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am 9. Oktober 2013
Cover/Titel: Sowohl Cover als auch Titel haben mich sehr angesprochen, jedoch nur solange, bis ich das Buch gelesen habe. Den Titel kann man lassen, er passt noch zum Buch. Aber das Cover vermittelt meines Erachtens einen falschen Eindruck vom Buch. Es geht nicht um den jungen fünfjährigen Natale. Die eigentliche Geschichte beginnt erst, als Christmas (denn ja, auch der Name ist mehr oder weniger Schwindel) schon fünfzehn ist.
Dennoch beides sehr ansprechend, wenn auch irreführend.
Schreibstil: Den Schreibstil fand ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, da er etwas abgehackt und sachlich wirkte. Jedoch gewöhnt man sich schnell daran und versteht auch, warum es so wirken soll: die beschriebenen Handlungen, so schrecklich sie uns auch vorkommen mögen, waren damals an der Tagesordnung. Entweder ändert sich der Schreibstil irgendwann oder man hat sich daran gewöhnt, jedenfalls fällt es einem dann leicht, in die Geschichte einzutauchen. Blumige Beschreibungen fehlen oft, was ich für meinen Teil gut finde. Dafür sind nach meinem Geschmack an ein paar Stellen zu viele Wiederholungen. Auf jeden Fall gefiel mir die schonungslose Art, mit der Luca di Fulvio das Grauen bzw. die Grausamkeit der Menschen darstellt. Nüchtern beinahe.
Alles in allem also am Anfang gewöhnunsgbedürftig, später aber mitreißend.
Handlung und Charaktere: Hier muss ich am Anfang gestehen, dass ich mir das Buch zu einem guten Teil auch wegen des tollen Namen des Protagonisten gekauft habe. Natale. Problem war nur, dass Natale bei ihrer Ankunft in den USA sogleich umgetauft wird auf Christmas. Mit diesem Namen hatte ich die ersten hundert Seiten wirklich Probleme, weil ich ihn so furchtbar fand. Dann jedoch hat Christmas dafür gesorgt, dass man jede Diskussion um den Namen vergisst. Denn Christmas ist ein äußert liebenswerter kleiner 'Hosenscheißer'. Gerne würde er zu den 'Großen' gehören und weil er es nicht tut, macht er zumindest seine Umgebung eben dies glauben. Denn eins kann Christmas wirklich gut: sich Geschichten ausdenken.
Christmas zur Seite gestellt wird Ruth, die er am Anfang des Buches blutüberströmt findet und rettet. Ruth stammt aus einer reichen jüdischen Familie, passt also gar nicht zu dem armen Schlucker und obendrein Italiener Christmas.
Nun könnte man meinen, dass es sich um eine 08/15 Liebesgeschichte handelt und es nur darum geht, ob die beiden am Ende zueinander finden.
Kern der Geschichte ist jedoch nicht diese Frage, sondern eine ganz andere: Wie werde ich derjenige, der ich gerne wäre?
Der Weg zur Antwort ist holprig und steinig und di Fulvio verschweigt nicht die dunklen Seiten der Menschen. Trotz all der Grausamkeiten, die teilweise angesprochen werden, behält man am Ende des Buches vor allem eins in Erinnerung: Hoffnung und Optimismus.
Fazit: Ein Buch für jeden, der noch nicht am Ende seines Weges angekommen ist. Viel Liebe, viel Grausamkeit, aber vor allem viel Optimismus zeichnen dieses Buch aus. Genauso wie die sonderbaren, aber liebenswerten Charaktere. Ein Zuhälter zum Beispiel, der immer schwarze Hände hat, da er denkt, sie zu waschen bringt Unglück, und der, wenn er gerührt ist, erstmal laut rumflucht und andere beschimpft. Oder ein Schwarzer aus Harlem, der einmal im Jahr auf etwas spuckt, das einem Weißen gehört.
Auf jeden Fall lesenswert.
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am 29. November 2015
Cetta wurde von einem reichen Schnösel vergewaltigt und ist nun schwanger – sie macht ihrem Sohn ein großes Geschenk: Sie schenkt ihm einen Namen „Natale“. Die beiden leben sehr spartanisch, Cetta muss als Prostituierte arbeiten, um mit ihrem Kind zu überleben, doch sie erfreut sich täglich aufs Neue an ihrem Sohn. In Amerika – dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten – landen die beiden in der Lower East Side, einem Viertel, in dem nicht nur Cetta und ihr Sohn (nunmehr Christmas genannt) zu Hause sind, sondern wo Armut, Bandenkämpfe und Aussichtslosigkeit vorherrschen.

Ruth wächst behütet wie in einem Märchen auf, ihr fehlt es an nichts – außer vielleicht an einem Abenteuer und genau dieses führt sie über Umwege in das Leben Christmas‘. Es kommt wie es kommen muss, die beiden verlieben sich und können erst doch nicht zusammen kommen. Doch Christmas behauptet sich, sein Charme und sein Durchsetzungsvermögen ermöglichen ihm ein beschauliches Leben. Wird darin auch Ruth ihren Platz finden?

Der Plot der Story ist einfach und voraussehbar, doch Luca Di Fulvio schaffte es eine dermaßen fesselnde Geschichte zu schreiben, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann. Es ist leicht lesbar, der Schreibstil ist sehr flüssig und abwechslungsreich die Sprache, so lässt der Autor in Lower East Side die Charaktere anders sprechen, als z.B. in Ruths Familie oder in der Beziehung zwischen den beiden Protagonisten.
Der Schluss selbst, ist für meine Begriffe beinahe etwas zu nahe am Kitsch.

