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am 23. Oktober 2014
In seinen letzten Aufzeichnungen räumt deren Verfasser seine Mitschuld ein am Ende der Sowjetunion. Der Autor erinnert sich (S. 37), dass Gorbatschow, nachdem man ihn 1985 mit einer Stimme Mehrheit zum Generalsekretär des ZK der KPdSU gewählt hatte, sehr unsicher und ängstlich war. Voll von Selbstzweifeln habe er sich an ihn, den Autor, gewandt und ihn um Rat gefragt. Er, Honecker, habe damals die Chance gehabt, Gorbatschow zum Rücktritt zu bewegen. Statt diese Chance zu nutzen, habe er das sowjetische Staatsoberhaupt "zu beruhigen versucht". Michail Sergejewitsch habe daraufhin wieder Mut geschöpft und mit der schrittweisen Demontage seines Landes begonnen.
Wissenswertes weiß der Verfasser des vorliegenden Buches außerdem zu berichten über:

ALEXEJ IWANOWITSCH ADSCHUBEI.
Der Schwiegersohn von Chruschtschow redete nach Einschätzung des Autors 1964 Unsinn, als er öffentlich behauptete, Ulbricht leide an einer malignen Erkrankung und werde in Kürze zurücktreten (S. 82).

LEONID BRESHNEW.
Der Autor schreibt, dass Breshnew ihm vertraute. Er habe ihm sogar verraten, welche Mitglieder des Politbüros in Wahrheit Agenten des KGB waren (S. 91).

MANFRED GERLACH.
Der Vorsitzende der LDPD war nach Ansicht des Autors schon 1949 ein Mann, dem man nicht trauen konnte (S. 37).

MICHAIL SERGEJEWITSCH GORBATSCHOW.
Den Worten des Autors zufolge war Gorbatschow "ein eitler und gewissenloser Schuft und Verräter" (S. 36f.), der sein eigenes Volk zu beschimpfen pflegte als "faul und träge" (S. 90). Neben seiner fehlenden Vaterlandsliebe habe Gorbatschows auch noch andere charakterliche Mängel: Er sei unzuverlässig und halte sich nicht an Vereinbarungen (S. 91). Als er 1985 zum Generalsekretär gewählt wurde, sei er "ängstlich darauf bedacht gewesen, von den anderen Staatsoberhäuptern gelobt und geliebt zu werden". Voller Selbstzweifel sei er bei ihrem ersten Treffen gewesen und er, der Autor, habe ihn beruhigen und ihm Mut zusprechen müssen. Leider habe sich später herausgestellt, dass dem ängstlichen Selbstzweifler der Beifall des Westens wichtiger war, als das Wohl des russischen Volkes (S. 37). Bereits in seiner Zeit als Sekretär für Landwirtschaft habe Gorbatschow sich vor allem durch Inkompetenz und Vergnügungssucht ausgezeichnet (S. 61). "Schamlos" sei er gewesen (S. 111) und "undankbar" (S. 121). Für die 400 000 Tonnen Kartoffeln, welche die DDR der Sowjetunion jährlich lieferte, habe Gorbatschow sich nie bedankt.

ANDREJ ANDREJEWITSCH GROMYKO.
Gromyko trug nach Einschätzung des Autors indirekt eine Mitverantwortung für das Ende der Sowjetunion, da er es gewesen sei, der nach Tschernenkos Tod vorschlug, Gorbatschow zum Generalsekretär zu ernennen (S. 92).

HEINZ HOFFMANN.
Nach Einschätzung des Autors war es Hoffmann, der 1961 mit Hilfe von vier sowjetischen Offizieren die Grenzschließung veranlaßte (S. 178).

ALEXANDER NIKOLAJEWITSCH JAKOWLEW.
Jakowlew sei ein Vorkämpfer der Perestroika (S. 32), Gorbatschows Freund (S. 61) und ein Antikommunist gewesen (S. 37), der in Marx und Lenin die Hauptverantwortlichen sah für die schlechte wirtschaftliche Lage der Sowjetunion.

