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24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 1947, in einer zerstörten Stadt.
Nach dem Kältewinter 1946/47 folgt in Hamburg ein ungewöhnlich heißer Frühling. Nach wie vor ist die Versorgung der Bevölkerung der zerstörten Hansestadt schwierig und auch die Wohnungssituation entspannt sich nur kaum merklich. Zudem schürt die Britische Besatzungsmacht mit dem Abbau und teilweise sogar der Sprengung wichtiger...
Veröffentlicht am 4. November 2012 von dubh

versus
1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schwach
Eine schwaches Buch. Jede Seite lässt erkennen, dass der Autor ursprünglich aus einem anderen literarischen Genre kommt. Und dort sollte er auch in Zukunft seinen Schwerpunkt legen. Für das Schreiben von Krimis fehlt es an Talent. Die Handlung wirkt gekünstelt, die Charakterzeichnungen sind oberflächlich und die Dialoge grenzen häufig...
Vor 1 Monat von Jordan veröffentlicht


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24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 1947, in einer zerstörten Stadt., 4. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Schieber (Gebundene Ausgabe)
Nach dem Kältewinter 1946/47 folgt in Hamburg ein ungewöhnlich heißer Frühling. Nach wie vor ist die Versorgung der Bevölkerung der zerstörten Hansestadt schwierig und auch die Wohnungssituation entspannt sich nur kaum merklich. Zudem schürt die Britische Besatzungsmacht mit dem Abbau und teilweise sogar der Sprengung wichtiger Hafenanlagen Angst unter den Hafenarbeitern...
In dieser Zeit wird in der Ruine einer Lagerhalle auf einer Blohm & Voss-Werft ein toter Junge auf einem noch scharfen Blindgänger gefunden und Oberinspektor Frank Stave wird mit dem Fall betraut. Dieser macht sich mit dem britischen Lieutenant James MacDonald auf die Suche nach dem Mörder - doch zuerst einmal müssen sie wissen, was der 14jährige überhaupt an diesen Ort zu suchen hatte. Nach und nach erfährt Stave, wie sich Kinder und Jugendliche ohne Eltern in Hamburg über Wasser halten. Aber auch privat gibt es beim Oberinspektor einige Neuigkeiten, die es erst einmal zu verdauen und auch zu regeln gilt, und dann kommen noch weitere zwei Leichen hinzu...

