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69
4,7 von 5 Sternen
Halt auf freier Strecke
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34 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Simone Lange(Steffi Kühnert) schreit es ihrem Mann Frank(Milan Peschel) ins Gesicht. Anders erreicht sie ihn nicht mehr. Gerade erst haben die beide ein Haus gekauft und sind mit den Kindern Lili(Talisa Lili Lemke) und Mika(Mika Nilson Seidel) dort eingezogen. Nachdem Frank über Kopfschmerzen klagte, suchte er einen Arzt auf. Der Befund: Ein inoperabler Gehirntumor, der in wenigen Monaten für den Tod Franks sorgen wird. Die Welt der Langes zerbricht in Tausend Stücke. Die Kinder müssen informiert werden und Franks bevorstehender Tod will auch bürokratisch "abgesichert" sein. Franks Gesundheitszustand verschlechtert sich dramatisch, die Kinder erleben den Niedergang des Vaters mit. Simone ist der Turm in der Schlacht; sie reibt sich für Frank und die Familie auf. Wären da, außer den Kindern und Verwandten, nicht noch Menschen, die Simone helfen würden, sie käme nicht mehr klar. Doch ihr Begleiten von Franks Tod zeigt, dass das Leben in der Familie Lange einen zentralen Platz einnimmt. Daran wird auch Franks Tod nichts ändern...

Was für ein mitfühlendes, herzergreifend realistisches Drama um eine ganz normale Familie. Andreas Dresen hat keinen Filter vor die Kamera gesetzt, als er -Halt auf freier Strecke- gefilmt hat. Ganz nah und manchmal beklemmend dicht ist er an Frank und seiner Familie dran. Da ist die unglaubliche Angst vorm Sterben, aber auch die Sorge, dass man als Familienmitglied seine Rolle nicht erfüllen kann. Mittendrin Frank, der kaum noch in der Lage ist, eigene Entscheidungen zu treffen. Dresen nutzt dabei alle filmischen Mittel. Wenn er z.B. den Gehirntumor personalisiert und als Gast in die Harald Schmidt Show schickt, so mag das zunächst sonderbar erscheinen, ist aber als Metapher für den nahenden Tod eine geradezu geniale Lösung.

Wie Steffi Kühnert und Milan Peschel das Paar am Ende des Weges spielen, das ist ganz große Filmkunst. Nicht umsonst wurde -Halt auf freier Strecke- mehrfach ausgezeichnet. Wenn Peschel als Frank seine Handy-Videoaufnahmen macht und uns mit in sein Leben nimmt, dann zerreisst es einem fast das Herz. Auch hier hat Dresen alles richtig gemacht.

-Halt auf freier Strecke- beginnt beklemmend und wortkarg. Doch nach und nach entwickelt sich eine Geschichte, die sich so, oder so ähnlich, in vielen Familien auf der ganzen Welt abspielt. Wir schauen meist erst hin, wenn es uns selbst betrifft. Es täte uns aber gut, die Augen auch ein wenig weiter blicken zu lassen. -Halt auf freier Strecke- ist ein Beitrag ganz genau dafür: Das Leid anderer zu erkennen und dem Tod nicht wort- und hilflos gegenüber zu stehen. Andreas Dresen hat das hervorragend umgesetzt und ich kann ihnen den Film nur mit einem großen Ausrufezeichen ans Herz legen.
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52 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 500 REZENSENTam 27. August 2012
FILM Bewertung (Review): HAUPTSACHE !!

Es gibt wenige Filme die schon nach wenigen Sekunden ein Gefühl maximaler Beklemmung und Betroffenheit auslösen. HALT AUF FREIER STRECKE gehört dazu und eigentlich können die banalen Worte dieser Rezension nur schwer ausdrücken wie beeindruckend dieses Meisterwerk gelungen ist. Das Wort "Meisterwerk" benutze ich nie, aber formale Anforderungen an eine Filmkritik treten angesichts dieses Films gerne in den Hintergrund und was bleibt ist der Eindruck das wahre Leben gesehen zu haben. Die glaubhafte Darstellung des Frank der einen bösartigen Hirntumor mit noch einigen Monaten Lebenszeit diagnostiziert bekommt und seiner Frau Simone und den Kindern wirkt so realistisch wie ein Dokumentarfilm.

