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am 6. Januar 2015
Informativ und gut recherchiert von dem Autorenduo Koldehoff und Timm, jedoch mit offenen Fragen. In dem mehrfach ausgezeichneten Buch wird das Gebaren des Kunsthandels kritisch durchleuchtet, die Behandlung von Kunstwerken als reine Spekulationsobjekte, die Schleichwege des Kunstmarkts, die manchmal wahnwitzig überhöhten Preise, die Gier mancher Sammler bedeutende Namen in ihrer Bildersammlung zu besitzen, das anmaßende Auftreten und die schlampige Arbeit einiger Kunstexperten, z. B. der W. Spies, die Vernebelungstaktik einiger Händler, als Zweifel an der Echtheit von Bildern aufkommen. Das Gepoltere der beiden Autoren, im Kölner Beltracchi- Prozess "hätte hier eigentlich auch eine ganze Branche auf der Anklagebank sitzen sollen" (S. 10), Kunsthändler, Museen, Sammler und Experten, kann man jedoch mit Vorbehalt zur Kenntnis nehmen.
Offen bleiben in dem Buch der beiden Journalisten Fragen, wieso im Zeitalter der modernen Untersuchungsmethoden, von der chemischen Analyse, Isotopenanalyse bis zur Röntgenuntersuchung, lange Zeit niemand wagte die Bilder der plötzlich aus dem Nichts aufgetauchten "Sammlung Jägers" zu untersuchen und dem Fälscher das Handwerk zu legen. Wer die Zeit Beltracchis, das Zeitalter der "anständigen Deutschen", in Augenschein nimmt, sieht, dass nicht nur Kunstsammler, Händler und Galeristen, sondern auch die Öffentlichkeit, Medien und der "investigative Journalismus" sich blamiert hatten, die Echtheit der Bilder der "Sammlung Jägers" wurde lange Zeit ernsthaft kaum in Frage gestellt.
Ein Erfolg, wie der von Beltracchi, zweifellos ist er der erfolgreichste Kunstfälscher der neueren Kunstgeschichte, war in diesen Dimensionen nur in dieser Zeit und nur in Deutschland möglich. Beltracchi bescherte Politik, Kultur und der Presse das, was sie schon lange suchten, endlich den anständigen Deutschen, den anständigen Sammler Jägers, der seine gesammelten Bilder vor der Aktion "Entartete Kunst" der Nazis und vor der Vernichtung gehütet hatte (S. 135, 166). Endlich hatte man etwas gegen das schlechte Gewissen, nachdem sich damals so viele an der Kulturbarbarei der Nazis beteiligt hatten. Der Coup, Bilder aus der nachgelassenen Sammlung eines "anständigen" Deutschen zu verkaufen, eine Sammlung die nie existiert hat, war zweifellos genial. Nachdem man den anständigen Deutschen Werner Jägers gefunden hatte, Fernsehen und Presse ihn ehrfürchtig angestaunt hatten, wagte lange Zeit niemand, mehrere Jahrzehnte lang, die Bilder zu untersuchen. Wenn erst einmal Kunstwissenschaftler, Chemiker und Physiker ein Bild untersuchen, dann hat ein Fälscher keine Chance, das wusste Beltracchi.
In der Politik hatten alle den anständigen Deutschen gefunden: Gerhard Schröder, der das Wort "anständig" so häufig gebraucht hatte wie kein anderer Politiker. Der verkaufte schließlich nach einer verlorenen Wahl seine politische Leiche an einen russischen Diktator, der eine Gallionsfigur für ein Erdgasunternehmen brauchte und der dem abgehalfterten Exkanzler eine goldene Hängematte bescherte. Mit Dieter Hildebrandt hatten wir den "anständigen" Kabarettisten. Der Entlarver und Bloßsteller von Nazis, unser Dr. Murke, war, von ihm verschwiegen, selber