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4.0 von 5 Sternen Siegen um welchen Preis ?
Die Thesen der Autorin sind provokant, keine Frage. Denn sie macht im Buch nichts anderes, als das auf Demokratie und Toleranz basierende westliche Erziehungsmodell in Frage zu stellen und das auf Autorität basierende chinesische dagegen zu setzen. Hierzu benennt sie zunächst die aus ihrer Sicht bestehenden 3 Hauptunterschiede, die in der erzieherischen...
Veröffentlicht am 29. Januar 2011 von Falk Müller

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34 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine deutliche Empfehlung zum Selberdenken
Ich kaufte dieses Buch aufgrund von Negativreaktionen meines Bekanntenkreises und beschloss: Ich würde es gerade deshalb mit größtmöglicher Offenheit für fremdartige Ansichten und Einstellungen lesen. Nach der Lektüre muss ich zugeben: Es fiel mir schwer. Amy Chua gibt durch Beschreibung ihrer Erziehungsmethoden Einblick in das Menschen-,...
Veröffentlicht am 22. November 2012 von Julia


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34 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine deutliche Empfehlung zum Selberdenken, 22. November 2012
Ich kaufte dieses Buch aufgrund von Negativreaktionen meines Bekanntenkreises und beschloss: Ich würde es gerade deshalb mit größtmöglicher Offenheit für fremdartige Ansichten und Einstellungen lesen. Nach der Lektüre muss ich zugeben: Es fiel mir schwer. Amy Chua gibt durch Beschreibung ihrer Erziehungsmethoden Einblick in das Menschen-, Lebens- und Leistungsverständnis des (vornehmlich) asiatischen Kulturkreises. Meine Reaktionen beim Lesen reichten von Ungläubigkeit und Kopfschütteln über Mitgefühl für die Töchter Chua bis hin zu Selbstzweifeln:

Frau Chuas Tochter konnte mit drei Jahren schon Sartre lesen und anspruchsvolle Klavierstücke spielen?! Während meine Vierjährige mit Memory-Karten eine Straße durch die Wohnung legt, mit Stützrädern Fahrrad fährt und immer wieder Plastik in den Biomüll wirft? Verlange ich etwa zuwenig von meiner Tochter - und falls ja, schadet ihr das? Lasse ich ihr Potential verkümmern und mache sie schon vor dem Grundschulalter zum zukünftigen Spielball einer übermächtigen High-Performer-Elite, neben der sie als Erwachsene beruflich und gesellschaftlich nur versagen kann? Lasse ich meine Tochter ihr Lebensglück verfaulenzen, wenn ich sie mit anderen kleinen Mädchen Puppe spielen lasse statt sie ans Klavier, ans Sprachbuch oder an Matheaufgaben zu setzen? Was ist das überhaupt, Kindheit? Ist das nicht vielleicht überhaupt bloß so eine kitschige Trendverirrung der "Generation Super Nanny"?

Muss ich meine Definition von Kindheit umschreiben?

Ich fragte mich beim Lesen: Wie kann man die eigenen Kinder bloß so antreiben, demütigen und beleidigen - wenn man sie liebt? Frau Chua fragte sich beim Schreiben: Wie kann man seine Kinder NICHT mit allen Mitteln zur Höchstleistung antreiben, um ihnen eine gute Zukunft und Ansehen zu sichern - wenn man sie liebt? Ist die respekt-, rücksichts- und liebevolle Erziehungsweise des Westens etwa eine Erziehung des mangelnden Einsatzes, die an der globalen Entwicklung vorbeigeht? Eine Erziehung, die sich blindstellt für die wachsende Konkurrenz auf den internationalen Wirtschaftsmärkten? Machen wir westliche Eltern es uns zu bequem, scheuen wir die Konfrontation mit und den Zeitaufwand für unsere Kinder? Lieben wir uns selbst zu sehr, um Wut und Hass durch unsere Kinder zu riskieren? Tauschen wir Beliebtsein bei unseren Kindern ein gegen das gute Leben unserer Kinder?

Muss ich meine Definition von Mutterliebe umschreiben?

Bei allem kritischen Selbsthinterfragen: Ich musste mich bemühen, "Die Mutter des Erfolgs" nicht beiseitezulegen. Soviel Stolz über die eigene Härte und Gemeinheit gegenüber ihren Kindern vermittelte mir die Autorin. Nicht, dass nicht auch intelligente Menschen dumme Sachen schreiben können - aber Amy Chua hatte in diesem Fall den Vorteil, dass sie Harvard-Professorin ist, sich gewählt auszudrücken weiss und die "Ungeheuerlichkeiten" in ihrem Buch mit einer Prise Humor und Selbstironie würzt. Bei der Lektüre ermahnte ich mich daher einerseits, das Buch nicht mit vorschnellem Urteil beiseitezulegen, nur weil ich mich und meine eigenen Erziehungsmethoden vielleicht nicht hinterfragen wollte. Andererseits ermahnte ich mich aber ebenso, Amy Chua nicht zu ernst zu nehmen, nur" weil sie eine Elite-Uni in ihrem Lebenslauf und zwei musikalische Töchter hat. Meine empörten Gefühlswallungen bei der Lektüre beiseitegeschoben, ziehe ich aus diesem Buch folgendes Fazit:

Amy Chua polarisiert nur vordergründig in Fragen der Kindererziehung - was ihr Buch vielmehr von seinen Lesern fordert, ist ein strenges Hinterfragen der eigenen Werte: Was ist uns wichtig - und was ist uns für unsere Kinder wichtig? Was bedeutet Menschsein - und was nicht? Was ist Liebe - und was nicht? Was fordern die Welt und die Zeit, in der wir leben, von uns, was unsere Mitmenschen - und was fordern wir von uns selbst, von unseren Kindern und von unseren Mitmenschen? Was ist Realität - und was Wunschdenken? Und letztlich vor allem: Was oder wem wollen wir gerecht werden - und wie weit wollen wir dafür gehen?

Bücher wie dieses erinnern daran, selbst zu denken.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schwarze Pädagogik einer Angstbürgerin, 23. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Mutter des Erfolgs: Wie ich meinen Kindern das Siegen beibrachte (Kindle Edition)
Die Chinesen dies, die Chinesen das. Amy Chua fabuliert seitenlang darüber, warum die angeblich urchinesische herzlose Erziehung mittels Drohung, körperlichen Strafen, sowie Demütigung und Erniedrigung der Schlüssel zum Erfolg sind. Warum dieses Buch überhaupt verkauft werden darf, ist ein Rätsel, denn es liest sich wie das Geständnis einer psychopathischen Horrormutter, der das Jugendamt normalerweise mal in Sachen Sorgerecht zu Leibe rücken sollte. Amy Chua will aus purer Angst vor dem sozialen und finanziellen Abstieg in dieser Leistungsdruckgesellschaft ihre Kinder auf die harte Welt da draußen vorbereiten. Nur geht das eben auch anders. Was sie erschafft sind willenlose, am Ende gebrochene, Anti-Depressiva schluckende gehorsame Untertanen. Wenn das die angebliche chinesische Erziehung sein soll, dann wundert einen nichts mehr im Reich der Mitte von heute. Da frohlocken die pseudo-kommunistischen Ultrakapitalisten ebenso, wie die neoliberalen Heuschrecken des Westens gleichermaßen. Die Welt da draußen kann ein echt übler Ort sein und Eltern müssen ihre Kinder darauf vorbereiten. Aber nicht indem sie zu eben jenen Verhältnissen angepassten herzlosen Maschinen wie Hunde erzogen werden, sondern indem man ihnen das nötige Mitgefühl, den Verstand und das Herz gibt, um in dieser Welt Ungerechtigkeiten zu sehen und die Energie zu haben nicht alles vorgekaut hinzunehmen, sondern etwas am System zum Guten zu verändern. Hier zeigt sich Chuas psychosoziale Schwäche: Sie ist gar nicht wie der engl. Originaltitel suggeriert, die toughe Tigermom, die den Schlachtruf der harten Erziehung vor sich her trägt, nein, sie ist nur eine schwache Angstbürgerin, die ihre Kinder zum Wohl ihrer eigenen Beruhigung zu emotional und sozial armseligen Kreaturen formt. Gleichzeitig bereichert sie sich am Elend der eigenen Kinder indem ihr Buch soviele Käufer findet und soviele Aufmerksamkeit in den Medien erregt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Fakt ist: Kinder brauchen Grenzen und Regeln, damit sie sozialkompetente Wesen werden. Hier hat sich viel getan in den Erziehungswissenschaften. Von der emotionalen Kälte und Prügelstrafe von anno dazumal sind wir glücklicherweise weg, haben fatale Fehlentwicklungen wie die sog. "anti-autoritäre Erziehung" überwunden und müssen uns nun gegen ein System wehren, dass Kindern sofort Psychopharmaka und irgendwelche Syndrome andichten will, damit sie gefügige Untertanen werden. Hier kann man nur sagen, wie erbärmlich ist es, dass irgendeine dahergelaufene Psycho-Mum, die nicht mal fachlich etwas aus den Erziehungswissenschaften vorzuweisen hat, mehr Aufmerksamkeit findet, als die jahrzehntelange Arbeit von Fachleuten wie Jesper Juul, Remo Largo und Alice Miller. Amy Chua = schwarze Pädagogik = das Böse in der Welt, so einfach ist es.
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123 von 142 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Siegen um welchen Preis ?, 29. Januar 2011
Von 
Falk Müller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Die Thesen der Autorin sind provokant, keine Frage. Denn sie macht im Buch nichts anderes, als das auf Demokratie und Toleranz basierende westliche Erziehungsmodell in Frage zu stellen und das auf Autorität basierende chinesische dagegen zu setzen. Hierzu benennt sie zunächst die aus ihrer Sicht bestehenden 3 Hauptunterschiede, die in der erzieherischen Denkweise zwischen beiden existieren. Diese seien hier stichpunktartig wiedergegeben, weitgehend unkommentiert, um den Leser des Buches und dieser Rezension zu ermöglichen, sich ein eigenes Urteil zu bilden.

