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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tagebuch einer beginnenden großen Künstlerepoche.
Florian Illies hat sich das Jahr 1913 ausgesucht, um einmal zu zeigen, wie gehaltvoll einflussreiche Künstler, Dichter und Denker das literarische und politische Leben des kommenden Jahrhunderts prägten. Tagebuchartig folgt er den Ereignissen und Treffen so bekannter Künstler wie Oskar Kokoschka, Ernst Ludwig Kirchner, Franz Marc, Klimsch und Schiele. In...
Vor 19 Monaten von cl.borries veröffentlicht

versus
21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein gemischtes Vergnügen
Das Buch ist sehr gekonnt geschrieben - es liest sich leicht und heiter, an einigen Stellen vielleicht gar zu gefällig, aber immer unterhaltsam. Die Idee fand ich reizvoll: Ein Panorama zumindest der überwiegend künstlerischen Gesellschaft im Jahre 1913, also an einem Punkt der Geschichte zu zeigen, der sich ex post als Wendepunkt entpuppt hat - mit der...
Vor 5 Monaten von Leserin veröffentlicht


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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aroma einer Zeit, 26. Oktober 2012
Von 
Falk Müller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Das Jahr 1913 gehört eigentlich nicht zu den großen, bekannten Daten, an die man sich noch aus dem Geschichtsunterricht erinnern würde. Ein Jahr zuvor ist die Titanic gesunken, ein Jahr später begann der 1. Weltkrieg - aber 1913?

