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32 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Mensch in der Evolutionstheorie, 6. Januar 2006
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Charles Darwins Buch "Über die Entstehung der Arten" war 1859 ein Paukenschlag, wie es ihn in der Geschichte der Wissenschaft vorher und nachher kaum je gegeben hat. Seither spielt sich praktisch jede Diskussion unter Biologen vor dem Hintergrund der Evolutionstheorie ab. Zahlreiche Wissenschaftler machten sich Darwins Thesen rasch zu Eigen und vertraten sie energisch, während die Gegnerschaft sich vor allem aus weltanschaulichen Motiven speiste. Darwins Evolutionstheorie wurde, ohne dass er diese Möglichkeit besonders betont hätte, sofort auch auf den Menschen bezogen - und naturgemäß war dies der Punkt, an dem sich die Geister am erbittertsten schieden. Erst zwölf Jahre nach seinem Hauptwerk veröffentlichte Darwin "Die Abstammung des Menschen". Das Buch ist die Anwendung der Evolutionstheorie auf den Menschen, aber Darwin erklärt darin nicht nur die physische Abstammung, sondern auch und sogar vorwiegend die des Verhaltens. Das Buch handelt vor allem davon, was den Menschen vom Tier unterscheidet und wo Ähnlichkeiten bestehen. Daher kann es zum Großteil auch vom heutigen Leser mit Gewinn gelesen werden. Darwin nimmt eine Einsicht vorweg, die sich erst in den letzten Jahrzehnten durchgesetzt hat: Der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist auf keinem Gebiet ein grundsätzlicher, sondern stets nur ein gradueller.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Religion als „höchst wichtiger“ Teil der rein natürlichen Evolution des Menschen, 16. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Zwölf Jahre nach seinem Buch „Über die Entstehung der Arten“ veröffentlicht Darwin 1871 sein zweites großes Werk, jetzt über „Die Abstammung des Menschen“. Das heutige Wissen deckt in diesem Werk natürlich einige Irrtümer auf, wie besonders das Prinzip der „Vererbung erworbener Eigenschaften“ von Lamarck, das Darwin nach anfänglicher Ablehnung gerade in diesem Buch wieder vertritt. Wer deswegen aber meint, dass dieses Werk an sich nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist, sollte diejenigen Erkenntnisse des Buches zu verstehen versuchen, in denen Darwin auch unserer heutigen Zeit noch weit voraus ist.

Das betrifft insbesondere das Verständnis der Religion im evolutionären Prozess der Menschwerdung. Viele Menschen vertrauen bis heute noch immer blindlings und naiv den durch übernatürliche Kräfte oder Wesen angeblich offenbarten (moralischen) Verhaltensvorschriften und Weltbildern und halten das für objektiv wahr und absolut (das steht etwa auch hinter der Auseinandersetzung zwischen den von der christlichen Religion stark geprägten USA und dem Terror islamistischer Fundamentalisten). Dagegen halten diejenigen, die den Glauben an übernatürliche Kräfte und Wesen nicht nur ablehnen, sondern das auch begründen bzw. es sich sogar zur Lebensaufgabe gemacht haben, die Religion zu bekämpfen, wie besonders die sogenannten »neuen Atheisten« und allen voran der Evolutionsbiologe Richard Dawkins, die Religion für eine „Fehlfunktion“, einen „geistigen Virus“, für „eine riesige Verschwendung von Zeit und Menschenleben“ und ein „Witz mit kosmischen Ausmaß“, der letztlich „zu rein gar nichts“ gut ist. Welche naturwissenschaftliche Bankrotterklärung für ein evolutionäres Phänomen mit „kosmischen Ausmaß“!
Darwin bietet dagegen schon eine umfassende und tiefgehende Lösung und Erklärung der heute in der globalisierten Welt aufeinanderprallenden und sich widersprechenden verschiedenen Religionen, indem er die Religion konsequent im Rahmen seiner Evolutionstheorie als ein vollkommen natürliches Phänomen versteht, das dann selbstverständlich einen seiner Verbreitung entsprechenden Nutzen besitzt.

