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47 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. April 2005
Eine faire Bewertung dieser Platte kann nicht unter der Frage funktionieren, ob es im Jahre 2005 "härtere" Musik oder "frechere" Texte gibt (wie auch immer sich das jeweils äußern mag) - oder ob die Pistols alle Instrumente selbst gespielt haben (übrigens ist das Gegenteil nie bewiesen worden).
Entscheidend ist das Resultat mit Blick auf die ausgehenden 70er Jahre! Und da kann man nur sagen: WAS FÜR EINE PLATTE!
Die Musik ein Orkan, ein Faustschlag mitten ins Gesicht der räucherstäbchenverzückten Progressive-Rock-Jünger (damals) und von mir aus der Pur-, Mandoki-, Orange-Blue-verschwurbelten "Ich fresse alles, was in den Charts auftaucht" - Hörer (heute).
Die Texte ein zum Wasserlassen bereites, angehobenes Beinchen gegen das selbstgefällig sich den Bauch pinselnde Bürgertum der 70er (damals) und gegen die ebenso selbstgefällig die Welt in "gut" und "böse" einteilende Fraktion der Kirchentagsjunkies und Kulturszene-Ästheten.
Der Einfluss dieser Platte auf nachfolgende Musikergenerationen von The Police (Sting!), Boomtown Rats, U2, Toten Hosen, Nirvana bis hin zu den "neuen" Punks (Green Day, Sum41 etc.) ist gar nicht hoch genug einzuschätzen, weil die Botschaft "Das kannst du auch, und zwar ohne klassische Gitarre studiert zu haben" eine der wichtigsten war, die je in der Pop-Rock-Musik ausgegeben wurde.
Ob "God save the queen, the fascist regime" oder "Anarchy in the UK" textlich obsolet sind oder nicht, ist NICHT die drängende Frage, die sich heutigen Hörern stellen sollte - wichtiger sind die immer noch ungebremste Energie und Wut, die von dieser Platte ausgehen und sie bis heute zu einer Blaupause für nonkonforme Popmusik machen ... und davon gibt es auch 2005 nur sehr wenig. EIN MONUMENT!
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97 von 107 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. Dezember 2002
London 1977, das Wort haben die Sex Pistols:
‚God save the queen / her fascist regime' ... ein paar Tage im Radio gespielt und schon verboten - dabei war dies noch einer der harmloseren Sprüche, mit denen Johnny Rotten (eigtl. John Lydon) und Gefolge sich an die Spitze der Punkbewegung setzten. In lockerer Folge wurde hier das sozialistische Ostberlin mit Bergen-Belsen verglichen (‚Holidays in the Sun'), Abtreibung als perverse blutspritzende Tötungsorgie dargestellt (‚Bodies'), der Antichrist als Anarchist glorifiziert (‚Anarchy in the UK') sowie, schon etwas harmloser, der narzistischen Egozentrik das Wort geredet (‚Feelings') und nebenbei die ursprüngliche Plattenfirma der Gruppe (mit der es dann doch keinen Vertrag gab) als Haufen dumpfer Idioten dargestellt (‚EMI').
Wie eine Bombe schlug dieses Album ein, vollkommen unerwartet und daher umso wirkungsvoller. Was dem Faß die Krone aufsetzte, waren nicht die unerträglichen Widersprüche - in ‚Anarchy for the UK' lamentieren die Sex Pistols, daß man eben doch kein Vereintes Königreich sei, obwohl man der (angolanischen) MPLA, der (irischen) UDA und der (noch irischeren) IRA getrotzt habe, doch im selben Lied plädieren sie lautstark für die Zerschlagung der britischen Zivilgesellschaft (offenbar die einzig adäquate Sex-Pistols-Lösung zur tatsächlichen Einigung des Königreichs) - sondern der Frontalangriff auf die Großen der Branche, allen voran die Stones.
Immer wieder verlautbarte John Lydon, man wolle Schluß machen mit all diesem erbärmlichen Rock'n'Roll-Gesäusel und eine Zeit einläuten, in der Holzfiguren wie Mick Jagger (O-Ton J. Lydon: ‚white nigger') nicht zu suchen haben.
