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am 14. Dezember 2011
Nach 3 Jahren erschien ende Oktober endlich das neue ASP Album "fremd". Das ist nun schon ein wenig her, ich kann das Album also - theoretisch - ein wenig abseits der anfänglichen Euphorie betrachten. Die ganze Wahrheit ist aber: Ich bin noch immer begeistert, zumal das Album wie ein Wein reift.

Die optische Aufmachung ist dabei sdchon das erste Schmankerl. Die Limited Edition präsentiert sich im edlen Buchformat, die normale Version als genauso edles Digibook, von außen schön gestaltet mit einer fühlbaren Schmetterlingsflügelstruktur, die man bereits von der Wechselbalg-Single kennt. Das Cover trifft ansonsten sehr meinen Geschmack, es ist sehr schlicht gestaltet, der Schmetterling ist dennoch ein Hingucker. Im Booklet gibt es sehr viel zu entdecken. Neben den Texten und sehr gelungenen Fotografien befinden sich dort einige Details, die man erst im rechten Licht richtig betrachten kann. Ich wünsche da viel spaß beim suchen ;)

Zu den Songs:
1. A Prayer for Sanctuary
... stellt so etwas wie das Intro des Albums da. Beginnend mit schaurigen Pianoklängen steigert sich das Lied immer weiter, bis es zum Schluss in einer Gitarrenwand seinen Höhepunkt findet. Asps Stimme wirkt dabei wie ein okkulter Chor, was unheimlich viel Eindruck macht.

2. Wechselbalg
... kennt man ja nun schon von der Single und stimmt auf die Thematik des Albums ein. Ich werde da nicht mehr viel zu sagen, der Song ist sehr gut, allerdings empfinde ich ihn irgendwie als den schwächsten Song des Albums ein, was jetzt schon viel über den Rest des Albums sagt.

3. Eisige Wirklichkeit
Dies ist einer der Songs, der wie ein Wein reifen. Beim ersten hören gefiel er mir noch nicht so, aber mit jedem Hören gefällt er besser. Das Synthie-Intro hat irgendwie unheimlichen Stil, mit Einsatz der Gitarren haben die Synthies gar etwas piratiges. Die Strophen haben etwas sehr rhytmisches, der Refrain wirkt kraftvoll. Allerdings muss ich sagen, dass der Text der ersten strophe irgendwie gezwungen wirkt, die zweite ist da wesentlich stärker, u8nd auch der Refrain. wirklich interessant ist dabei Asps Art zu Reimen, die nicht nur bei diesem, auch bei anderen songs auffällig und sehr geschickt ist.

4. The Mysterious Vanishing of the Foremar Family (A real gothic Tale)
Wohl einer der längsten Songtitel überhaupt* und eins der Stimmungsvollsten Intros der Musikgeschichte. Zu düsteren Gitarrenklängen stimmt Asp im Sprechgesang auf die Geschichte des mysteriösen Verschwindens einer Familie ein. Diese wird in dem Song erzählt, dabei entsteht ein starker Kontrast, da die Strophen wirklich sehr stimmungsbvoll und düster sind, wohingegen der Refrain sehr poppig wirkt. Das kann gefallen, es gelingt ASP auch wirklich, aber ich schätze, das wird nicht jedem gefallen.

5. Rücken an Rücken
... beginnt mit einem gesprochenen Intro, bei der ersten Zeile denkt man noch irgendwie an Rammstein ("Liebende Kinder, gebt fein acht..."), aber in den folgenden lässt man das hinter sich. Der Song prangert die Beziehungsfeindliche Welt an, in der man es schwer hat, zueinander zu stehen. Die Grundthematik erinnert dabei leicht an Biotopia. Die gesamte Metaphorik ist dabei jedoch eine andere, es wird deutlich gemacht, dass, trotz der ferne, eine Art Verbindung besteht, und die Sehnsucht, alle Widrigkeiten hinbter sich zu lassen und sich einfach nahe zu sein.
Bei diesem Lied fragt man sich aber unmittelbar, inwieweit die Trennung von Gitarrist, Produzent und Freund Matthias Ambre da mithineinspielte. ("Und, solang man kann, vergeben und dann gehen, aus freien Stücken")

6. Angstkathedrale
Vergesst alles dagewesene. Dieser Song ist unglaublich beeindruckend. Man ist ja in diesem Sinne viel von ASp gewohnt, aber "Angstkathedrale" schlägt sogar "Die Ruhe vor dem Sturm".
ASP zeigen hierbei das gesamte können. Asps selbst zeigt hierbei sein gesamtes gesangliches Können, beginnend mit dem unheimlich (dies ist zu betonen) schweren Gesang in der ersten hälte, über die schwungvollen Parts, den mehrstimmigen Chorpart bis hin zum recht hohen, stimmungsvollen Schluss. Der Text selbst hat Ecken und Nischen wie eine große Kathedrale, die Zeilen brennen sich ins Bewusstsein ein, die Metaphorik überzeugt. Dies schlägt sich auch im Songaufbau nieder, hier passt alles zusammen. Insgesamt fühlt sich der Song wie Flucht und Gefangenschaft gleichermaßen an, er ist wie eine Flut, mitreissend, überwältigend. In sich selbst ein Meisterwerk, meiner Meinung nach eines der grandiosesten Musikstücke aller Zeiten. Allein dafür hätte das Album 6 Sterne verdient. Allerdings muss man zugeben, dass man die erste Hälfte auch erstmal überleben muss, aber es lohnt sich, den nur so entfaltet sich die ganze Wirkung.

7. Schön, schön, schön
...erinnert vom Text her irgendwie an "Teach me war", ist aber anders eingefärbt, eher kritisierend. Der Klang ist irgendwie für ASP ein wenig ungewöhnlich, das pendelt sich aber ein. Seinen Höhepunkt findet der Song in der dritten Strophe, man muss ihn aber auch erstmal verstehen. Dafür muss man, so denke ich, allerdings erst bestimmte Erfahrungen machen, die wünsch ich aber niemanden. Niemand ist gerne ein Spielzeug.

