Kundenrezensionen

3
4,7 von 5 Sternen
5 Sterne
2
4 Sterne
1
3 Sterne
0
2 Sterne
0
1 Stern
0
Tannhäuser (Berliner Philharmonie, 2012)
Format: Audio CDÄndern
Preis:39,99 €+Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel

Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
VINE-PRODUKTTESTERam 28. Dezember 2012
Kurz vor dem Wagnerjahr 2013 musste ich für Distanz zum oft wirklich besitzergreifenden "Meister" sorgen und las Herbert Rosendörfers "Richard Wagner für Fortgeschrittene" wieder mal, in dem der Verdi-Liebhaber mit spitzer Feder alles abhandelt, was gegen Wagner verwendet werden kann, vom Stabreim zum Antisemitismus, vom Schuldenmachen und Niedermachen der Komponistenkollegen usw. Für den jüngst verstorbenen Juristen sind denn auch Otello und Falstaff Wagners beste Werke. Nach dem ersten Anhören von Marek Janowskis neuer Aufnahme kam mir der Umkehrschluss in Sinn - der Tannhäuser ist Verdis beste Oper, zumindest wenn es so schwungvoll und dynamisch dirigiert wird.
Das sind fast drei Stunden Musik ohne Langeweile, ständig vorantreibend, mit einer regelrechten Cabaletta im Duett Tannhäuser - Elisabeth, vor allem auch bei den rezitativischen oder nicht so spannungsvollen Stellen, um dann aber auch wieder dem Lied an den Abendstern oder Elisabeths Gebet den erforderlichen Raum zu geben. Janowski, der ja auch viel in Frankreich gearbeitet hat, erzeugt für mich dann eine Clarté, wie ich sie mit französischer Musik verbinde, das Orchesterspiel hat eine Eleganz, auch Leichtigkeit, kein Dröhnen, kein markiges Auftrumpfen. Das ist sicher einseitig, aber bewundernswert konsequent und gerade beim Tannhäuser überzeugend. Auch Thielemann ist ja bei seinem Bayreuther Tannhäuser Einspringen 2012 schneller und "leichter" als früher geworden, ohne aber ganz auf das Donnern zu verzichten. Janowski will damit sicher allem Pathos aus dem Wege gehen, bleibt manchmal kapellmeisterlich zurückhaltend und doch was für den Unterschied zu den ja ebenfalls "kapellmeisterlich" agierenden Haitink oder Konwitschny, das klingt im direkten Vergleich fast langweilig. Das Rundfunksinfonieorchester Berlin spielt mit herrlichen immer präsenten Streicherklang und geradzu erlesenen Bläser. Ein Sonderlob an die prägnante, viel geforderte Harfe.
Ja und dann die Sänger: Ich bin kein Stimmfetischist a la Jürgen Kesting, höre deshalb hier keinen Schwachpunkt, im Gegenteil von der Titelpartie bis zum Hirten oder den Minnesängern wird meisterlich gesungen. Vielleicht ist die ausladende Venus der Marina Prudenskaja Geschmacksache, aber was für eine große, volle Mezzostimme, wahrhaft eine Göttin der Liebe. Die Rolle des Tannhäusers ist ja eine von Wagners schwierigsten Partien, schon der Anfang mit der Vision des Glockengeläutes und dann dem dreistrophigem Lied wirklich schwer, im zweiten Akt muss er sich in den Ensembles durchsetzen um dann noch die ganze Ausdruckspalette der Romerzählung zu meistern, uns zu packen - da ekelte der holde Sang, kann man da oft nur sagen. Robert Dean Smith gelingt fast alles, bei der 4.Strophe seines Preisliedes "Zieht in den Berg der Venus ein" scheint er mit seinen Kräften etwas haushalten zu müssen, aber ansonsten eine tolle Leistung, vergleichbar mit Seifert in seinen besten Tagen. Nina Stemme ist als Elisabeth ja fast schon eine Luxusbesetzung, aber was für souveräne Hallenarie bis zum letzten Spitzenton makellos. Keine blutleere Heilige, sondern wahrhaft liebende Frau, auf das ja schon fast spektakuläre Duett der beiden habe ich ja schon hingewiesen. Albert Dohmen gibt einen knarzigen, aber immer engagierten Landgrafen, wertet die doch etwas blasse Figur mit dunklen Basstönen auf. Von Peter Sonn würde man gerne mehr hören, er hat schon den David in diser Serie toll gesungen, eine richtige Taminostimme, was vor allen den komplexen Ensembles im 2. Akt zugute kommt, die ich noch nie so klangschön, so "gregorianisch" gehört habe. Bianca Reim als wundervoll schlichter Hirt muss auch erwähnt werden.
Das schon außergewöhnliche Niveau wird nochmals übertroffen durch zwei Mitwirkende: Einmal den phantastischen Rundfunkchor Berlin, kein Opernchorgewaber (man denke nur an die fast peinliche Chorleistung der Mailänder Scala beim Lohengrin unter Barenboim) sondern die Textverständlichkeit eines Oratorienchors gepaart mit großer Dynamik. Man mag ja den Pilgerchor ob seines Textes belächeln, wenn diese Pilger aber ihr "der Gnade Heil..." donnern, geht zumindest mir ein Rieseln über den Rücken, auch von der Aufnahmetechnik toll eingefangen.
Und dann Christian Gerhaher, was soll man da noch viel sagen, eine fast suggestive Kraft des Singens, etwa beim "Blick ich umher in diesem edlen Kreise", das ja musikalisch nicht so spannend ist, einen aber regelrecht zum Zuhören zwingt. Auch dynamische eine Stimme voller Saft und Kraft, kein blasser Liedsänger - da gehen bestimmt noch ein paar Rollen von Wagner.
Kann denn Liebe Sünde sein, fragt der kundige, auch amüsante Begleittext von Steffen Georgi etwas provokativ. Oder geht uns das Stück heute noch was an? Szenisch sind ja fast alle Regisseure am Tannhäuser gescheitert, der Venusberg ist halt dann doch kein Bordell, die thüringischen Sängerfreunde keine SS-Schergen und die Pilger keine sich peitschenden Gruselmönche. So gibt mir die reine musikalische Version schon in der Ouvertüre die Antwort, dass für Wagner Lust und Liebe untrennbar verküpft sind, keines ohne das andere funktioniert, Choral und Venusbergmusik - selten wurden sie so schön in musikalischer Balance gehalten wie hier am Schluss der Ouvertüre.
55 KommentareWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. März 2013
habe ich durch puren zufall diese cd als erstes bestellt. ich wollte mich diesem komponisten vorsichtig nähern, da es immer heißt, die musik wäre so schwer. aber wie überrascht war ich: wunderbare melodien, schöne stimmen, ein aus meiner sicht herrlicher chor, ich hätte zum einstieg keine bessere variante wählen können. robert dean smith als tannhäuser liegt stimmlich zwischen kaufmann und vogt, ich fand ihn sehr angenehm, auch wenn er sich manchmal etwas angestrengt anhört, marina prudenskaya singt eine voluminöse venus und christian gerhaher als wolfram von eschenbach ist mein liebling dieser cd. auch die anderen sänger sind vorzüglich, liegen mir aber von ihrer art des gesangs nicht ganz so (wobei jeder hörer seine eigenen vorlieben für bestimmte vortragsformen hat). seit 4 wochen nerve ich nun durch das ständige hören und mittlerweile auch mitsingen meine familie!! und jetzt habe ich lohengrin bestellt.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. Januar 2013
Dies ist nun die letzte der Einzelopern Wagners im Janowski Zyklus bevor man sich an den Ring begibt. Ich bin bisher begeistert - auch von diesem Tannhaeuser. Warum nicht einmal die Dresdner Fassung wiederbeleben wie hier geschehen - sie ist ausgewogen und sie ueberzeugt in dieser Aufnahme.

