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70 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Krankheit akzeptieren lernen
Eine Krankheit als König zu bezeichnen, ist schon etwas ungewöhnlich. Aber wenn man das Buch liest, kommt einem manchmal tatsächlich dieser Vergleich in den Sinn - so allgegenwärtig, mächtig und unbesiegbar die Krankheit dort oft erscheint. Der Autor versucht auch nicht, ein neues Versprechen auf Heilung zu machen, wie so viele andere...
Veröffentlicht am 22. Februar 2012 von Falk Müller

versus
11 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nichts für Feiglinge!
Das Buch beleuchtet diese Krankheit nur einseitig, das heißt, von der wissenschaftlichen Seite. Es ist zwar interessant zu lesen, macht aber auch gleichzeitig Angst. Ich bin selber von Krebs betroffen, und mir ging es nach der Lektüre dieses Buches schlechter als vorher! Ich würde es niemandem empfehlen, der diese Krankheit selber hat...Dieses Buch zeigt...
Veröffentlicht am 31. März 2013 von Marion Keilhau


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70 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Krankheit akzeptieren lernen, 22. Februar 2012
Von 
Falk Müller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Eine Krankheit als König zu bezeichnen, ist schon etwas ungewöhnlich. Aber wenn man das Buch liest, kommt einem manchmal tatsächlich dieser Vergleich in den Sinn - so allgegenwärtig, mächtig und unbesiegbar die Krankheit dort oft erscheint. Der Autor versucht auch nicht, ein neues Versprechen auf Heilung zu machen, wie so viele andere Anti-Krebsbücher. Sondern er lehrt einen anderen Umgang mit der Krankheit.

Zunächst zeigt er, dass Krebs alles andere ist, als eine moderne Zivilisationserkrankung. Stattdessen bezeichnet der Autor den Krebs als dunklen Menschheitsbegleiter, dem schon einst der berühmte Mediziner Hippokrates den Namen gab, weil diesem die Form eines Geschwürs an das gleichnamige Tier erinnerte. Mukjherjee beschreibt anhand von Fällen die Entwicklung der Krankheit über die Jahrhunderte, erläutert erlebte und erlittene Medizingeschichte.

Besonderes Augenmerk richtet er auf das 20. Jahrhundert, als man fortschrittsgläubig hoffte, mit immer neuen Methoden wie Radikalchirurgie, Bestrahlung oder Chemotheraphie den Krebs besiegen zu können. Doch dieser erwies sich jedes Mal als stärker. Im Gegenteil waren die Theraphien oft selbst lebensgefährlich, manchmal gar tödlich für die Patienten.

Und hier beschreibt der Autor ein Umdenken in den letzten Jahren. Denn in der letzten Zeit ist man dazu übergegangen, die Existenz der Krankheit zu akzeptieren, statt einen nicht zu gewinnenden, verlustreichen Krieg gegen sie zu führen. Und dies bedeutet, dass versucht wird, die Folgen der Krankheit mit humaneren Methoden erträglich zu machen. Die Bedeutung der Palliativmedizin wird beschrieben, welche noch vor einigen Jahrzehnten als Kapitulation vor dem Krebs verstanden wurde.