8. FremdkörPerson, erstens
Sehen wir von dem ungewöhnlichen Titel mal ab. Das Intro kling Folkig-Melancholisch, wer hier aber eine ballade vermutet, liegt falsch. Hier wartet einer der Energiegelandensten Songs von ASP überhaupt, "FremdkörPerson" steckt sogar "Werben" in die Tasche. Der Text beschreibt das Fremd sein wunderbar und in kluger Metaphorik und ist rundum gelungen. Die Instrumentalisierung des Refrains hat dabei was von einem B-Moviesoundtrack, im positiven Sinne. Oh, und da der Song "erstens" heißt, freue ich mich schon auf "FremdkörPerson, zweitens".

9. Unverwandt
Der neunte und letzte Song des Albums ist die Antithese zu "Angstkathedrale", nicht die Flut, sondern sanfter Regen. Er erweckt den Eindruck eines emotionalen Nachbebens, und beschreibt sich durchaus selbst: "Hör nur, wie es klingt, als hätte man die Einsamkeit vertont" Ein textliches Highlight ist der Song allemal, und musikalisch wird man von melancholischen Gitarren und einer wunderbaren Geigenmelodie (gespielt von Ally) erobert. Große Klasse.

Bonussong: Wouldn't it be good
Ein Coversong, von dem ich zuerst dachte, ich würde ihn nicht kennen., Dies stellte sich als falsch heraus. Ich dachte "Wie? ASP covern einen Song, der so ohne weiteres iom Radio gespielt wird?! Wirklich?!". Das ist allerdings ganz gut so, da man so mal dazu kommt, sich mit so einem Song näher zu befassen. Wenn man das tut, fällt einem auf, das der Text gar nicht mal so ungut ist, und die ASP Fassung überzeugt alle mal.

Summa Summarum ein unheimlich gelungenes Album, wirklich ein Meisterwerk, das mit starken Texten und gefühlvollen wie kräftigen Songs überzeugt. Absolute Kaufempfehlung, ohne Wenn und Aber.

*Aber zugegebener Maßen weit hintr "Ich werde mein Leben lang üben, dich so zu lieben, wie ich dich lieben will, wenn du gehst" von Wir sind Helden...
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am 22. Oktober 2011
ASP macht kein Geheimnis daraus, dass der neue Zyklus "Fremder" ein quasi direkter Nachfolger zu "Der Schwarze Schmetterling" ist und dies wird bereits bei der Covergestaltung mehr als deutlich. Hier wird nämlich niemand Geringeres als eben der besagte Schmetterling in all seiner Pracht dargestellt. Da wir es also mit einer zusammenhängenden Novelle zu tun haben, die ihren Anfang vor nunmehr 11 Jahren nahm, werde ich nicht nur die Musik bewerten, sondern auch etwas auf die Texte eingehen und versuchen, sie in Relation zur ASPs Geschichte zu setzen.
Um hierbei eines vorweg zu nehmen: Meines Erachtens gibt es hier viel Licht, aber auch über diesem Licht liegt auch etwas Schatten.

Den Beginn macht der Titel "A Prayer for Sanctuary", welches recht unscheinbar ruhig und vor allem elektronisch beginnt, nach etwas mehr als der halben Spielzeit jedoch dem metallischen Rock verfällt. ASPs Gesang hat bei diesem Titel den bereits bekannten, sakralen Charakter. Textlich haben wir es hier mit einer Anrufung, einer Beschwörung zu tun, sich endlich zu befreien.
Ein recht schwermütiger Song, der bei einigen Hörern wohl ein paar Anläufe brauchen wird, bis er endgültig zündet.

Danach folgt sogleich die erste Single-Auskopplung "Wechselbalg", eine sehr ASP-typische, vorwärts treibende Hymne. Inhaltlich ist das Stück als erste Single sehr geschickt gewählt worden, denn der Kampf gegen das fremde Ich / den schwarzen Schmetterling im Inneren der Seele scheint verloren und der noch immer namenlose Protagonist erwacht in einer fremden Welt. Doch was kommt nun?

Darauf gibt der nächste Titel "Eisige Wirklichkeit" noch keine Antworten. Stattdessen wird geschildert, wie ASPs Alter Ego die neue, die eisige Wirklichkeit wahrnimmt. Dabei stellt man fest, dass wohl schon "Die Ruhe vor dem Sturm" aus dem Album "Weltunter" einen Ausblick auf diese fremde Welt gegeben hat, denn es werden ganz ähnliche Bilder heraufbeschworen.
Ebenso wie die Single, so ist auch dieses Lied sehr treibend, mit schnellen Rhythmen und eingängigen Melodien.

Weiter geht es mit "The Mysterious Vanishing of the Foremar Family", ein recht ruhig beginnendes Lied, welches sich nach einiger Zeit in eine Midtempo-Nummer wandelt. ASPs Gesang hat hier Erinnerungen an den Krabat-Liederzyklus wachgerufen, vor allem im Refrain.
Der Titel wird als "A Real Gothic Tale" angepriesen und das ist keinesfalls übertrieben. Es geht hier um die titelgebende Foremar-Familie, die in einem Herrenhaus lebte und plötzlich verschwand. Konkret gibt es keine Verbindung zum schwarzen Schmetterling, zum Thema dieses Albums passt die Geschichte aber wie die Faust auf's Auge, denn es wird auch vom geistig erkrankten Cousin erzählt, der von der Familie als Fremdkörper angesehen und isoliert, gefangen gehalten wurde. Zweifellos muss sich auch der Cousin fremd gefühlt haben. Das Ende der Geschichte bleibt wie im Titel versprochen rätselhaft, es werden nur Hinweise geliefert - wenn es denn überhaupt Hinweise sind.

Lied Nr. 5 - "Rücken an Rücken". Hier lassen sich wieder direktere Bezüge zur Hauptgeschichte herstellen. Allerdings wurde das hier behandelte Thema schon zur Genüge besungen, nur diesmal mit dem besonderen Augenmerk auf "fremd". Es geht wieder einmal um das erzwungene Bündnis zwischen dem Protagonisten und dem Schmetterling, seinem zweiten Ich. Es geht um den gemeinsamen Kampf, ohne sich dabei gegenseitig akzeptieren zu wollen. ASP singt hier aus Sicht des Schmetterlings und gibt diesem eine Seele. Exemplarisch sei hier kurz die letzte Strophe zitiert:
- Der Rettungsplan, ich kam Dich holen.
So, wie ich gelobte!
Wir haben uns der Welt gestohlen,
wenn der Sturm auch tobte.
Vom Regen in die Traufe.
Flohen, dachten, es kann glücken. -
In diesen wenigen Zeilen hat der schwarze Schmetterling meines Erachtens mehr Profil, mehr Persönlichkeit bekommen als im gesamten 1. Liederzyklus. Eine grandiose Leistung!

