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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Aufstieg und Fall der Chicago-Boys, 10. Januar 2011
Von 
Dr. Christian Donninger "vulgo Chrilly" (Altmelon, Waldviertel) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch behandelt jeweils in einem eigenen Kapitel fünf zentrale Thesen des Markt-Liberalismus. The Great Moderation, The Efficient Market Hypothesis, Dynamic Stochastic Equilibrium, Trickle-Down Economics, Privatization.
Jedes Kapitel ist in die Abschnitte Birth, Life, Death, Reanimation, After the Zombies und Further Reading unterteilt.
Das Buch richtet sich an ein breiteres Publikum. Der Autor kann auch sehr gut erklären. Es ist aber keine simple polemische Abrechnung mit den Thesen des Markt-Liberalismus, sondern eine relativ fundierte wissenschaftliche Analyse. Man muss kein Ökonom sein um dieses Buch zu verstehen. Ohne gewisse Vorkenntnisse warum es überhaupt geht wird man aber auch nicht sehr klug werden.
Es werden die einzelnen Theorien der besseren Verständlichkeit wegen separat behandelt. Quiggin erklärt aber auch die inneren Zusammenhänge. Obwohl die einzelnen Thesen teilweise bizarr wirken (z.B. Rationale Erwartungen), als geschlossenes Ideensystem hat der Markt-Liberalismus durchaus seine innere Logik. Man muss nur ein paar Grundprinzipien glauben und keinen allzu scharfen Blick auf die Wirklichkeit richten. Aber das gilt wohl für die meisten Ideologien.

Der Crash von 2008 war das denkbar eindeutigste "Experiment" welches man sich zur Widerlegung einer wissenschaftlichen Theorie vorstellen kann. Wie der Titel des Buches bereits sagt, geht Quiggin aber keineswegs davon aus, dass der Markt-Liberalismus damit erledigt ist.
"An approach to economoics that has been dominant for more than three decades will not go away simply because its predictions are inconsistent with the facts".
Ein ehemaliger - und inzwischen zum Keynsianismus übergelaufener - Marktliberaler drückt dies so aus:
"Market corrections work very slowly in dealing with academic markets. Professors have tenure. The have lots of graduate students in the pipeline who need to get their Ph.D.s. They have techniques that they know and are comfortable with. It takes a great deal to drive them out of their accustomed way of doing business".

In letzter Konsequenz bedeutet dies: Die Ökonomie erfüllt nicht die minimale modernen Anforderungen an eine Wissenschaft. Sie kann nicht durch ein noch so spektakuläres Experiment widerlegt werden. Man frägt sich auch: Was ist das für eine Wissenschaft, wenn Theorien für die man vor kurzem den Pseudo-Nobelpreis bekommen hat, ein Zombie-Stadium erreicht haben. Bei den echten Nobelpreisen Chemie, Physik und Medizin wäre eine derartige Situation wohl undenkbar. In diesen Disziplinen sind die heutigen Ergebnisse sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, aber vollkommen daneben werden sie auch nicht sein.

Quiggin bezeichnet sich selbst als Social-Democrat. Er charakterisiert diese Position im Buch mit:
"Rejecting both nineteenth-century classical liberalism and the mechanistic determinism of orthodox Marxism, social democrats saw themselves as 'civilizing capitalism'."
Es erhebt sich für mich allerdings die Frage, ob man diesen Barbaren wirklich zivilisieren kann. Quiggins Vorschläge etwa für eine Reform des Finanzsystems sind auf Grund dieser Position sehr halbherzig. Sie funktionieren nur, wenn sich der Barbar auch aus innerer Einsicht an die Regeln der Zivilisation hält.

