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am 29. Mai 2012
"Die ist ja dünn'. Kann die nicht einfach ein bisschen mehr essen?" Ich gebe zu, sowas dachte ich öfter, wenn ich mal wieder einen dieser kränklichen Hungerhaken gesehen habe. Ein Stück weit konnte ich das Vermeiden von Essen ja nachvollziehen, aber wieso man sich mit solch einer Vehemenz dem ESSENtiellen verweigert, war mir völlig schleierhaft. Ja, es erschien mir geradezu irrsinnig. Aber man soll sich seinen Vorurteilen nicht hingeben und deshalb habe ich mir diese Autobiographie gekauft.
Jetzt verstehe ich so einiges mehr und dass nichts so leicht ist, wie man annehmen möchte. Was mir sehr gefallen hat, war die Erzählweise der Autorin. Da wird nicht gejammert, nicht beschuldigt und manchmal gibt es derart skurrile Szenen, dass das Buch streckenweise wirklich amüsant ist. Wenn zum Beispiel beim Therapie-Kochkurs der Klinik die Bulimiker zusammen mit den Magersüchtigen am Esstisch sitzen und beide Gruppen aus völlig unterschiedlichen Gründen in ihrem Essen rumstochern. Mara Schwarz beweist zwar eine tüchtige Portion Selbstironie, aber grundsätzlich ist es natürlich ein ernstes Thema, das sie formvollendet und mit Zeichnungen und Gedichten bereichert, auf den Tisch bringt. "Magersucht ist kein Zuckerschlecken" ist ein Buch, das bei mir viele Emotionen geweckt hat, ungeahnt kurzweilig zu lesen und sehr informativ ist - für mich als Nicht-Betroffene, aber ich denke, dass auch Betroffene sehr viele (gute) Erkenntnisse daraus ziehen können.
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am 14. Juni 2012
"Magersucht ist kein Zuckerschlecken" beruht auf den Tagebüchern von Mara Schwarz, die schon mehr als ihr halbes Leben gegen Anorexie und Bulimie kämpft. Sie hat den Kampf gegen die Magersucht noch nicht vollständig gewonnen, hat ihn aber auch nie verloren, obwohl ihr Leben mehrmals an einem seidenen Faden hing. Und dass sie die Kraft aufgebracht hat, sich all den belastenden Erinnerungen nochmals zu stellen und ihre Geschichte für uns aufzuschreiben, finde ich großartig. Denn was sie zu erzählen hat, ist für Außenstehende sehr fremdartig und manchmal schockierend, aber es hilft, Betroffene etwas besser verstehen zu können. Denn entgegen landläufigen Vorurteilen wird kaum jemand magersüchtig, weil er (oder in der überwiegenden Zahl der Fälle sie) schlank sein will, um zu gefallen. Eine Essstörung ist eine schwere psychische Krankheit, und wie bei jeder Sucht füllt sie irgendwann die Wahrnehmung der Betroffenen komplett aus, verdrängt so den Alltag, aber auch alle Probleme, denen man sich sonst stellen müsste, ist Flucht und Fluch zugleich.