Zunächst erkennt Darwin dazu in seiner „Abstammung des Menschen“ (vom Tier) „daß von allen Unterschieden zwischen dem Menschen und den Tieren das moralische Gefühl oder das Gewissen der weitaus bedeutungsvollste sei. Dieses Gefühl beherrscht, wie Mackintosh bemerkt, 'rechtmäßigerweise jedes andere Prinzip menschlicher Tätigkeit'; es wird in jenem bedeutungsvollen, kurzen, aber gebieterischen Wörtchen 'du sollst!' zusammengefaßt. Es ist das edelste aller Attribute des Menschen; es treibt ihn an, sein Leben ohne Zögern für ein Mitgeschöpf zu wagen, oder nach sorgfältiger Überlegung, einfach durch das tiefe Gefühl des Rechts oder der Pflicht, irgendeiner großen Sache zu opfern“ (Darwin 2002, 121-122). Das gilt, gerade heute, nicht mehr nur hinsichtlich der Religion, sondern neben etwa der Politik usw. auch gegen die Religion! Aber Darwin nimmt im Gegensatz zu den neuen Atheisten in seinem „du sollst!“ in einem natürlichen Religionsverständnis die große Rolle der Religion in der Geschichte bei diesem „edelsten Attribut des Menschen“ wahr, das ihn als „du sollst!“ und Gewissen von seinen animalischen Instinkten erst abhebt: „Höchst wichtig, wenn auch nicht notwendig, ist ein anderes Element: die Verehrung oder die Furcht vor Göttern oder Geistern, an die ein Mensch glaubt. Dies spricht vor allen Dingen bei Gewissensbissen mit“ (Darwin 2002, 144).
Darwin ist den heutigen Religionskritikern also darin haushoch überlegen, indem er den natürlichen, evolutionären Nutzen des religiösen Glaubens erkennt, und zwar in seinem „kosmischen Ausmaß“, und er eine diesem Ausmaß entsprechende natürliche, evolutionäre Erklärung liefert. Für ihn ist daher der Glaube an Gott nicht angeboren oder instinktiv, obwohl „andererseits der Glaube an alles durchdringende geistige Kräfte universal zu sein [scheint]; dieser Glaube bedeutet offenbar einen beträchtlichen Fortschritt der menschlichen Vernunft und einen noch größeren Fortschritt seiner Einbildungskraft, Neugierde und seines Wissensdranges“ (Darwin 2002, 271-272). Der Glaube an übernatürliche Dinge ist ein ganz entscheidender Teil der menschlichen Evolution und Ausdruck des menschlichen Geistes.

Bei diesem Glauben an übernatürliche Dinge erkennt Darwin ganz nach den Gesetzen seiner Evolutionstheorie zudem eine Entwicklung, denn es waren „dieselben hohen geistigen Fähigkeiten, die den Menschen zuerst zum Glauben an unsichtbare geistige Kräfte brachten, dann zum Fetischismus, Polytheismus und endlich zum Monotheismus führten“ (Darwin 2002, 121). Weiter heißt es bei ihm: „Als aber der Mensch geistig Schritt um Schritt höher stieg und auch die fernsten Konsequenzen seiner Handlungen ziehen lernte, als sein Wissen bis zu einem Punkte vorgeschritten war, wo es die Verderblichkeit der abergläubischen Gebräuche erkannte, als er mehr und mehr nicht nur das Wohl, sondern auch das Glück seiner Mitmenschen berücksichtigen lernte, als sich sein Wohlwollen, durch wohltätige Erfahrung, durch Unterricht und Beispiel verfeinert und erweitert, schließlich auf die Angehörigen aller Rassen, ja selbst auf die nutzlosen Glieder der Menschheit, die Idioten und Krüppel, und endlich auch auf die Tiere erstreckte, da wurde auch der Maßstab seiner Sittlichkeit größer und erhabener“ (Darwin 2002, 158-159), wobei „die Sittlichkeit tatsächlich seit den frühesten Zeiträumen der Menschengeschichte eine aufsteigende Linie verfolgt habe“ (Darwin 2002, 159).
Diese Entwicklung geschah aber nicht einfach so, sondern ergab sich notwendig aus einer Änderung der sozialen Struktur der Menschengruppen (die wiederum durch eine durch die geistigen Fähigkeiten verursachte Änderung der Lebensweise vom nomadenhaft lebenden Jäger und Sammler zum sesshaften Ackerbauern, Viehzüchter und Handwerker bedingt war). Darwin schreibt dazu: „Wenn der Mensch in der Kultur fortschreitet und kleine Stämme zu größeren Gemeinwesen sich vereinigen, so führt die einfachste Überlegung jeden Einzelnen schließlich zu der Überzeugung, daß er seine sozialen Instinkte und Sympathien auf alle, also auch auf die ihm persönlich unbekannten Glieder desselben Volkes auszudehnen habe. Wenn er einmal an diesem Punkte angekommen ist, kann ihn nur noch eine künstliche Schranke hindern, seine Sympathien auf die Menschen aller Nationen und aller Rassen auszudehnen“ (Darwin 2002, 155).