NSDAP- Mitglied. SS- Mitglied Günter Grass, unser "anständiger" Schriftsteller, hätte den Nobelpreis nicht bekommen, wenn seine Mitgliedschaft bekannt geworden wäre, aber er war klug und zur passenden Zeit verschwiegen. Gregor Gysi, der "anständige" Politiker, präsentierte eine "anständige" Partei, eine Partei als Fälschung, alte SED- Mitglieder wurden als neue Linke ausgegeben. Beltracchi lieferte uns dazu passend den "Anständigen Kunstsammler". Wer genug Zeit hat, kann weitere ungezählte "Anständige" auflisten.
"Die öffentliche Meinung ist in manchen Jahrhunderten die schlechteste aller Meinungen" (Chamfort). In den vergangenen Jahrzehnten war in der Öffentlichkeit, Presse und dem Fernsehen eine für deutsche Verhältnisse ungewöhnliche Toleranz und Verharmlosung für bloßgestellte Lügner, Korrupte und Täuscher zu beobachten gewesen. Auch die vielen Deals der Justiz, zum Beispiel mit korrupten Gewerkschaftsbossen und Managern, mit Straferlass für die Täter, hatten zu einer Aushöhlung des Rechtsbewusstseins geführt (Beltracchi- Deal: S. 205 f.). Nur vor diesem Hintergrund ist zu erklären, weshalb zahlreiche Hinweise von Ermittlern, von den beiden Autoren akribisch aufgelistet, in den drei Jahrzehnten Tätigkeit der Fälscher nicht zum Auffliegen der Fälscherbande Beltracchi führten. Der Nährboden für einen Meisterfälscher war in Deutschland von Justiz, Politik, Presse und Kulturszene vorbereitet worden. Hier auf dem Moder von Verwesung konnte dann Beltracchi ungestört pflanzen und ernten, die große Kunstwelt mit seinen Produkten beliefern. Unsere Zeit hatte uns einen Meister seines Fachs beschert. Nicht Schröder, Hildebrandt, Grass und Gysi, sondern Beltracchi war der Meister der Trickser, Täuscher und Fälscher.
Die Recherchen von Koldehoff und Timm lieferten, auch mit dem Verzicht auf den Bezug zum zeitgeschichtlichen Hintergrund, die bisher vollständigste und am sorgfältigsten aufbereitete Darstellung des Falls Beltracchi, spannend geschrieben, ein Buch das der Leser nicht weglegt, bevor er es bis zur letzten Zeile gelesen hat.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. Oktober 2013
Dies ist eine sehr gute investigative Arbeit ! Manches habe ich schon geahnt, aber die Ausmaße der Kunstmarkt-Betrügereien und der weite Kreis der bewußt oder unbewußt daran Beteiligten waren mir unbekannt und haben mich doch sehr erstaunt. Sogenannte Experten sind mir nun erst recht suspekt. Sehr empfehlenswertes Buch, aber einen Punkt Abzug für die doch eher unspannende Schreibweise mit recht häufigen Wiederholungen.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 3. Oktober 2013
Stefan Koldehoff und Tobias Timm erzählen in ihrem Buch nicht nur die Geschichte des Fälschungsskandals um Wolfgang Beltracchi und seiner Entourage, sie nehmen jeden Faden auf, der fein gestrickt bis in die kleinsten Maschen des Kunsthandels reicht, sie beleuchten die Praxis gängiger Expertisenbeschaffung und dokumentieren detailliert die Mängel und Fehler einer Branche, die im Jahr 2012 international 43 Milliarden Euro umgesetzt hat. Vor allem belegen sie die Tatsache, dass ein Kunstwerk im Moment ihrer Merkantilisierung zu einer austauschbaren Ware innerhalb eines Marktes wird, der nur den Gesetzen von Angebot, Nachfrage und Wertschöpfung gehorcht.

