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189 von 212 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Euro ist kein Kind der Ökonomie, sondern der Politik
Die Schaffung einer europäischen Einheitswährung erfolgte nicht durch eine ökonomische Notwendigkeit, die Ökonomie stand dabei nicht einmal im Vordergrund. Der Euro wurde erdacht und eingeführt aus rein politischen Gründen, um die Einheit Europas voranzutreiben.

Thilo Sarrazin beschreibt in seinem Buch das Wesen und die Aufgabe...
Veröffentlicht am 1. Juni 2012 von P. Schmitz

versus
61 von 94 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sachlichkeit beim Umgang und der Bewertung mit Buch und Autor ist geboten!
Wer provoziert, polarisiert. Dieser Effekt ist nicht verwunderlich, die Erkenntnis auch nicht neu und Thilo Sarrazin ist sich dessen ganz sicher auch bewusst. Dennoch ist es nicht ihm vorzuwerfen, dass sich die öffentliche Kommentierung seiner Schriften scheinbar in nur zwei extremen Positionen verfestigt.
Scheinbar! - denn der Autor dieser Zeilen ist sich...
Veröffentlicht am 28. Mai 2012 von Christian Günther


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189 von 212 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Euro ist kein Kind der Ökonomie, sondern der Politik, 1. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Schaffung einer europäischen Einheitswährung erfolgte nicht durch eine ökonomische Notwendigkeit, die Ökonomie stand dabei nicht einmal im Vordergrund. Der Euro wurde erdacht und eingeführt aus rein politischen Gründen, um die Einheit Europas voranzutreiben.

Thilo Sarrazin beschreibt in seinem Buch das Wesen und die Aufgabe einer Währung, die im Außenverhältnis, also in ihrem Tauschwert auf dem Devisenmarkt, die individuelle Leistungsfähigkeit und Beschaffenheit der dahinterstehenden Volkswirtschaft unmittelbar repräsentiert. Wenn es erforderlich ist, Preisunterschiede auf internationalen Märkten durch Abwertung der eigenen Währung auszugleichen, kann dieses Instrument der Notenbanken die Konkurrenzfähigkeit im Export, sowie die Erschwinglichkeit der Waren auf dem heimischen Markt sicherstellen.

Das ist der Grund für die unterschiedlichen 'Härten' und Höhen der einzelnen Währungen auf dem internationalen Devisenmarkt. Sarrazin beschreibt, wie der Euro als künstliche Gemeinschaftswährung diese lebensnotwendigen Funktionen jenen Ländern nahm, deren Volkswirtschaften nicht der Wechselkurshöhe und der Stabilität des Euro entsprachen.

Sarrazin widerlegt die Mär, Deutschland profitiere von der Einführung des Euro. Er stellt anhand eindeutiger Zahlen klar, daß vielmehr Deutschlands Volkswirtschaft dem Euro gewachsen war, durch diesen also keine unmittelbaren Nachteile für Deutschlands Wirtschaft entstanden. Andere Staaten, wie Griechenland, Italien oder Spanien waren dem Euro dagegen nicht gewachsen, ihnen wurde das politische Konstrukt zum Verhängnis. Ihre Waren wurden international konkurrenzunfähig, die Preise im Inland stiegen im Übermaß. Das sorgte z.B. für eine Abwanderung der Industrie aus Spanien, die Ursache der großen wirtschaftlichen Not dieses Landes.

Es ist also tatsächlich so, daß nur wenige europäische Länder stark genug waren, eine politisch gewollte Einheitswährung zu ertragen, und Deutschland ist eines davon. Die meisten Länder Europas waren dafür allerdings zu schwach, und die katastrophalen Folgen zeichnen sich nun ab.

Natürlich ist der politische Wille noch immer da, er ist ungebrochen und beherrscht das Feld. Und so ist es kein Wunder, daß man das gescheiterte Experiment um jeden Preis aufrechterhalten will, und daß uns von regierungsamtlicher Seite Durchhalteparolen und Beschönigungen verabreicht werden.

Und die einzige Möglichkeit, das Chaos noch ein wenig vor dem Zusammenbruch zu bewahren, ist die Transferunion, d.h. die gleichmäßige Verteilung des im Euro-Raum erwirtschafteten Vermögens auf alle Mitgliedsstaaten. Das bedeutet für Deutschland, einen großen Teil seiner erwirtschafteten Werte ins Ausland zu überweisen, ungeachtet der immer schneller wachsenden deutschen Staatsverschuldung.