Im Grunde wird die Beschreibung "Kriminalroman" auf dem Cover des Buches dem Inhalt nicht gerecht, denn beim "Schieber" handelt es sich viel mehr als 'bloß' um einen Kriminalroman. Natürlich ist Frank Stave Polizist und ermittelt gemeinsam mit Kollegen und dem britischen Lieutenant MacDonald rund um dem Mord an Adolf Winkelmann, einem verwaisten Hamburger Jungen - aber dabei sind die Beschreibungen der zerstörten Stadt und der Lebenssituatonen verschiedenster Menschen einfach so atmosphärisch dicht, dass sie mich wirklich in diese Zeit haben eintauchen lassen! An einigen Stellen habe ich gedacht, dass es mir im Geschichtsunterricht sicherlich gut gefallen hätte, wenn ich die beiden Bücher um Frank Stave als Empfehlung auf einer Literaturliste bekommen hätte. Denn mal ehrlich: die Fakten und Zahlen über den II. Weltkrieg sind schockierend und ernüchternd, aber zum Alltag der Menschen auch in Deutschland sagen sie nicht so viel aus, dass man sich das im Detail wirklich vorstellen kann. Bei und nach der Lektüre von "Der Trümmermörder" und "Der Schieber" konnte ich das, denn Cay Rademacher führt dem Leser einfache, normale Menschen der damaligen Zeit vor, stattet sie mit unterschiedlichen und realistischen Vorgeschichten und politischen Meinungen aus und zeigt, wie sie nach der Befreiung unter schwierigen Bedingungen ihr Leben meistern. Besonders gut gefällt mir dabei, dass durch den britischen Soldaten MacDonald noch eine weitere Facette hinzukommt: der Blick eines 'Siegers' auf die einzelnen Deutschen, mit denen er zu tun hat - gerade auch, weil er im beinahe Alltäglichen durchaus differenziert und klug beobachtet.
Dass auch diesem Fall von Stave einen tatsächlicher historischer Fall zugrunde liegt, macht das Buch im übrigen nicht weniger spannend und wenn man ehrlich ist, erfahren hier Leser, die an der jüngeren deutschen Geschichte interessiert sind, einmal wieder, dass diese genug Stoff bietet, der erfundenem Thrill in nichts nachsteht - wenn nicht sogar besser ist! Vor allem, wenn ein Roman so überzeugend recherchiert wurde, wie dieser - aber alles andere würde bei einem Autoren wie Cay Rademacher ja eh verwundern...
So bleibt mir nur zu sagen, dass ich den "Schieber" ebenso gerne wie den ersten Band "Der Trümmermörder" gelesen habe und mir die Figuren - allen voran natürlich Frank Stave und James MacDonald - noch mehr ans Herz gewachsen sind! Nicht nur, dass ich ihre Ermittlungen mit meinen Spekulationen verfolge, nein, ich leide schon förmlich bei ihren persönlichen Problemen mit und hoffe auch nach diesem Teil, dass sich für beide alles zum Guten wendet!
Das einzig Bedauerliche an Der Schieber ist letztlich lediglich die Wartezeit auf den nächsten Fall!

Fazit: Eine unbedingte Empfehlung an alle Krimileser, die authentische Atmosphäre und historische Fakten schätzen!
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein guter zweiter Teil, 29. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Schieber (Gebundene Ausgabe)
Der zweite Band von Cay Rademacher um den Oberinspektor Stave und wie schon im ersten Teil war ich auch diesmal davon begeistert, wie der Autor die Stimmung eingefangen hat. Er hat es wieder geschafft, das Hamburg im Jahr 1947 lebendig werden zu lassen. Um einen Kriminalfall herum lernen wir die Gegebenheiten Hamburgs kennen, die Lebensumstände werden dem Leser auf interessante, spannende und packende Weise näher gebracht. Der Neuanfang nach dem Krieg, die Heimkehr des Sonnes – der Neuanfang mit der neuen Partnerin. Dabei der Kriminalfall, der der Mittelpunkt der Handlung ist, aber dennoch nicht zuviel Raum einnimmt und überspitzt wirkt – denn das zwischenmenschliche ist ein wichtiger Bestandteil des Buches. Das macht die besondere Atmosphäre des Buches aus. Die Charaktere sind sehr glaubhaft dargestellt, mit all ihren Schwächen, Gedanken und Gefühlen, der Schreibstil klar und unverschnörkelt – dem „Rahmen“ entsprechend. Ich hoffe nun, es gibt noch einen weiteren Band, denn ich wüsste schon sehr gern, wie es mit all den liebgewonnenen Charakteren weitergeht.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rätselhafter Kriminalfall im Hamburg der Nachkriegszeit, 28. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Schieber (Audio CD)
Die Geschichte beginnt 1947 in Hamburg. Oberinspektor Stave, der bereits in Rademachers Geschichte „Der Trümmermörder“ ermittelt, ist auch diesmal wieder die Figur, die im Mittelpunkt des Ganzen steht. Mit dem Fund eines kleinen Jungen, der erstochen auf einer nicht gezündeten Bombe liegt, beginnt ein neuer, rätselhafter Fall.

Die Geschichte ist sehr detailliert geschildert, sodass der Hörer fast das Gefühl hat, selbst du die zerbombten Straßen und verlassenen Ruinen zu streifen.

