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824 Rezensionen
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548 von 577 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Emotionale Tiefe
'Beim Laufen habe ich mich an so vieles erinnert. An Dinge, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sei vergessen hatte, Manche Erinnerungen waren hart. Aber die meisten waren schön. Ich habe Angst, dass ich sie eines Tages, vielleicht bald, wieder verliere'.

Nicht nur körperlich, auch emotional zutiefst mitgenommen zeigt sich Harald Fry am Ende...
Veröffentlicht am 14. Mai 2012 von M. Lehmann-Pape

versus
41 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Viel Lob für ein mittelmäßiges Buch
Bei so viel positiver Resonanz tut man sich als Rezensent üblicherweise keinen Gefallen, ein Buch zu kritisieren. Aber Für mich konnte das Buch nur wenig von dem halten, was Einband, Werbung und 5-Sterne Lobeshymnen versprachen.

Es ist die Geschichte einer gescheiterten Ehe, die den Rentner Harold auf eine gut 1000km lange Reise vom Süden...
Veröffentlicht am 26. Juli 2012 von Nordlicht


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59 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wer bin denn eigentlich ich?, 15. Mai 2012
Von 
MyandMar - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 100 REZENSENT)   
"Was Sie da machen, ist der Pilgerweg des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Phantastisch! Genau solche Geschichten wollen die Leute hören." Diese Worte bekommt Harold Fry, ein frisch pensionierter 65er auf seinem langen Pilgerweg zu hören, als sein Unterfangen medienpublik wird. Ein knapper Brief von Queenie Hennessy, einer seit 20 Jahren aus den Augen verlorenen Kollegin, die im Sterben liegt, lässt ihn aus der Eintönig- und Wortlosigkeit seiner Ehe ausbrechen und etwas Unglaubliches tun. Aus einem flüchtig hingeworfenen "Tschüss dann, Maureen", das er seiner Frau zuruft, um eigentlich nur seine Antwortzeilen an Queenie in den Briefkasten zu bringen, wird ein 87 Tage dauernder und 1000 km langer Pilgerweg quer durch England. Seine Motivation: "Ich werde laufen, und sie muss weiterleben."

Wollen Leute solche Geschichten tatsächlich hören? Der Erfolg von Hape Kerkelings 2006 niedergeschriebener Jakobsweg-Selbstfindungsreise scheint dies zu bestätigen. Auch der Geschichte von Rachel Joyce, die mit ihrem literarischen Debüt den Tod ihres Vaters verarbeitet, wird mutmaßlich ein breites Lesepublikum beschienen sein. Und das nicht nur allein daher, dass der Roman weltweit in 30 Ländern erscheint. Nein: "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" ist ein berührendes, ein nachdenkliches Buch, das - leicht und flüssig lesbar - auf weiten Strecken sehr tiefsinnige Gedanken und Reflexionen offenbart. Während seines Marschs auf Straßen und Wegen, über Felder, Hügel und durch Täler spult vor Harolds innerem Auge sein vergangenes Leben ab. "Bilder und Gedanken, von denen nachts sein Kopf fast platzte, Bilder, die ihn wach hielten", durchströmen ihn. Letztendlich ist der Weg von Kingsbridge nach Berwick auch und vor allem eine Reise zu ihm selbst, ins Innere von Harold Fry. "Er spielte Szenen aus seinem Leben noch einmal ab, als Zuschauer, der im Draußen gefangen blieb." Dadurch befreit er sich Schritt für Schritt aus dem Schraubstock der Vergangenheit.

Solange Harold allein auf weiter Flur läuft, gelingt es Rachel Joyce den Spannungsbogen zu halten bzw. stetig aufzubauen. Sie positioniert ihren Protagonisten gekonnt in zwei Ebenen. Vieles, was sich vor seinen Augen ausbreitet, bekommt gleichermaßen eine introspektive, als auch eine auktoriale Erzählperspektive, die eines Passanten. Doch scheint nach der Hälfte der Strecke nicht nur die Kraft des Pilgers zu schwinden. Ebenso wird die Erzählstruktur zunehmend konturloser und fasert aus. Der immer mehr publicity-wirksame Pilgerweg Harold Frys verflacht das literarische Niveau des Romans. Zu vorhersehbare und mit Klischees beladene Szenen lösen die gedankenreichen und gehaltvollen Passagen der ersten zwei Drittel der Erzählung ab. Harold selbst scheint das Malheur seines Plots auf Seite 332 auszusprechen: "Wie hatte er sich einbilden können, dass diese banalen Dinge zusammengenommen etwas Größeres ergäben als die Summe ihrer Teile?" Schade.

