Kundenrezensionen


11 Rezensionen
5 Sterne:
 (4)
4 Sterne:
 (5)
3 Sterne:
 (2)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Muss - trotz allen offengebliebenen Fragen
Nachdem bereits bei Naxos eine Aufnahme mit einem rekonstruierten Finalsatz der Neunten erschienen ist, die seltsam kalt liess und nicht überzeugte (Dirigat: Wildner), war nun die Erwartung wesentlich höher. Simon Rattle ist zwar ein grosser aber kein Bruckner-Dirigent, mit den Berliner Philharmonikern jedoch steht ihm ein Spitzenorchester zur Verfügung,...
Vor 22 Monaten von Andras Wagen veröffentlicht

versus
11 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fragwürdig!
Vom Booklet und der Plattenfirma, sowie von einigen Rezensenten wird behauptet, diese Symphonie sei nun endlich so, wie Bruckner sie gewollt habe.
Ich bin mir ja nicht so sicher, dass Bruckner die Symphonie "so wollte". Er ist nämlich keinesfalls, wie es immer dargestellt wird (wie übrigens auch fälschlicherweise bei Bachs "Kunst der Fuge"...),...
Vor 22 Monaten von Keno Weber veröffentlicht


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Muss - trotz allen offengebliebenen Fragen, 10. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 9 (4 Sätze) (Audio CD)
Nachdem bereits bei Naxos eine Aufnahme mit einem rekonstruierten Finalsatz der Neunten erschienen ist, die seltsam kalt liess und nicht überzeugte (Dirigat: Wildner), war nun die Erwartung wesentlich höher. Simon Rattle ist zwar ein grosser aber kein Bruckner-Dirigent, mit den Berliner Philharmonikern jedoch steht ihm ein Spitzenorchester zur Verfügung, welches eine grosse Bruckner-Tradition hat (man denke an Furtwängler, Jochum und Karajan). Nun sitzt man also in fiebriger Erwartung vor der Stereoanlage und fürchtet sich ein bisschen vor dem, was da kommen mag. Und was da kommt!

Die Aussage von Harnoncourt, diese Musik sei wie "ein Stein, der vom Mond gefallen" ist, könnte treffender nicht sein. Nebst majestätischen und hinreissenden Themen hören wir dissonante Akkorde noch und noch, seltsame Abbrüche, Hörner, die eine seltsame Tonfolge ins Leere hinausblöken, und zum Schluss die pseudo-chaotische Übereinandertürmung verschiedener Themen vorwiegend aber nicht ausschliesslich der Neunten - Musik, wie sie weit ins 20. Jahrhundert hineinweist und die Hörer im ausgehenden 19. Jahrhundert bestimmt ratlos zurückgelassen hättte. Genialische, mit unerbittlicher Konsequenz durchkomponierte Musik. Ist diese Musik nun wirklich von Bruckner?

Um diese Frage beantworten zu können, darf man sich keinesfalls ans Booklet der CD wenden, welches in unkritischer und stellenweise geradezu dümmlicher Weise die Entstehung dieses Satzes beleuchtet. Es wird zum Beispiel dreist behauptet, dass Bruckner seine Finale stets auf ähnliche Weise komponierte, es gebe im Wesentlichen nur zwei Modelle für seine Finale. Dies ist - mit Verlaub - hanebüchener Blödsinn, man sehe sich zum Beispiel nur einmal die Finale der Fünften, Siebten und Achten an. Dann wird angefügt, dass es daher einfach sei, in Bruckners Sinfonien ein paar fehlende Takte zu ergänzen. Die Haare stehen einem zu Berge bei solchen Behauptungen. Es sei daher geraten, sich vor dem Einlegen dieser Aufnahme die Besprechung des Finalsatzes von Harnoncourt anzuhören. Die Fakten werden dort besser wiedergegeben und erlauben einen besseren, wenngleich unvollständigen Einblick in den Mikrokosmos dieses Finalsatzes. Man kann danach die Originalität grosser Passagen des nun anzuhörenden Satzes beruhigt würdigen.

