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am 1. August 2011
Die "Walküre in Detmold" ist, was der Untertitel verspricht: eine "Entdeckungsreise durch die deutsche Provinz", und zwar eine unterhaltsame. Bollmann besuchte in den Jahren 1997 bis 2010 alle 84 noch mit eigenem Ensemble bespielten deutschen Opernhäuser. Der mit der leichten Feder geschriebene Bericht führt, da sich Berlin drei und München zwei Opernhäuser leisten, in 81 Städte. Diese Operndichte ist weltweit einmalig. Deutschland verfügt über fast so viele Opernhäuser wie alle anderen Länder zusammen. Oper ist aber teuer. Ältere Menschen haben dafür meist eher als jüngere das nötige freie Einkommen. Das führt stets neu zur Legende, das Publikum in der Oper vergreise und Oper müsse über kurz oder lang mit den Alten sterben. Bollmann zeigt, wie falsch dieser Eindruck ist. Wahrscheinlich nimmt nur das ältere Publikum - in der Furcht selbst bald zu sterben - an, die Oper müsse es mit ihm. Die hohe Spielortsdichte und damit Oper für potenziell alle, ist aber in der Tat nur durch erhebliche Subventionen aus öffentlichen Mitteln und natürlich nicht mit überall gleicher Qualität möglich. Provinz muss aber nicht belanglos heißen, vielfach entdeckt der Autor Erstaunliches auf abgelegenen Plätzen. Allgemein kann man sagen: Ohne öffentliche Mittel würde die Oper nicht aussterben, aber sich vom Kulturgut für breite Bevölkerungsschichten zum extravaganten Vergnügen einer nur dünnen Oberschicht an wenigen Standorten wandeln.
Wer einen detaillierten Bericht von den Inszenierungen der 84 Häuser erwartet, der wird sicher enttäuscht. Nur besonders originelle Regieeinfälle, ungewöhnlich erfreuliche Stimmen im Ensemble oder umgekehrt zur Sicherung genügender Sitzauslastung rein gar nichts riskierender Umgang mit der Regie werden hervorgehoben. In der Regel aber gibt es zu den gesehenen Opern nur wenige, nicht systematisierte Anmerkungen, die selten mehr als einen kurzen Absatz, manchmal nur drei oder vier Zeilen ausmachen. Das ist für eine derartige Opernreise vernünftiger, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Was nutzt schon eine umfangreiche Schilderung davon, dass Schumanns Genoveva am 3. 11. 2010 in Zwickau mehr oder weniger genial gespielt wurde? Niemand wird sie genauso wieder sehen können, denn was Heraklit für den Fluss sagt, gilt erst recht für die Oper: Man geht niemals in dieselbe. Das Buch handelt daher vorrangig von der deutschen Opernlandschaft und nicht nur von der Oper.
Da Oper anfangs ein Vergnügen des Hochadels war, sind die meisten Opernhäuser in den Residenzstädten heute längst vergessener Fürstentümer gebaut worden und stehen dort heute noch. Erst im späten 19. Jahrhundert begann auch das zuvor sich selbst eher der Sparsamkeit zur Akkumulation des Kapitals frönend als dem Luxus der Oper zugeneigt darstellende Großbürgertum mit städtischen Bühnen gegen die Aristokraten aufzutrumpfen. Den Römer- und Königsdramen erwuchs damit auch auf der deutschen Opernbühne die in der Opernliteratur längst entstandene Konkurrenz des bürgerlichen Trauerspiels. Schillers Räuber waren immerhin bei Verdi schon 1847 zu Il Masnadieri vertont worden. Aus der Konkurrenz entstand die bis heute in Deutschland andauernde Besonderheit, dass einige Bühnen die finanzielle Unterstützung ihres Bundeslandes haben, während andere einzig von den weniger leistungsstarken Standort-Gemeinden getragen werden müssen, obwohl sie Kultur auch für das Umland produzieren. Nur Sachsen versucht diesem Problem durch ein, die Nassauer belastendes "Kulturraumgesetz" zu begegnen.
Oper war im Grunde immer politisch und Partei ergreifend. Bollmanns Reisebericht ist es - vielleicht unnötigerweise - auch. Neben den Finanzen und der Architektur der Häuser widmet er der lokalen Geschichte der Opernstandorte eine besondere Aufmerksamkeit. Er reist sozusagen mit sozialdemokratischer Weltsicht. Das führt dazu, dass die "braune" Vergangenheit eines Bürgermeisters des besuchten Ortes nicht unregistriert bleibt und Hitler im Buch öfter erwähnt wird als so mancher Komponist. Vom Opernbesuch in Passau liest man wenig, umsomehr aber vom Geburtshaus Hitlers im jenseits der Donaugrenze liegenden Braunau. Wenn ein Heterosexueller mehrfach anmerken würde, dass ihn eine Frau auf der Reise begleitet, empfänden die Leser dies sicher als seltsam. Wieso glaubt Bollmann eigentlich immer noch, dass es interessanter sei, wenn er bei jeder Gelegenheit auf seinen männlichen Begleiter hinweist?
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am 20. August 2012
Ein sehr interessanter Ansatz, die Musik- und i.B. die Opernwelt in Deutschland zu beschreiben. Gut recherchiert und spannend dargestellt.
Man bekommt richtig Lust, die Opern-Reise quer durch alle Bundesländer nachzumachen.
Ob allerdings die Lösung der oft mangelhaften Besucherzahlen darin zu suchen ist, der Musik und dem Libretto des 18.Jahrhunderts eine sogennate "zeitgemäße" Inszenierung aus dem 21.Jahrhundert auf das Auge zu drücken ist zweifelhaft. Aber der Trend scheint in Deutschland aktuell, wenngleich im Ergebnis oft skurill.
Auch irritiert mich die manchmal doch etwas einseitige Beurteilung -oft zwischen den Zeilen zu lesen-, dass die Opernhäuser zu sehr vom "spießigen" weißhaarigen Bildungsbürgertum (vom wem eigentlich sonst ?) bevölkert werden.
Alles in Allem aber ein Buch, dass jedem Opern- und Musikfreund, aber auch jedem an der Kulturlandschaft Deutschland Interessiertem empfohlen werden kann.
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am 4. August 2011
Die Oper und Deutschland - das ist ein ganz besonderes Verhältnis. Auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es in Deutschland nahezu achtzig Opernhäuser, mit den dazugehörigen Ensembles und Orchestern. Es gibt sie natürlich in den großen Städten, aber auch in der Provinz. Und alle versuchen sie sich mehr oder minder erfolgreich auch an den großen Stoffen.