Ich habe dieses Buch primär aus allgemeinen Interesse gelesen. Allerdings habe ich trotz seines populärwissenschaftlichen Anspruches auch Konkretes für meine Arbeit gelernt. Ich habe den DaLEI (Daily-Leading Index) entwickelt. Der orientiert sich am LEI (Leading Index) des US-Conference Boards. Der DaLEI wird täglich, der LEI monatlich neu berechnet.
Als Ausgangspunkt habe ich die Komponenten des LEI genommen. Allerdings gab es bei der Komponente "Money-Supply" überhaupt keinen plausiblen Zusammenhang mit der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung. Insbesondere war die Relation im Crash 2008 vollkommen falsch. Ich habe diese Komponente aus statistischen Gründen weggelassen. Im Buch habe ich gelernt: Das ist ein Zombie-Konzept aus der Feder von M.Friedmann.
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5.0 von 5 Sternen Gedankenloses Vertrauen in Märkte, 15. November 2010
Von 
Die Finanzkrise hat gezeigt, dass die Vorstellung vom effizienten Markt gescheitert ist. Der Kasinobetrieb namens Finanzmarkt hat viele der Annahmen hinter der herrschenden Wirtschaftslehre blossgestellt, dass marktorientierte Lösungen immer am besten sind, unabhängig von der Art und Weise des Problems. Die Protagonisten der neoklassischen Theorie haben jahrzehntelang die Mainstream Economics beherrscht. Ihr Einfluss hat ein System erzeugt, wo ein gedankenloses Vertrauen in Märkte viele in spekulative Investitionen verleitet hat, welche als grundsätzlich sicher gesehen wurden. Die Krise schien diese Ideen getötet zu haben. Aber sie leben immer noch in den Köpfen vieler Mitglieder der Öffentlichkeit, Ökonomen, Politiker und auch derjenigen, die jetzt mit dem Aufräumen des Schlamassels beauftragt sind. Kurzum suchen die toten Ideen auf dem Friedhof der ökonomischen Ideologie das Land weiter heim.

Dieses tolle Buch befasst sich mit einigen dieser Ideen, die in der Krise eine Rolle gespielt haben. Es sind: (1) Great Moderation: Die Idee, dass die Periode, die 1985 begonnen hat, eine beispiellose makroökonomische Stabilität bot, (2) Efficient Markets Hypothesis: Die Idee, dass die von den Finanzmärkten erzeugten Preise die bestmögliche Schätzung des Wertes einer Investition repräsentieren, (3) Dynamic Stochastic General Equilibrium (DSGE): Die Idee, dass die makroökonomische Analyse sich um gesamtwirtschaftliche Aggregate wie Handelsbilanzsaldos und Schuldenstand nicht kümmern soll. Sie soll konsequent aus mikroökonomischen Modellen des individuellen Verhaltens abgeleitet werden, (4) Trickle-down Economics: Die Idee, dass die Wirtschaftspolitik, die den Wohlhabenden nutzt, schliesslich allen zu Gute kommt, und (5) Privatization: Die Idee, dass jede Funktion, die durch den Staat unternommen wird, durch private Unternehmen besser gemacht werden kann.

John Quiggin, Wirtschaftsprofessor an der University of Queensland in Australien, erklärt mit Zitaten, Geschichte, Theorie und harten Fakten, wie die toten Ideen noch immer unter uns weilen und warum wir einen Weg finden müssen, um sie für immer zu töten, wenn wir eine grössere Finanzkrise in Zukunft vermeiden wollen. Der Autor stellt jede Zombie-Idee systematisch vor: 'Geburt, Leben, Tod, Reanimation und die Phase nach der Zombie'. Es werden also die Ursprünge, Folgen und die Implosion eines Systems von Ideen, deren Zeit gekommen und gegangen ist, ausführlich anhand von epochalen Ereignissen auch für Laien verständlich erläutert: Eine Art tour d'horizon der Wirtschaftslehre auf einer intellektuell hohen Ebene. Da diese Ideen niemals sterben werden, es sei denn, es gibt eine Alternative, bietet Quiggin, was die herrschende Lehre, die er 'market liberalism' bezeichnet, ersetzen könnte: Eine einfache Rückkehr zum traditionellen Keynesianismus und zur Politik des Wohlfahrtsstaates wird nicht ausreichen, die Ideen zu erlegen oder künftige Krisen zu vermeiden. Erforderlich sind: Mehr Realismus, weniger Strenge. Mehr Eigenkapital, weniger Effizienz. Mehr Demut, weniger Hybris. Ein erfrischendes Wirtschaftsbuch. Unbedingt lesenswert.
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