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50 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vielleicht sperrig, aber allemal lohnend
Mein Weg zu Virginia Woolf und zu Mrs. Dalloway war ein wenig verwinkelt. Es begann mit einem Film. Der Film hieß „The Hours" und war eine Verfilmung von Michael Cunninghams gleichnamigem Buch. Hierbei wurde das Leben dreier Frauen auf eine sehr interessante Weise erzählt und miteinander verwoben. Doch dazu ein andermal mehr.... Eine dieser Frauen war...
Veröffentlicht am 24. April 2005 von _daywalker_

versus
3.0 von 5 Sternen Partytime 1923 in London und drumrum
Von 1922 bis zur Veröffentlichung 1925 verarbeitet Woolf intensiv Kurzgeschichten zu ihrem "Ideenroman", wie ich ihn nenne; denn Handlung gibt es fast nicht: Wir erfahren die Gedanken und Gefühle als berühmten "stream of consciousness" der Mrs. Clarissa Dalloway am 23.6.1923, ihre kleinen Erlebnisse dieses Tages einschließlich ihrer abendlichen...
Veröffentlicht am 20. Februar 2012 von Christian Gloggengiesser


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50 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vielleicht sperrig, aber allemal lohnend, 24. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Mrs Dalloway: Roman (Taschenbuch)
Mein Weg zu Virginia Woolf und zu Mrs. Dalloway war ein wenig verwinkelt. Es begann mit einem Film. Der Film hieß „The Hours" und war eine Verfilmung von Michael Cunninghams gleichnamigem Buch. Hierbei wurde das Leben dreier Frauen auf eine sehr interessante Weise erzählt und miteinander verwoben. Doch dazu ein andermal mehr.... Eine dieser Frauen war Virginia Woolf, die zu Depressionen neigte und schon einige erfolglose Selbstmordversuche hinter sich hatte. Der Film beschrieb eine wichtige Periode ihres Schaffens: Die Entstehung des Romans Mrs. Dalloway, der mit ihr zusammen den roten Faden der Geschichte bildet. Sie selbst hat diesen vierten Roman als einen ihrer gelungensten bezeichnet.
Wahrscheinlich schaffen professionelle Rezensenten viel eher einen interessanten Abriss der Geschichte darzustellen und häufig bedienen sich gerade im Bereich ernster Literatur die Menschen gerne einer sagenhaft eloquenten Ausdrucksform. Leider liegt mir das nicht und so beschränke ich mich auf die Einfachheit, mit der ich Mrs. Dalloway wahrgenommen habe:
Der Roman beschreibt einen Tag im Leben von Clarissa Dalloway, Gattin eines Parlamentsabgeordneten. Der Leser wird mit Clarissas geplanter Abendgesellschaft in die Geschichte eingeführt. Clarissa ist krampfhaft bemüht die nahende Gesellschaft gebührend zu empfangen und verköstigen. Anfangs gewann ich den Eindruck, sie opfere ihr alles und es wirkte, als hing sie mit ihrem Leben daran. Sie scheint alles dafür zu geben, glücklich auszusehen, nur damit niemand merkt, dass sie unglücklich ist. Die Geschichte tut sich in einigen Nebensträngen auf, die letztlich aber in der Gesellschaft von Clarissa münden.