Burghardt Klaußner, der schon den Vorgänger „Der Trümmermörder“ mit seiner Stimme aufleben ließ, baut nun das zweite Mal das noch größtenteils zerstörte Hamburg um den Hörer herum auf. Insbesondere die Darstellung der verschiedenen Charaktere durch unterschiedliche Stimmen gelingt Klaußner ganz ausgezeichnet: Er variiert in verschiedenen Dialekten und Akzenten, vom amerikanischen Akzent bis zum Hamburger Dialekt, mal ist seine Stimme rau und polternd, dann wieder ruhig und sanft.

Fazit:
Rademacher hat nach „Der Trümmermörder“ auch mit „Der Schieber“ einen Krimi geschrieben, der erfrischenderweise jenseits der herkömmlichen Krimi-Schauplätze in der heutigen Zeit spielt. Trotzdem liefert er einen spannenden Krimi, der absolut hörenswert ist – wozu Burghardt Klaußner als facettenreicher Sprecher auch einiges zu beiträgt.
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kinder, die sich in der Nachkriegszeit allein durchschlagen, 17. August 2012
Von 
Buchdoktor - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Schieber (Gebundene Ausgabe)
Im Sommer 1947 ist im kriegszerstörten Hamburg unter Britischer Militärverwaltung die Bewältigung des Alltags noch immer eine tägliche Herausforderung. Ganze Straßenzüge sind zerbombt, viele Menschen leben in Baracken oder Bunkern und Lebensmittel werden noch immer auf Lebensmittelkarten zugeteilt. Einige tausend elternlose Kinder schlagen sich in der Stadt mit Kohlenklau von fahrenden Eisenbahnzügen und Schwarzmarktgeschäften durch. Davon sind (laut Rademachers Nachwort) allein eintausend so genannte Wolfskinder, die ohne Erwachsene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten flüchteten. Der Hafen ist zerbombt, gesunkene Schiffe versperren die Fahrrinnen. Als auf dem Gelände der Werft Blohm und Voss in Steinwerder (die englisches Sperrgebiet ist) ein Jugendlicher erstochen aufgefunden wird, arbeitet der deutsche Oberinspektor Frank Stave von der Hamburger Kripo mit Lieutenant MacDonald von der Britischen Besatzungsarmee zusammen. Die halboffizielle Zusammenarbeit zwischen der Hamburger Kripo und den "Tommies" illustriert sehr gelungen, wie kompliziert das Zusammenleben von Besatzungsmacht und den Bürgern im besetzten Nord-Deutschland war. Von der Hamburger Polizei wird der Einsatz für Recht und Ordnung erwartet, Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Briten Benzin für den Fuhrpark, die "Peterwagen", bewilligen. Ermittlungen auf dem Werftgelände sind eine heikle Sache, da die Militärregierung gerade die Demontierung der Produktionsanlagen angeordnet hat und die zum großen Teil in der KPD organisierten Werftarbeiter das durch aktiven oder passiven Widerstand verhindern wollen. Ein Fächer von Mordmotiven bietet sich den Ermittlern an. Der Junge, den offenbar noch niemand vermisst, könnte sich als Schmuggler oder Schieber Feinde gemacht haben, er könnte aber auch den Interessengruppen um die Schiffswerft in die Quere gekommen sein. Als seine Angehörigen ausfindig gemacht sind, zeigt sich, dass Adolf in der damaligen Zigarettenwährung sehr wohlhabend war. In welche Schiebereien war der Junge verwickelt?