Zum Inhalt: Ein traumatisches Ereignis führt dazu, dass Mara als Teenager in die Magersucht rutscht. Sie zieht sich von der Außenwelt zurück, das Kalorienzählen wird immer wichtiger, bis sich schließlich all ihre Gedanken nur noch um ihre Figur und ihr Gewicht drehen. Bald folgt die erste Einweisung in eine Klinik, doch ohne Erfolg. Weitere Klinikaufenthalte folgen, alle ebenso fruchtlos. Je stärker der Druck von außen wird, endlich wieder zuzunehmen, desto mehr wehrt sich Mara gegen die Maßnahmen von Ärzten und Therapeuten. Jedes erzwungene Kilo mehr wird sofort wieder runtergehungert. Der Versuch, eine Ausbildung als Krankenschwester zu machen, hat nur den Effekt, dass Mara nun das Verhalten von Ärzten und Pflegepersonal noch besser einschätzen und unterlaufen kann. Immer schneller dreht sich die Suchtspirale, immer tiefer sinkt das Gewicht. Auch noch mit 35 Kilo kämpft Mara mit ganzer Kraft gegen alle, die sie am Weiterhungern hindern wollen. Nicht einmal ein Beinahe-Herzinfarkt, verursacht durch den massiven Mangel an lebenswichtigen Mineralstoffen, der von den Ärzten nur knapp verhindert werden kann, kann ihr die Augen öffnen. Erst als alle sie aufgeben, als ihr ein Betreuer zum Abschied empfiehlt, sich für ihre letzten Tage an ein Hospiz zu wenden, begreift Mara, dass nur sie allein ihren Weg zurück ins Leben finden kann.
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am 30. Oktober 2012
Wenn eine junge Frau mehr Angst vor dem Leben als vor dem Tod hat, wenn sie mit 27 Jahren den Rat bekommt, in ein Hospiz zu gehen, um den Rest ihres kurzen Lebens nicht alleine durchstehen zu müssen – dann ist ein Punkt erreicht, an dem man sich fragt: Warum? Nun. Das „warum“ ist bei Mara eine Frage, die sich durch die gesamte Autobiographie zieht und zwischendurch auch den Gedanken „warum nicht?“ zulässt. Eine junge Frau auf der Suche nach (Er)füllung, nach Zufriedenheit, nach innerer Ruhe. Methode? Hungern, Kotzen, Trinken. Am Ende des langen Weges der Mager- und Alkoholsucht sowie der Bulimie nur ein Ziel: die Leere füllen und die Fülle entleeren. Ein körperliches und seelisches Verschwinden auf Raten, das Mara immer mehr in die Einsamkeit zieht und die Angst vor dem Zunehmen zum Ende viel größer werden lässt als die Angst vor dem Sterben. Ein Kampf mit sich, gegen sich, gegen jegliche Personen, die es nur gut meinen, die in dem Moment zum größten Feind werden. Ein Kampf um das letzte Stück, was ihr noch geblieben ist: die Krankheit. Die Endlos-Spirale der Essstörung, die nie zu enden vermag und die auch beim Leser heftigen Schwindel erzeugt. Mit dem schwindenden Gewicht wächst die Besessenheit, dass es noch weniger werden muss – und beim Leser die Angst um dieses zerbrechliche Geschöpf, das plötzlich so nah, so vertraut scheint. Ein Gefühls-Sog, der mich mitten hineinzog ins Geschehen, in die Gefühle, ins Herz.
Und so wurde das Buch mein ständiger Begleiter. Lesend an der Haltestelle sitzend, merkte ich nicht, wie Unmengen an Herbstlaub um mich kreisten und ein Bus nach dem anderen ankam und wieder abfuhr. Maras Worte, Maras Zeichnungen, Maras Wortspiele, Maras Gedanken und Gedichte und schlussendlich ihre Verzweiflung stürzten mich in dieselbige und sorgten dafür, dass ich zwischen Lachkrämpfen und tränenverquollenem Gesicht hin und her hüpfte. Und genauso hüpfte mein Herz als ich das perfekte Ende registrierte. Ein unerwartetes, doch so ehrliches.
Ich habe nicht erwartet, dass ein Buch dieses Sujets noch einmal an den hervorragenden Klassiker „Alice im Hungerland“ (Marya Hornbacher) herankommt, doch Maras Autobiographie hat es ohne Zweifel geschafft! Egal ob Angehörige, Betroffene, Ärzte, Therapeuten oder Interessierte: Wer verstehen möchte, wie sehr eine Essstörung nicht nur den Hunger des Körpers ausdrückt, sondern viel mehr den Hunger der Seele, das Such(t)en nach Ruhe, der darf dieses Buch nicht länger ungelesen lassen!
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am 25. Mai 2012
Eigentlich ist Mara Schwarz ein normaler Teenager. Ständige Sticheleien über ihre Figur und ein traumatisches Erlebnis führen jedoch dazu, dass sie sich immer stärker von der Aussenwelt zurückzieht. Was als Diät beginnt, endet schliesslich in einer schweren Essstörung. Abnehmen und Kalorienzählen bestimmen den Alltag, verdrängen alle sonstigen Probleme. Erste Klinikaufenthalte bleiben ohne Erfolg, ja sie verschärfen die Magersuch noch, denn Mara sieht das Eingreifen der Ärzte nicht als Hilfe, sondern als Bevormundung und Zwang und wehrt sich mit allen Mitteln dagegen, wieder zuzunehmen. Immer tiefer gerät sie in den Teufelskreis aus Abnehmen, Klinikeinweisung, erzwungener Gewichtszunahme, Entlassung und anschließendem Runterhungern. Und jedesmal sind es noch ein paar Kilos weniger, sozusagen Jojo-Effekt verkehrt herum. Auch ein Herzstillstand, ausgelöst durch extreme Mangelerscheinungen, den sie nur knapp überlebt, kann nichts an ihrer verzerrten Wahrnehmnung ändern. Erst als Ärzte und Therapeuten den Kampf um ihr Leben aufgeben und ihr ein Betreuer die Adresse eines Hospizes in die Hand drückt, damit sie nicht alleine sterben muss, wacht Mara auf. Jetzt erst begreift sie, dass sie allein die Entscheidung über ihre Zukunft treffen muss, und sucht Schritt für Schritt den Weg zurück ins Leben.