IWAN IGNATJEWITSCH JAKUBOWSKI.
Gemeinsam mit den Marschällen Konew, Tschuikow und Werschinin habe Jakubowski 1961 den Bau der Berliner Mauer vorbereitet (S. 178).

EGON KRENZ.
Der Autor gesteht, dass er mit Krenz als seinem Nachfolger nicht recht glücklich war. Stattdessen hätte er sich Konrad Naumann auf seinem Posten gewünscht (S. 39).

WERNER KROLIKOWSKI.
Den Angaben des Autors zufolge war Krolikowski in Wahrheit ein Agent des KGB und lieferte heimlich Berichte nach Moskau, in welchen er vorschlug, gegen ihn, Honecker, zu intrigieren (S. 91).

WADIM ANDREJEWITSCH MEDWEDJEW & ANATOLI FJODOROWITSCH DOBRYNIN.
Nach Ansicht des Autors waren es Medwedjew & Dobrynin, welche gemeinsam mit Gorbatschow, Jakowlew und Schewardnadse für die Zerschlagung der Sowjetunion verantwortlich waren (S. 101).

HERBERT MIES & ELLEN WEBER
Dem Vorsitzenden der DKP wirft der Autor vor, die DDR gegenüber Gorbatschow nicht verteidigt zu haben. Auch die stellvertretende DKP-Vorsitzende Ellen Weber habe trotz bester Beziehungen zu Gorbatschow nichts unternommen. Beide, Mies & Weber, hätten ihn, den Autor, sehr enttäuscht (S. 32).

KONRAD NAUMANN.
Ein Fehler sei es gewesen, so der Autor, Naumann 1985 wegen seines Auftretens "vor ein paar Intellektuellen" von seinen Funktionen zu entbinden. Im Gegensatz zu anderen Genossen sei Naumann immer aufrichtig und ehrlich gewesen. Er sei es auch gewesen, der die Initiative zum Bau des Nikolai-Viertels ergriffen und durchgesetzt habe. Das Viertel sei ein Denkmal für ihn. Naumann, so resümiert der Autor, wäre sein einzig würdiger Nachfolger als Staatsoberhaupt der DDR gewesen (S. 39).

OTTO REINHOLD.
Nach Ansicht des Autors ist Otto Reinhold der Hauptverantwortliche für das Ende der DDR. Unter seiner Leitung sei aus der SED-Kader-Schmiede, dem Institut für Gesellschaftswissenschaften, ein "Nest voller Feinde" geworden, zu dessen Absolventen man Reinhold "nur gratulieren" könne. Der Autor bezeichnet es als einen großen Fehler, dass Reinhold 1962 als Institutsdirektor eingesetzt wurde. Damit sei quasi der Grundstein gelegt worden für das Ende der DDR, denn unter Reinolds Führung sei die Akademie "zersetzt" worden (S. 130).

GROGORI WASSILJEWITSCH ROMANOW.
Der Autor läßt den Leser wissen, dass ursprünglich nicht Gorbatschow, sondern Romanow die Nachfolge Tschernenkos antreten sollte. Dass nicht er, sondern der "Verräter" Gorbatschow zum Generalsekretär gewählt wurde, habe man Andrej Gromyko zu verdanken. Mit Romanow an der Spitze wäre alles anders gekommen (S. 92f.).

GÜNTER SCHABOWSKI.
Schabowski war nach Einschätzung des Autors ein "Verräter" (S. 39/S. 45), dessen eigentliches Ziel die Errichtung eines kapitalistischen Gesellschaftssystems gewesen sei (S. 131).

GERHARD SCHÜRER.
Schürer war nach Einschätzung des Autors ein "Spinner" (S. 179). Ebenso wie Schabowski habe auch er der DDR mehrere Jahrzehnte lang geschadet, indem er "Kurs auf den Kapitalismus nahm" (S. 131).

