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am 25. Januar 2014
Noch nie habe ich so einen ruhigen, sensiblen, toll gespielten und gewaltigen Film gesehen, der absolut sehenswert ist! Das ist Film- und ganz große Schauspielerkunst die unter die Haut geht, bewegt und so schnell nicht mehr los lässt! Ein Film bei dem man sich wünscht, dass er nie endet!
Mehr davon!
Ich bin immer noch hin und weg! Einfach großartig!
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TOP 1000 REZENSENTam 21. Oktober 2013
"You’re the strangest man I’ve ever met" – "Sie sind der seltsamste Mann, den ich je getroffen habe". Kaum ein Satz könnte Albert Nobbs besser beschreiben.

Kunststück, denn mancher Mann ist eben eine Frau:

Der Butler Albert Nobbs, der im 19. Jahrhundert in einem Hotel in Dublin arbeitet, tut das so unauffällig wie nur möglich, denn Mister Nobbs ist eigentlich eine Frau. Und zwar eine, die bereits so lange als Mann ihren gewissenhaften Dienst tut, dass sie sich nicht einmal mehr an ihren richtigen Vornamen erinnern kann. Sie hat sich als Mann neu erfunden, weil die starren Sitten alleinstehenden Frauen im Dublin des späten 19. Jahrhunderts ein eigenständiges Leben verbieten. Als Mädchen roher Gewalt ausgesetzt und wissend, als Frau im Irland des späten 19. Jahrhunderts keine Chance auf Unabhängigkeit zu besitzen.
Jetzt in der ständigen Angst lebend, entdeckt zu werden, hat Nobbs über lange Jahre gelernt, jeden Anflug von Persönlichkeit vor seinen Mitmenschen zu verbergen. Bis irgendwann keine Persönlichkeit mehr da ist. So arbeitet er/sie tagein tagaus ganz in sich zurückgezogen. Nachts in seiner Kammer zählt er sein seit Jahren erspartes Geld, um sich den Traum vom eigenen Ladens zu verwirklichen. In Nobbs Leben gibt es kein eigenes Leben, keine Sexualität oder auch Lebensfreude. Emotionen jeglicher Art bleiben ihm suspekt.
Diese Lethargie löst sich schlagartig, als er eines Tages unerwartet seinen Schlafraum mit dem Maler Hubert Page teilen muss und der Anstreicher sein Geheimnis entdeckt. Als sich Page dann seinerseits ebenfalls als Frau zu erkennen gibt, bringt das Nobbs kleine Welt gehörig durcheinander, denn Hubert ist ganz anders: offen, charmant und glücklich. Und - er ist verheiratet mit einer Frau, die er genauso sehr liebt wie sie ihn. Das mit der Liebe kann Albert zwar nicht wirklich begreifen, trotzdem wächst in ihm stetig der Wunsch, seinen zukünftigen Tabakladen mit einer Partnerin zu führen, auch nicht mehr alleine zu sein...

"Albert Nobbs" wäre an sich eine langweilige Figur, kaum ausreichend, einen Film von 109 Minuten zu tragen, wenn da nicht manchmal diese Sehnsucht in seinen Augen läge. Dieser Nobbs hat keine dramatischen Zusammenbrüche, keine plötzlichen Wutanfälle und hält auch keine tränenreichen Reden. Lediglich zum Ende des Films bricht etwas aus ihm hervor, ein letztes und vermutlich auch einziges Mal. Das Unglück dieses Mannes schimmert konstant immer nur kurz hervor, in diesen kleinen, stillen Filmmomenten, die gleichzeitig auch ein Bild der Klassenunterschiede und falschen Moral der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts zeichnen. "Albert Nobbs" ist ein leiser, trauriger Film, der fast ausschließlich durch die wirklich ausgezeichnete Darstellung von Glenn Close lebt. Eine ruhige Kameraführung, lange Einstellungen und wenig beleuchtete Räume schaffen eine recht bedrückende Atmosphäre und Nobbs, still, eingezwängt in seinen bis oben zugeknöpften Butleranzug, unterstreicht das effektiv, sieht man eben oft nichts weiter als sein ernstes, schmallippiges Gesicht. Glenn Close spielt diesen Albert Nobbs wirklich so authentisch, dass man fast vergisst, dass Nobbs gar kein Mann, sondern eben eine Frau ist.