Oft verzweifeln Angehörige und Freunde daran, dass Betroffene sich völlig abkapseln und jede Hilfe ablehnen. Durch die eindrückliche Schilderungen und die schonungslose Offenheit ihres Tagebuchs hilft Mara Schwarz zu begreifen, was in Magersüchtigen vorgeht, wie sie denken und fühlen. Und das ist heute, wo Essstörungen stetig zunehmen, wichtiger denn je. Denn das Wissen um Ursachen und Entwicklung dieser schweren psychischen Krankheit kann dabei helfen, Betroffenen mit mehr Verständnis für ihre verzerrte Wahrnehmung zu begnen, statt sie noch weiter zu stigmatisieren.
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am 29. Mai 2012
...hat mich bei diesem Buch befallen. Obschon es bei weitem keine einfach Kost ist, habe ich das Buch doch in einem Rutsch verschlungen. Zu sehr beschäftigt einen, wie es weiter geht als dass man zwischendrin eine Pause machen könnte. "Angenehm" zu lesen ist vielleicht nicht ganz das passende Wort, da die Autorin mit ihrer schonungslosen Offenheit durchaus den ein oder anderen Leser schockieren könnte; dennoch wird die Lektüre durch einen flüssigen Erzählstil einem eben "angenehm" gemacht. Dass bei all dem Ernst der Sache aber auch noch Platz für humorige Stellen und eine gehörige Portion Selbstironie ist zeigt, dass auch in einem noch so kranken Menschen eine liebenswerte Person steckt, die man so zu nehmen hat, wie sie nun mal ist - mit allen Schwächen und Fehlbarkeiten. Manch' einer, der Vorurteile über dumme, magere "Girlies" hat, sollte sich etwas näher mit der Materie beschäftigen. Auch Angehörige können mit diesem Buch einen kleinen Einblick in die Psyche von Betroffenen erhalten, der helfen kann das komplizierte Seelenleben von an Magersucht Erkrankten etwas besser nachzuvollziehen.
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am 13. Juli 2012
Unter dem Pseudonym Mara Schwarz erschien im Mai dieses Jahres das Buch Magersucht ist kein Zuckerschlecken. Das weiß man nicht erst, seit man Bilder der Französin Isabelle Caro gesehen hat, die frisch aus der Klinik entlassen und gerade mal 30 Kilogramm schwer für den italienischen Fotografen Oliviero Toscani posierte. Obwohl sie damit nach eigenen Angaben auf die Krankheit aufmerksam machen wollte, wurde sie gleichzeitig zum Symbol eines Körperfett als fehlende Willensstärke herabsetzenden Schönheitsideals. Ihre Sucht führte 2010 zum Tod. Doch allgemein betrachtet wird dieses Wissen gemeinhin ignoriert.