Er holt den den Zuschauer nach wenigen Sekunden voll in das Geschehen und lässt ihn dort nicht mehr raus. Wer sich bewusst für den Film entschieden hat, nimmt teil an den letzten Monaten von Frank, seiner zunächst überforderten, aber kämpferischen Familie voller familiärer Liebe und den rührenden Kindern die mit der Situation auch reifen. Sämtliche "Darsteller" - wenn man sie so nennen will - sind hervorragend besetzt und diverse Rollen wie die Ärztin für häusliche Pflege, der Arzt usw. sind authentisch und keine Schauspieler. Der Film verknüpft in hervorragender Weise mehrere Ebenen. Da ist zunächst einmal das persönliche Videotagebuch das Frank von sich und seinem Umfeld mittels seines Smartphones führt.

Der Film hat auch unerwartete surreale Momente und so wird sein Tumor von einem Schauspieler verkörpert, der dann in der Harald-Schmidt Show und anderen Medien auftaucht und sich am Schluss auch zu Frank ins Sterbebett gesellt. Die Botschaft ist, sein Schicksal anzunehmen und das Beste daraus für sich und die Familie zu machen. Der Film ist ein nicht steigerbares Plädoyer für das Sterben im eigenen Familienumfeld und Haus trotz der großen damit verbundenen Belastung für die Familie. Die Freigabe von FSK 6 halte ich aufgrund der ungeschönten und teils radikal-authentischen Darstellung ausnahmsweise für zu niedrig, eine FSK 12 wäre angemessen.

Man könnte noch so viel mehr über die extrem gelungene Darstellung ohne überflüssige Sentimentalität in HALT AUF FREIER STRECKE sagen. Aber genug der lapidaren Worte angesichts dieses Stück wahren Lebens. Wer auch nur ansatzweise im persönlichen Umfeld mit Schwerst-, Demenz- oder Alzheimerkranken im Endstadium zu tun hatte kann nachvollziehen, wie beängstigend realistisch HALT AUF FREIER STRECKE gelungen ist.

5/5 Sternen (selten so klar wie bei diesem Film)

MEDIUM (Blu-ray/DVD) Bewertung (Review): NEBENSACHE !!

- BILD: neutrales Bild ohne Schwächen, niedrige Auflösung in den Smartphone-Szenen
- TON: dialogorientiert, Räumlichkeit kaum genutzt, Blu-ray + DVD: DD 5.1 + DD 2.0
- EXTRAS: sehr umfassend: 32-seitiges Booklet, Interviews mit Andreas Dresen, Milan Peschel, Audiokommentar Andreas Dresen, Trailershow u.a.
- SONSTIGES: FSK 6 (FSK 12 wäre angemessener)
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. November 2014
Dachte ich hätte so ziemlich Alles zum Thema gesehen, gelesen usw.
Dann kommt dieser deutsche Film daher und haut mich um.
Mit einer brautalen Intensität bringt einen dieser Film an die Grenze des aushaltbaren.
Von der ersten bis zur letzen Minute nimmt man Teil am Leben der Familie, zunächst die lethale Diagnose, die einen lähmt, dann das langsame qualvolle "Verrecken" über die Monate, das langsam immer weniger werden......, und man ist am Ende befreit und nahezu glücklich weil der Papa endlich gehen durfte.
Alles ohne Hollywood, ohne Swimmingpool, Schmachtmusik und sterbefreundliche Ein und Ausblendungen mit netten Lichteffekten.
Der Tod ist hässlich und macht den Patienten auch nicht schöner über die Monate.
Ein widerlicher, hässlicher Film über das Sterben und grade eben deswegen so erhaben und würdevoll.
Ich neige mein Haupt vor den Darstellern und vor dem Regisseur.
Ganz ganz grosses Kino, ach nein, so viel mehr.
Das IST LEBEN UND STERBEN so wie es ist.
Danke dafür.
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24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
(Rezension bezieht sich nur auf den Film)

Mit Anfang 40 möchte man sich normalerweise noch nicht so gerne von der Welt verabschieden. Doch das genau droht Frank, der erfährt, dass ein bösartigen Tumor in seinem Kopf wuchert und er möglichst bald seine Angelegenheiten regeln sollte. Doch nicht nur für ihn, sondern auch für seine Ehefrau und die beiden Kindern beginnt damit eine Zeit, in der die Leichtigkeit des Alltags gänzlich verloren geht. Mit Fortschreiten der Krankheit verliert Frank nach und nach die Kontrolle über Fähigkeiten, die man als gesunder Mensch nur all zu gerne als selbstverständlich betrachtet. Bald schon kann seine Frau die Versorgung nicht mehr alleine stemmen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, Tage, die nicht mehr als gewonnener Aufschub sondern zusehends nur noch als Belastung betrachtet werden.....