Erstens sind westliche Eltern sehr besorgt um die Selbstachtung des Kindes. Sie wollen nicht, dass es sich als Verlierer fühlt. Bekommt ein Kind in China hingegen schlechte Noten, gehen die Eltern zwangsläufig davon aus, dass es sich nicht genug angestrengt hat. Die Antwort besteht immer darin, das Kind zu bestrafen, zu beschämen. Sie sind überzeugt, dass das Kind genau dies verkraftet und es stark macht für das spätere Leben. Zweitens glauben chinesische Eltern, dass das Kind ihnen alles verdankt - und entsprechend Zeit seines Lebens die Wohltaten der Eltern vergelten muss. Westliche Eltern sind hingegen eher der Auffassung, dass ihr Kind ihnen nichts schuldet. Bezeichnendes Zitat der Autorin dazu: " Mir scheint das kein gutes Geschäft für westliche Eltern"! Drittens glauben chinesische Eltern, dass sie genau wissen, was für ihr Kind das Beste ist, und setzen sich folglich über Vorlieben und Wünsche hinweg. Sie fokussieren sich voll auf die bestmögliche Ausbildung. Westliche Eltern hingegen bemühen sich eher, die Individualität ihres Kindes zu respektieren und zu fördern.

Werden wir Westeuropäer uns dem chinesischen Modell annähern müssen, um in 50 oder 100 Jahren leistungsmässig überhaupt noch mithalten zu können? Die Antwort lautet glücklicherweise : wahrscheinlich nicht! Im Buch geht es viel um den Geigen- und Klavierunterricht der beiden Töchter der Autorin. Geübt wird täglich, auch in den Ferien. Und die Töchter bringen es hier auch zu grosser Meisterschaft keine Frage - dank des unermütlichen Einsatzes der Eltern. Doch die Musik, die im Buch eine so grosse Rolle spielt, ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass durch eiserne Disziplin erreichter Erfolg nicht alles ist. Dagegegen steht der freie Wille des Menschen, seine Unabhängigkeit und Kreativität. Es gibt in China sehr viele ausgezeichnete Pianisten, so wie ja auch die Töchter der Autorin. Gleichwohl hat China bisher kaum einen bedeutenden Komponisten hervorgebracht. Warum? Weil zum Komponieren genau das gehört, was man den Kindern in China am liebsten wegerziehen möchte: Individualität, Originalität und darauf basierend Kreativität.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Bitte nicht!, 10. Januar 2014
Ich finde es prima, dass asiatische Menschen so erfolgreich sind und schade, dass afroamerikanische oder lateinamerikanische Einwanderer es weniger sind - aber bitte tut euren Kindern das nicht an!

Stoppt den narzisstischen Menschen aller Couleur das Handwerk, solche Menschen gehören in Therapie und sollten nicht noch die Möglichkeit haben, andere Menschen, besonders ihre Kinder, zu quälen und zu missbrauchen und neue Narzissten heranzuziehen. Hätte man diese Frau hier in Deutschland angezeigt, wären ihr die Kinder weggenommen worden.

Ach, und an diejenigen, die mit dem Finger auf China zeigen - es gibt sie nicht, die mitteleuropäischen Erziehungsstandards. Ich habe genug Väter ihre Kinder anbrüllen sehen, nur weil diese bei den Landesmeisterschaften einer bestimmten Sportart keinen Platz belegt haben. Ich habe auch schon Kinder - auch Klassenkameraden - weinend nach der Zeugnisausgabe nach Hause gehen sehen, nur weil neben Einsen und Zweien auch eine Drei auf dem Zeugnis war - aus Angst vor Prügel. Und nicht umsonst wird über das Phänomen der Helikopter-Eltern berichtet.

Wozu braucht die Welt so viel Leistung und Profit um jeden Preis, wohin führt das die Menschheit? Doch ganz bestimmt in den sicheren Untergang - und schon gar nicht in ein selbstbestimmtes, glückliches Leben.

Ich liebe meine Kinder, unterstütze sie, fördere sie - aber nie gegen ihren Willen. Sie sind teilweise auch Überflieger in den Bereichen, die sie gerne machen, aber sie müssen es nicht - es macht ihnen einfach Spaß. Ich finde, es ist viel schöner, glückliche, lebensfrohe Menschen heranzuziehen. Menschen, die die Welt, ihre Mitmenschen und sich selber zerstören, hat die Menschheit schon allzeit genug.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen In der Tat: Nicht bierernst nehmen..., 19. März 2014
...aber dann macht es Spaß.

Eines vorneweg: Zweifelsohne ist die Autorin der Realität etwas entrückt und sicherlich sind viele der Dinge, die sie von den Kindern verlangt, aus ihrem eigenen Ego getrieben. Manches ist definitiv auch indiskutabel als Erziehungsmaßnahme, abgesehen von der Einschränkung der Lebensqualität der ganzen Familie.