Eines übermittelt die Lektüre trotz allem unmissverständlich: "Wir haben alle eine Vergangenheit. Wünschen uns, wir hätten so manches getan oder gelassen." Aber an "der Vergangenheit ließ sich nicht rütteln, man konnte seinen Anfängen nicht entrinnen. Nicht einmal mit Krawatte."
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pilgern für die Seele., 8. Juni 2012
Von 
E. Meiler "chritopp" (Bayern, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Zu diesem Buch muß ich unbedingt eine Bewertung schreiben; es ist einfach zu gut, um nicht gelesen zu werden!

Kurz zum Inhalt: Harold, seit einem halben Jahr Rentner, erhält von seiner früheren Arbeitskollegin Queenie nach 20 Jahren einen schicksalhaften Brief. Sie liegt in einem Hospiz nahe der schottischen Grenze im Sterben. Mehr schlecht als recht verfasst Harold einen Antwortbrief. Anstatt diesen einzuwerfen, entscheidet er sich, für Queenie die über 1000 Kilometer zu Fuß zu gehen. Mal mit mehr, mal mit weniger Zweifeln geht er mit der Überzeugung, Queenie mittels dieses Pilgerwegs zu retten. Und es scheint zu funktionieren...

Meine Meinung: Als ich den Klappentext las, bekam ich Gänsehaut. Allerdings war ich auch sehr skeptisch: meist sind solch patetisch klingende Bücher etwas abgedroschen. Ich sage "meist", denn hier trifft das keineswegs zu.
Der Roman handelt in erster Linie natürlich von Harold und dessen Lebensgeschichte, die man nach und nach erfährt. Aber da ist noch mehr. Durch Harolds Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschentypen lernt man auch ein bißchen über sich selbst.
Mehr als einmal habe ich beim Lesen gedacht: "Was würde ich jetzt tun/sagen?" und ich gebe zu, ich hätte des Öfteren meinen inneren Schweinehund überwinden müssen. Und genau deshalb war mir H. auch so sympatisch. Auch für ihn ist der Pilgerweg alles andere als leicht; auch er kämpft mit sich.
Ich habe mit Harold gelacht, gelitten und geweint. Kann man mehr von einem Buch erwarten?

Schreibstil: Leicht verständlich geschrieben, flüssig zu lesen und -so man es denn aus der Hand legen muß- ist man auch nach einer Lesepause wieder sofort mitten in der Geschichte. Da es größtenteils ums Pilgern geht ("der Weg ist das Ziel") kommen natürlich viele Natur- und Landschaftsbeschreibungen vor - aber nie ZU lange.

Auch sehr gut als Buchgeschenk geeignet: für jede Altersgruppe ab, sagen wir mal, 16 Jahren geeignet. Egal ob Frau oder Mann, Rentner oder junger Erwachsener, die Geschichte spricht alle Leser an.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Finde deinen Weg, 28. Mai 2012
"Sagen Sie Ihr Harold Fry ist auf dem Weg.Sie braucht nur durchzuhalten. Denn ich werde Sie retten, wissen Sie. Ich werde laufen und sie muss weiterleben. Werden Sie Ihr das sagen?"

Ein Brief verändert Harolds Leben. Ein Leben hinter einer perfekten Fassade (`glattrasiert und im sauberen Hemd mit Krawatte`) aus frisch gewaschener Wäsche und kurzgeschorenem Rasen, in dem es aber seit seiner Pensionierung nichts mehr zu tun gibt und er seiner Frau nichts mehr von Wert zu sagen hat. Ein Leben, das aus verpassten Gelegenheiten besteht, `dass er immer, wenn er etwas tun wollte, genau einen Augenblick zu spät kam`.