Frank Stave hatte es während des Nationalsozialismus irgendwie fertiggebracht, seine Stelle zu behalten, obwohl er kein Parteimitglied war. Als Sozialdemokrat fühlte er sich nur im Geheimen. Eine politisch weiße Weste erregt natürlich den Neid seiner Kollegen, an denen er auf der Karriereleiter vorbeiziehen könnte. Stave ermittelt verbissen im Fall des toten Jungen, weil er nur schwer akzeptieren kann, dass um die elternlosen Wolfskinder niemand trauert. MacDonald, sein britischer Partner, handelt weniger altruistisch. Er hat eine Affäre mit Staves Sekretärin, die noch nicht von ihrem ersten Mann geschieden ist, und fürchtet auf einen Posten am entfernten Rand des Empires abgeschoben zu werden, falls er in diesem Fall nicht mir Ergebnissen glänzt. Das binationale Ermittlerteam gerät unter Handlungsdruck als weitere tote Jugendliche gefunden werden.

Neben einem spannenden Kriminalfall und den sorgfältig recherchierten Lebensbedingungen der Nachkriegsjahre hat mich besonders beeindruckt, wie tief der Autor seine Leser in Frank Staves seelische Verfassung blicken lässt. Der Ermittler hat seine Frau bei einem Bombenangriff verloren und kann sich im zweiten Jahr nach Ende des Kriegs nur schwer auf die Liebe zu seiner Freundin Anna einlassen. Auch die Beziehung zu Staves Sohn, den er zuletzt mit 17 Jahren gesehen hat, bevor der Junge sich zur Wehrmacht verpflichtete, ist noch ungeklärt. Rademacher lässt die trockenen Fakten über den Alltag zur Zeit der Hamsterfahrten und Schwarzmarktgeschäfte im Nachkriegsdeutschland erstaunlich lebendig werden. Meine Erwartung an einen historischen Krimi hat das Buch noch übertroffen und ich habe mich neugierig gefragt, wer wohl Rademachers Zeitzeugen für diesen Krimi gewesen sind.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Verlorene Kinder, 23. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Der Schieber (Gebundene Ausgabe)
»Bis Mai 1947 registrierte der Suchdienst des Roten Kreuzes und der beiden großen Kirchen in Hamburg etwa 40.000 elternlose Kinder: Waisen, die im Bombenhagel oder durch andere Kampfhandlungen Mütter und Väter verloren hatten. Für 21.000 Mädchen und Jungen machten die Helfer keinen einzigen Verwandten ausfindig, bei dem diese unterschlüpfen konnten. Mehr als 1.000 dieser verwaisten Kinder lebten nicht in Heimen, sondern schlugen sich, allein oder in Banden, in der verwüsteten Stadt durch. Sie hausten in selbstgebauten Unterkünften, in Nissenhütten oder Hochbunkern. Sie verdingten sich als Handlanger des Schwarzmarktes, als Kohlenklauer, Diebe oder Prostituierte.«

Eines dieser elternlosen Kinder ist es scheinbar, das Oberinspektor Frank Stave an diesem heißen Maitag des Nachkriegsjahres 1947 findet. Ermordet und liegend auf einem Blindgänger, mitten in den Ruinen einer Hamburger Werft. Wie kam der Junge dorthin – ins Sperrgebiet? Wer hat ihn brutal ermordet und wieso liegt die Leiche auf einer englischen 500-Pfund-Bombe?
Stave nimmt die Ermittlungen auf und hat schon bald einen alten Bekannten an seiner Seite: Lieutenant James C. MacDonald von den britischen Besatzungstruppen.
»Ich soll meinem eigenen Vorgesetzten nicht sagen, dass ein englischer Offizier bei den Ermittlungen mitmischt?«
»Schön, dass wir uns so gut verstehen«, erwidert MacDonald fröhlich. »Die Dinge sind schon kompliziert genug.«

