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1.0 von 5 Sternen Globish? Rubbish., 6. Juli 2010
Von 
Wäre dieses Buch vor hundert Jahren erschienen, hätte ich es als antiquarische Unterhaltungslektüre durchaus genossen. Im 21. Jahrhundert auf einem gut erschlossenen wissenschaftlichen Gebiet - der Linguistik - eine solche Sammlung von unsinnigen Vorurteilen zu publizieren, ist jedoch unverzeihlich.

Das ganze Buch kreist um die arrogante und schlicht falsche Behauptung, dass Englisch zu einer Weltsprache geworden sei, weil es anderen Sprachen strukturell überlegen sei. Historische Gegenbeispiele wie Russisch und Arabisch werden ignoriert. So wie diese drei Sprachen verbreitete sich auch das Englische durch politisch-wirtschaftliche Expansion ' und nicht etwa deshalb, weil Substantive im Englischen kein grammatisches Geschlecht aufweisen.

Der Autor behauptet, dass Englische zu einer internationalen Verkehrssprache wurde, weil es nicht die grammatischen "Probleme" anderer Sprachen (üppige Morphologie, grammatisches Geschlecht etc.) aufweise. McCrum schreibt etwa, dass es im Altenglischen noch nicht möglich gewesen sei, "diffizile Gedanken ohne komplizierte Zusammensetzungen wie im Deutschen auszudrücken, z.B. frumwoerc (Schöpfung) aus fruma (Anfang) und weorc (Werk)". Soll heißen: Das Altenglische war so barbarisch und umständlich wie Deutsch. (Wie heißt noch mal "Weltanschauung" auf Englisch? Oder "Schadenfreude"?) Dass etwa die überkommene Rechtschreibung und die vergleichsweise große Zahl an Vokalen des Englischen Lernenden durchaus Probleme bereiten, wird ausgeblendet.

McCrums eigene Darstellung suggeriert auch einen umgekehrten Schluss: Dass die wiederholte Kolonisierung und Besiedlung der britischen Inseln, d.h. die Übernahme des Englischen durch anderssprachige Menschen, dieser Sprache ihre Komplexität nahmen (und seinen Wortschatz bereicherten), und nicht, dass das Englische sich so verbreiten konnte, weil es nicht so komplex ist.

Es ist ja schön, wenn jemand seine Muttersprache liebt, aber dieses Buch ist nichts weiter als eine pseudowissenschaftliche Bemäntelung eines sprachlichen Überlegenheitsdünkels, die an die Theorie von Türkisch als der überlegenen "Sonnensprache" erinnert - nur dass diese "Theorie von der Sonnensprache" im 21. Jahrhundert nicht mehr propagiert wird. Gewürzt ist die krude Mischung von McCrum mit kleinen Fehlern wie der Behauptung, dass Kornisch "Gälisch" sei (Keltisch ja, aber nicht Gälisch).

Zum Glück gibt es zu diesem Thema durchaus fundierte und nicht minder unterhaltsame Bücher, z.B. Stories of English und English as a Global Language von David Crystal.
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