs. Rand wollte ein innerfamiliäres Zerwürfnis dadurch verhindern, daß sie Jessica - und zwar mittels eben jener von ihr als unseriös abgelehnten Voodoo-Praktiken - in deren Zustand versetzte. Jessica wird nach hause gebracht. Doch währenddessen nehmen die Einheimischen ihre Rituale wieder auf, sie werden intensiver und schließlich durchsticht einer eine Puppe mit eienr Nadel. Wesley zieht aus der San-Sebastians-Statue einen der Pfeile, ersticht Jessica und trägt deren Leichnam hinaus ins Meer. Bei Ebbe ziehen die Wattfischer los und finden die beiden - tot.

Jacques Tourneur drehte für RKO einen kleinen Zyklus an Horrorfilmen, deren zweiter dieses sehr kurze aber höchst intensive Werk war. Zusammen mit dem Produzenten Val Lewton etablierte er einen atmosphärisch dichten Stil, der ästhetisch höchsten Ansprüchen genügte, zugleich jedoch jedes Bild doppeldeutig und dadurch bedrohlich wirken ließ. Was in der ersten dieser Koproduktionen, "Cat People", vor allem in Innenräumen funktionierte und zu einem enorm eleganten Spiel mit Formen und Schatten führte, wird hier in die Natur hinaus getragen (wobei viele der Außenszenen hier wohl Studioaufnahmen sind). Die Insel - Paul läßt daran während der Überfahrt zu Beginn des Films keinen Zweifel - scheint verflucht. Alles hier ist träge, langsam. Fast meint man trotz der schwarz-weiß-Bilder die Sonne zu spüren, die Hitze, die einen in der feuchten Luft kaum atmen läßt. Ein schwüler Film. So herrscht von Anfang eine bedrohliche Atmosphäre, die aber zugleich weder durch sichtbare, noch akustische Zeichen bestätigt wird. Das Leben hier scheint einem eigenen Rhythmus zu folgen, dem Betsy sich anpassen muß, dazu gehören scheinbar eben auch die menschenfeindliche Umgebung und die seltsamen Rituale. Abends dringen die Trommeln der Einwohner zu den Bewohnern der Plantage hinüber.

Tourneur verzichtete hier, wie eigentlich in all seinen Filmen (außer, wenn er, wie in "Night of the Demon" zu anderem gewzungen wurde) auf den sichtbaren Horror. Nie sieht man etwas, das einen wirklich verstören könnte, es werden keien visuellen Schocks verabreicht, oberflächlich gesehen, passiert nicht einmal viel. Wenn Betsy Jessica durch die Bambusrohre und das Schilf zu der Voodoostätte bringt, dann ist dies - darin den expressionistischen deutschen Filmen der 20er Jahre nicht unähnlich - zwar ein lautloses aber fast abstraktes schwarz-weißes Spektakel aus Schatten und Licht. Diesem zu folgen ist für den Zsuchauer sowohl ein ästhetisches Vergnügen, denn Tourneur betont hier Schönheit (der man ja, wie Paul erklärte, im Zusammenhang mit diesem Ort eh nicht trauen darf), als auch ein Schrecknis, denn in der Schönheit, der Ästhetik der Szene liegt auch etwas Dräuendes. In diesem Dickicht kann alles lauern. Was dieses ALLES sein könnte, bleibt jedoch vollkommen der Phantasie des Zuschauers überlassen. Wie so vieles an diesem Film und den anderen typischen Tourneurfilmen.

Der "Zombie" schließlich, der in dem Dickicht eine Art Wegweiser darstellt, ist später derjenige, der auf die Plantage geschickt wird (?), um Jessica zu holen, indem sie ihm folgen soll - deshalb der Titel des Films. Und dieser "Zombie" wird sie schließlich auch am Ende des Films zurück auf die Plantage tragen, nachdem man ihre und Wesleys Leiche gefunden hat. Was daran ebenfalls schauerlich ist, ist weniger die Gestalt des Zombies selbst (obwohl diese ebenfalls dazu angetan ist, Schrecken zu verbreiten, nur spielt Tourneur das nicht aus, so daß der Zuschauer den Anblick nicht schockartig, sondern wie nebenbei geboten bekommt), vielmehr ist es die Selbstverständlichkeit, mit der jeder - auch Betsy erstaunlicherweise - dieser Figur begegnet. So wird der Film auch eigentlich erst zum Horrofilm: Der Zuschauer kann sich in dieser Welt nicht wirklich zurecht finden. Alles wirkt wie eine Traumlandschaft. Und wie uns in Träumen manchmal Dinge wie selbstverständlich erscheinen, die wir im "realen" Leben befremdlich finden, so begegnen uns auch hier immerzu Zustände, Figuren und Haltungen, die wir zunächst ganz "normal" finden, dann erst, mit der Zeit, eher seltsam und bedrückend.