Fazit: Ein interessanter, neuer Ansatz des Autors, der helfen kann, mit einer Krankheit besser umzugehen, welche man nicht endgültig besiegen kann.
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61 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein meisterlicher Kriegsbericht, 9. März 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich lese eigentlich keine Fachliteratur, keine Geschichtsbücher und schon gar nicht medizinische Bücher. Die Werbungen und euphorischen Kritiken (und der Pulitzer-Preis sagt ja auch einiges aus...) zu diesem Buch verleiteten mich, tief in meine Tasche zu greifen und es mir blind zu kaufen und ich bin begeistert.
Es ist keine Biografie der Krankheit Krebs (die ja auch viel zu unterschiedliche Formen und Arten aufweist), es ist eher eine Geschichte des Kampfes gegen den Krebs. Und damit ist es ein Kriegsbericht geworden.
Selbst betroffen weiß ich, dass der Kampf gegen Krebs viel militärische Bilder braucht. Mukherjee benutzt diese Bilder und das erschreckt schon manchmal. Da er aber immer wieder die Menschen, die den Krebs bekämpfen, ausführlich beschreibt wird der Schrecken gebrochen und es wird Menschlichkeit vermittelt. Die Helden sind dabei teilweise die Ärzte, deren Fehler und persönlicher Ehrgeiz aber auch schonungslos aufgedeckt werden - die wahren Helden sind aber immer wieder die erkrankten Menschen und ihre Kraft und ihr Kampf.
"Der König aller Krankheiten" ist ein schweres Buch. Teilweise musste ich es beim Lesen aus der Hand nehmen, da mir mein Arm schwer wurde, noch öfter musste ich es allerdings zur Seite legen, weil meine Gefühle mit mir durchgingen. Ich hätte nicht gedacht, dies je von einem Sachbuch sagen zu können.
Dieses Buch fesselt wie ein Krimi. Ich denke, es ist schon jetzt ein Klassiker.
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68 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen human, ehrlich, würdigend, 29. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Von Beruf Historiker war ich gegenüber diesem scheinbar naturwissenschaftlich-medizinischen Werk abwartend-vorsichtig. ABER: Welch ein humanes, aufrichtiges, packendes, ehrliches, demütiges, bewegendes Buch eines jungen Medizinprofessors, der besser schreiben kann als viele Profi-Philologen.
Ein Roman, Essay, Therapeutikum als Würdigung des Lebenskampfes der Patienten in einem. Ein Jahrhundertbuch und eben viel mehr als ein Sachbuch.
Dr. M. Ackermann, Krebspatient.
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76 von 86 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Reise ins Inferno!, 22. Februar 2012
Von 
Caliban (Süddeutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Das vorliegende Werk wurde von der New York Book Review zu einem der zehn besten Bücher des Jahres 2010 gewählt. Die Besprechung dort war so euphorisch, dass ich mich - obwohl von dieser schlimmen Krankheit nicht betroffen und nicht unter morbidem Geschmack leidend - doch zur Lektüre entschlossen habe. Bei diesem Thema versteht es sich, dass man als Leser ungefähr alle 5 Seiten kräftig schlucken muss; es beginnt bereits mit einem Hammer-Zitat im Vorspann: In den USA erkranken eine von drei Frauen und einer von zwei Männern zu Lebzeiten an Krebs.
Das eigentlich Werk setzt mit der Geschichte einer berufstätigen Frau, Hausfrau und Mutter ein, die ohne große Voranzeichen an Leukämie erkrankt und der von heute auf morgen eine Überlebenschance von 30% bei einer Chemotherapie von 1 Jahr (!) prognostiziert wird; sie ist ungläubig erleichtert, denn sie hatte ihren eigenen Fall schon aufgeben. Das Beispiel zeigt dem Alltagsleser beeindruckend, was seine Erfahrungsswelt von der eines Betroffenen trennt, wie schnell aber auch die eine in die andere übergehen kann.

Der Stil des Buches ist im Gegensatz zu diesen schockierenden Informationen sehr empathisch und sensibel gehalten; der Autor legt es nicht auf billige Sensationen oder Schockeffekte an, die hier an jeder Wegbiegung zu haben wären. Er selbst erlebt den Fall der an Leukämie erkrankten Frau als Assistenzarzt und zeigt dem Leser, was ein neuer Leukämiefall auch aus Sicht der betroffenen Ärzte an Belastungen bedeutet. Die Bösartigkeit und vermeintliche Unbezwingbarkeit der Krankheit "Krebs" veranlasst ihn erst dazu, eine Art "Biographie" des Königs der Krankheiten zu schreiben.