Da taucht ein Mann aus anderen Zeiten auf... Peter Walsh, dessen Umtriebigkeit sie letztlich doch gegen das „Glück" mit Richard Dalloway eintauschte. In dem Buch kehren Peter und Clarissa unabhängig voneinander gedanklich zu ihrer gemeinsamen Zeit zurück, ehe Peter nach Indien ging. Clarissa betrachtet die Zeit etwas verklärt, rechtfertigt vor sich aber die Entscheidung. Und auch Peter scheint sich mit den Gedanken an seine Verlobung in Indien nicht so erfreuen zu können, wie an dem Gedenken alter Zeiten. Nur ist Clarissas Ehe mit Dalloway nicht glücklich ist und auch die gemeinsame Tochter Evelyn entfernt sich im schwierigen Alter der Pubertät von Ihrer Mutter, steht im Einfluss der schwermütigen Mrs. Kilman. Mrs Kilman hält sich an Ihrem Glauben fest und an der Askese und ergeht sich darin, sich von der reichen Glitzerwelt aus der Evelyn kommt abzugrenzen. Doch Glück und Freude scheint sie darin nicht zu finden. Und Peter, der in der Gesellschaft eher belächelt wird, weil er eine Karriere gegen einen impulsive Handlung eingetauscht hat ist auch nicht glücklich, auch wenn einige das wohl annehmen, Ihn als Bonvivant betrachten.
Es gibt noch ein paar interessante Nebenschauplätze an diesem Tag, aber der aufregendste war in meinen Augen hierbei das Leben von Lucrezia und Septimus Warren Smith. Septimus, der unter dem leidet, was er im ersten Weltkrieg mit ansehen musste, der stets pflichtbewusst und erfolgreich irgendwann einfach unter der Last erdrückt wird und nun langsam den Depressionen verfällt. Eine Krankheit die man als solche nicht behandelt und der auch Lucrezias Liebe nicht beikommen kann. Es scheint wohl nicht von der Hand zu weisen, dass sich Virginia Woolf in der Figur des Septimus etwas spiegelt, zumindest erscheint es mir so.
Mrs. Dalloway war für mich ein sehr interessanter Abstecher in das Reich der Klassiker. Ohne einen Spannungsbogen und einzig auf die Gesellschaft im Hause der Dalloways zulaufend, hat der Roman eine eigenartige Anziehungskraft. Für mich liegt sie nach wie vor in der Figur seiner Autorin und deswegen habe ich mich auch dazu entschlossen, die Biografie ihres Mannes zu lesen, der darin das Leben mit seiner schwer kranken Frau beschreibt. Zwei Dinge habe ich immer zur Beschreibung meines Lesegefühls bei Mrs. Dalloway erwähnt: Einerseits habe ich immer etwas gebraucht, ehe ich in diesem Roman drin war. Ich verglich es mit den 3D-Bildern, bei denen man diesen starren Blick bekommen musste und irgendwie durch das Bild durch oder an dem Bild vorbei sehen musste. Ähnlich musste ich meinen Verstand verschieben, ehe ich Zugang zu Clarissas Welt erhielt. Andererseits war der Sog dann auch sehr stark. Ich fühlte mich auch lange nach dem Schließen des Buches schwermütig und traurig.
Sicher keine leichte Kost, aber ich kann es nur empfehlen. Ein Stück Literaturgeschichte.
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23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zeitloses, literarisches Schwergewicht!, 7. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Mrs Dalloway: Roman (Taschenbuch)
"Mrs. Dalloway" von Virginia Woolf gehört zu den wichtigsten Romanen des 20. Jahrhunderts und es ist das Herzstück im Werk der englischen Autorin, die am Leben wie am Schreiben gleichermaßen litt und ihrem Leben allzu früh selbst ein Ende setzte.
Meisterhaft beschreibt sie einen Tag im Leben der 52-jährigen Clarissa Dalloway, einer Frau der englischen Upper-Class, die eine gesellschaftliche Abendeinladung vorbereitet.
Während ihrer Verrichtungen sinniert sie über das Leben und wir erleben sie als typisches Kind ihrer Zeit, dabei verunsichert und melancholisch, traurig über verpasste Chancen, gleichwohl wissend, dass sie nie den Mut aufgebracht hätte, gegen die Konventionen zu verstoßen.
Und gleichzeitig ist es die Geschichte eines Freundes, der am Leben verzweifelt und sich am Ende dieses Tages umbringen wird...