Tourneur bevorzugt hier, anders als in "Cat People", eine scheinbar klare Auflösung. Daß Mrs. Rand ihre Schwiegertochter in Trance versetzte, um ihre Familie zu retten (also freudiansich gesehen das Muttermonster, das Hollywood so liebte), ist dann eben eine sehr profane Auflösung, die lediglich durch die Szenen, in denen die Eingeborenen die Rituale wieder verstärken und dann die Nadel in die Puppe stechen, konterkariert. So haben wir es schließlich mit einem psychologischen Übermutterdrama zu tun. Darin liegt vielleicht eine kleine Schwäche des Films. Allerdings liegt hier auch jener Punkt des Films, der aus heutiger Sicht leider nicht ganz zu verschweigen ist: Sowohl Mrs. Rand als auch der Hausarzt der Hollands geben zu, Voodoopraktiken zu nutzen, um die Eingeborenen zu überreden, Medizin zu sich zu nehmen. Der Film nimmt vollkommen diese Position ein. Das bedient natürlich Klischees, die in den 1940er Jahren zwar auch schon rassistisch waren, damals allerdings noch weitaus salonfähiger. Wir heutigen müssen schon konstatieren, daß der Film Eingeborene als zumindest etwas minderbemittelt (und das nicht in materialistischer Weise) darstellt. Das fängt bei Aberglauben an und geht über die genutzte Sprache bis hin zur Bedrohlichkeit schwarzer Körper. Denn gleich wie Tourneur den "Zombie" auftreten läßt - es ist ein Hüne, dunkelhäutig mit weit hervorstehenden Augen. Er entspricht einem damals herkömmlichen rassistischen Klischee, ähnlich wie es 10 Jahre zuvor Cooper und Schoedsack im originalen "King Kong"-Film bedient hatten. Der schwarze Mann als unheimliche Bedrohung. Potent, stark und immer in der Lage, den Weißen die Frau zu stehlen. Tourneur dreht die Spirale lediglich etwas weiter, wenn er den schwarzen Mann dann aber auch als willenlos und unterwürfig zeigt. Allerdings könnte man dem Film auch vorwerfen, sowohl die Insel als auch ihre Einwohner so oder so lediglich als Dekoration zu nutzen. Dies alles ist eigentlich nur exotischer Hintergrund zu dem schon erwähnten Mutter-Sohn-Drama, das ebenso im schottischen Hochland oder auf einer Ranch in den Weiten des Wilden Westens spielen könnte.

Doch soll das alles nicht den Film schmälern. Innerhalb der Genreregeln und seiner Zeit geschuldet, ist es einer der überzeugendsten Grusel/Horrorfilme, die Hollywood neben den klassischen Universalstreifen a la "Dracula" und "Frankenstein" hervorgebracht hat. Tourneurs Stil ist prägend gewesen und einzigartig. Niemand hat Horrorfilme in jenen Jahren in Hollywood auf diese Art und Weise gedreht und den Horror, also den Schrecken, den Menschen angesichts (zunächst) unerklärlicher Ereignisse empfinden, derart interpretiert. Zeitlos. Schön. Schrecklich.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Rezension zur DVD mit technischem Schwerpunkt, 6. September 2012
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Rezension bezieht sich auf: Arthaus Retrospektive 1943 - Ich folgte einem Zombie (DVD)
Zum Inhalt wurde bereits von Ray eine wie ich finde gute Rezension verfasst; für die eher technische Seite fehlt dies noch.

