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am 8. April 2014
Mir hat's hervorragend gefallen. Auch wenn ich bereits beim ersten Lesen alle bzw. die meisten vermeintlich losen Fäden für mich verbinden konnte, hab ich "Sand" gerade zum zweiten Mal gelesen, um mich mehr auf kleinere Details und die Sprache zu konzentrieren und um sicherzugehen, dass wirklich alles in der Handlung seine "logische Ordnung" hat. Sand ist nach meinem Empfinden ein großartiges Werk. Es ist ja weit mehr als nur ein Agententhriller mit einem konfusen Plot und durcheinander gewürfelten Handlungsschnipseln, dessen skurrile Handlung 1972 in einem fiktiven Wüstenort im Maghreb spielt. Spannend, verwirrend und geheimnisvoll ist die Handlung. Aber da steckt irgendwie noch mehr drin. Das Buch hat auf mich tagelang eine seltsame Faszination ausgeübt, so dass ich nach dem ersten Lesen selbst noch etwas erstaunt/verwirrt war, dies aber durchaus als positiv empfunden habe. Schon selten, dass ich noch ein paar Tage über ein gelesenes Buch nachdenken muss.
Ich mag den Stil Herrndorfs, seine Sprachverliebtheit, seine gezielten Versuche zur Verwirrung des Lesers, den weiten Spannungsbogen, seinen Sarkasmus, seinen schwarzen Humor (den ich bei ihm immer zu erkennen glaube) und die in der Fülle an allen möglichen Informationen versteckten und geschickt ausgelegten falschen und zielführenden Fährten, diese eingestreuten Schlüsselinformationen und Nebensächlichkeiten, die als Motto jedem Kapitel vorangeschickten Zitate. Gute Nahrung für die grauen Zellen. Man ist stets gezwungen, diese gekonnt servierten Puzzleteile und verschiedenen Ebenen des Handlungsstrangs für sich zusammenzusetzen. Man lauert ja förmlich darauf, versteckte Hinweise, Schlüssel und Fährten aufzuspüren, um das Geheimnis um Carls Identität zu lüften. Und wenn selbst jemand wie ich (mit einem IQ von sicherlich nicht viel mehr als 102, schätze ich) das sandige Rätsel lüften konnte, kann es jeder andere normale Leser sicher auch.
Ich kann aber auch nachvollziehen, dass "Sand" auf Leser verstörend wirkt, die eher ein "tschickmäßiges" Werk erwartet haben. W. Herrndorf hat das wohl auch geahnt. Sand ist von gänzlich anderem Kaliber, viel anstrengender zu lesen, anspruchsvoller, dunkler, prall gefüllt mit allen möglichen, nötigen und unnötigen Informationen, aber mit fast schon mathematischer Präzision von Wolfgang Herrndorf zu einer düsteren, aber gelungenen literarischen Komposition zusammengefügt. Na ja, ich fand es jedenfalls äußerst lesenswert. Aber klar, Geschmäcker sind eben verschieden.
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am 23. April 2014
In meinem Verständnis handelt es sich um einen Rätseltext. Um ein modernes Sphinx-Rätsel nach der Existenz des Menschen. Die Schlüssel zum Roman sind schwer zu finden. Verschwinden immer wieder im Sand. Ein General-Schlüssel für Herrndorfs letztes Werk „Sand“ scheinen mir die Namen zu sein.

Die gesuchte Person im Roman heißt „Cetroit“ ..... französisch übersetzt: „es sind drei“. Wer geht am morgen auf vier Beinen, am Mittag auf zwei und am abend auf dreien? .... Immer ist es der Mensch. Immer ist es derselbe. Aber in anderer Form. Cetroit gibt es nicht als Person. Es ist eine Idee.

Strukturell treibt der Autor den Leser samt Protagonisten Carl durchs klassische Labyrinth. Der rote Faden wird vom Protagonisten immer wieder neu rein durch Zufall gefunden. Der Leser muss sehr wachsam sein, wenn er dabei selbst nicht verloren gehen will. Witzige Einfälle halten ihn auf Trab und bei der Sache. Obwohl es, wie im echten Labyrinth auch, Längen gibt. Ich sage nur: alles Pareto. 20% der Handlung ist spannend, 80% ist Redundanz. Wie im echten Leben auch.

