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(Hörbuch-Fassung)

Ich möchte mit einer kleinen Anekdote beginnen: Neulich in der Frühstückspension... eine Frau, so Anfang 60: Was möchten Sie denn zum Frühstück trinken? Ich: Haben Sie Pfefferminztee, ich vertrage gerade keinen Kaffee. Frau: Ja, mache ich Ihnen. 10 Minuten später, die Frau: So, hier ist ihr Kaffee!
Vielleicht nur eine kleine Vergesslichkeit. Ich traute mich nicht nachzuhaken.

Es kam schleichend, auch bei Rudi Assauer. Der Mann mit der Zigarre ist mir als sehr schlagkräftig, mitunter etwas zu direkt, aber immer geradeaus in Erinnerung. Die Persönlichkeit von Assauer hat sich durch die Krankheit deutlich verändert. Er hat mit Hilfe von Patrick Strasser nun ein Buch verfasst, das seine Erinnerung in Textform bündeln soll, da in seinem Kopf nach und nach die eigene Vergangenheit verloren geht.
Das Leben von Assauer ist geprägt vom Thema Fußball, ob als Spieler, Aushilfstrainer, Manager oder Arena-Bauherr. So kommt auch beim Hörbuch das private Leben nur mehr am Rande vor. Fußball war, Fußball ist sein Leben. Ob beim BVB, Werder Bremer oder vor allem beim FC Schalke 04. Über 45 Jahre war er aktiv. U.a. war er auch Mitglied der ersten deutschen Mannschaft, die den Europapokal gewann.

Alzheimer ist offensichtlich kein abendfüllendes Thema. Wie auch. Der Fokus der Ausführungen liegt auf dem Leben mit dem Fußball. So kommt es zu einer gedehnten Reihung von Einzelheiten, wer, wann, wie gegen wen gespielt hat und wie Assauer daran beteiligt war. Das ist meiner Ansicht nach nur etwas für ausgesprochene Fans, und die wissen diese Details wahrscheinlich sowieso. Für mich wurde das Hörbuch immer dann interessant, wenn es um die emotionale Schilderung von Ereignissen aus Assauers Leben ging, wie z.B. die Vier-Minuten-Meisterschaft mit Schalke im Jahr 2001 oder Anekdoten, die so am Rande passiert sind, geschildert werden. Im Mittelteil empfand ich für mich das Hörbuch einfach zu langatmig.

Rudi Assauer kommt am Anfang und am Ende selbst zu Wort. Das lässt nicht unberührt.
Huub Stevens, den er als erfolgreichen Trainer zu Schalke geholt hat und der zu einem Weggefährten und Freund geworden ist, bekommt ebenso am Anfang und Ende seinen Platz.

Gelesen wird von Rolf Berg, mit einer sehr rauen, manchmal fast hart klingenden Stimme; aber irgendwie passend.
7 CDs, wohl ungekürzt.
Kleines Booklet mit wenigen Fotos aus Assauers Vergangenheit (z.B. mit seiner Zwillingsschwester Karin als Kind).