Fazit: Die Verfilmung der gleichnamigen Romanvorlage überzeugt als zurückhaltendes, sozialkritisches Melodram, das Glenn Close eine mehr als verdiente Oscar-Nominierung eingebracht hat. Dieser Film kommt gänzlich ohne Effektheischerei aus, besticht durch seine Schlichtheit und sehr gute Darstellung, hat aber durchaus so seine Längen und auch kein wirkliches Happy End.
Trotzdem: jedenfalls sehenswert!
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am 14. August 2012
Ich glaube nicht , dass ich im gesamten letzten Jahr einen ähnlich hochwertigen Film gesehen habe. Schade, dass es keine deutsche Fassung gibt - aber wer einigermassen mit Englisch klar kommt, sollte keine Probleme haben.
Albert Nobbs ist GENIAL besetzt und unfassbar gut gespielt.
Obwohl das Thema sich sozialkritisch mit den Problemen der Emanzipation der Frau im 19.Jahrhundert auseinandersetzt, ist es nicht depressiv oder langweilig, sondern es ist ein Genuß der Handlung zu folgen!
Glenn Close hätte in jedem Fall für diese Leistung den Oscar verdient!
Unbedingt anschauen!
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am 1. Februar 2015
Story (4)
Ich muss schon lange zurückdenken, um mich zu erinnern, wann ich das letzte Mal einen Film gesehen habe, bei dem ich zu keiner Zeit einen Plan hatte wie sich die Geschichte wohl weiterentwickeln würde. So ist man als Zuseher ebenso von den Handlungsverläufen überrascht, wie die etwas hilflos wirkende Hauptfigur Albert Nobbs.
Keine Frage, dass Glenn Close hier eine grandiose schauspielerische Leistung abliefert, auch wenn es leider einmal mehr nicht für einen Oscar gereicht hat.
Ein richtiges Drama ist es denn auch, dass uns hier geboten wird mit perfekter opulenter Ausstattung und wunderschön inszenierten Szenen.
Einzig der etwas abrupte Schluss, wirkt als wäre der Drehbuchverfasser ebenso vom tragischen Ende überrascht worden wie die fassungslosen Zuschauer...

Bild (5)
Das Bildseitenformat liegt in 2.35:1 ( 21:9 CinemaScope ) vor.
Wir haben es hier bildtechnisch mit einer hervorragenden HD-Umsetzung zu tun.
Sowohl die Bildschärfe wie auch die Farben oder der Schwarzwert bewegen sich auf aller höchstem Level. Es gibt eine beachtliche Tiefenwirkung, die dem aufwändig Inszenierten Film gerecht wird.
Bildqualität: Referenz, viel mehr geht wohl nicht.

Ton (4)
Das Tonformat liegt in DTS-HD Master 5.1 vor.
Auch die Tonumsetzung ist sehr gut gelungen. Es handelt sich hier allerdings um einen sehr ruhigen Streifen, bei dem vor allem die Dialoge wichtig sind und die sind jeder Zeit bestens zu verstehen.
Räumlichkeit kommt höchstens beim Soundtrack, der übrigens sehr gut ist, auf. Ansonsten werden vor allem die Frontlautsprecher angesprochen.
Die Tonbalance sowie die Dynamik sind aber ebenfalls sehr gut ausgefallen.

Extras (3)
Interessieren mich nicht. Es gibt ein Wende-Cover!