Nun kommen wir zum Herzstück dieses Albums, zum 17-minütigen monumentalen Epos "Angstkathedrale", welches in der Canterbury Version zu hören ist. In den ersten fünf Strophen singt ASP sehr monoton, schwer, im wahrsten Sinne des Wortes Angst einflößend. Die Gitarrenwände sind doomig, erdrückend, unheilschwanger. Dann, nach knapp der halben Spielzeit, kommt ein instrumentaler Akustikpart, der sich mehr und mehr in eine ASPsche Rocknummer verwandelt, dann der Schritt zurück zum Doom, nur kurz!, schließlich wieder die Rocknummer, nur um anschließend einen verrückten Mix aus beidem zu liefern und am Ende wieder die erdrückende Schwere des Dooms, nur noch mit leichten Rockattitüden versehen.
Musikalisch ist ASP hier ein Meisterwerk gelungen, ein geniales Monument. Schwer zugänglich, aber großartig arrangiert. Inhaltlich möchte ich nicht zu viel verraten, aber Einsamkeit ist ein ganz großes Thema hier. Bei "Angstkathedrale" habe ich mich auch an die "Ballade von der Erweckung" erinnert gefühlt, wenngleich völlig unterschiedliche Atmosphären vorherrschen. Bei der "Ballade von der Erweckung" war die Stimmung eher orientalisch / naturverwoben und dadurch trotz aller Traurigkeit recht leichtfüßig. Bei "Angstkathedrale" geht es schonungslos tief in die Abgründe einer jeden menschlichen Seele.

"Schön, schön, schön" ... dass es dieses Lied gibt? Hier geht es um die Schwarze Szene und vor allem die, die sich dieser dazugehörig fühlen und doch keine Ahnung davon haben. In ähnlicher Weise wurde das Thema auch schon im Klassiker "Einheitsschritt" der Band ISECS behandelt. Für jeden "echten Goth" ist dieses Lied von ASP ein Ohrenschmaus und dennoch ist es irgendwie entbehrlich. Clubtauglich ist es aber allemal.

Das achte und somit vorletzte Stück heißt "FremdkörPerson, erstens". ASP setzt sich hier kritisch mit dem Protagonisten sowie dem schwarzen Schmetterling auseinander. Zwei Charaktere, vom Schicksal verbündet und doch so fremdartig zueinander, so gegensätzlich.
Musikalisch eines der ruhigeren Lieder mit einem sehr schönen akustischen Intro mit mittelalterlichem Flair, welches von einer tollen Flötenmelodie getragen wird.

Nun kommen wir leider schon zum Ende: "Unverwandt". Ein unglaublich melancholisches, 10-minütiges Stück. ASP hat sich hier wohl beim Mythos über Phönix, dem Feuervogel, bedient und diesen auf seine eigene Geschichte übertragen. Der immerwährende Kreislauf zwischen Erwachen und Ruhen, zwischen Kampf und Frieden.
Musikalisch gesehen ebenfalls eher ruhig, mit vielen Instrumentalparts und immer wieder zaubert sich ein phantastisches Geigenspiel in die Gehörgänge. Wunderschön.

Fazit zur Musik:
Wie bereits eingangs erwähnt, bietet der erste Teil vom Fremder-Zyklus viel Licht, aber auch ein wenig Schatten.
Das Licht sind die einmaligen Kompositionen, die wunderbaren Texte sowie der wie ich finde nochmals verbesserte Gesang von ASP (er singt jetzt hin und wieder auch etwas höher).
Der Schatten ist die fehlende Weiterführung der Hauptgeschichte. Gerade nach "Wechselbalg" und "Eisige Wirklichkeit" möchte man unbedingt wissen: Wie geht es weiter? Aber da kommt nichts mehr. Andererseits beschäftigt sich ASP stattdessen intensiv mit dem Inneren seiner Charaktere, lässt sie dadurch glaubhafter und nachvollziehbarer erscheinen. Das ist natürlich sehr positiv!
Außerdem ist ja gerade das Schöne an ASPs Texten, dass man sie nicht zwingend in Relation zur Hauptgeschichte setzen muss, sondern sie auch völlig frei und unabhängig voneinander interpretieren kann.

Da die Rezension schon sehr ausführlich ist, werde ich die Gestaltung der Limited Edition sowie die Bonus-CD nur kurz anschneiden.
Die LE ist sehr hochwertig verarbeitet, das geht schon aus der Produktbeschreibung hervor und wer ASP und seine Liebe zum "Gesamtpaket Musikalbum" kennt, der muss sich sowieso keinerlei Sorgen machen. Das Booklet ist ein wahrer Augenschmaus. Dies beginnt bei der sehr ästhetischen Schriftart und endet mit den vielen zusätzlichen Texten, die nur durch den richtigen Lichteinfall deutlich werden.
Auch die Bonus-CD ist ein absolutes Must-have. Alleine die alternativen Versionen zu "Unverwandt", "Angstkathedrale" sowie "The Mysterious Vanishing of the Foremar Family" sind absolut hörenswert, da sie völlig anders instrumentiert wurden, sehr viel ruhiger und akustischer sind. Außerdem gibt es ein Cover eines 80er-Jahre-Hits ("Wouldn't it be good"), einen Remix zu "Wechselbalg" sowie zwei Live-Videos.

Jetzt bin ich aber wirklich am Ende angekommen. Das hier war meine mit Abstand ausführlichste Besprechung zu einem Musikalbum. Ich hoffe, ihr habt bis hierher durchgehalten und kauft euch jetzt dieses großartige Album.
Vielen Dank für's Lesen.