Diese Kosten übersteigen in absehbarer Zeit jene der Wiedervereinigung, des Versailler Vertrages, des ganzen Zweiten Weltkrieges - und dies nur als Preis für eine politische Union, die als vermeintliches Zusammenrücken der Völker fehlinterpretiert wird. Wie Sarrazin sehr richtig schreibt, passiert bereits das Gegenteil dieser Annäherung. Vielmehr hört bei Geld bekanntlich die Freundschaft auf. Und wenn die Einen die Schulden der Anderen übernehmen müssen, jene aber wiederum von den Zahlern bevormundet werden, kommt es zu Aggressionen und Feindschaften, die aus dem europäischen Traum vielleicht sehr bald ein europäisches Trauma machen, das zu schwer korrigierbaren wirtschaftlichen Schäden - und irreparablen Rissen zwischen den europäischen Völkern führen wird.

Sarrazin vertritt den Standpunkt, daß eine europäische Währung durchaus nicht grundsätzlich abzulehnen ist, diese muß aber in erster Linie nach ökonomischen Gesetzen funktionieren, sie darf nicht politisch erzwungen werden, wenn sie finanzwirtschaftlich nicht machbar ist.

Der Euro in seiner derzeitigen Form kann als Verbrechen bezeichnet werden, er vernichtet Wohlstand und Besitz in gewaltigen Dimensionen. Erst in den südlichen Ländern durch Abbau von Wirtschaft, dann im Norden durch finanzielle Haftung für diese Schäden.

Der politische Wille einiger Weniger ruiniert so unsere europäische Zukunft. Je eher damit Schluß ist, desto besser!
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Euro, die Falle für arm und reich !!, 12. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Zimmerer, so nennen Sie mich ohne jeden Anflug von Höflichkeit, der Zimmerer also ist mit seinem Kauf sehr zufrieden. Er hat sehr viel über Ökonomie gelernt und weiß nun auch die aktuelle politisch-ökonomische Lage besser einzuschätzen. Herr Sarrazin ist nicht nur ein exzellenter Kenner der Materie mit viel Erfahrung, er hat auch den Mut seine Meinung zu sagen, auch wenn es persönliche Nachteile bringt. Diesen Mut würde man den Politikern gerne wünschen sind, die dabei sind, das von uns Erarbeitete, unseren Wohlstand also, wieder einmal an die Wand zu fahren.
Dieses Buch ist uneingeschränkt jedem zu empfehlen, der wirklich wissen will, was gespielt wird und der müde der abgedroschenen und nicht überzeugenden Parolen ist.
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331 von 386 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fazit: Europa braucht den Euro nicht, sondern dieser destabilisiert Europa wirtschaftlich und gefährdet den sozialen Frieden, 22. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Auch das neue Buch des ehemaligen Bundesbankvorstandes Thilo Sarrazin ist mit über 400 Seiten und vielen Fußnoten keine leichte Urlaubslektüre, sondern macht den Eindruck eines qualifizierten Sachbuches. Sarrazin belegt mit Sachverstand und Pragmatismus die finanztechnischen Geburtsfehler des Euro aber auch deren innen- und aussenpolitschen Hintergründe. Als ausgewiesener Finanzfachmann weiß er, worüber er spricht. Seine Thesen sind immer schlüssig und akribisch belegt. Sarrazin ist allerdings nicht der einzige und auch nicht der erste, der darauf hinweist und ein gut informierter Bürger kann an seinen Thesen wenig Provozierendes finden. Das wurde ihm natürlich auch schon vorgeworfen. Das Buch möchte ich daher unter vier Gesichtspunkten beurteilen:
a) belegt es seine Euro Thesen (oder widerlegt es Euro-Lügen) mit qualifizierten Fakten und Daten
b) bringt es neue innovative Argumente oder wenigstens neues über die Hintergründe der Fehlentscheidungen
c) zeigt es Lösungswege auf Makro oder Mikroebene
d) beantwortet es die Frage "Cui Bono" - wer sind die Nutznießer des EU Debakels?

Das Buch punktet in allen Kategorien mit AAA in Kategorie a) und b). Einige wenige seiner Bemerkungen sind polemisch.

1. FEHLENTSCHEIDUNGEN UND KONSTRUKTIONS FEHLER DER EURO-POLITIK.
Zitat: Wie viele ältere Männer war Helmut Kohl von dem Gefühl getrieben, wichtige langfristige Fragen, für die die Weisheit und Macht seiner Nachfolger nicht ausreichen würde, möglichst zu seiner Zeit abschließend zu regeln, mochten ein paar technische Unterpunkte auch noch ungeklärt sein. So kam Deutschland zum Euro".
Die Euro-Einführung haben mittlerweile alle Ökonomen und die gesamte Wirtschaftspresse, die ein Mindestmass an Urteilungsvermögen und Unabhängigkeit vom Politikbetrieb und den Wirtschaftsmächten haben, als großen Fehler erkannt. Nach Sarrazins Darstellung war die Einführung des Euro ein finanztechnischer Fehler wider besseren Wissens und er beleuchtet präzise, fokussiert und sachlich die Auswirkungen für Deutschland und Europas Bürger. Insbesondere das Aufheben des Haftungsausschluss für die Schulden anderer Länder - des sogenannten No-Bail-out-Prinzips war seiner Ansicht ein schwerer Fehler.