Was jedoch stimmt und sicher nachdenkenswert ist, daß Leistung, Pflichtbewußtsein, Arbeit für Erfolge heutzutage nicht mehr opportun angesehen werden und das ist definitiv ein Problem. Wenn Ziele schwer zu erreichen sind, ist es heute Standard geworden, das Ziel herunterzusetzen oder gar lächerlich zu machen - anstatt hart dafür zu arbeiten und Prioritäten zu setzen. Wer nie hart für ein Ziel geschuftet hat, wird nie wissen, wie süß das Gefühl ist, es erreicht zu haben. Diese Botschaft ist sicher richtig.

Fazit: Ich glaube, das Buch ist mit Augenzwinkern geschrieben und so sollte man es auch lesen.
Am Ende: Der Mann dieser Ehefrau ist eigentlich der, der mir WIRKLICH leid tut... :-)
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138 von 163 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Sollte man nicht zu ernst nehmen!, 3. Februar 2011
Von 
Caliban (Süddeutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Einen Stern muss man hier vergeben; den zweiten erhält die Autorin für das ehrliche und damit spannende Psychogramm, das sie über ihre eigene Persönlichkeit gibt. Wenn Sie auf den ersten Seiten berichtet, dass ihre älteste Tochter mit 18 Monaten habe lesen können und mit drei Jahren Sartre gelesen habe, weiß der Leser spätestens, dass es hier nicht um Kindererziehung geht, sondern um eine Art Fantasy-Roman über eine Person, bei der nicht ganz klar ist, worin die Gründe für ihre übersteigerte Geltungssucht liegen. Denn mit dem Buch dürfte sie einerseits viel Geld verdient, sich aber andererseits als Juraprofessorin unendlich viel mehr geschadet haben. Fesselnd fand ich daher Passagen wie diese: Die Autorin bekundet, dass sie nicht an Sternzeichen glaube und immer die Ansicht vertreten habe, dass jeder ein Problem habe, der in diesem Punkt anderer Ansicht sei. Dann aber holt sie aus und zeigt, wie die chinesischen Sternzeichen auf ihre beiden Töchter passen und wieviel mehr noch ihr eigenes Sternzeichen, das des Tigers. Verzweifelt wirft sie die Frage auf, ob sie als Chinesin nicht die älteste Kultur der Menschheit verraten habe, weil sie einem Juden zwei Töchter schenkte und nicht einem Chinesen. Spätestens hier wird man als Leser zu einer Art Voyeur, der mit gebanntem Grauen einem Seelen-Strip zusieht.

In der Sache ist das Anliegen der Autorin lachhaft und ist nicht zuletzt in der chinesischen Öffentlichkeit entsprechend zurechtgerückt worden. Jedenfalls unsere Kultur beruht nicht auf Sparta, sondern auf Athen, d.h. nicht auf Prügeln und Liebesentzug, sondern auf dem kreativen Herumlümmeln des Sokrates auf der Agora. Kinder kann man auch nicht zu Künstlern prügeln, man kann sie sicher auf diese Weise bis zu einem gewissen Grad Künstler imitieren lassen. Dies schafft die älteste Tochter mit ihrem Auftritt in der Carnegie-Hall sicher; als Klassik-Fan aber ist sie mir seitdem nicht durch bahnbrechende Einspielungen aufgefallen.

Ja, und auch darauf muss ich eingehen: Auf den Selbtwiderspruch ein solches Buch (in einer etwas billigeren englischen Ausgabe allerdings) erworben und dafür die Autorin auch noch unterstützt zu haben. Ich weiß; aber dieser Art Selbstentblößung lockte schlicht das Teufelchen in mir. Ich warte schon auf die Fortsetzung und schlage der Autorin einen Titel vor, den auch Karl May für seine Autobiographie gewählt hat: "ich".
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29 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen to be a tiger mom - or not to be....., 12. November 2011
Wow. Dieses Buch.

Eines ist gewiss, nämlich, dass es Mütter (es werden wohl vornehmlich Mütter sein, die dieses Buch lesen) polarisiert.
Genau wie Amy Chua selbst am Anfang Ihres Buches von Ihren Töchtern vorgeworfen bekommt, sie sehe alles nur schwarz und weiß, so wurde dieses Buch auch extrem schwaz und weiß in den Medien besprochen. Nicht zwingend in chinesische und westliche Mütter unterteilt, aber zumindest in stark leistungsorientierte (die das Buch lieben) und eben die anderen (die es hassen).

Ich glaube einer der wirklichen Gründe, warum man sich von diesem Buch so ungeheuer angegriffen fühlen kann, ist die Tatsache, dass man selbst, wenn man als Mutter alle Leistung der Welt von seinen Kindern fordert, diesen Leistungsbegriff und -gedanken auch in seiner eigenen Person verkörpern muss. Man muss selbst zu höchsten Leistungen angetrieben worden sein oder alleine herausragende Leistungen gebracht haben, um dem unglaublichen Druck standzuhalten, der von den Kindern über die Jahre zurückkommen wird, die immer und immer wieder die Mutter an Ihrem eignenen Maßstab messen werden.