Woher kommt also die Faszination des Autors für gerade dieses Jahr? Er schreibt, dass das Jahr 1913, obwohl geschichtlich gesehen recht "versteckt" und "zurückgezogen" daherkommend, für eine Art Wendepunkt, für eine ganz besondere Aufbruchstimmung steht. Der Autor entwirft ein Mosaik von Begegnungen von Literaten, Musikern, Politikern und jungen Köpfen der Avantgarde das zeigt, dass die "nervöse" Moderne, die man eigentlich erst in die Zwanziger Jahre verordet, schon 1913 spürbar war. Anhand vieler Anekdoten und Geschichten gelingt es ihm, das "Aroma der Zeit" einzufangen. Die geschilderten Ereignisse wurden von den damaligen Zeitgenossen wohl als gar nicht so bedeutend empfunden. Etwa wenn eine Coco Chanel ihre erste Boutique eröffnet oder Charlie Chaplin seinen ersten Filmvertrag unterschreibt. Bei all diesen Geschichten spürt man aber doch immer die rastlose, vorwärtsdrängende Energie, welche die Menschen damals erfasste. Und so bekommt man auch einen Begriff davon, wie die Menschen bereits 1913 auf den Abgrund des Ersten Weltkrieges zusteuern, obwohl sie es damals noch nicht wussten - ja nicht einmal ahnten.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mir fällt nicht mal ein Titel für meine Rezension ein ..., 20. Dezember 2013
Ja, schön, flotte Schreibe. Eine Collage aus unterschiedslos Wichtigem und Unwichtigen, bunt gemischt zu einem Potpourri von Versatzstücken. Offenbar hatte der Autor nicht vor, seine Datenmenge zu einem Roman, oder einer Erzählung aufzubereiten oder zu verdichten. So bleibt es im Unklaren, ob er nun einen Katalog, eine Aufzählung der von ihm recherchierten Ereignisse oder gar nur eine Art Kalender ("was geschah am 27. März 1913?") vorlegen wollte. Es entstehen beim Leser "Standbilder", die in keinem Gesamtzusammenhang stehen oder stehen wollen. Das ist schade, denn auf diese Häppchen hat man nach den ersten Monaten des Jahres 1913 keine Lust mehr.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Uninteressant, 20. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 1913: Der Sommer des Jahrhunderts (Kindle Edition)
Aneinanderreihung von historischen Ereignissen und Klatschgeschichten. Habe nur bis zur Hälfte gelesen, dann konnte ich es mir nicht mehr antun.
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26 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Geplauder, 31. Januar 2013
1913 ist das Jahr vor dem 1.Weltkrieg. Ich habe das Buch gekauft, weil ich glaubte, es beschreibt und erklärt die Zeit, die schließlich in den. 1.Weltkrieg führt. Doch davon findet sich nichts. Man hat den Eindruck, der Autor hätte bei Google 1913 und eine Reihe von Zeitgenossn eingegeben, um Anekdoten mit Erfundenem anzureichern, um ein Buch auf den Markt zu werfen, das das Halbwissn einer bestimmten Klientel bedient. Wer sich kulturell vom Dschungelcamp abheben muss, hier findet er im Grunde das passende Gegenstück Unterhaltung. Plauderton ohne Absicht und Hintersinn. Zum Inhalt: Stalin spaziert duch den Park und denkt, Hitler kommt ihm vielleicht entgegen und die beiden Herren ziehen den Hut. Rilke und immer wieder Rilke. Bei weniger bekannten Zeitgenossen wie Harry Graf Kessler etwa darf man sich freuen, wenn man weiß, wer das ist. Und so geht es immer weiter. Mich bestürzt, wie es dieses Buch an die erste Stelle der Buchhitlisten schaffen konnte.
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23 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Jahrhundert-"Gala" für den Bildungsbürger, 21. Februar 2013
Erstaunlich, dass sich dieses Buch so gut verkauft. Offensichtlich gibt es doch noch mehr von den sogenannten "Bildungsbürgern" als man angesichts des Fernsehprogramms annehmen sollte.
Wer entsprechende Vorkenntnisse hat und auch gerne mal im Flieger oder beim Friseur die "Gala" oder die "Bunte" in die Hand nimmt, der wird über dieses Buch sehr glücklich sein. Alles Namen, die man kennt oder die man zumindest schon mal irgendwo gehört hat. Zu diesen dann Stories von harmlos bis saftig. Waren alles auch nur Menschen, die Heroen aus Kunst und Literatur vor hundert Jahren. Jedenfalls könnte man bei der Lektüre den Eindruck gewinnen, dass sie alle zusammen damals eine ebenso lästige und omnipräsente "Gesellschaft" bildeten wie die heutigen Protagonisten der Klatschspalten. Und hätte Adolf nicht aufgehört mit dem Postkartenzeichnen, gäbe es zwischen beiden sicher eine ununterbrochene Verwandtschaft in gerader Linie. Allerdings lebte man als Promi Anfang des 20. Jahrhunderts ofensichtlich sehr großbürgerlich und in der Regel ohne Geldsorgen, wie in einer Raumstation, ohne medialen Kontakt zum "gemeinen Volk". Welches ja wenig später unter der Regie des "Postkartenzeichners" dem bunten Treiben ein jähes Ende setzte. Zu dieser - sehr augenfälligen - "Abgehobenheitsproblematik" hat Herr Ilies leider keine Geschichten beisteuern wollen.