Tatsache bleibt nämlich, dass grosse Teile des nun zu hörenden Satzes von Bruckner niedergeschrieben wurden, und weitere Teile fragmentiert vorliegen. Die Instrumentation ist weitgehend inkomplett. Vor diesem Hintergrund müssen vor allem die letzten 5 Minuten des Satzes als weitgehend rekonstruiert angesehen werden, wenngleich "nur" 28 Takte komplett neu komponiert werden mussten. Dennoch ist das Resultat deutlich überzeugender als die ältere Naxos-Aufnahme mit Wildner. Die hier wiedergegebene Musik zieht in Bann und ist stellenweise beglückend und ekstatisch genial. Ich habe diesen Satz nun schon zigmal angehört, und meine Begeisterung wächst mit jedem Durchgang.

Und ist dies nun eine Finalsymphonie oder nicht? Die Antwort muss lauten: Wir wissen es nicht mit Sicherheit. Wenn man aber hört, mit welcher Radikalität und mit welchem Mut Bruckner in seinem allerletzten Satz Noten gesetzt hat, welche todesahnende Verzweiflung hier anklingt und welche Ziele er sich noch genommen hat - wir hörten von einer mehrstimmig choralen Rückschau auf die grossen vorangegangenen Symphonien - dann kann man sich nicht vorstellen, dass das Finale dieser bedeutenden Symphonie minderwertig geworden wäre. Im Gegenteil, man muss annehmen, dass dieser Satz die Grenzen gesprengt und die Tür weit in die Zukunft geöffnet hätte. Bis heute hat man sich am Dissonanzakkord im dritten Satz aufgebaut, aber gegen das, was hier noch kommen sollte, wäre dies nur erst der Anfang gewesen. Die vorliegende Rekonstruktion hat diese Dimension mit Sicherheit noch nicht erreicht.

Bleibt zu hoffen, dass erstens in der Zukunft noch mehr Notenmaterial auftaucht, welches nach Bruckners Tod verlauert wurde, und dass zweitens ein Dirigent mit Bruckner im Blut ein dergestalt weiter vervollständigtes Werk einspielen würde. Bis dahin müssen wir auf das mutgemasste opus summum, die Kathedrale aus übereinandergeschichteten Themen aus der Fünften, Siebten, Achten und Neunten im Schlussteil des Satzes weiter bange warten. Und getrost die wunderbaren und verzweifelten Stellen dieser Rekontruktion erleben.

Die übrigen Sätze hat Sir Rattle übrigens ansprechend interpretiert und eingespielt. Wie zu erwarten herrscht bei ihm mehr Nüchternheit als bei seinen Berliner Vorgängern, was dem Werk aber nicht einmal so schlecht ansteht. Auch hinsichtlich dieser drei Sätze ist diese Aufnahme daher eine interessante Ergänzung des Repertoires, wenngleich ich persönlich andere neue Aufnahmen wie beispielsweise jene von Luisi mit den Dresdnern überzeugender finde. Oder aber man geht zurück und schwelgt in den Aufnahmen von Jochum, Schuricht, Furtwängler oder Wand.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Danke!, 17. Juni 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 9 (4 Sätze) (Audio CD)
(Nicht nur) Fuer Liebhaber von Bruckners Musik: Kaufen! - Meines Erachtens ist es empfehlenswert, sich erst in den ersten drei Saetzen mit den Eigenheiten der Interpretation von Rattle vertraut zu machen und sich dann erst dem 4. Satz naehern. Diesen ein paar mal fuer sich (er-)hoeren und danach ein Durchlauf Satz 3 +4.