Vorweg: Auch ich halte diesen Film für einen der besten s/w Gruselfilme der 40er; er dürfte von allen Zombiefilmen vor 1960 der beste und vor allem atmosphärischste sein, auch der Grad an Innovation ist sehr hoch: Sei es die Idee mit dem großen schwarzen Dienerzombie, der nachts die Wege zum Voodoo-Platz bewacht und sonstige Dienste des nachts verrichtet, die original anmutenden Gesänge und Tänze, das Tropenflair oder die Idee mit den Liedern über die unglückliche Familie.
Inhaltlich kann ich nur kritisieren, dass die Auflösung sehr schnell daher kommt und man den beiden Brüdern und der Mutter, aber auch dem Voodoo Kult etwas mehr Laufzeit hätte gönnen können, damit das Drama noch tiefgründiger und die Figuren besser charakterisiert werden können.

Die DVD ist wie erhofft meinem alten TV Mitschnitt überlegen, aber dennoch nicht perfekt.Das Bild ist die meiste Zeit relativ scharf, allerdings leidet gerade der Anfang unter stärkerem Rauschen und es kommt zu Beginn auch zu einzelnen Überstrahlungen. Die meiste Zeit hält sich Hintergrundrauschen zurück-es gibt aber immer wieder Szenen wo es sich stärker bemerkbar macht. Zeitweise ist viel Filmkorn zu sehen, dann wieder deutlich weniger-in Verbindung mit dem Rauschen könnte dies auf Filtereinsatz vermuten lassen. Die Kompression ist sicher ebenfalls nicht optimal gewählt. Entgegen meiner Hoffnung hat man nur eine DVD 5 gewählt, die nicht mal ganz ausgenutzt wurde-die DVD misst gerade einmal 3,88 GB.Ich wage die These aufzustellen, dass mehr möglich gewesen wäre.

Extras gibt es keine, nur 3 Werbetrailer, auch von dieser Warte her eher enttäuschend. Neben der ordentlichen deutschen Synchro (es ist eine etwas günstigere-das hört man; dennoch gut gemacht) gibt es englischen O-Ton und deutsche Untertitel; beides war mir obwohl ich die deutsche Synchro bevorzuge wichtig.

Insgesamt bin ich mit der DVD zufrieden; der Preis von ca 9 Euro (so viel habe ich gezahlt) ist auch nicht sonderlich hoch. Allerdings ist auch noch reichlich Platz nach oben was die Qualität angeht.Ich vergebe wegen den aufgezählten Schwächen 3,5 Sterne, die ich auf 4 aufrunde und gebe trotz allem eine klare Kaufempfehlung für Freunde alter Grusel- und schwarz-weiß Filme.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassische Zombies, 27. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Arthaus Retrospektive 1943 - Ich folgte einem Zombie (DVD)
Der Regiesseur hat mit diesem Film einen Klassiker geschaffen, der trotz der Ausstattung noch immer erstaunlich frisch wirkt. Bild
und Ton sind leider nicht durchgehend zufriedenstellend, aber schließlich stammt das Werk aus den 40er Jahren. Bonusmaterial könnte
noch geliefert werden. Schwächen hat der Film an den Stellen, wo er in den Rosamunde Pilcher Bereich geht. Sonst aber wird ein wirk-
licher Spannungsbogen aufgebaut, und es gibt wieder und wieder überraschende Wendungen.
Die Protagonistin wirkt durchgehend sympathisch, was zum großen Teil auch ein Verdienst der 'bezaubernden' Hauptdarstellerin ist.
Auch die Charaktere, die Fehler gemacht haben oder Schuld auf sich geladen haben, werden so eingehend charakterisiert, dass der
Zuschauer ihre Motivationen zumindest verstehen kann. Von der Stimmung her schwankt der Film zwischen sachlich und bedrohlich, er hat
aber auch Elemente, die ihn für ein Publikum empfehlenswert macht, das Hitchcocks Rebecca mag. Hier bleiben zum Glück die Zombies
im Hintergrund, ein paar angemessene Schocks gibt es aber doch.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Todessehnsucht auf der Insel..., 20. Juli 2012
Von 
Ray "rayw260" (Rheinfelden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Arthaus Retrospektive 1943 - Ich folgte einem Zombie (DVD)
Die kanadische Krankenschwester Betsy Connell tritt eine neue Anstellung an, ihr Arbeitsplatz ist allerdings die westindische Insel Sankt Sebastian. Dort soll Betsy die schwerkranke Frau des Plantagenbesitzers Paul Holland (Tom Conway) pflegen.
Die Insel wird von einer kleinen weißen Gemeinde und von Nachfahren afrikanischer Sklaven bewohnt.
Auf der Überfahrt lernt sie ihren neuen Arbeitgeber kennen, der einen sehr nachdenklichen, ja beinahe depressiven Eindruck auf Betsy macht.
Am Eingang zur Plantage befindet sich eine geheimnisvolle Statue, die den Heiligen Sebastian durchbohrt von Pfeilen darstellt.
Am ersten Abend auf Fort Holland lernt die engagierte Krankenschwester auch Wesley Rand (James Ellison), den jüngeren Halbbruder von Paul Holland kennen.
Dieser ist eher das Gegenteil seines stillen Bruders, Wesley wirkt sehr extrovertiert, arbeitet für seinen Bruder und hat ein Alkoholproblem.
In der ersten Nacht hört sie das Weinen der Hausherrin und versucht der Sache nachzugehen. Tatsächlich trifft sie auf den Gängen des Hauses Jessica Holland (Christine Gordon), die in ihrem weißen Gewand und starren leblosen Augen nachtwandelt.
Schockiert vom Zustand der Frau schreit Betsy und weckt den Rest des Haushalts.
Am nächsten Morgen trifft die inzwischen wieder gefasste Betsy Jessicas Arzt, der ihr von einem seltsamen tropischen Fieber erzählt, die Jessicas Rückenmark irreparabel schädigtee und sie seither völlig willenlos in einer Art Trancezustand belässt.
Von den Einheimischen erfährt sie über den dort praktizierten Voodoozauber, nachdem der von Betsy durchgeführte Insulinschock keine Besserung brachte.
Inzwischen hat sich Betsy auch in den stillen Arbeitgeber verliebt...
"Ich folgte einem Zombie" ist ein 1943 enstandener Horrorfilm des Regisseurs Jacques Tourneur, der bereits ein Jahr vorher mit "Cat People" einen Riesenerfolg feiern konnte.
Beide Filme wurden von Val Lewton produziert, der von der RKO als Leiter der Horrorfilmabteilung auserkoren wurde. Man wollte mit diesen Filmen einen ähnlichen Erfolg in diesem Genre einfahren, wie es der Universal Jahre zuvor schon gelang.
Die Filme sollten so günstig wie möglich produziert werden und ein Maximum an Profit erwirtschaften. Es gab keinerlei künstlerische Vorschriften, so dass es dem Gespann Lewton und Tourneur gelang zwei der schönsten Horrorfilme aller Zeiten zu schaffen, die einen ganzen Zyklus von weiteren RKO Horrorfilmen hervorbrachte, darunter "Der Leichendieb" oder "Die Todesinsel".
Das Drehbuch schrieb Curt Siodmak gemeinsam mit Ardel Fray. Mit einer Laufzeit von 68 Minuten ist der betörend schöne Horrorklassiker zwar viel sehr kurz, dafür aber durch seine wunderschönen geisterhaften Bildkompositionen eine extrem atmosphärische Dichte aufweist, die nur selten in diesem Genre in dieser Genialität erreicht wurde.
Von Beginn an ist der Film von einer düsteren, schicksalhaften Stimmung geprägt, die seine Figuren einfach in dieser destruktiven Dynamik treiben lässt. Dabei verzichtet der Film völlig auf reisserische Szenen, sondern der Horror ist ständig präsent, aber sehr subtil und fast poetisch.
Für mich einer der besten Horrorfilme aller Zeiten. Endlich erscheint der Film auf einer deutschsprachigen DVD. Die Veröffentlichung dieses großartigen Klassikers ist längst überfällig, ein Glück gibt es die Arthaus Retrospektive.
Da hätte ich noch einige Vorschläge für die Zukunft: "Die Wendeltreppe" von Siodmak, "Die kleinen Füchse" von William Wyler oder "Der Fluch der Dämonen" - ebenfalls wie "Ich folgte einem Zombie" ein Klassiker von Altmeister Tourneur.
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5.0 von 5 Sternen Faszinierend düster und schaurig schön spannend, 4. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Arthaus Retrospektive 1943 - Ich folgte einem Zombie (DVD)
Ein grandioses Filmwerk schw./weiß bringt dieser Klassiker die beklemmende Atmosphäre zum Ausdruck.
Eine Frau schwerkrank, eine Krankenschwester/Pflegerin, die hinter diese Krankheit kommt und feststellt,
dass diese von den Beteiligten zum Teil gewollt wurde. Woodoo Kult vom Feinsten.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Leben und sterben lassen, 4. November 2012
Von 
Klein Tonio - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Arthaus Retrospektive 1943 - Ich folgte einem Zombie (DVD)
Vielleicht nur ein Zufall, dass der einzige James-Bond-Film, der sich mit Voodoo beschäftigt, diesen Titel hat. Wie dem auch sei, der vorliegende Film bietet mehr als faulen Zauber. Der Zombie als lebender Toter, das Unerlöstsein des Nicht-Sterben-Könnens, darum geht es. Krankenschwester Betsy (Frances Dee) bekommt eine Stellung auf den West Indies, um die kranke Jessica zu pflegen. Jessica ist aber nicht krank, sondern tot, eben der titelgebende Zombie. Sie ist die Frau des Plantagenbesitzers Holland (Tom Conway), aber allmählich kommt heraus, dass sie wohl mit dessen Halbbruder Rand (James Ellison) durchbrennen wollte. Betsy hat sich unterdessen in Holland verliebt, ist aber reinen Herzens und gedenkt gerade aus Liebe Holland zu helfen und ihm seine Frau zurückzugeben. Um Jessica zu heilen, lässt Betsy sich sogar auf den Voodoo-Kult ein...