Die Reise durchs Labyrinth erfolgt auf drei Ebenen: Traum, Rausch und Realität. Und durch diverse Mischformen. Wenn der Protagonist in der Wüste dem Ouz begegnet, wo sind wir dann? In der Wüste? Oder in einer Vision? Das Ouz ist kein handzahmes Tierchen. Und gibt es natürlich auch nicht in echt. Ein Verweis auf den Zauberer Oz? Das Ouz ist hier der Überbringer einer Botschaft:

"A man may be born, but in order to be born he must first die, and in order to die he must first awake."

Ein sehr kurioses Detail wird hier aus dem Ideen-Koffer gezogen. So wie man auf orientalischen Märkten, besonders im Magreb, bei den Zauberern und Händlern auf den Marktplätzen die seltsamsten Dinge findet. Die alle Symbolkraft, wenn nicht gar Zauberkraft besitzen. Der Zauber, der für den Europäer von diesen Dingen ausgeht, geht für den Afrikaner vom „Boli Boli“ aus, dem Boligrafo, dem Kugelschreiber. Das Ding, um den sich alles dreht. Der Stoff, der aus Ideen Geschichten machen kann. Oder Geschichte machen kann. Wenn das Elixier, die zwei Todeskapseln zum Einsatz kommen. Aber das versandelt ja alles. Und ohne Bauplan ist es eh sinnlos.

Herrndorf hat lange genug in Nordafrika herumgekifft, um diese Dinge zu kennen. Und dem Strom des Bewußtseins hin und her zu folgen bis an den Rand des Universums zu Gliese 381d und wieder zurück zu einer zerdrückten Coaldose im Sand unterm Reifen. Im Rausch ist alles gleich bedeutungsvoll. Und auf der realen Ebene schon nicht mehr. Kaum macht etwas Sinn, verfliegt der schon wieder im nächsten Reiz.

Lebe, stirb, werde und erwache. Es sterben vier. Vier Kommunarden durch Amadou Amadou. Auch so ein Namensrätsel durch Doppelung. Und am Ende stirbt der Protagonist Carl. Eine Unperson, die es nicht wirklich gibt. Eine Chimäre, eine Fata Morgana, eine Illusion. Nur ein Spiegel für den Leser mit dem Post-it dran: Finde dich selbst. Wenn nicht: Dann erfinde dich wenigstens selbst.

Wer aber glaubt, sich so einfach selbst zu finden, hat „auf Sand gebaut.“ Lieber Leser, es gibt dich nicht. Du bist die größte Illusion dieser Geschichte.

Und auch die hübsche Helen existiert nur als Namensrätsel. „Helen Gliese wohnt im Apartment 381d. Tatsächlich gibt es einen Planeten, der Gliese 381d heißt. Ein theoretisch bewohnbarer Planet. Der erste und bisher einzige, der erdähnliche Bedingungen aufweist“.

Das Buch ist sprachlich hervorragend, subtil und tiefgründig. Was soll ich empfehlen? Mehr Kürze in die Würze.

Im letzten Viertel wandert die Geschichte tief hinein ins innere Unbewußte, ins Böse, ins Dunkle und Mythische bis hin zum Ritualtod. Es geht zum Hüter der Schwelle, zum unbarmherzigen Dr. Cockcroft (was für ein Name) Erbarmungslose Folterei.

Dann Hoffnung als Carl überlebt, sich befreien kann, endlich den Ausgang findet, Tageslicht erblickt und dann sofort durch eine Kugel sterben muss. Der Tod als Metapher für Erlösung. Wusste Herrndorf eigentlich während der Arbeit, dass er sterben muss? Hatte er Schmerzen? Musste er Morphin nehmen? Brauchte er Hoffnung über den Tod hinaus?

"A man may be born, but in order to be born he must first die, and in order to die he must first awake."

Sand ist weit mehr als nur ein Agententhriller mit einem konfusen Plot und durcheinander gewürfelten Handlungsschnipseln. Spannend, verwirrend und geheimnisvoll ist die Handlung. Ein Puzzle, wie das echte Leben. Eine düstere Komposition, eine visionäre Zufallscollage und wenn es sich mal aufhellt, dann blendet die gleißende Wüstensonne. Und schon hat man den Überblick wieder verloren.