Ein Film, der an die Nieren geht. Keine Frage. Ein Thema, das man gerne beiseite schiebt, solange man nicht selber betroffen ist. So steht zunächst die Frage im Raum, ob man sich diesen Film anschauen möchte. Nicht, weil es schlecht wäre, nein ganz und gar nicht, sondern weil sein Inhalt emotional stark an die Grenzen des Erträglichen führt. Mir gelang es zumindest nicht, zuschauerlich distanziert zu bleiben. Ich habe meinen Tränen im Kino freien Lauf gelassen. Und das nicht aus sentimentalen Regungen.

Ich ziehe den Hut vor Milan Peschel, der die Figur des Frank dermaßen intensiv und eindrucksvoll verkörpert, dass sie stark dokumentarischen Charakter aufweist. Insgesamt besteht ein intensiver Wiedererkennungseffekt hinsichtlich der Schauspielerriege, wenn man die anderen Filme von Andreas Dresen (z.B. Wolke 9, Halbe Treppe) auch gesehen hat. Auch bezüglich der Umsetzung sind deutliche Parallelen erkennbar, obgleich das Grundthema ein gänzlich dramatischeres ist. Die langen Einstellungen, die insgesamt ruhige Gangart steigern jedoch im vorliegenden Werk noch die Beklemmung und Intensität.

Fazit: Sehr harte Kost, aber absolut sehenswert.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. Dezember 2014
Wenn ich an "deutschen Film" denke, wird mir oft kalt und warm zugleich. Nichts ist dem verwöhnten Betrachter so verhasst wie der "deutsche Problemfilm". Immer dieselben Einstellungen, dieselben Darsteller, dasselbe Thema. Immer im Brennpunkt... immer irgendwie am Rand, immer gerade noch im Blickfeld der Gesellschaft. Der "deutsche Film" hat sich zu einem Produkt Abseits des Interesses entwickelt. Eine rüde Kunstform, derer man sich schnellstens entledigen möchte. Die landesweiten Filmförderanstalten geben Unsummen für nichtige Spektakel und Dramen ohne Substanz aus, dass einem nur noch die Flucht in ausländisches Indepentant Kino bleibt. Wäre da nicht dieser Film eines gewissen Dresen.
Viele Menschen zuvor haben den Film als genau das beschrieben, was er ist: ein Meisterwerk!

Deutscher Film war und ist nicht grundsätzlich schlecht. Es gibt nur leider zu viele grauenhafte deutsche Machwerke.

In diesem Fall ist die Sache gänzlich anders.

Für diesen Film habe ich nämlich nur drei Wörter zur Verfügung: WOW, unglaublich realistisch!
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Ein Film der mit den Themen Krebs und Tod so umgeht wie man es machen sollte, schonungslos und ehrlich so wie diese Themen es selber sind. Hier wird keine geschönte Scheiße gezeigt sondern die Realität wie sie da draußen tagtäglich passiert. Ich kann jedem nur empfehlen sich diesen Film anzugucken. Er ist härter als jeder Thriller, Lustiger als jede Komödie, schöner als jede Romanze und Trauriger als jedes Drama.
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25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Juni 2012
Ich habe "Halt auf freier Strecke" im Rahmen des Filmkunsttages im Kino ganz zufällig entdeckt. Obwohl mich die Trailer zum Film ehrlich gesagt noch ein bisschen skeptisch stimmten, so ließ ich mich trotzdem auf ihn ein und habe es auch nicht bereut.
Noch nie hat mich ein Film so berührt, selten eine schauspielerische Leistung so begeistert und nie zu vor wurde einem diese Thematik so realischtisch und ungeschönt vor Augen gebracht.
Milan Peschel und Steffi Kühnert spielen ihre Rollen so überwältigend, dass man nicht eine Sekunde an ihrer Darstellung zweifeln würde, wäre dieser Film keine Fiktion. Der Film wurde überwiegend improvosiert gedreht und mit Laiendarstellern ausgeschmückt. So ist die Krankenschwester im Film auch im wahren Leben keine Schauspielerin sondern eine Krankenschwester, was das ganze noch echter wirken lässt.
Der Film ist sicherlich kein Stoff für einen lustigen DVD Abend aber er ist sehr anspruchsvoll und unbedingt sehenswert und ohne Zweifel verdient mit mehreren Fernsehpreisen ausgezeichnet worden.
Und auch wenn ich im 1. Moment nach dem Film sehr erschüttert war und ich mir erst sicher war ihn nicht noch ein 2. mal ansehen zu wollen, so kam nach und nach auch immer mehr das Gefühl von Mut und Lebenswille dazu und das Interesse mich nochmal darauf einzulassen.
Ich kann ihn nur empfehlen und ich hoffe, dass noch viel mehr Leute diesen Film kennen und schätzen lernen. Ohne Frage ein Meisterwerk.