Genug gelästert, es ist ein Buch, das sich schön und schnell liest. Florian Illies hat seine Quellen ausreichend(!) fleißig beackert und man kann sich die kurzen Häppchen immer mal wieder zwischendurch zu Gemüte führen. Am besten allerdings nicht am Stück, denn sonst wird einem - wie immer bei Fast Food - irgendwann schlecht und das Gehirn verkleistert. Schade auch, dass der Autor zwar ein Literaturverzeichnis anfügt, es aber mangels Fußnoten und Verweisen nicht so einfach möglich ist, an einer als interessant empfundenen Stelle tiefer einzusteigen. Hätte wohl zu wissenschaftlich ausgesehen.
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17 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Auf den zweiten Blick erlischt die Begeisterung, 29. Dezember 2012
Wow! Welche Idee, die Epoche vor dem Ersten Weltkrieg in einer anekdotenhaften Revue des Jahres 2013 zu schildern. Sehr kurzweilig und gekonnt blättert Illies das Panoptikum dieser Schau quer durch alle künstlerische Sparten auf. Nach wenigen Seiten schon ist man mitten drin in diesem bahnbrechenden Umbruchsjahr und verfolgt gebannt mit, was sich alles an Neuem, Modernem auf der Leinwand, in den Galerien, Kunstalons, Büchern sowie zwischen den großen Geistern jener Zeit ereignet. Wagt Kafka, der Angebeteten sein Herz zu öffnen? Wird Kokoschka Alma Mahlers Herz endgültig erobern? Hat Musil Zeit, den Mann ohne Eigenschaften zu schreiben? Und taucht das später als Mona Lisa bekannt gewordene Gemälde je wieder auf? Man verschlingt es geradezu Monat für Monat, was Illies da zusammengestellt hat, um seine These, der eigentliche Umbruch der Moderne habe 1913 stattgefunden, zu untermauern. Voller neuer Eindrücke schlägt man das Buch zu, um dann, mit einigem Abstand, festzustellen: so neu ist das alles nicht, was Illies da zusammengestellt hat. Nicht alles passiert in einem Jahr und nicht alles, was in einem Jahr wie 1913 passiert, kündet von der neuen Zeit. Der Umbruch ist, wie so oft vorher und nachher, ein langsamer Prozess und bereitet sich viel länger schon vor, deutet sich in vielem schon viel früher an und überhaupt scheint das ein oder andere des besseren Effektes willen ins Jahr 1913 gerückt, was da eigentlich gar nicht hineingehört.
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27 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ich kam vor Langeweile und Ärger nicht bis zum Ende, 15. September 2013
Von 
Selten habe ich mich dermaßen über ein Buch geärgert und mich gelangweilt durch die Seiten gequält. Im Herbst des Jahres 1913 habe ich dann aufgehört zu lesen. Es blieb mir verborgen, was den Sommer des Jahrhunderts ausmacht, wenn Künstlerbiografien in völlig unkomponierten Text-Versatzstücken zerstückelt werden und ihre Ideen-Geschichten in einer reinen Negativ-Auslese ihrer Lebensführung versumpfen. Um mich beim Lesen zu unterhalten habe ich nach einer Linie gesucht, eine Erzählintention erkennen wollen. Das ist mir nicht gelungen. Wenn es schon keinen geheimen Plan gibt, dann könnte man sich ja an der Sprache des Autors erfreuen. Doch sie bleibt alltäglich, der Umgang mit den historischen Figuren ist weder sensibel noch erbaulich, sondern einfach nur von oben herab. Der schnöselige Ton eines Autors, der weiß, dass sein Buch verkauft wird, weil er sich im Buchgeschäft über seine journalistische Berufstätigkeit mit den richtigen Connections etablieren konnte. Will ich unsystematisch eingestreute Kommentare des Autors lesen, will ich überlegen, was die schlecht abgedruckten Kunstwerke (Chagall in schwarz-weiß) und die Fotografien, die teilweise nicht einmal zum Erzählten des Monats passen (Freud und seine Tochter im Dirndl waren schon einen Monat vorher in Bayern) nun noch zu bedeuten haben ... Irgendwann habe ich nur noch gedacht: Was für ein schlecht geschriebenes und schlecht gemachtes Buch!
Sehr bedauerlich, dass Bücher von Autoren, die verzweifelt nach weiterem Schreibstoff suchen, so hofiert werden.
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27 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Oberflächlich und langweilig, 8. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich hätte mir aufgrund einer Buchvorstellung in Ö1 von diesem Buch deutlich mehr erwartet. Leider kratzt es nur an der Oberfläche, berichtet über viele banale Themen (Herr XY hat Schnupfen - haha). Ein wenig Zeitgeschichte bzw. zumindest etwas mehr Tiefgang in den Kurzgeschichten hätte dem Buch gutgetan. So habe ich es nach ca. der Hälfte weggelegt. Schade um das Geld ...
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16 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen jetzt fehlt nur noch das Buch 1914, 19. September 2013
Von 
Steffen Rutter (Luzern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 1913: Der Sommer des Jahrhunderts (Kindle Edition)
"'Ich schlage Ihnen also vor, dass wir unsere privaten Beziehungen überhaupt aufgeben. Ich verliere nichts dabei, denn ich bin gemütlich längst nur durch den dünnen Faden der Fortwirkung früher erlebter Enttäuschungen an Sie geknüpft.'" (Position 335 der Kindle-Edition) Das 2003 veröffentlichte Werk 'Generation Golf Zwei' war so eine früher erlebte Enttäuschung, die mich nun fast ein Jahr von dem Bestseller '1913: Der Sommer des Jahrhunderts' abgehalten hat. Mein Motto war dabei stets: "'Ich werde darüber nachdenken lassen.'" (Position 394 der Kindle-Edition) Mir reichten die zahllosen Rezensionen.