Herrndorf selbst beschreibt in "Arbeit und Struktur" sein verzweifeltes Ringen mit dem Material: "Viel größeres Problem: Dass die Handlung keiner kapiert ... Wahnsinnig Mühe darauf verwendet, alles wie ein Uhrwerk abschnurren zu lassen, aber Riesenproblem für jemanden, der noch nie richtig geplottet hat: die Informationsdosierung. Was sagt man dem Leser, um ihn auf die falsche Fährte zu locken, was sagt man, damit er das Gegenteil von dem annimmt, was man ihm zu insinuieren versucht, was sagt man am Ende überhaupt?" (Eintrag vom 6.10.2011)

Ja, was sagt man? Donder würde es als Autor so sagen: „Lieber Leser, dieses Buch zu schreiben, war eine Herkulesaufgabe. Es zu verstehen, ist natürlich ebenfalls eine Herkulesaufgabe. Lies es 10 Mal. So oft schreibt ein Autor jede seiner Seiten neu. Im statistischen Schnitt. Warum soll es für dich leichter sein, das alles zu kapieren, was ich ein Leben lang zusammengesammelt habe. Lies es wenigstens noch drei Mal. Ce trois!!! Oder lese wenigstens einmal die gute Inhaltszusammenfassung von Dieter Wunderlich. Dann geht dir vielleicht ein kleines Licht auf. [...]

Donder in Palermo, Caffe Riso, 12.4.2014, 17:43 Uhr
Gerne gelesen in 5 Tage in 15 verschiedenen Cafés in Hamburg, Catania, Syracrus und Palermo.
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am 18. Mai 2012
Nordafrika 1972. Zwischen Dünen und Slums brennt die Sonne auf die Menschen hernieder, Menschen, die denkbar verschieden sind und doch alle in einem geeint: Sie sind auf der Suche. Die Polizei sucht einen Mörder, der Mörder sucht das Weite. Eine Gruppe Aussteiger sucht Erleuchtung. Ein Geschäftsmann sucht einen Kontaktmann. Die kleinen Verbrecher suchen schnellen Gewinn, die großen Verbrecher suchen eine Mine. Carl sucht sein Gedächtnis und Helen sucht ihm dabei zu helfen. Ein Verrückter sucht einen Goldschatz und ein kleines Mädchen sucht seine Puppe. Alle suchen und keiner wird finden: Wie Sand rieselt es durch die Finger...

In "Sand" hat Wolfgang Herrndorf ein aberwitziges Szenario mit skurrilen Figuren in unglaublichen Situationen entworfen. Ein simpler Charakter wird unfreiwillig zum Dreh- und Angelpunkt einer Gangster- und Spionagegeschichte. Die Wahl von Ort und Zeit ist dabei nicht zufällig. Die Wüstenregion im Norden Afrikas bietet Herrndorf nicht nur eine übergreifende Metapher, sie ist auch der Mehrzahl der Leser so fremd und unverständlich, dass das kriminelle Geschehen des Romans dort gut für möglich zu halten ist. Zeitlich ist die Handlung in die Ära verlegt, als Informationen mangels Computer und Handy sich noch mit überschaubarem Tempo verbreiteten. Leider unterlaufen Herrndorf in seiner Detailverliebtheit dabei kleine Fehler: Die Zentralverriegelung wurde erst 1974 erfunden und Goethe zierte erst ab 1975 den 20-Mark-Schein (woher der Koffer mit dem DDR-Geld kommt bleibt überhaupt ein Rätsel). Das sind keine schwerwiegenden Mängel, aber in Zeiten der Internet-Recherche leicht zu vermeidende Schönheitsfehler, die die Ernsthaftigkeit des Romans schmälern. Und ernst genommen will Herrndorf sein.