Virginia Woolf gelingt gleichzeitig eine sehr stimmungsvolle Momentaufnahme Londons zwischen den Weltkriegen, das auf heutige Leser noch immer zeitlos wirkt.
"Mrs. Dalloway" ist ein Buch von ungeheurer literarischer Kraft, dabei jedoch nicht leicht zu durchschauen. Es ist streckenweise doch recht mühsam, sich auf dieses Buch einzulassen. Es belohnt den Leser aber mit tiefgründigen Einblicken in die Gefühlswelt der Protagonistin.
Ein Buch, für das man Zeit und Muße braucht!
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26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wow!, 29. August 2003
Rezension bezieht sich auf: Mrs Dalloway: Roman (Taschenbuch)
Am Anfang sind die Schachtelsätze etwas gewöhnungsbedürftig, deshalb war ich froh, daß ich das Buch nicht auf englisch gelesen habe wie ich es anfangs vorhatte. Mit einem Satz: das Buch ist eine Wucht! Der Erzählstil ist einfach klasse! Oft habe ich innegehalten und einen Abschnitt noch einmal gelesen, weil ich von der Schreibweise fasziniert war.
Im wesentlichen geht es um vier Personen, von denen zwei im Vordergrund stehen und miteinander verbunden sind: Clarissa Dalloway und Septimus Warren Smith. Hinter diesen beiden Personen stehen zwei weitere (Peter Walsh und Reiza Warren Smith), die dem Leser ein Bild von Clarissa und Septimus aus ihrer Perspektive vermitteln. Faszinierend! Man muß sich allerdings ziemlich konzentrieren beim Lesen, wegen der bereits erwähnten Schachtelsätze, aber wenn man das Buch ausgelesen hat, möchte man am liebsten gleich wieder von vorne anfangen. Fünf Sterne!
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vergangenheitsbewältigung, 6. August 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Mrs Dalloway: Roman (Taschenbuch)
Es passiert nicht viel in diesem Buch. Eine Gesellschaft wird vorbereitet und abgehalten und es kommt zu einem Selbstmord. Und dennoch oder gerade deshalb ist das Buch ein grosser Genuss. Wir begegnen Menschen, die mit ihrer eigenen Vergangenheit kämpfen. Mrs Dalloway, die den soliden Mr Dalloway einst ihrer Liebe Peter Walsh vorzog und sich ständig einredet, dass dies richtig gewesen ist. Peter Walsh, der diese Zurückweisung nie richtig akzeptiert hat und im Leben nicht mehr klar kommt. Septimus Smith, der den Tod seines Vorgesetzten Evans im 1. Weltkrieg nicht verkraftet und wahnsinnig geworden ist. Es ist ein geradezu poetisches, schwebendes Buch. Vieles steht nur zwischen den Zeilen. Virgina Woolf lässt uns in gekonnter Weise an der Gefühlswelt der Protagonisten teilhaben. Letztlich geht es um nichts geringeres als die Frage, wie wir Menschen mit unserer eigenen Geschichte, die wir nicht mehr ändern können und die in die Gegenwart ausstrahlt, fertig werden.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die unerträgliche Lächerlichkeit des Seins, 18. Juli 2014
Von 
Kalamaria - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Mrs Dalloway: Roman (Taschenbuch)
... mit ihren Nichtigkeiten, den Wichtigkeiten, den Gecken in ihrem Schein, die sich ihren Teil vom Kuchen holen wollen - und eine gewaltige Todessehnsucht. Kurzum, das Leben nach dem 1. Weltkrieg mit seiner Leere, seiner Hoffnungslosigkeit und der Suche nach (neuer) Sinnhaftigkeit - das porträtiert Virginia Woolf in einer 1925 erschienen, zwar wenig umfangreichen, aber umso gewaltigeren Gesellschafts- und Milieustudie.