Der Brief hat Risse in Harold Frys gutbürgerlicher Fassade verursacht und es geschafft, dass er sich aus den blickdichten Bretterzäunen, die nicht nur seinen Garten umgeben, herauswagt. Aufgerüttelt durch den Brief einer alten Freundin macht er sich aus seinem eintönigen Leben auf. Er macht sicht auf seinen Weg, von Südengland bis hoch in den Norden. Während dieses Weges, den die Autorin in wundervollen Bildern (`Die Luft roch grün und nach tausendfachem Neubeginn`)erzählt, arbeitet er sich Schritt für Schritt voran, nicht nur räumlich sondern auch innerlich. Schritt für Schritt arbeitet er seine Vergangenheit auf. Obwohl die meisten Erinnerungen schmerzhaft sind und sich bildlich in seinen Blasen wiederspiegeln, kommt er gut voran, so lange er sich auf sich und seinen Weg konzentriert. So verrückt es auch scheint, dass er sich in unserer schnellen, technisierten Welt zu Fuß auf den Weg macht, um so klarer wird, dass er erst durch diese Entschleunigung die Möglichkeit bekommt zu sich selbst zu finden.
Wie wir uns selbst verlieren, wenn wir uns von den Medien und von anderen Menschen vereinnahmen lassen, wird im letzten Teil des Buches deutlich und kann als Denkanstoss ganz allgemein für unser Leben dienen.

Letztendlich findet Harold Fry seinen Weg wieder und er hat den Mut ihn bis zum Schluss zu gehen, auch wenn das Ende überraschend sein mag.
`Du hast versucht, einen Weg zu finden, obwohl du gar nicht wusstest, ob du überhaupt ankommst. Wenn das kein kleines Wunder ist, dann weiß ich auch nicht.`

Ein ungewöhnliches Buch, dass uns auffordert, sich auf den Weg zu machen. Zu uns selbst. Jeder auf seinen Weg. Und wenn wir mutig sind und offen für das Leben, in dem Wissen, dass das Leben endlich ist, dann werden wir unseren Weg finden.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine bewegende Pilgerreise, 19. Mai 2012
Inhalt

Harold Fry führt ein ruhiges und normales Leben. Der Alltag ist geordnet und wird von einer sich tagtäglich wiederholenden Routine bestimmt. Doch diese Routine wird kurzzeitig durch einen Brief von Harolds frühere Kollegin Queenie Hennessy durchbrochen, die im Sterben liegt. Harold beantwortet den Brief mit ein paar kurzen Zeilen und läuft zum nächsten Briefkasten, um den Brief schnellst möglich zu verschicken. Doch kurz bevor der Brief durch den Schlitz des Briefkasten schlüpfen kann, zögert Harold. Wieso ausgerechnet dieser Briefkasten? Im nächsten Ort gibt es einen weiteren und wenn er sich beeilt, würde er es noch vor der Mittagsleerung schaffen. Doch dann läuft er auch an diesem Briefkasten und am nächsten vorbei und ehe er sich versieht hat er die Stadtgrenze passiert und läuft immer weiter.

Harold Fry begibt sich zu Fuß auf eine Reise von Südengland bis an die schottische Grenze zur sterbenden Queenie Hennessy. Jeden Tag aufs Neue stellt er sich der Herausforderung und läuft über seine eigenen Grenzen hinaus weiter ' 87 Tage lang über 1.000 Kilometer.