Für Amy Chua ist das natürlich kein Problem. Mit zwei Harvard-Abschlüssen in der Tasche, einer Anstellung als Professorin für Recht an der Yale-Universität und als Autorin zweier weltweit erfolgreicher Bücher in Ihrem Fachgebiet, hat Sie schließlich die höchste Stufe intellektueller Anerkennung der westlichen Welt erreicht. Auch deshalb kann Sie von Ihren Kindern größte Leistungen fordern, da Sie selbst durch Ihre Leistung alles Denkbare erreicht hat.

Wie stellt sich dagegen die Situation dar, wenn eine halbtags berufstätige Mutter mit mittlerem Abschluß mit mittelmäßigen Noten in einem unbekannten Unternehmen nun der Tochter abverlangt keine Note unter einer 1+/1 nach Hause zu bringen und zusätzlich 6 Stunden Geige zu üben bei völliger Vernachlässigung aller sozialen Kontakte. Meiner Meinung nach liegt da ein "Ich denke gar nicht daran!!! Warum sollte ich das denn machen" - seitens des frühpubertären Kindes fürchterlich nahe.

Und genau deshalb glaube ich, dass Amy Chua dort einen wunden Punkt in uns (den westlichen Müttern) getroffen hat. Womöglich ist man deshalb so wütend, weil Sie mit Ihrem Buch einem das EIGENE Versagen so deutlich vor Augen führt, dass es uns genaugenommen unmöglich macht diese Höchstleistung von unseren Kindern zu verlangen.

Mich hat dieses Buch so inspiriert wie schon lange kein anderes mehr. Ich werde Ihren Erziehungsstil nicht komplett übernehmen, aber ich bin jetzt der Meinung, ich kann von meinem Kind deutlich mehr verlangen, als dies andere Eltern/Großeltern etc. für richtig halten. Aber vor allem anderen hat mich das Buch angespornt mich selbst zu verbessern. Seit vier Jahren hat meine Geige in Ihrem Geigenkasten gelegen - während meines Studiums unbeachtet und jetzt ist die Zeit gekommen, sie wieder rauszuholen.

Vielleicht sollten wir Amy Chuas Buch einfach als eine solche Motivation anerkennen und es nicht zu sehr in den falschen Hals bekommen. Und vielleicht sollten wir uns heute Abend, auch wenn wir hundemüde sind und uns unsere Freizeit ja so verdient haben, anstatt vor den Fernseher vor ein neues Sach-/Lehrbuch setzen. Da wird einfach ein ganz anderer Maßstab an Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitsschaft im Hause Chua angesetzt. Wer würde da nicht schlappmachen an einem Tages-/Wochen-/Monats- oder Jahresprogramm einer Amy Chua.

Ps.: Wer kann sollte dieses Buch in jedem Fall in Englisch lesen. Allein die Übersetzung des Titels erfüllt mich mit Grauen.....
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wo Realität die Fantasie übertrifft, 10. März 2011
Amy Chua, die vieldiskutierte und umstrittene Juraprofessorin aus Yale, Tochter asiatischer Einwanderer und nicht zuletzt Mutter zweier Töchter, berichtet in diesem Buch vom Versuch, ihre Kinder durch strenge chinesische Erziehung zu erstklassigen Musikerinnen zu machen. Im für Frau Chua "laschen" und "im Niedergang befindlichen" Westen löste dieser tiefe Blick in den Alltag einer chinesischen Familie große öffentliche Empörung aus. Doch was macht "Die Mutter des Erfolgs" zur Provokation?

Im Grunde genommen erzählt Chua von ihrem Alltagsleben, bei dessen Schilderung ein westlicher Leser fast vom Stuhl fällt. Die Autorin berichtet von Szenen, die meine Fantasie bei weitem übersteigen: Mit rigiden Methoden und stählerner Zähigkeit zwingt die Mutter ihre Töchter täglich für mehrere Stunden an ihre Instrumente. Dies bringt ihnen schon bald Erfolg und Anerkennung - doch leicht ist es nicht.
Vor allem die jüngere Tochter Lulu lehnt sich sehr frühzeitig gegen die autoritären Übungsmethoden der Juraprofessorin auf. Und das schlägt sich auch sehr bald in einem Unterschied zwischen den beiden Schwestern nieder: Während Sophia, die ältere, am Klavier weiterhin einen glatten Aufstieg nach oben, bis in die Carnegie Hall, hinlegt, flattern Lulu Absagen von Konservatorien ins Haus.
Im Teenageralter bricht sich dann Lulus gesamter Widerstandsgeist, der von Amy Chua ein Leben lang rigoros unterdrückt wurde, Bahn und entlädt sich auf die Mutter. Die Übungsstunden geraten zum häuslichen Krieg, wiederholt bekundet die Tochter, Geigespielen zu hassen. Ausgerechnet im Russlandurlaub spielt sich schließlich die entscheidende Endschlacht ab.
Amy Chua verliert ihren Kampf "östliche Erziehung gegen westliches Umfeld" und kapituliert schließlich. Nach dem Moskauer Showdown beginnt sie, zusammen mit ihren Töchtern dieses Buch zu schreiben, als Familientherapie, wie sie selbst sagt.