Fazit: Wenn man nicht so fußballinteressiert ist, im Mittelteil etwas zu viel Statistik, ansonsten durchaus informativ und bewegend.
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am 27. Februar 2012
Rudi Assauer kam immer rüber wie ein cooler Macho. Nicht der große Redner, aber nie um einen Spruch verlegen. Und der saß dann auch meistens. Schon auf den ersten Seiten, noch bevor sein Buch richtig anfängt, finden wir eine Sammlung von Assauers besten Sprüchen. So eingestimmt, wagt sich der Leser auch an schwere Themen wie Alzheimer heran.
Aber noch mal einen Schritt zurück. Wie ausgewechselt" ist ein Paradebeispiel dafür, wie man mit Prominenten Bestseller macht:
Montag: Rudi Assauers Alzheimer-Erkrankung wird in der Öffentlichkeit bekannt gegeben.
Dienstag bis Freitag: Ein beispielhafter Medien-Hype entsteht. Das Thema wird durch Talkshows, Printmedien und Social-Media-Kanäle gejagt. Nur zweimal taucht Assauer selbst auf: in einem ZDF-Magazin sowie in einer 45minütigen Reportage, die eine Woche später ebenfalls im ZDF gesendet wird. Das soll es, sagt sein Management, gewesen sein. Weitere Anfragen zwecklos.
(Anmerkung: Dieser Medien-Hype funktioniert natürlich proportional zum Bekanntheitsgrad der prominenten Person und zu dem Thema, für das sie steht. Also: Alzheimer bei Literaturpapst: kleines Medienecho. Alzheimer bei einem, der egal was mit Fußball gemacht hat: groooßes Medienecho.)
Freitag: Assauers Buch erscheint.
Sonntag: Assauers Buch steht bei amazon.de auf Bestseller-Rang 3.
Samstag: Assauers Buch schießt in der Spiegel-Bestsellerliste auf Platz 2, noch eine Woche später auf Platz 1. Dort steht es jetzt erst mal.
Dass das alles nicht einfach so passiert, sondern vom Riva Verlag erwartet und gesteuert wurde, zeigt das Impressum des Buches. In Fettschrift wird dem Leser dort die Facebook-Seite und die E-Mail-Adresse von Rudi Assauer mitgeteilt - für Wünsche, Fragen und Anregungen. So macht man heute Buch-Marketing.
Ein paar Sätze zum Inhalt sind schnell erzählt: Ein Anfangs- und ein Schlusskapitel befassen sich mit Assauers aktuellem Gesundheitszustand und seinem persönlichen Umgang mit der Alzheimer-Erkrankung. In dem großen Teil dazwischen erfahren wir chronologisch seine berufliche, nicht seine Lebensgeschichte. Das ist streckenweise unterhaltsam (Sprüche!) und häufig interessant, denn schließlich hat Rudi Assauer viele Jahre lang Fußball quasi politisch mit gestaltet. Und wer die Arena AufSchalke (Sorry, ich komme aus Essen, für mich wird sie nie Veltins Arena heißen. Und ich war erleichtert zu lesen, dass auch Rudi Assauer die Vergabe der Namensrechte richtig scheiße fand.) von innen kennt, freut sich zu erfahren, wie sie geplant wurde. Leser, die nicht total im Fußball aufgehen, mögen sich durch seitenlange Berichte einzelner Spielbegegnungen, die zum Teil noch von verschiedenen Personen geschildert werden, etwas ermüdet fühlen. Trainergeschichten, Transfergeschichten - etwas weniger Faktensammlung und etwas mehr Assauer-Persönlichkeit hätte dem Buch gut getan, zumal die Schreibe des Sportredakteurs Patrick Strasser nicht besonders inspiriert. Aber so ist das vielleicht bei Fußballern. Ab und zu ein Spruch, das muss reichen. Viel Privates is eh nich bei Rudi. Doch dass es ganz am Ende des Buches eine Doppelseite über seine Frauen" gibt, in der jede, die in seinem Leben eine nennenswerte Rolle gespielt hat, ein paar freundliche Sätze erhält, mutet schon sehr seltsam an. Die einzige Frau, die der Leser immer wieder trifft, ist seine Sekretärin Sabine Söldner, deren Lebensaufgabe am 30. April 2012 erfüllt sein wird. An diesem Tag wird Rudi Assauers Büro in Gelsenkirchen geschlossen.
Dann werden wir nichts mehr von ihm hören. Er selbst wird immer mehr vergessen. Wohl auch deshalb wurde sein Fußball-Leben aufgeschrieben. Rudi Assauer verabschiedet sich. Ehrlich, aufrecht, wie es sich für ihn gehört. Und immer noch einen Spruch drauf. Verdammte Scheiße, die Birne.
Bewertung: Schönes Geschenk für Fußballfans
Wie ausgewechselt: Verblassende Erinnerungen an mein Leben
22 Kommentare|16 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 9. April 2012
Ich lese ganz gerne mal Biografien von interessanten Persönlichkeiten und da das Buch doch sehr gehypt wurde in den Medien, konnte auch ich mich davor nicht verschließen.

Und obwohl es völlig anders ist als gedacht, hat es mir richtig gut gefallen.

Rudi Aussauer und "seine" Krankheit Alzheimer werden nur im ersten und letzten Kapitel von insgesamt 12 Kapiteln erwähnt und ein wenig beleuchtet. Ansonsten geht es ausschließlich um Fußball und die Erfolge Assauers.