Fazit: Ein beeindruckendes wenn auch sehr spezielles Drama, das sicherlich nicht gerade die breiten Massen anspricht. Die Blu-ray-Umsetzung ist hervorragend ausgefallen.
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TOP 500 REZENSENTam 8. Oktober 2013
FILM Kritik/Bewertung/Besprechung (Review): [Blu-ray/DVD Informationen ganz unten]

Vielleicht ist es nicht fair ALBERT NOBBS zu besprechen, wenn man weder Glenn Close Fan ist, noch Filme bevorzugt, in denen Männer in Frauenkleidern oder umgekehrt agieren, denn meist artet dies in oberflächlichem Klamauk aus um es einem breiten Publikum mental überhaupt zugänglich zu machen. Aber die ersten Eindrücke von ALBERT NOBBS schon haben dieses Vorurteil wie erwartet nicht bestätigt. Die Literaturverfilmung des irischen Autors George Moore von 1918 ist ein sehr intensiver Film über eine Frau, die ein selbstbestimmtes Leben in einer patriarchalischen Gesellschaft führen will und dazu außergewöhnliche und gefährliche Wege bestreitet um glücklich zu sein. Glenn Close hat für die bewegende und glaubhafte Darstellung von Albert Nobbs zu Recht eine Oskarnominierung erhalten.

Die Ausgangssituation der Geschichte Ende des 19. Jahrhunderts in Irland ist alles andere als günstig. Frauen dürfen nicht arbeiten und Albert Nobbs (Glenn Close), der eigentlich eine Frau ist, hat schon 30 Jahre als Butler in Dublin gearbeitet. Ihr Ziel ist es, sich mit dem Ersparten selbstständig zu machen, und dies droht zu scheitern, als sie sich in eine ebenfalls interessante Person, Maler Hubert Page (Janet McTeer) verliebt...schon in den ersten Szenen gibt ALBERT NOBBS eine Visitenkarte ab und die langsamen Kamerafahrten und die bedächtige Musik ergeben eine sehr gute Einheit. Gleich in der ersten Szene bereitet sich Albert Nobbs mental auf die Arbeit vor und streicht sich durch das kurze Haupthaar. Danach liefert er in der Bedienung seiner Herrschaften die erwartete Perfektion in Bewegung, Körperhaltung, Gestik und Sprache ab.

Der Trailer des Films suggeriert durch seine etwas einseitige Auswahl der durchaus vorhandenen komödiantischen Szenen eine gewisse Gagdichte die ALBERT NOBBS nicht wirklich gerecht wird. Von Anfang an ist die Grundstimmung eine deutlich melancholische und man leidet in dem Schicksal von Albert Nobbs sofort mit. Die dramaturgischen Highlights werden eben nicht mit dem Dampfhammer präsentiert, sondern ALBERT NOBBS lässt sich viel Zeit die Geschichte Stück für Stück aufzubauen und gibt auch seinen vielfältigen Nebenfiguren genügend Raum um sich sichtbar zu entfalten. Dies gilt insbesondere für Mia Wasikowska als Helen, aber im Besonderen für die Leistung der äußerst charmanten Janet McTeer, die dafür auch mit einer Oskarnominierung belohnt wurde.

In einer schönen Szene am Schluss ist sie sogar mindestens auf Augenhöhe mit Glenn Close wenn nicht sogar darüber. Über allem schwebt natürlich die Leistung des Alt-Stars Close und ihrer einmaligen Physiognomie als Mann mit unschätzbarem Alter. Man erkennt Clenn Close jederzeit, erlebt aber als Zuschauer mit diesem Wissensvorsprung trotzdem das Handeln ihrer Figur des Albert Knobbs. Diese Figur hat eine eigene Aura und eine Art positiver Künstlichkeit mit einem guten Schuss "Nicht von dieser Welt" mit ihrer steifen Haltung und übertriebenen Korrektheit in Gestus und Sprache. Alles Sexuelle ist eher auf eine Phantasie, ein Idealbild reduziert und bewegt sich damit in fast infantilem Kontext.

Man denkt oft Nobbs wünscht sich unsichtbar zu sein, und mit den manchmal gleichfarbigen Hintergründen verschwimmt ihre Erscheinung tatsächlich fast und bildet damit eine deutungsreiche Metapher zu der Stellung der Frau in der Zeit, in der die Geschichte spielt. In einer anfänglichen Szene, in der sie kurz enttarnt wird, scheut sie sich auch nicht vor sehr unvorteilhaften Einstellungen und ist alles andere als eine Diva. Sie hat die Rolle ja auch schon am Theater gespielt und es war stets ihr Wunsch die Geschichte anspruchsvoll zu verfilmen. Das kann man von der äußerst stilsicheren Ausstattung bei nur 8 Mio. Dollar Budget durchaus so feststellen.