In deren ersten Teil geht es um die Geschichte der Krebsforschung, die darstellerisch geschickt um den Chemiker und Pathologen Sidney Farber angeordnet ist, der als erster Leukämie mit einer Chemotherapie bekämpfte. Es fällt auf, dass in ersten Abschnitt vor allem deutsche, englische und amerikanische Ärzte eine hervorragende Stellung in der Medizingeschichte einnehmen. Bei allem Schrecken bleibt dabei auch Zeit für den einen oder anderen ironischen Schwankt ("Humours in Tumors" lautet eine Bildüberschrift): Der deutsche Arzt Paul Ehrlich erhält nach Verleihung des Nobel-Preises eine Audienz beim Hypochonder Kaiser Wilhelm II., der ihn ängstlich fragt, ob er auch ein Mittel gegen Krebs bereit habe (Ehrlich hatte ein Mittel gegen Syphilis gefunden). Als Ehrlich ausholt, um die Schwierigkeiten einer Krebstherapie zu erklären, wird er vom Monarchen indes rasch und ungeduldig hinausgewunken; an Problemen war man offensichtlich nicht interessiert. Düster hingegen erscheint der Hinweis auf einen Papyrus des Ägypters Imhotep (Architekt der Stufenpyramide von Sakkara), der im 3. Jahrtausend vor Christus an ca. 50 Fallbeispielen verschiedene Krankheiten und deren Heilung beschreibt, bei Brustkrebs aber einsilbig verlauten lässt: Heilmittel existieren nicht. Der Leser erfährt viel von den Leistungen der Chirurgen, der Röntgenologen und vor allem in den weiteren Teilen über die modernen Möglichkeiten der Chemotherapie. Dazwischen findet sich ein ausführliches Kapitel, dessen Titel für sich spricht "Prevention is the cure". Gegen Ende werden die Informationen zu den spezifischen Forschungsrichtungen der Onkologie immer spezfischer und - nicht untytpisch für dieses literartische Genre - auch etwas hoffungsstiftender. Dennoch lässt einen der Ernst des Sujets und dessen Schwere betroffen zurück.

Das Buch ist glänzend geschrieben und kann dem Interessierten vor allem deshalb empfohlen werden. Demjenigen, der persönlich nach Argumenten sucht, sich das Rauchen abzugewöhnen oder sich mit den zunehmenden Rauchverboten in der Öffentlichkeit abzufinden, sei vor allem das Kapitel "Prevention is the Cure" empfohlen.

Fazit: Ein gut geschriebenes Buch zu einem furchtbaren Thema!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartig, 16. April 2012
Wenn ich je ein Buch gelesen habe, das den Pulitzerpreis verdient hat, dann dieses.

Ein Buch über Krebs, kann das unterhaltsam sein, fragt man sich nicht zu Unrecht. Ja, und wie! Spannend wie ein Thriller ist dieses umfangreiche und brillant recherchierte Werk, dazu in einer Sprache geschrieben, die Fachleute genauso verstehen werden wie der unbedarfte Leser. Und das macht die Größe dieser Biografie aus: Die Sprache! Ich weiß nicht, wie viel Lob auch der Übersetzerin gebührt, aber ich hatte das Gefühl, einen Pageturner zu lesen, so dramatisch wird hier beschrieben, wie hilflos, manchmal bizarr und leidenschaftlich sich einzelne Wissenschaftler und Ärzte dem Kampf gegen den Krebs widmen.