Doch dann kam so ein Fernsehinterview mit der Bundeskanzlerin. Angela Merkel wollte in ihren Ferien das Buch von Florian Illies lesen. Leider sei sie dazu nicht gekommen. Nun gut, dann musste ich es eben tun. Mein Fazit: "'Gott verzeih Dir, ich kann es nicht.'" (Position 907 der Kindle-Edition)

Der Sommer des Jahrhunderts kommt bei Florian Illies leider als eine eurozentristisch Nabelschau eines Kulturschaffenden daher. "Auf nach Wien also, der Zentrale der Moderne anno 1913. Ihre Hauptdarsteller heißen: Sigmund Freud, Arthur Schnitzler, Egon Schiele, Gustav Klimt, Adolf Loos, Karl Kraus, Otto Wagner, Hugo von Hoffmannsthal, Ludwig Wittgenstein, Georg Trakl, Arnold Schönberg, Oskar Kokoschka, um nur ein paar Namen zu nennen." (Position 444 der Kindle-Edition) Und zu jedem der genannten wird in zwölf kurzgefassten Kapiteln Lexikawissen belletristisch feilgeboten. Und dabei ist doch "die Nostalgie als ein untaugliches Mittel der Gegenwartsbewährung" (Position 3216 der Kindle-Edition) zu begreifen. Egal. Schwamm drüber. Weitermachen. Klappe halten.

Würde ich ja, wenn der Autor nicht überall so billige Kalauer auftischen würde. "Thema: 'Der Untergang der Titanic'. [..] Das sinkende Schiff. Es stimmt: Ein Ozeandampfer geht schneller unter als das Abendland. Leonardo di Caprio ist noch nicht geboren." (Position 285 der Kindle-Edition) Aha. Danke für die Info.

Es bleibt jetzt nur zu vermuten, dass irgendwann dann das Buch '1914: Das Jahr der Zeitenwende' auf den Grabbeltisch kommt. Gott bewahre!
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine kurze Geschichte der Boheme, 1. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eigentlich ganz simpel mit diesem Buch, allzu vieler Worte bedarf es wirklich nicht, es zu rezensieren, ist es doch nichts weiter als Tratsch und Dampfgeplauder über Kulturvoll- und -halb bis -nullprominenz dreier Städte Europas - Wien, München, Berlin - des Jahres 1913, immer vor dem Hintergrundrauschen einer längst aufziehenden Kriegsgefahr...doch das formuliert dieses Buch nicht, fokussiert es nicht, macht es nicht zu seinem Inhalt, spricht es auch nur an einigen wenigen Stellen an. Die Chance, wie die ersten Kritiken der FAZ es formulierten, zu zeigen, wie eine scheinbare gesellschaftliche Hysterie, ein allgemeiner gesellschaftlicher Werteverlust, nationale Verblendung und Dummheit sich durch alle Gesellschaftschichten aller zumindest europäischen Nationen ziehen, zu einem Kulminationspunkt, einer kritischen Masse streben und deren Auflösung zur nachfolgenden Selbstzerstörung ganzer Nationen führt...das findet nicht statt, nicht hier. Ebensowenig wie die Welt, denn wie gesagt, Illies beschränkt sich weitgehend auf längst bekanntes aus den drei Städten. Paris, London, Moskau stoßen nur sehr gelegentlich dazu. Das dem Buch zunächst zugesproche weltgeschichtlich Exemplarische, der Systemvergleich der individuellen Mikrostrukturen der Jahre 1913/2013, er findet hier definitiv nicht statt. Das kann sich der Leser - so er sich denn im Bildungs- und Kulturtratsch der Gegenwart auskennt, die "Bunte" reicht nicht! - parallel dazu assoziieren, besser: dazuträumen.

