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TOP 500 REZENSENTam 28. Juni 2012
Der Roman beginnt mit einem Ende, der Beerdigung eines der ganz Großen, Jean-Paul Sartre, im Jahr 1980. Michel Marini nimmt daran teil und begegnet dort einem Bekannten aus alten Zeiten. Das ruft Erinnerungen hervor, über die Michel als Ich-Erzähler dieses Romans berichtet.
Die Handlung setzt im Jahr 1959 ein, Michel feiert seinen 12. Geburtstag. Der Leser begleitet ihn durch die Zeit des Erwachsenwerdens. Er stammt aus gut situiertem Haus, die Eltern betreiben ein sich stetig vergrößerndes Handelsunternehmen. Die Mathematikprüfungen besteht Michel nur bei Anwesenheit seines Banknachbarn, kurz gesagt, auf sich allein gestellt versagt er, dagegen sind seine Leistungen beim Kickern kaum zu übertreffen. Den heimischen Diskussionen über schulische Leistungen überdrüssig, begleitet Michel seinen älteren Bruder Franck immer häufiger zum Kickern ins Bistro 'Balto'. Durch eine von ihm bislang nicht beachtete Tür gelangt er in ein Nebenzimmer, in dem sich eine illustre Gesellschaft von Emigranten aus dem Ostblock, Igor, der ehemalige Arzt aus Leningrad, Tibor, der homosexuelle Schauspieler aus Ungarn und Leonid, der einstige sowjetische Pilot, aber auch die intellektuelle Elite wie Jean-Paul Sartre und Joseph Kessel zum Schachspielen, Diskutieren, Erinnern, Philosophieren und nicht zuletzt zum Trinken treffen und den "Club der unverbesserlichen Optimisten" bilden. An ihrer optimistischen Weltsicht können auch ihre oftmals schlechten Erfahrungen und ihre derzeitig schwierige Situation nichts ändern. In eingefügten Rückblenden erfährt der Leser von einem auktorialen Erzähler, warum die einstmals erfolgreichen Leute als fast mittellose Emigranten in Paris gestrandet sind. Nach und nach wird Michel der Club zum zweiten Zu Hause und dessen Mitglieder werden Freunde. Als Franck sich als Freiwilliger für den Algerienkrieg meldet, später desertiert und schließlich des Mordes angeklagt wird, legt sich ein Schatten über die scheinbare Familienidylle.
"Der Club der unverbesserlichen Optimisten" ist ein in die Zeitgeschichte vom Ende der 1950er bis zur Mitte der 1960er Jahre eingebetteter Entwicklungsroman. Der Autor, Jahrgang 1949, verknüpft das Erwachsenwerden Michels äußerst gekonnt mit dem historischen Geschehen. Dabei ist anzunehmen, dass eine Vielzahl persönlicher Erlebnisse und Erfahrungen in diesen Roman eingeflossen sind. Die Handlung wirkt leicht erzählt, schreitet trotz der eingefügten Rückblenden stets voran und zeichnet ein brillantes Zeitportrait. Der Roman fesselt den Leser nicht durch actiongeladene Szenen. Er beeindruckt durch die ruhige Erzählweise und eine Handlung, die zum Ende hin dann auch noch dramatisch wird. Unaufdringlich bringt Jean-Michel Guenassia dem Leser auf literarische Weise den zur Zeit der Romanhandlung in voller Blüte stehenden Existentialismus nahe. Er greift die Gedanken Sartres und Camus auf, verwebt sie in seinem Roman und transportiert dadurch gekonnt den Zeitgeist und die Stimmung im Paris der 60er Jahre. Insofern ist dieses Debüt auch ein philosophischer Roman. Die Figuren scheinen aus dem Leben gegriffen, Verfolgte, Querdenker, Philosophen, Schachspieler, Einsame, Flüchtlinge, Menschen wie Du und ich, Franzosen Russen, Ungarn, Deutsche. Die Atmosphäre ist dicht und greifbar. Man meint, beim Lesen den Qualm der Gitanes erahnen zu können. Stilistisch ist dieser Roman sehr ausgereift. Es wechseln sich tiefgründige mit humorvollen Szenen ab, das trägt dazu bei, dass er sich sehr angenehm lesen lässt. Er widerspiegelt das gewisse Flair, das man, auch ohne Kenntnis des Handlungsortes, Paris zuordnen würde und das auch trotz der Übersetzung sehr präsent ist.
"Der Club der unverbesserlichen Optimisten" ist ein Roman, der beste Unterhaltung mit der Vermittlung von Zeitgeschehen verbindet. Er hat mich über Tage gefesselt und mich zu weiteren Recherchen angeregt. Ich empfehle ihn sehr gern weiter, nicht nur an die Liebhaber der französischen Literatur.
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am 6. Oktober 2011
Wer nur eine oder zwei Seiten liest, um einen Eindruck zu erhalten, wie das Buch geschrieben ist, der wird sich wundern. Fraglich nur, ob Bewunderung oder Verwunderung (und damit Langeweile, weil man sich so was ganz anderes erhofft hatte). Es sollten schon einige Seiten testweise gelesen werden. Zwar schreibt J.-M. G. gleichbleibend interessant, doch ist es wohl auch ein "spezieller Stoff", der behandelt wird.
Auf den Inhalt möchte ich hier nicht näher eingehen, die Rezensionen der Zeitungen und Portale sowie die andere Kundenrezension fassen den Inhalt perfekt zusammen.