HERBERT WEHNER.
Der Autor glaubt sich zu erinnern, dass Wehner ihn 1973 gebeten habe, nicht weich zu werden, die Fahne nicht zu wechseln und die kommunistischen Ideale nicht aus dem Auge zu verlieren (S. 119).
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am 7. März 2012
Man kann zu dem Herrn stehen, wie man will. Aber das Buch ist Zeitgeschichte pur. Ganz besonders interessant sind die vielen Anmerkungen (direkt den einzelnen Tageskapiteln angehängt). Dort findet man praktisch alle Erläuterungen zu den genannten Personen und Gegebenheiten. Und das Buch ist auch sehr gut lektoriert. So wird eine Fußnote zu Adolf Eichmann mit dem Hinweis auf den dem BND bekannten Aufenthaltsort des Massenmörders beschrieben. Das wurde erst im Herbst 2011 bekannt. Erfreulich ist auch, dass es kein "Jammerbuch" geworden ist. Erstaunliches liest man über Gorbatchow. Dass er kein Freund von Erich war, dürfte klar sein. Aber dass er vor der Peretroika zu den Hardlinern in der UdSSR gehörte, habe ich hier erstmals gelesen - und werde jetzt versuchen, mehr darüber herauszufinden.Dass kritische Vorgänge (Mauertote) weitgehend ausgespart werden, ist ärgerlich, aber verständlich. Dazu gibt es sicherlich in anderen Dokumenten (Büchern) deutlichere Stellungnahmen.
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am 21. März 2012
Vorerst gescheitert. So beschreibt Erich Honecker, ehrlicherweise, das Experiment Sozialismus in der ehemaligen DDR. Auch wenn man es ihm selten zugestanden hat, zeigt diese, wenn auch späte Erkenntnis, dass er der Realität womöglich doch nicht so fern gewesen ist, wie oftmals angenommen. Zumindest bezieht er zu vielen gegen ihn erhobenen Anschuldigungen Stellung und erklärt sich auf seine Art und Weise.
Abgesehen von der Tatsache, dass er in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, ist es sicher kein Zufall, dass diese Aufzeichnungen zum jetzigen Zeitpunkt veröffentlicht werden. Schaut man sich seine Äusserungen in Sachen System/Kapitalismuskritik an, lässt sich durchaus eine Brücke in die Gegenwart schlagen. Man kann ihm zu Recht vorwerfen, die Zeichen der Zeit damals nicht ernst genommen zu haben, aber nicht sie nicht im Ansatz erkannt zu haben. Seine Aufzeichnungen zeigen, dass er sich nicht weniger intensiv mit dem aktuellen Weltgeschehen auseinandergesetzt hat, wie jeder andere (westliche) Politiker auch, nur war seine Perspektive eine andere.
Besonders interessant und aufschlussreich sind seine Erläuterungen zur Person M.Gorbatschow und seiner damaligen Politik. Auch wenn es sich dabei um persönliche Einschätzungen handelt, die nicht immer zu belegen sind, rücken sie den ehemaligen russischen Präsidenten doch in ein Licht, welches die breite Öffentlichkeit bisher in dieser Form nicht wahrgenommen hat.