Das große Plus des Buchs ist Hermsdorfs souveräner Umgang mit der Sprache, der flüssige Stil, die bildhafte Beschreibung. Das lädt immer wieder zum Weiterlesen ein. Die lakonischen Zitate am Anfang jeden Kapitels werden von der Handlung ironisch gebrochen und relativieren das unglaubliche Geschehen. Wunderbar auch die pfiffigen Einfälle am Rande (die lange Nacht der Akten; die verirrte Esspresso-Maschine usw. usf.). Nicht mit Geld zu bezahlen etwa die Idee, Michelle (die einzige Gewinnerin des Romans) die Zukunft des Israel-Palästina-Konflikts ebenso wie die Flugtauglichkeit ihres Fliegers aus dem Tarot ablesen zu lassen. Einfach köstlich.

Hätte man meiner Mutter (und das war eine belesene Person) dieses Buch vorgelegt, hätte sie es wahrscheinlich als "Räuberpistole" kategorisiert. Für mich ist es Unterhaltungsliteratur im besten Wortsinn, ohne Nebenwirkungen oder Langzeitfolgen. Das richtige Buch für den Urlaub am Strand (im "Sand"), nicht weniger, aber (leider) auch nicht viel mehr.
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am 22. November 2011
Was für ein Buch. Ich bin begeistert.
Es ist gleichermaßen spannender Thriller und gute Literatur - so etwas ist mir in dieser Form noch nie begegnet.
Den typischen Thriller liest man hungrig weg, ohne auf die Sprache zu achten. Kleinere Fehler stören nicht, die überliest man, um schnell zu erfahren, wie es ausgeht. Bei ernsthafter Literatur freut man sich an schöner Sprache oder/und erfährt etwas Neues über sich selbst, für sich selbst.
Es ist selten, dass man etwas Spannendes liest, das auch Gehalt hat. Und das findet man bei "Sand".

Auf den ersten 100 Seiten werden Personen vorgestellt, man findet sich in teils verwirrenden Szenen wieder und hängt ein bisschen in der Luft. Macht aber nichts, denn Herrndorf beschreibt so plastisch und auf ungewöhnliche Weise tiefgründig, dass es ein Vergnügen ist.
Und dann geht's los.
Ein Mann erwacht irgendwo in Nordafrika auf einem Dachboden mit schmerzendem Schädel und ohne Erinnerung. Die Szene seines Erwachens ist typisch für das Buch: er sieht aus einem Fenster und wie auf in einem Theater, eingerahmt von Brettern wie Bühnenvorhänge, sieht er wie sich in der Ferne wild gestikulierend vier Männer streiten. Die wenigen Satzfetzen, die er versteht, sind alles, was er für seine Suche nach seiner Identität zur Verfügung hat. Eine Achterbahnfahrt beginnt. Feinde werden Freunde, Freunde werden Feinde. Erfolge, die er sich mühsam erkämpft, werden brutal zerstört. Hilflos stolpert er von einer Katastrophe in die nächste.
Das ganze ist unglaublich plastisch erzählt, man sieht die Personen nicht nur vor sich, man versteht sie. Manchmal hat es was slapstickartig Komisches, manchmal ist es weise, manchmal grotesk ... ach man kann es nicht wirklich beschreiben. Ein typischer Herrndorf und auch noch spannend.

Lest dieses Buch. Es lohnt sich wirklich.
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am 15. Mai 2014
… den uns Wolfgang Herrndorf mit-Sand- hinterlassen hat. Das ist jedenfalls meine Meinung. Wer -Tschick- gelesen und geliebt hat, wird sich wundern, wie komplett anders Wolfgang Herrndorf diese Geschichte aufs Papier gebannt hat. Da zeigt sich, meiner Ansicht nach, die ganze sprachliche Vielfalt und Kreativität des Autors. Kathrin Passig, zu Lebzeiten Herrndorfs gute Bekannte und strengste Kritikerin hielt -Sand- für Herrndorfs besten Roman. Nachdem ich das Buch gelesen habe, kann ich das nachvollziehen. Es geht dabei gar nicht einmal um die krude, völlig schräge Agentenstory, die -Sand- erzählt, sondern vielmehr um die Macht der Sprache.