Magersucht ist kein Zuckerschlecken - Der Titel ist quasi Programm. Denn Zuckerschlecken ist etwas, das mit Genuss zu tun haben könnte. Und Genuss, kleine Belohnungen, kleine Aufmerksamkeiten an sich selbst sind etwas, das Mara Schwarz vermeidet, wo sie nur kann. Von klein auf jemand, der sich viele Gedanken um andere macht und selbst eher zurücksteht als einmal vortritt, rutscht sie als Teenager in die Suchtspirale. Nach zwei – krankheitsbedingt – abgebrochenen Ausbildungen ist sie mit 23 Jahren bereits Rentnerin. Ihr Körper kann, genau wie ihre Seele, nicht mehr.

Fast ihr halbes Leben kämpft die Autorin für und gegen etwas, das in unserer Gesellschaft zunehmend Raum fordert und doch weitestgehend stillgeschwiegen wird. Egal ob es sich um Adipositas, Bulimie oder Anorexie handelt – die Allgemeinheit denkt im Hinblick auf krankhafte Essstörungen bedauerlicherweise viel zu oft, dass es doch recht einfach sein müsste, so etwas in den Griff zu bekommen. Fettleibige sollen sich doch eigentlich bitte einfach nur besser beherrschen, Anorektiker müssen doch eigentlich einfach nur essen. Bulimiker hingegen werden eigentlich fast nicht wahrgenommen, weil sie zumindest äußerlich lange nicht auffallen. Immer mehr Mädchen und Frauen, aber auch zunehmend Jungen und Männer leiden darunter. Auch deshalb, weil Essen Bestandteil des täglichen Lebens ist, dem man sich grundsätzlich für eine gesunde Lebensweise nicht entziehen kann. Gründe für diese Störungen gibt es viele, doch die werden meist „in sich hineingefressen“, „ausgekotzt“ oder auch „ausgehungert“. Der Leidensdruck ist enorm und die Chancen, beispielsweise von Magersucht geheilt zu werden, sind gering. Laut Statistik finden nur etwa zwanzig Prozent den Weg aus der Suchtspirale. Fast genau so viele sterben jedoch daran – auch weil die Betroffenen teilweise gar nicht einsehen, wie krank sie sind. Und selbst wenn sie es dann irgendwann erkennen – wie beispielsweise Mara Schwarz – heißt das noch lange nicht, dass sie Heilung finden.

In ihrer Autobiografie zeigt die Autorin, dass der Weg zurück in ein halbwegs normales Leben bei Weitem nicht so einfach ist, wie viele denken. Sie leidet selbst an Anorexiea nervosa – der psychisch bedingten Magersucht. Das Buch entstand aus einer Aufarbeitung von Tagebucheinträgen aus der Zeit des bisherigen Höhepunkts ihrer Krankheit. Einer Zeit, in der ihr Zustand mehr als einmal lebensbedrohlich war, in der zur Anorexie ein massives Alkoholproblem kam, in der sie kurz davor war, endgültig zu zerbrechen.

Dass es in ihrem Fall nicht einfach daran liegt, dass sie durch zu nachhaltigen Fernsehkonsum ein völlig verqueres Schönheitsideal vermittelt bekommen hat, wird bereits eingangs kurz und klar umrissen. Einer der Auslöser ihrer Magersucht war ein traumatisches Erlebnis, das in ihr den Wunsch geweckt hat, nicht fraulich zu sein, nicht erwachsen zu werden. Im Gegensatz zu den Auslösern ist das etwas, dass sie gewissermaßen kontrollieren kann. Ihr Leben besteht fortan nur noch aus Zwängen und Kämpfen. Aus Bestrafungen und Missachtung ihrer eigenen Person. Lange Zeit denkt sie, wenn sie nur lange genug hungert und bricht, trinkt oder die Anweisungen ihrer Therapeuten und Ärzte missachtet, muss doch jemand kommen und ihr helfen. Obwohl sie quasi alles kontrollieren muss, tut sie alles dafür, dass ihr eben diese Kontrollmöglichkeit genommen wird. Der Großteil des Buches handelt genau davon. Von Zwangsernährung und Aufenthalten in der Psychiatrie. Ob die Suche nach Ursachen tatsächlich größtenteils nicht stattgefunden hat oder von der Autorin lediglich nicht so wahrgenommen wurde, mag dahingestellt sein. Vorwiegend behandelt wurden ihrem Empfinden nach jedenfalls die durch die Magersucht hervorgerufenen Mangelerscheinungen und körperlichen Auswirkungen. Doch durch die eindringliche und offene Schilderung ihrer Geschichte verhilft sie dem Leser zu einem besseren Einblick in das krankhaft veränderte Denken Magersüchtiger. Oder lässt ihn begreifen, wie eigentlich harmlose und/oder gut gemeinte Bemerkungen von Betroffenen wahrgenommen werden.