Auf jeden Fall bestätigen diese Aufzeichnungen einmal mehr den Grundsatz, dass Geschichte von den Siegern geschrieben wird.
Für alle, die auch an der Geschichte hinter der Geschichte interessiert sind, ist das Buch ein guter Einstieg.
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am 7. November 2012
Honeckers letzte Aufzeichnungen sind von sehr persönlichem Erleben gezeichnet und können nicht als gültige politische Prägung gewertet werden. Beispielgebend sind seine Einschätzungen von Gorbatschows Verhalten in seinen letzten Entscheidungen. Informativ ist vor allem seine Abschlussrede vor dem Gerichtsgremium. Es ist eine Sicht, zu der wir - auch als ehemalige DDR-Bürger - kaum in der Lage gewesen wären, weil uns die internen Informationen dazu gefehlt hätten oder weil wir damals keinen Zugang dazu hatten. Warum und weshalb es zum Mauerbau in Berlin kam, ist aus seiner Sicht zu erfahren für uns heute aufschlussreich. Weniger wichtig sind seine persönlichen Angaben zu seiner Krankheit und seinem familiären Umfeld. Lesenswert auf alle Fälle, ganz gleich, ob wir sie als "Ossis" oder "Wessis" zur Kenntnis nehmen. Solange unsere Generation noch da ist, die alles selber an sich erfahren hat, ist eine Sicht aus Ost oder West noch wichtig.
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am 8. Januar 2013
Ich habe diese Aufzeichnungen durch Zufall entdeckt und wollte sie aus historischem Interesse unbedingt lesen. Schon beim Vorwort (geschrieben von Margot Honecker) befremdete mich allerdings die Formulierung und Auslegung der historischen Tatsachen. Zweifelsfrei ist dieses Buch ein historisches Dokument, aber bedingt durch Honeckers Intellekt auch nur teilweise aussagekräftig. Es wiederholen sich ständig Äußerungen und im Grunde ist die einzig wirklich interessante Stelle, die Rede, die er vor Gericht zur eigenen Verteidigung gehalten hat. Schwerlich zu lesen finde ich Aussagen wie: Warum gedenkt man der Mauertoten - den Soldaten, die an der Mauer gestorben sind, sollte man gedenken.
Deutlich wird in jedem Fall, dass Honecker bis zuletzt nicht verstanden hat, warum er und viele andere juristisch belangt werden sollten. Im Vorwort wird von Margot Honecker sehr deutlich gesagt, dass sich dieses Buch an Menschen mit sozialistischer Einstellung wendet und nicht an jene Kapitalisten, denen eh nicht mehr zu helfen ist. Ich denke, es wird sicherlich ein paar "Stehengebliebene" geben, die Erich in allem beipflichten und immer noch auf die Revolution warten, der Großteil der Leser wird aber eher einen nochmals anderen Blick auf den Menschen Erich Honecker und sein zwangsläufiges Scheitern bekommen.