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Auszug aus "Angstkathedrale":
- Und alle sind längst vergangen,
und Tränen laufen dir
über deine Wangen,
unkontrolliert.
Verlangen
regiert. -

(Das Verlangen nach dem nächsten Kapitel aus dem Fremder-Zyklus)
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am 21. Oktober 2011
Als erstes möchte ich anmerken, dass die Qualiät und Aufmachung der Limitierten Ausgabe überdurchschnittlich ist und viele Interpreten sich hier eine Scheibe von abschneiden könnten. Ich möchte nur sagen, dass man die Versprechen die gemacht wurden alle eingehalten hat. Alle Punkte sind vorhanden, von dem Zertifikat mit Unterschrift, dem umfangreichen Booklet sowie der gesamten Aufmachung der Hardcover-Verpackung. Wirklich toll gemacht, man hat wirklich das Gefühl etwas ganz Besonderes in der Hand zu haben (was man letztendlich ja auch hat), eine CD welche man eigentlich gar nicht in die normale CD Sammlung stellen möchte, sondern eher an einen ganz besonderen Ort.

Vom Umfang der CD's wird man auf den ersten Blick auch erschlagen, die Haupt CD geht mit 1 Stunde und 6 Minuten ins Rennen. Die Bonus CD legt mit 50 Minuten noch eine ordenliche Schippe drauf. Wer jetzt meint:"jaja, viel kram, besteht bestimmt aus Füllern und Intros, Outros und Wiederholungen", der wird beim hören eines besseren belehrt. Zwar sind viele Stücke von der Atmosphäre her recht gleich (dunkel, düster), was man aber damit begründen kann, da es ja immer um das gleiche Thema geht (Fremd). Dennoch setzt ASP immer wieder Akzente die allen Stücken die nötige Portion Eigendynamik verleihen.
Abschließend kann man sagen, das Hauptalbum ist etwas langsamer, tiefer und ein wenig düsterer als das was man vom Schwarzen Schmetterling gewohnt ist. Gerade durch Angstkathedrale wird die Finsternis welche beim Hören dieses Albums zu erdrücken droht fast materiell. Es ist wohl das elementarste Stück der CD, welches als Maßstab des hier angewandten Musikstils genommen werden kann.

Die Bonus CD enthält den Coversong "Wouldn't it be good", der in gewohnter ASP Manier veredelt wurde. Die Neuinterpretationen oder Abwandlungen(wenn man es so will) wirken für mich teilweise etwas unausgegoren (gerade Wechselbalg) wenn man den Musikstil ändert sollte auch der gesungene Text angepasst werden. Hier wirkt es etwas halbgar und nicht ganz passend. Geschmackssache.

Wer etwas ganz Besonderes haben will, Fan ist und vor allem wem die Wechselbalg EP gefallen hat, der kann (wenn das nötige Kleingeld stimmt) bedenkenlos zur Limitierten Ausgabe greifen. Alle anderen sollten erstmal reinhören. Natürlich ist Musik Geschmackssache, aber handwerklich gibt es an dem Hauptalbum nichts zu meckern und von mir eine klare Kaufempfehlung.
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am 15. August 2015
Normalerweise halte ich mich von Rezensionen zurück, wenn ein Album schon ausreichend bewertet wurde, aber hier muss ich nun doch noch etwas loswerden:
Dieses Album ist um Längen besser als "Maskenhaft". Den schlechteren Bewertungsdurchschnitt kann ich also absolut nicht nachvollziehen.
Nicht nur ist "Fremd" in seinen Klangkompositionen viel kreativer, sondern auch textlich ausgereifter. Harte elektrische Beats vermischen sich hier mit der zarten Melodie von klassischen Instrumenten, mal sind die Lyriks aufrührerisch, mal so voller Emotionen, dass man eine Gänsehaut bekommt. Während "Maskenhaft" über lange Strecken nur so dahin dümpelt und zum insperationslosen Einheitsbrei verkümmert, hält "Fremd" mit jeden Lied Überraschungen und damit Abwechslung parat. Die Texte haben eine Tiefe, die jede andere Publikation von ASP überragt. Die Stimmung ist eine absolut einzigartige.
Die schlechtere Bewertung kann ich mir nur so erklären, dass ASP mit "Fremd" einen neuen Albenzyklus eröffnet hat und viele Fans sich erst an die neuen Klänge und Themen gewöhnen mussten. An diesem grandiosen Album kann es jedenfalls nicht liegen.
5 Sterne, um die Bewertung zumindest ein bisschen anzuheben!
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am 6. April 2013
Nach dem grandiosen Zyklus um den schwarzen Schmetterling und dem ebenso großartigen Krabat-Album musste ich mir natürlich auch das Album "Fremd" sofort bestellen.

Allerdings hat es einen Grund, warum ich erst so lange Zeit nach Erscheinen des Albums eine Rezension schreibe. Mir war lange nicht klar, was mich an diesem Album stört. Nun denke ich, ich weiß es.

"Fremd" beginnt äußerst beeindruckend und vielversprechend mit dem bedrohlich-beschwörenden "A prayer for sanctuary", das eine Atmosphäre erzeugt, die ich sehr liebe und die mich stark an ältere Werke von ASP erinnert hat. Ich fühlte mich fast wieder wie bei einem erneuten Besuch im dunklen Turm. Leider endet dieses Intro nicht auf seinem Höhepunkt, sondern schwächt sich zum Ende hin ab und geht in sich mehrmals wiederholende Zeilen über. Passt zwar zum Text ("I hear voices of a stranger, echoing..."), zerstört für mein Empfinden aber die Atmosphäre dieses eigentlich sehr schönen Stückes.

"Wechselbalg" ist eine recht asp-typische Rocknummer, die sicherlich auch livetauglich ist, deren tieferer Sinn und Zusammenhang sich mir jedoch nicht ganz erschließt.

"Eisige Wirklichkeit" ist eine der Härteren Nummern, die mir auch musikalisch recht gut gefällt. Allerdings enthält dieses Lied (jedenfalls nach meinem Sprachgefühl) einen grammatikalischen Fehler, der mir die Freude daran verdirbt und mich dazu bringt, mir dieses Lied nicht mehr anzuhören.

"The mysterious vanishing of the Foremar family" fällt irgendwie komplett aus dem Konzept des Albums heraus. Englische Songs haben mich bei ASP sprachlich noch nie wirklich überzeugt, aber hier hört man ganz besonders stark, dass Englisch definitiv nicht die Muttersprache des Sängers ist. Es ist ein düsteres Werk über das mysteriöse Verschwinden einer Familie, was überhaupt nicht zur verworrenen Innenansicht der anderen Stücke passt.