Gut ein Jahr hat's gedauert, dann war's vorbei mit dem selbstbewußten Gekreische. Unmittelbar nach dem zweiten Konzert ihrer ersten Amerika-Tournee löste sich die Gruppe auf. Es gab dann noch den Film ‚The Great Rock'n'Roll Swindle' mit dazugehörigem Doppelalbum, doch während die Stones heute als entrückte Rock'n'Roll-Boddhisatvas freiwillig der Erleuchtung entsagen, um anderen ebenfalls den Eingang ins Musik-Nirwana zu ermöglichen, ist von den Sex Pistols nichts geblieben als eben jene eineinhalb Jahre, in denen sie dem Disco-Geheule der Bee Gees gegenüberstanden und sich mit der Aushebelung kanonisierter Legenden (Bowie, Jagger usw.) übernahmen.
Mal ganz abgesehen von den faschistoiden Koketterien ihres Bassisten Sid Vicious, der sich zunächst gedankenlos mit Hakenkreuzen schmückte, dann seine Freundin in der Badewanne aufschlitzte und zuletzt an einer Überdosis Heroin starb.
Oder jener Wiedervereinigungstournee durch Amerika 1996, als die neuen alten Sex Pistols genau das fortsetzten, was sie 1978 kurzfristig abbrachen. Wer sie gesehen hat, konnte kaum glauben, daß hier tatsächlich dieselben Leute noch einmal dasselbe spielten wie damals, denn anscheinend existierten die 18 Jahre dazwischen nicht und war es daher gleichgültig, daß die über 40jährigen sich gelassen weigerten, dazuzulernen. Eine derart groteske Tournee hatte es wohl zuletzt 18 Jahre zuvor gegeben, als ganze zwei Auftritte (Atlanta, San Francisco) reichten, den Namen ‚Sex Pistols' auch in den Staaten zum Schreckgespenst werden zu lassen.
Warum dieses Album dennoch bemerkenswert ist, erklärt sich zum einen aus der angenehm dröhnenden musikalischen Einheitssoße aus viereinhalb Akkorden - später nur noch von den Ramones untertroffen - und dem Umstand, daß kein Tonträger den Begriff ‚Punk' mit allem, was dazugehört, besser auf den Punkt bringt als diese Platte/CD, angefangen von der mittlerweile klassischen Hüllengestaltung mit ihren famos stechenden Farben bis hin zum Gesinnungsgruß einer ganzen Bewegung: ‚no future / no future / no future for me'.
Man muß sie gehört haben, die Sex Pistols. Zum Vergleich: Während die heutige Musikindustrie Figuren wie Elton John dazu bringt, auf dem Begräbnis Diana Spencers zu singen, mieteten die Sex Pistols zum 25jährigen Thronjubiläum Königin Elizabeths (1977) einen Kahn, mit dem sie die Themse hinauf zum Buckingham-Palast fuhren und die Feierlichkeiten durch die Darbietung ihrer eigenen Version von ‚God Save the Queen' bereicherten - bis die Polizei das Boot enterte. Und während Mick Jagger die ehemalige kanadische Präsidentengattin Margaret Trudeau zum Stelldichein im geschlitzten Kleid bat, sang John Lydon den Sinatra-Klassiker ‚My Way' gemeinsam mit dem flüchtigen Posträuber Ronnie Biggs in dessen Exil in Rio de Janeiro.