Vorbestellt!

Hier noch eine kurze Inhaltsangabe:

Die Mitteilung des Arztes trifft das junge Paar, Frank Lange (Milan Peschel) und seine Frau Simone (Steffi Kühnert), völlig unvorbereitet. Frank leidet an einem bösartigen Gehirntumor.

Die Eheleute sind geschockt, gibt es Chancen auf eine Heilung? Der Arzt ist angesichts seiner nächsten Worte ebenso hilflos wie das Paar. Aufgrund der Schwere des Tumors ist eine Operation nicht mehr möglich, es bleibt nur die Hoffnung, dass Bestrahlung und Chemotherapie helfen werden. Doch die Lebenserwartung von Frank liegt trotz allem nur bei einigen wenigen Monaten, wenn nicht Wochen, so dass die Maßnahmen nur Aufschub gewähren können.

Frank und Simone sind fassungslos, wie sollen sie es den Kindern beibringen? Für die Familie beginnt eine furchtbare Zeit, denn kann sich eine Familie mit so einer tödlichen Krankheit wirklich arrangieren? Als Franks Mobilität sich immer mehr einschränkt, beschließt Simone ihn mit Hilfe einer erfahrenden Krankenschwester zu Hause zu pflegen.

Simone und die Kinder werden nun tagtäglich Augenzeuge, wie Frank immer mehr zerfällt und alles, was ihn ausmachte, zerstört wird. Er wird vergesslich und jähzornig, sein Körper wird gebrechlich und ihm fallen die Haare aus. Auch die Eltern des Paares können nur hilflos zusehen, wie die Familie zerfällt. Doch alle bleiben sie bis zum Ende an Franks Seite.

Allerdings muss ich sagen, dass ich die FSK Einstufung nicht wirklich nachvollziehen kann, auch wenn Kinder wohl einiges leichter sehen mögen als manch Erwachsener so finde ich die Thematik und Darstellung für ein Kind von 6 Jahren nicht geeignet. Für die Einstufung kann aber natürlich der Film nichts. Die Rezession bezieht sich ausschließlich auf den Film, da ich natürlich vor VÖ zur DVD an sich nichts sagen kann.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. Juli 2014
Wie gelähmt verläßt das Ehepaar Frank und Simone Lange das Sprechzimmer. Der Arzt hat Klartext gesprochen. Frank hat einen inoperablen Hirntumor. Die Lebenserwartung liegt bei wenigen Monaten. Wie sollen sie es den Kindern sagen?
Gerade haben sie mit Tochter Lilli (14) und Sohn Mika (8) ihr neues Haus bezogen. Jetzt fällt das Schicksal, ohne daß jemand von ihnen etwas Böses getan hätte, ein solches Todesurteil - nicht nur für Frank, sondern für die Zukunft der ganzen Familie. Auch Franks Eltern müssen den Schock verdauen.
Frank und Simone suchen Rat bei verschiedenen Psychotherapeuten. Sie bekommen die widersprüchlichsten Theorien zu hören, keine davon hilft wirklich dabei, mit dem unabwendbaren Tod klarzukommen. Die Familie versucht, noch glückliche Tage miteinander zu verbringen. Bestrahlung und Chemotherapie sollen das Ende etwas hinauszögern, doch die Nebenwirkungen machen den Gewinn eher zunichte, als daß die Behandlung helfen würde. Das Wachstum des Tumors ist nicht aufzuhalten. Franks Gehirn wird von dem Krebsgeschwür langsam zerstört.
Frank wird aggressiv, reagiert mit Wutausbrüchen, weil ihm im Alltag die einfachsten Dinge nicht mehr gelingen. Die Leidtragenden sind die Kinder, die Papas Launen über sich ergehen lassen müssen. Frank hat zunehmend geistige Aussetzer. Es folgt der Kontrollverlust über den Körper mit Inkontinenz und erheblicher Schwächung. Immer stärkere Schmerzmittel führen zur Ermüdung.
Simone ist fest entschlossen, ihren Mann bis zum Schluß zu Hause zu pflegen. Eine Palliativmedizinerin betreut die Familie während der letzten Phase, die für alle zum Martyrium wird. Ganz tapfer tragen die Kinder die Lage mit. Sie passen mit auf den Papa auf, fangen ihn auf, wenn er nicht mehr kann, physisch und psychisch. Besonders der kleine Mika zeigt eine tiefe emotionale Verbundenheit mit dem Vater. Die schwere Erkrankung nimmt der Junge als ganz natürlich hin, stellt sich darauf ein und wächst daran. Die Tochter tut sich etwas schwerer, ihre pubertätsbedingte Distanziertheit gegenüber den Eltern zu überwinden, um dem Zusammenrücken der Familie zu folgen. Während Simone, Lilli und Mika unter großer Anstrengung die Tage mit der nervenraubenden Inanspruchnahme durch den Sterbenden meistern, müssen sie stets auch daran denken, daß das Leben für sie nach dem Abschied von Frank weitergehen muß...

