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5.0 von 5 Sternen Pergamon: "Überaus farbige und lehrreiche Geschichte der Stadt", 29. Oktober 2011
Von 
W.Th.H. "w.th.h." (Stuttgart) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Der Pergamon-Altar in Berlin ist eine der spannendsten und schönsten Exponate antiker Baukunst in Europa. Martin Zimmermann hat in seinem Buch den historischen und kulturellen Hintergrund des Altars aus Pergamon nachgezeichnet. Ihm ist es gelungen, die "überaus farbige und lehrreiche Geschichte der Stadt" (S.11) ebenso lehrreich und farbig darzustellen. Für die Leser öffnet er damit nicht nur den Blick für den Pergamon-Altar in Berlin, sondern vor allem für die gesamte Geschichte der griechischen Antike mit ihren Stadtkönigreichen und frühen Demokratien.

Wenn ein Wort die Stärke des Buchs beschreiben kann, ist es "Beziehung". Das ganze Buch bietet in sich ein Beziehungsnetz an Erkenntnissen von Archäologie und Geschichte, an Einflüssen von Mythologie und Politik, an Wechselwirkungen zwischen großer, internationaler und städtischer Politik, an Aktion und Reaktion von verschiedensten Personen der Geschichte. Besonders wichtig: auch die Beziehung zum noch wenig erforschten direkten Umland Pergamons hat ihr berechtigtes Gewicht. Querverweise, Vorwegnahmen, Hinweise knüpfen das Beziehungsnetz kunstvoll über das ganze Buch und machten es für mich zu einer anregenden Lektüre, die ich gern gelesen habe. Und mit Neugierde, wie es jeweils weitergeht und wie etwas jeweils mit anderem verknüpft ist.

Das Buch ist gut strukturiert in zwei Teile, vornehmlich chronologisch in "Geschichte" und thematisch in "Kultur und Archäologie". Das macht Sinn, insbesondere wenn es um die Einordnung des Pergamon-Altars in beides geht, also um seinen geschichtlichen Bezug und um seine kulturelle, kunstgeschichtliche Stellung. Aber Pergamon ist ja mehr als der Altar, und so fand ich es erstaunlich, wie an der Geschichte der wichtigen Stadt Pergamon Grundzüge der gesamten Geschichte des griechisch-antiken Raums deutlich werden. Eben in den Beziehungen zwischen Pergamon und den Konkurrentinnen Ephesus und Smyrna, den Beziehungen Pergamons zu Athen und Rom bis hinauf an die Schwarzmeerküste.

Das 2011 veröffentlichte Buch ist auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Oft spürt man beim Lesen fast, wie hier der Puls der Forschung noch heftig schlägt, die ja längst noch nicht abgeschlossen ist - etwa in der Datierung des Altars, wo Zimmermann einen Baubeginn um 170 vertritt. Mythen werden, wie ich finde angemessen, nicht mehr als Geschichten gesehen, die einen "historischen Kern" hätten, der uns zu irgendwelchen historischen Erkenntnissen über uralte Zeiten führen könnte. Plausibel werden sie als politische Texte verstanden, die jeweils ihrer - relativ jungen, nicht uralten! - Zeit zugeordnet werden können und in sich eine aktuelle politische Absicht tragen. Es werden Fragen von Identität und Mentalität erarbeitet, die in den Zeugnissen sichtbar werden, weniger Spekulationen darüber angestellt, was wir nicht wissen können. Vermutungen werden als Vermutungen klassifiziert, auch wenn ich als Leser ab und zu lieber Fakten hätte. Aber das ist gut so und State of the Art.

Selbstverständlich fehlt nicht die in sich spannende Ausgrabungsgeschichte zu Beginn. Und die politische Frage, wem der Altar denn jetzt gehöre, wird ebenfalls erörtert. Der Autor argumentiert m.E. einsichtig dafür, dass der Altar seinen berechtigten Platz in Berlin habe.

Die (wenigen) Bilder sind gut gewählt, die Karten hilfreich. Der Anhang mit knappem, aber ausreichendem Literaturverzeichnis und drei (!) Registern (Namen, Sachen, Orte) sehr nützlich, gerade in Bezug auf Verknüpfungen und Beziehungen. Allenfalls ein Glossar vermisse ich für Leser, die in der antik-griechischen oder archäologischen Welt nicht so zu Hause sind. Wobei das Buch eine ausgezeichnete Verständlichkeit besitzt.

Nicht nur, aber auch für meinen nächsten Berlin- und Museums-Besuch hat mir das Buch also viel geboten. Ich finde es ausgesprochen gelungen.
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