2. DEUTSCHLAND HAT KEINEN VORTEIL VOM EURO
"Mehrheitlich betrachteten wir damals (Juli 1989 d. Verf.) im Hause alle Überlegungen für eine
Europäische Währungsunion als Anschlag auf die deutsche Stabilitätskultur" und "Der große Erfolg der europäischen Integration fand bis zum Beginn der gemeinsamen Währung statt", argumentierte Sarrazin. "Die reinen Daten und Fakten sagen, dass Deutschland durch den Euro keine messbaren Vorteile hatte".
Für die Südländer habe die Gemeinschaftswährung "wachsende Risiken" gebracht. Außerdem ist der Anteil des deutschen Exports, der in die Euro-Zone geht, seit Beginn der Währungsunion deutlich gefallen, der Außenhandel mit den Euroländern hat sich unterproportional entwickelt und in Nicht-Euro-Staaten aus Asien und Südamerika stark gestiegen. Die starken EU Länder profitierten nicht, die schwachen Länder wurden destabilisiert.

3. EUROPA HÄNGT NICHT VOM EURO AB
Zitat: "Sind die Briten, Schweden, Polen, Tschechen keine Europäer oder leben sie in gescheiterten Staaten, nur weil sie nicht mit dem Euro zahlen?"
Argument: Europa ist erfolgreich, wenn Frieden herrscht, wenn in den Ländern Europas die Demokratie stabil bleibt bzw. sich weiter festigt, wenn die Menschen aus eigener Kraft ihre Lebensverhältnisse verbessern können, Arbeit finden und von den Früchten ihrer Arbeit leben können. Er weißt auch richtigerweise darauf hin, dass der gemeinsame Euro nicht notwendig ist für das Projekt "Europa", sondern die europäischen Völker jetzt sogar gegeneinander aufhetzen. Mit der drohenden Staatspleite einzelner Länder wird die Europäische Währungsunion endgültig zum Alptraum. Sarrazin widerlegt Angela Merkels Diktum "Scheitert der Euro, dann scheitert Europa" - Europa braucht nicht nur den Euro nicht, sondern dieser destabilisiert Europa wirtschaftlich und gefährdet den sozialen Frieden.

4. EUROBONDS SIND KONTRAPRODUKTIV
Argument: Länder mit einer weniger soliden Finanzpolitik werden durch Eurobonds von den wirtschaftlichen Folgen ihres finanziellen Handelns entlastet, während die solideren Länder zusätzliche Haftungsrisiken auf sich nehmen. Die weniger soliden Länder im Euroraum die haben Mehrheit, deswegen seien Eurobonds in seinen Augen nichts weiter als die ultimative Vergemeinschaftung der Finanzpolitik zu Lasten der finanzstarken Länder". Nebenbei, in der Zeit vor der EU Krise hatten wir de-facto Eurobonds, sie sind Problem, nicht Lösung.

5. SELBSTBESTIMMUNG VON SCHULDENLÄNDERN
Argument: Weder Zahlmeister noch Zuchtmeister. Die stabilen Euro-Länder dürfen den Schuldenländern keine Vorschriften mehr machen, wie sie ihre Staatshaushalte gestalten und inneren Angelegenheiten regeln sollen, die über die Herstellung des gemeinsamen Marktes hinausgehen. Wenn ein Land unter der Disziplin der gemeinsamen Währung nicht leben kann oder will, solle es jederzeit frei sein, zu seiner nationalen Währung zurückzukehren. Europa müsse aufhören, Geld dorthin zu schicken und den Bürgern es selbst überlassen, ihren Weg zu finden.