Dieser Krimi bietet dem Leser gute Unterhaltung plus einer reichlichen Portion Zeitgeschichte. Da gibt es detaillierte Beschreibungen des zerbombten Hamburg und seiner zerstörten Hafenanlagen. Die englischen Besatzungstruppen sind ein weiteres großes Thema und die von ihnen erzwungene Demontage der Werft von Blohm + Voss.
Ferner geht es um das normale Leben des Durchschnittsbürgers, das sich um Verlust, vermisste Personen, Kriegsgefangenschaft, traumatische Kriegserlebnisse, Lebensmittelkarten, Schwarzmarkt und Neuanfänge dreht. Und es geht um das Leben der vielen Kinder, die durch den Verlust ihrer Eltern plötzlich gezwungen waren, sich irgendwie allein durchzuschlagen. Wobei es sogar da noch Unterschiede gab, denn es gab die „normalen“ Waisen und es gab die sogenannten Wolfskinder.
»Wolfskinder – so nennen sich die Mädchen und Jungen aus dem Osten. Die Waisen, die in den Kämpfen oder bei der Flucht aus Ostpreußen und Schlesien ihre Eltern verloren haben. Erschossener Vater, zu Tode vergewaltigte Mutter, verbrannter Hof. Trecks über Eis und Schnee. Kinder, die wie Wilde aus der Vorzeit in Wäldern und Mooren überleben, die betteln, stehlen, essen, was ihnen vor die Hände kommt. Manche kennen nicht einmal ihren Namen. Hausen in abgebrannten Scheunen und zertrümmerten Häusern. Schlagen sich irgendwann durch bis in die Westzonen. Ein paar Hundert sollen in Hamburgs Ruinen hausen.«

Stave geht das Schicksal dieser Kinder sehr nahe. Zumal es nicht bei diesem einen toten Jungen bleibt. Private Sorgen hat er außerdem, denn sein Sohn befindet sich noch immer in russischer Kriegsgefangenschaft. Und nachts plagen ihn Alpträume, in denen er wieder und wieder erlebt, wie seine Frau bei einem Fliegerangriff ums Leben kam.

Im Grunde könnte man also meinen, dass man es als Leser hier mit einem Buch zu tun hat, das einem aufgrund des ernsten Themas zusetzt. Tatsächlich gibt es aber immer zwischendurch Passagen, in denen ich lachen musste – und das liegt an Staves „Partner“, Lieutenant MacDonald. Die beiden haben sich bei einem früheren Fall Staves kennengelernt und zum beiderseitigen Erstaunen angefreundet. Und während Stave die personifizierte Ernsthaftigkeit ist, ist MacDonald – nun ja – eher das Gegenteil. Als Folge daraus gibt es herrliche Wortgefechte zwischen den beiden, da wird gefrotzelt und mit sarkastischen Bemerkungen geglänzt.
»Ich mache mir keine Sorgen, ich stelle Fragen. Zum Beispiel: Weiß Ihr Colonel, dass wir uns seine Yacht ausleihen?«
»Selbstverständlich nicht.«
»Patrouillieren nachts auf der Elbe englische Boote?«
»Selbstverständlich ja. Wir müssen vorsichtig sein. Und spät losfahren.«
»Und wenn uns doch jemand erwischt?«
»Zücken wir unsere Ausweise und erfinden irgendeine Geschichte.«
»Welche?«
»Noch ist mir keine eingefallen. Ich denke darüber nach, wenn ich den Suchscheinwerfer eines Patrouillenbootes aufleuchten sehe.«
»Schön, dass wir so gut vorbereitet sind.«

Nach dem „Trümmermörder“ muss Frank Stave hier seinen zweiten Fall lösen. Erneut schafft es der Autor, aus dem zeitgeschichtlichen Hintergrund eine passende Kriminalhandlung zu entwickeln. Auch Staves Seelenleben wird sehr schön skizziert, ich stellte für mich fest, dass ich gleichermaßen an seinen privaten Problemen wie an der Auflösung des Falls interessiert war. Es ist nicht notwendig, den „Trümmermörder“ zu kennen, obwohl ich dieses Buch auch sehr empfehlen kann ;-)

Fazit: Intelligente Krimihandlung mit viel Zeitgeschichte, Stoff zum Nachdenken und einigen sehr unterhaltsamen Dialogen.

»Verlorene Kinder, verlorene Familien. Das haben wir ihnen angetan, denkt er, wir Älteren. Wir machen sie zu Waisen, wir zertrümmern ihre Welt, wir stoßen sie herum, wir kümmern uns einen Dreck um sie. Werden wir am Ende wenigstens ihre Mörder bestrafen?«
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geschichtsstunde der besonderen Art, 2. Dezember 2014
Von 
Stephan Seither (Berg / Rheinland-Pfalz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Schieber (Gebundene Ausgabe)
Der wenige Wochen zurückliegende Hungerwinter 1946/47 wird von einem ungewöhnlich warmen Frühling abgelöst. Erneut greift der Autor die angespannte Versorgungslage der Bevölkerung auf, thematisiert am Beispiel sog. "Wolfskinder" die Schicksale heimatloser Kriegsflüchtlinge, beschreibt die verwüstete Hansestadt Hamburg.

An der Seite von Oberinspektor Frank Stave wird deutlich, mit welchen Sorgen und Nöten, sowohl die Zivilbevölkerung als auch die im Aufbau befindliche Verwaltung der Nachkriegsjahre zu kämpfen hatte - atmosphärisch sehr dicht beschrieben, großartige Unterhaltung.

Cay Rademacher entwickelt seine Figuren hervorragend - man nimmt schnell Anteil an den glaubhaft dargestellten Lebensläufen. Man fiebert z.B. der Rückkehr des Sohnes "unseres" Oberkinspektors, aus russischer Kriegsgefangenschaft entgegen, ist gespannt auf die Entwicklung der frischen Beziehung zwischen Frank Stave und Anna von Veckinghausen. Man möchte wissen, womit sich der umtriebige Staatsanwalt Ehrlich beschäftigt. Was wohl aus dem britischen Lieutenant James C.McDonald und dessen schwangerer Eroberung, Staves Sekretärin Erna, wird.... - das Buch ist voller interessanter Einblicke.

Bei der gebotenen Unterhaltung verzeiht man am Ende durchaus den eher bescheiden geratenen Kriminalfall, dessen Auflösung meiner Meinung nach zu vorhersehbar ist.

Fazit: Von meiner Seite 4 Sterne für eine absolut lesenswerte "Geschichtsstunde der besonderen Art"
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hamburg und sein verletztes Nachkriegsantlitz, 7. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Schieber: Kriminalroman (Kindle Edition)
Wer Krimis mit Lokalkolorit mag und noch dazu ein Faible für Hamburg hat, der sollte unbedingt Cay Rademacher in seine Favoritenliste aufnehmen.
Zum Jahreswechsel gab’s den „Trümmermörder“ als Gratis-ebook und der machte schon „Lust auf mehr“ und nun gibt’s den „Schieber“ –zwar nicht geschenkt- dafür ist er aber jeden Cent wert.
Die gekonnte Mischung aus Nachkriegskrimi, historischem Rückblick in eine kriegsversehrte Weltstadt und Psychogramm der in diesem Umfeld Handelnden lässt keinen Wunsch nach spannender Unterhaltung oder nachdenklichem Mitgefühl offen.
Zum Glück beinhalten viele Charaktere noch so viel Entwicklungspotential, dass man auf Fortsetzung hoffen darf.
Auch die Authentizität der unmittelbaren und von extremen Entbehrungen gezeichneten Nachkriegszeit unter den Augen der Siegermacht ist – zumindest aus der heutigen Rückschau – verblüffend. Wie viele solcher dramatischen Erinnerungen mögen bereits vom Mantel der Geschichte zugedeckt sein? Gut, dass Autoren wie C.R. solchen Quellen ihre Erinnerungen entlocken und gekonnt einen Krimi drumherum weben.
Unbedingte Leseempfehlung!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichte erleben, 24. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Schieber (Gebundene Ausgabe)
Eine facettenreiche Geschichte in einer der schwierigsten Zeiten der jüngeren Geschichte. Kaum ist der Trümmermörder gestellt, wird Oberinspektor Stave mit der Aufklärung eines weiteren Mordes beauftragt. Die Ermittlungen führen dabei in die Schattenwelt des organisierten Hamburger Schwarzmarkts. Im ersten Teil war die Szenerie Vordergründig. Nun ist es das Schicksal der Charaktere. Ob Wolfskinder oder Kohlenklauer inmitten von Gewalt und Prostitution, gebrochene Heimkehrer, rechtschaffende Bürger und findige Geschäftsleute, sie alle versuchen am Rande der Legalität ein neues Leben zu finden.