Der Fall ist hervorragend recherchiert, allein das ist im Zeitalter von copy-paste und dem Trend leicht verdaulicher Informationsbrocken keine Selbstverständlichkeit. Dass am Ende ein paar Redundanzen und sprachliche Feinheiten auf der Strecke bleiben, ist zu verschmerzen, zumal das Buch in kürzester Zeit nach dem ungewöhnlich schnellen und zumindest merkwürdig erscheinenden Ende des Prozesses geschrieben wurde. Es bleibt auch die Frage, ob die Dokumentation eines millionenschweren Betrugs durch einen schönen Schreibstil an Relevanz gewinnt. Abzüge in der B-Note sind wohl auch der Arbeit in einem Autorenteam geschuldet.

Dieser Betrugsfall ist weder der erste noch der letzte Fall von Kunstfälschung. Lediglich die Tatsache, dass er sich über Jahrzehnte hinzog, prominente Experten involviert waren und einen Gesamtschaden in zweistelliger Millionenhöhe verursachte, führte zu Meldungen in der “Tagesschau” und wohl auch zu diesem Buch. Klar ist nur: nach dem Fälschungsskandal ist vor dem Fälschungsskandal.

Man kann den Fall Beltracchi und andere Fälscherskandale auf die Formel bringen, dass die Liebe zur Kunst, die Geldgier, die Eitelkeit und die Jagd nach unbekannten Schätzen Zutaten für einen Cocktail sind, der alle Beteiligten blind zu machen scheint. Da ist die Gier des Maklers, der an den Verkäufen beteiligt ist und Sammler, Museumsleiter und Experten an die Werke heranführt. Zumindest indirekt beteiligt sind auch angesehenen Experten, die, getrieben von Erfolg, Eitelkeit, Selbstüberschätzung und dem Kick, vermeintlich unbekannte Meisterwerke entdeckt zu haben, auf mittelmäßige Fälschungen hereinfallen. Fehlbar ebenso die Nachkommen von Künstlern, die nur auf Grund ihrer Nachkommenschaft glauben, aussagekräftige Expertisen ausstellen zu können. Leitende Angestellte, die, wenn nicht aus Geldgier, dann aus Gründen des Ruhms versuchen, Werke in Sammlungen oder Museen zu bringen, obwohl die Quellen bereits als zweifelhaft betrachtet werden. Auktionshäuser, die mit Blick auf üppige Aufschläge und die Aussicht auf das Renommee vermeintliche Meisterwerke ohne weitere Prüfung unter den Hammer bringen – wohl wissend, dass nach der möglichen Aufdeckung eines Betrugs die Mühlen der Gesetze dank internationaler Verflechtungen, die Furcht der Betrogenen vor Öffentlichkeit und der Tüchtigkeit der eigenen Rechtsanwälte noch etwas langsamer laufen als ohnehin schon.

Koldehoff und Timm formulieren anschließend einen möglichen Kodex für den zukünftigen Kunstmarkt. Betrachtet man sich die Geschichte der Kunstfälschungen, wird das wohl leider nur ein gut gemeinter Vorschlag bleiben, wie die falschen Rothkos in den USA und die falschen Jawlenskys aus vermeintlich russischem Besitz gezeigt haben. Das Buch schließt am Ende mit der sogenannten “Andorra-Liste” mit 47 Werken, die Beltracchi gekauft haben will, viele bis heute ohne klare Identifizierung und Provenienz, jedoch nicht zwingend Fälschungen sein müssen.

Das einzige Manko, dass jedoch keinen Sternabzug rechtfertigen würde, ist eine fehlende Literaturliste sowie der Verzicht auf wichtige Fußnoten und Quellenangaben.