Sie tritt auch als Produzentin auf und arbeitete auch an der Adaption des Drehbuchs von ALBERT NOBBS mit. Der kolumbianische Regisseur Rodrigo Garcia hat sich mit diesem Werk deutlich in die Aufmerksamkeit des Filmgeschäfts gespielt, was von seinem sonstigen Schaffen, dass mehr aus bei uns nicht sehr bekannten TV-Serien stammt, nicht wirklich behaupten kann. Für Glenn Close Fans ist der Film ein Muss und eine Augenweide. Freunde anspruchsvoller Dramen sollten ebenfalls einen Blick darauf werfen. Das wichtige und unstützenswerte Thema der Nichtbenachteiligung aufgrund der sexuellen Orientierung und Themen wie Transgender sind auch heute aktueller denn je und fest in der öffentlichen Diskussion verankert.

4,5/5 Sternen (in der Kategorie "Melodram")

PRODUKT (Blu-ray/DVD) Bewertung/Besprechung (Review):

- BILD: solides (HD) Bild ohne für mich feststellbare wirkliche Schwächen oder Stärken
- TON: genregemäß frontlastig, räumlich wo nötig, Blu-ray: DTS-HD MA 5.1, DVD: DD 5.1
- EXTRAS: Interviews mit Cast & Crew; Deleted Scenes; Kinotrailer
- SONSTIGES: FSK 6 uncut, Wendecover ohne FSK Logo (ggfs. nur in Erstauflage enthalten)
99 Kommentare|21 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. Dezember 2015
Vorneweg: natürlich ist der Film traurig, was aber nichts an seiner Qualität ändert, im Gegenteil, die Dramatik dient ja auch einem Zweck. Ich habe nach kurzem Ansehen von Downton Abbey das Weiterkucken eingestellt, u. a. da ich es unerträglich fand, dass die Angestellten in so schweren Zeiten auch noch sich gegenseitig das Leben mit Intrigen und Lästereien schwer gemacht haben, und hatte etwas Angst, dass dieser Film in dieselbe Richtung geht - ich wurde positiv überrascht. Der Film ist ein Hoch auf und ein Plädoyer für Anstand und gegen Systeme, in denen zwar einige wenige gewinnen, aber andere dafür verlieren/ auf Kosten von anderen. Und ich rede hier nicht nur von der repressiven Gesellschaft der dargestellten Zeit, sondern auch allgemein und auch heute noch aktuell: manche werden mit dem falschen Geschlecht, den falschen Genen, im falschen Land, zur falschen Zeit, den falschen Eltern etc.etc. geboren - leider ist das Leben so ein Sch...-System voller Ungerechtigkeit für Viele, und Albert Nobbs, die mit Abstand anständigste Figur der Geschichte, wird (Achtung Spoiler) nicht nur Opfer des Systems an sich, sondern auch Opfer der Opfer des Systems, denn genau das sind Helen und Joe. Allerdings (und diese Unlogik ist der Schönheitsmakel des Films) sollte man denken, dass eine FRAU das unehrliche Spiel von Helen durchschauen sollte, andererseits unterstreicht ihre Naivität/Blindheit die Tatsache, dass sie schon so lange und zu 100% als Mann lebt ;-). Und das Ganze ist perfekt gespielt, allen voran von Glenn Close und der fast noch großartigeren Janet McTeer. Fazit: Traurig? Ja, aber mit Zweck und toll in Szene gesetzt!
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am 14. März 2015
Der Film "Albert Nobbs" ist äußerst anrührend, traurig und tragisch.
Man kann sich beim Anschauen Gedanken machen zur Gleichstellung der Frau, Vergleiche bemühen zur psychischen Situation von Hermaphroditen (umgangsprachlich "Zwitter" genannt) oder Transgendern, muss das aber nicht.

