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am 19. April 2012
Jugendarreste oder die Errichtung von abgelegenen Camps, in denen jugendliche Straftäter umerzogen werden mögen, werden von Pseudopädagogen immer wieder mal gefordert, weil diese Stätten eine Alternative zur heutigen Jugendjustiz zu sein scheinen, die als zu nachsichtig angesehen wird. Allerdings waren die Jugendlichen nach einigen Jahren in solchen Camps oftmals zu wirklichen Kriminellen ausgebildet; ihre nachfolgenden Karrieren waren dann sehr oft vorprogrammiert.

In dem Film -King of Devil's Island- wird das Schicksal einer Gruppe von jugendlichen Straftätern in einer solchen Umerziehungsanstalt beleuchtet. Angesiedelt ist die Geschichte nach wahren Begebenheiten, im Jahre 1915, auf der in einem norwegischen Fjord abgeschieden gelegenen Gefängnisinsel Bastoy. Es ist mitten im Winter, als Erling und Ivar dort hingelangen. Die jungen Menschen werden gebrochen, das Maß an Bestrafungen ist stets unangemessen hoch, die Aufpasser vergreifen sich an den Schutzbefohlenen und der Direktor wirtschaftet in die eigene Tasche, während die Insassen Abfälle essen müssen, und schaut, so oft er nur kann, weg, wenn es zu Übergriffen kommt.

Der robuste Erling kommt mit den Erniedrigungen, die sich zudem in äußerst rabiatem Ton und einer unmenschlich harten Plackerei als Waldarbeiter offenbaren, deutlich besser zurecht als der zerbrechliche Ivar. Erling ist der geborene Rebell und sein Streben ist vom ersten Augenblick an auf Flucht ausgerichtet. Auf der Seite der Erzieher finden sich als heimlicher Herrscher über die Jugendlichen der Heimleiter Brathen und seine Gehilfen, während der eigentliche Chef, der Anstaltsdirektor Bestyreren, es sich mit seiner schönen jungen Frau im herrschaftlichen Hauptgebäude gut gehen lässt.

Trotz solch bekannter Motive generiert dieser Film eine ergreifende Spannung und eine dichte Atmosphäre mit nicht nachlassendem Suspens. Zu verdanken ist dies auch den malerischen Impressionen, der wilden winterlichen Schönheit Norwegens, doch tragen sowohl der ruhige wie völlig unpathetisch gehaltene Erzählrhythmus als auch die jederzeit glaubwürdigen Leistungen der Darsteller dazu bei, dass der Film den Zuschauer magisch in seinen Bann zieht.

Der Film ist ein Musterbeispiel dafür, was auch ohne überbordend teure Studiotechnik möglich ist. Die Wahl des Filmschauplatzes, die unaufdringliche, aber nahe an den Figuren gehaltene Erzählweise, der handlungsführende Schnitt und die atmosphärisch-sensible Kameraführung greifen perfekt ineinander und lassen diesen Film zu einem cineastischen Juwel werden, der mit seiner Erörterung des zu jeder Freiheitsbetrachtung gehörenden Aspekts des Nullpunkts nicht nur unseren Verstand, sondern ebenso unser Herz erreicht.
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am 4. April 2012
(Kinoversion)

Die im Oslo-Fjord gelegene Insel Bastøy war von 1905 bis 1953 Synonym für einen Ort des Schreckens. Jugendliche Straftäter wurden in die Erziehungsanstalt bzw. die Gefängniskolonie auf Bastøy geschickt, um ihre Strafen abzusitzen. Sie wurden geschlagen, gedemütigt und bei knappen Rationen zu schwerster Arbeit angehalten. Heute ist Bastøy ein modernes Gefängnis, dessen Insassen in Holzhütten wohnen und in ihrer Freizeit Fischen oder Tennis spielen gehen können. Anno 1915, zu der Zeit, zu der der Film spielt, sah das allerdings noch ganz anders aus. Einem Ereignis, das um diese Zeit stattgefunden hat, hat sich Regisseur Marius Holst ("Dragonfly") angenommen. In erschütternden, zu Herzen gehenden Bildern lässt er eine Zeit wiederauferstehen, in der das Wort Resozialisierung noch nicht vorkam und man meinte, bei straffällig Gewordenen nur mit Druck, Härte und drakonischen Strafen zum Ziel zu kommen. Einfühlungsvermögen, Lob und Interesse daran, wie jemand überhaupt zum Täter geworden ist, waren fehl am Platze. Doch wehe, wenn die Gedemütigten und Geschundenen sich gegen ihre Peiniger erheben, dann ist mit der Gnade der Geknechteten nicht mehr zu rechnen. Eine Spirale der Gewalt entfacht Holst hier, und das auf sehr bewegende und nachvollziehbare Weise. "King of Devil's Island" oder auch "König von Bastøy", wie der Originaltitel zu übersetzen wäre, ist ein großartiger Film, der tief beeindruckt und bewegt.

Bastøy, Norwegen, 1915: Seit 10 Jahren ist die Gefangenenkolonie für jugendliche Straftäter zwischen 11 und 18 Jahren in Betrieb. Unter Direktor Bestyrerens (Stellan Skarsgård, "Verblendung", "Mamma Mia") strenger Aufsicht werden die jugendlichen Delinquenten Tag für Tag seelisch und körperlich gequält und ausgebeutet. Selbst ihrer Namen wurden sie beraubt, sie werden schlicht nach Zellenblocks durchnummeriert. Es herrschen Zucht und Ordnung, die allerdings immer mit roher Gewalt und Demütigungen erzielt werden. Eines Tages kommt der 17jährige Erling (Benjamin Helstad in seiner erst zweiten Rolle) auf die Insel. Ihm fällt es schwer, sich so unterzuordnen, wie es von Bestyreren und vor allem seinem sadistischen Hausvorsteher Bråthen (Kristoffer Joner, "Hidden", "Dark Woods") verlangt wird. Immer wieder begehrt er auf und denkt an Flucht. Dem gleichaltrigen, angepassten Olav (Trond Nilssen in seiner ersten Rolle) ist dieses rebellische Verhalten nicht geheuer, dennoch kann er sich Erlings kraftvoller Unruhe und seinem Hinterfragen der grausamen Dinge, die auf Bastøy geschehen, nicht entziehen. Als herauskommt, dass Bråthen den schwächlichen Ivar (Magnus Langlete, der hier ebenfalls debütiert) missbraucht, eskalieren die Dinge auf Bastøy. Die Jugendlichen proben den Aufstand - mit schrecklichen, blutigen Folgen...

"King of Devil's Island" ist ein großartiger Film, der lange nachwirkt und tief berührt. Holst gelingt es so fantastisch, den Alltag in der Gefängniskolonie nachzustellen und spürbar zu machen, dass es eine Weile braucht, bis man sich gedanklich wieder von diesem erschütternden Film lösen kann. Schmerz, klirrende Kälte, Wut über die Demütigungen und täglichen Ungerechtigkeiten, all dies ist für den Zuschauer fast körperlich spürbar. Man empfindet tiefes Mitleid mit diesen oft noch minderjährigen Straftätern, die so unverhältnismäßig hart bestraft wurden, dass es einem die Tränen in die Augen treibt. Dazu das diktatorische Gehabe des Personals, das die Jungen immer wieder mit Schlägen züchtigt oder sogar missbraucht, und über all dem der zwielichtige Direktor, der sich gern als sozialer Gutmensch ausgibt, sich aber an den Subventionen für die Kolonie mehr als gütlich tut.

Es ist nahezu unmöglich, von "King of Devil's Island" nicht beeindruckt zu sein. Marius Holst und seine Drehbuchschreiber haben hier einfach alles richtig gemacht und ein zweistündiges Drama erschaffen, das seinesgleichen sucht. Die authentische, tief verschneite, eisig kalte Insellandschaft, das unheilvolle, graue Gefängnis, die kargen Schlafsäle, aus deren eisernen Betten der warme Atemhauch Dutzender Jungenkehlen in die kalte Nacht entweicht, die schwere Arbeit auf den Feldern und im tiefen Wald, die Demütigungen und angedeuteten Schändungen, die Willkür und Allmacht des sardonischen Personals und das nur schwer zu ertragende Leid, welches sich in diesen verletzlichen, verzweifelten Jungengesichtern widerspiegelt. All dies macht "King of Devil's Island" zu einem bestürzenden Zeitdokument, welches auf wahren Begebenheiten basiert.

Noch bemerkenswerter als die souveräne, einfühlsame Regie sind hier allerdings die Darstellerleistungen. Bei den Jugendlichen hat Holst fast ausnahmslos auf Laien zurückgegriffen, die noch gar keine oder nur wenig Schauspielerfahrung hatten. Umso beeindruckender ist, was dieser fantastische Cast hier abliefert. Benjamin Helstad als unbeugsamer Anführer, der sich einfach nicht brechen lassen will, ist sowohl physisch als auch psychisch genau richtig für die Rolle. Sein rohes, fast bulliges Äußeres korrespondiert hervorragend mit den Charaktereigenschaften, die Erling ausmachen. Wut und Verzweiflung, aber niemals Demut, spiegeln sich in seiner Mimik wider und seine kraftstrotzende Physis unterstreicht eindrucksvoll seinen ungebrochenen Willen. Dem gegenüber steht der blonde, angepasste Olav, der sich schon seit sechs Jahren knechten lässt und sich offenbar gut mit dem System und dem Direktor arrangiert hat. Er will seine baldige Entlassung nicht gefährden und verschließt die Augen vor den Ungerechtigkeiten, die ihm und den anderen tagtäglich widerfahren. Die Rolle wird von Schauspieldebütant Trond Nilssen mit zunehmend intensiver Verve gespielt und gipfelt in zügellosem, gewalttätigem Aufbegehren gegen seine Peiniger. Doch auch die anderen Jungschauspieler, Magnus Langlete etwa als Opfer des pädophilen Bråthen, spielen so gut, dass man sich tatsächlich im Norwegen des frühen 20. Jahrhunderts wähnt und Leid, Wut und Pein aller Insassen bestens nachvollziehen kann. Dass Stellan Skarsgård und Kristoffer Joner, diese grandiosen nordischen Mimen, darstellerisch über jeden Zweifel erhaben sind, merkt man schon daran, dass man Bråthen praktisch von der ersten Szene an hasst und aus Bestyreren erst gen Ende wirklich schlau wird, da es Skarsgård hervorragend gelingt, seinen Direktor zwischen eigennütziger Gier, Arroganz, aber auch scheinbar menschelndem Verständnis und angeblichem Gerechtigkeitssinn wandeln zu lassen.

Was soll ich sagen? "King of Devil's Island" ist ein kleines Meisterwerk, das sich Zeit für seine Figuren nimmt und die Geschehnisse auf Bastøy so beeindruckend zum Leben erweckt, dass man tief bewegt und erschüttert aus diesem Film herauskommt. Die Darstellungen der Laiendarsteller sind ergreifend authentisch, die der "alten Hasen" sowieso über jeden Zweifel erhaben und die Geschichte, die Marius Holst hier so einfühlsam wie bestürzend erzählt, arbeitet ein dunkles Kapitel der norwegischen Gefängnisgeschichte bestmöglich auf. Und genau dafür gehe ich ins Kino, damit ein Film solche Emotionen in mir erzeugt, mich so bewegt und beeindruckt, dass ich einfach nur glücklich bin, über dieses cineastische Kleinod gestolpert zu sein. Volle fünf von fünf juvenilen Aufständen, die die Unterdrücker endlich ihrer gerechten Strafe zuführen.
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Ich bin höchst beeindruckt von diesem Meisterwerk. Dicht erzählt, brilliant gespielt erzählt der Film sehr atmosphärisch und spanned die dramatische Geschichte. Die Bilder sind teilweise von hypnotischer Suggestion, die Farben entsprechen der Trostlosigkeit des Lebens auf der Strafinsel, auf der unmenschliche Zustände vorherrschen. Der Film hat mich völlig in den Bann gezogen und tief beeindruckt. Wirklich ein Film, den man so schnell nicht vergisst und gerne noch mal sieht. Absolute Empfehlung!
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am 18. Mai 2012
"King of Devil's Island" ist ein spannender und bewegender Gefängnisfilm aus dem skandinavischen Raum.

Größtenteils frei von üblichen Klischees geschrieben und mit einem behutsamen, nie dem physischen oder seelischen Voyeurismus verfallenden Inszenierungsstil durchzogen, ist der Film eine interessante Auseinandersetzung über (moralische) Verantwortung und Schuld, wobei Regisseur Marius Holst gänzlich auf Schwarz-Weiß-Malerei verzichtet und stattdessen sehr einfühlsam über seine ausgesprochen - und das ist in dem vorliegenden Szenario alles andere als selbstverständlich - menschlichen Figuren erzählt.

Ein empfehlenswertes Drama, getragen von einer souveränen Regie, einem guten Drehbuch und starken Darstellern.
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am 3. September 2012
Ich bin norwegerin. Ich komme aus diesem Land und ich habe noch nie etwas davon gehört, gelesen oder gewusst. Es ist lange her, aber trotzdem haben sie es gut verschwiegen in Norwegen und in der rest der Welt. Ich bin auch schockiert, das so was in einem so idyllischen und schönes Land wie Norwegen passieren kann. Aber das böse lauert wohl überall, und ich bin stark beindruckt von diesem Film. Ich habe, nicht nur weil ich aus Norwegen komme, sehr lange über den Film nachgedacht. Der Film hat mich sehr stark beindruckt und ich empfinde so viel Mitleid für diesen Jungen die das erleben mussten. Das tut mir fast weh. Ich kann diesen Film sehr empfehlen, einer der besten den ich gesehen habe.
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am 23. August 2014
Gefängnisfilme kennt wohl jeder. Ob es nun "Papillon", "Die Verurteilten" oder "Ein Prophet" ist, zumindest einen Gefängnisfilm hat wohl jeder schon einmal gesehen.
In diesen Filmen gibt es immer gewisse Klischees.
Vor diesen Klischees ist auch "King of Devil's Island" nicht befreit. Auch hier gibt es den typischen Rebellen, der sich gegen das System auflehnt, den harten Gefängnisdirektor, den sadistischen Wärter, die drakonischen Strafen und die obligatorischen Fluchtversuche.
Normalerweise tut es Filmen nicht gut, wenn ihre Handlungsmuster schon weitesgehend bekannt sind. Doch "King of Devil's Island" schafft es, den Zuschauer die Klischees vergessen zu machen und eine unheimliche Spannung aufzubauen.

Das liegt zum einen an der Atmosphäre des Films. Die trostlose Gefängnisinsel Bastoy, irgendwo vor den Fjorden von Oslo, wird genial in Szene gesetzt. Die unberührte Natur, die Kälte der Luft und des Wassers, der langsam fallende Schnee, der raue Wind. Alles wird für den Zuschauer fast schon physisch spürbar, so wunderbar sind die Aufnahmen.
Und auch das Gefängnis selbst ist sehr authentisch dargestellt. Der spärlich ausgestattete Schlafraum, die engen Waschräume, das strenge, ordentliche Büro des Direktors. Alles wirkt so, als könnte es tatsächlich genau so existiert haben. Auch die Arbeit und die Strafen der jugendlichen Häftlinge wirken nicht so überzogen, wie in vielen anderen Gefängnisfilmen. Die Arbeit auf dem Feld, das Fällen der riesigen Bäume in der Kälte, alles ist sehr glaubhaft inszeniert und baut eine packende, authentische Atmosphäre auf.

Und auch die Schauspieler wissen zu überzeugen. Die alten Hasen, allen voran Stellan Skarsgard als unbarmherziger Anstaltsleiter machen einen hervorragenden Job. Die Stars des Films sind aber ganz klar die Jungdarsteller Benjamin Helstad und Trond Nilssen, die hier eine überragende Vorstellung abliefern. Man leidet ab Minute eins mit den Jugendlichen mit und entwickelt mit der Zeit einen immer größeren Hass auf den Anstaltsleiter und dessen Handlanger.

Als es dann an einem gewissen Punkt zu einem tragischen Vorfall kommt, ändert der Film noch einmal komplett seine Richtung. Aus einem normalen Gefängnisfilm wird ein Plädoyer für Freundschaft, Freiheit, Aufbegeheren gegen die Regeln der Obrigkeit und Anarchismus. Der Film nutzt die abgeschlossene Welt der Gefängnisinsel mit ihrer eigenen Hierarchie als Metapher für die Gesellschaft und demonstriert, wie einfach sich das Volk gegen die Herrschenden auflehnen könnte, wenn nur alle zusammenarbeiten.

Ein höchst bewegender Film, der den Zuschauer nach dem Ende erst einmal sprachlos zurücklässt. Er spricht viele Themen an, wirft Fragen auf und regt zur Diskussion an.

Dieser Film zeigt wieder einmal, dass man nicht mehr in Hollywood nach den Perlen suchen muss, sondern viel eher in Gefilden, die in Deutschland bisher kaum Beachtung erhalten haben, in diesem Fall Norwegen.
Ganz klare Kaufempfehlung, ein Muss für jeden Cineasten.
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am 2. August 2014
Auf der Insel Bastøy im Fjord vor Oslo liegt im Jahr 1915 das berüchtigte Zuchthaus für jugendliche Straftäter. Es sind zumeist Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen, die im Leben nicht Fuß fassen konnten. In der nach christlichen Idealen geführten Erziehungsanstalt erwartet sie ein Seelenbruch aus drakonischen Strafen, Züchtigung mit Körperverletzung und sexuellem Mißbrauch durch das Anstaltspersonal. Zu unterwürfigen Arbeitsmenschen sollen sie abgerichtet werden. Freigeister haben in der obrigkeitshörigen Gesellschaftsordnung jener Zeit keinen Platz.
Neuankömmlinge fügen sich schnell in das unbarmherzige System von Gewalt und Demütigung. Nicht so der junge Matrose Erling, der zusammen mit dem sensiblen Teenager Ivar in das Jugendgefängnis Bastøy eingeliefert wird. Der autoritäre Direktor, der sadistische Hausvater Bräthen und die gefügigen Jungen sind entschlossen, dem Trotzkopf Erling seine Widerspenstigkeit auszutreiben. Häftling C19, wie er jetzt nur bezeichnet wird, soll wie alle anderen mit strengen Regeln und hartem Arbeitsdienst geschliffen werden.
Ein erster Ausbruchsversuch scheitert, weil C19 in seiner Überheblichkeit einen Fehler begeht. Er vergißt nämlich, daß er nicht der einzige Gefangene auf der Insel ist. Dennoch erhebt ihn sein Mut bei seinen Leidensgenossen zum Helden. Nun beginnt er zu begreifen, daß Solidarität hier das Gebot ist. Das fordert er auch sogleich vom Ranghöchsten C1 ein, welcher als Vorsteher für eine Einhaltung von Ordnung und Disziplin in seiner Gruppe die Verantwortung hat. Olav, C1, war als Elfjähriger in das Gefängnis gekommen und hatte sich 6 Jahre lang gehalten und hochgedient. Jetzt steht er unmittelbar vor seiner Entlassung in die Freiheit. Ausgerechnet jetzt freundet er sich mit C19 an und wird durch dessen aufrührerische Gedanken in einen schweren Gewissenskonflikt gestürzt. Wird Olav die Gefängnisinsel als freier Mann verlassen können, während das Schreckensregime die Jungen weiter mißhandelt?
Olav nimmt sich ein Herz, er riskiert viel, um gegen das schreiende Unrecht aufzubegehren, aber er kommt damit zu spät, um den tragischen Tod eines gequälten Jungen noch zu verhindern. Doch nun brennt die Lunte. Der angestaute Haß bahnt sich seinen Weg. Schließlich bricht der Damm. Es kommt zur offenen Rebellion. Explosionsartig entlädt sich die Wut der so lange gedemütigten Jungen in einem bestialischen Gewaltrausch gegen die Aufseher. Nur noch die Armee kann die Revolte der Jugendlichen niederschlagen. Die Behörden auf dem Festland schicken ein Kriegsschiff, um die außer Kontrolle geratene Gefängnisinsel zurückzuerobern...

Norwegen beginnt im Filmjahr 2010 damit, die dunklen Kapitel seiner jüngeren Geschichte aufzuarbeiten. Während in dem Film "Yohan - Barnevandrer" in historischer Parallele zu den süddeutsch-österreichischen "Schwabenkindern" das leidvolle Schicksal der verarmten Kinder thematisiert wird, die im späten 19. Jahrhundert in Norwegen aus Hungergebieten im Westen als Landarbeiter zu Bauern im Osten wanderten, bringt "Kongen av Bastøy" die häßliche Seite des geschlossenen Erziehungsstrafvollzugs an minderjährigen Knaben in das öffentliche Bewußtsein.
Der Film basiert auf wahren Begebenheiten. Im extra Feature auf der DVD berichten Zeitzeugen, die in den letzten Jahren der erst 1953 geschlossenen Gefängnisanstalt Bastøy als Kinder eingesperrt waren, von den menschenverachtenden Verhältnissen, die dort herrschten. Sie bestätigen das, was der Zuschauer nur erahnt: Über viele Jahre ihrer prägenden Entwicklungsphase hinweg wuchsen sie in einer Umgebung von vollkommener Lieblosigkeit auf, ohne jede soziale und emotionale Bindung, nur dem eigenen Selbsterhaltungstrieb folgend.
Im Kinofilm wurden die Jungen in den Hauptrollen einige Jahre älter gemacht, wohl weil das Drehen mit älteren Darstellern einfacher ist, und weil man Kindern die Brutalität nicht zumuten wollte.
Für die Kinder auf Bastøy existiert keine Vergangenheit, es zählt nur das Hier und Jetzt; das ist die Devise des Direktors. Danach richtet auch Regisseur Marius Holst die Figuren aus. Es wird nicht erwähnt, weshalb die Jungen im Gefängnis sind. Nur bei einer Gelegenheit kommt ein kleiner Diebstahl als Ursache zur Sprache.
Erling stößt die Revolte an. Der interessantere Charakter ist der von Olav. Über Jahre hinweg wurde der Junge dazu erzogen, als Vorsteher der Baracke C seine Mitgefangenen gnadenlos zu Disziplin anzutreiben und jedes Vergehen zu bestrafen. Er sieht in diesem gefälligen Verhalten seine einzige Chance, so bald wie möglich die Freiheit zu erlangen. Jeder andere würde dasselbe tun, so glaubt er. Trotzdem hat Olav über die Zeit seine Menschlichkeit bewahrt. Vielleicht war es sogar gerade die extreme Situation, die den Jungen dazu zwang, sich zu seinem eigenen Schutz in sich zurückzuziehen und sich einen inneren Freiraum zu schaffen, in welchem er im Geheimen seine Gedanken entwickeln konnte. Der rebellische Erling erweckt in Olav das im Stillen herangereifte Gewissen.
Zwischen den zwei Jungen bildet sich eine Freundschaft. Was sie verbindet, ist die Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer in einer besseren Welt. Zeilen aus dem Roman "Moby Dick" begleiten die Freunde während der wenigen Momente, wo sie zusammen träumen dürfen, und auch bei der dramatischen Flucht über das brüchige Eis des zugefrorenen Fjords. Wie ein aufgetauchter riesiger Wal liegt der langgestreckte Buckel der Insel Bastøy im Meer. Das fahle Licht des Winters tilgt jede Farbe aus den Bildern. Nur das Blau der Häftlingsuniformen bleibt stehen. Das Filmmaterial wurde mit einem blau-grauen Filter bearbeitet, um die Kälte und Trostlosigkeit spürbar werden zu lassen. Hinter der Blässe der Gesichter brodelt das Blut, bis es durch die Eskalation der Ereignisse zum kollektiven Aufstand der Jugendlichen kommt. Laiendarsteller Trond Nilssen wuchs selbst im Heim auf, er kann in die Rolle des Olav viel eigene Erfahrung einbringen.
Während der einsame Direktor, klug gespielt von Stellan Skarsgård, zwar korrupt ist, jedoch, von den Erfolgsaussichten der Erziehung zutiefst überzeugt, auf subtile Weise eine schützende Hand auf die Jungen hält, verkörpert Hausvater Bräthen das durch und durch Schlechte im Charakter eines Menschen. Bräthen hat sich in der Abgeschiedenheit des Orts eine ideale Nische eingerichtet, wo er seine Machtposition ausnutzen kann, um sich unbehelligt an den Jungen zu vergehen.

DVD mit Wendecover
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am 25. September 2013
KING OF DEVIL'S ISLAND

Das norwegische Drama von Marius Holst erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte um die norwegische Gefängnisinsel Bastøy, welche als eine Besserungsanstalt für verhaltensauffällige und straffällige Jungen bis 1970 genutzt wurde.

Die (Film-) Geschichte spielt im Jahr 1915. Jungen verschiedensten Alters und sozialer Herkunft leben den harten und strengen Alltag unter Gefängnisdirektor Hakon (beängstigend gut: Stellan Skarsgård!), und man tut gut daran, ihm und seinen Angestellten ohne viel Fragerei Folge zu leisten.
Eines Tages kommt der wegen Mordes verurteile Erling als Neuling auf Bastøy an, zusammen mit mit dem schüchternen und naiven Ivar. Erling will sich den herrschenden Gesetzen und Gepflogenheiten keinesfalls unterordnen. Er lehnt sich auf, unternimmt sogar einen Fluchtversuch. Vergeblich. Was folgt sind drakonische Bestrafungen. Trotz der teils inhumanen Zustände auf Bastøy entstehen Freundschaften unter den Jungen. Man rottet sich zusammen, und als die Zustände in der Haftanstalt immer schlimmer werden, und sich Ivar wegen permanente sexuellen Missbrauch durch einen der angestellten "Hausväter" schliesslich das Leben nimmt, kommt es zur dramatischen und blutigen Revolte.

KING OF DEVIL'S ISLAND ist starker Tobak- das mal vorweg!
Hier ist nichts geschönt. Hier wird nichts romantisiert. Der Film zeigt ein in Norwegen auch heute noch gerne totgeschwiegenes und tiefdunkles Kapitel seiner Justizgeschichte.
Der absolut sehenswerte Film hält sich sehr dicht an die wenigen Fakten, Aufzeichnungen und wenigen Augenzeugen. (Mindestens genauso sehenswert wie der Hauptfilm ist die Doku über Bastøy, die es im Bonusmaterial gibt. Auch und gerade hier: Heftiges Zeug! Selbst mir kamen bei den Berichten der Augenzeugen die Tränen!)

Die größtenteils unbekannten Jungschauspieler machen einen beeindruckenden Job. Stellan Skarsgård- wie schon erwähnt- als diabolisch aber ruhiger Anstaltsleiter ist unglaublich! Die in kühlem Blau gehaltenen Bilder und die verschneite norwegische Landschaft verschaffen eine trostlose Atmosphäre, und somit passend zu dem Film.