Das Buch lässt sich trotz der Thematik überraschend leicht lesen. Es zieht einen förmlich hindurch, obwohl diverse Passagen auch innehalten lassen, weil es fast zu viel wird. Es verstört, weil die Lösung einfach scheint, aber eben tatsächlich nicht einmal andeutungsweise so ist. Es erschüttert, weil es schwer zu ertragen ist, unbegreiflich, dass jemand hungernd den eigenen Tod in Kauf nimmt. Es wühlt auf, weil Mara Schwarz sich nicht allem verschließt, sondern bei aller Verzweiflung und Wut durchaus empathisch die Hilflosigkeit der Behandler fühlt und wiedergibt. Es berührt, wie die Autorin beispielsweise in ihren Gedichten ihr Leiden in Worte fasst.

In der teils selbstironischen Schilderung ihrer Krankheit mit Wortspielereien und Gedichten, aber auch in ihren Zeichnungen, offenbart sich die Autorin als Mensch, den man am liebsten in die Arme schließen und trösten und gleichermaßen schütteln und aufrütteln möchte. Sie zeigt sich kreativ und liebenswert, aber auch aggressiv, uneinsichtig und schwach. Sie pocht nicht auf einen Opferstatus. Sie weist nicht anderen die Schuld zu, sondern weiß, dass sie selbst für ihren augenblicklichen Zustand verantwortlich ist. Sie zeigt sich genau wie alle Anorektiker als überaus willensstark im Bezug auf ihre Krankheit und schafft es dennoch irgendwie zu überleben.

Und ausgerechnet in dem Augenblick, als sie quasi aufgegeben wird, tritt eine hoffnungsvolle Veränderung in ihrer Denkweise ein. Bei Fertigstellung des Buchprojektes steht sie nach eigenen Angaben mit dem Rücken zum Meer am Strand. Sie weiß, dass die Krankheit wie ein Kraken im Hintergrund lauert. Sie weiß, dass sie nur einen Schritt vom Abgrund beziehungsweise vom Fall ins Wasser und damit in die Arme des Kraken entfernt ist, doch sie hebt auch den Kopf und sieht, dass sie nicht alleine ist. Dass es Hilfe gibt und dass sie doch vor allem selbst um ihr Leben kämpfen muss. Dass sie es wert ist.

Beim Lesen der Inhaltsangabe musste ich sofort an eine Schulfreundin denken. Mir ist klar, dass persönliche Dinge niemals in eine Buchbesprechung einfließen sollten. Dennoch ging mir Beate, und ihr Wunsch koste es was es wolle immer noch dünner zu sein, nicht mehr aus dem Kopf, während ich mich Seite um Seite durch die Autobiografie von Mara Schwarz arbeitete. Arbeitete – nicht einfach nur las. Ihr Buch mit dem Titel Magersucht ist kein Zuckerschlecken, mit dem der Verlag periplaneta seine Sachbuch-Edition Blickpunkt startet, ist nicht einfach nur ein Buch zum Zeitvertreib, keine einfache (Lese-)Kost. Es ist ein aufwühlender Einblick in das Gefühlsleben der Autorin. In eine Krankheit, die vielfältige Auslöser hat und die, sofern die Betroffenen keinen Ausweg finden, unaufhaltsam und lebensbedrohlich verläuft. Die in die Isolation führt und – wie bereits eingangs erwähnt – zunehmend um sich greift, weil junge Menschen unter dem Druck (des Lebens) zerbrechen. Ein Buch, das betroffenen Angehörigen und Freunden weiterhelfen kann. Ein Buch, in dem sich vermutlich mehr als ein(e) betroffene(r) Magersüchtige(r) wiedererkennt. Beate hat es bedauerlicherweise nicht geschafft. Doch Mara Schwarz hat diese Chance noch. Ich wünsche der Autorin von ganzem Herzen, dass sie ihrem persönlichen Anorexie-Kraken entkommt.