Dieser Film ist atmosphärisch dicht mit überzeugender, jedoch eher reduzierter Kulisse und Ausstattung. Glenn Close ist maskenbildnerisch ein glaubwürdiger Mann. Ihr Spiel zieht in den Bann. Wie ihr Albert Nobbs immer Haltung zu bewahren sucht, in den typischsten peinlichen Situationen zwischen Männern, bei Gesprächen unter Männern, wie er von der Angst vor dem Entdeckt- und Überführtwerden gehemmt und gelenkt wird, wie er aufblüht in den Träumen von der Zukunft und den winzigen, kurzen Momenten, in denen er sich frei fühlt, das ist großartig anzusehen und erzeugt zugleich Beklemmungen.

"Albert Nobbs" ist weit mehr als ein Historienfilm, er ist ein Film über die Suche nach Identität und einer selbstbestimmten Rolle im Leben. Er hat mich sehr berührt und ist äußerst empfehlenswert!
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TOP 1000 REZENSENTam 23. November 2014
Für den Kostümfilm "Albert Nobbs" konnte Glenn Close ihre sechste Oscarnominierung erringen. Gewonnen hat sie den Preis bisher nicht, weder mit "Garp und wie er die Welt sah", "Der große Frust", "Der Unbeugsame" oder mit "Eine verhängnisvolle Affäre. Allerdings hätte sie die begehrte Trophäe spätestens als fiese Marquise Isabelle de Merteuil in "Gefährliche Liebschaften" mehr als verdient. Und auch ihre Rolle als Butler "Albert Nobbs" war imponierend - leider hat sie wieder verloren, diesmal gegen Meryl Streep als "Eiserne Lady" - ich finde die beiden Darstellerinnen sind sich irgendwie sehr ähnlich. Somit wird es immer wahrscheinlicher, dass Glen Close in spätestens 10 bis 15 Jahren einen Ehrenoscar für das Lebenswerk erhält - genauso war es auch bei Deborah Kerr, die ebenfalls 7 Nominierungen hatte und auch nie gewinnen konnte. "Albert Nobbs" wurde 2011 in drei Kategorien nominiert, neben der Hauptdarstellerin wurde auch Janet McGeer als beste Nebendarstellerin sowie Martial Conrevil, Lynn Johnston und Matthew W. Mungle für das Make up, das aus sanften, aber starken Frauen etwas sonderbare Männer machte. Fürs Szenenbild oder für die Kostüme hätte man ruhig auch eine Nominierung vergeben können, der der Film von Rodrigo Garcia ist optisch ein würdiger Verwandter der von mir hoch geschätzten Ivory/Merchant Produktionen wie "Zimmer mit Aussicht" oder "Wiedersehen in Howards End". Dabei lässt der Regisseur auch das Interesse an interkulturellen Konflikten, Unterdrückung von Individuen und Klassenunterschieden niemals links liegen. So erinnert beispielsweise die Performance von Glen Close auch manchmal an die Nöte, die Barbra Streisand in ihrem "Yentl" durchmachen musste. Zu guter Letzt ist "Albert Nobbs" auch ein moderner Klassiker des Queer Cinema, denn nicht nur die Unterdrückung der Frau in der Mitte des 19. Jahrhunderts wird zum Thema gemacht, sondern auch die Suche nach einer sexuellen Identifikation wird anhand der Hauptfigur interessant gestaltet. Zuerst bleibt der Zuschauer im Unklaren, warum eine Frau in die Rolle dieses Butler Albert Nobbs geschlüpft ist und schon seit Jahren dieses Geheimnis bewahrt. Man kann es sich irgendwie denken, wenn man sieht, dass Albert in seiner Kammer - nach der Arbeit des Tages - das ersparte