Hinzu kommt eine sehr feinfühlige Betrachtung der Patienten, die ihresgleichen sucht. Ein tolles Fachbuch, das weder erleichtert, noch ängstlich macht. Vielmehr habe ich gelernt, dass Krebs das Stärkste ist, das der menschliche Organismus entwickelt hat. Leider hat es sich gegen uns gewendet. Ein Paradoxon, das nach Lektüre des Bouches deutlich wird. Krebs ist ein Teil von uns uns wird auch in naher Zukunft nur selten heilbar sein.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen zur Kindle Edition, 21. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der König aller Krankheiten: Krebs - eine Biografie (Kindle Edition)
Das Buch ist inhaltlich wirklich gut, spannend geschrieben, informativ, mitreißend.
Leider sind Abbildungen enthalten, die in der Kindle-Edition kaum zu erkennen sind.
Man kann sie zwar vergrößern, aber auf dem Display sind sie stark verpixelt.
Schade, wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich wohl doch zur Papier-Ausgabe gegriffen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mut beim Schreiben, Mut beim Lesen, 15. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch ist das bemerkenswerteste Sachbuch, welches in in den letzten Jahren (oder überhaupt) gelesen habe. Das betrifft sowohl die gewaltige Herausforderung, die umfangreichen, schwer mit einem roten Faden zu verknüpfenden Fakten zu einem gut strukturierten Buch zusammenzufassen, als auch den Mut, sich diesem Thema überhaupt anzunehmen. Normalerweise starten Autoren ein solches Projekt erst dann, wenn sie am Ende mit einem Happy-End glänzen können.
Phänomenal finde ich den Detailreichtum der medizinhistorischen Reise. Diese Menge an kleinen Geschichten hinter den Geschichten und skurillen Begebenheiten zusammenzutragen, erfordert normalerweise ein halbes Menschenleben. Mit welcher Leichtigkeit Wissenschaft nebenbei erklärt wird (z.B. Ames-Test, Pap-Test), lässt die meisten Lehrbücher alt aussehen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass Mukherjee nicht nur das WIE der Entdeckung erklärt, sondern auch das WARUM und den wissenschaftlichen Kontext. Als Wissenschaftler hat mich am meisten der Mut des Autors beeindruckt, Klartext über Leistungen, Fehlleistungen, Eitelkeiten und Studien seiner Medizinerkollegen zu schreiben. Leider sind solch klaren Statements in Zeiten der politischen und medizinischen Korrektheit selten geworden, weiß man doch, dass Alles ein Für und Wider hat und es "immer drauf ankommt". Das tut es manchmal eben nicht!

Mut ist aber auch beim Lesen erforderlich, vor allem wenn der Leser selber von der Krankheit betroffen sein sollte. Ich weiß nicht, wer auf die schräge Idee gekommen ist, das Buch Betroffenen zu empfehlen. Vor allem Patienten nach einer hoffentlich erfolgreichen Therapie wird dadurch kaum Mut auf dauerhafte Remission gemacht, sondern im Anbetracht der vielen Misserfolge in der Onkologie und starrköpfigen Studienleitern eher Grund zur permaneten Vorsicht und angst bereitet. Nur welcher vernünftige Mensch glaubt an friedvolle Träume nach der Lektüre eines Buches über die wahrscheinlich schlimmste und gemeinste aller Krankheiten, selbst wenn es ohne Pathos und falsches Mitleid daher kommt?

Alles in allem ein Meisterwerk der Wissenschaftsgeschichte, welches nicht nur eine Lücke füllt, sondern wegen seiner Überlegenheit gleichzeitig alle weiteren literarischen Versuche im Keime erstickt, sich diesem Thema zu nähern. Durch die zunehmendere wissenschaftliche Komplexität im letzten Drittel reicht ein einmaliges Lesen wahrscheinlich kaum aus.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen gelungene Reportage, 16. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der König aller Krankheiten: Krebs - eine Biografie (Kindle Edition)
Die hervorragenden Kritiken haben mich zum Kauf dieses populärwissenschaftlichen Buches verleitet und ich muss attestieren, dass ich diese Lektüre für eine der preiswertesten und lehrreichsten halte, die ich in den letzten Monaten, wenn nicht Jahren lesen durfte! Das Buch ist jeden Cent und jede Minute wert.