Die Solisten ebenfalls - Robert Dean Smith mag zwar nicht der tiefsinnigste aller Tannhaeuser Interpreten sein (Dir toene Lob", das Preislied an die Venus klingt bei ihm etwas unterkuehlt) aber die Sache stimmt trotzdem.

Tannhaeuser ist auch jemand der eigentlich das ganz normale Glueck sucht und dann ploetzlich ein "Suender" sein soll weil er "normale"und nicht "ueberhoehte" Liebe fuehlt - warum also nicht ein normaler Kerl wie Dean Smith der in einer solchen Situation ueberzeugen wird wenn er nach Erbarm Dich mein" ruft...

Marina Prudenskaja als Venus ist sexy genug - eine dunkle verzaubernde Stimme - aber sie muss an der Text-Vestaendlichkeit arbeiten - vieles verschwindet im Gesang.

Der wahre Hoehepunkt der Aufnahme ist Wolfram gesungen von Christian Gerhaher - dessen Abenstern Lied der wohl eindrucksvollste Moment der Einspielung ist die im Mai 2012 live (!) in Berlin bei der konzertaten Auffuehrung mitgeschnitten wurde.

Marek Janowski hat damit erneut einen ueberzeugenden Beweis wie mit all seinen konzertanten Wagner Einspielungen so auch mit diesem Tannhaeuser geliefert das bei Wagner zunaechst und vor allem anderen die Musik zaehlt und nicht die Buehnen-Inszenierung.

Es waere zu wuenschen wenn diese Musikdramatik im Orchester und bei den Saengern mal wieder mehr im Vordergrund staende als die letze abgehobene Verruecktheit des Regisseurs - erinnert sei hier nochmal an die wirklich dummerhaften Lohengrin Ratten in Bayreuth 2011.

Dieser Regie-Schwachsinn deckt die wundervolle balancierte musikalische Dramatik Wagners zu und lenkt davon ab - das hat Janowski ueberzeugend unter Beweis gestellt als er begann die Opern rein konzertant - rein auf die Musik und ihre Dramatik konzentriert - aufzufuehren.

Der einzige Punkt den ich anmerken moechte, der mir nicht so zugesagt hat bei dieser neuen Aufnahme des Tannhaeuser, ist die Besetzung der Elisabeth. Nina Stemme hat eine (ungute) Art zu Tremolieren - ich mag das nicht wenn jeder gesungene Ton mit-jammert" wenn Elisabeth betet - und Stemmes Stimme ist ausserdem generell zu wenig maedchenhaft fuer die Rolle.

Das truebt aber den Genuss dieser Aufnahme kaum. Tolles Musiktheater zum Wagnerjahr - das ist eine echte Referenzeinspielung die man ohne Abstriche warm empfehlen darf.
33 KommentareWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
     
 
Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen
Tannhäuser [Gesamtaufnahme]
Tannhäuser [Gesamtaufnahme] von René Pape (Audio CD - 2010)

Tristan und Isolde
Tristan und Isolde von Marek Janowski (Audio CD - 2012)

Tannhäuser
Tannhäuser von Elisabeth Grümmer (Audio CD - 2011)