Mit deutlich höherem Tempo als noch beim Trümmermörder treibt Cay Rademeier den Fall voran und verleiht den Charakteren sehr viel Tiefe. Ich freue mich jetzt schon auf mehr. Geschichten von Karl und dessen Erlebnisse im Gulag, finden Anna und Frank wieder zusammen und was wird aus Erna, MacDonald und ihrem Glück?
Die Ereignisse der Nachkriegszeit bieten jedenfalls noch genügend spannenden Stoff für diese großartige Reihe.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein sehr gut recherchierter Roman, 31. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Schieber (Gebundene Ausgabe)
Ich habe diesen Roman ohne Vorkenntnis des Vorgängerbandes "Der Trümmermörder" gelesen, was aber kein Problem war, ich hatte nicht das Gefühl, daß mir wichtige Informationen fehlen würden.

Die historischen Fakten dieses Kriminalromans haben mich am meisten fasziniert: der Autor schafft es mühelos, Historie mit Fiktion zu verbinden. Der historische Teil ist sehr gut recherchiert, selbst kleinste Details sind geschichtlich belegt - ich habe durch diesen Roman mehr über die damalige Nachkriegszeit erfahren als jemals in einem Geschichtsunterricht.

Zum Beispiel waren mir die Kohlen- und Wolfskinder und deren Schicksal weitgehend unbekannt, die Geschichten hinter diesen Kinder sind teilweise erschütternd und ergreifend. Man bekommt einen guten Einblick in die Schmuggler-Szene der damaligen Zeit und erlebt Hamburg unter britischer Besatzung.

Wenn man mit Stave im zerbombten Hamburg unterwegs ist, hat man das Gefühl, die Trümmer zu sehen und den Staub zu schmecken, der sich auf die Stadt gelegt hat. Die detaillierten Ortsbeschreibungen sind ebenfalls ein großer Pluspunkt dieses Romanes.

Der Kriminalfall selbst ist spannend und das Motiv ist - für unsere heutigen Verhältnisse - überraschend, aber eben passend für die damalige Zeit.

Die Beziehung Staves zu seinem Sohn Karl ist sehr einfühlsam beschrieben, man spürt in den Zeilen regelrecht die Verzweiflung, die Scham und das Unvermögen der Beiden, über die Nazi-Zeit und ihre konträren Haltungen damals zu sprechen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Toll recherchiert und geschrieben, 22. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Schieber (Gebundene Ausgabe)
Gut - ich gebe zu - der erste Fall von Oberinspektor Stave ("Der Trümmermörder") hat mir noch besser gefallen. Aber "Der Schieber" ist auch sehr gelungen. Nach dem furchtbaren Kältewinter 1946/47 ist es nun im Sommer 47 wahnsinnig heiß. Es ist, als ob das Wetter die Menschen auch noch bestrafen möchte. In dieser Affenhitze muss Stave wegen eines ermordeten Jungen ermitteln, Lieutenant MacDonald steht aus anderen Gründen unter großem Druck und dann taucht eine weitere Leiche auf....
Toll recherchiert, super spannend zu lesen, ich werde mir auch "Der Fälscher" besorgen.
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Der Schieber: Kriminalroman
Der Schieber: Kriminalroman von Cay Rademacher
EUR 7,99
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