Mir hat das Buch wirklich sehr viel gebracht, denn ich als Fußball- Ahnungslose habe gemerkt wieviel Fußball anderen Menschen bedeuten kann und wie Fußball Menschen bewegt. Assauer lässt sein von Fußball geprägtes Leben Revue passieren und das mit Erfolg.

Man sollte das Buch nicht als Huldigung Assauers werten, denn so war es mit Sicherheit nicht gemeint. Vielmehr "versucht" eine Legende sich an die schönste Zeit seines Lebens zu erinnern.

Fazit: Klasse Buch für Fußballnostalgiger und solche, denen der Sport irgendwo am Herzen liegt. Mich hat es auf jeden Fall bewegt und ich kann die Fußballverrückten nun besser verstehen.

Abraten würde ich all denjenigen das Buch zu lesen, die nur die Krankheit ausgeschlachtet haben wollen, denn diese spielt wie gesagt nur eine kleine Gastrolle.
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VINE-PRODUKTTESTERam 29. Februar 2012
Rudolf 'Rudi' Assauer, geboren 1944, bis 2006 einer der bekanntesten und profiliertesten Figuren des deutschen Fußballs, ist ein 'Kind der Bundesliga' und gehört der gleichen Generation an wie die legendären Welt- und Europameister Franz Beckenbauer, Günther Netzer, Wolfgang Overath oder Berti Vogts. Seine Leidenschaft gehörte immer dem FC Schalke 04, obwohl er als Spieler und Manager auch anderen Vereinen diente.

Schon länger war davon die Rede, dass Assauer seine Autobiografie veröffentlichen wolle, und nun ist es also soweit. Die vordergründigen Umstände für die Veröffentlichung sind allerdings sehr traurig, denn vor nicht allzu langer Zeit wurde bei ihm eine schwere Demenz diagnostiziert, im Volksmund auch schlicht 'Alzheimer' genannt. Die Krankheit selbst spielt in dem Buch zwar nur eine Nebenrolle, gleichwohl wurde sie als Aufhänger für eine der bemerkenswertesten Werbekampagnen der letzten Zeit missbraucht.

"Wie ausgewechselt" ist ein genialer Buchtitel, denn er stellt sowohl die Beziehung zum Fußball als auch zu den Veränderungen im Leben und in der Person des Rudi Assauer in den letzten Monaten und Jahren her. Assauer selbst wird als Autor hervorgehoben, während der eigentliche Verfasser auf dem Buchcover fast nicht zu erkennen ist. Insofern handelt es sich hier um eine regelrechte Mogelpackung. Denn dies ist kein Buch von Rudi Assauer über Rudi Assauer, sondern ein Buch des Journalisten Patrick Stüsser über Rudi Assauer.

Eine Autobiografie ist es also schon mal nicht. Aber ist es denn, wie der Untertitel "Verblassende Erinnerungen an mein Leben" suggeriert, wenigstens eine Biografie? Ja. Und nein.

Der ganz überwiegende Teil dieses Buches besteht aus Anekdoten über Assauers Zeit als Fußballer und Fußballmanager in den Jahren 1961 bis 2006. Diese dürften für ältere Fußballfans zum Teil sehr interessant sein. Aber wahrscheinlich auch nur für diese.

Kindheit und Jugend, Privatleben, Lebensgefährtinnen, Kinder, Freunde, Interessen außerhalb der abgeschirmten Käseglocke 'Profifußball' werden natürlich erwähnt, wirken im Gesamtkontext aber seltsam dahin geschuscht, oberflächlich, geradezu distanziert. Über etwas anderes als Fußball haben dieser Mann und dieses Buch nicht viel zu sagen.