Obwohl vieles dafür spricht, daß die Sex Pistols letztlich ein von ihrem Manager Malcolm McLaren konzipiertes Investitionsprojekt waren (Lydon prozessierte erfolgreich gegen McLaren um die Tantiemenrechte), das sich beliebig manipulieren ließ - der Einfluß dieser Platte ist unbestreitbar. ‚Never Mind the Bollocks' hat die Geschichte der Rockmusik verändert: Das Album steht am Anfang der gesamten Punk-Nachfolgebewegung des New Wave, welche die frühen und mittleren 80er Jahre dominierte. Auf dem Parcours der schnellebigen Rockmusik sind die Sex Pistols nach wie vor eine gefährliche Schikane, bei der man erstmal vom Gas muß, um sich kurz zudröhnen zu lassen. Wer geradeaus brettert, hat den Übergang von den Hardrockgruppen der Siebziger (Deep Purple, Led Zeppelin u.a.) zu den mittlerweile ausdifferenzierten Underground/Heavy/Indie-Klängen, die allesamt den Sex Pistols entweder geistig oder musikalisch verpflichtet sind, entweder übersehen oder bewußt ignoriert. Deshalb lieber Sex Pistols hören - noch immer die netteste Dröhung der letzten Generation.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. Dezember 2012
Natürlich hat der geneigte Pistols-Fan die Tracks des Mega-Albums der 70er schon in der einen oder anderen Form im Schrank stehen, aber dennoch lohnt die Anschaffung. Die erste CD in diesem 4er-Set enthält die von den Original-Bändern remasterte Version von NtBhtSP. Der Unterschied ist hörbar: Chorus-Gesänge sind in vielen Songs deutlicher, der Bass kommt klarer rüber, das Gesamtbild ist deutlich härter. CD 2 beeinhaltet die B-Seiten der Singles sowie Aufnahmen der Dave Goodman- und Chris-Thomas-Sessions (hier tatsächlich neu: Demo-Version Belsen was a gas). Das auf Disc 3 platzierte Trondheim-Konzert war allerdings schonmal als Beigabe der Kiss-This De-Luxe Edition erhältlich und der Stockholm Happy-House-Gig kursiert als Bootleg im Netz, somit also hier nicht viel Neues. Sehenswert in jedem Fall die Video-DVD mit Clips der berüchtigten River-Boat-Party, die hier in akzeptabler Form bearbeitet wurden. Daneben das Stockholm-Konzert in Auszügen und drei Songs des Wintergarden-Gigs in Cornwall. Die Audiosektion bietet die kompletten Interviews der so genannten Heyday Session, die in verkürzter Form als Cassette bereits vom Factory-Label hrausgebracht wurden. Die Promotion Videos zu den Singles (wer behauptet eingentlich, dass ABBA die ersten gewesen sind, die Video als Begleitmaterial einsetzten?) runden die exzellente Box ab. Als Gimmicks liegen die 7"-Single "God save the Queen", das Textblatt als Facsimile, ein riesges Poster des Album-Covers sowie zwei relativ popelige Aufkleber bei. Wer jetzt noch nicht genug hat: Das 100-seitige Buch (im LP-Format) mit Zeitungsausschnitten, zahlreichen Reprints von Tickets, Konzertankündigungen sowie Interviews lässt keine Wünsche offen, eine Sternstunde für SP-Afficionados.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. April 2010
Natürlich ist hier der Song "Anarchy in the UK" drauf, aber der ist nich nur allen "Fans" geläufig, sondern jedem der auch nur ansatzweise mit dem Genre vertraut ist.

Songs die weit vielschichter sind, wie "Problems" oder vor allem "Submission", finden sich auf dieser Platte, was schon allein als Kaufempfehlung gelten kann.

Aber auch Lieder wie "God save the Queen", "Holidays in the sun" und "Liar" sind Schätze der Punkrockgeschichte, und damit auf jeden Fall ein muss für jeden, der einen breiten Musikgeschmack besitzt!

Zweifelsohne 5 Sterne!!!!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. September 2007
Kaum eine andere Band verursachte einen solchen Wirbel wie die Sex Pistols. Die Band schaffte es mit ihrer extrem provokanten Attiüde immer wieder, in die Schlagzeilen zu geraten und mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam zu machen.
Lange Zeit waren nicht einmal Singles der Band zu bekommen, die EMI hatte nach einem skandalträchtigen Fernsehauftritt die Single "Anarchy In The UK" eingezogen und den Pistols den Vertrag gekündigt, bei der Firma A & M erging es der Band nicht besser, die erste Pressung der höhnischen "Hymne" zum 25 - jährigen Kronjubiläum der Queen wurde sofort nach dem Erscheinen wieder eingestampft, die Pistols ein weiteres mal rausgeschmissen.
"God Save The Queen" erschien schließlich doch noch, auf dem eigentlich gehaßten Hippie - Label Virgin Records, was die Band mit einem Konzert auf einem Boot auf der Themse feierte, welches wie üblich von der Polizei beendet wurde.