Mir gefaellt der vorgelegte 4. Satz außerordentlich gut und immer besser, je öfter ich ihn gehört habe. Es ist großartige Musik mit einer enormen Dichte. Ich muss sagen, dass es für mich eines der faszinierendsten Hörerlebnisse darstellt. Diese Musik, ist wie die ersten 3 Sätze der Symphonie einfach großartig. Es ist m.E. Brucknersche Musik - mit all ihrer Ungewoehhnlichkeit und Radikalität, - man hoert deutlich, dass hier Bruckner wie schon in den vorangegangen Saetzen weiter geht, stellenweise weist er weit voraus (Mahler / Schostakowitsch). Ein "qualitatives" Abfallen kann ich nicht feststellen, auch wenn manche Stellen spröde sind. Auch nicht, dass dieser Satz nicht zur Symphonie passe, oder dieser diese nicht abschliessen wuerde. Man muss sich den Satz eben erhoeren.Dass der Satz sicher nicht so ist, wie Bruckner ihn veröffentlicht haette muss klar sein: Er hat ihn nicht fertig gebracht, noch konnte er diverse male "drueber- und umarbeiten". Das mindert aber meines Erachtens nicht den Wert des Satzes. Die Anmerkungen im Booklett sind teilweise nicht sehr hilfreich...

Herzlichen Dank an die Gruppe aus Musikwissenschaftlern, die eine Rekonstruktion und Vervollständigung des 4. Satzes vorgenommen haben und an ihr kontinuierlich weiter arbeiten. Ebensosehr auch an Rattle, der sich mit der Aufführung dieser Rekonstruktion den überwiegend von Legendenbildung und von subjektiven Urteilen geprägten Diskussionen um Bruckners Musik aussetzt. Ich hoffe, dass Rattle mit dieser Einspielung einen Impuls für eine Reihe weiterer Interpretationen setzt!

Anmerkungen:
1. Aufnahmetechnik: Ich kann es nicht genau verorten, aber mir scheinen Basslinien, Mittelstimmen und hohe Lagen nicht in einem ausgewogenem Verhältnis zu stehen. Es will sich nicht zu einem durchgehend transparenten Klangbild aussteuern lassen.

2. Interpretation: Rattle geht auf seine Weise an Bruckner ran, er ist eben nicht Karajan, Celibidache, Böhm oder Wand usf. sondern Rattle... Er eröffnet an einigen Stellen neue Perspektiven. Vor allem seine Behandlung des Bleches ueberrascht. Auch geht Rattle mit den Tempi freier um. Meiner Meinung nach "atmet" die Symphonie dadurch weniger, bzw. verliert etwas von ihrer "Organik". Die Symphonie bekommt dadurch mehr etwas Beethovensches und mehr Dynamik. Zugleich schafft es Rattle aber auch, die Modernität herauszuarbeiten. An manchen Stellen wird durch Rattle die Neuartigkeit und Radikalität der Harmonik verdeutlicht. Manche Stellen bekommen bei ihm auch starke "Räumlichkeit". Diese Interpretation eröffnet für mich auch in den ersten drei Sätzen neue Aspekte: Man sollte sich die Interpretation anhören!

3. Hoffentlich wagen sich auch weitere Interpreten an den vorgelegten 4.ten Satz ran, die vorgelegte Arbeit könnte sich beim Publikum durchsetzen. Ich glaube, dass in der vorliegenden Interpretation einige Mommente nicht gehoben sind, die den Satz stärker in den Kontext der vorangegangen Sätze stellen können und somit den Bogen besser spannen. Auch denke ich, dass man die Zusammenhänge des Satzes in sich besser herausarbeiten kann. Z. B. das "generische"-Moment - der Satz hat thematisch die Anlagen dazu.