1972, Nordafrika. Ein Mann erwacht mit eingeschlagenem Schädel mitten in der Wüste. Er weiß nicht, wie er heißt und kann sich an keinen Tag seines Lebens erinnern. Er weiß allerdings sehr schnell, dass er verfolgt wird. Zunächst versuchen vier unbekannte Männer ihn zu töten. Anschließend wird er ausgeraubt. Dann läuft er der geheimnisvollen Amerikanerin Helen in die Arme. Die päppelt ihn auf und nennt ihn Carl. Carl versucht seine Identität zu klären, landet gleich wieder in den Händen von Ganoven und die gehen davon aus, dass Carl etwas weiß, was dieser allerdings nicht mehr weiß. Glauben schenkt ihm jedoch niemand. So ist jeder Tag in Carls Leben ein einziger Überlebenskampf. Ob das gut ausgeht? Lassen sie sich überraschen...

Ich weiß nicht, woher Wolfgang Herrndorfs Kentnisse und Einsichten über das Leben in Nordafrika stammten, in jedem Fall sind sie extrem anschaulich und unterhaltsam. -Sand- führt einen langsam aber sicher in eine aberwitzige Erzählspur, aus der man nicht mehr herauskommt. Wie Carl seinen Kopf immer wieder aus der Schlinge zieht, das ist grandios und spannend zugleich. Nebenbei eröffnet Herrndorf ein paar skurrile Nebenschauplätze, die es in sich haben. Ich habe mich jedenfalls königlich unterhalten lassen.

Es ist schade, dass Wolfgang Herrndorf so früh verstorben ist. Nach -Tschick- und -Sand- wären da vielleicht noch ein paar Romane mehr mit seiner Feder geschrieben worden. Ich hätte es ihm, und uns, gewünscht...
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am 26. Januar 2014
Ich hatte das Buch schon zwei Jahre zu Hause rumliegen, bis ich es endlich im Urlaub gelesen habe. Und bin begeistert. Ein wilder Ritt, eine Satire, todtraurig, wahnsinnig lustig, irrwitzig spannend, unfassbar schön geschrieben (!!) und einfach ein Statement. Klüger wird man wohl nicht dadurch, aber recht viel besser kann man Unterhaltung nicht schreiben.

Entgegen einiger Rezensenten hier muss ich sagen: Es ist eben NICHTS beliebig, zerfasert oder sonstwas. Das Buch macht bis ca. Seite 100 unfassbar viele Figuren auf. Man ist total genervt, denkt sich - wann geht der Scheiss endlich mal an. Doch: genau das ist gewollt. Bis man sichs versieht, ist man schon tief drin im Strudel der Wüste und wenn die Suche von Carl beginnt, ist man lange schon mit ihm, ohne dass man es weiss...

Ich will nicht zuviel verraten, aber beim Lesen kann man getrost drauf vertrauen: Es wird alles, aber auch wirklich alles aufgelöst, wenn man nur offen ist und genau liest. Und man kann es auch zweimal, dreimal lesen. Dann hat man vielleicht auch noch mal Raum für die vielen tollen Formulierungen, versteckten Metaphern, wunderbar mehrdimensionalen Figuren.

Ein Hoch auf W. Herrndorf. Er wirds hören. Ich bin mir sicher. KAUFEN. (und nicht tschick Teil 2 erwarten... )
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am 10. Januar 2012
Bin in diesen Roman erst fest hinein und dann wieder hinausgekippt. Mir gefallen die vielen Ausflüge in viele spannende kleine Neben- und Nebelwelten sehr gut. Ausgesprochen witzig, gut gelungen, der Autor spielt mit seinem Spaß, seiner Romantik, und seiner "Tiefe der Bilder", die die Vielfalt komplett macht

