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Ginger Baker gilt in der Rockwelt als der beste Schlagzeuger der Welt. Er lernte von Jazzlegenden wie Phil Seamen, Art Blakey, Max Roach und Elvin Jones und formte mit dem Gitarristen Eric Clapton und dem Bassisten Jack Bruce die erste Supergroup der Rockgeschichte: »The Cream«.Zum ersten Mal erlebte ich Baker und die »Cream« 1967 in der Herforder »Scala«. »I feel free« hieß die Hymne dieser Zeit, und mit diesem Hit begann das Konzert. Ginger thronte hinter seinem gewaltigen Ludwig-Schlagzeug mit zwei Bass-Drums und einem fantastischen Arsenal von Zildjan-Becken. Er trommelte sich die Seele aus dem Leib und vollbrachte Wirbel und Breaks in einer Geschwindigkeit und Komplexität, die den Atem stocken ließ. Vor allem seine Arbeit mit zwei Bass-Drums war epochal. Es klang, als ob ein achtarmiger Oktopus spielte. In Sekundenschnelle verwandelten Baker und seine beiden Mitstreiter den Saal in einen Hexenkessel. Nach einigen Rhythm & Blues-Nummern warf er ein mitternachtsblaues, mit goldenen Sternen verziertes Cape ab, kippte nach hinten und setzte sich - nur halb vom Bühnenvorhang verdeckt - einen Schuss Heroin. Kurz darauf sprang er wieder an seine Schießbude, um eines seiner legendären zwanzigminütigen Soli hinzulegen: »Toad«.
Als gerade mal 15jähriger Hobbyschlagzeuger packte mich die Sehnsucht, es ihm musikalisch gleich zu tun und ein zweiter Ginger Baker zu werden. Im Dachboden meiner elterlichen Behausung drosch ich wie ein kleiner Teufel auf ein mickriges Schlagzeug ein und trainierte komplexe Paradiddles, Mühlen und Wirbel. Meine Nachbarn liefen Amok und wollten mich am liebsten wegsperren.
Baker war und ist aber nicht nur ein großartiger Drummer, er ist auch ein ebenso schwieriger Charakter. Eine Hassliebe verbindet ihn mit dem ebenso als Choleriker bekannten Jack Bruce. »Cream« brach am ständigen Konflikt der beiden entzwei, und Ginger Baker schuf »Blind Faith«. Zur Premiere der neuen Gruppe trampte ich nach London und erlebte die Truppe mit zehntausenden anderen Blumenkindern am 7. Juni 1969 gratis im Hyde Park. Eric Clapton und Stevie Winwood waren neben Baker die Eckpfeiler der Gruppe.
40 Jahre später treffen sich die mittlerweile grauen Blumenkinder in London wieder. Am 4. November 2009 wurde im London Jazz Cafe in Camden Bakers 70. Geburtstag gefeiert, und es wunderte mich nicht, dass Winwood vierzig Jahre später wiederum zur Klampfe griff und mit dem Jazz-Rock-Bassisten Jonas Hellborg, der Saxophon-Legende Pete King und dem Gitarristen Chris Goss den Jubilar begleitete.
Ginger Baker, der seit vielen Jahren in Afrika lebt, nutzte seinen Auftritt nicht nur, um alte Freunde, treue Fans und langjährige Weggefährten zu begrüßen, er stellte auch seine frisch erschienene Autobiographie »Hellraiser« vor. Nach Clapton und Bruce plaudert damit der dritte »Creamer« aus dem Nähkästchen und schildert sein wildes Leben zwischen Sex, Drogen und Rock ’n’ Roll. Nun kann Ginger endlich »the true story, as it happened« erzählen.
Geboren wird Peter »Ginger« Baker am 18.08.1939 in London. Er wächst in ärmlichen Verhältnissen auf und muss früh lernen, seine Fäuste zu nutzen. Der Vater fällt im Krieg, doch er hat Glück mit einem Stiefvater. Bereits im Unterricht fällt der Junge, der gelegentlich schon mal eine Jazz-Schallplatte stibitzt, durch rhythmisches Trommeln auf der Tischplatte auf. Seine Mitschüler glauben, er könne Schlagzeug spielen, und auf einer Fete wird er plötzlich gebeten, eine Probe seines Könnens zu geben. Baker nimmt erstmals hinter einer richtigen Schießbude Platz, legt los und hat augenblicklich seine Bestimmung entdeckt: er will Schlagzeuger werden.