Hinter dieser Aktion wie überhaupt hinter dem ganzen zu dieser Zeit so skandalösen Image der Band steckte ihr Manager Malcolm McLaren, der den Sex Pistols nicht nur ihr für jeden Punk stilprägende Outfit verpasste (unterstützt von der Designerin Vivienne Westwood), sondern auch mit den generalstabsmäßig geplanten Rowdy - Aktionen der Pistols den Bekanntheitsgrad seiner Schützlinge sehr erfolgreich steigerte (und damit davon ablenkte, daß kaum einer der Pistols sein Instrument wirklich beherrschte). Die Sex Pistols sind der beste Beweis für die Wirkung der richtigen Werbestrategie.
Knapp 1 1/2 Jahre waren die Pistols damals die Galionsfiguren der Punk - Bewegung (obwohl die Band selber von dem Begriff nichts wissen wollte), auf vier Singles verhöhnten sie das britische Establishment und besangen (falls man bei Johnny Rottens Mikrokünsten von Gesang sprechen kann) das Lebensgefühl und die Desillusioniertheit der Jugend der späten 70er Jahre, die sich von den Idealen der Hippie - Bewegung und deren Musik enttäuscht abgewandt hatte. Die Musik der Pistols passte optimal in die knallharte Realität und brachte die unterdrückte Wut, die viele fühlten, zum Ausdruck.
1977 schließlich erschien "Never Mind The Bollocks Here's The Sex Pistols", das offiziell einzige Album der Band und die Hysterie um die Sandaltruppe kollabierte sofort. Groß war die Enttäuschung, als die Platte sich als reine Hit - Sammlung mit sämtlichen Singles und deren B - Seiten und nur sechs neuen, wenn auch sehr potenten Stücken entpuppte. Die Musikpresse (nur in England, in Amerika kannte man die Band noch nicht und war von dem Album absolut begeistert) reagierte mit bissigen Verrissen, McLaren kommentierte seinen neuen Coup (auch negative Presse ist Publicity) als "The Great Rock 'N' Roll Swindle".
Natürlich legte sich der Sturm und heute ist das Album wohl das wichtigste Überbleibsel dieser einzigartigen Band. Die Texte von Johnny Rotten haben über die Zeit einiges von ihrer Schärfe und Provokation verloren, wenn man sich mal anhört, was man zum Beispiel von Gangsta - Rappern um die Ohren gehauen bekommt. Trotzdem reißt die Wucht der Songs auf dem Album noch immer mit, Stücke wie die Singles "Anarchy In The UK", "God Save The Queen", "Pretty Vacant" und "Holidays In The Sun" sind für die Rockmusik genauso wichtig und einflußreich geworden wie so mancher Song von den Großmeistern Beatles, Stones und Dylan und die so arg verrissene Platte prägte eine ganze Menge Bands nicht nur aus der "Punk" - Ecke bis heute. "Never Mind The Bollocks" ist eines der wichtigsten Alben aller Zeiten geworden.
Kurz nach der Veröffentlichung lösten sich die Sex Pistols auf, noch bevor die ersten Sicherheitsnadelträger und ihre Hunde in den Fußgängerzonen auftauchten. Geblieben sind ein Musterbeispiel für die optimale Vermarktung einer Band, das oft nachgeahmt wurde und eine Platte voller Songs mit unglaublich wütender Energie.
Ein weiteres Album für die Ewigkeit.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Mai 2013
Sie haben den Punk sicherlich nicht erfunden. Durch ihr skandalträchtiges Auftreten in der Öffentlichkeit und dem einen Album, das sie aufgenommen haben, sind sie aber auf ewig mit diesem Genre verbunden: Die SEX PISTOLS. Es reichte dieses einzige Album um Musikgeschichte zu schreiben und die Band um Frontmann Johnny Rotten unsterblich zu machen. Dabei war “Never Mind The Bollocks Here’s The Sex Pistols” weit weniger politisch provokant, als es die beiden Singles “Anarchy In The U.K.” und “God Save The Queen” vermuten ließen.