Rezension
Mich hat die Geschichte um Harold Fry und seine unwahrscheinliche Pilgerreise sofort für sich gewinnen können. Anfangs war ich noch recht unschlüssig, wie ich Harold einschätzen soll. Was ist er für ein Mensch? Welche Gründe treiben ihn an 87 Tage zu Fuß quer durch England zu laufen? Welche Geschichte hat uns dieser Mann zu erzählen? Diese Fragen werden einem mit jeder Seite die man liest mehr beantwortet. Ich hatte das Gefühl, dass jeder gelaufene Kilometer, den Harold näher an sein Ziel bringt gleichzusetzen ist mit jeder Seite die ich gelesen habe, um mehr über Harolds Geschichte zu erfahren.
Auf seiner spontanen Pilgerreise begegnet Harold vielen fremden Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und dennoch eines gemeinsam haben: sie alle haben eine Geschichte, die es sich zu erzählen lohnt. Man bekommt ein vielfältiges Spektrum an Eindrücken vermittelt ' sei es die englische Landschaft durch die Harold läuft, die Sehenswürdigkeiten die er auf seinem Wege besichtigt, die Wetterumschwünge, das Erwachen des englischen Sommers oder die Menschen denen Harold immer wieder begegnet. Auch wenn Harold den Fußmarsch wegen Queenie begonnen hat und sie zu besuchen das Ende der Reise darstellen soll, läuft er nicht nur für Queenie. Der Leser begleitet Harold auf den Spuren seiner Vergangenheit, hilft ihm die Gegenwart zu begreifen und die Zukunft ins Auge zu fassen.

Fazit
Eine wunderschöne Geschichte, die durch ihre Einfachheit und den so normalen Harold Fry besticht. Es ist ein Buch voller Hoffnung, Glaube, Krankheit, Verlust, Liebe, Vergangenheit, Verständnis und Verzeihen. Dennoch sollte sich der Leser im Klaren darüber sein, dass ein solches Buch nicht immer einfach zu lesen ist. Die Dinge die Harold sieht und erlebt sind viele alltägliche Dinge und Beschreibungen der Umgebung und der Natur. Er läuft den gesamten Buchinhalt quer durch England und teilweise kann das ein wenig ermüdend für den Leser sein. Ich war jedenfalls sehr angetan von der Idee um Harold Fry und seiner unwahrscheinlichen Pilgerreise durch ganz England.
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mein Lesehighlight 2012, 26. Juni 2012
Inhalt:
Der Rentner Harold Fry und seine Ehefrau Maureen leben in einem idyllischen Ort in Südengland mehr nebeneinander her als miteinander. Eines Tages erhält Harold einen Brief von einer ehemaligen Arbeitskollegin namens Queenie Hennessy. In diesem Brief möchte Queenie sich von Harold verabschieden. Sie hat Krebs im Endstadium. Er schreibt ihr einen Brief zurück, weiß zuerst allerdings nicht, was man einer an Krebs sterbenden Frau schreiben soll. Und so werden es nur ein paar sein Mitleid bekundende Worte. Als er am Briefkasten ankommt, kann er sich nicht dazu überwinden, den Brief einfach so einzuwerfen. Also geht er zum nächsten Briefkasten und beschließt schließlich, dass dieser Brief nicht ausreicht und er persönlich zu Queenie gehen muss. So beginnt die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry. Spontan, ohne Vorbereitung und ohne irgendeinen Plan. Nur das Ziel hat er vor Augen: Er muss es rechtzeitig zu Queenie schaffen. Auf seiner Reise begegnet er vielen Menschen, die sein Leben und sein Weiterkommen auf die unterschiedlichsten Arten beeinflussen.

Meinung:
Ich habe noch kein Buch gelesen, in dem mir der Schreibstil so positiv aufgefallen ist, wie hier. Rachel Joyce hat eine unglaubliche Art Dinge und Gefühle zu beschreiben. Noch nie habe ich so viele Passagen unterstrichen und herausgeschrieben, wie bei "Die unglaubliche Pilgerreise des Harold Fry". Zugegeben: Ich war anfangs sehr skeptisch, was das Buch betrifft. Vom Klappentext her hat es mich noch nicht so überzeugt. Aber schon nach den ersten gelesenen Seiten wusste ich, dass es ein ganz einzigartiges Buch ist. Ich habe Harold auf jedem Kilometer gedanklich angespornt weiterzugehen. Das Buch hat mich sehr nachdenklich gemacht und hat viele Emotionen aufkommen lassen. Ich konnte sehr gut mit Harold mitfühlen. Anfangs sind ein paar Fragen aufgekommen, die später aber restlos geklärt wurden. Das emotionale Ende hat mich gleichfalls sehr bewegt.