Doch wie wird man Schlagzeuger? Baker bastelt sich aus einem Spielzeugschlagzeug und Blechdosen ein Drum-Kit, übt darauf und meldet sich auf eine Suchanzeige im »Melody Maker« zum Vorspielen. Den Musikern erklärt er, sein »richtiges« Schlagzeug sei defekt, darum spiele er mit Behelfsgerät. Frechheit siegt! Der gerade 18jährige Baker wird Drummer von »The Storyville Jazzmen« und begründet damit seine Karriere als Profimusiker.
Kurz darauf lernt er Phil Seamen kennen, der bereits eine Legende des britischen Jazz ist. Seamen bringt ihm aber nicht nur das Schlagzeugspielen näher, er zeigt ihm auch Heroin. Es dauert nicht lange, und Baker zieht alles durch Mund und Nase, was er erwischen kann. Kurz darauf setzt er seinen ersten Schuss. So startet er nicht nur eine Karriere als Drummer sondern auch als Junkie. In Kürze lernt er alle Musiker kennen, die in jener Zeit den Ton angeben. Er spielt mit dem Saxophonisten Dick Heckstall-Smith und Bassmann Jack Bruce als Mitglied der von Alexis Corner geführten »Blues Incorporated«. Mick Jagger, den Baker als unfähig verachtet, darf gelegentlich singen, Graham Bond stößt zu ihnen und vollführt musikalische Kunststücke auf seiner Hammond-Orgel. Bald entsteht aus dieser Formation die legendäre »Graham Bond Organisation«.
Viele Musiker lehnen Baker trotz seiner allseits anerkannten Fähigkeiten ab, weil er ein bekannter Junkie ist. Sister Morphine sitzt mit ihm am Schlagzeug, und das Übermaß an Drogen, das Ginger konsumiert, lassen ihn ausfällig und unberechenbar gegenüber Freunden und Bandkollegen werden.
»Hellraiser« liest sich streckenweise wie eine grandios rauschende Drogenbiographie. Baker versucht zwar immer wieder, von den harten Drogen loszukommen, akribisch erzählt er in seiner Autobiographie von insgesamt 29 Entziehungsversuchen mit Methadon im Laufe von 21 Jahren, doch die Sucht ist stärker. Zu Alkohol, Amphetaminen, Heroin und Morphium kommt bald LSD hinzu, jeder nur denkbare Drogencocktail wird gemixt, und die Konsequenzen bleiben nicht aus: im Vollrausch verliebt Baker sich immer wieder, er kommt fast in einem Schneesturm um, bei Rangeleien mit anderen Musikern wird er wiederholt verletzt und verliert sämtliche Zähne, teure Autos werden zu Bruch gefahren, Freunde kommen durch Überdosen um … Baker beschreibt auch die Wesensänderungen, die Bandkollegen durchmachen. Jack Bruce muss wegen unberechenbarer Wutausbrüche aus der Band ausgeschlossen werden, und Graham Bond entwickelt sich von einem eitlen Paradiesvogel, der mit Händen und Füßen mehrere Instrumente gleichzeitig spielen kann, zu einem im Räucherstäbchennebel meditierenden Spiritisten, bevor er schließlich unter den Rädern einer Londoner U-Bahn endet.