Ich persönlich fand dieses Buch zwar flott und witzig geschrieben, die Intention der Autorin jedoch höchst anmaßend und sehr provokant: Im Vorwort schreibt sie, die Geschichte hätte davon handeln sollen, dass chinesische Eltern bessere Pädagogen sind als westliche. Obwohl der Verlauf des Buchs eindeutig zeigt, dass Chua gescheitert ist, beharrt sie bis zum Schluss auf dem Erfolg ihres Erziehungsmodells und besteht auf der Behauptung, die westliche Welt steuere kontinuierlich auf den Untergang zu.
Höchst interessant auch: In der Danksagung werden die Töchter von der Autorin als "Freude meines Lebens" bezeichnet - allerdings hörte sich das in den vorhergehenden Kapiteln noch ganz anders an. Da war von Stofftierverbrennungen die Rede, Sophia wurde als Müll beschimpft und Lulu als das Langweiligste und Ordinärste, was es gebe auf der Welt.
Für mich ist das ganze Buch von einer tiefen Arroganz durchzogen, die alles, was der Autorin in irgendeiner Weise missfällt, als minderwertig und vulgär denunziert. An solchen Stellen klingt Chua intolerant, klischeebehaftet und vorverurteilend. Noch dazu widerspricht sie sich selbst andauernd: Einmal stellt sie die These auf, dass es allen westlichen Eltern egal sei, ob etwas aus ihrem Kind werde oder nicht - etwas weiter hinten im Buch redigiert sie dies mit der Behauptung, alle Eltern der Welt wollten nur das Beste für ihre Kinder.

Zu guter Letzt: Als westlich erzogener Pianist kann ich Frau Chuas These, nur ständiger Übungsdrill, vermiedenes öffentliches Lob und tumbes Auswendiglernen führen zu Erfolg und damit zu Freude, aus ganzem Herzen widersprechen. Man kann sehr wohl Freude am Klavierspiel haben, auch wenn einem nicht alles hundertprozentig gelingt. Auch schon der Übungsprozess kann fröhliche Momente enthalten - und am meisten freut es einen natürlich, wenn man auch gelobt und nicht nur scharf kritisiert wird. Im Konzert kann man dann mit der Gewissheit, sein Bestes zu geben, und guten Gewissens an das Vorspiel herangehen.
Darum geht es letztendlich im Leben: Menschlichkeit. Frau Chua hat sie ihren Kindern fast komplett geraubt, sie in einer sterilen und abgegrenzten Parallelwelt aufgezogen. Dies in einem Buch zu schildern, mit stolzem Verweis auf Chinas konfuzianische Tradition, ist für mich nichts als eine Anmaßung. Zwei Sterne gibt es wegen des guten Stils und der hervorragenden Übersetzungsarbeit; das Ziel des Buches bleibt von mir unverstanden.