35 Jahre ist es nun schon her, seit Virgin Records die Platte erstmals in die Läden gestellt hat. Ein guter Anlass also nicht nur die Wichtigkeit der SEX PISTOLS noch einmal heraus zu stellen, sondern dieses Jubiläum auch anständig zu feiern. So wurden die kürzlich wieder aufgetauchten originalen Mastertapes unter Aufsicht vom damaligen Produzenten Chris Thomas neu gemastert. Die Kompositionen verlieren hierdurch ihren Charme nicht und man kann immer noch klar erkennen, warum die SEX PISTOLS so wichtig für die Punkszene waren. Die kurz und knapp auf den Punkt gespielten Riffs von Gitarrist Steve Jones, gepaart mit dem aggressiven Drumming und den völlig ätzenden und immer angepissten Vocals von Johnny Rotten waren ein zu explosives Gemisch für die Britische Gesellschaft im Jahr 1977. Songs wie “Bodies”, “Holidays In The Sun” oder “Pretty Vacant” haben auch nach so langer Zeit nichts von ihrer Intensität verloren. Über dem starken Rest des Albums thronen aber die beiden Singles, die die Punkbewegung nachhaltig beeinflussten. Waren frühe Bands wie die RAMONES noch recht zurückhaltend was gesellschaftskritische Texte anging, nahmen die SEX PISTOLS kein Blatt vor den Mund und schrien die Unzufriedenheit und Perspektivlosigkeit der britischen Jugend in ohrenbetäubender Lautstärke heraus. Auf “Never Mind The Bollocks Here’s The Sex Pistols” befindet sich kein Ausfall. Jeder Ton, jede Zeile und jeder Beat sitzen genau da, wo sie hin sollen – der Startschuss für eine neue Bewegung.

Da auch “Never Mind The Bollocks Here’s The Sex Pistols” unter dem Banner ‘Deluxe Edition’ erscheint, dürfen sich Fans neben dem remasterten Album auch über eine Bonus-Disc freuen, die Liveaufnahmen aus dem Jahr 1977 beinhaltet. Aufgenommen in Stockholm und Cornwall, sind beide Konzert als Mischpultmitschnitt enthalten. Ein richtiges Livealbum wäre mir lieber gewesen, da der Sound hier natürlich etwas hohl klingt, aber die Atmosphäre eines SEX PISTOLS-Gigs trotzdem gut eingefangen wird (inklusive Spielfehler der Band). Soundtechnisch fallen die drei in Cornwall aufgenommen Nummern leider in die Kategorie schlechtes Bootleg, was einen kleinen Wermutstropfen darstellt, der Mischpultsound beim schwedischen Konzert geht aber in Ordnung.

Was soll man zu einem derart großen Album noch schreiben? Klar, es gab und gibt nach den SEX PISTOLS wesentlich härtere und auch bessere Punkbands. Aber keine dieser Bands hatte einen solchen Einfluss auf die Szene wie eben die SEX PISTOLS mit “Never Mind The Bollocks Here’s The Sex Pistols”. Jüngere Fans sollten zuschlagen und sich das Album ins Regal stellen. Ältere Fans können auf die normalen Ausgabe verzichten und sich stattdessen die ‘Super Deluxe Edition’ kaufen, die neben dem Album noch eine CD mit Raritäten/Demos, eine DVD (live und Videos) ein Hardcoverbuch, Poster, Sticker, etc. enthält.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. Dezember 2008
Dieses Album ist Rock`n`Roll aus der Gosse, 3 Akkorde im 4/4tel Takt, von einer Band die gerade erst ihre Instrumente "gelernt" haben und dauernd plärrt rotzend und fluchend Johnny Rotten mit, der schon von sich selbst behauptete nicht singen zu können. Eine gute Voraussetzung Musik zu machen, in einer Zeit wo Pink Floyd, Supertramp und wie sie sich alle nennen, an ihrer Gigantomanie und Perfektionismus fast erstickten. Ja, und da waren sogar die ach so netten Hippies schockiert. Natürlich gab es auch schon die "Stranglers" oder "The Clash", aber die klingen nicht so rotzig, wütend und frech, eher wie eine nette Kopie, für die Charts. Sls die sex Pistols auf dem Höhepunkt ihrer Karriere waren, kam diese LP heraus und dann lösten sie sich auch bald auf, was nur konsequent war, da Johnny Rotten einmal sagte, dass eine Band aufhören solle wenn sie eine Langspielplatte veröffentlichen, weil sie sonnst eine Hippieband seien. Tja, und so war die erste Generation des Punk tot. Danach gab es noch einen haufen super Bands, wie "Exploited"...und ihr Horden von Irokesenfrisuren oder "Crass" und "Conflict" mit echt geiler Musik, aber mit überheblichen und humorlosen politisch-korrekten aufgesetzten Anarchotexten. Ja, dieses album ist ein meilenstein jeder song ein hammer. der "SPIEGEL" hat mal geschrieben dass diese Band mit ihrem Dilettantismus die beste Platte des Jahrzehnts gemacht haben. Genau! Wer wissen will was Punkrock ist sollte dieses Album hören.