6. DEUTSCHE VERPFLICHTUNGEN
Argument: Deutschland müsse laut Sarrazin alle bereits gemachten Hilfszusagen einlösen, aber keine weiteren Zusagen mehr machen. Der Rettungsschirm ESM überfordert Deutschland, lähmt die Reformanstrengungen in den Problemländern wenn die Europäische Zentralbank dauerhaft die Geldwertstabilität unterminiert, dann sind die Grundlagen der Währungsunion hinfällig.
Sarrazin führt zu Recht aus, dass Deutschlands Geschichte eben nicht für die Begründung einer (extrem weitreichenden) währungspolitischen Entscheidung herangezogen werden darf. So ganz lang sind hier die Haare nicht, an denen sich seine These herbeiziehen lässt, nach dem Deutschland wegen seiner historischen Schuld von anderen erpresst oder sogar bekämpft würde. Diverse Mitglieder aller Parteien (Schäuble, Kohl, Roth, Cohn-Bendit, Verheugen) mahnten mit Verweis auf den 2. Weltkrieg zu einer sogenannten besonderen Verpflichtung zur Solidarität(zum Zahlen): "Sie sind außerdem getrieben, von dem sehr deutschen Reflex, wonach die Buße für Holocaust und Weltkrieg erst endgültig getan ist, wenn wir all unsere Belange, auch unser Geld, in europäische Hände gelegt haben."

7. RISIKEN DES AUSSTIEGES
Thilo Sarrazin hält das Festhalten am Euro um jeden Preis für einen fatalen Fehler. Er meint: Lieber ein Euro-Ende mit schmerzhaftem Crash als dauerhaft hohe Kosten in der Transfer-Union.

8. LÖSUNGSANSÄTZE
Das Buch enthält solide Argumente u. Lösungsansätze, z.B. wie sich die Bundesbank und EZB verhalten soll, zum Investment- und Publikumsbanking. Das jetzige Modell bei dem die Bundesbank durch Target2 Forderungen von zuletzt über 500 Milliarden Euro gegenüber den Notenbanken finanzschwacher Länder erpressbar ist, wird mit dem Schweizer und US Modell verglichen. Ich glaube es ist auch zuviel verlangt, in diesem Disaster digitale Richtungsansagen zu erwarten. In der FAZ hat er die Metapher von Klausewitz - geordneter Rückzug als schwierigstes Manöver - gebracht. Sarrazin präsentiert, und das ist m.E. auch richtig, Szenarien, Risiken und Mitigierungen von Risiken. Er gibt auch einen klaren Hinweis wie der kalten Enteignung - die insbesondere in der deutschen Alterstruktur zuschlägt - begegnet werden kann. Wenn er aus dem Nähkästchen plaudert wird das das Buch stellenweise ein Lehrbuch.

9. CUI BONO
Sarrazin geht nicht so weit zu behaupten, die entscheidungstragenden Politiker haben die nun eingetretene Krise mehr oder weniger wissentlich eingeplant und/oder als Legitimation zur Durchsetzung von noch mehr postdemokratischem Zentralismus in Europa genutzt - obwohl der Schluss naheliegt. Allerdings belegt er, dass alle Rettungsaktionen ein krankes System stützen. Hätten wir einen Schuldenschnitt gehabt, wäre der ganze Spuk mit Griechenland schnell vorbei gewesen, und die Welt müsste sich mit dem wahren Problem beschäftigen, mit den USA und UK.

Sarrazin neues Buch unterlegt recht präzise den Verdacht, wir Bürger werden in der Europa- und der Eurofrage verschaukelt, die Wahrheit werde uns nicht gesagt, und Steuerzahler sollen die Fehlleistungen von Banken, Versicherungen und der Politik ausbaden. Die derzeitige Kakophonie, in der Politiker und Journalisten ideologische Mantras sowie sinnfreie Postulate den sachlichen Argumente des Herrn Dr. Sarrazin entgegensetzen, weil sie den unabhängigen Fachmann nicht totschweigen können, sind bezeichnend.

Das Besondere an Sarrzins Protest gegen die maßgeblichen Eliten - im letzten Buch gegen die Sozial-, Bildungs- und Einwanderungspolitik, jetzt gegen die Finanz-, Währungs- und Europapolitik - wird eben hier von einem Mitglied derselben Eliten formuliert. Sarrazin legt den Finger in die Wunde EU und Euro, und seine Kritik aus dem Inneren des Kritisierten heraus macht ihn zum Hassobjekt der mit der gesamten vorhanden publizistischen Feuerkraft bekämpft wird. Die Aufregung und die Provokation von Sarrazin liegt aber in der Befindlichkeit der Empfänger, weil hier ein Experte mit Zugang zu Massenmedien klar und gut verständlich Scheinargumente widerlegt, und als Insider das geschichtliche Versagen der deutschen politischen Klasse dokumentiert. Darum fünf Sterne.

P.S. In diesem Zusammenhang lohnt es sich sein Buch "Der Euro, Chance oder Abenteuer?" aus dem Jahre 1997(wieder) zu lesen, welches noch vorsichtig optimistisch Risiken beschrieb die nun eingetreten sind.
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210 von 249 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faktengesättigte Analyse eines Insiders, 22. Mai 2012
(Eines vorab: Ich habe das Buch bereits seit vergangenem Freitag, also vier Tage vor dem offiziellen Erscheinen. Mein Buchhändler in der Provinz hatte es einfach so dastehen und da habe ich natürlich zugeschlagen. Ich wusste gar nicht, dass das Buch erst noch rauskommt, sonst hätte ich gefragt, warum die das schon haben.)