Kann man denn wenigstens allen Erinnerungen Glauben schenken, die hier geschrieben stehen? Zweifel daran sind zumindest nicht gänzlich auszuräumen. So erzählt Assauer über seine harte Nachkriegskindheit: 'Meine Mutter hatte stets den Klopper auf dem Küchenschrank liegen. Und wenn es ihr zu bunt wurde, haben wir beide Prügel gekriegt. Papa hat zu Hause nie viel gesagt, streng war er überhaupt nicht'. In den neunziger Jahren hatte er sich zu Letzterem in der BILD-Serie 'Die Macher der Bundesliga' noch ganz anders geäußert. Zitat: 'Als Kind habe ich immer den Arsch vollgekriegt. Wupp, wupp - habe ich jeden Tag eine von meinem Vater, einem Zimmermann, abbekommen. Im nachhinein finde ich das richtig. Ich hatte ja auch jeden Tag eine Tracht Prügel verdient'.

'Wie ausgewechselt' ist ein Buch, an dem Fußballnostalgiker durchaus ihre Freude haben werden. Alle anderen Leserinnen und Leser dürften die Erinnerungen des knorrigen, zutiefst konservativen ehemaligen 'Machers' Rudi Assauer wohl eher enttäuschen.
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TOP 100 REZENSENTam 7. Februar 2012
Das Buch ist natürlich auch eine gelungene Würdigung des Lebenswerks Rudi Assauers. Aber nahe geht es, weil es zeigt, dass die Diagnose Alzheimer jeden treffen kann und wie radikal die Krankheit das Leben für immer verändert.

Im 1. Kapitel 'Mein Leben mit der Krankheit' wird eindrucksvoll beschrieben, wie sich bei Rudi Assauer erste Zeichen von Alzheimer immer mehr verdichteten, schlimmer wurden und die Krankheit immer mehr Besitz von ihm ergriff. Etwa wenn die Familie ihm das Handy wegnnehmen musste, weil er falsche Nummern eintippte und nachts wildfremde Menschen anrief. Oder als einmal sein Wagen mitten auf der Strasse stehen blieb, weil er den falschen Kraftstoff getankt hatte.

All das macht betroffen. Man stellt sich als Leser im Prinzip die gleichen Fragen, die auch sein langjähriger Freund Hub Stevens in seinem Vorwort zum Buch aufwirft: Wie wird es mir einmal gehen? Was ist, wenn auch ich Alzheimer bekomme?

Und obwohl nach dem ersten Kapitel in den folgenden lebendig und interessant nochmal die erfolgreiche Karriere Assauers beleuchtet wird, wirkt dies im Angesicht der Krankheit fast nebensächlich. Um diese geht es dann nochmals im letzten Kapitel, welches eine Art Ausblick ist. Man erlebt hier einen Mann, der noch vor Jahren gefeiert im Mittelpunkt stand und nun auf die reine Existenz zurückgeworfen ist. Fast schon ängstlich stellt er dort Fragen wie: Was wird aus mir? Bleiben mir noch ein paar lebenswerte Jahre? Wie wird es meine Familie verkraften?

Fazit: Durch die vielen Fotos und Anekdoten ist es auch ein schönes Fußballbuch. Aber es ist weit mehr als das. Durch die Schilderung der Krankheit Rudi Assauers wird man angeregt nachzudenken über sich, die eigene Gesundheit, die Angehörigen und Freunde - und vor allem darüber, was wirklich wichtig ist im Leben.
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am 3. Februar 2012
"wie ausgewechselt" ist eines der bewegendsten Bücher, die ich je gelesen habe. Wohl auch aus dem Grund weil man Rudi Assauer immer als DEN starken Mann vom FC Schalke kannte und wenig über den Menschen Rudi Assauer. Dieses Buch bringt einem den Menschen Rudi Assauer unglaublich nahe und ich muss gestehen, das ein oder andere Mal hatte ich mit den Tränen zu kämpfen.
Absolut lesenswert und für jeden Fußball Fan, den mehr als der Fußball an sich interessiert, ein absolutes muss!
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am 2. Februar 2012
In den letzten Jahren sind diverse Bücher aus der Fußballerszene erschienen: Rainer Callmund outete sich (oh Wunder) als fußballbekloppt, Günther Netzer kam - woher auch sonst - aus der Tiefe des Raums, Oliver Kahn versicherte uns, dass Erfolg von innen kommt, Uli Hoeneß erläuterte uns das Prinzip Hoeneß, Phillip Lahm erklärte uns den feinen Unterschied zwischen sich und dem Rest der kickenden Elite. All diese Werke hatten eine mehr oder minder gleich lautende Botschaft: Der Profifußball ist ein Haifischbecken, aber seht her, ich habe mich durchgesetzt, also könnt Ihr es im Leben jenseits des Rasens auch. Wer hätte das gedacht ...