Es ist für mich äußerst bemerkenswert, wie Herr Mukherjee auch noch dort empatische, (und für Laien verständliche) Worte findet, wo zahlreiche Kollegen entweder sprachlos werden oder die Flucht in die medizinische Unverständlichkeit antreten.
Dabei überspannt er den Bogen aus meiner Sicht niemals:
er wird weder salbungsvoll, noch gefühlsschwanger, sondern er stellt eine schreckliche, faszinierende, herausfordernde Krankheit so dar, wie sie im Laufe der Medizingeschichte gesehen wurde.
Mit allen Fehlern, die sowohl von der forschenden, als auch der der klinischen Medizin, aber auch der politischen Institutionen und Meinungsbildner im Laufe der Zeit über Jahrhunderte hinweg begangen wurden.
Dabei setht zu befürchten, das wir bereits gerade in diesem Moment neue Fehler begehen und auch zukünftig Fehler machen werden...

Es gelingt Herrn Mukherjee nüchtern (aber niemals kalt) zu beschreiben, wie sehr insbesondere auch gesellschaftliche Auffassung von Krankheit letztlich modischen Strömungen unterworfen ist und wie diese Strömungen das Verständnis für Krankheitsentstehung und Therapie beeinflussen.

Für mich ist es fabelhaft dargestellt zu sehen, wie im Laufe der Zeit von der frühen Auseinandersetzung mit dem Krebs bis in die Morderne immer weniger Individualisten, sondern professionelle Behandlungs- und Forschungs-Teams aus allen möglichen Fakultäten immer weniger den Krebs und immer mehr den erkrankten Menschen behandeln.
Immer stärker rückt der Mensch mit seinem individuellen Krebs, seiner individuellen Geschichte und seinen individuellen Nöten in den Fokus eines forschenden und therapeutischen Netzwerkes.

Aber - und mir ebenso wichtig:
Herr Mukherjee hat mir auch den Blick geschärft für die Situation der heute tätigen Onkologen. Diese Kollegen betrachte ich nach der Lektüre diesen Buches mit anderen Augen und aus einem weitaus verständnisvollerem Blickwinkel.

Für absolute Laien halte ich dies Buch für lesbar und sinnvoll verstehbar.
Für mich wäre es ohne medizinische Vorbildung - obwohl wirklich sehr gut und verständlich dargestellt - allerdings ein ziemlich schwieriges Buch geworden.
Aber ich verspreche ambitionierten Laien ohne oder mit nur geringem naturwissenschaftlichen Background:
Der Aufwand lohnt sich.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Krebs als natürlicher Teil der menschlichen Existenz, 1. August 2012
Es ist ein bemerkenswerter Widerspruch: Einerseits ist Krebs, nach Herzerkrankungen, die häufigste Todesursache in der westlichen Welt, also ein Teil der Lebenswirklichkeit im Alltag der Menschen. Andererseits verursacht diese Krankheit noch immer den Hauch des Bösen, welcher unweigerlich das Leben eines Menschen abrupt beendet. Wem ist es nicht bereits passiert, dass er bei der Nachricht des Todes eines Prominenten 'nach kurzer schwerer Krankheit' kurz zusammengezuckt ist und sich bei dem Gedanken erwischt hat: Aber mich hats nicht erwischt...Die Menschen verdrängen, dass das Leben und Sterben an mit und an Krebs ein Stück Normalität in den Krankenhäusern dieser Republik ist und täglich hunderte von Menschen diesen Kampf verlieren. Siddharta Mukherjees Darstellung "Der König aller Krankheiten" beschreibt Krebs als einen ständigen Begleiter der Menschheit seit Beginn von uns erhaltenen Aufzeichnungen und konzentriert sich dabei auf den auf den Kampf gegen den Krebs in den vergangenen Jahrhunderten, der von großen Rückschlägen und kleinen Fortschritten geprägt ist.

"Medizin [...] beginnt mit dem Erzählen von Geschichten" (485) schreibt Mukherjee. Der Onkologe erzählt die Geschichte des Krebses anhand vieler Einzelschicksalen betroffener Patienten sowie den Anstrengungen der Wissenschaft, den Krebs zu besiegen. Besonders eindringlich veranschaulicht der Autor den teils verzweifelten Kampf am Beispiel Brustkrebs. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts galt die radikale Mastektomie als das erfolgsversprechendste Heilmittel, eine OP, die bei den betroffenen Frauen zu teils schweren Verstümmelungen und selten zu einer dauerhaften Remission führte. Heute wirkt diese Methode archaisch und mit minimalinversiven Operationen in Verbindung mit Bestrahlung und/oder Chemotherapie können heute mehr Menschen dauerhaft geheilt werden.