Von der ersten Filmsekunde an hat der Zuschauer das Gefühl, selbst als Betroffener auf der einen oder anderen Seite mittendrin in dem beklemmenden Drama zu stehen. Der Doktor redet mit erstickter Stimme, als er dem Patienten die schlimme Diagnose erläutert. Die Eingangsszene wurde mit einem echten Mediziner gedreht. Chefarzt Dr. Uwe Träger führt in seiner Klinikpraxis regelmäßig derartige Gespräche mit Todgeweihten. Sein Auftritt vor der Kamera hat dokumentarischen Charakter. Es gibt keine Dialogvorgabe.
In freier Improvisation wurden auch viele der Szenen mit den Kindern gedreht. Sie agieren dabei unbefangen und altersgerecht. Teenagerin Talisa Lilli Lemke konnte schon ihre eigene Lebenserfahrung mit dem Krebstod ihrer Mutter einbringen. Der achtjährige Mika Nilson Seidel spielt seine Rolle als Kind völlig authentisch. So entstanden mit ihm wunderbar berührende Aufnahmen, in denen eine tiefe Emotionalität zu spüren ist.
Die Rollen der Erwachsenen sind mit professionellen Schauspielern aus dem Theaterumfeld besetzt. Milan Peschels Darstellung des grausamen Verfalls eines erkrankten Menschen geht unter die Haut. Frank verliert durch die fortschreitende Hirnschädigung Teile seiner Persönlichkeit. Es ähnelt einem Prozeß, wie man ihn sonst vom Verlauf einer Demenz kennt. Dem Zuschauer wird die dramatische Veränderung, die unweigerlich auf den Tod zuläuft, leicht verständlich durch die Figur von Dr. Petra Anwar erklärt, die sich hier selbst darstellt, so authentisch wie sie in ihrer täglichen Arbeit als Ärztin Krebspatienten betreut, die im Kreis von Angehörigen zu Hause sterben. In der Realität steht allerdings weitaus nicht jeder Familie eine so fantastische Palliativärztin wie Dr. Anwar bei der Begleitung des Sterbeprozesses zur Seite.
Regisseur Andreas Dresen, bisher eher mit komischen Beziehungsfilmen in der deutschen Kinolandschaft präsent, führte mit seinem Team für "Halt auf freier Strecke" fundierte Recherchen durch. Also, es geht doch! Deutsches Kino kann erstaunlicherweise doch auch seriöse Inhalte transportieren, sich mit Themen befassen, die wirklich eine Relevanz besitzen. Natürlich ist dies trotz einiger extrem schwarzhumoriger Einlagen kein Wohlfühl-Film. Es war einmal dringend nötig, das perfide Todesurteil Krebs, das Menschen in einem qualvoll langen Sterben aus dem Leben und dem ihrer Familien und Freunde reißt, mit Sachlichkeit ins Blickfeld zu rücken. Ob Krankheit oder Alter, mit der Verlagerung des Sterbens aus den Familien in die Krankenhäuser und Pflegeheime hat sich in der Gesellschaft eine Verdrängung der Auseinandersetzung mit dem Tod ergeben. Das einsame Sterben ist kein sozialer Vorgang mehr, und das hat tiefgreifende soziologische Folgen. Ein Zurück zur heimischen Sterbekultur kann es bei den heutigen, individualisierten Lebensentwürfen nicht geben. Gefragt ist die Entwicklung neuer Modelle.