4. Die hier häufig erwähnten "schwachen Finalsätze": Mir gefallen einige Sätze auch besser oder weniger gut als andere. Auch in der musikwissenschaftlichen Literatur wird oft von schwachen Finalsätzen geschrieben. Ich finde ein solches qualititatives Urteil als vermessen und unangemessen: Die Finalsätze unterliegen völlig anderen Konstruktionsprinzipien, Gesetzmäßigkeiten und haben auch eine andere Funktion als die anderen Sätze einer Symphonie. Einige Sätze Brucknerscher Symphonik müssen eben erarbeitet werden. GEnauso zu immer wieder zu lesenden Meinung, die 9.te wäre genauso wie die 8.te eine zusammenfassende Arbeit, in der prinzipiell nichts Neues geboten wird: Meiner Meinung nach stellt die 9.te Symphonie einen Wegweiser zu einem neuen Typus von Musik dar - einmal ganz abgesehen von der Radikalität der Harmonik. Man beachte allein das Geflecht aus "Perpetuum-Mobile-Motiven" aus denen sich musikalische Gedanken heraus entwickeln (Generik & Periodizität), sich verdichten und getragen werden. Klassische Prinzipien der Entwicklungsformen werden hier verlassen bzw. dienen nur noch als Gerüst. Diese Formen können daher auch nicht alleinig bei der Analyse des formalen Aufbaus herangezogen werden.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dynamisch, 29. März 2013
Von 
opernfan - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 9 (4 Sätze) (Audio CD)
Diese Aufnahme der 9, Symphonie hat mir als bekennenden Celibidache-Fan ganz andere Qualitäten des Werkes offenbart: Rattle wählt deutlich schnellere Tempi, was v.a. in den ersten beiden Sätzen eine fast atemlose Spannung erzeugt. Es entsteht deutlich mehr Dynamik und Dramatik, das Nach-vorwärts-drängen wird hier zum Programm. Dabei bleibt er sehr transparent, sekundiert von den Berliner Philharmonikern, die sehr delikatund präzise spielen. Im dritten Satz mag das jetzt nicht ganz aufgehen, hier fehlt mir etwas die Tiefgründigkeit z.B. eines Celi, eines Giulini, oder eines G. Wand. Nichtsdestotrotz hat auch diese Interpretation des Adagio seine Meriten: es ist jetzt nicht der große Abschiedsgesang eines sterbenden Meisters, sondern "nur" ein überirdisch schönes Adagio. Und sind wir mal ehrlich: wie es gedacht war, wissen wir nicht.
In der Summe kann man also erst einmal festhalten, dass die ersten drei Sätze sehr gelungen sind, Rattle entwickelt sich hier zu einem durchaus achtbaren Bruckner-Dirigenten, der den Atem für diese Musik hat, der es versteht, das Ganze im Auge zu behalten und die so unterschiedlichen Blöcke zusammenzuhalten. Soweit, so gut.
Nun gibt es hier den vervollständigten 4. Satz, bekanntermaßen ist Bruckner ja über dessen Niederschrift verstorben. Es wurde hier in den Rezensionen schon viel sehr Kluges über solcherlei Versuche geschrieben, so dass ich mich hier darauf beschränken will, den Höreindruck zu beschreiben:
Organisch passt dieser Satz nicht so recht zu den ersten drei Sätzen, v.a. nach dem Adagio wirkt der hier präsentierte 4. Satz fast schon belanglos und auch von der Klangsprache nicht wirklich überzeugend. Ob das nun daran liegt, dass die Komponisten der Vervollständigung zu stark eingegriffen haben in das Werk, oder ob Bruckner selbst keine Antworten (mehr) fand, wie er diese Symphonie abschließen sollte, vermag ich dabei nicht zu sagen. Fest steht, dass ich diese Art der "Vollendung" sehr entbehrlich finde. Bruckner selbst hatte ja verfügt, dass anstelle eines 4. Satzes das Te Deum gespielt werden sollte. Was erstaunlicherweise fast nie gemacht wird. Das wäre allemal eine spannendere Alternative als das hier zum Hören gebrachte.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessant, aber keine Offenbarung!, 18. Mai 2012
Von 
Caliban (Süddeutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 9 (4 Sätze) (Audio CD)
Als ich zum ersten Mal durch die Einführung Harnoncourts Bruckner: Sinfonie Nr. 9 das Material des vierten Satzes der 9. hörte, war es für mich ein wenig wie Weihnachten: Noch einen unbekannten Bruckner-Satz erleben zu können, hätte ich mir zuvor nicht ausmalen können. Harnoncourt präsentiert auf der zweiten CD aber nur das vorhandene Werkmaterial im Rahmen einer Werkeinführung. Ich war deshalb auf die vorliegende Rekonstruktion gespannt. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Im vierten Satz gibt es äußerst packende Stellen (am bewegendsten bei 20 Minuten und ca. 30 Sekunden), wenn sich die drei Themen des Satzes kontrapunktisch übereinander türmen. Man merkt aber beim aufmerksamen Hören, dass der Satz nicht vom Meister selbst vollendet wurde. Im Einzelnen:

Nach einem einleitenden Crescendo mit fallenden Quinten und steigenden Quarten, letztere in den Blechbläsern, erscheint das erste Thema, das von vornherein nicht das Gewicht der ersten Themen des ersten und dritten Satzes der 9. hat. Es handelt sich zunächst mehr oder minder um eine musikalische Floskel. Im punktierten (trochäischen Rhythmus) fällt die Melodie von der Tonika um eine Sexte, steigt dann um eine Quarte, um am Ende nach einer kleinen überleitenden Passage auf der Tonika eine Oktave tiefer zu enden (mein Höreindruck, ich habe als Laie natürlich keine Partitur des vierten Satzes). Das Thema entwickelt sich und wird dann in den Blechbläsern vorgestellt. Es wirkt auf den Leser leicht nervös und auch etwas zwanghaft. Allerdings führt Bruckner es überaus kunstvoll weiter, denn er unterlegt es bald mit den vier Tönen, die später den Choral, das dritte Thema der Exposition, bilden werden. Es folgt ein sehr warmherziges zweites Thema (Rattle bezeichnet das zweite Thema in seiner kurzen Anmerkung als unterkühlt, was ich nicht teilen kann). Das zweite Thema tritt nur nicht besonders prominent hervor. Denn wieder taucht das erste nervösere Thema auf und leitet nun zum Choralmotiv über, das eigentlich nur auf vier Tönen beruht. Diese Stelle ist aber schlicht überwältigend. In die kulminierenden, emotional bewegenden Blechbläserchöre sind schärfste Dissonanzen gemischt- Als Hörer merkt man jedoch, dass die Überleitung zwischen den drei Themen der Exposition und auch der Übergang zur Durchführung bei weitem nicht so kunstvoll gearbeitet sind, wie die Parallelstellen im 1. und 3. Satz der 9. Hier fehlt einfach die Fassung letzter Hand und die vier mit der Überarbeitung befassten Musikwissenschaftler haben natürlich keine Eingriffe in das Originalmaterial gewagt. Der erste Teil der Durchführung bearbeitet das Hauptthema und verstärkt zunächst die leicht nervös-manische Stimmung. Dann folgt eine Fuge, die auf dem ersten, aber auch dem zweiten Thema beruht. Sie erreicht nach meinem Eindruck aber nicht die Dimensionen des vierten Satzes der 5. Symphonie. Die Reprise wird überaus kunstvoll aus der Durchführung ohne zunächst klar erkennbaren Schnitt entwickelt. In der Coda kommt es zu dem bereits erwähnten Höhepunkt bei der Stelle 20 Min. 30 Sek. Über einem Orgelpunkt leiten die Bläser in aufsteigender Tonart zu einem triumphalen Finale.