Baker lernt Eric Clapton kennen und plant mit ihm die Gründung einer eigenen Band. Trotz Gingers Bedenken einigen sich die beiden auf Jack Bruce als Bassisten, und damit sind »The Cream« geboren. Die Band geht in kurzer Zeit ab »like a fucking rocket«. Das Flower-Power-Publikum gerät aus dem Häuschen, wenn die drei Musiker nur die Bühne betreten. Gagen steigen, Säle werden immer größer, und Clapton und Bruce bauen gigantische Boxentürme auf, um mit immer mehr Power zu spielen. Baker leidet bald an Hörproblemen, er hockt zwischen den Lautsprecherwänden und haut immer kräftiger auf Trommeln und Becken, um sich wenigstens noch selbst zu hören. Seine Proteste gegen den infernalischen Lärm werden von den beiden anderen ignoriert. Gestritten wird auch um die Urheberschaft an den einzelnen Titeln, denn sehr demokratisch geht es im »Cream«-Team nicht zu, und es geht um viel Geld.
1969 trennen sich die Weg der drei Cream-Heroen, und Baker formiert gemeinsam mit Stevie Winwood die nächste Supergroup. Das ist »Blind Faith«, bei der wiederum Clapton mitspielt. Es folgt »Ginger Bakers Airforce« mit der Sängerin Jeanette Jacobs, Gitarrist Denny Laine, Organist Stevie Winwood, den Bläsern Harold McNair und Graham Bond, Rick Grech am Bass und Phil Seamen als zweiten Schlagzeuger. Auch diese Formation hält nicht lange, worauf Baker sein Glück in Afrika versucht, um Abstand zu gewinnen, den Tod seines Freundes Jimi Hendrix, der am Erbrochenen erstickt ist, zu überwinden und von den Drogen loszukommen. Afrika ruft den Drummer, denn Bakers Qualität gründet auf seinem Afrika-Feeling, das seine Spieltechnik unvergleichlich macht. Er hat Afrika im Blut und ist bis heute der einzige weißhäutige Drummer, der auf dem schwarzen Kontinent anerkannt und gefeiert wird.
In Nigeria baut Baker das erste Tonstudio Westafrikas auf und spielt mit dem Afrobeat-Star Fela Kuti. Der Nigerianer kommt mit zwei Dutzend knackfrischer Ehefrauen zu den Jazztagen nach Berlin, die er stolz auf einer Pressekonferenz präsentiert, ihnen dann jedoch den Mund verbietet. Beim abendlichen Konzert versackt Baker, den ich an dem Tag fotografiere und interviewe, in einer Spielpause an der Theke im Musikerrestaurant der Philharmonie. Der Meister ist bereits schwer angeschlagen, als der Veranstalter bemerkt, dass alle Musiker auf ihren Plätzen sind und weiter spielen wollen, Baker jedoch fehlt. Der hat plötzlich keine Lust mehr und lässt sich nur widerwillig an seine Schießbude zerren ließ.
Bakers Karriere in Nigeria dauert nur kurz, er erlebt ein finanzielles Fiasko und fällt wieder in die Drogenhölle. Getrennt von Frau und Kindern flieht er in die Toskana, um Missernten und eine weitere gescheiterte Ehe ernten zu dürfen. Immer neue Bands entstehen: »Bakers Gurvitz Army, »Masters of Reality«, »BBM«. Er zieht weiter nach Los Angeles, dann nach Colorado, wo er mit der Zucht von Poloponys beginnt. Schließlich siedelt er in KwaZulu-Natal in Südafrika, wo er auf einer eigenen Farm Pferde züchtet, Polo und Schlagzeug spielt und sich mit den Nachbarn anlegt.
In Mai 2005 kommt es noch einmal zu einem legendären »Cream Reunion« Konzert von Baker, Bruce und Clapton. Drei Tage sind die »Royal Albert Hall« total ausverkauft, Tickets werden zu 1000 Euro gehandelt, und das Trio erlebt Begeisterungsstürme wie in alten Zeiten. Die Band spielt auch noch in den USA, dort brüllt Bruce jedoch Baker plötzlich unvermittelt auf der Bühne an, und die beiden gehen vor dem Publikum offen aufeinander los. »Cream« zerbricht ein zweites, allerletztes Mal.