In gewisser Weise wähnt man sich in einem Déjà-vu: Wie 2010, als "Deutschland schafft sich ab" kurz vor der Veröffentlichung stand, kocht unvermittelt eine Debatte um ein Buch und einen Mann hoch. Diese Debatte möchte ich hier nicht rekapitulieren, den meisten Lesern wird sie bekannt sein. Interessant war aber, dass es den Medien und Politikern nicht gelang, der unangenehmen Debatte aus dem Weg zu gehen, in dem man Sarrazin nach Elba geschickt hat. Nein, Sarrazin ging auf Tournee und war immer wieder medial präsent.

Mit "Europa braucht den Euro" nicht folgt nun der zweite Streich (auch wenn S. schon mehrere Bücher geschrieben hat). In diesem Fall schrieb er aber nicht als Autodidakt über ein Thema, in das er sich erst im Alter eingearbeitet hat, sondern über einen Komplex, der ihn sein ganzes Berufsleben begleitet hat. Genau damit beginnt nach einem Vorwort auch das Buch: Sarrazin schildert seinen Weg durch die Ministerialbürokratie von Bonn und Berlin und beschreibt - teilweise sehr ausführlich - die Zusammenhänge und Grundsätze der deutschen Geld- und Wirtschaftspolitik. Man merkt hier gleich: An Insiderwissen kann ihm wohl kaum einer das Wasser reichen, im Gegensatz zu seinen Kritikern, war er einfach "dabei". Interessant ist auch die Selbstkritik bzw. der Rekurs auf seine eigene, veränderte Einstellung zum Euro. Den vorsichtigen Optimismus vor der Währungsumstellung verschweigt er nicht.

Später folgen weitere Punkte, u.a.:
- Die Abläufe vor dem Einstieg der EZB in den massenhaften Staatsanleihenkauf (damals war Sarrazin noch Vorstand der Bundesbank)
- Die (falschen) Anreize, die den Mittelmehranrainern durch eine verfehlte EU-Subventionspolitik gewährt wurden.
- Die Interessen der aktuellen europäischen Regierungsschefs.
- Der Euro erfüllt nicht seinen Zweck, die europäischen Nationen zusammenzubringen, sondern fördert derzeit im Gegenteil den Streit zwischen seinen Mitgliedern und Bürgern.

Ein umstrittener Punkt, der aus den vorveröffentlichten Textschnipseln (!) hervorgeht, ist der Vorwurf Sarrazins, dass viele währungs- und stabilitätspolitische Diskussionen mit dem Totschlagargument des Holocaust und der daraus resultierenden besonderen Verpflichtungen Deutschlands geführt würden. Ich bin mir unschlüssig, ob ich dem vorbehaltlos zustimmen kann - bin aber gleichzeitig der Meinung, dass das kein Grund ist, das Buch, seinen Autor und die Argumente zu schmähen. Dafür nimmt dieser Punkt einfach viel zu wenig Platz in Argumentation und Seitenzahl ein.

Zum Ende zieht Sarrazin seine Schlüsse: Interessanterweise ist er nicht für einen deutschen Ausstieg aus dem Euro - was durch viele Medien und Politiker suggeriert wird. Er ist schlicht für einen "geordneten Rückzug" (Interview vom 21.5. mit der FAZ): Rückzug auf die strikten Maastricht-Regeln und den Stabilitätspakt und eine "deutsche" Stabilitätskultur in Inflation und Haushalt. Länder, die sich dem nicht fügen, können und sollten den Euro - schon aus Eigeninteresse - verlassen.

Ich bin jedenfalls froh, das Buch gelesen zu haben, da es mir interessante und erhellende Einblicke in (wirtschafts-) politische Abläufe gewährt hat. Ich kann nicht jede Aussage überprüfen, stelle hier aber anheim, dass sich Sarrazin bei seinem Heimspiel keine großen zahlenmäßigen Schnitzer erlaubt hat. Bisher kann ich das Buch nur empfehlen, denn es liefert in seiner Gesamtschau einen umfangreichen - und medial derzeit auch den einzigen umfassenden - Überblick über den Euro und die Krise in Europa.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wohltuende Sachanalyse, 27. Juni 2012
Das Euro-Buch Thilo Sarrazins war für mich als finanzpolitischem Laien eine lehrreiche Lektüre. Es eröffnet Denkperspektiven jenseits der immer gleichen Floskeln, die in der Tagespolitik dem Volk um die Ohren gehauen werden. Dabei ist der Stil Sarrazins - vielleicht als Reaktion auf den Wirbel, den sein letztes Buch ausgelöst hat - deutlich darum bemüht, nicht zu polarisieren und den intellektuellen Heckenschützen keine Munition zu liefern.