Ich erinnere mich, dass ich die ersten hundert Seiten (ungefähr) selber noch nicht ganz überzeugt war, obwohl ich diese gerne gelesen hatte und weiterhin interessiert blieb. Von nun an kam es einer Sucht gleich, die nächsten Seiten zu lesen.
J.-M. G. hat nicht nur inhaltlich wunderbar Abwechselung eingebracht, sondern hat auch mit der Systematik, die Kapital bis zum lezten Drittel abwechselnd von seinen beiden Lebensmittelpunkten zu erzählen, eine schöne und fesselnde Art gefunden, um uns Lesern das Interesse zu erhalten.

Seine Schreibweise und vor allem die Eindrücklichkeit, mit der er seine Empfindungen an den Leser weitergibt, ist hervorragend. Hilfreich ist es zwar schon, wenn man beispielsweise den Jardin du Luxemburg kennt, den dortigen Medici-Brunnen neben der Palastanlage und...und...und, oder die umliegenden Straßen, die er erwähnt. Wer es jedoch nicht kennt, dessen Interesse könnte geweckt sein, das Buch zu lesen und vielleicht in Anschluss zu überprüfen, ob sich die Beschreibungen decken mit den eigenen, die man bei einem Parisbesuch im Arrondissement St.-Germain / Montparnasse gewinnt.

Besonders hat mich fasziniert, mit welcher Offenheit J.-M. G. seine Eindrücke und Empfindungen beschreibt, wie er seine Neugier an dem Bistro Balto und dem Club und seinen Mitgliedern und Besuchern und den damit verbundenen Schicksalen wiedergibt.

Michel beschreibt sein Heranewachsen in seiner Familie, das ebenfalls schicksalgeprägt ist, sowie die Lebensläufe seiner gewonnenen Freunde im Club, die auch vom Schicksal heimgesucht wurden. Es ist ein Leben an der Seite von Kennern, von Menschen, die wissen, was es bedeutet, wenn man bestimmte Erfahrungen gemacht hat, und diese mit sich herumträgt. Erfrischend positiv gehen diese mit wider Erwarten mit ihrer Situation um und beweisen immer noch Humor -Optimisten eben!

Inhaltlich ist für mich -ich bin sehr viel jünger- außerdem sehr interessant, wie das Leben in der Familie abläuft, welche Gewohnheiten und Ansichten es gibt im Nachkriegsfrankreich.

Abschließend kann ich nur empfehlen, das Buch zu lesen, wenn auch nur ein wenig Intersse am bisher Geschilderten besteht. Facettenreichtum ist genügend vorhanden, inhaltlich, wie sprachlich und auch der Aufbau, mit dem abwechselnd dargebotenen Lebensumgebungen -seine Freunde im Club und seine familiären bzw.
Schulfreunde- machen das Buch lesenwert. Ich werde es mit Sicherheit lange Zeit in guter Erinnerung halten (und bin gespannt auf weitere Renzensionen und natürlich auch andere Meinungen).
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am 30. Oktober 2012
...und mit viel Liebe gelesen...

Mich hat dieses Buch fasziniert, den es ist nicht "nur" eine Geschichte, sondern eigentlich ein Universum aus vielen Geschichten, die in irgendeiner Weise miteinander zu tun haben und sei es nur, daß Menschen das Gleiche gelernt haben aus dem, was ihnen geschehen ist.