Erkennbar hat Bruckner dem Finalsatz nicht dasselbe musikalische Gewicht geben wollen wie dem 3. Satz der 9. Vergleichbar der 7. Symphonie wäre die 9. daher keine Finalsymphonie geworden. Die vorliegende Bearbeitung liefert leider nur eine sehr vorsichtige Annäherung an das Intendierte. Bei Harnoncourt ist etwa zu hören, dass Bruckner wohl ursprünglich plante, Themen aus der 5. , 7., 8. und 9. in der Coda polyphon übereinander zu türmen, sozusagen als überirdischen Abschied von seinem Werk. Ein Gänsehautgefühl überläuft einen nur bei dieser Vorstellung. Dies hat man hier ausgelassen; wer wollte dies auch dazukomponieren? Zitate finden sich vor allem aus dem ersten Satz der 9. (prominent erscheint der Schlussteil des ersten Themas). So bleibt aber insgesamt doch ein unvollkommener Eindruck.

Leider ist auch Rattle m.E. kein echter Brucknerdirigent. Wer dies jetzt für Wichtigtuerei halten mag, vergleiche nur seine Interpretation des dritten Satzes mit der von Wandt (Einleitung genügt). Beide gehen gleich nüchtern an das Werk heran (und unterscheiden sich dabei deutlich von Giulini und Celibidache). Aber Wandt ist in der Phrasierung wesentlich raffinierter und subtiler. Rattles stärken liegen in den Tutti des hier erwähnten Choralmotivs, wenn er alle Register ziehen kann, nicht aber in der Auslotung der Subtilitäten. Deshalb könnte eine andere Einspielung dieses Satzes vielleicht noch einen etwas positiveren Eindruck hinterlassen. Ich glaube jedoch nicht, dass diese Fassung sich durchsetzen wird. Der vierte Satz bleibt einfach qualitativ zu deutlich hinter dem dritten zurück und trübt so den überwältigenden Eindruck der dreisätzigen Form.