Geld zählt und es wieder unter dem Fußboden versteckt. Es dürfte klar sein, dass eine Frau nie diese Anstellung bekommen hätte und als alleinstehende Frau wäre man damals schutzlos einer männnerdominierenden Welt ausgeliefert gewesen. So wird schnell klar, dass der kleine Butler Träume hat, die er irgendwann verwirklichen will. Als die Hotelbesitzerin Mrs. Baker (Pauline Collins) den Anstreicher Hubert Page (Janet McTeer) beherrbergt, befielt sie, dass Albert mit diesem Arbeiter das Bett in der Nacht zu teilen hat. Durch eine Flobiß wird der Mann zum Mitwisser des streng gehüteten Geheimnisses. Doch er verspricht Stillschweigen. Mehr noch: Kurze Zeit später wird klar, dass auch Hubert in Wahrheit eine Frau ist und sogar offiziell mit einer Frau (Bronagh Gallagher) glücklich verheiratet ist. Dieses Geständnis lässt Albert Nobbs nicht mehr los. Es herrscht in Gedanken Rätselraten, ob die Frau dies Wahrheit schon vor oder erst nach der Hochzeit wusste. Albert beginnt sich auch immer mehr für eine seiner Arbeitskolleginnen, das junge Dienstmädchen Helen Dawes (Mia Wasikowska) zu interessieren. Die ist aber schwer verliebt in den flatterhaften Joe Mackins (Aaron Johnson), der ebenfalls seit kurzem in den Diensten der gestrengen Mrs. Baker steht, allerdings den großen Traum hat viel Geld zu haben und nach Amerika auszuwandern. Trotz der Liason der beiden jungen Leute, wagt Albert die hübsche Helen zu fragen, ob sie mit ihm ausgehen würde...sehr imponierend ist die subtile Herangehensweise an den Stoff. Der Regisseur verleiht der Hauptfigur eine große Würde und man ist sehr schnell an dem Schicksal dieses ungewöhnlichen Menschen interessiert. Dabei stellt die Geschichte gekonnt mit der Figur des Hubert Page eine völlig anders agierende Persönlichkeit vor, die aber die gleiche Maske trägt. Nur traut sich der Lebemensch Hubert viel mehr zu und er fordert den schüchternen Albert Nobbs dazu auf sein Leben glücklich zu leben und auch in Liebesdingen seine Träume zu verwirklichen. Das Ende ist wie im richtigen Leben einerseits sehr tragisch, andererseits auch mal sehr ungerecht - aber auch im letzten Bild hoffnungsvoll. Ein sehr schöner Film, gut geeignet für die kommende kalte Jahreszeit.
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am 25. November 2013
"Albert Nobbs" beschäftigt Glenn Close ("Gefährliche Liebschaften") bereits seit 30 Jahren. Damals spielte sie in der von George Moore ersonnenen Kurzgeschichte an einem Off-Broadway-Theater den Albert Nobbs und seitdem versucht Glenn Close, diese Geschichte zu verfilmen. Jahrzehntelang scheiterte ihr Herzensprojekt an finanziellen Problemen oder Terminschwierigkeiten, aber letztendlich hat sie es doch noch geschafft und die Figur, die ihr so am Herzen liegt, in einem Film verewigt. Dazu übernahm sie neben der Hauptrolle auch noch die Mitarbeit am Drehbuch und die einer der Produzenten des Films. Und in Rodrigo García ("In Treatment") fand sie einen Regisseur, der die Story mit der nötigen Sensibilität erzählt und Glenn Close darüber hinaus so wundervoll in Szene setzt, dass man hier eine der besten Leistungen ihrer langen Karriere zu sehen bekommt.