FAZIT: KING OF DEVIL'S ISLAND ist bewegend, ergreifend und erschütternd.
Ein Drama über Freundschaft, Zusammenhalt und Zivilcourage.

Hochgradig sehenswert! Absoluter Tipp!

Volle und berechtigte Punktzahl!
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am 30. November 2013
Im Zug einer von Amazons Aktionen hab ich den Film als "Füllmaterial" mitbestellt
Somit bin ich ohne große Erwartungen an den Film herangegangen.

Was ich zu sehen bekam, war ein mitreißendes Drama, das mit einer wahren Begebenheit garniert, noch mehr Biss entwickelte.
Erwähnenswert ist auch die Tatsache, das viele der "Insassen" von "Amateurdarstellern" gemimt wurden, die selbst einem Stellan Skarsgard fast den Rang abliefen und mit einer Intensität ihre Rollen spielten, die einfach mitrissen und bewegten.

Das ganze Untermalt mit dem Charakter einer kleinen, kühlen Insel abseits des Festlandes und der saisonalen Kälte des "Nordens" die einen förmlich mit den Protagonisten mitleiden lässt.

Wer sich die Zeit nimmt und das beigefügte Bonusmaterial über die Geschehnisse auf der Insel zu Gemüte führt, wird wohl auch noch etwas an der Thematik zu knabbern haben.
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am 2. Januar 2013
Dieser Film hat es fast nicht in die deutschen Kinos geschafft. Nur ein paar kleine independent-Kinos haben ihn für relativ kurze Zeit überhaupt gezeigt. Es wundert mich in sofern nicht wirklich, als dass dieser Film mit realem Hintergund wahrlich nichts für einen denkfreien Popcornabend ist, und Betreiber ihn vermutlich nicht ins Programm genommen haben in dem Wissen, das nur Wenige ihn anschauen werden.

Die Geschichte spielt im Jahr 1915 auf der norwegischen Gefängnisinsel Bastoy. Dort gibt es ein Erziehungslager für auffällige oder straffällig gewordene Jungen, das mit eiserner Hand vom "Bestyreren", dem Oberauffseher (wieder einmal grandios: Stellan Skarsgård) geleitet wird. Dieser führt dort mit seiner Frau ein recht luxuriöses Leben, während die jungen Lagerinsassen Qualen, vornehmlich (aber nicht nur) psychischer Natur erleiden müssen, und bis zur Erschöpfung zu Schwerstarbeit gezwungen werden. Alles unter dem Deckmäntelchen der Umerziehung, Besserung und natürlich christlicher Nächstenliebe. Wer nicht spurt oder gar versucht zu fliehen, den erwarten schlimme Strafen.

Eines Tages kommt der junge Erling im Lager an, und ist von Anfang an nicht gewillt, sich die brutale Unterdrückung ohne Gegenwehr gefallen zu lassen. Doch sein Aufbegehren bezahlt er mit hohem Preis.
Als die Umstände im Lager unerträglich werden, kippt die Stimmung der Insassen endgültig von Angststarre zum Aufstand - mit fatalen Folgen und ohne Happy End.

Das Grauen in diesem Film schleicht sich leise an, und wird immer intensiver. Stellan Skarsgård als Bestyreren lässt einem das Blut in den Adern gefrieren, und der eisige, norwegische Winter kriecht einem über den Bildschirm fast bis auf die eigenen Knochen.

Auch einige unbekannte Jungschauspieler liefern eine beeindruckende Leistung ab (allen voran Benjamin Helstad als Erling). Der Film gewinnt noch unheimlich, wenn man ihn im norwegischen Original mit Untertiteln sieht, da die Atmosphäre mit den Originalstimmen nochmal um einges dichter und authentischer ist.
Für mich der Kinofilm des Jahres 2012.
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