Leider ist das Booklet ziemlich enttäuschend. Gemessen an der Werkeinführung von Harnoncourt sind die Ausführungen zum vierten Satz, an dem wohl jeder Käufer als erstes interessiert ist, ziemlich dürftig. Dass Bruckner die 9. nicht als dreisätziges Werk geplant hat, wird breit ausgeführt. Aber dies weiß ja jeder Liebhaber bereits.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Intepretatorisch etwas zu neutral, klanglich aber sehr sauber!, 28. Mai 2012
Von 
B. Lutze (Potsdam) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 9 (4 Sätze) (Audio CD)
Wenn man Rattle mit den Berlinern live zuschaut, hat man rein visuell nicht den Eindruck, die 9. von Bruckner gerade sehr neutral zu erleben: Rattle peitscht das Orchester an, genießt die Musik spürbar selbst und die Musik wächst oft über sich selbst hinaus. Leider überträgt sich dies nicht zu 100 Prozent auf diesen Tonträger. So oft ich mir den wild umherfahrenden Rattle vorzustellen versuche, bleibt doch diese Aufnahme zu neutral, zu wenig eigen und zu generisch. Klanglich ist das alles sehr schön: Weiche Streicher, kristallklare Bläser, alles sehr warm, natürlich und organisch. Doch dort, wo mich Celibidache und Wand interpretatorisch abholen, lässt mich Rattle das ein oder andere Mal stehen. Nun, um ehrlich zu sein, wirklich nur das ein oder andere Mal, aber es sind für mich oft die I-Tüpfelchen, die einen exzellenten Brucknerianer von einem guten Bruckner-Gast unterscheiden und diese himmlischen Momente erzeugen, nach denen man süchtig wird.
Von mir dann aber doch 4 Sterne, weil mir persönlich der 4. Satz sehr gut gefällt. Auch wenn der Satz, rekonstruiert, hinter den ersten dreien zurück fällt, sehe ich doch das ein oder andere Mal Bruckner um die Ecke luken und zufrieden nicken.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein unbedingtes Muss für jeden Bruckner Liebhaber!, 26. Juni 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 9 (4 Sätze) (Audio CD)
Auch wenn Rattle kein wirklicher Bruckner Dirigent ist (meine Referenz ist Celibidache - aber der lebt ja nicht mehr), die gegenständliche Aufführung ist bahnbrechend. Ich bin ein großer Bruckner Fan und habe es mir immer gewünscht, einmal den 4. Satz des Meisters hören zu können. Nun wurde mir dieser Wunsch erfüllt. Ich war begeistert und zu Tränen gerührt, unglaublich schön und ein wahrlich echter Bruckner - wenn auch einige Stellen ungewöhnlich sind (Dissonanzen). Noch dazu von einem der besten Orchester der Welt gespielt. Mag sein, dass der Satz noch nicht ganz den Bruckner'schen Qualitätsmassstäben genügt hätte - immerhin ist es ja praktisch die Rohfassung und von Bruckner weiss man ja, dass ein Werk erst akzeptabel war wenn es zig Mal überarbeitetr wurde - es ist ein wahrer Bruckner, das hört und spürt man. Man spürt auch, dass dies sein letztes Werk ist, vor allem im vierten Satz ist ein Thema überirdisch. Unglaublich schön, aber eben schon über den Sphären. Und das Finale ist dann wieder ein echter Bruckner. Ich habe ihn mir schon sehr oft angehört, bin aber immer wieder zu Tränen gerührt. Das einzige Problem ergibt sich bei mir technisch: 82 Minuten auf eine einzige CD zu packen ist technisch sehr kritisch. Wegen der hohen Beschreibungsdichte reichen hier kleinste Unreinheiten um die CD aussetzen zu lassen, vor allem bei älteren CD Spielern. Ich konnte den 4. Satz zuerst nicht fertig hören, erst nach einer gründlichen Reinigung der Oberfläche gelang es mir. Schön wäre es daher - wie auch bei anderen Bruckner Werken geschehen - die Aufnahme auf 2 CDs aufzuteilen, das erspart eine Menge Ärger.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Endlich die 9.Sinfonie so, wie sie Bruckner wollte, 19. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 9 (4 Sätze) (Audio CD)
Mehr als 115 Jahre nach dem Tod des Komponisten haben die Berliner Philharmoniker mit Sir Simon Rattle die 9.Sinfonie in der vom Komponisten vorgesehenen Gestalt gespielt. Diese Sinfonie ist kein Werk in drei Sätzen. Anton Bruckner hat einen groß angelegten 4.Satz komponiert. Schlampige Nachlassverwaltung hat dazu geführt, dass etliche Partiturbögen verloren gingen. Seit 1983 hat eine Gruppe aus Musikwissenschaftlern versucht, den Satz zu rekonstruieren. Die Autorengemeinschaft Samale-Philliph-Cohrs-Mazucca hat ganze Arbeit geleistet. Lediglich 96 Takte mussten rekonstruiert werden. Davon ergaben sich 59 Takte aus Wiederholungen und Variationen der Themata. Allein 440 Takte liegen in Partitur vor und 117 als Particelli. Es ist auch anzunehmen, dass diese Rekonstruktion sich gegenüber anderen Versuchen durchsetzen wird. Anton Bruckner hat nie mit dem Adagio abschließen wollen, sogar als Ersatzlösung das Te deum als Schluss vorgeschlagen.
Nun liegt der 4.Satz als Ganzes vor. Gewissenhaft rekonstruiert.
Vier Sterne gibt es deshalb nur, weil der Klang der Aufnahme und die Interpretation mitunter etwas neutral geraten sind. Bleibt zu hoffen, dass Riccardo Chailly das Werk mit seinem Gewandhausorchester machen wird.
Ansonsten bleibt vor allem zu hoffen, dass nach dieser eindrucksvollen Rekonstruktion noch viele Missverständnisse im Werk von Anton Bruckner durch Herrn Dr.Cohrs aufgedeckt und behoben werden können. Denn er und seine Kollegen sind die Stars der Aufnahme.
Die 9.Sinfonie endet nicht mit dem Adagio. Dies sollten Musiker wie Hörer begreifen. Nur so lässt sich auch die Bedeutung des Komponisten Bruckner für die zweite Wiener Schule bishin zu Schostakowitsch begreifen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