Die Richtung und die „aufsteigende Linie“ sieht Darwin vollkommen richtig, die zuletzt zitierte Schlussfolgerung ist aber aus heutiger Sicht eindeutig zu optimistisch. Diese Fehleinschätzung von ihm ist zwischenzeitlich durch die beiden großen Katastrophen des letzten Jahrhunderts praktisch empirisch belegt, besonders auch in Verbindung mit seiner Annahme: „hochzivilisierte Völker [..] verdrängen und vernichten einander nicht wie wilde Stämme“ (Darwin 2002, 184). Darwin hat hierbei den als Pendant fungierenden Instinkt zu dem von ihm oben genannten sozialen Instinkt der Sympathie nicht auf der Rechnung. Diese Lücke füllt Konrad Lorenz aus, der in seinem Buch „Das sogenannte Böse“ genau diesen gegensätzlich wirkenden sozialen Instinkt mit „sozialer Aggression“ umschreibt. Als Pendant zu Darwins sozialem Instinkt der Sympathie ist es der soziale Instinkt der Unsympathie, der Abneigung oder des Hasses zwischen Mitgliedern derselben Art.
Darwin hat zwar diesen gegensätzlichen Instinkt der Unsympathie nicht als solchen genannt, aber er hat gesehen: „Diese Gefühle und Hilfeleistungen werden aber durchaus nicht auf alle Individuen derselben Spezies ausgedehnt, sondern nur auf die derselben Gemeinschaft“ (Darwin 2002, 123). Und er hat die bis heute geltende Wirkung dieses gegensätzlichen sozialen Instinktes klar und treffend beschrieben, wenn er feststellt (wobei diese seine Aussage im Sinne von Lorenz wie folgt im eckigen Klammerzusatz erweitert werden kann): „daß wir offenbar in unserem Urteile durch die bloße Farbe der Haut und des Haars, durch unbedeutende Verschiedenheiten in den Gesichtszügen und durch den Ausdruck [auch als bloßes Bekenntnis der Zugehörigkeit zu einer bestimmten politischen oder religiösen Idee] sehr beeinflußt werden [ein Feindbild zu anderen Gruppen unserer eigenen Spezies aufzubauen und diese dann aggressiv zu bekämpfen]“ (Darwin 2002, 217).
Alle Instinkte, die der Mensch in seiner Abstammung vom Tier geerbt hat, sind genetisch verankert und wirken weiterhin. Sie können darin immer nur unzureichend auf kulturelle Weise mit dem auf vielfache Weise wirkenden „Du sollst!“ überdeckt werden. Auf diese Weise ist es mit Hilfe der Religion gelungen, die entstandenen größeren Gemeinwesen als Reiche, Staaten und Unionen innerlich so zu stabilisieren, dass sie nicht nur durch pure Gewalt zusammengehalten werden wie noch im Römischen Reich. Trotzdem wirkt der Instinkt der Unsympathie bis heute in vielfacher Weise weiter, sowohl im offenen Rassismus, als auch in einer Religionskritik, die dabei ein festes Feindbild aufbaut und selbst zwischen und innerhalb der eigentlich in ihrem Wirken heute gegen diesen Instinkt gerichteten Religionen kommt dieser Instinkt immer wieder zum Vorschein (und ruft neben den Spannungen und Kriegen zwischen den verschiedenen Religionen auch die Spaltungen innerhalb einer Religion hervor).

Darwin nach war auch der Monotheismus erst ab einem bestimmten Stand der kulturellen Entwicklung möglich und nötig, denn: „Die Idee eines allmächtigen und allgütigen Schöpfers scheint im Geiste des Menschen nicht eher zu entstehen, als bis ihn eine lange Kultur erhoben hat“ (Darwin 2002, 272). Das gilt heute auch für die Religionskritik, d.h. das Verdienst und der Nutzen der Religion heißt nicht, dass sie ab einem bestimmten Stand der kulturellen Entwicklung nicht selbst und an sich zu einem unangepassten Verhalten werden kann, so wie viele spezielle Religionsformen und viele andere Verhaltensweisen und Lebewesen zuvor in der Evolution. Es kommt aber dann darauf an, wie das vollzogen wird: Eher bestimmt durch den Instinkt der Unsympathie, was in Hinsicht auf die von Darwin beschriebene kulturelle Gesamtentwicklung des Mensch-Seins als „aufsteigende Linie“ kontraproduktiv ist, oder mehr bestimmt vom Instinkt der Sympathie. Darwin liefert in seinem Buch alle nötigen Erkenntnisse zu einer umfassenden natürlichen und evolutionären Erklärung des Phänomens der Religion, so dass gleichzeitig ihr vergangener großer Wert, aber auch die heutige, immer größer werdende Unangepasstheit dieser Verhaltensweise mit der exklusiv menschlichen Eigenschaft der Vernunft eingesehen werden kann. Das ist dann eine kulturelle Weiterentwicklung, bei der trotz der Kritik und nötigen Anpassung einer uralten vertrauten Verhaltensweise der Instinkt der Sympathie mitspielt und bestimmend ist.
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Die Abstammung des Menschen (Illustriert)
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