Das Thema Eurokrise braucht allerdings auch keine Polemik, es enthält in sich Brisanz genug. Sarrazin bringt hier seine intime Kenntnis der Materie als Fachmann zur Geltung, und gerade die rein fachliche Perspektive jenseits von politischen Strategien und vielleicht auch Zwängen hilft, einen klareren Blick zu gewinnen. Fehlentwicklungen werden klar benannt und begründet und auch in ihren historischen Zusammenhang gestellt.

Sarrazin bietet keine billige Patentlösung für die aktuellen Probleme an, sondern er breitet die Landkarte aus und legt den Kompass dazu. Er behandelt auch die in diesem Zusammenhang nicht unwichtige Frage, was eigentlich Europa ist und sein kann, und er spannt dazu einen weiten historischen Bogen seit der Antike. Diese Frage sollten sich, jenseits von tagespolitischem Aktionismus, gerade auch die handelnden Politiker vorlegen!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbequeme Tatsachen, 24. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Sarrazin beschreibt nicht nur den heutigen Zustand des Euroraums, sondern gibt eine detaillierte historische Zusammenfassung, wie es so weit hat kommen können. Dabei beschreibt er, wie er die Entscheidungsträger erlebt hat und lobt, bzw.tadelt ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit. Der Autor zeichnet sich durch hohe Kompetenz und Fachwissen aus und ist für mich absolut glaubhaft. Nach der Lektüre des Buches sieht man viele Politiker mit anderen Augen und reibt sich diese vor Fassungslosigkeit angesichts der ideologiegesteuerten Ziele, die anvisiert wurden. Kein Wunder, dass so viele auf dem Mann rumhacken. Eine sehr zu empfehlende Lektüre, wenn man über die Hintergründe der europäischen Währung informiert werden will.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erklärbare Hintergründe, 29. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Diese Buch ist spannend wie ein Krimi.
Sehr einfach geschrieben wird erläutert, wie sich die Geschichte des Euro entwickelt hat. Auch die Hintergründe für die derzeitige Situation sind kar dargelegt. Die angegebenen Quellenangaben sind sachlich richtig dargestellt.
Für mich eine Bereicherung für jeden, der sich für Wirtschaft und Ökonomie interessiert.
Was mir zudem sehr gut gefallen ist, ist die objektive Darstellung der Lage über den Euro. Es handelt sich nicht um ein Buch, der eine bestimmte Meinung "aufdrücken" will, sondern gibt genug Freiraum, sich seine eigene Meinung zu diesem Thema zu bilden.
Alle Achtung auch von Hr. Sarrazin und seiner Arbeit.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein gutes Werk, 18. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Allen, die sich vielleicht bisher noch nicht trauten, einen Euro-kritischen Standpunkt innerhalb ihrer Umgebung zu artikulieren, sei dieses Buch ans Herz gelegt.

Der SPD-Mann Sarrazin ist ja nun bekannt als Buhmann der Nation, als angeblicher Hetzer gegen Migranten und vermeintlicher Vertreter rechter Positionen. Wie soll ein solcher Mann ein gutes Sachbuch zu einer komplizierten Materie schreiben?

Er kann es! Und zwar nicht zuletzt aufgrund eigener Erfahrungen aus seinen Tätigkeiten, sei es in Rheinland-Pfalz oder Berlin als Finanzsenator. Diese Erfahrungen bringt er nachvollziehbar ein. Trotz seines extrem eurokritischen Standpunkts bleibt er immer sachlich und schildert ausdauernd die Probleme der heutigen EU insgesamt, die undemokratischen Strukturen, den Mangel an energischer Regeldurchsetzung usw. Und das wirklich ohne, und zwar kein einziges Mal, gegen irgendeine europäische Nation oder Volk polemisch zu werden. Denn das hat er nicht nötig. Seine Argumentation hat so viel Kraft und Schlüssigkeit und lässt kein Platz für Schuldzuweisungen gegenüber irgendeiner Gruppe. Wenn er über Mentalitätsunterschiede innerhalb Europas schreibt (und dies macht, auch im historischen Kontext, einen guten Teil des Buches aus), so tut er dies wertfrei und sachlich. So etwas muss erlaubt sein, und dieses Verdienst kommt Sarrazin eindeutig zu, weil es nicht alltäglich und schon gar nicht politisch korrekt ist.