“Flasche Bilder – Echtes Geld” bietet für jeden kunstinteressierten Leser eine hochinteressante Lektüre. Sammler und Galeristen, Kunstverantwortliche, Restauratoren und Kuratoren sollten das Buch dagegen als unverzichtbare Pflichtlektüre betrachten.
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12 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
(Berlin) Der Fälschungscoup des Jahrhunderts von Wolfgang Beltracchi und seiner Bande ist dreist und wirft eine Menge Fragen auf die weit über das Betrugsdelikt hinaus gehen. In ihrem Buch 'Falsche Bilder - Echtes Geld' berichten Stefan Koldehoff und Tobias Timm umfassend über den Fall. Das Buch ist im Mai 2012 bei Galiani erschienen und kostet 19,99€.

Ernst Schöller vom LKA Stuttgart schätzt das ca. 30% aller Kunstwerke Fälschungen sind. Vielleicht schaut nun der eine oder andere Sammler misstrauisch auf seine Gemälde an der Wand. Ob da wohl auch ein Beltracchi drunter ist? Angemessen ist es zumindest die künftigen Ankäufe konkreter auf Echtheit zu prüfen. Die Recherchen von Koldehoff und Timm ergeben, dass Kunst oft auf Grund guten Glaubens gehandelt wird. Der Kunstmarkt ist ein Markt der wie kein anderer von undurchdringlichen Geheimnissen eingesponnen ist und Gewinnspannen hat wie sonst nur der Waffenhandel oder die Prostitution. Neben ganz legalen Käufen ist es ein Mekka für Geldwäsche, Anlage von Schwarzgeld, dubiosen Sicherheiten undundund. Nach der Lektüre dieser Recherche versteht man vieles besser im Kunsthandel, z.B. wieso der Kunstmarkt nach dem Bankencrash ausgelöst von Lehmann Brothers so boomt.

Wolfgang Beltracchi, der sich auf die Fälschung von Werken von Künstlern aus der zweiten Reihe spezialisierte, ist nur einer von mehreren Fälschern. Seine Bilder wurden nur bis zu einstelligen Millionenbeträgen gehandelt. Bereits fünf Wochen nach der Verurteilung Beltracchis wurde ein neuer Skandal bekannt. Dabei ging es um Bilder von Pollock, Rothko, Diebenkorn und Motherwell, Kline, Still und de Kooning, also um Werke im zweistelligen Millionenbereich. Nun kann man sagen es träfe ja keinen Armen, doch in einem Rechtssystem sind die Gesetze für alle gleich. Diese Gleichstellung trifft auch für Beltracchi zu der jedoch eine Strafmilderung bekam, weil er einen so genannten Deal mit dem Gericht aushandelte. Wer weis, vielleicht ist er schon wieder fleißig bei der Arbeit.

Seine Arbeit bestand über drei Jahrzenhte darin alte Materialien zu sammeln, sich mit einigen Malern wie Heinrich Campendonk, Fernand Léger, Max Ernst oder André Derain intensiv zu beschäftigen um dann in deren Namen Werke zu schaffen die noch nie existierten. Handwerklich sind die Fälschungen ganz brauchbar, aber von echter inspirierter Kunst weit entfernt. Seine Komplizen übernahmen den Vertrieb. Um die Herkunft der Bilder zu erklären erfanden sie zwei Sammlungen und versuchten von Experten Echtheitszertifikate zu bekommen. Hier wird es dann skurril. Denn die Experten verdienten durch ihre positiven Bescheinigungen kräftig mit. Werner Spies z.B., der angesehenste Max Ernst Experte, glaubte durch Augenscheinnahme von Fotografien der Gemälde die Originalität der Bilder bestätigen zu können. Was er dann auch bei mehreren Max-Ernst-Fälschungen tat, sich dann noch für den Verkauf einsetzte und dafür kräftige Provisionen erhielt.