11 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fragwürdig!, 8. Juni 2012
Von 
Keno Weber "onekrebew" (Hannover, Nds.) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 9 (4 Sätze) (Audio CD)
Vom Booklet und der Plattenfirma, sowie von einigen Rezensenten wird behauptet, diese Symphonie sei nun endlich so, wie Bruckner sie gewollt habe.
Ich bin mir ja nicht so sicher, dass Bruckner die Symphonie "so wollte". Er ist nämlich keinesfalls, wie es immer dargestellt wird (wie übrigens auch fälschlicherweise bei Bachs "Kunst der Fuge"...), über der Fertigstellung der Symphonie gestorben und hatte keine Zeit mehr, sie zu vollenden. Vielmehr hat Bruckner nach der Fertigstellung der ersten drei Sätze und der Niederschrift der Skizzen diese beiseite gelegt und sich erstmal u.a. der Revision seiner 8. Symphonie gewidmet. Keine kleine Aufgabe, die man soeben nebenbei erledigt.
Ich kann mir also gut vorstellen, dass Bruckner insgeheim wusste, dass nach diesem wahnsinnig intensiven dritten Satz kein weiterer folgen konnte. Zumindest keiner, der das Niveau halten kann (ähnlich wahrscheinlich wie bei Schuberts angeblich "Unvollendeter" zu der es auch Skizzen für ein Scherzo gibt). Diese Schlussfolgerung würde es sogar verbieten, die Skizzen zu nutzen, weil Bruckner sie für nicht gut genug hielt. Und mal realistisch betrachtet: Wenn man nur noch 96 Takte von über 600 aufschreiben und nur 37 davon neu komponieren muss (wessen sich die Rekonstrukteure hier rühmen), warum macht man das nicht noch schnell? Da muss wohl noch etwas anderes im Busch gewesen sein.
Da wir alle Bruckner nicht persönlich kennen und ihn fragen können, sind das alles aber nur Vermutungen. Fest steht jedoch, dass es Bruckner anscheinend wichtiger war, andere Aufgaben zu erledigen anstatt diese Symphonie fertig zu schreiben. Er schien sich also mit der Vorstellung, diese Symphonie in ihrer dreisätzigen Gestalt zu hinterlassen, immerhin anfreunden zu können. Das sollten wir auch tun.

Die CD selbst ist, abgesehen vom ärgerlich tendentiösen Booklet, aufnahmetechnisch ganz gut gelunngen, obwohl man das Gefühl hat, das bei lauten Stellen zuviel an den Reglern gedreht wurde (wie z.B. auch bei Rattles Mahler-Aufnahmen). Schade! Was mich am meisten stört, ist aber die Tatsache, dass hier der Perfektionismus vorherrscht und nicht der Ausdruck. Das hätte Bruckner sicherlich auf keinen Fall gewollt!
Somit hat die Aufnahme für mich nur musikologischen Wert. Dafür und für das perfekte Spiel der Berliner die 3 Sterne. Wenn ich aber die Musik hören will, greife ich weiterhin zu Wand, dessen Aufnahmen mit den Berlinern komischerweise nicht weniger perfekt aber wesentlich expressiver sind!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Super :), 6. Mai 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 9 (4 Sätze) (Audio CD)
Gefällt mir super.
Rattle interpretiert wieder einmal eigenwillig aber überzeugend. Mir gefällt insbesondere der differenzierte Einsatz der Streicher.
Einfach mal reinhören!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen sehr empfehlenwert, 1. April 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 9 (4 Sätze) (Audio CD)
sehr gut, der neue 4. Satz,
nachdem 580 von 650 Takten sowieso von Bruckner sind...
da ist also kaum was nachkomponiert worden.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst
ARRAY(0xa198f15c)

Dieses Produkt

Bruckner: Symphony No.9 - Four Movement Version
Bruckner: Symphony No.9 - Four Movement Version von Sir Simon Rattle/Berliner Philharmoniker
MP3-Album kaufenEUR 9,99
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen