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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gelungenes Album mit interessanten Gastmusikern - dennoch: Ms DiFranco kann das besser, 20. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Which Side Are You on? (Audio CD)
Zwanzig Jahre nach ihrem Debutalbum und drei Jahre nach "Red Letter Year" erscheint mit "Which side are you on" Ani DiFranco's lang ersehntes 17. Studioalbum. Die 12 Tracks darauf reichen auch hier wieder von politischen bis persönlichen Themen, die sowohl inhaltlich als auch musikalisch mal inspirierend und nachdenklich, mal mitreißend und provozierend sind, ohne dabei jedoch je predigenden Charakter zu versprühen.

Musikalisch hat Ani sich neben Pete Seeger auf ihrem neuen Album u.a. Unterstützung von Ivan und Cyril Neville (The Neville Brothers), dem Avant-Garde Saxophonisten Skerik (Pearl Jam, R.E.M.), Singer-Songwriter Anaïs Mitchell und dem Gitarristen Adam Levy (Norah Jones, Tracy Chapman) geholt. Ob diese Besetzung eine echte Bereicherung ist, mag jeder für sich entscheiden, aber ich sag mal so: Auf "Educated Guess" hat Ani sämtliche Instrumente gespielt, sämtliche Vocals gesungen und selbst Aufnahme und Abmischen alleine übernommen und im direkten Vergleich gibt jenes Album für mich musikalisch weit mehr her als "Which side are you on".

Es würde dem Album nicht gerecht, ihm den Stempel "Folk" aufzudrücken. Ani hat die Grenzen dieses Genres über viele Jahre hinweg immer neu gesteckt, immer neue musikalische Nuancen einfließen lassen (Punk-, Rock-, Funk-, Jazzelemente), reichhaltige Soundtexturen geschaffen, ihre Gitarre und Stimme immer wieder neu erfunden. "Which side are you on" steht ganz in der Linie dieser Entwicklung und doch wird man bisweilen etwas wehmütig, denkt man bspw. an Songs wie "Little Plastic Castle", "Here for now" oder "Pulse".... viel von der mitreißenden Rauheit und Intensität dieser Songs hat Ani in den letzten Jahren durch andere Elemente ersetzt. "Which side are you on" hat zwar mehr Ecken und Kanten als es das sehr runde "Red Letter Year" bereithielt, aber es ist eben auch kein "Knuckle Down" oder "Revelling Reckoning". Es ist ein schönes Album, das mit dem Hören wächst und einige echte Highlights bereithält ("Life Boat", "Which side are you on", "Zoo"), bei einigen Songs ("Albacore", "J", "Mariachi") aber wahrlich an jener interessanten musikalischen Komplexität spart, die Ani DiFranco's Musik ausmacht oder ausmachen kann. "Which side are you on" ist als Ganzes ein interessantes, vielseitiges Album, dem es aber bisweilen innerhalb der einzelnen Songs an Vielseitigkeit und Spannung fehlt.

Nachfolgend die Songs im Fokus:

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Der Opener "LIFE BOAT" hätte nicht besser gewählt sein können und packt einen schon während der ersten dumpf verzerrten Akkorde mit denen sich die Gitarre über die fragile Soundstruktur im Hintergrund legt. Aus der Perspektive einer alten obdachlosen Frau erzählt Ani vom Leben auf der Straße und könnte stellenweise doch genauso gut die Stimme (ihrer Wahlheimat) New Orleans sein. Ein echt schöner Song.

"UNWORRY". Ani an der Gitarre. Die Band als Begleitung. Was braucht man mehr?! Harmonisch vielleicht nicht der abwechslungsreichste Song, aber dennoch interessant und sehr stimmig.

Der Titelsong "WHICH SIDE ARE YOU ON" wurde ursprünglich 1931 von Florence Reece geschrieben und seitdem mehrmals gecovert, unter anderem 1967 in der bekanntesten Version von Pete Seeger. Ani hat den Song nun nicht einfach gecovert, sondern ihn radikal bearbeitet und ihm ihre ganz persönliche Note aufgedrückt. Der Song könnte politisch aktueller kaum sein und sollte die Occupy-Bewegung noch einen Protestsong brauchen: Hier ist er! Pete Seeger himself leitet das Stück auf seinem Banjo ein und wird kurz darauf von einer flirrenden E-Gitarre abgelöst. Während Ani nun anfängt zu singen braut sich durch die treibenden Drums ein gefühlter Sturm zusammen, der schließlich durch Hörner und Backing-Vocals einen so mitreißenden Charakter entwickelt, dass man glatt Plakate beschriften und mitlaufen möchte' naja, beinahe jedenfalls. ("lord knows the free market, is anything but free / it costs dearly to the planet and the likes of you and me / i don't need those money lenders suckin' on my tit / a little socialism don't scare me one bit!") You go, girl!

"SPLINTER" ist wahrlich kein Highlight des Albums. Es fehlt an Höhen oder Tiefen, der Song plätschert so vor sich hin. Dabei hat er zwei so wahnsinnig interessante, vielversprechende 15-Sekünder (Interlude und Finish) in dem sich Theremin, Glockenspiel, Vibraphon und Trommel so richtig austoben. Wenn nur der ganze Song so spannend wäre!

Das musikalisch etwas verschmitzte, swingig-jazzige, mit Country-Elementen versehene "PROMISCUITY" steht in starkem Kontrast zu den inhaltlichen Aussagen des Songs. Kurz gesagt nimmt Ani hier das Thema Monogamie unter die Lupe und es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, welche Position sie wohl vertritt ("i mean how you gonna know / what you need / what you like / till you been around the block / a few times on that bike").

"ALBACORE" hätte ein echt schöner Song werden können. Tolle Harmonien (wenn es davon nur ein paar mehr gäbe), sehr sparsam und bedächtig vertont, dadurch aber eine Intensität entwickelnd, die wirklich einzig durch die Eintönigkeit der Strophen etwas Schaden nimmt.

Ähnliches trifft wohl auf "J" zu, wo die Untätigkeit der Regierung, durchaus auch anders hätte vertont werden können. Das kann Ani wahrlich besser!

Mehr zu bieten hat da schon "IF YR NOT". Zu schmutzig wabernder Gitarre und blechern funkigem New Orleans Groove tönt sie ihr hypnotisierendes Mantra "if you're not getting happier as you get older then you're fuckin' up".

"HEARSE" ist ein wunderschöner Song, hauptsächlich getragen von Ani's Stimme, Gitarre und den Klängen des Harmoniums, gespickt mit Klaviereinsätzen und hinterlegt mit "buddhistischem-Feeling"-verströmenden Trommeln. Ein Song über Leben und Liebe und Tod, der eine sanfte Melancholie hinterlässt, bei der man trotzdem lächelt.

"MARIACHI" hat mich bislang nicht vom Hocker gerissen und wird es wohl auch nicht mehr. Es ist halt ein... netter Song.

"AMENDMENT" hingegen ist definitiv kein "netter Song", er ist einer der langsam wächst, der ein echtes Statement hat. Er startet mit einem geradezu lockenden, verführerischen Riff während Ani ebenso lockend ihren Vorschlag einer "amendment" startet. Ani hat in einem Interview über ihr Album gesagt: "I'm testing deeper waters with the political songs on this album. I feel a little bit frustrated, politically desperate. After having written hundreds of songs over decades, I think, 'Now what? How far can I go with this? Can you sing the word "abortion", can you sing the word "patriarchy" - what can you sing and get away with? I guess I've been pushing my own boundaries of politics and art. Seeing what people have the ears to listen to." Neben "Which side are you on" sicherlich einer der politischsten Songs auf dem Album.

"ZOO" schließlich ist einer meiner Lieblingstracks auf dem Album. Er hat eine wiegende Leichtigkeit und tief berührende Schwere zugleich. So ein Song, bei dem man alle Lichter löschen, die Boxen aufdrehen, das Fenster öffnen und nur diesem einen Stück auf Repeat lauschen möchte.

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Anspieltipps: Life Boat, Which side are you on, Hearse, Zoo
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Keep the wolves outside", 20. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Which Side Are You on? (Audio CD)
Eine neue CD von Ani DiFranco ist wie die lang ersehnte Wiederbegegnung mit einer alten Freundin, von der man hofft, dass sie noch immer so zauberhaft ist, wie man sie in Erinnerung hat. Nun ist Ani DiFranco mit Sicherheit das Gegenteil von einer "Fee", die ab und zu mal eben hereinschwebt, dir einen flüchtigen Kuss auf die Stirn haucht und dann wieder von dannen zieht. Eher kommt sie mit Schwung herein in die Tür, zieht die Nase hoch, zeigt schon wieder ein neues Tattoo und sieht dich dabei so lange an, als wolle sie testen, wie lange du ihrem Blick standhalten kannst. Letzteres, also das Standhalten, lohnt sich: Denn am Ende fühlst du dich ja, mit ein bisschen Glück, doch geküsst. Und immer hat sie neue Songs im Gepäck, die sich so lückenlos in ihren Backkatalog fügen, dass man meint, die gebe es schon ewig. Überraschungen findet man da allenfalls mal in der Besetzung, im Arrangement - der Kern ist immer Ani pur. Und die muss man einfach lieben. Oder gibt es jemanden, Mann wie Frau, der solchen Zeilen widerstehen könnte: "i don't wanna strive for nothin anymore / i just wanna lie here with you / keep the wolves outside the door / there is nothin in this world you could ever show me / that could matter more"? Ich nicht.
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Which Side Are You on?
Which Side Are You on? von Ani DiFranco (Audio CD - 2012)
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