"Rücken an Rücken" steht wieder in einer Linie mit "Wechselbalg" und "Eisige Wirklichkeit". Ganz im Stil des literarischen Expressionismus. Die Strophen gefallen mir gut und sind auch recht stimmungsvoll, werden aber durch den Refrain unglücklich auseinandergerissen. Insgesamt ist es trotzdem ein Lied, das ich mir gern anhöre.

"Angstkathedrale" ist mit Sicherheit das "größte" Lied des Albums "Fremd", nicht nur aufgrund der schieren Länge. Der Song hat ein ganz eigenes Konzept und ist eigentlich ein Werk in sich, auch wenn es sich thematisch an die vorhergehenden Lieder anreiht. Der Text bildet den kreuzförmigen Grundriss einer Kathedrale ab. Form und Inhalt passen hier sehr gut zusammen, eine Tatsache, die ich eigentlich von ASP gewohnt bin und bisher auf dem Album vermisst habe. Dennoch kann mich "Angstkathedrale" auch nicht überzeugen, weder textlich noch musikalisch.

"Schön, schön, schön" hätte nun wirklich nicht sein müssen. Ein belangloses Lied über die Klischees in der schwarzen Szene (Lack und Leder, Unterwürfigkeit etc.). Warum?

"FremdkörPerson Erstens" ist wohl eines der bezeichnenden Stücke dieses Albums. Es geht mal wieder darum, sich in dieser Welt fremd zu fühlen, sich nicht einzufügen und nicht dazu zu gehören. Das Versmaß ist für mich mehr als unbequem und unangenehm anzuhören. Von lyrischer Ästhetik keine Spur.

"Unverwandt" ist ein kleiner Lichtblick am Ende des Albums, der meines Erachtens die schönste Geigenmelodie aller ASP-Songs enthält. Die Strophen sind wunderschön, die Lyrik auf dem Niveau, das ich von ASP erwarte. Dieses Lied hat das größte Potential aller "Fremd"-Songs. Nur leider ist der Refrain auch hier wieder sehr unglücklich gewählt. Die fast schon einlullende Stimmung wird jäh zerrissen durch den beinahe geschrienen Chorus. Vielleicht ist es Absicht, mir gefällt es nicht. Das Lied wäre so schön gewesen...

Insgesamt ist "Fremd" für mich ein äußerst unbefriedigendes und enttäuschendes Album, das seinen Vorgängern nicht ansatzweise das Wasser reichen kann. Passenderweise wirkt es für mich wie ein rauer, kalter Fremdkörper in der sonst so schwarzromantischen ASP-Welt.

Und ich weiß auch endlich, was ich vermisse: Die grandiose Lyrik, die eingängige Musik, die mitreißenden Geschichten, das Eintauchen in andere Welten, den Kampf Gut gegen Böse. Einfach alles, was mich an den älteren Werken so begeistert hat. All das fehlt hier. Und das macht mich traurig. Man hört ziemlich schnell, dass Matze Ambrè die Band verlassen hat, auch wenn Asp der kreative Kopf des Ganzen ist, stellt man doch recht schnell dieses fehlende Element fest. Sehr schade, aber wohl nicht zu ändern.

Ich werde den nächsten Alben noch eine Chance geben, in der Hoffnung, dass man sich im Hause ASP wieder auf die alten Tugenden besinnt. Und falls nicht, bleiben mir ja noch die alten Meisterwerke.
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am 25. Oktober 2011
ASP, das waren einmal die Gruppe rund um Mastermind Asp und Songschreiber/Produzent Matze. Nach dem fulminanten Abschluss des Schwarzer Schmetterlings durch das Doppel-Album Requiembryo und dem folgenden Ausflug in den Krabat-Zyklus hat man sich gefragt, wie die "reguläre" ASPsche Reise in Sachen Musik denn wohl weitergehen möge. Der "Schwarzer Schmetterling Zyklus" hat sich über die Jahre immer mehr hin zu rockigeren Konzept Alben entwickelt, daher war die Sorge mancher nicht unbegründet, man könnte irgendwann wie gewisse Genrekollegen enden und musikalisch gänzlich von den Wurzeln abfallen. Zunächst als Teil des zukünftigen, damals noch unbekannten, Albums angekündigt, erschien 2009 dann die "Wer sonst?/Im Märchenland" Single, welche mit 2 brandneuen Stücken und (in der ltd. Edition) einem Comic aufwarten konnte. Diese waren von der Fangemeinde überwiegend gut aufgenommen, aber dennoch mysteriös, da inhaltlich noch wenig konkretes zu finden war, das die Gier der Meute auf weitere düstere Gothic Novel Speisen stillen konnte. Musikalisch gewohnte ASP Kost, die sich aber trotzdem nicht wie das vorherige Material anfühlte. So oder so, laut Asp sind diese 2 tollen Lieder nicht mehr Bestand des 2010 enthüllten "Fremder-Zyklus". Der vielversprechende Titel des ersten Albums aus selbigem, genannt "fremd" (ja, nicht Fremd, sondern fremd!), klang vielversprechend. Die Nachricht hingegen, dass Matze aus unerklärten Gründen die Band verlässt, sorgte für Panik und Trauerflor.

2011 war es dann endlich soweit, mit "Wechselbalg" erschien das erste richtige Lebenszeichen der neuen Ausrichtung, rund um Produzent Lutz Demmler. Der Titeltrack war perfekt als erstes solches gewählt, da er textlich quasi das Bindeglied der beiden Zyklen darstellt, denn entgegen früheren Meldungen ist der "Fremder-Zyklus" kein komplett losgelöster Zyklus, sondern eine quasi Fortführung der Geschichte rund um den geflügelten Düsterling. Das mag denjenigen missfallen, die auf etwas rundum Neues gehofft haben, die anderen mag es beruhigen, dass doch etwas von der geliebten Vergangenheit erhalten bleibt. Angstkathedrale (in der Amiens Version) wiederum hat viele erst mal vor den Kopf gestoßen, was mit Sicherheit den hohen Doom Anteilen geschuldet ist, die sich durch eine gewisse Monotonie und schleppende Gitarrenwände wunderbar darboten. ASP haben schon öfter ("Die Ruhe vor dem Sturm", "Fading away (A Vision)", "Blinded") bewiesen, dass sie lange, düster melancholische Lieder perfekt inszenieren können, aber hier war wohl für den ein oder anderen zartbesaiteten Goth zu viel des Guten vorhanden.
Und nun, im Oktober 2011, hört der geneigte Fan nicht nur ein donnern und grollen hinter dem Vorhang, nein, das Kino eröffnet und es gibt Gothic Novel Rock vom allerfeinsten zu sehen, zu fühlen und zu hören, "fremd"ist da! Was sagt der Zuschauer?