Die Brutalität, wie der Autor eine sehr feine Beziehung zwischen zwei Menschen auflöst und in einem Sumpf der Bösheiten verschwimmen lässt hat mich traurig und ratlos zurück gelassen. Das letzte Viertel des Romans lenkt die Geschichte weit weg von seiner feinen Absurdität an den Rand der Lächerlichkeit. Dass die vielen - mit viel Witz - aufgeworfenen Fragen bis zum Ende nicht beantwortet werden habe ich dem Autor dann nicht verziehen. Vor der Beschreibung der absurden - über zu viele Seiten reichenden - Bösartigkeit wäre es mir egal gewesen. Er hätte so weiter machen dürfen. Der glitzernde Sand und die Wüste hätten es entschuldigt. 5 Sterne bis zum letzten Vietel, ab dann ein Stern für die Qualen, die mich enttäuscht zurück gelassen haben. Da nützen auch die vielen fein gesponnenen Fäden am Ende nichts mehr.
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am 1. Februar 2016
Um das Wichtigste gleich zu Beginn zu sagen: ein ganz, ganz großer Roman, mit das beste, was in den letzten Jahren von deutschen Autoren gekommen ist. Allerdings definitiv keine leichte Kost und nur schwer in eine Kategorie zu pressen. Vordergründig läuft hier eine Agentengeschichte, eigentlich aber geht es um Sinnlosigkeit des Daseins, Bedeutungslosigkeit, Identitätsverlust und um stetiges Bemühen, das letztendlich nur in völligem Scheitern mündet. Harter Tobak, der durch eine tolle Sprache, gelungene, nicht übertriebene Metapher und vor allem viel schwarzen Humor und rasante Dialoge vom Autor hervorragend lesbar und erfahrbar gemacht wird.

Die Hauptfigur Carl ist die Essenz des Romans – mit Gedächtnisverlust in der Wüste aufgegabelt, versucht er die ganze Zeit hinweg, mehr über seine Existenz zu erfahren, was ihm jedoch nie gelingt. Stattdessen wird er als Spielball fremder Interessen hin- und her geworfen, stolpert von einem Fiasko ins nächste, gerät an alte und neue Feinde und löst keine Verstrickungen, sondern spinnt nur neue, leidet, kämpft, fällt, ist ein Getriebener zu einem ihm unbekannten, wahrscheinlich hoffnungslosen Ziel. Ja, lebensbejahend ist das Buch nicht wirklich und es lässt sich darüber spekulieren, ob die Krankheit Herrndorfs hier schon ihren Niederschlag fand.

Zweiter Protagonist des Buchs ist die Wüste – die große, leere, heiße, staubige Wüste, eine gnadenlose Sonne und mitleidlose Sterne, die ohne Rührung auf die umhertaumelnden Gestalten am Boden herabblicken. In seiner hitzeverschwommenen Intensität hat mich der Roman etwas an "Himmel über der Wüste" von Paul Bowles erinnert. Ich kann an "Sand" kaum einen Makel entdecken, außer vielleicht der eine oder andere Nebenstrang, der minimal zu detailliert geflochten wurde. Auch die ersten 80 Seiten gestalten sich zunächst etwas zäh, geben meiner Meinung nach aber einen passenden Rahmen zu dem Bild ab, das im Folgenden gezeichnet wird. Lesen, lesen, lesen - ein großes Vermächtnis.
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am 18. September 2013
Als ich das las, sah ich einen Film. Die Dialoge ziehen einem den Stecker. Der Mann hätte eine große Karriere als Drehbuchautor vor sich gehabt und den ganzen Schmonzdialogkram im jetztigen Fernsehen vielleicht mal ad absurdum geführt. Die Sprache ist sowas von angekommen im Hier und Jetzt (obwohl die Story 1972 spielt - sei's drum). Mannomann, bin ich traurig über den Tod dieses großen Schreibers, so traurig. Der Mann hatte "den Blick" und war "dem Blick" sprachlich in jedem Moment gewachsen. Wie macht der das? Um dieses Buch zum Abschied vom Leben nur in Ansätzen zu verstehen, ist es meines Vermutens nach unbedingt notwendig, Herrndorfs Blog zu lesen. Nach Thomas Bernhard mein zweites Prosaerlebnis besonderer Art. Lest alles von dem Mann! Ruhe in Frieden!
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am 5. März 2014
Ein seltsames Buch! Zu Beginn einmal hingerissen von der Direktheit mit der einer Afrika beschreibt...
Es wird dann irgendwann skurrill und schräg, und zeitweise verlier ich den Überblick; - und warum eigentlich!?
Es endet in einem nihilistischen Albtraum, wo ich mich Seite für Seite ärgere, - und es doch nicht schaffe das Buch wegzulegen.
Fang dann an zum "drüberlesen" will aber trotzdem das Ende wissen.
Das Ende find ich ärgerlich, es geht mir aber trotzdem ein paar Tage im Kopf rum.
Ein seltsames Buch..........

Hans
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