07/2012 by Antje Jürgens (AJ)
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am 21. August 2012
Das Buch "Magersucht ist kein Zuckerschlecken" von Mara Schwarz, erschienen im Mai 2012 im Berliner Periplaneta Verlag, hat mich erschüttert, gefesselt und begeistert zugleich.
Die Autorin erzählt darin in tagebuchartigen Aufzeichnungen von den letzten fünf Jahren ihrer Anorexie, in denen sie auch mit dissoziativen Zuständen, einem Abgleiten in die Alkoholsucht und massiven Despressionen zu kämpfen hat. Dank der augenblinzelnden Selbstironie und der genau abgeschmeckten Prise Sarkasmus bleibt die Lektüre dieser schweren Kost aber stets verdaulich und bekömmlich.
Durch ihre schonungslose Offenheit und ihre bestechende Ehrlichkeit gelingt es Mara, die grauenvolle Zerrissenheit, die das Innenleben einer Anorektikerin zur Hölle macht, anschaulich zu verdeutlichen: da ist auf der einen Seite die tiefe Sehnsucht nach unbeschwertem Leben, auf der anderen Seite die Angst vor einem Kontrollverlust und einer Verselbständigung der eigenen Begierden. Da ist die abgrundtiefe Einsamkeit, der stumme Schrei nach Zuwendung und Kontakt, dort die Angst vor Beeinflussung und Aufgabe der Autonomie. Da ist der Wunsch nach Normalität, dort die Angst davor zu verschwinden, wenn keine besonderen, außergewöhnlichen Leistungen erbracht werden.
Durch ihr widersprüchliches Verhalten, durch ihre Manipulationen (die das einzige Mittel sind, sich gegen "den Feind", dem sie sonst hilflos ausgeliefert wäre, zur Wehr zu setzen) und ihre Ausflüchte in Unwahrheiten erniedrigt sich die Anorektikerin ständig selbst, was ihr durchaus bewusst ist und wofür sie sich umso mehr abwertet und hasst, aber sie ist diesem Verhalten gegenüber machtlos, sie kann nicht anders, sie erlebt sich selbst als fremdgesteuert und ohnmächtig. Mara gelingt es sehr gut, darzustellen, wie die Betroffene selbst unter dieser Zwangsläufigkeit leidet, wie die Umwelt von ihr zurückgestoßen wird und wie alle Hilfsangebote von außen daran scheitern.
Ein Zettel mit der Telefonnummer eines Hospizes bringt die urplötzliche Wende, das entschiedene "Nein!" zur Selbstaufgabe, das "Ja!" zu einer Hinwendung zu sich selbst und zum Leben.
Das Buch ist absolut empfehlenswert, ein gelungener Beitrag zum Verständnis der Krankheit Magersucht: für Betroffene, um sich selbst besser zu begreifen, für Nicht-Betroffene, um mit der Abwehr und den Mauern besser klar zu kommen, für beide, um den Mut nicht aufzugeben!
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am 27. September 2012
auch ich habe das sehr schnell durchgelesen - und es ist wirklich keine leichte Kost. Der Schreibstil ist sehr ansprechend und wenn man einmal angefangen hat tut man sich recht schwer damit, es wieder auf die Seite zu legen.

Die Autorin beschreibt den Mechanismus, mit welchem sich die Krankheit aufrecht erhält sehr zutreffend und (so vermute ich zumindest) auch für nicht Betroffene verständlich. Ich meine dies als ebenfalls ehemals Betroffene beurteilen zu können. Allerdings ist es gefährlich eine Anorexie mit jeder anderen gleichzusetzen - von daher darf man nicht von diesem Buch auf jeden anderen Anorektiker schließen.

