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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Charisma und Leidenschaft, 10. September 2012
1990 ist Leonard Bernstein im Alter von 72 Jahren gestorben. 2 Jahre zuvor, anlässlich seines 70. Geburtstages, führte der Musikjournalist Jonathan Cott ein umfassendes und ausführliches Interview mit Bernstein. Mehr übrigens ein intensives, stundenlanges (über 12 Stunden) Beisammensein mit Bernstein stand damals im Raum. Weniger ein trockenes Interview mit abzuarbeitenden Fragen. Bei Bernstein zu Hause. Jenem Ausnahmedirigenten, Komponisten und von Musik besessenem Mann, dem kaum ein Musikliebhaber emotionslos und neutral gegenüber stehen konnte. Ein Interview mit einer komprimierten Einführung zur Person.

Aufgrund des Rahmens des „Rolling Stones“, in dem das Interview zum damaligen Zeitpunkt abgedruckt wurde, erschien das ursprüngliche Interview natürlich komprimiert und gekürzt. Nun also legt Jonathan Cott jene letzte Begegnung mit Bernstein, dem Mann, der zu diesem Zeitpunkt sich eigentlich seit Jahren bereits und längst nicht mehr für Interviews zur Verfügung stellte, in voller Breite der Begegnung vor. Und es lohnt sich, 22 Jahre nach dem Tod Bernsteins, sich diesem umfassenden musikalischen Menschen noch einmal zu widmen. Einerseits die persönlichen Seiten (und Marotten) Bernsteins vor Augen führen zu lassen, seine engen Verbindungen mit manchen „Mitstreitern“ (Strawinski, Gould) und seine Animositäten gegenüber dem ein oder anderen Dirigentenkollegen oder Kritiker ebenfalls auf der Zunge zergehen zu lassen.

Ebenso aber, und dies bildet einen der wichtigen Kerne des Gespräches, wird durch die Zeilen auch immer wieder jene Kraft der Musik deutlich, die zeitlos seit Beginn der Zivilisation die menschliche Kultur begleitet. Wenn Bernstein einzelne Stücke mit ganzem Körpereinsatz auch im Interview vorführt, erläutert, seine innere Bewegung, Anrührung beredt verdeutlicht.. Wobei vor allem seine Verehrung für Mahler, aber auch für Beethoven intensiv spürbar wird. An diesen Stellen taucht immer wieder im Gespräch der wunderbare Lehrer Bernstein auf. Er, der über Jahre hinweg vor allem Kindern die klassische Musik nahebrachte, erlebbar machte, er führt auch den Journalisten in die Tiefen mancher Zeiten überdauernder Meisterwerke und ist über all diese vielen Stunden bis spät in die Nacht und früh am morgen präsent, lebendig, leidenschaftlich. Bis dahin, in den frühen Morgenstunden noch eine CD aufzulegen, die nun aber „unbedingt“ noch gehört werden muss.

Fließend wechselten die Themen und hier und da sah sich der Journalist selbst in der Rolle des Befragten, durchaus auch in ganz privater, fast intimer Hinsicht ab und an. Und auch darin spiegelt sich die überfließende, grenzüberschreitende Persönlichkeit Bernsteins. Privat und als Musiker, falls dies bei ihm überhaupt getrennt werden kann, vollständig dem Leben zugeneigt. Nicht zügellos, aber intensiv. Auf dem Dirigentenpult. Beim Komponieren. In seinen erotischen Weitschweifigkeiten und seiner Feierfreude.

„Leben ohne Musik ist undenkbar. Musik ohne Leben ist akademisch“. Die Verschmelzung von Note und Emotion, das „Durcherleben“ des Dirigenten und das „fließen lassen“ dieser inneren tiefen Emotionen in das jeweilige Orchester hinein. Das machte Bernstein aus. Für die einen als Genie, für die anderen als „zappelnder Selbstdarsteller und Egomane“. Immer aber mit ganzem Herzen und ganzer Seele.

„Vor allem war Bernstein in jedem Abschnitt seines Lebens und seiner Arbeit ein grenzenloser Enthusiast“. Ein Kern der Persönlichkeit, den Cott in diesem Buch umfassend von vielen Seiten her mit Bernstein im Gespräch aufnimmt und darstellt.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von der Musikkultur Indiens inspiriert, 21. Februar 2013
Großartig dieser Dialog, nur 11 Tage nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 und vier Wochen vor Bernsteins Konzert in Berlin, wo er am 1. Weihnachtsfeiertag in Berlin Beethovens 9. Sinfonie dirigierte und den Text der "Ode an die Freude" in "Ode an die Freiheit" umformulierte.
„Der Klang der Tempelglocke endet – doch der Ton ist weiterhin zu hören aus den Blumen.“(Matsuo Bashō, jap. Dichter aus dem 17. Jhd.)
Jonathan Cott beginnt das Buch mit dem Zitat des japanischen Haiku-Meisters. Leonard Bernstein spricht davon, wie ihn die indische Musik inspiriert hat:
„Das deutsche Wort Atem kommt aus dem Sanskrit, von Atman (das Selbst, dasjenige, das atmet). Lesen Sie Tristan und Isolde, da steht das Wort Weltatem in Isoldes Liebestod. Ich habe indische Musik und indischen Tanz immer geliebt. Gern erinnere ich mich an eine einwöchige Auf-führung der Uday Shankar Dance Company in der Symphony Hall in Boston. Da war ich neunzehn oder zwanzig. Die Schönheit der Musik und der Tanz von Shankar und seiner ersten Tänzerin Simkie – mit all seinen subtilen Bewegungen der Finger, Hände und Augen – war hinreißend. Ich könnte Ihnen sogar jetzt noch vorsingen, was sie damals sangen, und Ihnen die Musik auf dem Flügel vorspielen. Diese Musik hatte einen großen Einfluss auf mich, und sie beeinflusste auf eine spezifische Weise auch die Musik, die ich danach schrieb. Der musikalische Leiter Vishnudas Shirali erläuterte mir die Ragas und holte die Musiker, die mir die Sitar und die Tabla erklärten. Ich kam jeden Abend, um sie zu sehen – obwohl es genau die Woche war, in der ich in Harvard meine Jahresprüfungen zu absolvieren hatte, aber ich nahm es in Kauf, durchzufallen...“
Ein inspirierendes Buch, ein Feuerwerk an brillianten Gedanken -- 11 Monate vor Bernsteins Tod im Oktober 1990 in New York.

Roland R. Ropers
Religionsphilosoph & Publizist
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glanzstück über die Unkalkulierbarkeit der Kunst, 4. November 2012
Von 
André Beßler (Bremen, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Leonard Bernstein war mit Abstand eine der größten Persönlichkeiten in der Musikwelt des 20. Jahrhunderts. Musik, so denke ich, war für ihn wie ein Geschenk. Ein Geschenk indes, das mit der Zeit nicht kleiner wird oder sich abnutzt, sondern an Größe und Bedeutung gewinnt. Folgt man der Auffassung, dass in künstlerischer Hinsicht nur von Bedeutung ist, was sich nicht allein durch Individualität, durch etwas ganz Einzigartiges ausnimmt, sondern eine eigene Ästhetik hervorbringt, dann kommt man kaum umhin, Bernstein als einen der wenigen Künstler unter den Interpreten zu sehen.

In seiner gefühlsstarken und kreativen Herangehensweise versuchte Leonard Bernstein, die europäische Musiktradition Bachs, Beethovens und Brahms' mit der eigenwüchsigen Entwicklung der amerikanischen Kompositionskunst zu verbinden, die in südamerikanischen Tänzen, in Spirituals und in Jazz-Rhythmen wurzelt. Seine Interpretationen der Werke Mahlers haben sehr zu der Kenntnisnahme und zu der Bedeutung beigetragen, die der Komponist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weltweit erlangt hat. Bernstein war zeitlebens ein sehr politischer Mensch und begleitete das Weltgeschehen mit zahlreichen Essays und Vorträgen, mit seiner Teilnahme an Diskussionen und ganz bewusst als "Kulturbotschafter".

Dem Spross russischer Einwanderer in den USA ging es von seiner Jugend an um eine Welt ohne Grenzanlagen und Stacheldrähte, in der die Farbe der Haut so viel und so wenig über einen Menschen besagt wie die Farbe seiner Augen und in der niemand nach Geschlecht oder Besitz beurteilt wird. Den nahenden Tod vor Augen sprach er mit dem damaligen "Rolling Stone"-Mitarbeiter Jonathan Cott mehrere Stunden lang über klassische und moderne Musik, über Zugänge zur Musik, über Musik im Kontext von Anthropologie und Sprachwissenschaft und über die Welt in ihrem epochalen Wandel. Kurz darauf dirigierte Bernstein zwei historische Konzerte in Berlin (Ost- und Westteil) anlässlich des Mauerfalls - ein Ereignis, das für ihn einen unermesslichen Symbolcharakter und eine ebenso große lebensgeschichtliche Bedeutung hatte. Die Nachricht von Leonard Bernsteins Tod hat einige Monate später selbst erwachsene Männer zum Weinen gebracht.

"Den Menschen in seinen Zeitverhältnissen darzustellen, und zu zeigen, inwiefern ihm das Ganze widerstrebt, inwiefern es ihn begünstigt, wie er sich eine Welt- und Menschenansicht daraus gebildet und wie er sich, wenn er Künstler, Dichter, Schriftsteller ist, wieder nach außen abgespiegelt" (Goethe), das ist eine hohe Kunst. Insbesondere ein biografisches Interview mit einer Legende zu führen (und auszuwerten) war sicher noch nie eine leichte Aufgabe. Doch Jonathan Cott bringt ein sehr sicheres Gespür für überprüfbare Fakten und überlieferte Geschichten mit. Bei den Mengen an Vodka und Rotwein, die hier konsumiert wurden, mag der Leser dann auch darüber hinweg sehen, dass Cott manch inkohärente Ausführung Bernsteins wie die über eine vermeintliche Liaison zwischen Gustav Mahler und Bruno Walters Ehefrau nicht einfach außen vor lässt.

Obwohl Jonathan Cott gleichermaßen zu den Bewunderern des Jahrhundertgenies wie des Menschen Leonard Bernstein gehört, bringt er eine ausreichende Distanz auf, um nicht in peinliche Heldenverehrung zu verfallen. Diesen Menschen Leonard Bernstein wahrnehmbar zu machen, den wir als unvergleichlichen Dirigenten, Komponisten, Pianisten, Musikpädagogen und Autor kennen, ist ein großes Verdienst des Journalisten und Musikers Jonathan Cott. Ein besonderer Dank gebührt der lieben Elke Heidenreich, die dieses außergewöhnliche Interview in ihrer Edition einem größeren Publikum zugänglich gemacht hat.
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5.0 von 5 Sternen Leonhard Bernstein: Kein Tag ohne Musik, 15. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Leonard Bernstein: Kein Tag ohne Musik (Kindle Edition)
Ein beigeisterndes Buch.
Voller Wohlwollen dem Gesprächspatner gegenüber. Intelligente, geistreiche herzliche Menschen, die sich da getroffen aben.
LB sprüht aus jeder Pore, trotz Krankheit und Alters.
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5.0 von 5 Sternen Super!, 6. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich bin begeistert und kann das Werk nur empfehlen. Toll geschrieben und viele Informationen. Absolute Kaufempfehlung! Ich lese nicht konstant, nehme es immer mal wieder in Hand und tauche ab in die Welr des Leonard Bernstein
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5.0 von 5 Sternen Wunderbarer Lesegenuss, 18. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Leonard Bernstein: Kein Tag ohne Musik (Kindle Edition)
Das Buch ist sowohl für Bernstein- Fans, wie für Musikliebhaber ein Lesevergnügen. Musikgeschichte und -Geschichten, nette und witzige Anekdoten, machen das Buch zu einem kurzweiligen Zeitvertreib .
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Leonard Bernstein: Kein Tag ohne Musik
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