Zuerst einmal widme ich mich der Verpackung, welche typisch ASP einmal mehr mit zum Besten gehört, was die Musikbranche zu bieten hat (wir reden natürlich von der limited Edition): Das Cover, vom bekannten Künstler Timo Würz designt, zeigt den Schwarzen Schmetterling in all seiner (modernen) Pracht, und bietet im schönen Buchformat auch gleich etwas zum Anfassen, sind doch wie auf der Wechselbalg Single feine Strukturen eingearbeitet, welche je nach Interpretation Spinnenweben oder der Flügel Oberfläche von Insekten gleichen. Das Innenleben bietet das bisher düsterste ASP Artwork, in Form von Tintenblut und (edwarschen) Rabenfederklingen, gepaart mit einem Asp, der Bild für Bild (daher gleichen sich die Aufnahmen auch ziemlich) verrückter zu werden scheint, was zum Album und dessen Konzept passen würde. Aber dies ist nur meine persönliche Interpretation. Das Besondere stellt allerdings die Detailverliebtheit des Booklets dar, da es wirklich viel zu entdecken gibt, sei es in Form von versteckten Botschaften oder ergänzenden Zitate aus alten Liedern. Hier wurde sich wirklich viel Mühe gegeben und alles in allem bieten ASP hier ihre bisher beste Veröffentlichung dar, was bei ihrer Diskographie wahrlich etwas heißen will. Lob dafür (auch für 7000 unterzeichnete und sehr schicke Zertifikate)! Einziger Kritikpunkt ist das fehlende Erwähnen von Nik Kershaw und seinem tollen Original von "Wouldn't it be good"in den Credits. Das gehört imo dazu.

Doch widmen wir uns nun weiter dem Album selbst. Hat man die schicke, schwarze CD (ebenfalls mit feiner Verzierung) in die Anlage, respektive den PC, eingelegt, ertönt der Opener "A Prayer for Sanctuary". Hallende Klavierklänge, ein verzerrter Stimmenchor und sich ausdehnende Elektrospielereien geleiten in eine düstere Sehnsuchtsklage, die sich final in einer schmetternden Gitarrenflut ergießt und mit verzweifeltem Echo abebbt. Textlich, wie erwähnt, fleht der Protagonist nach einem Wirt, nach Erfüllung durch Assimilation und spricht diesen fast schon wie eine Hoheit an. Zuletzt scheint er Erfolg zu haben, hört er doch die Stimmen eines Fremden...

Eben dieser steigt in "Wechselbalg"wieder auf, die treibend rockige Nummer dürfte live großen Anklang finden und ähnelt am ehesten Liedern wie "Ich will brennen"oder "Ich bin ein wahrer Satan". Gewohnte Kost auf hohem Niveau, hier dürften die wenigstens Hardcorefans etwas auszusetzen haben. Textlich wird Bezug zum alten Zyklus genommen und somit könnte der zweite Titel auf der CD nicht besser besetzt sein. Eine neue Welt, ein Gefühl des Fremdseins und doch nicht allein, trotz der Trennung.

Mit "Eisige Wirklichkeit"befindet sich vermutlich (wenn die Fans gut wählen ;D) die nächste Singleauskopplung auf Position Numero 3 und das zurecht! Treibend, elektronischer als die letzten 2 Schmetterlings Alben zusammen und sowohl eingängig, als auch sehr tiefgründig wird vom Erwachen in der Fremde berichtet. Doch man ist nicht allein, die Geister, die Altlast ist mitgereist.

"So viele Jahre war dein Streben, all dein Tun und Worte Weben,
auf ein großes, neues Leben in der Freiheit konzentriert.
Nun bist du endlich obenauf, denn alles schien so gut gelaufen,
war es teuer nicht erkauft, wenn dich am Ende wieder friert?"

Wunderbare Zeilen, die man eigentlich nicht groß erklären muss, erneut ein (möglicher) Bezug zu alten Zeiten, wenn man es denn so interpretieren mag. Noch ist unklar, ob man wirklich denselben Protagonisten vor sich hat, welcher immer noch keinen Frieden gefunden zu haben scheint, oder ob man sich nicht doch auf den Schmetterling selbst bezieht (es wäre nicht das erste Mal, dass dieser auch als verletzlich ["Ballade von der Erweckung"] gezeigt wird). Auf jeden Fall eine ganz große Nummer.

Anschließend zeigt nicht nur das Artwork (passend durch eine kaputte Uhr symbolisiert), dass man sich auf Zeitreise begibt; in Erzählermanier leitet "The Mysterious Vanishing of the Foremar Family [A real Gothic Tale]"eine mögliche Begegnung mit dem Schwarzen Schmetterling in der Vergangenheit ein, dem eine versnobte, wohlhabende Familie (bzw. konkret der "verrückte Cousin", was natürlich noch besser passen würde) zum Opfer fiel. Auch wenn vermehrt Gitarren und Keys das Klangbild bestimmen, fühlt man sich sofort an den Krabat-Zyklus zurückerinnert, lädt doch der Refrain wunderbar zum Schunkeln ein und das ganze Lied wirkt regelrecht folkig. Passenderweise liefert Asp auch eben solch einen Mix des Liedes auf der Bonus CD, doch dazu später mehr. Klingt alles positiv, ist es auch, jedoch im Kontext der restlichen, allzu genialen Lieder stellt dieses Stück für mich das schwächste Bindeglied da. Inhaltlich ist es für mich für ASP Verhältnisse zu flach, gewöhnlich und ein zwei englische Zeilen hören sich satzbautechnisch komisch an. Aber das ist Kritik auf sehr hohem Niveau und es bleibt trotzdem ein tolles Lied.

Erzählerisch geht es auch gleich weiter, in "Rücken an Rücken"zeigt ASP seine Synchronsprecherqualitäten und man fühlt sich fast wie bei "Aus der Tiefe"als mehrere kleine Intros die Lieder eingeleitet haben. Hier gehört es jedoch zum Lied und stellt mit die besten Zeilen dar, die Asp je geschrieben hat. Überhaupt, das ganze Lied beschreibt das Entfremden zweier Partner (oder des Protagonisten vom Schmetterling, wie man will) auf eindrucksvolle und berührende Weise. Absolute Hochform, Herr Spreng! Musikalisch bleibt man in Midtempo Gefilden und gibt sich auch wieder vermehrt elektronisch. Auch hier ein neuer Live Kracher Kandidat der Extraklasse. Das Solo gegen Ende verdient neben dem Killer-Refrain auch noch ein Lob, es lockert den Song auf und hilft, sich Strukturtechnisch nicht zu oft zu wiederholen.

Keine Zeit zum Erholen, mit der Angstkathedrale in der Canterbury Version läutet man das Kernstück des Albums, den größten ASPschen Epos, das metallischte/doomigste Stück der Bandgeschichte ein, das mich persönlich schon auf der Single so unnachahmlich begeistert, fasziniert und gefangen genommen hat, dass ich aufpassen muss, nicht nur mit Superlativen um mich zu werfen. Das gute Stück könnte für die ersten Minuten wahrlich auch auf einer Doom-Schreibe zu finden sein, so sogartig, hypnotisch und monoton (im positiven Sinne) entfaltet sich das Lied, als ob man selbst in langsamen Schritten durch eine furchteinflößende Kathedrale läuft und sich immer mehr dem Altar nähert. Schwere Gitarren, leidender Gesang und fesselnde Synthiemelodien führen uns, und man hat definitiv einen der besten Texte, Bandübergreifend, die ich kenne geschrieben. Der Titel ist perfekt vertont und perfekt beschrieben, hier hat sich die Band selbst übertroffen. So düster/melancholisch war man seit "Die Ruhe vor dem Sturm"bzw. "So viel tiefer"nicht mehr. Oder eigentlich überhaupt noch nicht. Hier scheint kein Licht (trotz des wunderbaren, kurzweiligen Stimmungswechselns ab der 8. Minute, wo man etwas treibender wird), hier herrscht Finsternis. Noch zu erwähnen wäre, dass mir zu Beginn die Amiens Version vom Spannungsaufbau einen Tick besser gefallen hat, sich das mit jedem Hörgang aber wieder verflüchtigt hat. Dies ist und bleibt die einzig wahre Version für mich.

Um den geneigten Goth aber nicht in den Suizid zu treiben, folgt eine weitere clubtaugliche Nummer (die sich aber erstaunlicherweise passend ins Gesamtbild nach der Kathedrale einfügt, ohne groß zu stören), die auf den etwas seltsamen Namen "Schön, schön, schön"getauft wurde. Hatte ich anfangs noch Zweifel bezüglich der Textkostprobe, hat sich die Nummer zusammen mit der tollen Musik aber als sehr gutes Stück ala "Hässlich"(Eulenspiegelei) oder "Ich bin ein wahrer Satan" entpuppt. Es gibt zwar immer noch ein, zwei Zeilen im Text, bei denen ich denke, dass nur die ü40 Generation oder so manche Gothics darüber schmunzeln (schreckliches Wort) können ("Noch immer winsle ich und wedle mit dem Schwanz,") überwiegt der gekonnt ironische Wink mit dem Zaunpfahl gen eigener Szene, der sich jedoch auch kryptisch und nicht so leicht interpretierbar gibt, was aber wiederum von Tiefe zeugt. Rockig, elektronisch, melodienreich, eingängig, gut. Speziell die Klavierparts haben es mir angetan.

So geht es auch weiter, nur dass man textlich meinen persönlichen Geschmack weitaus mehr trifft und ernster wird, denn auch "FremdkörPerson, erstens"bleibt seinem Titel treu, was den Text angeht. Schön ist hier, dass auch klassische Instrumente, wie z.B. eine Flöte eingesetzt werden und die Bass Line toll ist. Ansonsten ein rockiges Stück, mit der ein oder anderen elektronischen Spielerei, überwiegend aber gitarrenorientiert. Wer übrigens spätestens hier nicht erkennt, dass der Titel des Albums, auch wenn es kein Konzeptalbum im eigentlichen Sinne ist, thematisch Programm ist, der muss taub und blind sein. Aber wie sich die ganzen Texte in die neue Geschichte konkret einbinden, wird wohl erst der zweite Teil zeigen, der hoffentlich nicht wieder so lange auf sich warten lässt.

Den Abschluss vollbringen ASP endlich wieder wie in den alten Tagen, nämlich mit einem schwermütigen Zehnminüter, der sogleich den Angriff auf den Thron des schönsten ASP Liedes aufnimmt. So wundervoll und atmosphärisch ist die Sehnsucht nach "dem alten Feuer"in "Unverwandt"beschrieben. Nach dem Ausbrennen (hallo "Ich will brennen") schaufelt man die Asche zusammen und "das alte Spiel"nimmt wieder "seinen Lauf". Alles beginnt von vorn, der Phönix sehnt sich nach dem Aufstieg aus der Asche. Rückblickend könnte kein anderes Lied, kein anderer Text hier passender sein, befindet man sich doch trotz allem noch im Staub der sich legenden Asche aus dem Jahre 2007. Nebst dem überragenden Text, der auch zu den besten aus Asps Karriere gehört, kann man der Melancholie nur erliegen, sei es durch die sanften Beats, Allys wundervolles Geigenspiel oder Asps gänsehauterzeugender Gesang im Refrain. Herrlich.

Und leider schon das Ende eines Albums, das den Spagat zwischen der Vergangenheit und der Zukunft in meinen Augen mit Bravour bestanden hat. So besinnt man sich auf alte Tugenden in Form von wieder vermehrt vertretenen Elektroelementen, der stark vorhandenen Düsternis und die wunderbare Tradition des epischen Rausschmeißers. Aber man wagt sich auch an die Auslotung von Tiefen, die man bisher noch nicht erreicht hat (siehe Angstkathedrale) bzw. vermischt die alten Elemente zu neuen Ausrichtungen und gibt sich sowohl sperriger denn je, als auch eingängig wie immer. Für mich ist das Album sehr nah dran, sich zu meinem Lieblingsalbum der Frankfurter zu entwickeln und erfüllt somit jegliche Erwartungen und übertrifft sie sogar mehrfach. Ich kann es kaum erwarten, wie die Geschichte weitergeht und hoffe, dass sich Asp weiterhin entwickeln und nicht stehenbleiben, wenn es bei solch guter Musik auch immer verlockend ist nichts zu riskieren. Aber Titel wie Angstkathedrale zeigen sehr gut, dass man noch lange nicht am Grund der Möglichkeiten angelangt ist, es geht noch "so viel tiefer"...