Zudem - obwohl es fließend entspannt zu lesen ist, bringt's dem Nichtkulturbeflissenen auch nicht allzu viel. Entweder man kennt ohnehin schon alles aus den Originalquellen der Tagebücher einzelner Handlungspersonen oder deren auch verfilmten Biografien - da erzählt er die vollständige Le Sacre Szene aus Jan Kounen's Chanel Film nach - den Zeitungstexten, den historischen Magazinen á la Knopp - denn mehr ist eh nicht - dann braucht's das Buch nicht. Es liefert nichts wirklich Neues und nur bedingt Interessantes.
Hat man aber gar keinen Eindruck von dieser Zeit, kennt ihre Bilder, ihre Musik nicht, dann sollte man geflissentlich die Finger davon lassen, denn die Bilder Schieles und Kokoschkas, die von Kirchner und Marc sollten vor dem inneren Leser-Auge schon entstehen, davon erzählt dieses Buch, auf dem Gendarmen-, dem Nasch- oder dem Untermarkt Murnaus unterwegs gewesen sein, dann an diesen Ort spielt es, sich mit Herrn Samsa verwandelt, mit dem Panther hinter Stäben gelegen oder Le Sacre du Printemps gehört und getanzt haben, denn dazu gibt es reichlich Bezug - da nutzt sonst alleine die detailierte Beschreibung von Diagilews geschmacklosem Röckchen nichts....überhaupt die Musik: kein Heimspiel für Herrn Illies, auch wenn er ständig, wie auf Literatur und Malerei, Bezug dazu nehmen muss.

Selbst dort, wo die so bedrohliche Politik kurz aufschimmert, z.B. im Selbstmord des Superspions Redl, wird sie doch nur in dem Tratsch über dessen Homosexualität und Verschwendungssucht ersoffen, um den der Geschichtskenner, der Kulturbeflissene und der Tratschbesoffene sowieso wissen, ebenso wie vom fanatischen Anti-Alkoholismus eines A.H. oder dessen Postkartenmalerei. Was wird man also im Jahr 2113 beim Auswerten von einhundert Jahren Bunte- und Gala-Journalismus über unsere Zeit ratschen...???

Wofür dann noch zwei Sterne? Immerhin zieht sehr sensualistisch sensuell der Hautgout Else Lasker-Schülers in des Lesers Nase auf. Diese spätexpressionistische Impression von geradezu monumentaler Bedeutungslosigkeit hat es Herr Illies ganz besonders angetan, er kann in der ersten Hälfte des Buches davon überhaupt nicht lassen. Doch hat der Leser das wirklich erfahren wollen?!
Nein, mal ganz seriös, schreiben kann er, der Herr Illies. Das liest sich mal grad so weg. Dies umso mehr als die Struktur des Buchs ausgesprochen simpel aufgebaut ist. Sie folgt einfach einem linearen Zeitstrahl, da das Thema alleine einer Jahreszahl verpflichtet ist: das streut ganz schön, ist nicht im geringsten so eng thematisch gebunden, und damit stringenter und fokussierter, wie Florian Illies es in seinen Tagen als FAZ-Redakteur vermutlich praktizieren musste, nein, viel entspannter, ausschweifender, einfach fast assoziativ plaudernd und sehr subjektiv kommentierend. Das hat nicht im geringsten Feuilleton-Anspruch. Und dann sind da natürlich die Fleißkärtchen! Schön wär's allerdings gewesen, er hätte sich ein paar mehr davon in französichen, russischen oder englischen Bibliotheken und in politisch historischen Archiven verdient....
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