Mitzuerleben wie Christmas heranwächst, wie er aus seinem schwierigen Start ein für ihn passendes Leben macht, wie er es auch noch schafft anderen Hoffnung und Träume zu schenken, ist eine wunderbare Geschichte.
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am 14. Juni 2012
700 Seiten - Ich hatte Mühe, in den letzten Tagen meinen Job und Haushalt auf die Reihe zu bekommen, weil ich jede auch noch so kurze Gelegenheit genutzt habe um weiterzulesen.

Hier wird gründlich und präzise eine mitreissende Geschichte aus dem Amerika der 20er Jahre erzählt, von Träumen, Einwanderern, Ganoven und Glücksrittern.
Der Autor lässt seiner Geschichte Zeit sich zu entwickeln, lässt treffsicher die verschiedenen Handlungsstränge ineinander und nebeneinander laufen und malt in einer angenehm direkten Sprache ein Bild einer Zeit, die wir nur schwarz-weiss und aus alten Hollywood- und Gangsterfilmen kennen.
Dabei schafft er es, den Kreis der Protagonisten nicht zu weit auszudehnen, die Konflikte und Verwicklungen überschaubar zu halten und dafür jedem ein Gesicht und Tiefe zu geben und ihn von wirklich allen Seiten zu beleuchten und dem Leser bekannt zu machen.
Und obwohl er so behutsam erzählt, bleibt die Geschichte stets lebendig und spannend.
Viele Stellen sind brutal, blutig und auch die Szenen mit sexuellen Inhalten werden sehr ausführlich beschrieben, was bei vielen Rezensenten auf Ablehnung gestossen ist. Aber mit genau der gleichen Präzision werden auch andere, scheinbar nebensächliche Episoden erzählt, wie z. Bsp. mit Muskelkraft ein einfaches Stahlgerüst auf ein Hausdach zu heben usw.
Gewalt und Sexualität gehören eben auch dazu, werden aber zu keiner Zeit reisserisch dargestellt, sondern mit der gleichen Qualität und Intensität beschrieben wie eben der ganze Rest der Gesichte.
Dass Charaktere scheinbar übertrieben naiv, gewalttätig, erfolgreich oder dümmlich dargestellt werden, nimmt dem Buch vielleicht etwas die Glaubwürdigkeit, macht die Geschichte gleichzeitig aber griffiger, bunter und eben auch Interessant. Ein Tatsachenbericht sähe sicher anders aus, aber wer will das schon, wenn er einen Roman, als Fiktion, lesen möchte.

Ich habe mit allen Protagonisten mitgefiebert und bis zum letzten Buchstaben diese wunderbare Geschichte, wie einen großen Kinofilm, genossen.

Fazit:
Sehr empfehlenswertes Buch, aber nichts für zartbesaitete Gemüter.
Das harmlose Cover und der, wie ich finde, unglückliche Titel, täuschen über den wahren Inhalt.
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am 18. Februar 2013
Die Seiten fliegen einfach nur so dahin, ich war von Beginn an gefesselt. Ein tolles Buch über kleine Menschen, die ganz stark sind und trotz gesellschaftlicher Schranken selbstbewusst ihren Platz im großen Ganzen suchen und verteidigen.
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am 18. September 2014
Dieser Roman ist mir eher durch Zufall in den Schoß gepurzelt, als das ich ihn unbedingt hätte lesen wollen. Zu dem Zeitpunkt als ich mir das Buch kaufte, wollte ich mir einfach ein Wohlfühlbuch zu Gemüte führen. Doch bevor ich anfing zu lesen, hatte ich einige Kritiken und Besprechungen zu diesem Werk gesehen, die mich einerseits abschreckten, aber andererseits dem Buch eine weitere Ebene hinzufügten, die es interessanter werden ließen, als ich zuerst annahm. Darauf möchte ich später näher eingehen. Jedenfalls lag das Buch über ein Jahr im Schrank, bevor ich mich traute, es in die Hand zu nehmen und zu lesen. Und was soll ich sagen? Ich konnte mich diesem Sog aus Gewalt, Liebe und familiärer Wärme nicht entziehen und habe das Buch innerhalb weniger Tage ausgelesen. Es gab manche Passagen, die mir nicht gefallen haben, aber in der Summe ist es ein lesenswertes Buch über einen jungen Mann, der mit seiner Gabe die Menschen verzaubern kann. Worum geht es in diesem Buch im Allgemein? Zuallererst um die Liebe zweier Menschen, die sich immer wieder aus den Augen verlieren und doch nah beieinander sind und gegen alle Stürme, die ihnen entschlagen, gewappnet sind. Doch es mischen sich viele andere Dinge unter diese Liebesgeschichte. Da werden Entwurzlungen beschrieben. Es geht um das Leben in einer neuen, fremden Welt, um Entscheidungen und wie sie das weitere Leben beeinflussen, um Freundschaft und Verrat, um Neid und Missgunst und wie diese einen Menschen auffressen und zerstören können. Man sollte an dieser Stelle annehmen, dass es dem Ganzen zu viel wird und es ein Buch ist, in welchem vor überladenen Szenen nur so wimmelt. In gewissen Passagen ist das auch der Fall, doch in der Summe präsentiert uns di Fulvio ein waschechtes ausgewachsenes Epos um eine junge italienische Frau, die gezwungenermaßen nach Amerika auswandert und ihr Leben allen Widerständen zum Trotz gestalten kann, und deren titelgebendes Kind, der mit einer Gabe ausgestattet ist, die die Menschen träumen lässt und die ihn vor einer Karriere als Gauner des New Yorker Untergrunds bewahrt.