Den Rahmen bilden die jungen Jahre des jungen Franzosen Michel, aber erzählt werden ganz viele Lebensgeschichten der Menschen, die sich eben in dem benannten "Club" treffen. Dies geschieht sehr emotional, sehr offen und ehrlich, sehr ergreifend; vor dem jeweiligen geschichtlichen Hintergrund sind diese Erzählungen schon ein Erlebnis. Aber durch den Kontrast, der dann mit den vergleichsweise "einfachen" familiären Problemen des jungen Michel entsteht, wirken sie nochmals ganz besonders. Jedes Kapitel enthält ein Stück Lebensweisheit, die mit wunderbaren, nie belehrenden Worten zum Ausdruck kommt.
Erzählt wird das alles vor dem Hintergund eines liebevoll gezeichneten Paris und der Zeit, in der sich diese Geschichten zutragen - auch hier mit viel Liebe zum Detail; offene Beschreibungen der politischen Situation und der Rolle, welche sie im Leben der Menschen gespielt hat, runden das Bild ab.

Mir hat diese wunderbare Vermengung sehr, sehr gefallen; ich habe mich fallen lassen in diesen Sog und es war ein Genuss. Selten habe ich ähnliches gelesen.

Eine absolute Empfehlung von ganzem Herzen für denjenigen, der den Mix aus Kultur, Lebensweisheit, Schicksalen, Humor und Träumen mag.
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am 14. Juni 2011
Der vorliegende Roman des 1950 geborenen Jean-Michel Guenassia, der nach seinem Erscheinen in Frankreich 2009 großes Aufsehen erregte und seinen Autor quasi über Nacht zu einem der angesehensten Schriftsteller Frankreichs machte, entführt seine Leser in die Zeit des Existenzialismus.

Ort der Handlung ist das Paris ab Ende der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, wo der Existenzialismus, nicht nur durch Sartre geprägt, seine Hochphase hatte. Der Erzähler des Buches ist der zu Beginn des Buches zwölfjährige Michel, in dem Guenassia, wie ich vermute, viele autobiographische Erfahrungen verdichtet hat.

Michel stammt aus einer wohlhabenden Familie, sein Vater ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Doch als sein Bruder im Zusammenhang des Algerienkriegs wegen Mordes angeklagt wird, legt sich ein Schatten über die ehedem heile Familie.

Michel sucht im "Balto", einem Bistro, Ablenkung. Dort trifft er auch im Hinterzimmer auf den "Club der unverbesserlichen Optimisten". Männer sind das, die trotz aller ihrer privaten und politischen Katastrophen Optimisten geblieben sind. Kantige und außergewöhnliche Figuren begegnen ihm dort , beeindruckende Menschen, mit denen Michel die nächsten fünf Jahre seines Lebens viel Zeit verbringen wird, von deren Geschichten und Schicksalen er hören wird und deren intellektuellen Feingeist er nicht bewundern lernen wird, sondern von dem er auch für sein eigenes Leben lernt. Emigranten aus dem Ostblock, verfolgte und enttäuschte Kommnisten sind es hauptsächlich, die sich täglich im "Balto" treffen, von alten Zeiten erzählen, die aktuelle Lage einschätzen, philosophieren und Schach miteinander spielen. Auch Sartre lässt sich dort ab und zu einmal blicken.

Jean Michel Guenassia gelingt es hervorragend, die Geschichte des jugendlichen Michel zu verknüpfen mit vielen Einzelschicksalen und webt sie zusammen zu einem Porträt der großen politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Gleichzeitig ist es eine wunderbare Einführung in die existenzialistischen Diskurse und das Denken einer Epoche, die damals tonangebend war und viele Kulturschaffende beeinflusst hat.

Wenn er zusammen mit Michel seinen Leser die Gespräche der "unverbesserlichen Optimisten" verfolgen lässt, kann sich nicht nur Michel der intellektuelle Dichte und der historischen Tiefe ihrer Gedankengänge nicht entziehen. Das Buch ist deshalb nicht nur ein fesselnder Roman, ein eindrucksvolles Epochenporträt, sondern auch eine Art belletristische Einführung in die Philosophie des Existentialismus.
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am 26. Juli 2012
Vor dem Urlaub in Paris musste ein Buch gekauft werden, das eben dort spielt und ich bin sehr dankbar dafür, dass die Wahl auf Jean-Michel Guenassias Buch fiel!

Dieses Werk als bloßen Adoleszenzroman zu beschreiben, würde ihm nicht gerecht werden, es ist auch kein reiner Familienroman oder lediglich eine Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist der 60er, französischer Gesellschaft und/oder Politik. Es geht um all das und um mehr: Das Leben an sich.