Etwas anders als Hans-Werner Sinn mit der Target-Falle (s.meine Rezension dort) ist die Euro-Kritik bei Sarrazin noch fundamentaler. Den Standpunkt kann man vertreten, muss es aber nicht. Beispielsweise plädiert Sinn durchaus für die Vereinigten Staaten von Europa, die langfristig erreicht werden sollen und müssen. Dies liest man bei Sarrazin so nicht. Dennoch beharren beide Autoren nicht auf ihren Standpunkten und bezeichnen ihn als das einzig Wahre, und beide machen nicht die Eurobefürworter plump nieder.

Das Buch ist wertvoll, weil es Standpunkte liefert, die in der kurzlebigen hektischen Alltagsdiskussion untergehen. Das Europa- und Euro-Thema ist nicht einfach und eine sachliche Auseinandersetzung darüber hat seit Beginn der Euro-Idee nicht stattgefunden. Vielleicht kommt sie jetzt in Gang.
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23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sachlich brilliant - linker Zeitgeist als tiefere Ursache, 1. Juli 2012
Wie immer schildert Sarrazin ganz sachlich die Zusammenhänge, wie man sie selten so geduldig und ausführlich erklärt bekommt. Man erfährt auch manches, was man selbst als aufmerksamer Zeitungsleser noch nicht wusste: Dass z.B. hohe Staatsschulden kein Problem sind, wenn der Staat bei seinen eigenen Bürgern verschuldet ist, aber dafür niedrige Steuern hat, wie z.B. Japan; aber das ist ein Randthema. Sehr gut auch die Erkenntnis von Sarrazin, dass ein Goldstandard in der Währung nichts nützt, wenn auch hier die Regeln nicht eingehalten werden (Bretton Woods). Das entscheidende sind gute Regeln und wirksame Mechanismen, die deren Einhaltung tatsächlich garantieren bzw. Übertretungen konsequent abstrafen. Dabei ist es egal, ob Goldstandard oder "Papierwährung". Die DM war auch eine "Papierwährung" und hatte wunderbar funktioniert.

Auf dieser sicheren Sachgrundlage führt Sarrazin dann eine klar nachvollziehbare Argumentation, warum man einen Schuldner nicht aus seiner Schuldenkultur herausholen kann, indem man ihm immer mehr Geld zusteckt; hier ist "moral hazard" das Schlüsselwort, mit vielen Beispielen aus der Vergangenheit, wo dies ebenfalls scheiterte. Politik handelt nun einmal unter dem Druck verschiedener Interessen, und wenn man den Druck zu Reformen lockert, finden sie eben nicht statt. Sarrazin erklärt weiter, warum vertragliche Zusagen das Papier der Verträge nicht wert sind, auf dem sie gedruckt stehen, wenn kein wirksamer Mechanismus zur Durchsetzung dahinter steht; warum die Geldempfänger ihre Geldgeber keineswegs lieben sondern im Gegenteil zu hassen und zu verachten beginnen; warum also der ganze Euro-"Rettungs"- Wahnsinn ein Wahnsinn ist, der ins Unglück führt, statt ins Paradies eines vereinten Europa.

Der einzig richtige Weg ist der argentinische Weg: Griechenland muss Bankrott erklären, aus dem Euro raus, abwerten, und dann wird es nach einer kurzen Phase der Turbulenzen wieder auf Kurs sein. Statt diesen ehrlichen, realistischen, gerechten und marktwirtschaftlichen Weg zu gehen, der keinesfalls die ganz große Katastrophe sondern vielmehr die handhabbare "kleine" Katastrophe wäre, geht Europa derzeit aus ideologischen Gründen (Europagläubigkeit, Sozialgläubigkeit) den Weg der Planwirtschaft und Entdemokratisierung, den Weg der Ausbeutung der Fleissigen und Erfolgreichen (Deutschland ...) und der demütigenden Gängelung und Bevormundung der Verschuldeten, der immer tiefer in die Misere führt, statt aus ihr heraus.

Sehr richtig analysiert Sarrazin, dass Deutschland vom Euro kaum profitiert haben dürfte, und dass der Export-Anteil in die Euro-Länder sogar rückläufig war. In Ländern wie Griechenland wurde durch den Euro hingegen die an sich schon schwach entwickelte Industrie vollends ruiniert, weil der Euro für sie zu stark ist, eine Abwertung der nationalen Währung nun aber nicht mehr möglich war. Auch können diese Länder nun nicht mehr einfach ihr eigenes Geld drucken, um sich über eine Inflation aus der Affäre zu ziehen. Auch hat Sarrazin richtig beobachtet, dass das gegenseitige Kennenlernen in Europa ebenfalls rückläufig ist, und sich alles mehr und mehr an einer angelsächsischen Weltkultur orientiert, was ein interessanter Punkt jenseits aller Ökonomie ist.