Ausstattung der Blu Ray: neben gutem Bild und Ton (deutsch und englisch in DTS-HD 5.1, Untertitel in denselben Sprachen) bekommt man leider nur wenige Extras geboten, so dass hier der Kauf der teureren Blu Ray nicht unbedingt notwendig ist. Die Extras bestehen aus ein paar Deleted Scenes, dem Trailer des Films, sieben weiteren Trailern und diversen Interviews mit einigen der Darsteller.

Albert Nobbs (Glenn Close) lebt Ende des 19. Jahrhunderts in Dublin. Er arbeitet als Kellner in einem noblen Hotel und spart jeden Penny, den er verdient, um eines Tages sein eigenes Geschäft zu eröffnen. Doch Albert Nobbs hat ein Geheimnis, das er bereits seit 30 Jahren mit sich herumträgt. Albert ist eigentlich eine Frau. Doch da es für alleinstehende Frauen im Irland der damaligen Zeit nahezu unmöglich war, einen guten Job zu bekommen, gab Albert sich als Mann aus. Als Waisenkind hatte er keine andere Chance zu überleben. Doch nun, mehr als drei Jahrzehnte später, beginnt Albert sich wieder daran zu erinnern, dass er eigentlich eine Frau ist. Durch den Maler Hubert Page (Janet McTeer, "Die Frau in Schwarz") werden Alberts Träume von Unabhängigkeit und Freiheit neu entfacht und er versucht, diese Träume wahr werden zu lassen. Darüber hinaus bringt das junge Dienstmädchen Helen (Mia Wasikowska, "Alice im Wunderland") Albert ziemlich durcheinander, doch Helen hat sich just in den Handwerker Joseph (Aaron Taylor-Johnson, "Kick-Ass") verliebt. Wird es Albert gelingen, sein (im wahrsten Wortsinn) Korsett abzulegen und seine wahre Identität preiszugeben?

In der Rolle des schüchternen, fast unsichtbaren Albert Nobbs glänzt Glenn Close mit so übermächtiger Präsenz, dass die Handlung des Films zur Nebensache verkommt. Sowieso passiert in diesem 113minütigen Film handlungsmäßig nicht viel, dafür passiert umso mehr mit Albert Nobbs. Man sollte meinen, die Geschichte eines Kellners, der sein wahres Geschlecht vor seiner Umwelt verbirgt, um seinen Job nicht zu verlieren, gibt nicht viel her und vielleicht ist das auch so, dennoch gelingt es Regisseur García grandios, aus dieser kleinen Geschichte ganz großes Kino zu machen. Vor allem, weil García sich so rückhaltlos auf die Hauptfigur konzentriert, dass es einen kaum stört, dass "Albert Nobbs" inhaltlich recht dünn geraten ist. Doch Glenn Close liefert hier so einzigartig ab, dass einem eventuelle Mankos des Films völlig egal sind.

Ein bisschen Spannung generiert García durch den undurchsichtigen Joe, dessen Absichten Helen gegenüber nicht ganz klar sind bzw. der sie für seine Zwecke zu manipulieren weiß und durch die Frage, ob es Albert Nobbs tatsächlich gelingen wird, seine Träume zu verwirklichen. Ansonsten konzentriert der Film sich voll und ganz auf Glenn Close und ihre herausragende Darstellung, und das ist auch richtig so.

Close liefert hier wirklich überragend ab. Mit nur wenigen kleinen Veränderungen im Gesicht (die Nase wurde ein wenig verändert und ansonsten sieht es so aus, als wäre jegliches Make-up weggelassen worden) verwandelt sich Glenn Close in den ergebenen, wortkargen, ernsten und zurückhaltenden Albert Nobbs. Die Haare sind kurz und zurückgestrichen, die Brüste abgebunden, die Kleidung schlicht und unauffällig. Und obwohl Glenn Close als Albert noch etwas ganz leicht Feminines umweht, ist ihr Albert so überzeugend männlich, dass man sie immer noch als Mann wahrnimmt, als sie sich einmal traut, Frauenkleider anzuziehen. Close hat diese Rolle so verinnerlicht und perfektioniert, dass man sich an ihrer Darstellung gar nicht sattsehen kann. Mit einer unglaublich zurückhaltenden Mimik, die dennoch soviel aussagt, mit nicht einmal halbgeweinten Tränen, der Andeutung eines Lächelns, Sehnsucht und Hoffnung in den Augen und dann wieder das fast vollständige Verschmelzen mit Alberts Umwelt, die ihn oft kaum wahrnimmt, all dies wird von Glenn Close mit so selbstverständlicher Intensität gespielt, dass man den Blick nicht von ihr abwenden kann.