Dieser Roman ist zeitlich zweigeteilt aufgebaut. Der zeitlich frühere Teil spielt in einem Rahmen ab 1909. Wir lernen das Mädchen Cetta kennen, die von ihrer Mutter zu einem Krüppel gemacht wird, um einer Vergewaltigung durch den Gutsherren zu entgehen. Dieses Vorhaben gelingt der Mutter, doch eine Vergewaltigung ihrer Tochter durch einen anderen Gutsherren kann sie trotzdem doch nicht verhindern. Aus dieser Vergewaltigung entsteht Natale. Mit der Schmach der Vergewaltigung und weil Cetta ihrem Sohn ein Leben in ständiger Abhängigkeit von irgendwelchen Gutsherren ersparen und ihm ein besseres Leben ermöglichen möchte setzt sie sich in den Kopf nach Amerika zu fliehen, denn wo, wenn nicht in Amerika soll das funktionieren? Sie setzt ihren Plan in die Tat um, doch da sie kein Geld hat muss sie ihren Körper verkaufen um ihr Ziel zu erreichen, was sie demütig hinnimmt. Kaum in New York angekommen wird sie bei der Einwanderungskontrolle von einem Edelbordellbesitzer aufgenommen, der sogleich ihre Dienste in Anspruch nehmen will. Da sie sich aber weigert ihren Jungen, der bei der Einwanderungskontrolle den Namen Christmas in seinen Pass gestempelt bekam, zur Adoption freizugeben, wird sie in die Hände des skrupellos erscheinenden Sal gegeben. Der bringt sie bei einem älteren italienischen Ehepaar unter und sie darf ihren Sohn behalten. Als Prostituierte muss sie aber trotz allem arbeiten. Sie fügt sich in ihr Schicksal, welches sie zum Wohle ihres Kindes auf sich nimmt. In den nun folgenden Jahren arrangiert sie sich in ihrem Job, verliebt sich in Sal , lernt die englische Sprache und eignet sich die amerikanische Mentalität an, ohne ihre italienischen Wurzeln zu vergessen. Als das alte Ehepaar, bei dem Cetta untergekommen ist, stirbt, überlässt ihr Sal zuerst den Wohnkeller, in dem das alte Ehepaar gelebt hatte und dann, als sich ihm die Möglichkeit bietet, verschafft er ihr eine eigene Wohnung im rasant wachsenden New York. Im Wechsel dazu erleben wir den mittlerweile 13jährigen Christmas, der mit den rauen Sitten der New Yorker Straßen zurechtkommen muss. Um Stärke gegenüber anderen Gangs, die in etwa im gleichen Alter sind, zu beweisen gründet er mit Santo, seinem besten Freund, zusammen eine Straßengang namens Diamond Dogs, die es aber aufgrund verschiedener Gründe nicht über den Status Gründung hinausbringen, doch werden die Diamond Dogs in einem anderen Zusammenhang zu Berühmtheit gelangen. Das Schicksal führt den Jungen mit Ruth zusammen, die er auf der Straße gefunden hatte. Sie wurde von einem anderen Jungen namens Bill aus Neid und Missgunst (Ruth stammt aus einer reichen jüdischen Familie) vergewaltigt und verstümmelt. Christmas bringt sie in ein Krankenhaus, wo sie gut versorgt wird und die Wunden, jedenfalls die, die zu sehen sind, verheilen können. Aus diesem Ereignis heraus entsteht zwischen den beiden eine tiefe, innige Freundschaft, die unter dem Wohlwollen des Großvaters von Ruth erhalten bleibt. Als dieser stirbt, verlässt die Familie New York, um in Los Angeles ihr Leben weiter zu leben. Christmas verspricht ihr, als sie mit dem Zug den Bahnhof verlassen, dass er sie finden wird, egal wo sie ist. Weitere 5 Jahre vergehen. Christmas ist mittlerweile zu einem kleinen Straßengangster geworden und geht den harten Weg, den viele Emigranten in New York irgendwie durchlaufen müssen. Doch als er vom mächtigsten Gangsterboss New Yorks entführt wird, um Informationen aus Christmas über die Diamond Dogs herauszupressen, setzt er unter Todesangst seine Fähigkeit ein, die Menschen mit seinen Geschichten zu verzaubern und darüber hinaus zu versichern, dass die Geschichte mit den Diamond Dogs keine ernste Angelegenheit wurde. Aus dieser einen Situation heraus ändert sich das Leben von Christmas um 180°. Er findet eine Stelle als Technikassistent bei einem der großen New Yorker Radiosender, wird da zufällig entdeckt, als er heimlich eine Radiosendung einspricht, wird gefeuert und macht seinen eigenen illegalen Radiosender auf, um seine erfundenen Geschichten über die Diamond Dogs auf Sendung zu bringen. Der Rest ist dann der vielbesungene American Dream, der ihm von seiner Mutter immer wieder eingeredet wurde und der er nun träumen kann. Nur ein Mensch fehlt ihm noch zu seinem perfekten Glück und die er in all den Jahren nie vergessen hat. Jetzt macht er sich auf die Suche nach ihr…