Mit zunehmendem Leistungsdruck in der Gesellschaft, von denen logischerweise auch Spitzensportler nicht ausgenommen sind, wurden die nun erschienenen Bücher plötzlich differenzierter, nuancenreicher. Es standen weniger die Erfolge im Vordergrund, sondern viel mehr das Scheitern am selbigen, weil persönliche Probleme - auch Krankheiten - nicht länger tabuisiert wurden. Dem Freitod des beliebten Hannover 96 Törhüters Robert Enke ist es letztendlich zu "verdanken", dass die nach Fußballzauber gierende Öffentlichkeit plötzlich innehielt und nicht den Sportler, sondern den Menschen unter dem Trikot sah. Auch ein Sebastan Deisler, einst als Riesentalent von den Medien auf Schritt und Tritt verfolgt, sei hier mit seinen Ängsten, Sorgen und Depressionen nicht unerwähnt gelassen. Ebenso wenig Thomas Broich, dem die Mechanismen des Marktes mental/moralisch zu schaffen machen, und dem es zuwider ist, als Star angesehen zu werden.

Unter all diesen Werken, speziell den marktschreierischen aus dem ersten Absatz, ragt jenes von Rudi Assauer heraus. Weil Rudi Assauer bereits im Vorfeld zugibt, das Schreiben jemandem anders überlassen zu haben, und weil er zweitens (und das ist viel wichtiger) eine Botschaft vermittelt, die eindringlicher nicht sein könnte:

Am Ende Deines Lebens kannst du vielleicht von dir behaupten, ein Macher gewesen zu sein, dem so gut wie alles gelang. Aber all dieser Erfolg ist nichts, wenn Dich die Krankheit packt und das Leben im Nebel verschwindet. Dann kannst du Erinnerungen weder mit dir selber, noch mit anderen teilen.

Rudi Assauer hat Alzheimer - wie viele andere auch.
Mögen er und die vielen anderen noch möglichst lange erkennen, was einst ihr blühendes Leben war.

Scheiß unheimliche Krankheit!
2020 Kommentare|69 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Über kein Buch wurde unter Fußballfans in den letzten Monaten kontroverser diskutiert, als über die Rudi-Assauer-Biographie "Wie ausgewechselt - Verblassende Erinnerungen an mein Leben". Das Meinungsspektrum reichte von "gewissenloser Geldmacherei" über "Ein letzter Tanz mit dem Boulevard" bis hin zu "Ein bewegendes Werk, das Alzheimer-Patienten und ihren Angehörigen Mut machen wird". Das Besondere dabei war, dass diese Meinungen oft bereits feststanden, bevor das Buch überhaupt veröffentlicht worden war. Mittlerweile ist es ruhiger geworden. Aus den einschlägigen Bestsellerlisten, die die Biographie in den ersten Wochen nach der Veröffentlichung erstürmt hatte, ist "Wie ausgewechselt" schon längst wieder verschwunden. Der Hype währte kürzer als man es im Frühjahr vermuten konnte. Aber wie ist es denn nun wirklich, dieses viel diskutierte Buch? Ich war ehrlich gespannt, als ich vor ein paar Wochen das Rezensionsexemplar der Hörbuch-Variante in meinem Briefkasten fand.

Der Sportjournalist Patrick Strasser, der Rudi Assauers Lebensgeschichte aufzeichnete, hat sauber nach Regieplan gearbeitet. Rudi als Spieler beim BVB und bei Werder Bremen, als Jung-Manager an der Weser, als zunächst gescheiterter Hoffnungsträger bei S04, als Lebemann beim VfB Oldenburg und schließlich als "Mister Schalke". Die Kapitel des fußballerischen Schaffens von Assauer werden schön chronologisch abgearbeitet. Patrick Strasser hat sich redliche Mühe gegeben, ein Grundgerüst zu schaffen, das - so ist es bei Promi-Biographien üblich - anschließend im persönlichen Gespräch mit dem Protagonisten verfeinert und mit Leben erfüllt wird. Doch dann kam Assauers Erkrankung dazwischen.