Das Problem sei, so der Autor, dass es nicht einen Krebs gebe, sondern viele verschiedene Arten, die auch noch bei jedem Menschen unterschiedlich verlaufe. Der Krebs könne also gar nicht besiegt werden, da es den Krebs überhaupt nicht gebe. Große Erfolge lassen sich nur bei Einzelerkrankungen feiern. Bis zum 1974, zum Beispiel, ist fast jeder betroffene Mann an Hodenkrebs gestorben, doch mit der Entdeckung des Medikaments Cisplatin stieg die Heilungsrate auf 90%. Warum dieses Medikament fast nur bei Hodenkrebs zu gute Erfolge erzielt, weiß man nicht (vgl. 268).

Krebs werde, so Mukherjee, wohl immer ein Teil des menschlichen Lebens bleiben, da diese Krankheit unter anderem durch natürliche Prozesse hervorgerufen werde, ohne die wir überhaupt nicht überlebensfähig wären: "Krebs ist ein Defekt unseres Wachstums, und dieser Effekt ist fester Bestandteil von uns. Folglich können wir den Krebs nur so weit loswerden, wie wir uns von unseren physiologischen Prozessen befreien können, die wachstumsabhängig sind - Altern, Regeneration, Heilung, Fortpflanzung" (568).

Fazit: Mukherjee sehr gut zu lesendes Buch verdeutlicht, warum der Krebs mehr als wohl alle anderen Krankheiten furchteinflößend auf die Menschen wirkt. Es wird wohl nie ein Heilmittel gegen alle Krebsarten geben und Krebs ist ein Teil der natürlichen Wachstumsprozesse unserer Zellen und somit Teil unserer Existenz, was uns alle, trotz gesunder Lebensführung, zu potentiellen Krebserkrankten macht.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mit Empathie verfaßte Medizingeschichte: Der Imperator aller Krankheiten und der Menschen, 5. Oktober 2012
Von 
Benedictu - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Um in diese spannende Kriegsgeschichte der Krebsmedizin des amerikanischen Onkologen Siddhartha Mukherjee einzusteigen, muß man nur zwei Hürden überwinden: Den unangemessen blumigen Titel und das peinlich euphorische Vorwort des Präsidenten der Deutschen Krebshilfe.

DER TITEL
Der englische Originaltitel „emperor of all maladies“ ist mit „König aller Krankheiten“ ziemlich unglücklich ins Deutsche übersetzt worden. In Kombination mit dem indischen Namen des Autors wirkt er insofern abschreckend, als man zuerst meinen könnte, daß es ich um ein Buch aus der Esoterik-Ecke handelt, das womöglich in einem Bhagwan geschrieben wurde. „König“ ist im deutschen Sprachraum ein so positiv besetzter Begriff, der zum einen Sehnsüchte transportiert (s. z.B. Rio Reisers „König von Deutschland“) und der zum anderem geradezu inflationär als Gütesiegel eingesetzt wird (König Pilsner, König Fußball, Der König aller Sports. Walther Bensemanns Fußball-Glossen, so daß der deutsche Buchtitel wie eine unfreiwillige Verharmlosung wirkt. Die Kriegsmetaphern in diesem Buch sind Legion. Der Feind gewinnt menschliche Züge, aber vor allem negative; er ist launisch, bösartig, heimtückisch. Es geht um einen Krieg gegen einen Feind, der nicht zu besiegen ist, ein Krieg mit Erfolgen, Rückschlägen und auch Exzessen auf der Seite der Heiler.