Diesen Roman sollte man mit Vorsicht genießen und man sollte sich von dem lieblichen Titel/Titelbild nicht täuschen lassen. Gerade wenn man sich zu den Zartbesaiteten zählt ist manches, was der Autor in den Roman eingebaut hat, hart an oder sogar über der Schmerzgrenze des Ertragbaren was Gewaltdarstellungen betrifft. Ich habe manche Kommentare zu diesem Buch gelesen, die aus diesem Grund, wie die Gewalt in die Geschichte eingebaut ist, das Buch als schlecht einstuften und abgebrochen haben, weil sie es nicht ertragen haben. Das wird dem Gesamtwerk aber nicht gerecht beziehungsweise sollten die Kritikpunkte anders gesetzt werden. Das Buch deswegen als schlecht zu bewerten, nur weil darin Gewaltszenen vorkommen und man damit überfordert ist, greift zu kurz. Mir persönlich ist mit diesem Buch ein seltsames Zwitterwesen begegnet. Auf der einen Seite beschreibt der Autor dem Leser über die angesprochenen, sehr realistischen Gewaltdarstellungen, die zwar nur kurz auf einen einwirken, eine Realität, wie es sie zu dem Zeitpunkt der 20er Jahre des 20.Jahrhunderts in den westlichen Ländern gegeben haben mochte und die an Heftigkeit nichts vermissen lassen. Dem Gegenüber stellt di Fulvio alles um die Hauptfigur Christmas auf eine eher märchenhafte Stufe, ganz so, als ob eine Aura genau diesen Charakter beschützen will. Ich will damit ausdrücken, dass man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hat, dass diesem Jungen/jungen Mann etwas zustoßen wird und ebenso allen Menschen, die ihn umgeben. Alle meinen es gut mit ihm und bringen ihm auf seinen Weg voran. Ihm werden keine Steine in den Weg gelegt, die er mal umgehen müsste, um aus dieser oder jener Situation zu lernen. An manchen Stellen hat man ein wenig das Gefühl, dass er und die ihn umgebenden Leute es schwer im Leben haben, aber insgesamt wird es allen zu leicht gemacht, ihre Ziele zu erreichen, was im Endeffekt aber dem Titel des Buches und seiner Rührseligkeit wieder gerecht wird. Doch genau diese Mischung aus Gewalt und träumerischen Erzählungen macht dieses Buch für mich zu einem seltsamen Gebilde, welches sehr fragil wirkt und bedrohlich nahe daran ist einzustürzen und mir damit im Endeffekt das Buch zu vermiesen. Doch genau hier greift der Autor mit seiner wunderbaren Sprache ein. Er bekommt immer genau an den richtigen Stellen die Kurve und hält dieses wackelige Konstrukt in der Waage. Dabei hilft es einem, dass sich di Fulvio einer recht einfachen, aber trotzdem verzaubernden Sprache bedient, die einen durch die Geschichte trägt. Auf wunderbar sanften Sohlen schleicht man so durch das Leben von Cetta, Natala/Christmas, Ruth, Santo, Sal und all den anderen Personen, dass man am Ende fast traurig ist, genau diese Charaktere nun in ihrer Welt weiterziehen zu lassen, ohne zu wissen, was hinter dem Horizont der letzten Seite, die man gerade zugeklappt hat, auf sie wartet.

Als Fazit schließe ich für mich persönlich, dass ich mit „Der Junge der Träume schenkte“ ein schönes Märchen mit realistischem Einschlag gelesen habe. Die Gewalt, die an manchen Stellen einfließt, ist sehr hart beschrieben und für manchen sicher nichts. Doch wenn man über diesen Punkt hinweggeht oder diese Passagen einem weniger ausmachen, dann kann man dieses Buch auch „genießen“. Ich für meinen Teil werde mir diesen Autor im Hinterkopf abspeichern und weitere Werke von ihm zum Lesen vormerken.
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am 15. November 2013
Luca di Fulvio hat hier eine interessante und tiefgründige Geschichte erschaffen, die dem Leser nahe geht und ihn nicht mehr loslässt. Die Themen um Gangs, Kriminalität, Prostitution und die Schattenseiten von Amerikas Unterwelt hat er durchaus spannend rübergebracht, allerdings ist das Buch keine leichte Kost, die anfangs schwer im Magen liegt. Trotzdem ist die Geschichte mitreißend und gut durchdacht. Im Wechsel der Charaktere, wird man immer tiefer hineingesogen in die Welt der Reichen und Armen. Christmas Gabe, die Menschen hinters Licht zu führen ist ein toller Einfall und auch die Liebesgeschichte zwischen ihm und Ruth hat mir gut gefallen, auch wenn sie manchmal etwas schnulzig wirkte. Einzig sein Name Christmas ist anfangs doch etwas gewöhnungsbedürftig, Natale hätte mir dann doch besser gefallen. Cettas Geschichte wirkt teilweise ein wenig dürftig und schwer nachzuvollziehen, vor allem ihre Gefühle gegenüber Sal und ihrem Leben als Prostituierte, auch wenn der Autor, diesen Aspekt der Geschichte gut rübergebracht hat. Mit Sex wird ebenfalls nicht gegeizt, was größtenteils doch recht nervig war, da der Autor beinahe jedes Mal ins Detail gegangen ist. Weniger wäre in diesem Fall doch mehr. Anfangs war ich ein wenig überrascht, denn Fulvios Schreibstil hat mich ein wenig an Ken Follett erinnert, allerdings hat er eine völlig eigene Ausdrucksweise. Das Ende hat mir sehr gut gefallen und war wirklich rührend und prima in Szene gesetzt. Christmas ist ein toller Charakter, in den man sich gut hineinversetzen kann. Er ist frech, hat ein vorlautes Mundwerk und ist sehr liebenswürdig. Ruth wirkt abweisend, hält ihre Gefühle zurück und ist manchmal sehr rätselhaft. Trotzdem mochte ich die beiden auf Anhieb. Cetta und Sal mochte ich anfangs eher weniger, das hat sich aber im Verlauf der Handlung gelegt. Auch Bill, Ruths Vergewaltiger, hat seine Geschichte bekommen, die durchaus interessant zu lesen war, auch wenn er vor nichts zurückschreckt und ein brutaler Charakter ist. Es gibt noch zig weitere illustre Figuren, die Fulvio einfallsreich in die Handlung eingewoben hat.