MfG
Infocat
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75 von 91 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Bemitleidens- und verachtenswert zugleich, 22. Februar 2011
Ich hoffe wirklich, dass Frau Chua ihren Sinn für Satire durch dieses Buch zum Ausdruck bringen möchte, aber die Wahrscheinlichkeit dafür bewegt sich am Rand der Nonexistenz...
Ihre lächerliche Behauptung, asiatische, in diesem Fall chinesische Eltern und ihre Erziehungsmethoden seien eine Demonstration von Überlegenheit löst bei mir ein Gefühl aus, das mich ein wenig an eine einsetzende Magen-Darm-Grippe erinnert, nicht zuletzt, weil diese Frau wirklich zu glauben scheint, was sie von sich gibt.
Es ist eine interessante Frage, was passieren würde, wenn ihre Töchter zum ersten Mal in ihrem Leben in eine Konfliktsituation geraten, ich würde sagen, es wird wohl sehr ungünstig werden, haben sie doch nicht von ihrer Mutter gelernt, dass Konflikte etwas sehr uhm ... menschliches sind.
Es ärgert mich ungeheuerlich, dass eine derart monströse Selbstdarstellung und -beweihräucherung auf Kosten der eigenen Kinder gemacht wird und ein beim durchlesen der positiven Rezensionen kippte ich glatt aus meinem Stuhl.
Was dieses Buch aber leider wirklich gut repräsentiert ist die Einstellung und das Menschenbild von einem Großteil der chinesischen Einwanderer: Hauptsache man steht besser da als der Nachbar und kann in in allen erdenklichen Varianten jedem unter die Nase reiben, etwas besseres zu sein als der Gegenüber, dessen glückliche Kinder selbstverständlich ein Zeichen des Versagens darstellen. Bewertung und Entwertung, durch eine Kultur, die sich tausende von Jahren nicht weiterentwickelt hat, weil das bedeuten würde von einem starren konfuzianischen Bild (muss ich dazu sagen, dass es menschenverachtend und frauenfeindlich ist ?) abzurücken. Für diese Leute sind gute Kinder wie eine gute Investition, man investiert in ihre psychische Misshandlung, bricht sie, damit man sie formen kann, um sie dem sozialen Umfeld in "Mein Haus, mein Auto ... etc." - Manier als Nachweis des eigenen Erfolgs wie einen Pokal rumzureichen kann und natürlich ist es auch eine pervertierte Art Altersvorsorge zu betreiben. Gnaden dem- oder derjenigen, die den Wettbewerb abgeneigt ist und seine/ihre Ellenbogen nicht gebrauchen will und für diejenigen, die aus der Reihe tanzen, weil sie vielleicht etwas anderes im Sinn haben als den Rest ihres Lebens elterliche Erwartungs-Fussabtreter zu sein: "Ab mit dem Kopf!" um es in den Worten der Herzkönigin zu sagen, immerhin tragen sie ja dann nach aussen, dass man nicht das Beste vom Besten ist und demütigt damit so die Eltern. Frau Chuas Aussagen belegen sehr gut, was passieren kann, wenn man die Fähigkeit zur (Selbst-)reflexion und zum Hinterfragen mitsamt der Fähigkeit Empathie zu kultivieren freiwillig in den Abfallzerkleinerer schmeisst. Eine Tigermutter ist sie nicht (Tigerweibchen sind sehr fürsorgliche Mütter), eher eine Mäusemutter (die fressen ab und zu ihre eigenen Kinder auf). Ob das wirklich das ist, was die meisten sich von den Chinesen als Erfolgskonzept abschneiden wollen sei mal dahingestellt.

Bevor mir jemand einen Strick aus meiner Rezension drehen will: Ich bin weder fremdenfeindlich, noch befürworte ich eine anti-autoritäre Erziehung im Sinne des kompromisslosen Laisser-Faire-Prinzips. Mein Glück ist es, als Kind chinesischer Einwanderer (deren Einstellungen denen von Frau Chua gelinde gesagt doch sehr ähnlich sind) in einem Land geboren zu sein, indem ich die Erfahrung machte, dass es kein Zeichen von persönlicher Minderwertigkeit ist, wenn man im Besitz eines Verstandes ist, der fähig ist zu hinterfragen, neugierig zu sein und der gerne kreativ ist, ohne das Bedürfnis zu haben, immer die Beste sein zu müssen.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Genügt unbedingter Gehorsam den Anforderungen der Gegenwart?, 18. März 2011
Von 
Buchdoktor - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Zur Autorin:
Amy Chua ist in den USA geborenes Kind chinesischer Einwanderer. Chuas Eltern sind Akademiker, sie wuchs zusammen mit vier Schwestern auf. Die Großeltern wanderten aus der Provinz Fujian, die bekannt für ihre wirtschaftlich außerordentlich erfolgreichen Auswanderer und deren Zusammenhalt in der Fremde ist, zunächst auf die Philippinen aus. Beide Großväter wurden auf den Philippinen erfolgreiche Geschäftsleute, obwohl sie keine Neigung zum Geschäftsmann hatten. Eine der Großmütter war vom Auftreten amerikanischer Soldaten und in der Folge von den USA fasziniert, sie trat zum Katholizismus über. Die Autorin konnte sich zunächst nur schwer für einen Beruf entscheiden, sie studierte kurze Zeit Mathematik, dann Wirtschaftswissenschaften, schließlich Jura. Der Vater ihrer Töchter Sophia und Louisa ist Jed Rubenfeld, Autor von Morddeutung.

Zum Inhalt:
Chua benutzt den Begriff "chinesische Mutter" im übertragenen Sinn für harten Drill in der Erziehung, mit dem asiatische Einwanderer ihre Kinder zu Höchstleistungen in Schule und Ausbildung zwingen. Druck und Drohungen werden mit der Pflicht zur Gehorsamkeit und Dankbarkeit gegenüber den Eltern begründet. Die Eltern behaupten am besten zu wissen, was ihr Kind zu tun und zu lernen hat. Ihre Kinder dürfen keine eigenen Entscheidungen treffen und können nicht aus Fehlern lernen. Freunde, Hobbies, Schulveranstaltungen wie Theater oder Feste werden als Zeitverschwendung angesehen. Selbst ein ganzer Tag, den ihre Töchter mit der Oma verbringen würden, wäre für Amy Chua Zeitverschwendung und würde ihrer Karriereplanung im Weg stehen. Mit emotionaler Kälte und kultureller Überheblichkeit werden Menschen, die einen westlichen Erziehungsstil vorziehen, von ihr als Versager abgestempelt.