Ebenfalls werden in dem Buch viele Aspekte, die ebenfalls zur Krankheit gehören völlig außer Betracht gelassen - so wird das Umfeld halbwegs ausgeblendet, die Familie findet nur am Rand Beachtung. Das mag aus Sicht eines Betroffenen auch korrekt sein - ich kann mir jedoch vorstellen, dass viele die dieses Buch lesen und einen Betroffenen im Umfeld haben sich durchaus mehr Hilfe von Seiten eines solchen Insiderbuches erhoffen. Und ich würde auch nicht jedem Leser empfehlen, sich gleich an einem solchen Extremfall zu orientieren, auch eine Magersucht kennt durchaus unterschiedliche Verläufe. Allerdings hat das Buch ja auch nicht für sich in Anspruch genommen, einen solchen Zweck zu verfolgen (ich schreibe dies nur, weil meine Mutter selbst alles in diese Richtung verschlungen hat - und ich bin froh, dass dieses Buch nicht darunter war weil sie ansonsten vermutlich noch mehr verzweifelt wäre).

Für akut an Anorexie erkrankte halte ich das Buch für absolut ungeeignet bis gefährlich. Hier sind zum einen die Gewichtsangaben (wobei ich hier darauf hinweisen möchte, dass einige der BMI Angaben in hinsicht auf die späteren Größenangaben nicht korrekt zu sein scheinen) zu nennen, welche eher zu Neid und Nachahmung anregen dürften und zum anderen die Tricks (wenn auch größtenteils bereits bekannt)die sich ein Betroffener nicht ergänzend anlesen muss. Hier finde ich gerade einige Punkte z.B. im Bezug auf das Erbrechen mit Magensonde äußerst kritisch - Nachahmung muss hier nicht in jedem Fall gut gehen.

Zum anderen wirft das Buch ein sehr abschreckendes Bild auf jegliche Art von Therapie. Hier ist es schade, das die Autorin relativ wenig zur Anfangsphase ihrer Erkrankung schreibt - eine Therapie kann durchaus etwas anderes, deutlich positiveres sein als die im Buch geschriebene Behandlung bei einer lange bestehenden fast schon chronisch erscheinenden Anorexie. Ich bin mir sicher, dass in der Therapie von Frau Schwarz auch nicht gleich zu Beginn Hardcoremethoden ausgepackt wurden (so zumindest bei mir, und auch ich habe zum Schluss weniger schöne Methoden kennen gelernt. Kann jedoch nicht sagen, dass jede Therapie schlecht war, oder mir gar nichts gebracht hat). Ich gehe davon aus, dass dieses Buch Betroffene vermutlich eher von einer Therapie abschrecken wird, als sie zu einem solchen Schritt ermutigen.

Von daher mein Fazit: Das Buch ist interessant für Menschen, die die Denkweise verstehen möchten, welche eine Anorexie aufrecht erhält und liest sich auch sehr gut. Für Betroffene ist dieses Buch jedoch mehr als nicht geeignet, das es triggernd sein dürfte. Hätte ich nicht diese Bedenken im Bezug auf den Triffereffekt, hätte es ziemlich sicher 4 Sterne gegeben. Aber gerade die vielen Gewichtsangaben sind für mich äußerst bedenklich.
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am 26. Dezember 2012
Liebe mitbetroffenen, wenn ihr wissen wollt ob es anderen auch so geht, lest dieses Buch!! es verschönert nichts, ist zwar manchmal brutal ehrlich, doch genau das will man ja auch von anderen betroffenen wissen bzw. Lesen. Ich habe respeckt vor der Autorin das sie so schonungslos geschrieben hat.
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am 1. Juni 2012
Endlich spült mal einer endlich diese schrecklichen Vorurteile über Magersucht runter.
Mara Schwarz zeigt das wahre Gesicht der Krankheit. Ohne Schönrednerei und den Spruch... "Und am Ende war sie gesund" Magersucht ist eine Störung und ist keine Diät. Sie beschreibt die Krankheit genauso wie sie auch tatsächlich ist. Ein ewiger Kampf. Ich find auch gut, dass endlich mal jemand sagt, dass die Krankheit nicht daher kommt, weil man dünn sein will um zu gefallen. Es gibt tausend verschiedene Gründe und ich denke, der Grund um schön zu sein, einer der wenigsten ist.
Ich kann das Buch nur weiterempfehlen. Vorallem an Teenies, die der Meinung sind, Anorexie zu haben sei schick. Räumt mal endlich in eueren Gehirnen auf. Es ist bestimmt nicht schick krank zu sein.
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