Es gibt seit langem eine Debatte darüber, ob es gerecht und sozial- und kulturpolitisch vertretbar sei, diesen Fleckenteppich an Opernhäusern aus öffentlichen Mitteln noch länger zu unterhalten, denn ohne die Millionen der jeweiligen Bundesländer könnte keine einzige Bühnen wirklich überleben. Und natürlich wird immer wieder jenes uralte Argument aus der Mottenkiste geholt, dass die Oper nur von wenigen Reichen und Gebildeten genutzt wird. Der Rezensent, der es genießt, 15 Kilometer von seinem Wohnort mit dem Staatstheater in Darmstadt eine respektable Oper zu haben, und diese etwa einmal im Monat besucht, hat bei seinen unzähligen Opernbesuchen in den letzten zehn Jahren da andere Beobachtungen gemacht. Die Oper ist eben nicht mehr der Treffpunkt allein der Arrivierten, auch nicht mehr ein Schaulaufen der neuesten Konfektionen, auch wenn ich mir bei manchen Besuchern doch eine etwas angemessenere Kleidung wünschen würde. Tatsache ist jedenfalls, dass ich niemals einmal im Monat bis nach Frankfurt etwa fahren würde.

Der Journalist Ralph Bollmann, lange Jahre bei der taz und nun bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, ist nicht nur oft unterwegs, sondern er liebt auch Opern. Deshalb hat vor vielen Jahren schon begonnen, auf seinen Reisen durch Deutschland Opernhäuser zu besuchen. Zwischen 1997 und 2009 hat er sie alle gesehen, auch die "Walküre in Detmold". Und er hat notiert, was er dort erlebt und beobachtet hat. Herausgekommen ist eine nun bei Klett-Cotta erschienene "Entdeckungsreise durch die deutsche Provinz", bei man nicht nur viel über Opern, Opernensembles, gelungene und auch missratene Aufführungen lesen kann, sondern auch sehr aufschlussreiche und unterhaltsame Beobachtungen über unser Land und seine Kultur.

Wer sich für die Oper interessiert und für Literatur, den möchte ich an dieser Stelle auf zwei wunderbare Bücher hinweisen. Lea Singer hat mit dem Roman "Der Opernheld" im Frühjahr 2011 nicht nur eine Hommage an die Oper, insbesondere die italienische, geschrieben, sondern auch ein Psychogramm eines Mannes, der sich in seiner Begeisterung für die Oper regelrecht verliert.

Ende August 2011 erscheint bei Residenz der neue Roman von Peter Henisch unter dem Titel "Grosses Finale für Novak", in dem er die Geschichte eines biederen Mannes erzählt, dessen stumpfes und langweiliges kleinbürgerliches Leben mit dem Kontakt zur Opernmusik eine dramatische Wendung nimmt. Ich habe es vorab gelesen und halte es für eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr bisher in der Hand hatte.
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