Die Geschichte ist wie bereits erwähnt keine leichte Kost, aber die Handlung ist gelungen und spannend. Die New Yorker 20er Jahre hat Fulvio sehr lebhaft rübergebracht und als Leser taucht man im Nu' in die Geschichte ein.
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TOP 1000 REZENSENTam 14. Oktober 2013
Ausgangspunkt dieses Romans ist die tragische Geschichte der 13jährigen Italienerin Cetta, die von einem Freund ihres Gutsherrn vergewaltigt wird. Dennoch gibt sie ihren Traum von einem besseren Leben nicht auf und es gelingt ihr tatsächlich, gemeinsam mit ihrem Sohn Natale nach Amerika zu emigrieren.
Im ersten Teil werden dann abwechselnd die Ereignisse nach Cettas Ankunft in New York sowie ihre Versuche in der amerikanischen Gesellschaft Fuß zu fassen und die 13 Jahre später beginnenden Erlebnisse ihres Sohnes, der von der Einwanderungsbehörde den Namen Christmas verpasst bekommen hatte, erzählt, während im zweiten Teil vor allem Christmas im Mittelpunkt steht.

Das Buch handelt im wesentlichen von dem Streben nach einem erfüllten Leben, das die Protagonisten letztlich alle auf eine gewisse Weise erreichen können. Zuvor müssen sie jedoch eine Reihe düsterer Momente ertragen; der Autor scheut nicht davor zurück, eine von Armut, Ausbeutung und allgegenwärtiger Kriminalität geprägte Welt darzustellen, die für ihre Bewohner auf den ersten Blick nur Ärger und Leid zu bieten hat. Umso positiver erscheint es daher, wie vor allem Christmas es immer wieder schafft, Rückschläge zu überwinden, wenngleich er zwischendurch oft dabei ist, die Hoffnung zu verlieren.

Allerdings bin ich aus diesem Hauptdarsteller bisweilen nicht wirklich schlau geworden. An sich ist er ein aufgeweckter Bursche, dem es dank seiner besonderen sozialen Fähigkeiten immer wieder gelingt, sich Freunde unter Angehörigen der verschiedensten Gesellschaftsschichten zu machen. Andererseits schlägt seine Persönlichkeit oft plötzlich um und er reagiert übertrieben feindselig und unwirsch.
Außerdem wirken einige Handlungselemente reichlich unrealistisch, es fügt sich letztlich immer alles so, wie man es sich wünschen würde.

Nichtsdestotrotz ist dieser Roman lesenswert, denn der wunderschöne und eingängige Erzählstil, der den Leser tief in die Geschichte eintauchen lässt und die Gefühle der Protagonisten sehr gut transportiert, entschädigt für manches kleine Manko.
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am 13. Oktober 2013
Puh! Endlich wäre das geschafft. Beinahe einen Monat habe ich für dieses 780 Seiten dicke Buch gebraucht.

Aber zuerst einmal kurz die Inhaltsangabe und der Erzählstruktur:

Die Geschichte findet in Amerika statt und erzählt die Geschichten verschiedener Menschen in den Jahren 1909 bis 1929. Und springt dabei zwischen Zeitabschnitten und Figuren hin und her. Geht es in einem Kapitel noch um Christmas widmet sich das nächste seiner Mutter und wie diese als Minderjährige überhaupt mir ihrem Sohn nach Amerika gelangte.
Im Mittelpunkt des Buches stehen aber Christmas Luminita, Ruth Isaacson und William Hofflund.

Christmas stammt aus ärmlichen Verhältnissen und findet eines Tages die schöne Ruth schwer verletzt in seinem Viertel liegend auf, rettet sie und die beiden entwickeln ziemlich schnell Gefühle für einander.
Da Ruth aber eine reiche Jüdin ist und Christmas weder wohlhabend noch jüdisch ist, bemühen sich Ruths Eltern die beiden zu trennen und ziehen mit Ruth weg.
Christmas bleibt nur noch eine Möglichkeit: Er muss es schaffen in der Welt aufzusteigen und seine einzig wahre Liebe wiederfinden.