Der Gesellschaft einen Spiegel vorführen will sie - was ihr mit Sicherheit nur teilweise gelingt, so dicht, so klug, aber auch so persönlich und voll von Animositäten ist dieses Buch.

Dabei bedient sie sich ihrer Protagonistin Mrs. Clarissa Dalloway und stellt nur einen einzigen Tag in deren Leben dar, ein Leben in London voller Ressentiments, Wünsche, Sehnsüchte - wobei die Todessehnsucht eine davon ist - umgeben von einer verwirrend langen Reihe von (Mit)Menschen, man könnte sagen, einer Menschenkette, die sich um Mrs. Dalloway rankt, die an diesem einen Tag eine Gesellschaft geben wird, in der der Roman kulminiert und auch endet.

Davor trifft sie eine alte Liebe wieder - Peter Walsh, den sie einst abgelehnt hat, an den sie jedoch - durchaus auch im Vergleich zu ihrem Gatten Richard - ständig denkt und Vergleiche zieht. Peter Walsh symbolisiert die damalige Lebenssituation: nicht wissend wohin, das Neue fürchtend, das Alte verwerfen oder doch lieber wahren wollend. Für mich steht er symbolisch für die Situation nach dem 1. Weltkrieg, für das Leben in den 1920er Jahren.

Mrs. Dalloway gegenüber gestellt ist ein anderes Leben, ein anderes Schicksal, nämlich das von Septimus Warren Smith, eines Kriegsheimkehrers, dessen letzter Tag dies werden soll. Die beiden begegnen sich nicht, Mrs. Dalloway hört lediglich auf ihrer Gesellschaft von ihm und überlegt, seinen Weg zu gehen.

Ein ungeheuer dichter und anspruchsvoller Roman, ein sehr persönliches und schmerzhaftes Buch ist es, das Virginia Woolf geschrieben hat: mit seinen Zweifeln an der Sinnhaftigkeit des Lebens und der Darstellung von der Leere darin ist es ein Buch für die Ewigkeit, auch wenn es ganz klar den Zeitgeist der 1920er spiegelt. Ein kluges Buch, ein vielschichtiges und zugleich ungeheuer forderndes - lesen Sie es bloß nicht mal schnell zwischendurch, Sie werden daran verzweifeln.

Nehmen Sie sich viel, viel Zeit, damit Sie sich austauschen, recherchieren können, die vorliegende Ausgabe von Fischer Klassik von 2012 (2. Auflage) ist dafür wie gemacht: liebevoll ediert mit ausführlichen Anmerkungen und einer Zeittafel, die wichtige Informationen zum Verständnis enthält.