Ich gebe nur drei Sterne, weil Honeckers Aufzeichnungen zum einen nun wirklich nicht gerade als literarische Ergüsse bezeichnet werden können und es stellenweise wirklich schwerfällt, aufmerksam weiterzulesen. Zum anderen habe ich mir lange Gedanken gemacht, ob ich Familie Honecker mit den Gewinnen aus diesem Buch mit unterstützen möchte. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich das zwar nicht möchte, mich dieses Zeitdokument aber dennoch so sehr interessiert, als dass ich es kaufte. Im Nachhinein würde ich sagen, dass ich nicht allzu viel verpasst hätte, hätte ich es nicht gelesen.
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am 25. Februar 2014
Eigentlich sollte es ja unmöglich sein, sich über die persönlichen Aufzeichnungen eines Menschen, die letzten gar, eine Meinung zu bilden. Spiegeln sie doch in höchstem Maße eine Privatheit und Subjektivität wider, die außerhalb jedweder Einschätzung und Bewertung steht und stehen sollte.
Anders ist es bei Prominenten, Politikern, Künstlern, eben bei in der Öffentlichkeit stehenden und mit dieser eng verbundenen Personen. So natürlich auch bei Erich Honecker. Und ich, geborener und „gelernter“ DDR- Bürger, bin dankbar dafür, dass man sich in der Familie von Herrn Honecker für die Veröffentlichung dieser stellenweise sehr persönlichen letzten Aufzeichnungen entschieden hat.
Und ein großes Lob an den oder die Autoren der Anmerkungen (Anmerkungen, Bemerkungen, Fußnoten) ! Diese wurden sehr, sehr fleißig und m. E. auch sehr, sehr gründlich recherchiert, zusammengetragen und in die entsprechenden Zusammenhänge gestellt. Und ich muss sagen, dass erst diese akribischen Anmerkungen letztendlich das Buch zu einem wirklich wertvollen historischen Dokument machen. Ohne das Persönliche entwerten zu wollen: Erst die Gesamtheit, die Verschmelzung der persönlichen Aufzeichnungen mit den entsprechenden Anmerkungen, Ergänzungen und Erläuterungen, macht den Wert des Buches als ein wichtiges historisches Dokument zur deutschen Geschichte im Allgemeinen und zur DDR- Geschichte im Besonderen aus.
Leider ist für den Leser die Autorenschaft der Anmerkungen nicht erkennbar, was ich sehr bedauerte.
Das Lesen der Aufzeichnungen Erich Honeckers ruft vor allem zwei Reaktionen hervor: Einerseits verführt es zu einem „innerlichen Kopfschütteln“ über die Uneinsichtigkeit zur Ursache von Perestroika und Wende, zum anderen ist es bedauerlich, dass die private und politische Persönlichkeit Erich Honeckers den Menschen in der DDR, und somit natürlich der Öffentlichkeit im allgemeinen, nicht schon Jahre früher wenigstens etwas auf diese Art und Weise zugänglicher war. Die so viel beschworene „Verbundenheit der Partei- und Staatsführung mit dem werktätigen Volk“ wäre glaubhafter und stabiler gewesen. Menschlicher. Auch politisch wäre es gut gewesen, so manches Mal eher Rechenschaft abzulegen und die Erläuterung politischer und gesellschaftlicher Zusammenhänge zu liefern als ständige Schönfärbereien und Propagandaschlagzeilen in den letztlich gleichgeschalteten Medien zu verbreiten. Hätte das Material dieses Buches in dieser oder jener Form schon eher Verbreitung gefunden, hätte in der DDR realitätsnahe Arbeit und ein wirklichkeitsbezogenes Leben stattfinden können. Offenheit, auch von oben nach unten, statt Angst, Repressalien und Einschüchterung. Man wünscht sich beim Lesen oftmals, dem Autor gegenüber zu sitzen und viele, viele Fragen zu stellen und zu diskutieren. Fair und offen. Es wären Fragen nach Reise- und Religionsfreiheit gewesen, nach Diskriminierung, ständiger Angst vor Repressalien und Bespitzelung, nach der Zensur in Kunst und Kultur, nach einer gegen die eigene Bevölkerung gerichteten Grenze, der Schaffung einer Mehr- Klassen- Gesellschaft durch Intershop, Exquisit und Delikat usw. usf. Die Liste wäre lang. Leider ist das ja nun nicht mehr möglich.
Sehr interessant und dokumentarisch wertvoll sind die Einblicke in Hintergründe der DDR- Innen- und Außenpolitik sowie die Einschätzung von Persönlichkeiten und politischen Haltungen von Menschen, die einmal das tägliche Leben im In- und Ausland bestimmten. Uns allen bekannte Wendehälse und Nestbeschmutzer kommen dabei nicht gut weg. Die Geschichte vergisst eben kein rückgratloses und opportunistisches Verhalten. Von größter historischer und politischer Bedeutung, wohl auch für den Privatmann Erich Honecker, war die von ihm so gründlich ausgearbeitete und wohldurchdachte Rede, die er anlässlich seiner Gerichtsverhandlung im Prozess vortrug. Persönliches Statement und politisches Testament zugleich.
Zusammenfassend kann man sagen: Das Buch ist kein Enthüllungsjournalismus im Sinne von Regenbogenpresse, sondern ein sehr persönlich verfasstes Zeitdokument der deutschen Geschichte.
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Der Name Erich Honecker ' wer kennt ihn nicht ??? Die einen hatten auf Grund ihrer geografischen Heimat DDR mit ihm zu tun ' mehr oder weniger ' und die anderen kannten ihn aus der Presse. Er lebt seit dem 29. Mai 1994 nicht mehr, aber das, wofür er verantwortlich zeichnete, spukt noch immer in den Köpfen der Menschen und soll auch nicht vergessen werden.