Wenn man das Buch von Stefan Koldehoff (Kulturredakteur beim Deutschlandfunk wurde für seine investigativen Recherchen mit dem puk-Journalistenpreis des Deutschen Kulturrats ausgezeichnet) und Tobias Timm (Stadtethnologe und Kulturwissenschaftler schreibt für das Feuilleton der ZEIT) liest stellt man sich immer wieder die Frage wem man im Kunsthandel trauen kann. Hochangesehene Galerien werden entlarvt wie sie sorglos erlogene und zweifelhafte Provenienzen Glauben schenken um sich die satten Provisionen einzustecken. Kunstexperten verzichten auf Materialprüfungen, wie z.B. vom Doerner Institut, um Kosten zu sparen und gehen lieber das Risiko ein eine Fälschung in den Stand der Echtheit zu adeln. Bilder die nach einem Verkauf als Fälschung erkannt wurden, werden nach einer Zeit des Vergessens wieder in den Handel gebracht. Die beiden Journalisten gehen über den Fall Beltracchi hinaus und stellen einen Kodex zu Diskussion dem sich der Kunsthandel unterwerfen sollte.
Falsche Bilder - Echtes Geld: Der Fälschungscoup des Jahrhunderts - und wer alles daran verdiente
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. Februar 2014
„Es scheint wie bei Derivaten nur noch darum zu gehen, diese Dinge wie heiße Kartoffeln weiterzureichen.“, so heißt es ziemlich gegen Ende dieses gut recherchierten, nüchtern geschriebenen und ungemein lesbaren Buches, aber vielleicht sollte man diese Aussage an den Anfang stellen, um zu verdeutlichen, dass es auf dem Kunstmarkt heutzutage weniger um Kunstgenuss, um die Begeisterung für Kunst geht als um Kunst als Ware und Möglichkeit zur Geldanlage (gerne auch zur Geldwäsche). Da werden Kunstwerke zwischen Auktionshäusern, Galerien und Finanzierungsgesellschaften und und her geschoben, dass einem normalen Menschen schwindelig werden kann, und bei jedem Verkauf steigt ihr Preis. An den einzelnen Stationen der Lieferkette wird gut verdient, und wen wundert es angesichts dieser Gegebenheiten, dass gleich am Anfang der Kette Unbefugte mitverdienen wollen - Fälscher wissen die Schwächen des Marktes für sich zu nutzen.
Soweit recherchierbar stellt das Buch akribisch die Vorgehensweise des Fälschers Wolfgang Beltracchi und seiner Helfer dar. Er selbst und zwei enge „Mitarbeiter“ wurden 2011 zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, eine weitere Helferin kam mit Bewährung davon. Indirekte Helfer (manche von ihnen sicher unbeabsichtigt und unwissentlich) gab es erheblich mehr - es scheint da auch eine enorme Grauzone zu geben. Ist es üblich, dass Museen Gemälde in Ausstellungen aufnehmen, damit diese dann besser (d.h. zu einem höheren Preis) verkauft werden können oder geschieht dies doch nur ausnahmsweise? Da erklärt ein sogenannter Experte im Brustton der Überzeugung: „Ohne meine Expertise kann man einen Max Ernst nicht verkaufen. Das ist so.“ und dann akzeptiert er nur aufgrund einer stilkritischen Analyse mehrere Fälschungen von Beltracchi als echt. Er achtet weder auf fragwürdige Aufkleber auf der Rückseite dieser Bilder noch verlangt er eine naturwissenschaftliche Analyse. Es scheint auch eine beträchtliche Klüngelei zu geben und möglicherweise sogar Gefälligkeitsurteile - Ethik und Moral werden in der Kunstbranche offenbar nicht groß geschrieben.
Aber es gibt ein paar Aufrechte, deren Beharrlichkeit und Einsatz für die Kunst um der Kunst Willen dem Kommerz entgegensteht (und ihn sicherlich zumindest mitunter auch stört): Aya Soika, die am Werkverzeichnis der Gemälde von Max Pechstein arbeitet, Andrea Firmenich, Spezialistin für Campendonk und Ralph Jentsch, der am Werkverzeichnis von George Grosz arbeitet und der erhebliche Zweifel an Etiketten auf der Rückseite mehrerer Gemälde hatte, die sich schließlich aus Fälschungen herausstellten, brauchten in der Causa Beltracchi den Stein ins Rollen.
Werden sie und Gleichgesinnte den Kunstmarkt vor sich selbst retten? Man darf es bezweifeln. „Man muss wissen, wie der Kunstmarkt funktioniert und wo die Gier am größten ist.“ - so Beltracchi. Na dann - warten wir auf den nächsten großen Skandal.
P.S. Ein Register (Namen, Bilder) wäre hilfreich!
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 3. Juli 2012
In diesem Buch erleben Sie:

Eine große Stadt, Zentrum des Kunsthandels, aber ohne Kripo-Dezernat für Fälschungen -
Der Leiter eines Auktionhauses wird ungehalten - Einen Kunstfälscher ohne Geschmack-
- Ein Kunstexperte schaut sich immer nur die Vorderseiten an - Viele 'falsche Briefe' wie bei Grimms
Märchen vom Mäuschen, Vögelchen und der Bratwurst - Und ein Mitarbeiter eines Auktionshauses
wundert sich, wie achtlos Helene Beltracchi mit den 'Meisterwerken' umgeht -

Ein Teil der Spannung dieses faktenreichen Buchs ergibt sich aus der Situation im Theater:
Das Publikum weiß schon mehr als die Bühnenhelden, die sich blind um ihren Ruf spielen.
Die Halbwertzeit für Kunstfälschungen ist vermutlich eine oder zwei Generationen:
Vor etwas über sechzig Jahren wurde in Köln der Museumsdiener des Kölner Kunstvereins Jupp
Jenniches angeklagt von der 1. Strafkammer am Appellhofplatz, wegen neunzehn Bildfälschungen
im Stil von Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmitt-Rottluff, Oskar Campendonk und Max Pechstein.
Jupp Jenniches, eine Art Faktotum im Kunstverein, Rahmenbastler, Kistennagler, Bilderreiniger
und Gemälderestaurator:

'Dat kannst du och wat dä Klee do mäht, ich han et versök, und als dat eecht Bild fäddig wor,
da han ich jestaunt!.. Dat es ming Idee, janz aus meiner Inative, ich war zeichnerisch überhaupt
immer auf der Höhe'.

Das berichtet Sepp Schüller in seinem Buch 'Fälscher Händler und Experten'. Und man wundert sich,
dass die hochgebildeten Beteiligten das nicht im Hinterkopf hatten, als ihnen immer neue neu entdeckte
Bilder vorgestellt wurden.

Der Experte, der sich die Bilder immer nur von vorne anschaut, fährt mit dem Finger die Linien
nach über einer Kopie: Sehen Sie nur, sagt er 'Virtuos ist das, aus einem Guss, kein einziger Reuezug,
keine Stelle also, wo der Künstler sich selbst korrigiert hätte'.

Und im Gegensatz dazu Ralph Jentsch, einem der wenigen in diesem Buch, die beim Begutachten keine
Schlafbrille aufgesetzt haben:

'Diese Fälschungen sind eigentlich alle so gemacht, wie ein Künstler eben nicht arbeitet. Ein Künstler
entwickelt ein Bild und malt daran. Der Fälscher dieser Arbeiten hingegen hat seine Bilder wie jemand
gemalt, der einen Weihnachtsbaum dekoriert. So ungefähr: Da fehlt noch ne Kerze und da noch ein bisschen
Lametta, und da kann man noch ne Kugel hinhängen.. So sind diese Fälschungen aufgebaut. Campendonk wie
Derain und Léger'.