Man merkt es der Biographie an allen Ecken und Enden an, dass Strasser eines Tages feststellen musste: "Mmit dem Assauer, da stimmt doch irgendetwas nicht!" Je länger die Episoden zurückliegen, desto größer sind die Lücken, die die nicht vorhandenen Äußerungen Assauers hinterlassen. Der ausführlich behandelte BVB-Europapokalsieg von 1966 beispielsweise muss beinahe gänzlich ohne eine persönliche Erinnerung auskommen. Stattdessen springen die ehemaligen Weggefährten ein und schildern ihre Sichtweisen. Hier noch ein wenig atmosphärisches Drumherum ("Dichter Nebel empfängt die Dortmunder Delegation in Glasgow"), da noch ein paar Beschreibungen von historischen Pressefotos ("Am Abend nach dem Triumph stehen die Spieler mit dem Pokal in der Hand am Flussufer") - mit diesen Kunstgriffen meistert Patrick Strasser derartige Passagen. Und doch spürt man hier in jeder Minute, dass der Autor selbst wahrscheinlich am meisten davon enttäuscht war, nicht wirklich mehr tun zu können, als aus Vereinschroniken zu zitieren.

Je länger ich mir das Hörbuch vorlesen lies, desto deutlicher erkannte ich die klare Marschroute: Ein Thema, eingeleitet durch ein Kurz-Statement von Assauer, meistens in etwa so: "Ja, ja, das war eine Zeit. Sowas erlebst du heute ja gar nicht mehr! Verrückt!" Dann das Thema selbst, oft sehr blumig ausgeschmückt und mit vielen Zitaten von Weggefährten bereichert. Dann Assauers abschließendes Statement, in etwa so: "Ja, ja, das war eine Zeit. Sowas erlebst du heute ja gar nicht mehr! Verrückt!"

Trotz dieser - so habe ich es zumindest empfunden - stilistischen Schwäche ist "Wie ausgewechselt" dennoch ein gutes Fußballbuch. Der Schalker UEFA-Cup-Sieg in Mailand, die Vier-Minuten-Meisterschaft, der Bau der Arena - gerade die Schalker Episoden werden besonders ausführlich behandelt. Wirklich Neues erfährt man als einigermaßen informierter Schalke-Fan da natürlich nicht, aber das ist wohl eher der "Berufskrankheit" eines Fans geschuldet. So, Deckel drauf auf das Thema "Fußballbuch" - es gibt da ja noch den anderen Aspekt: das Thema Alzheimer.

Wie eine Klammer umfasst die Krankheit das Buch. Das Thema taucht einmal am Anfang auf und dann wieder am Ende. Der Rest ist alzheimerfreie Zone. Bereits im ersten Kapitel erfährt man, dass Rudi Assauer es "s******" findet, dass "die Birne" nicht mehr mitmacht. Wer eine medizinische Abhandlung zu Demenz-Erkrankungen oder einen Angehörigen-Ratgeber erwartet, wird schnell feststellen, dass ihm mit "Wie ausgewechselt" nicht geholfen wird. Aber muss das überhaupt sein? Kann eine Promi-Biographie, die mit dem klaren Auftrag den Sportler und Manager Rudi Assauer zu beschreiben angetreten ist, dies überhaupt leisten? Ich finde nicht! Vielleicht - nein, ganz sicher sogar - wurden einfach viel zu große Hoffnungen in das Buch gesetzt, sicherlich auch gezielt zu Vermarktungszwecken geschürt. Wenn ich vorher überhaupt nichts über Alzheimer gewusst hätte, was hätte ich aus dem Buch gelernt? Dass es was "mit'm Kopp" zu tun hat und ich es "s******" fände, wenn meine "Birne" nicht mehr mitmachte. Ganz genau so, wie Rudi Assauer es sagt.