Ich hoffe ich habe nicht zu viel von der Handlung verraten, aber ich fand die Inhaltsangabe auf dem Buchrücken sehr irritierend. Wird das Buch in dieser als Geschichte um Gangster und das harte Leben im New York der 20er Jahre dargestellt geht es größtenteils eigentlich um die Liebe zwischen Christmas und Ruht.
Kriminelle Machenschaften kommen kaum vor.
Die Liebe zwischen Ruth und Christmas wirkt ein wenig klischeelastig und es wissen sicher schon jetzt fast alle, die das Buch noch nicht gelesen haben, wie sie enden wird.
Ich kann mir auch vorstellen, dass manche Leser die Geschichte zu unrealistisch finden werden, da Christmas durch sein Charisma und seine Aufrichtigkeit praktisch alles geschenkt bekommt, obgleich der Autor sich sichtlich bemüht es so darzustellen, als seien seine Erfolge einzig und allein dem Durchhaltevermögen des Protagonisten und nicht des Wohlwollens des Schriftstellers zuzuschreiben.

SPOILER

Das selbe gilt für Ruth und Bill. In Di Fulvios Buch scheint es unglaublich einfach reich zu werden. Wo Ruths Eltern nach dem Tod ihres Großvaters schnell ihr gesamtes Vermögen verlieren schafft es ihre Tochter hingegen gleich nach dem Besuch einer Nervenheilanstalt eine wohlhabende Fotografin zu werden, von der sämtliche Hollywoodstars schwärmen.
Und selbst für einen gesuchten Mörder scheint es ein leichtes zu sein ein paar mal seinen Namen zu ändern und ein gut bezahlter Pornostar zu werden.

SPOILER ENDE

Ich muss gestehen, dass ich nicht einer von den Lesern bin, die es schaffen selbst ein Buch zu Ende zu lesen, dass ihnen nicht gefällt.
Wenn ich ab der Hälfte nicht mehr die Lust verspüre weiterzulesen, lege ich das Buch weg und widme mich einem anderen.
Bei diesem stand ich mehrmals kurz davor, was vor allem an Luca Di Fulvios leicht blumiger Sprache liegt, mit der er es schafft jeden Kuss drei Seiten und jedes Gefühl ganze 5 Seiten lang zu beschreiben.
Manche werden sicher auch die zu detaillierte Schilderung von Sex und Gewaltszenen unangemessen und unnötig finden, mich haben sie allerdings nicht besonders gestört, da sie zur Atmosphäre beigetragen haben.
Christmas stammt aus einem Armenviertel und berichtet wie die Straßen von den Gangstern und Banden der damaligen Zeit beherrscht wurden. Ohne die Gewaltszenen wären diese mir zu seicht, beinahe schon freundlich vorgekommen und ich hätte mich gefragt warum der nette Arnold Rothstein von allen als einer der einflussreichsten Kriminellen angesehen wird.
Ob die Notwendigkeit bestand diese in einem solchen Umfang zu beschreiben bleibt aber Geschmackssache.
Mich stört es nicht wenn grausame Szenen genauso ausführlich beschrieben werden wie Schöne.

Das Schöne an dem Buch, dass was mich dann doch dazu verleitet hatte es weiter zu lesen war allerdings nicht die oftmals zu voraussehbare Handlung sondern die liebevoll gestalteten Charaktere.
Egal ob es sich um eine Haupt- oder Nebenfigur handelte, der Autor hat es geschafft jeder einzelnen seiner Figuren Leben einzuhauchen und sie nicht nur schwarz/weiß sondern sehr facettenreich darzustellen.
Christmas und Ruth waren genauso gutherzig wie launisch oder ängstlich und Bill hat eine komplette Hintergrund Geschichte bekommen die seinen Werdegang teilweise erklärte.
Überhaupt wurde fast jeder Figur eine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geschenkt. Sie wurden nicht einfach in die Geschichte rein geworfen und wieder hinausgeworfen.

Eigentlich würde ich dem Buch 3,5 Sterne geben. Da mich aber die Schicksale der Figuren so gerührt haben und ich Liebesgeschichten generell und die unrealistischeren unter ihnen besonders mag runde ich meine Bewertung auf 4 Sterne auf.
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am 10. Februar 2013
das auch ohne übertriebenes Blutvergießen auskommt.
Ich habe schon viele Bücher gelesen, die mit deutlich höherem Anspruch deutlich schlechtere Machwerke waren.
Zur Kritik: Nein, kein Weichspüler vorhanden. Nein, nicht immer ganz salonfähige Sprache. Nein, sicher nix für den Nobelpreis.
Aber: Man muss sich drauf einlassen, entführen lassen in eine Zeit, die man wohl noch aus den Geschichtbüchern kennt. Man muss schlicht akzeptieren, dass es Schichten / Gruppen gibt, die reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Man muss akzeptieren, dass Political Correctness eine Unart unserer Zeit ist, die alles andere als ehrlich ist. Man muss akzeptieren, dass es damals wie heute fast überall in der westlichen Welt Frauen gibt, die das beste aus ihrem Leben machen, auch wenn es so überhaupt nicht gut anfängt. Und man sollte sich erlauben zu träumen, dass es sicher irgendwo immer mal wieder Kinder und Eltern gibt, die sich mit ihrer Lebenslage arangiert haben ohnd dabei zu resignieren.

So, und nun das, was mir am meisten Spaß gemacht hat: Die sich verschiebenden Lebensumstände von Ruth und Christmas, wo jeder irgendwie da rauskommt, wo der andere gestartet ist. Die Darstellung von Kultur, die nicht nur für die ach so hochgebildeten Menschen reserviert ist. Dass manchmal Sachen zusammenwachsen, die auf den ersten Blick so überhaupt nicht zusammengehören. Und eine Uhr, die nicht wirklich geht, aber doch zeigt, was das Stündlein geschlagen hat.