Mrs. Dalloway - ein Kind ihrer Zeit, das für die Kinder unserer Zeit jedoch eine große Bereicherung sein kann - wohlgemerkt zur richtigen Zeit am richtigen Ort!
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Konzentriertes Lesen kann etwas verändern, 3. Juni 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Mrs. Dalloway (Gebundene Ausgabe)
Menschen gehen aneinander vorbei, Zufall! Viele kleine Dinge strömen ím Unterbewußtsein auf, verschwinden wieder. Sie fängt diese Sequenzen auf, die wir bereits nach einem Wimpernschlag wieder vergaßen. Es wird eine Wiederbegegnung. Eine alternde Frau gibt eine Party, ein Kriegsheimkehrer kämpft mit dem Wahnsinn, alte Liebe rostet nicht, sie wird nur alt und die Erinnerung wird zur Begegnung eines Tages, von denen es viele geben wird und gab.
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4.0 von 5 Sternen Mrs Dalloway: Roman, 19. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Mrs Dalloway: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Mrs Dalloway“ erzählt von der 52jährigen Clarissa Dalloway, die in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts in London lebt und Frau eines Parlamentsabgeordneten ist. Die ganze Geschichte spielt an nur einem einzigen Tag im Juni, an dessen Abend sie mit ihrem Mann einen großen Empfang gibt. Tagsüber ist sie mit den Besorgungen beschäftigt und trifft auf jede Menge Bewohner dieser Stadt mit denen sie sich unterhält oder auch den einen oder anderen Spaziergang macht. Dabei tauchen wir immer wieder von den Gesprächen aus in die Gedanken und Gefühle von Clarissa Dalloway ein und übergangslos in die Geschichten, Betrachtungen und Emotionen der ihr gerade gegenüberstehenden Person. Sie alle teilen bestimmte Erinnerungen, und so findet die Vergangenheit in Clarissa Dalloways Leben zurück, welches bis zu diesem Tag korrekt und ordnungsmäßig verlief. Plötzlich versinkt sie in Selbstbesinnungen und beschönigt doch wieder ihr bisheriges Leben vor sich selbst. Ausgerechnet jetzt ist ihre Jugendliebe Peter Walsh wieder in der Stadt und weiß, genau wie damals kurz nach dem 1. Weltkrieg, wieder nicht, wie sein Leben weitergehen soll. Er will seine Jugendfreunde besuchen und taucht ganz klar zuerst bei Clarissa auf, die er immer noch liebt. Damals hatte sie ihn zurückgewiesen aufgrund seines niederen Ranges und doch dachte sie permanent an ihn und bei den Vergleichen zu ihrem Mann schnitt oftmals Peter besser ab. Des Weiteren spielt in diesem Buch Septimus Warren Smith eine große Rolle. Er ist ein Kriegsveteran und traumatisiert aus dem 1. Weltkrieg heimgekehrt. Seine Frau weiß, wie es um ihn steht, dabei würde sie dem Arzt so gern Glauben schenken. Doch dies soll sein letzter Tag auf Erden sein, wovon Clarissa Dalloway von Bekannten erfährt. Und auch sie denkt über diese Möglichkeit für sich selbst nach. Man ist oft gefangen und versunken in dem jeweiligen Innenleben der Person, aus dem einen dann immer wieder der Glockenschlag des Big Ben emporholt. Das gesellschaftliche Leben dieses Zeitalters kommt gut zum Ausdruck und wird ergreifend nahe gebracht, auch wie man derzeit psychisch Kranke behandelte. Die Autorin hat ihre gezielten Beobachtungen in Sätze verfasst, die stilistisch sehr eigen sind, gut durchdacht, aber enorm verschachtelt, sodass dieses Werk mehr als anspruchsvoll und nicht leicht zu lesen ist. Man sollte sich für diesen Roman sehr viel Zeit nehmen, die man gerade am Anfang benötigt, um überhaupt ins Geschehen hineinzufinden.
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4.0 von 5 Sternen Ein einziger Tag oder das ganze Leben, 6. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Mrs Dalloway: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Handlung dieses Romans ist schnell erzählt: Eine Londoner Dame, 52 Jahre alt, verheiratet mit einem britischen Politiker, geht aus ihrem Haus, um Blumen zu kaufen. Sie wird abends eine große Dinnerparty geben und ist den ganzen Tag mit den notwendigen Vorbereitungen beschäftigt. Dabei trifft sie viele Bekannte, sogar ihre Jugendliebe besucht sie unerwartet. Dieser Handlungsstrang kreuzt sich mit dem Schicksal von Septimus Warren Smith, ein Kriegsveteran der unter Depression leidet und nicht mehr dazu fähig ist, mit seiner Frau, mit den Ärzten, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Doch nicht die beiden, sehr dünnen Handlungsfäden machen die Stärke dieses Romans aus, sondern die Art und Weise, wie die Autorin uns durch das Labyrinth der Gedanken der Romanfiguren führt. Wir folgen nicht Clarissa bei ihrer Besorgungen, wir lauschen keine Dialogen, wie man normalerweise beim Lesen eines Romans der Fall ist: Wir sind in ihrem Kopf und springen vom Gedanken zum Gedanken, von einer ihrer Erinnerungen zur nächsten. So lernen wir sowohl Clarissa als auch die weiteren Figuren dieses Romans sozusagen von Innen kennen, was teilweise die Lektüre erschwert, andererseits viel tiefere Einblicke in die menschliche Psyche erlaubt.