Guenassias schildert Michels Erlebnisse während des Erwachsenwerdens in einer anrührenden Sprache und verknüpft dessen Leben erzähltechnisch geschickt mit dem der Mitglieder des "Clubs der unverbesserlichen Optimisten", welcher zum großen Teil aus Schach spielenden, osteuropäischen Emigranten besteht. Nach und nach enthüllt Guenassia Zusammenhänge und fügt einige Puzzleteile zusammen, sodass am Ende des Romans trotz aller Vielschichtigkeit, eine abgerundete Handlung entsteht.

Fünf Sterne, klare Leseempfehlung!
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am 5. Oktober 2012
Eine wunderschöne Geschichte aus der Perspektive eines Jungen, der gerade seine Kindheit verlässt und erste Schritte in ein ihm noch unbekanntes Erwachsenenleben macht. Es ist schön mitzuerleben was alles prägend ist in dieser Zeit um seine Position als Mann zu finden. Es ist kein Männerbuch, es ist eine einfühlsame Geschichte in die Welt im Paris in den 50ger Jahren. Die Geschichte ist eingebettet in die politische Lage Frankreichs und stellt auch das Leben verschidener politischer Flüchtlinge dar. Es hat mir sehr gut gefallen.
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am 9. Februar 2016
Wieder einmal Paris in den 1960ern. Die Welt wandelt sich, steht kopf. Veränderungen durchdringen festzementiert geglaubte Anschauungen und Lebensmodelle. Eine gute und zugleich verwirrende Zeit zum Heranwachsen. Michel Marini ist zu Beginn des Buches erst zwölf und ahnt bereits dennoch, dass kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Das gilt im Großen wie im Kleinen der Familie. Die väterlichen Marinis stehen sich unvereinbar den mütterlichen Delauneys gegenüber. Proletariat gegen Kapitalismus, Kleinbürgertum gegen Bourgeoisie, Vater gegen Mutter. Die Mutter wird zeitlebens nicht über die Schmach hinwegkommen, dass ihr Mann jegliche Ambitionen zum Vorankommen vermissen lässt und entfernt sich innerlich vom Familienleben, das sie zu sehr an ihr verpfuschtes Leben erinnert. Dazu die Tragödie um Michels älteren Bruder Franck. Dieser meldet sich freiwillig zum Algerieneinsatz der Franzosen, erschießt einen Offizier und befindet sich als Deserteur und Mörder jahrelang auf der Flucht. Das ist zuviel für eine Ehe.

Und es ist auch zuviel für einen heranwachsenden Jungen. Michel versucht die elterlichen Spannungen und Brüche zu kitten und als das nicht gelingt, diese zu negieren. Er stürzt sich kompromisslos in die Literatur, leiht Unmengen an Büchern in der Bibliothek aus und liest sich bei jeder Gelegenheit weit weg. Daneben hängt er bei den Freunden seines Bruders herum, hört ihre Musik und atmet erstmals den Geschmack von Freiheit und Aufbegehren, der in der Luft der Boulevards und Cafés hängt. Durch Zufall gerät er in einem dieser Cafés in ein Hinterzimmer, in dem der „Club der unverbesserlichen Optimisten“ tagt. Sämtliche Mitglieder dieses Clubs sind Einwanderer aus Osteuropa – Künstler, Intellektuelle, Chirurgen, die alle das Schicksal aller Exilanten teilen. Berufsverbot, Gelegenheitsjobs unter der eigenen Würde, Verlust geliebter Menschen und aller Habe.

Michel Marini wird als vollwertiges Mitglied im Club aufgenommen. Er spielt mit seinen neuen Freunden stundenlang Schach, lernt Sartre und Kessel kennen, zuckt ob der heftigen Auseinandersetzungen zusammen und feiert die anschließenden Versöhnungen. Michel lässt sich als Ziehsohn gleich vieler Vaterfiguren aufnehmen und kompensiert mit deren Fürsorge sein zusammenbrechendes Elternhaus. Nach den ersten Begegnungen im Club ändert sich die Buchstruktur. Es erzählt nicht mehr nur Michel aus der Ich-Perspektive eines Heranwachsenden. Guenassia variiert seinen Stil und berichtet vom Leben der Exilanten, deren Schicksalen. Wie es ist, alles zurück lassen zu müssen und fortan in der Illegalität zu leben. Wie es ist, in der Fremde zu leben und die Heimat unwiderruflich verloren zu wissen. Diese Passagen lesen sich mit einem veränderten Tenor – anspruchsvoller, gesetzter. Nicht wie das ziellose Herumstochern eines Jugendlichen im Nebel der eigenen Unkenntnis.