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Ganz schön schlau, diese Major-Plattenfirmen. Nachdem der CD-Markt immer mehr schrumpft, versucht man verstärkt den zahlungskräftigen Kunden zu locken. Die Melkkuh heißt in diesem Falle „Anniversary Edition“ oder wahlweise „Limited Deluxe Edition“. Irgendwelche Jubiläen alter Platten kann man ja fast im Monatstakt feiern. Jetzt hat man sich glatt das Album vorgenommen, welches den englischen Punkrock der großen Masse schmackhaft machte: „Nevermind the Bollocks“ der Sex Pistols. Eigentlich schon lustig, dass gerade so eine Asi-Scheibe so groß aufgeblasen wie zum Beispiel Pink Floyd gefeiert wird, die zur Zeit des Entstehens eine Feindbild für die aufbegehrende Jugend war. Für den Hardcore-Fan gibt es ein Box mit drei CDs, einer DVD, einer 7“-Single und weiterem Schnickschnack.

Für den schmaleren Geldbeutel darf es diese Doppel-CD sein. Neben dem Original-Album gibt es eine Live-CD mit 14 im Juli und September 1977 aufgenommen Titeln. Wer also wissen möchte, warum Punk immer als Mucke von spielerisch beschränkten Individuen galt, der ist hier genau richtig. Denn darauf bekommt man die Sex Pistols pur zu hören: ungestüm, wild und dank Sid Vicious am Bass und gesanglich auch gerne mal komplett neben der Spur liegend. Aber die euphorische Performance passt - auch wenn man wohl dabei gewesen sein muss. Denn die Aufnahmen klingen alles andere als gut und haben durchaus Bootleg-Charakter. Das muss man mögen.

Dafür erfuhr das einzige Studioalbum der Sex Pistols eine kleine Soundpolitur. Nachdem Universal Virgin Records schluckte, fand man offensichtlich im Keller die Original-Masterbänder von „Nevermind the Bollocks“. Tim Young hat dieses Material unter Anleitung des ursprünglichen Produzenten Chris Thomas neu gemastert. Und so klingen die zwölf Songs der Platte und die vier hinten angehängten B-Seiten richtig gut. Und zwar keinesfalls glattgebügelt, sondern so ungehobelt, wie es sein sollte - inklusive der lässigen Gitarren von Steve Jones und dem schnodderigem Gesang Johnny Rotten. Heute ist das natürlich keine Revolution mehr. Aber Songs wie das ziemlich abgehende „Bodies“, „No feelings“ oder „God save the Queen“ und „Anarchy in the UK“, bei denen man vor allem textlich den Mittelfinger in den Allerwertesten des Establishments steckte, haben noch heute eine Menge Charme und machen ziemlichen Spaß. Da vergisst man auch gerne, dass nicht gerade alle Songs Hits sind.

Natürlich weiß man heute, dass die Sex Pistols mehr Geste und Modekonstrukt als echte Revolution waren. Trotzdem ist „Nevermind the Bollocks“ ein Klassiker und ehemaliger Trendsetter. Sollte man zumindest mal gehört haben. Ob es gerade diese Version sein soll, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fein aufgemacht und mit einem unterhaltsamen Booklet versehen ist sie jedenfalls.
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am 30. Juni 2015
Hallo, ich besitze diese Ausgabe bereits als LP und musste nun auch für ein moderneres Zeitalter vorsorgen. Ich empfehle diese Scheiben den "älteren" Punks, aber auch die Jugend kann hier Zeuge werden, wie die SexPistols einst den Punk "verrieten". Gott sei Dank möchte ich sagen. Viel Spaß
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. November 2011
Man kann über die Sex Pistols, Sid Vicios und Punk im Allgemeinen denken was man will - die Attitüde und die Energie, welche diesem Klassiker innewohnt hat etwas ganz Eigenes.
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