Ich habe das Buch beim täglichen Pendeln mit der S-Bahn gelesen und hin und zurück mal eben knapp 50 Seiten pro Tag geschafft. Ein Buch, dass man auch dann lesen kann, wenn man vor dicken Büchern sonst zurückschreckt. Mein Exemplar ist gerade verliehen und noch drei weitere Personen warten drauf...
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am 14. Dezember 2012
"Der Junge", "Das Mädchen" & "Inkubus"
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Wie bereits in meiner Rezension zu Di Fulvios "Inkubus" ( Inkubus: Thriller ) erlaube ich mir auch hier einen kurzen Quervergleich der drei Bücher von Di Fulvio.
"Inkubus" spielt - als erster kommerzieller "Durchbruch" Di Fulvios - in einer etwas anderen Liga als die beiden nachfolgenden Werke "Der Junge, der Träume schenkte" und "Das Mädchen, das den Himmel berührte."
Vieles davon habe ich in meiner dortigen Rezension erwähnt, möchte also nicht weiter darauf eingehen.

Bleibt also der direkte Vergleich zwischen "Dem Jungen" und "Dem Mädchen", die sich in vielerlei Hinsicht ähneln. Es macht den Anschein, als hätte Di Fulvio nach "Inkubus" rigoros den Kurs gewechselt. Wie sich anhand dieser beiden nachfolgenden Werke zeigt, war dies wohl vortreffliche Entscheidung! In "Dem Jungen" sowie "Dem Mädchen" macht es den Anschein, als könnte sich Di Fulvio hier vollends entfalten. Der Autor ist ein grossartiger Geschichtenerzähler, und genau so lesen sich die Bücher auch.
Wenngleich in einer anderen Zeit spielend (New York, frühes 20. Jh und Venedig, 16. Jh) sind die beiden Abenteuerromane dennoch miteinander zu vergleichen. In beiden geht es um die Lebens- und Leidensgeschichten unterschiedlicher Personen, die im späteren Verlauf des Buches aufeinander treffen. Bildgewalt, Ideenreichtumg, Sprache und Lesefluss sind sich sehr ähnlich. Zwei sehr zu empfehlende Bücher!

Inhalt
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Während es "Beim Mädchen" ein Kaufmann, ein aufgehetzter Mönch, eine schar Bettelknaben sowie ein Jude und seine Tochter sind, so geht es - wie der Titel sagt - "Beim Jungen" eben um ein Junge. "Christmas", so sein Name, wächst in New York des Jahres 1909 im Hurenviertel auf. Völlig auf sich alleine gestellt lernt Christmas, sich auf den rauen Strassen der Grossstadt durchzuschlagen. Am Leben erhält ihn einzig seine spitzbübische, unverblümte und schroffe Art und nicht zuletzt sein ausgeprägter Geschäftssinn. So beginnt er früh, mit Leuten jeglicher Art Geschäfte zu machen. Erwähnt sei hier exemplarisch die Geschichte des Metzgers, dessen Hündin Christmas mit Schweinefett einreibt, um sie (angeblich) von Läusen zu befreien und sich so seine ersten Taler verdient. Vieles von dem, was er tut, ist gemeinhin mehr Lug und Trug. Dennoch schafft es Christmas, durch Täuschung, Lügen, Tricks und Ideenreichtum innert Kürze seine eigene Gang aufzubauen. Es versteht es, seine Machenschaften zu mystifizieren und für mehr zu verkaufen, als sie tatsächlich wert sind. Und so gewinnt Christmas innert Kürze Bewunderer, Anhänger und Untertanen, schafft sich gleichzeitig aber auch Neider und Feinde. So werden nicht nur Indistriemagnaten, sondern auch korrupte Handlanger der Mafia und einflussreiche Fädenzieher auf den jungen Christmas aufmerksam, der in den unterschiedlichsten Viertel von New York sein Unwesen treibt. So ist Christmas' Weg lang und beschwerlich zu seinem grösstem Traum, einen eigenen Radiosender mit einer eigenen Sendung zu haben. Ganz New York soll hören, was der kleine Christmas der Welt zu sagen hat. Und insbesondere einen lieben Menschen will Christmas auf diese Art und Weise erreichen ...

Wer "Das Mädchen, das den Himmel berührte" gelesen hat wird in Christmas Mercurio, den gewieften Gauner, wiedererkennen, der sich mit ähnlichen Tricks zu Geld, Kleidern und Mahlzeiten verhilft und sich nicht davor fürchtet, auch den einflussreichsten Geschäftsmännern starr in die Augen zu sehen und über den Tisch zu ziehen. Oft hatte ich das Gefühl, in einer irrwitzigen Biographie eines Lebenskünstlers zu lesen, ehe ich mir immer wieder in Erinnerung gerufen habe, dass das alles der Fantasie des Autors entspringt. Unglaublich!

Das Buch & Ich
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Was den Titel des Buches angeht, kann ich mich einigen meiner Vorredner anschliessen: Er ist trügerisch.