Fazit:
Ich würde diesem Buch am liebsten 6 Sterne geben, da es mein absolutes Lesehighlight der letzten Zeit war. Dies Buch sollte man unbedingt gelesen haben. Es verdient es aber in Ruhe gelesen zu werden, da einem sonst vieles entgehen könnte!
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39 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Widerspruchsgeprägte Emotionsschaukel ähnlich einer Sinus-Kurve, 25. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Respekt vor den immerhin 62 Fünf-Sterne Bewertungen der Rezensenten. Für mich wurde das Lesen über weite Strecken zur Pilgerreise meiner selbst: Die ersten 150 Seiten beschreiben die Tristesse einer senilen, in die Jahre gekommenen Partnerschaft, mit "very british" anmutenden Allüren der handelnden, in Selbstvorwürfen zerfließenden Personen. Kein Roman, den das Leben schrieb, eher von der Welt entrückt. Augenrollend zweifelte ich an der belletristischen Kunst der Autorin und wartete auf die endlich beginnende Handlung.

Der Pilger Harold Frey, bis dahin auf jeder Seite als bildungsresistenter Volltrottel charakterisiert, kann plötzlich, mittels autodidaktischer Aneignung, Cumulus-, Cirrus- und Schichtwolken erklären und ist quasi in der Lage, 'Hildegard-von-Bingens Naturapotheke' nachzustellen. Als ehemaliger Busfahrer und Mitarbeiter einer Brauerei, beides Positionen in denen er mitten im Leben stehen musste, fürchtet sich nun vor dem Betreten des Frühstücksraumes seiner Pension? Aus 'Achtung und tiefer Ehrfurcht vor den Geschenken der Natur bleibt er an jeder Quelle stehen und trinkt daraus'! Mit Verlaub, wie vielen "Quellen" mag er denn auf seinem Pilgerweg über britische Hauptverkehrsstraßen (andere Wege traut er sich nicht zu!) begegnet sein? Oder sollte es sich an dieser Stelle gar um einen Übersetzungs-Fauxpas handeln und die Autorin meinte 'Brunnen' statt 'Quelle'? Im schmalzig-trivialen letzten Kapitel, üblicherweise das "finale Feuerwerk" eines Roman-Endes, fühlte ich mich endgültig verballhornt.

Erst die tragikomischen Geschichten hinter der Geschichte werten das Werk auf in "lesbar". Und ja, hier und da ist das Geschriebene auch "tief berührend". Dieses vermochte jedoch die ansonsten fade Abhandlung nicht zu kompensieren. Auch führten sie bei mir nicht zu einem, um im Sprachgebrauch eines geschätzten Rezensenten zu bleiben, 'Umkrempeln meines Lebens'. Das vorliegende Werk mit dem Essay-ähnlichen Reisetagebuch eines Hape Kerkeling zu assoziieren, wie es eine Kritikerin des WDR-2 tat, lässt mich an der Seriösität des ansonsten von mir hoch geachteten westdeutschen Senders zweifeln.