Zwangsweise verblassen die recht prominent besetzten Nebenrollen neben so einer fantastischen Darstellung. Doch auch Mia Wasikowska als unbedarfte Helen, die sich in den falschen Mann verliebt und Aaron Taylor-Johnson als undurchsichtiger, attraktiver Handwerker machen ihre Sache gut. In weiteren Nebenrollen sind Jonathan Rhys Meyers ("The Tudors"), Brendan Gleeson ("The Guard") und Janet McTeer zu sehen (der man übrigens sofort ansieht, dass ihr Mann ebenfalls eine Frau ist). Und auch Antonia Campbell-Hughes ("3096 Tage") und Bronagh Gallagher ("The Commitments") liefern überzeugend ab.
Wie es mit nur acht Millionen Dollar Budget gelungen ist, diesen Film so opulent auszustatten und mit so einem souveränen Cast zu versehen, ist mir schleierhaft, aber es ist geglückt. "Albert Nobbs" zeichnet ein ziemlich genaues Sittengemälde Irlands und Englands der damaligen Zeit, all die Beschränkungen und Statusverluste, denen Frauen ausgesetzt waren, die keinen Mann oder eine Familie vorweisen konnten. Das Dublin des Jahres 1898 ist hier gekonnt wiederauferstanden, die Settings sind authentisch und besonders der Kontrast zwischen Arm und Reich findet sich in prächtigen Bildern wieder.

"Albert Nobbs" ist ein sehr ruhiger, langsamer Film, in dem letztendlich nicht viel passiert. Beleuchtet wird das Leben eines Hotel-Kellners, der seit Jahrzehnten seine Identität verleugnet, so sehr, dass er auf die Frage nach seinem "richtigen" Namen immer noch "Albert" antwortet. Doch Glenn Close gelingt es so unglaublich gut, den Zuschauer einen tiefen Blick in Alberts geschundene Seele werfen zu lassen und ihn darauf hoffen zu lassen, dass Alberts Träume doch noch wahr werden könnten, dass einem sowieso alles andere egal ist. Es ist bedauerlich, dass Glenn Close bei der damaligen Oscarverleihung leer ausging, aber gegen die nicht minder talentierte Meryl Streep als Margaret Thatcher hatte sie wohl leider keine Chance. Was man kaum nachvollziehen kann, wenn man Closes atemberaubendes Spiel in "Albert Nobbs" beobachtet. Wer sich auf das Erzähltempo einlässt und storytechnisch nicht allzu viel erwartet, wird mit einer der besten Schauspielleistungen belohnt, die ich je gesehen habe. Deshalb gerne vier von fünf ungelebten Leben, für die es vielleicht doch noch Hoffnung gibt.
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am 28. Oktober 2013
Albert Nobbs arbeitet als Butler in einem Hotel im Dublin des 19. Jahrhunderts. Was niemand weiß: Der zurückhaltende, hart arbeitende und sparsame Mann ist in Wirklichkeit eine Frau! Als sie ihr Bett für eine Nacht mit dem Anstreicher Hubert Page teilen muss, wird sie als Frau enttarnt, doch: Page ist ebenfalls eine Frau in Männerkleidern! Durch diese Bekanntschaft ändert sich so einiges in Alberts bisherigem Leben...

Ich hatte mich sehr auf diesen Film gefreut und war am Ende dann doch gar nicht so 100prozentig von dem Film überzeugt. Grundsätzlich steht natürlich erst einmal außer Frage, dass Glenn Close einen super Job macht. Auch Kostüme und Setting, alles passt. Die Geschichte ist konsequent, die Figur "Albert Nobbs" ist konsequent.

Allerdings stellte sich beim Schauen des Films immer mal wieder die Frage, wie weit so ein Film über eine stark introvertierte, verhuschte (manchmal fast gruselig anmutende) Frau mit wächsernem Gesicht in Männerkleidern trägt, welche die meiste Zeit stumm - vom Rand aus - das Leben anderer an sich vorbeiuiehen lässt und sich (inzwischen) durch kaum eine eigene Charakter-Note (mehr) auszeichnet. Natürlich ist das in dem Film und der Figur so angelegt und sicherlich gewollt, aber ich fand es mitunter ein wenig langweilig. So ein bisschen mehr Unterhaltung hätte ich mir schon gewünscht, zumal das Thema ja potenziell eine Menge Raum dafür lässt! Die Spannungsbögen waren aber hier vielmehr bei den Rand- und Nebenfiguren zu finden.
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