SCHWATZHAFTES VORWORT
Es gibt überhaupt keinen Grund für Fritz Pleitgen in seinem euphorischen Lob für das Werk auch noch die New York Times (NYT) zur Königin aller Zeitungen hochzustilisieren („sie ist immer noch die beste Zeitung der Welt“). Eine Zeitung wie die NYT, die von dem großen amerikanischen Intellektuellen Noam Chomsky jahrelang dafür kritisiert wurde, daß sie die regierungsamtlichen Verlautbarungen zur amerikanischen Außenpolitik nachgeplappert hätte und in der Tat mit ihren Kolumnisten William Safire und A.M. Rosenthal aggressiv den Irakkrieg propagiert hatte, ist kaum die beste Zeitung der Welt. In seinem Vortrag im Leipziger Gewandhaus am 28. März 2005 im Rahmen einer Ringvorlesung der Universität hat sich Chomsky ausführlich mit der NYT auseinandergesetzt (s. uni-leipzig.de/~dip/). Wenn der ehemalige Journalist Pleitgen, sich nicht sicher ist, ob Mukherjee mit offeneren Augen als er selbst auf die Weltpolitik schaut, hätte er dazu einfach schweigen sollen. Wer aber Mukherjees Buch gelesen hat, dem ist nun aber gerade nicht verborgen geblieben, daß der dem unkritischen Patriotismus weißer Angloamerikaner nicht besonders nahesteht, sondern es sich nicht nehmen läßt, bei der Schilderung der ernährungsbedingten Anämie von Textilfabrikarbeitern in Bombay den britischen Kolonialismus des 20. Jahrhunderts mit beißendem Sarkasmus zu kommentieren (S. 53, der ganze zweite Absatz). Ist das wichtig in einer Biographie über Krebs, wo doch der britische Imperialismus mit dem zweiten Weltkrieg längst untergegangen ist? Nun ja, d i e s e m offenbar sehr sensiblen Autor dieses vielschichtigen Medizingeschichtsbuches liegt es tatsächlich am Herzen. Das muß Pleitgen nicht gefallen, aber respektieren könnte er es. Daß ausgerechnet an dem empathischen Arzt Siddhartha Mukherjee, die angloamerikanischen Gewalttaten jüngeren Datums, über die die NYT in einer Art und Weise schreibt, als sei sie ein Regierungsblatt, spurlos vorbeigegangen wären, darüber kann Pleitgen ja gerne nachts träumen. Zurück zum Hauptthema: Die eigentliche Botschaft des Vorwortes des Krebshilfe-Präsidenten ist natürlich das Thema Krebsvorsorge. Man lese aber einmal die Passagen von Mukherjee (S. 384ff) über das Dilemma der Mammographie, um zu erkennen, daß es auch hier für die Euphorie Pleitgens keinen Anlaß gibt, sondern Nüchternheit geboten ist.

MIT LIEBE ZUM DETAIL UND GROSSER EMPATHIE
Mukherjees lebendige Schilderungen vom ersten bekannten Krebsbefund des ägyptischen Arztes Imhotep, der vor 4640 Jahren lebte, der persischen Königin Atossa (bei Herodot) bis hin zu den Forschern und Ärzten Europas und der Neuen Welt, fesseln einen so sehr, daß man die Bedrohlichkeit der Thematik fast vergißt.

Manches wird man nach der Lektüre zur Allgemeinbildung erklären wollen, etwa die vom Eingeständnis des Nichtwissens getragene Umbennung des Blutkrebses durch den jungen Pathologieprofessor Rudolf Virchow der Universität Würzburg. Die alte Bezeichnung „Vereiterung des Blutes“ täuschte ein Verständnis der Krankheit vor, das Mitte des 19. Jahrhunderts keiner hatte. Deshalb gab ihr Virchow einen sachgerechten Namen, der nur bescheiden beschrieb, was man sah: Weißes Blut=(grch.) Leukämie. Ein sehr detailliertes Bild zeichnet der Autor von Sydney Farber, dem großen amerikanischen Kinderpathologen und Pionier der Chemotherapie, der 1903, ein Jahr nach Virchows Tod in Buffalo, NY geboren wurde. Der Leser erfährt, daß Farber, der im Elternhaus Englisch, Deutsch und Jiddisch sprach, auch in Heidelberg und Freiburg einige Semester Medizin studiert hatte. Es sei Mitte der zwanziger Jahre, als jüdische Amerikaner oft keinen Platz an ihren einheimischen medizinischen Fakultäten bekamen, nichts Ungewöhnliches gewesen, eine Weile in Deutschland Medizin zu studieren und dann in den USA das Studium zu beenden. Mit erstaunlicher Unaufdringlichkeit erzählt Mukherjee Details, die man nicht erwartet hatte, und die die Lektüre zu einer Entdeckungsreise machen.