Alle begeisterten "5-Sterne-Leser" bitte ich in reumütiger Verneigung um Verzeihung und gebe zu, dass die von mir vergebenen 2 "Trotz"-Punkte frustindiziert sind. In Wahrheit war ich kein geeigneter Leser, und bei wohlwollender Bewertung hätten es auch 3 Punkte sein können.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine ungewöhnliche Reise zurück zu sich selbst, 27. Mai 2012
Ein Rentner erhält einen Brief von einer ehemaligen Arbeitskollegin, die in einem 1.000 km weit entfernten Hospiz im Sterben liegt. Das ist der Auslöser für eine ungewöhnliche Reise zu sich selbst. Harold Fry bricht eines Tages, ohne es geplant, zu haben zu Fuß auf und läuft quer durch England mit dem Ziel, die Kollegin noch einmal zu sehen. Zunächst weiß niemand etwas von seiner Wanderung, nur seine Frau Maureen ruft er an, obwohl sie schon lange nur noch nebeneinander her leben. Doch die Pilgerreise löst bei beiden einen ungewöhnlichen Prozess des Nachdenkens aus - ihr ganzes Leben mit all seinen verpassten Gelegenheiten, seinen grausamen und seinen schönen Momenten ersteht in ihren Gedanken wieder auf. Nach und nach erleben beide, getrennt von einander, wie einige Lebenslügen sich auflösen und sie sich gedanklich wieder auf einander zu bewegen. Dabei helfen ihnen Erlebnisse mit anderen Menschen: bei Harold viele, denen er auf seiner Wanderung begegnet, bei Maureen ein Nachbar, dem sie bisher immer aus dem Weg gegangen war. Diese Zeit der Veränderung wird mit großer Herzenswärme, viel Liebe für Details und schönen Einfällen geschildert - am Ende des Buches versteht man als Leserin die beiden Hauptpersonen, die zu Anfang eher langweilig und verkrustet erschienen. Neben der anrührenden Geschichte eines Ehepaares erzählt der Roman aber auch von typischen Phänomenen unserer Zeit, etwa der Medienhysterie, wenn jemand etwas Ausgefallenes tut, die Verführbarkeit der vielen sinnsuchenden Menschen, die gern jemandem hinterherlaufen, von Geschäftemachern, die jede Gelegenheit nutzen...absolut lesenwert!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Laufen und Loslassen..., 19. Juni 2012
... von den Menschen, denen er auf seinem Weg und in seinem Leben begegnet ist und von Erinnerungen, die er vergessen zu haben glaubte oder vergessen wollte, handelt diese wunderbare Geschichte über Harold Fry, der losläuft, um einem Brief an seine im Sterben liegende Bekannte Queenie einzuwerfen und einfach immer weiter läuft - durch ganz England, zum Sterbehospiz, in dem Queenie liegt, um sie dort persönlich zu besuchen. In 87 Tagen läuft er tausend Kilometer und jeder bringt ihn ein Stück zurück zu sich und dem Menschen, der er einmal war, bevor er sich vor zwanzig Jahren selbst verlor.

Was so zusammengefasst vielleicht etwas hochtrabend philosophisch klingt, ist jedoch eine toll geschriebene, poetische und berührende Geschichte über das Leben, mit (einem) zauberhaften Protagonisten, den (die) man von der ersten Seite ins Herz schließt. Obwohl man erst sehr spät über die Geheimnisse von Harolds Vergangenheit aufgeklärt wird, folgt man ihm von der ersten Seite an und wünscht sich nichts sehnlicher, als dass er endlich ankommt - weniger bei Queenie, sondern an einem Punkt in seinem Leben, wo er wieder glücklich sein und die Liebe zu seiner Frau, mit der er eine zerrüttete Ehe führt, wieder leben kann. Die vielen Begegnungen, die er auf seiner Reise hat, sind oft zu schön, um wahr zu sein, schließlich dann medienkritisch realistisch und allesamt bedeutsam - für den Leser genau so, wie für Harold. Für mich ist diese Geschichte eine der schönsten, die ich in den letzten Jahren lesen durfte und wie gesagt: Fast zu schön, um wahr zu sein. Aber deshalb ist es ja auch ein Buch ;o)
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42 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine Pilgerreise, die nicht zu fesseln vermag, 20. Mai 2012
Von 
Claudias Bücherregal (Schl.-Hol.) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Als Harold Fry einen Brief seiner ehemaligen Kollegin Queenie Hennessy erhält, in dem sie ihm mitteilt, dass sie im Sterben liegt, verfasst er ein Antwortschreiben und will es zum nächsten Briefkasten bringen. Er merkt dann jedoch, dass er seine Gefühle nicht in einem Brief ausdrücken kann und beschließt zu ihr zu laufen. 87 Tage, 1000 Kilometer, vom seinem Heimatort in Südengland bis an die schottische Grenze, wo Queenie in einem Hospiz untergebracht ist. Er ist überzeugt, wenn er die gesamte Strecke zu Fuß bewältigen kann, wird er Queenie damit retten können. Also läuft er...

Auf dieses Buch bin ich durch die Wanderbuchaktion des Verlages aufmerksam geworden und fand es toll, dass die Pilgerreise des Harold Fry thematisch aufgegriffen wird und nun auch etliche Bücher auf "Pilgerreise" gehen sollen. Auf 378 Seiten begleitet der Leser Harold auf seiner Wanderschaft und erfährt nicht nur, wie ihn die Reise physisch und teilweise auch psychisch belastet, wodurch er jedoch immer wieder neue Energien sammelt oder wie die Umwelt auf ihn reagiert, sondern auch etliches über seine Vergangenheit und warum gerade Queenies Brief ihn so bewegt hat. Schnell wird jedoch klar, dass Harold nicht nur für Queenie läuft. Er läuft auch für sich, für andere Menschen, für den Glauben und die Hoffnung.

"Das Leben war ganz anders, wenn man sich zu Fuß darin bewegte."
(Seite 54)

Rachel Joyce hat einen gefühlsbetonten Roman geschrieben, der den Leser bewegt. Sie berichtet über zufällige Begegnungen, deren Wert unschätzbar ist, über Geheimnisse, die schon viel zu lange im Dunkeln liegen, über Liebe, Verlust, Mut und Durchhaltevermögen. Dabei driftet sie fast nie in Gefühlsduselei ab, sondern schreibt nachdenklich, gefühlvoll und mit Tiefgang. Besonders interessant fand ich die bereits erwähnten zufälligen Begegnungen. Harold stößt bei seiner Wanderschaft auf viele Personen. Manche sind hilfsbereit und wollen mehr erfahren, ihm vielleicht sogar helfen. Für andere ist er lediglich ein Spinner, ein alter Mann, der sich selbst überschätzt, um den man besser einen großen Bogen machen sollte.

Ich musste für mich leider die Erfahrung machen, dass ich scheinbar nicht die richtige Zielgruppe für diesen Roman bin. Die Geschichte und die große Umsetzung fand ich interessant, der Roman lässt sich flüssig lesen und trotzdem kam mir alles etwas zäh vor. Ich kann auch nicht behaupten, dass nicht viel passieren würde, denn Harold trifft ständig auf neue Personen, aber trotzdem konnte mich der Roman nicht fesseln und wirkte oft eher etwas langatmig. Den gewollten Tiefgang habe ich zwar gespürt, aber mir hätte es gereicht, wenn mir jemand die Handlung in einer Kurzfassung geschildert hätte. Das Buch ist jedoch keineswegs schlecht, man muss nur diese ruhige Art mögen, dann kann man sicherlich die bewegende Handlung, die teilweise sogar mit einem Augenzwinkern geschrieben wurde, genießen.

Fazit: Für mich leider nicht das richtige Buch, obwohl es flüssig und mit Tiefgang geschrieben ist.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nachdenken!, 30. August 2012
Von 
Eva (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein wunderbares Buch, das mich, jenseits der 50, sehr zum nachdenken gebracht hat. Wie schnell frisst einen der Alltag auf, wie schnell wird aus einer großen Liebe ein müdes Nebeneinander, wie sprachlos kann man werden, wenn größte Verletzungen nicht aufgearbeitet sind!
Als Harold Fry seine Pilgerreise begann, war er wortkarg doch schnell erzählte er jedem, der ihm über den Weg lief, seine Geschichte und hat so wieder gelernt, sich auszudrücken, was letzten Endes auch zum glücklichen Ende führte.
Schade fand ich nur, dass er sich nicht schneller von den Mitpilgern, die auf Profit und Publicity aus waren, gelöst hat. Großartig wurde auch Maureen und ihre Wandlung dargestellt. Wie sie dem Wahnsinn nahe mit ihrem toten Sohn kommuniziert und sich von der Außenwelt abschottet, durch das "Verlassen sein" sich aber öffnet und Veränderungen zulässt.
Sehr locker und leicht zu lesen und obwohl ich Groß Britannien bisher nicht kenne, konnte ich mir das Kleinstadt-Milieu, die steifen und wortkargen Personen, die Rituale der einzelnen Menschen sehr gut vorstellen. Es war, als sei ich ein Stück mit Harold gegangen.
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