Gesprochen wird das Hörbuch von Rolf Berg. Mit Ausnahme von ein paar kleineren Ablesefehlern - beispielsweise wird aus "Block I" im Parkstadion fälschlicherweise "Block 1" - macht er seinen Job gut. Ein bisschen störend empfand ich, dass er die Textstellen, die Assauer-Zitate darstellen, arg kernig und zu bemüht im Assauer-Style intoniert. Allerdings fanden viele WDR-2-Hörer bis vor kurzem auch Fritz Eckengas Assauer-Parodie witzig und originell - so gesehen gestehe ich ein, dass mein Geschmack wohl nicht maßgebend ist. Als Bonus enthält das Hörbuch neben persönlich gesprochenen Vorworten von Rudi Assauer und Huub Stevens auch noch zwei Interviews mit den beiden.

"Wie ausgewechselt" ist gediegene Sportlerbiographie-Hausmannskost. Keinesfalls ein überragendes Werk, über das man auch in zehn Jahren noch reden wird, aber auf jeden Fall eine schöne abschließende Würdigung von Rudi Assauers öffentlichem Wirken. Kurz nach der Buchvorstellung hat dieser angekündigt, sich gänzlich aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzuziehen. So gesehen hat das Buch natürlich auch Abschiedscharakter. Es ist schade, dass Patrick Strasser nicht zwei, drei, vier Jahre früher mit der Arbeit an der Biographie begonnen hat, als Assauer noch geistig weitestgehend auf der Höhe war. Dann wäre es sicherlich ein Buch geworden, das viel mehr über das Innenleben aus fünf Jahrzehnten Bundesliga preisgegeben hätte, als es nun möglich war.

Auf der anderen Seite wird es jedoch auch nie wieder eine Biographie über Rudi Assauer geben, die so viel eigenen Anteil des Schalker Ex-Managers enthalten wird. Auch deshalb gibt es von mir mit gutem Gewissen und trotz aller benannten Schwächen eine klare Lese- bzw. Anhörempfehlung.
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TOP 500 REZENSENTam 15. Februar 2012
In diesem Buch geht es um das Schicksal des Prominenten Rudi Assauer, der hier jedoch nur als verdienstvolles Vehikel dient, um den unzähligen von der Krankheit Alzheimer Betroffenen ein Podium zu zimmern - ein Podium, das sie aus der Tabuzone in die diskursfähige Realität befördert. Daher ist es m. E. völlig unerheblich, ob der Leser dieses Buches nun primär an der Person Assauer (in diesem Falle wird er mit Informationen bestens versorgt) interessiert ist und dessen Erkrankung als unabdingbare Koppelung in die Lektüre mit einbezieht oder aber sich in erster Linie den Schrecken eines solchen Schicksals en Detail stellen möchte - auch hier werden authentische, ungeschminkte Einblicke gewährt, die die Tragik ebenso anschaulich wie eindrücklich verdeutlichen.

Assauer - so schicksalsbeladen und beklagenswert es auch ist - stellt, da prominent, das Zugpferd dar, das die unheilbare Geißel Alzheimer, diese so fürchterliche und noch immer unheilbare Heimsuchung, in das gleißende Licht h i n e i n und somit aus der Tabuzone h e r a u s zerrt. Darin besteht das Verdienst dieses Buches (auch jenes des einst dem Fußball Verschriebenen), und hierbei ist der Name des Prominenten ebenso unerheblich wie als austauschbar anzusehen, um dem verdrängten Grauen den Schleier zu entreißen.
Will sagen: Nicht der Mensch Rudi Assauer verleiht diesem Band seine unzweifelhafte Daseinsberechtigung, sondern dessen Prominenz, die hoffentlich viele Menschen dazu verleiten wird, sich mit diesem so gerne hinter fest verschlossenen Türen gehaltenen Themenkomplex auseinanderzusetzen.
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am 13. Februar 2012
Das Buch war ja nachdem die Krankheit Assauers öffentlich gemacht wurde ein "Must-Have".

War ich anfangs doch eher misstrauisch, wurde das Buch von Seite zu Seite interessanter, die Worte Assauers interessanter.
Wenn man sich vorstellt, dass das Alles langsam verblasst, ist das eine wunderbare Erinnerung an Rudi Assauer.

Man kann sich tatsächlich nur wünschen, dass man das Schicksal, mit dieser Krankheit leben zu müssen, niemals teilen muss.

Glück auf, Rudi!
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