Scharlatanerie oder nicht, und was hat die Mutter von Rand mit alldem zu tun? Wichtige, spannende Fragen, über deren Beantwortung nicht allzu viel verraten sei. Ein wenig hat der Film, gemessen an seinem Ruf, enttäuscht. Sicherlich, er ist eine betörend morbid-schöne Komposition von Licht und Dunkelheit in jeglichem Sinne, in der sich Stilmittel des Film Noir mit denjenigen des Horrorfilmes mischen. Indes erscheint mir die optische und vor allem akustische Montage etwas weniger ausgeklügelt als bei Vergleichsfilmen des Produzenten Val Lewton: Katzenmenschen, The 7th Victim, Der Leichendieb. Auch das Drehbuch rangiert unterhalb des vielschichtigeren Textes von "The 7th Victim". Interessant ist sicherlich die Gegenübersetzung der ungleichen Halbbrüder, wobei der düstere Realist Holland in allem vermeintlich Schönen das Hässliche und Gewalttätige sieht ("die See glitzert nur wegen der Millionen toter Fische") und Rand das Bruderzwist-Unglück im Alkohol ertränken will. Letztlich aber verschenkt das Script die literarischen Anspielungen, die "The 7th Victim" so brillant ausführt. "He's strong and silent and very sad, quite the Byronic character", so Rand über Holland in Anspielung auf den auch in "The 7th Victim" vorkommenden Lord Byron. Und: "He uses his words like other men use their fists." Doch davon spüren wir trotz gewisser Ansätze des wie immer distinguierten Tom Conway recht wenig. Die Abgründe, die zu zeigen der Film das Potenzial gehabt hätte, werden schließlich zugeschüttet. Das hat immer noch jede Menge Stil und Atomsphäre, aber ist am Ende doch allzu explizit und deutlich in einem "Alles-ist-nun-in-der-rechten-Ordnung"-Sinne. Die Toten sind tot und die Lebenden können leben, und auch liebesmäßig steht niemand niemandem mehr im Wege. Leben und sterben lassen zum Zwecke des konventionellen Happy Ends - schade!

Ich rezensiere auf der Basis der englischsprachigen DVD als Teil der Val Lewton Collection, die eine gute Qualität und englische Untertitel hat; über die Qualität der Arthouse-Version kann ich nichts sagen. Wer nicht unbedingt deutschen Ton benötigt und es nicht bei einem Film belassen mag, sollte aber auf jeden Fall zu der Kollektion greifen, die noch weitere acht Filme und zwei Dokumentationen bietet; oftmals über Marketplace zu einem vernünftigen Preis. Man braucht dann einen codefreien oder einen US-DVD-Player, bekommt aber gute Qualität, viele Extras und u.a. die oben erwähnten Vergleichsfilme, die meines Erachtens noch besser sind.
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