Dieses Buch wurde 1925 geschrieben. Es stellt sich somit die Frage, was uns seine Lektüre knapp hundert Jahre nach seiner Redaktion überhaupt geben kann. Selbstverständlich stellt Mrs Dalloway ein Meisterwerk der literarischen Erzähltechnik des Bewusstseinstroms (Engl. stream of consciousness) dar, was immer noch eine äußerst interessante und bereichernde Leseerfahrung verspricht. Doch über seinen literaturhistorischen Wert hinaus bietet dieser Roman dem zeitgenössischen Leser viele Anreize. Sehr vielfältig erscheinen die Menschenportraits, die aus den Wahrnehmungen und Erinnerungen der Romanfiguren rekonstruiert werden können: Septimus, der Kriegsveteran, der mit der Welt nicht mehr zurecht kommt und in gewisser Weise zum Symbol der modernen Entfremdung wird; Richard Dalloway, der Ehemann, der zwischen dem konservativen, traditionellen Männerbild und dem unausgesprochenen Wunsch nach einer gefühlsvolleren Rolle kein Gleichgewicht findet; Peter Walsh, der ewig zögert, eine äußerst aktuelle Mann-Figur, der im reifen Alter immer noch nicht weiß wohin mit seinem Leben; und vor allem Clarissa, die hinter ihrer scheinbaren Ruhe ein Gewirr aus Gedanken, Bedauern, Sehnsüchten, Zweifeln verbirgt. Alle diese Figuren haben die Eigenschaft, perfekte Zeuge ihrer Zeit und zugleich zeitlos zu sein, denn ihre Wurzeln stecken tief im Boden der britischen bürgerlichen Gesellschaft der ersten Nachkriegszeit, jedoch verkörpern sie Gefühle, Einstellungen und Menschentypen, die universeller Natur sind.

Darüber hinaus bietet dieses Buch viele teilweise auch sehr moderne Ansätze, was die Rolle der Frau in der Gesellschaft, die Bedeutung der Ehe, die psychische Krankheit als Zeichen unserer Zeit, die Folgen des Krieges, die Macht der Medizin und vieles mehr betrifft.

Ich habe mich gefragt, wer die Hauptfigur dieses Buches wirklich sei. Geht es um Clarissa, um ihre Sehnsüchte und Erinnerungen? Oder doch um Septimus, um seine Unfähigkeit, sich wieder der Welt zuzuwenden? Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass der wahre Hauptdarsteller dieses Buches die Zeit sei, die Zeit, deren Vergehen durch den ganzen Roman vom Glockenschlag des Big Ben bestimmt wird, die Zeit, die sich im grau gewordenen Haar von Clarissa bemerkbar macht, die Zeit, die die junge Elizabeth noch vor sich hat, die Zeit, die Septimus nicht mehr erleben wird.

Eine sehr anspruchsvolle, komplizierte und zeitaufwendige Lektüre, die in der Nacherzählung des Gedankenflusses eines einzigen Tages zur Metapher des ganzen Lebens wird.
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5.0 von 5 Sternen Der Prototyp des Bewusstseinsromans/Stream of Consciousness - Woolf lässt ein Blumenmeer an Bildern entstehen, 27. Mai 2011
Von 
Josephine Sterner "Bücher-Liebhaberin" (Hérimoncourt, Frankreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: MRS. DALLOWAY. (Gebundene Ausgabe)
An einem schönen Sommertag im Juni 1923 möchte die 52-jährige Clarissa Dalloway eine Abendgesellschaft geben. Hierfür macht sie Besorgungen und trifft Vorbereitungen gemeinsam mit ihrem Mann Richard und ihrer Tochter Elizabeth. Ihr Jugendfreund und ehemaliger Heiratskandidat Peter Walsh besucht sie, gemeinsam geben sie sich den Erinnerungen der Vergangenheit hin...