Wer schon längst den Überblick über die Bankenkrise und die später folgende Eurokrise verloren hat: Bei Sarrazin wird das alles noch einmal chronologisch aufgedröselt und analysiert. Auch die Zeitpunkte, an denen die entscheidenden Fehler gemacht und Vertrags- bzw. Verfassungsbrüche begangen wurden, werden genannt. Teilweise war Sarrazin als Beamter selbst dabei und berichtet aus dem Nähkästchen, wie es wirklich war. So wurde die Einführung des Euro von Helmut Kohl gegen die Meinung seiner Beamten beschlossen, vermutlich, um Frankreich für die deutsche Einheit zu gewinnen. Gegen alle linke Propaganda kommt Sarrazin immer wieder zu demselben Schluss: Schuld an allem sind nicht die Banken oder "Spekulanten" oder Konzernbosse oder diese oder jene Lobby oder wer auch immer, sondern im Kern muss die Ursache für alle diese Probleme im Politikversagen gesucht werden. Die Politiker sind schuld. Die politische Klasse und ihre Ideen.

Sarrazin geht in seiner Analyse aber noch tiefer: Er arbeitet auch die tieferen Gründe für das erschreckende Versagen der deutschen politischen Klasse heraus. Im Kern ist es eine fundamentale Kritik am linken Zeitgeist, der sich ab 1968 in Deutschland immer mehr durchsetzen konnte: Ein falsches Verständnis von Verantwortung in bezug auf die deutsche Vergangenheit, die Meinung, gerade als als Deutscher müsste man immer eher geben und nachgeben statt andere zu kritisieren und klare, für alle heilsame Grenzen zu setzen. Sarrazin beobachtet eine erschreckende Ahnungslosigkeit und Naivität bezüglich ökonomischer Fragestellungen gepaart mit einer irrationalen Abneigung gegen den "Kapitalismus", d.h. unsere erfolgreiche Marktwirtschaft, eine sozialistische Verteilungsmentalität, die vergisst, dass Wohlstand erwirtschaftet werden muss, und wie das eigentlich funktioniert. Auch die verschiedenen Nationalcharaktere in Europa werden angesprochen, die von Multikulti-verliebten Politikern häufig ignoriert werden. Sie stehen einem zu engen Zusammengehen in Europa entgegen, weil man damit zusammen zwingen würde, was nicht zusammen gehört, auch und gerade ökonomisch nicht. In den Ländern des Südens ist Papier sehr viel geduldiger als im Norden. In der EZB ist die stabilitätsorientierte Tradition der deutschen Bundesbank vollkommen unter die Räder gekommen, dort herrscht jetzt der "Club Med" mit Mehrheit. Namentlich wird als Vordenker der ideologischen Verblendung auch Jürgen Habermas kritisiert, womit Sarrazin ins Herz der herrschenden Zeitgeist-Klasse trifft. Es sind also die Politiker und ihre Vordenker schuld.

Gegen all das formuliert Sarrazin den Gegenentwurf eines Europas, der für Europa-Euphoriker sicher unerträglich "spießig" klingt, in Wahrheit aber einfach nur realistisch und vernünftig ist. Die europäischen Staaten müssen dort kooperieren, wo es Sinn macht, aber ihre eigenen Wege gehen, wo es keinen Sinn macht. Insbesondere muss jeder Staat für sich allein wirtschaften, und darf nicht von anderen Staaten "gerettet" werden, so wie es vertraglich einst vorgesehen war. Ein Euro-Austritt überschuldeter Länder darf kein Tabu sein. Nur in einem einzigen Punkt ist Sarrazin bereit, sich Europa auch "ideologisch" etwas kosten zu lassen: Sarrazin warnt davor, dass Frankreich durch Deutschland gedemütigt wird, weil das deutsch-französische Verhältnis die unabdingbare Basis für ein kooperatives Europa ist, in dem Frieden herrscht.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Begründung:, 3. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ob man mit Thilo Sarrazin bei allen Details einig ist oder nicht, Bücher wie diese gehören zur aktuellen Diskussion, weil hier jemand mit spitzer Feder 'sein Seelenkonto abgehoben hat' und der von der Politik und gelegentlich von einzelnen Gazetten geförderten 'öffentlichen Meinung' unangenehme Fakten entgegensetzt. Man muss es gelesen haben, um im Gespräch mit Dritten beurteilen zu können, ob die anderen, die Kritik üben, ihr 'Wissen' aus kurzen Rezensionen schöpfen, oder das Buch wirklich zur Gänze gelesen und den Sinn verstanden haben.
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