Honecker wurde 1912 geboren ' er wuchs in Neukirchen im Saarland auf. Sein Vater war Bergarbeiter. Schon im Alter von 10 Jahren trat er der Kommunistischen Kindergruppe bei mit 14 der Jugendgruppe und mit 17 Jahren der KPD. Honecker besuchte in den Jahren 1930 und 31 die Leinschule in Moskau. Er war am antifaschistischen Widerstand beteiligt und von 1935 bis 1945 inhaftiert. Er war nach dem Krieg dabei, als die Freie Deutsche Jugend gegründet wurde. Bis 1955 war er dessen Vorsitzender. Honecker besuchte die Moskauer Parteihochschule und wurde danach Mitglied des Politbüros und ZK-Sekretär. Ab 1971 war er Erster Sekretär und ab 1976 Generalsekretär der SED ' das bis zum 18. Oktober 1989. (Außerdem Vorsitzender des Staatsrates und des Nat. Verteidigungsrates.
Honecker wurde im Sommer 1992 von Moskau ausgeliefert und 169 Tage in U-Haft genommen. Er saß in Berlin Moabit ein und reiste im Januar 1993 nach Chile aus.

Die Aufzeichnungen, die wir heute lesen können, waren für Margot bestimmt, seine Frau, die sie nun heraus gegeben hat und somit der Weltöffentlichkeit zur Verfügung stellt. Wir können als Leser an seinen Gedanken rund um die Zeit der Haft (in Berlin Moabit), seinen Reaktionen auf den Prozess und auf die Zeitungs- und Presseberichte zu seiner Person, die Zwiesprache mit seiner Frau - als Tagebuchaufzeichnungen lesen. Margot lebte zu dieser Zeit schon in Chile. Diese Tagebuchaufzeichnungen sind ' so komplex und detailliert sie sind, ein interessantes Zeitdokument, auch, wenn man mit Honecker nichts am Hut hatte, er war nun einmal eine Persönlichkeit der Öffentlichkeit und wir können nicht am ihm vorbei gehen, wenn wir von Geschichte ' von deutsch-deutscher Geschichte und Geschichte der relativ nahen Vergangenheit berichten möchten. Er präsentiert sein Innenleben seiner Frau und wir können nun daran teilhaben. Wirklich absolut interessant, wie er so tickte. Im Gegensatz zu einem schon vor einiger Zeit erschienenen Buch Honeckers zu seinen politischen Ansichten 'Moabiter Notizen' geht es im mir nun vorliegenden Buch um seine persönlichsten Gedanken, die er seiner Frau mitteilte.

Anmerkungen wurden gemacht, weil nach der langen Zeit, die das doch schon her ist, nicht mehr alle Personen in den Köpfen der Leser verankert sind.

Das Buch beginnt mit einem Faksimile der ersten Seite aus den Aufzeichnungen Honeckers an seine Frau. Danach folgt ein Vorwort derselben. Sie berichtet, davon, dass sie lange gezögert hat, diese Aufzeichnungen, die für sie bestimmt waren, freizugeben für die Öffentlichkeit. Sie berichtet auch vom bösartigen Tumor, der bei ihrem Mann diagnostiziert worden war (er wusste schon in Moabit, dass er todkrank war.) und davon, dass er an seinen Überzeugungen festhielt. So hält auch Margot Honecker an ihren Überzeugungen fest, wie man neulich in der Presse erfahren hat. Es geht dann weiter mit einer Aufnahme ganzseitig der Fassade der JVA Moabit und dem Tagebuch ab dem 29. Juli 1992. Die Ich-Schreibweise führt dem Leser gleich zu Beginn die persönliche Note des Buches vor Augen. Die Betrachtungen, das Resümieren,das Sich- und auch seiner Frau Verzeihen, die detaillierte Berichterstattung ' all das ' jeder wird sicher für sich die interessantesten Stellen im Buch finden, aber eines steht fest, es ist rundherum ein Werk, welches es wirklich nicht verdient hätte, im Schrank zu versauern, es ist gut so, dass die Menschen es lesen können.

Honecker bezeichnet das Experiment des Sozialismus vor seiner Frau z. B. als vorerst gescheitert. Viel wurde ihm vorgeworfen und zu vielen dieser Anschuldigungen bezieht er im Buch klar Stellung gegenüber seiner Frau. Es sind dies natürlich alles persönliche Einschätzungen, die jeder anders sehen kann, aber man spürt den Politiker aus ihm heraus, der natürlich ziemlich vernagelt war, aber doch sich seine Gedanken gemacht hat. Auch interessant die Anmerkungen zu Gorbatschow.