Johannes Gross zitiert in einem seiner Notizbücher einen Freund:
'Du kannst in Manhattan in fünftausend Wohnungen gehen und siehst in jeder einen signierten Picasso'.
Das jetzt bitte auf alle Maler aller Epochen extrapolieren..
Was passiert mit einem Gemälde, wenn es als Fälschung entlarvt ist? Peter Geimer:
'Die Bilder sind entblößt, ihre Aura ausgeknipst'.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. Juni 2013
Ein informatives Buch, hervorragende Recherchearbeit, für alle die sich im Kunstmarkt besser auskennen und vielleicht auch mitreden wollen. Der Sprachstil ist etwas dürftig, aber es sollte ja auch kein Roman werden.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. Dezember 2012
Das Autorenteam fasst die akribisch gesichteten Fakten um den großen Kunstfälscherskandal und das 2011 folgende Kölner Gerichtsverfahren zu einem absolut lesenswerten Buch zusammen. Gründlich recherchiert, deckt das Buch die Taten der Kunstfälscherbande um Wolfgang Beltracchi auf und zeigt Lücken, Fehler, Profitgier und Skrupellosigkeit im internationalen Kunstmarkt auf, die letztendlich dazu führten, dass Fälschungen von Kunstwerken renommierter Künstler jahrzehntelang in den Kunstmarkt geschleust und für Millionensummen verkauft werden konnten. Das Buch sollten nicht nur alle Studierenden und Lehrenden des Faches Kunstgeschichte, sowie alle anderen Kunsthistoriker im Bücherregal stehen haben, sondern auch jene Experten, die über die Expertisen und damit über die Authentizität von Kunstwerken entscheiden.
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am 7. Juni 2015
Schönes Buch hat Spaß gemacht es zu lesen. Darf in keiner Buchsammlung fehlen. Würde es mir immer wieder kaufen einfach Top
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. Juli 2012
Die Autoren haben nicht nur Großes geleistet indem sie die Machenschaften der Betrügerbande Beltracchi im Detail recherchierten. Ganz besonders ist zu loben, dass es dem Autorenduo nicht in den Sinn kam, Herrn Beltracchi als Genie oder gar verkannten Helden darzustellen. Zu viele Redakteure sind dieser Versuchung erlegen, da der "arme" Beltracchi doch nur vermeintlich reiche und gierige "Sammler und Spekulanten" betrogen hat. Da man nicht wirklich weiss, wie hoch die Anzahl der Fälschungen aus seiner Hand ist, darf man annehmen, dass es auch normale Sammler gab, die mit ihrem Ersparten der Betrügertruppe auf den Leim gegangen ist. Interessant ist auch die Frage, wie viele Auktionshäuser, damit ist ausnahmsweise nicht Lempertz gemeint, bis heute mit der Proveninzfrage umgehen? Zumindest wurde bei einem erst kürzlich versteigerten von Bechtejeff durch das versteigernde Auktionshaus nicht angegeben, ob es durch die führenden von Bechtejeff Experten und / oder Fachanalysen als eindeutig authentisch identifiziert wurde! Vielmehr wurde auch hier ausschließlich auf eine Provenienz verwiesen, die bis zur Urgroßmutter verweist, die das Bild vom Künstler geschenkt bekommen haben soll... Sollte man aus dem Beltracchi-Skandal nichts gelernt haben? Wer das Buch gelesen hat, weiss, dass W. Beltracchi auch von Bechtejeffs fälschte...

Der Kunstmarkt mit seinen häufig undurchsichtigen Methoden und zahlreiche unentdeckte Fälschungen aus des Betrügers Hand bieten den Autoren gewiss reichlich Stoff für eine spannende Fortsetzung.

Oder glaubt ernsthaft jemand daran, dass ein als solcher signierter "Beltracchi" jemals für großes Geld angeboten wird? Lempertz zumindest dürfte aus dem Skandal gelernt haben, so dass man dort heute sicherlich mit mehr Sicherheit ein Werk ersteigern kann. Wenn dem nicht so wäre, wäre Lempertz sicherlich am Ende.
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