Es geht im Groben tatsächlich um einen Jungen, der nicht nur seinen eigenen, ganz grossen Traum verfolgt, sondern auch vielen anderen Menschen in der Stadt durch seine Machenschaften zu Glück, Arbeit und Visionen verhilft.
Gleichzeitig ist "Der Junge, der Träume schenkte" aber auch ein erschreckend offenes und brutales Abbild von New York der frühen 20er- und 30er-Jahre und zugleich nichts für schwache Nerven.
Brutale Szenen von Vergewaltigungen, Schändung, Missbräuchen, Morden und Messerstechereien sind ebenso Bestandteil des Abenteuerromanes wie die unglaublich bildhafte und eingängigen Beschreibungen von Hoffnung, Wiedergutmachung und Glück.
Will heissen: "Der Junge, der Träume schenkte", ist weder leicht verdauliche noch literarisch eingängige Kost. Die Sprache an und für sich ist flüssig und relativ einfach, die sehr lebhaften und eingängigen Beschreibungen nehmen einen als Leser aber ziemlich ein. Gleichzeitig erhält die Geschichte dadurch Authentizität, Licht, Schatten und Tragik, was wiederum Spannung mit sich bringt.

Und damit wären wir bei einer der vielen Stärken des Buches: Das Buch lebt! Die Geschichte schreibt sich quasi von selbst und die darin enthaltenen Figuren sind charakterstark, bizarr, abstossend, gleichwohl aber liebenswert und sympathisch. Hier tritt definitiv eine der grossen Stärken des Autors zu Tage. So identifiziert man sich auf Anhieb mit dem kleinen Christmas und verfolgt gierig seine klugen und irrwitzigen Machenschaften. Luca Di Fulvio schafft es zudem wie kein anderer Autor, innert Kürze neue Figuren zu kreieren, die einem nach 400 Seiten das erste Mal begegnen, bei denen man aber nach 3 Seiten bereits das Gefühl hat, sie ewig zu kennen. Das ist wahre Kunst!

Die Zahl der involvierten Personen steigt zwar im Verlaufe des Buches mächtig an. Der eigenwillige Charakter jedes/jeder Einzelnen macht es aber zu einem einzigartigen Schauspiel, über welches man als Leser stets den Überblick bewahrt. Ich für meinen Teil hatte von jedem Charakter ein täuschend echtes Abbild vor Augen und bereits nach wenigen Sätzen der Beschreibung hat man das Gesicht vor Augen und sogar die Stimme im Ohr - sei dies der dicke und trollige Metzgermeister mit der blutverschmierten Veste, der bedachte und pflichtbewusste Schwarzafrikaner im Film- und Fotolabor der Filmindustrie, Christmas, der gewiefte Strassenjunge, oder der unbeirrbare Industriemagnate mit Gehstock, Melone und Sackuhr im seidenen Massanzug.

Allesamt sind sie brilliant gezeichnet und extrem lebendig. Darauf folgen nicht nur ihre individuellen Dialoge, Handbwegungen und Gesten, sondern auch ihre Machenschaften, die - zugegeben - nicht ganz ohne sind. Teilweise geht es erschreckend brutal, blutig und grausam zu. Die extrem bildhafte Sprache kann einem bei einer Vergewaltigung einer Prosituierten also durchaus das Tränenwasser in die Augen treiben. Teilweise habe ich das Buch in Momenten des Grauens kurz zugeschlagen. Und dennoch ist es das, was "Der Junge, der Träume schenkte" ausmacht. Er bringt einem das Elend und die Leidens- sowie die Lebensgeschichten der einzelnen Protagonisten näher, ohne aber jemals abstossend oder unsympathisch zu wirken. Durch den Umfang von knapp 800 Seiten taucht man ein in ein weit entferntes Land und in ein raues, brutales und hartes Leben. Das Böse erhält Kontur und ein Gesicht. Es formen sich Angst gleichwohl wie Liebe und Hoffnung. Ein Feuerwerk der Gefühle, das einen als Leser ziemlich nahe geht. Für mich ein einzigartiges Erlebnis!

Insgesamt eines der besten Werke, das mir die letzten Jahre untergekommen ist. Egal ob zuhause im Bett oder auf einer Zugfahrt: Wenn ich aufgeschaut oder das Buch beiseite gelegt habe hatte ich stets die Hoffnung, bald mehr von Christmas und den Strassen New Yorks zu erfahren. Dieser Abenteuerroman hat sich in der Zeit, in der ich ihn gelesen habe, zu einer zweiten Welt gemausert, in die ich eintauchen und in welche ich mich fallenlassen konnte. Schwer, das treffend zu beschreiben.

Für die teilweise zwiegespaltenen Rückmeldungen der Rezensenten hier gibt es für mich nur eine Erklärung: Die unglaublich fantastischen Bildsprache, die Di Fulvio wie kein anderer Autor zu Papier bringt, macht das Buch wahnsinnig ehrlich und realitätsnah. Die Verbindung der emotionsgeladenen Inhalte von Liebe, Verzweiflung, Hoffnung, Elend, Trauer und Schändung nehmen einen als Leser mit auf eine aussergewöhnliche Gefühlsreise, die mich und offensichtlich auch viele andere sehr berührt hat. Und vielleicht fühlen sich deshalb so viele Leser und Leserinnen peinlich berührt oder dabei ertappt, wenn sie eben nicht nur "Leser eines Buches", sondern "Zeuge" einer ganz aussergewöhnlichen Geschichte geworden sind, die zwar nicht immer frohlockend stimmt, die ich aber jeder und jedem von Ihnen nur empfehlen kann!

Tiefgründig berührend, mitreissend und nur schwer in Worte zu fassen. Schlicht ein Meisterwerk!
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