Für Leser, die Geschichte einmal anders, einmal privat und persönlich aus der Sicht eines Menschen kennenlernen möchten, der auch Geschichte geschrieben hat, egal, wie man darüber denkt, die sind mit diesem Buch auf jeden Fall bestens beraten. Auf Grund der Tatsache, dass es sehr persönlich geschrieben ist und man nun weiß, dass Erich Honecker zu diesem Zeitpunkt schon todkrank war, liest sich das Buch nochmal etwas anders. So finde ich.

Da es mit diesen erklärenden Anmerkungen versehen ist, ist es auch weiterhin auf zukünftige Sicht hin noch lange für empfehlenswert zu erachten. Diese Anmerkungen sind es, die das Buch historisch verständlich gestalten und wertvoll machen. Wertvoll ist es allemal im Zusammenhang gesehen.

Um es nicht zu vergessen: Dem Buch sind zahlreiche Abbildungen beigefügt, die sehr aussagekräftig und historisch interessant sind. (Honeckers Gewerkschaftsausweis, Aufnahmen vom privaten und politischen Honecker, sein Diplomatenpass, ein Bild aus dem Prozess und Bilder seiner politischen Laufbahn usw'.

Prädikat WERTVOLL !!!

Kurze Leseprobe zum Schluss:
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12. November

Heute, am Donnerstag, 9.30 Uhr, begann der Prozess. Nach 45 Minuten war alles vorbei. Etwa zweihundert Journalisten drängelten sich vorm und im Saal. Die Anwälte hatten mich vor dem aufdringlichen Geschiebe gewarnt und mir einen Stapel Papiere gegeben, die ich studieren sollte, um nicht in die Kameras schauen zu müssen. (1) Mir war klar, dass sie schreiben würden, was sie schreiben musste (2) '

Zu den Punkten 1 und 2 gibt es dann etwas kleiner als der eigentliche Text gedruckt sehr interessante und informative Erläuterungen, die es sich unbedingt lohnt zu lesen.
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am 10. August 2015
Das Buch ist hochinteressant und man lernt hier einen Menschen kennen der vor den Trümmern seiner Idiologie steht. Er ist nicht das Monster wie er nach der Wende von manchen damaligen westdeutschen Politkern dargestellt wurde, die ihn aber jahrelang hofiert hatten. Man muss halt immer alles von beiden Seiten sehen bevor man sich ein Urteil über einen Menschen bildet.
11 Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. November 2015
...beschreibt die Wahrnehmung von Honeckers letzten Aufzeichnungen höchstens unzureichend bis unzutreffend. Nichtsdestotrotz bleibt der gewiss nicht fehlgeleitete Eindruck haften, der Perspektive eines geschlagenen, für seine Sache brennenden und dementsprechend verantwortlichen, vor allem aber angezählten Mannes zu begegnen. Ohne die – leider anonym verfertigten – erfreulich detaillierten Fußnoten käme die Lektüre nicht aus, dafür jedoch mit nicht zwangsläufig wohlwollender nüchterner Distanz, somit ohne unmittelbar die Verdammung eines ganzen Gesellschaftsentwurfes beschwörende Götterdämmerungsfarben.
Hinter mancher arg pathetischer Passage im Vorwort seiner Witwe sei indes diskret das eine oder andere Fragezeichen platziert. Die zugrundeliegende Kontinuität bleibt unverkennbar: Ihre Präliminarien wie seine Notate resultieren aus zwei ineinander verflochtenen Lebensläufen.
Die weitreichenden, mitunter fragwürdigen bis mehr als lediglich einmal schmerzensreichen Konsequenzen sind bekannt.

Die Vier-Sterne-Vergabe erfolgt willkürlich; Veröffentlichungen dieser Art entziehen sich m. E. einer üblichen skalierten Bewertung.
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am 27. Februar 2014
.... Nichts für politisch zarte Gemüter, weil die starren und vom Sozialismus durchdrungenen Gedanken nicht mehr so recht in unsere heutige Zeit zu passen scheinen. EH lässt auch in keiner Weise ein Unrechtsbewusstsein erkennen.
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