Bereits bei ihrer ältesten Tochter Sophia, die sich brav der Mutter beugte und bis zu 6 Stunden am Tag Klavier übte, differenzierte die Autorin nicht zwischen sich und dem Kind. "Wir haben geübt" heisst Sophia übte unter Aufsicht der Mutter und nicht, dass beide Klavier geübt haben. Da die chinesische Erziehung Glück nicht kennt, so Chua, ist der Erfolg der Töchter mit dem Glück der Mutter identisch. Louisa, die zweite Tochter, zeigt schon als Baby das hitzige Temperament ihrer Mutter. Mit der Dreijährigen kommt es zur ersten Kraftprobe, als sie sich nicht zum Klavierspielen im Takt zwingen lassen will und lieber zur Strafe auf der Terasse bibbert als klein beizugeben. Die Mutter will die Machtprobe unbedingt gewinnen, sie "rüstet auf" in der Auseinandersetzung und macht sich als Feldwebel vor der kleinen Tochter lächerlich. Jahre später sagt Lulu, immer noch mit der kontrollierenden Mutter im Nacken "Dein Hirn nervt mich", (auch wenn du nichts sagst) "ich weiß, was du denkst".

Bei der Begegnung mit Lulus Suzuki-Lehrer, einem fähigen Pädagogen, der Kinder für Musik begeistern kann, werden die sozialen Defizite der Mutter deutlich, die nur Druck kennt. Lulus stark ausgeprägte Selbstachtung und ihr Gerechtigkeitsempfinden führen schließlich zum öffentlichen Eklat. Ihre Auflehnung gegen Autoritäten, die sie nich respektiert, wäre in Familien asiatischer Herkunft undenkbar. Sogar die chinesische Großmutter bezweifelt, dass sich aus Louisa ein exaktes Abbild ihrer Mutter erzeugen lässt. Sophia und Lulu fühlen sich längst nicht mehr als Chinesinnen, die emotionale Erpressung ihrer ehrgeizigen Mutter verpufft. Obwohl Sophia längst als Pianistin auftritt, raubt Lulus Auflehnung Amy Chua den Lebenszweck.

Ein interessanter Bestandteil des rigiden Tigermutter-Systems sind übrigens die beiden Hunde der Familie. Sie sind karrieretechnisch völlig unnütz, haben keine besonderen Fähigkeiten, gewinnen keine Pokale, sie dürfen einfach nur Hund sein. Deutet Amy Chua damit an, dass sie, erschöpft vom jahrelangen Kampf, nun gegenüber der verweichlichten westlichen Kultur eingelenkt hat?

Im Rückblick auf Amy Chuas eigene Entwicklung wird klar, dass sie sich als Kind von Einwanderern nie von der Immigrantenrolle gelöst hat und von Abstiegsängsten für die Zukunft ihrer Töchter getrieben ist. Chua hat die eigene Erziehung, die zu ihrer Zeit vielleicht noch Sinn hatte, nicht reflektiert und nie überprüft, ob ihre unnachgiebige Härte den Töchtern gegenüber heute noch zielführend ist. Für Probleme, die man in chinesischen Familien nicht kennt oder über die man nicht spricht, findet sie keine Lösung und ist auch nicht in der Lage, sich den Sitten in der Familie ihres jüdischen Mannes zu öffnen. Schockierend fand ich, dass eine in den USA geborene, akademisch gebildete Mutter Geschwisterrivalität und Pubertät ignoriert, weil sie in der chinesischen Kultur angeblich kein Thema seien.

Fazit:
Amy Chua beschreibt, wie sie ihre Töchter zu musikalischen Höchstleistungen drillte bis sie schließlich am erbitterten Widerstand ihrer jüngeren Tochter scheiterte. Vielleicht schlummert in Lulu eine charismatische Politikerin oder eine erfolgreiche Unternehmerin? Ob die Tigermutter-Taktik eine Alternative zur westlichen Verweichlichung sein kann, die Chua beklagt, bleibt offen; denn die Autorin schweigt zu den sozialen Kompetenzen ihrer Töchter.

Chua empört sich, dass die Generation ihrer Töchter meint, individuelle Rechte zu haben und wagt, Autoriäten zu widersprechen. Sie selbst hatte bereits als Studentin Probleme, sich aus der Sicherheit auswendig gelernter Fakten herauszuwagen, eine Meinung zu äußern oder Dinge zu hinterfragen. Nach Abschluss ihres Jurastudiums kann sie sich nur schwer für ihre Klienten interessieren und keine Freude am Beruf entwickeln. Wie viele auf intellektuelle Leistung gedrillte Überflieger kann Chua mit Niederlagen und Enttäuschungen nicht umgehen. Wer wie sie seine Kinder gezielt vom Kontakt zu Gleichaltrigen ausschließt und jeden Moment der Muße unterbindet, wird kaum soziale Kompetenzen oder Kreativität bei seinem Nachwuchs entdecken. Chuas Bericht hinterlässt bei mir Mitleid mit einer Mutter, die das Aufwachsen ihrer Kinder nicht genießen kann, während sie ihre Töchter um jeden Preis in ein vorgefertigtes Bild zu pressen versucht.
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