Guenassia hat nach eigener Aussage Michel als Fährmann angelegt, der zwischen allen Personen vermittelt und die Fäden der Handlung zusammenführt. Auch wenn es anfangs den Anschein hat, „Der Club der unverbesserlichen Optimisten“ ist mitnichten ein klassischer Bildungsroman, der vom Erwachsenwerden handelt. Michel ist der Brennpunkt, aber nicht das Hauptanliegen. Ich habe das Buch in erster Linie als Erklärung für die Vielzahl der Spannungen und Konflikte gelesen, die unseren Kontinent bis in die 1990er Jahre gespalten haben. In unendlich vielen Anekdoten, Nebenplots und Beiläufigkeiten vermittelt Guenassia das lebendige Bild einer Epoche, die den Schrecken zweier Weltkriege verdaut hat und sich nun fassungslos der geopferten Dinge gewahr wird. Michel bündelt all das und ist dabei nur ein Junge, der von seiner ersten Liebe überwältigt wird.

„Der Club der unverbesserlichen Optimisten“ handelt von Intellektuellen, kommt aber nicht intellektuell daher. Es ist ein wundervoll melancholisches, liebevolles und heiteres Buch über Menschen, die einem ans Herz wachsen. Guenassia konstruiert keine Stereotypen, sondern füllt das Café mit einzigartigen Typen, die einzigartige Geschichten zu erzählen haben. Und es ist ein Buch, das einen den nächsten Paris-Besuch ins Auge fassen lässt. Wer schon einmal im Jardin de Luxembourg und im Quartier Latin war, wird bei deren Beschreibung wehmütig berührt daran zurückdenken; wer noch nicht da war, wird beschenkt von Bildern, die der Realität in nichts nachstehen. Wundervolle Literatur!
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TOP 1000 REZENSENTam 25. Mai 2014
Bei der Beerdigung von Sartre trifft der Pariser Michel auf Pavel, einem Mitglied des Schachclubs der unverbesserlichen Optimisten, dem auch Michel 20 Jahre zuvor zwischen seinem 12. und 17. Lebensjahr angehört hat. Durch das Treffen beginnt Michel sich zu erinnern und die Erzählung schwenkt in die 60er Jahre. Nach und nach lernt man nicht nur Michels Leben, sondern ebenso die Geschichten der einzelnen Clubmitglieder kennen. Alle stammen sie aus kommunistischen Ländern im Osten, sei es Ungarn, Polen oder Russland. Alle sind sie geflüchtet, mussten ihre Arbeit und ihre Familien zurücklassen, um in Paris neu anzufangen. Das schafft keiner ganz. Zu sehr setzt man sich weiterhin mit den Ideologien auseinander, trauert dem Verlorenen nach. Aber man ist auch froh, dass man es geschafft hat und in der Fremde seine Zeit absitzen darf. Durch die Geschichten der einzelnen Figuren lernt man diese gut kennen und alle wachsen einem irgendwie ziemlich ans Herz. Letztlich bleibt der Focus aber auf Michel, der, obwohl ein echter Pariser, so gut Freund wird mit all den Sonderlingen im Club. Dieses Buch fängt die Atmosphäre der Zeit wunderbar ein, allzu existentialistisch im Sinne von nihilistisch ist es nicht. Denn schließlich sind alle Optimisten. Aber über die Existenz wird schon sehr viel nachgedacht. Mich hat die Geschichte nach kleinen Anfangsschwierigkeiten unheimlich gefesselt. Das Lebensgefühl und die Rückblicke in die kommunistische Geschichte sind sehr interessant und anziehend. Aber vor allem die hervorragend gestrickten Figuren machen das Buch aus. Ich empfehle es daher sehr gern weiter.
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am 5. Oktober 2013
Ich habe dieses Buch verschlungen, ich habe die Nacht durch gelesen, es für mich in den Rang eines Klassikers gehoben und es gleich noch einmal gekauft und verschenkt. Spannung, Mitgefühl, Geschichte, Philosophie, Schicksal - alles dabei. Und so schön geschrieben. Fünf Sterne - ganz klar! Dieses Buch gehört eigentlich gebunden ins Regal, nicht als Taschenbuch.
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am 23. Juni 2013
Und weil ich mir das denken konnte, habe ich das Buch verschenkt. Es hat meine Freundin bekommen, die gern schwärmt, gern verzweigte Gedankengänge entlang schlendert und gern von Geschichten dieses Formats hört und liest.
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