Wer »Hellraiser« liest, bekommt einen tiefen Einblick in die innere Welt vieler Superstars von Clapton bis Hendrix. Es ist teilweise erschütternd, wie das wilde Leben zwischen Sex and drugs and rock n roll wirklich war und was sich hinter den teilweise glamourösen Kulissen abspielte. Diese Autobiographie ist ein Zeitdokument, das seinesgleichen sucht und auch demjenigen, der kein Baker-Fan ist, einen Schlüssellochblick in die Welt von Sex, Drogen und Rock ’n’ Roll gestattet.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. August 2010
Wir hatten schon immer geahnt, daß Baker ein wilder Kerl ist/war, aber das Buch ist etwas anstrengend; nicht weil es schwer zu lesen wäre, im Gegenteil, es ist leicht und locker daher erzählt, aber die unendlich vielen Drogen und die vielen Weiber, die Pete Baker da gepoppt hat, sind schon schwerer Tobak.
Die Drogen hatte man ja geahnt, aber nach 2/3 der Lektüre fragt man sich unwillkürlich, wie der Mann 71 Jahre alt werden konnte und bei seinem Frauenkonsum (er hat anscheinend kein Mädel links liegen lassen), fragt man sich, wie seine erste Frau und die Kinder das aufgenommen haben, da schweigt er sich aus.
Hinzu kommen Auto- und sonstige Unfälle ohne Ende, der Mann muß eine Armada von Schutzengeln gehabt haben!
Über die Musik an sich erfährt man kaum etwas, schon mehr über die Musiker, Produzenten und sonstige Menschen, die seinen Weg gekreuzt haben.
Wer schon immer mal wissen wollte, wie ein Leben auf der Überholspur aussieht, der lese dieses Buch, langweilig ist es weiß Gott nicht, aber tauschen möchte man mit ihm nicht.
P.S.:
Wer Baker auf der Höhe seines Könnens genießen möchte, leiste sich die beiden CDs mit Charlie Haden und Bill Frisell (Falling off the Roof sowie Going back home) und sein Schlagzeuglehrgang auf DVD ist auch sehr zu empfehlen, weil er dort sehr konzentriert auf den Grundlagen, den Rudiments aufbaut.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Schon einige Biografien habe ich von oder über Rockstars gelesen (die meisten in englischer Sprache, da deutsche Übersetzungen oft nicht aufgelegt werden). Diese hier von Ginger Baker hinterlässt den Eindruck eines ehrlichen und bodenständigen Menschen. Baker beschreibt sein Leben in schonungsloser Offenheit, und man möchte wahrlich nicht mit ihm tauschen. So wird doch deutlich, dass das Leben eines Stars nicht so positiv sein muss wie es gemeinhin vermutet wird.
Das Buch kann ich nicht nur Baker-, Cream- oder Blind Faith-Fans empfehlen. Baker sehe ich exemplarisch für die großen Stars der Musikszene der 1950er und 1960er Jahre. Viele haben das wilde Leben inkl. Konsum harter Drogen nicht überlebt. Dass Ginger Baker heute noch lebt scheint angesichts seiner Beschreibungen wie ein Wunder.
Fazit: ein kurzweiliges und auch schockierendes Buch eines 70-jährigen, der sein Leben Revue passieren lässt. Lesenswert!
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am 16. April 2015
Das Buch sollte sich, laut Anbieter, in sehr gutem Zustand befinden. Faktisch waren der Schutzumschlag, der wirklich sehr schön gestaltet ist, sowie der Leineneinband von einem Wasserschaden betroffen, was ich ärgerlich fand, weil ich mich extra für ein Buch in sehr gutem Zustand entschieden und mich auch darauf gefreut hatte.
Ansonsten ein "Muss" für alle Fans des genialen, wunderbaren Mr. Peter Edward Baker!
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. November 2012
Als alter Creamfreak von Jugend an, war diese Bio eine Ergänzung zu der von Clapton. Sicher hat Ginger Baker viele Details von früher beschrieben, die für den Insider interessant sind. Wer allerdings mit dieser Zeit und der Musik nichts anfangen kann, der wird an diesem Buch wenig Freude finden. Mich wundert nur, dass auf den Klassedrummer Jon Hiseman von Baker nicht eingegangen wird.
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