Was den Leser für das Buch und seinen Autor aber vor allem einnimmt, ist dessen große Empathie, mit der er den erfolglosen oder auch erfolgreichen Kampf seiner eigenen und anderer Patienten durch die Jahrhunderte beschreibt.

DER GUTE ARZT
Dem Patienten setzt Mukherjee erklärtermaßen ein Denkmal, aber auch eines für den guten Arzt. Auf den bemerkenswerten Seiten 390-392 beschreibt er an zwei Beispielen, wieviel psychologische Kunst ein Arzt im Umgang mit totkranken Patienten braucht. »Wenn ein Mensch stirbt«, zitiert er den Arzt und Poeten W.C. Williams, »dann, weil der Tod sich zuvor seiner Vorstellung bemächtigt hat.« Wenn ein Arzt bemerke, daß der Tod die Vorstellung seiner Patienten besetze, sei es seine Aufgabe – so Mukherjee - , ihn wieder daraus zu verdrängen. Falsche Versprechungen seien dabei nicht erlaubt, aber differenzierte Wahrheiten. Es erfordere feinfühlige Einschätzung und ständiges Nachjustieren, ein Befüllen und Leeren des psychologischen Beamtungsgerätes mit Sauerstoff.
Sein erstes Beispiel war das von Susan Sontag, die zuerst von einem prominenten Arzt in New York behandelt wurde, der nicht auf ihre Seelenlage eingehen konnte. Ihr Sohn schrieb dazu treffend: „Wie viele Ärzte sprach er mit uns, als hätte er Kinder vor sich, aber ohne die Behutsamkeit, mit der ein verständiger Erwachsener im Umgang mit Kindern seine Worte wählt.“ Für die energische Susan Sontag bedeutete das statische Arzturteil Stillstand und Stillstand dasselbe wie Tod. Erst ihr neuer Arzt, den sie nach Monaten fand, führte sie auf einen Weg der Versöhnung mit dem Tod, ein Weg immerhin, eine Bewegung; kein Stillstand.

Aus der Praxis des Klinikers Thomas Lynch bezieht Mukherjee sein zweites Beispiel. Von ihm habe er während seiner Facharztausbildung die meisten Lektionen in ärztlicher Einfühlung bekommen. Lynchs Patienten erhielten von ihm statistische Wahrheiten zwar, aber gepaart mit abgestuften Aussagen, kein Heilungsversprechen, aber Fürsorge. Mukherjee schreibt: „In seinen Händen war Information etwas Lebendiges, Formbares, das jeden Moment zu fester Gestalt erstarren konnte, etwas Kristallines und doch immer noch Veränderbares; er arbeitete daran und gestaltete sie wie der Glasbläser sein glühendes Material.“

LETZTE EINSICHT NACH 4000 JAHREN KAMPF GEGEN DEN KREBS
Wer so plastisch formuliert und so kenntnisreich schreibt, der gewinnt Autorität beim Leser. Groß ist deshalb das Gewicht, das auf dem Leser lastet, wenn er fast am Ende des Buches hören muß, daß der Krebs unbesiegbar ist, weil er – wie Mukherjee sagt - in das Genom des Menschen eingewoben ist. Er wird also der dunkle Begleiter der Menschen bleiben, so lange es sie gibt.
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