Blu-ray mit Wendecover
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Man lebt, lacht und leidet mit mit der Hauptperson. Das Thema Krebs ist so gegenwärtig und wird einem hier so intensiv und persönlich nahe gebracht. Aber man bekommt auch Mut, sich dem Thema zu stellen und sich nicht zu verkriechen und zurück zu ziehen, wenn Nahestehende betroffen sind. Wieder ein unglaublicher Film von Andreas Dresen, der einen erreicht mit seiner ganz besonderen Art des Filmens, wo nichts gekünstelt ist. Und er findet immer geniale Schauspieler, die die aufgegriffenen Themen so realistisch und intensiv nahe bringen können. Einer der besten Filme, die ich überhaupt gesehen habe.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. September 2012
Heutzutage haben es deutsche Filme sehr schwer, immer schwerer.
Häufig sind nur Komödien erfolgreich, wenn überhaupt. Kaum einer traut sich mehr an ernste, vielleicht sogar tabuisierte Stoffe heran. Ich bewundere den Mut solcher Produzenten und Regisseure, dennoch einen solchen Film umzusetzen.
Im Vorfeld habe ich viel positives über den Film gelesen, da er in Cannes schon Anerkennung beim Publikum finden durfte.
Also habe ich mich dazu entschieden, ins Kino zu gehen und die Arbeit somit zu würdigen. Ich wurde nicht enttäuscht.
Ich wusste, dass der Film sich sehr detailliert und realisitisch mit dem "Tod" beschäftigt. "Tod" ist das falsche Wort, er beschäftigt sich mit dem "Sterben" eines Familienvaters in seinen besten Jahren.
Während und nach dem Film war ich sehr bedrückt, weil er einfach überwältigend und gnadenlos realistisch, ohne Überspitzung oder Untertreibung das langsame Sterben eines Tumor-Patienten beschreibt.
Ich habe schon viele Filme gesehen, die sich mit dem Thema Tod, Sterben o.ä. beschäftigen, aber in dieser Intensität ist der Film sicherlich einmalig. Zumindest ist mir nach umfangreicher Recherche kein vergleichbares Werk untergekommen.
Die Darstellung von Milan Peschel als Sterbender Vater bzw. Ehemann war herausragende Kunst. Meines Erachtens eine der besten darstellerischen Leistungen der deutschen Filmgeschichte. Man kam während des Films gar nicht auf den Gedanken, einen Schauspieler vor sich zu haben. Diese Leistung wurde zu Recht mit dem deutschen Filmpreis honoriert.
Auch Steffi Kühnert als seine Ehefrau, die verzweifelt versucht das beste aus der ausweglosen Situation zu machen, ist im wahrsten Sinne des Worte großes Kino.
Auch die restlichen Schauspieler, darunter in einer Gastrolle die große Ursula Werner als auch die minderjährigen Akteure haben einen klasse Job gemacht. Respekt vor Regisseur Andreas Dresen, der sein Ensemble so perfekt ausgewählt hat.

Die BluRay (ich weiß nicht, ob es bei der DVD auch so ist) erhält zusätzlich ein sehr umfangreiches Begleitheft in dem das Projekt sehr gut beschrieben wird und einige interessante Details rund um die Entstehung und Umsetzung des Films zu finden sind.
Als Bonus-Material gibt es einen Audio-Kommentar des Regisseurs Andreas Dresen, Interviews mit Regisseur und Darstellern, Outtakes und entfernte Szenen.
Zudem sind Untertitel für Hörgeschädigte und Audiodeskription für Sehbehinderte vorhanden.
Der Preis rechtfertigt sich m.E. in der umfangreichen und für dieses Werk gebührend umfangreichen Gestaltung der DVD/Bluray-Veröffentlichung.
10 von möglichen 5 Sternen, Daumen hoch.
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