"Mrs. Dalloway" ist der wohl typischste Roman des Stream of Consciousness bzw. Bewusstseinsromans, der anstatt eine allwissende, eine multiperspektivische Erzählhaltung einnimmt und zum Besten gibt, um das menschliche Bewusstsein in allen möglichen Einzelheiten zu vermitteln. Der Roman ist sicher keine leichte Kost, wenn man sich nicht aufs Äußerste konzentriert, um den Faden nicht zu verlieren, doch wenn man erst einmal Woolfs Worten folgt, ist man so fasziniert, dass man beim Lesen sogar den Atem anhält, um die Atmosphäre einzusaugen, die Woolf schafft. Sie schreibt die gedanklichen Verschachtelungen der Figuren nieder und reichert diese mit Metaphern aus dem Leben an, gerade dies macht Woolfs Stil und dieses Buch so besonders: "...und wurde überwältigt von seinem Schmerz, der heraufkam wie ein Mond, auf den man von einer Terrasse blickt, schaurig schön im Licht des versunkenen Tages."

Man muss Virginia Woolfs Stil schon mögen, um eine gewisse Sympathie hierfür zu entwickeln, doch gibt man sich ihren Intentionen hin, so verliebt man sich unweigerlich in ihre einzigartig schön dargestellte Szenerie, die, während hier die Handlung voranschreitet im Ablauf eines Tages, den Leser immer weiter in die Vergangenheit und Komplexität der Figur Clarissa Dalloway eindringen lässt.

~Bücher-Liebhaberin~
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5.0 von 5 Sternen Der Prototyp des Bewusstseinsromans/Stream of Consciousness - Woolf lässt ein Blumenmeer an Bildern entstehen, 27. Mai 2011
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Josephine Sterner "Bücher-Liebhaberin" (Hérimoncourt, Frankreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mrs Dalloway: Roman (Taschenbuch)
An einem schönen Sommertag im Juni 1923 möchte die 52-jährige Clarissa Dalloway eine Abendgesellschaft geben. Hierfür macht sie Besorgungen und trifft Vorbereitungen gemeinsam mit ihrem Mann Richard und ihrer Tochter Elizabeth. Ihr Jugendfreund und ehemaliger Heiratskandidat Peter Walsh besucht sie, gemeinsam geben sie sich den Erinnerungen der Vergangenheit hin...

"Mrs. Dalloway" ist der wohl typischste Roman des Stream of Consciousness bzw. Bewusstseinsromans, der anstatt eine allwissende, eine multiperspektivische Erzählhaltung einnimmt und zum Besten gibt, um das menschliche Bewusstsein in allen möglichen Einzelheiten zu vermitteln. Der Roman ist sicher keine leichte Kost, wenn man sich nicht aufs Äußerste konzentriert, um den Faden nicht zu verlieren, doch wenn man erst einmal Woolfs Worten folgt, ist man so fasziniert, dass man beim Lesen sogar den Atem anhält, um die Atmosphäre einzusaugen, die Woolf schafft. Sie schreibt die gedanklichen Verschachtelungen der Figuren nieder und reichert diese mit Metaphern aus dem Leben an, gerade dies macht Woolfs Stil und dieses Buch so besonders: "...und wurde überwältigt von seinem Schmerz, der heraufkam wie ein Mond, auf den man von einer Terrasse blickt, schaurig schön im Licht des versunkenen Tages."

Man muss Virginia Woolfs Stil schon mögen, um eine gewisse Sympathie hierfür zu entwickeln, doch gibt man sich ihren Intentionen hin, so verliebt man sich unweigerlich in ihre einzigartig schön dargestellte Szenerie, die, während hier die Handlung voranschreitet im Ablauf eines Tages, den Leser immer weiter in die Vergangenheit und Komplexität der Figur Clarissa Dalloway eindringen lässt.

~Bücher-Liebhaberin~
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Mrs Dalloway: Roman (Fischer Klassik PLUS)
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