Abschließend noch ein paar Worte zur Bonus CD:
Wouldn't it be good ist in typischer ASP Manier ein kleines Meisterwerk, der Titel ist eh schon toll, aber er passt richtig gut zu Asps Stimme, und erneut diese Geige... genial.

Der Wechselbalg Demmler Remix hat zwar eine (gewollt?) kühle Stimmung, was zum Album selbst passt, zum Liedtext aber mal sowas von gar nicht, insgesamt plätschert es mehr vor sich her, als sonst was. Nicht meins, imo verschenktes Potential, flotte Beats hätten hier sicher besser gepasst.

Der Unverwandt Reptile House Mix lässt das wunderschöne Lied in einem etwas entrückterem, kälteren Licht stehen, was in diesem Fall wunderbar passt, wenn ich auch die Album Fassung bevorzuge. Trotzdem, eine sehr gute Version.

Angstkathedrale in der Meditation Church Version hält, was der Titel verspricht, alles wirkt andächtiger, ruhiger, was sich auch in der neuen Instrumentalisierung widerspiegelt. Nicht meine Lieblingsversion, aber ein toller Ansatz, der mehr als nur eine Daseinsberechtigung hat.

Der SickSickSick Mix von Wouldn't it be good kommt nicht sooo großartig anders daher, wenn ich nichts überhört habe, von dem her nett, aber nicht besonders.

Die Von Zaubererbrüdern Version der Foremar Family hingegen ist neben dem Cover zu Beginn der CD mein 2. Highlight im Bonus Sektor. Ich bin drauf und dran sie besser zu finden, als die Version, die man auf dem Album finden kann. Eine gänzlich andere Vertonung, die mir sehr zusagt, an den Krabat-Zyklus erinnert und wirklich gelungen ist!

Die 2 Videos sind jeweils gelungen und sind eine gute Dreingabe, da bleibt nichts zu sagen, außer: Danke!

Mein Fazit zur Bonus CD: Sie hat ihre Highlights, bleibt aber insgesamt hinter den Möglichkeiten und älteren Bonus CDs (speziell die von "Aus der Tiefe") zurück, was schade ist, aber kein Beinbruch, da sie trotzdem genug tollen Stoff bietet.
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am 25. Oktober 2011
Habe heute die Buchedition erhalten.

Die Musik ist einfach nur genial, alle Lieder sind sehr gut, musikalisch, sowie textlich.
Eben das was man von ASP gewohnt ist, es klingt natürlich komplett anders als "Zaubererbruder".
Teilweise ruhige "monotone" Stücke und nicht alle so "rockig" aber eine gesunde Mischung aus beidem.
Was ich ja ganz schön finde ist das 17 Minütige Stück "Angstkathedrale", schon erstuanlich was ASP hier alles einbringt, an Stimme Text und die Variation der Musikpassagen. Göttlich.

Die Videos auf der 2.CD sind ebenfalls sehr gut gelungen. Was mich jedoch an der Hülle stört ist das innendrin wo die CD's sind mit "DVD" geworben wird, das ruiniert irgendwie den schönen stil des Buches, was sehr gut verarbeitet ist. Das Booklet ist auch sehr schön gestaltet mit Bildern von ASP und Songtexten.
Das Zertifikat ist auch äußerst gut gestaltet, vorallem das Bild auf der Rückseite nebst Unterschrift.

Über den Preis kann man streiten, als klarer ASP Fan ist das Zugreifen Pflicht, Leute die ab und zu ASP hören können auch zur normalen Albumversion greifen oder gleich das Album als MP3 donwloaden um den Geldbeutel zu schonen.

Rund um eine gelungene Scheibe in einer wunderschönen Verpackung.
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am 26. Mai 2013
Ich als Fan, kann da nur sagen einwandfrei!!
Ich bin immer wieder angetan und begeistert von seiner Stimme!
Geniale Songs + phantastische Melodik.
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am 7. September 2013
Dieses Album ist mein absoluter Favorit sowohl unter den ASP-Alben als auch allgemein. Das ist das Album, bei dem für mich einfach alles stimmt, weil jedes Lied ein Treffer ist.
Ein schön-böser Opener, danach was Eingängiges, was Erzählerisches, was Schwärmerisches, einfach alles, was ich an ASPs Musik mag, ist in diesem Album vertreten. Und am großartigsten von allen Stücken ist die Angstkathedrale. Selbst wenn alle anderen Lieder Mittelmaß wäre (was sie nicht sind), würde dieses eine vermutlich noch reichen, damit ich vier Sterne auf das Album gebe. Ein 17 Minuten langes Stück zu konstuieren, das zwischendurch nicht abfällt und in dem jeder Teil, auch wenn er für sich betrachtet vielleicht gar nicht so meins wäre, einen notwendigen Platz ausfüllt, ist ganz große Kunst. Da wird viel passieren müssen, bis ein anderes Album dieses von meinem persönlichen Platz 1 schubsen kann. ;)
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am 21. Oktober 2011
Nun ist es also da, das lange Zeit geheimnisvoll behütete Mysterium, das langerwartete neue Album der außergewöhnlichen Formation ASP - pünktlich zu Beginn der kalten Jahreszeit veröffentlichen die Frankfurter ein Album, welches mit einer unvergleichlichen Tristesse, Melancholie und Schönheit aufwartet und den Hörer auf eine Reise durch ungekannte Welten schickt.

Doch was genau steckt dahinter? Das wird vermutlich die Frage sein, die sich der treue Fan vor dem ersten Hörgang stellt. Welche neue Welt breitet Asp vor der Hörerschaft aus, welche Gefühle weckt der neue Zyklus (Fremder-Zyklus)?
Kurz und bündig kann Folgendes ausgesagt werden: Ich habe von meiner seit vielen, vielen Jahren unangefochtenen Lieblingsband nichts anderes erwartet als ihre bisher beste Veröffentlichung und "fremd" hat diese Messlatte sogar noch weit übertroffen!

Den Hörer erwartet eine einzigartige Reise durch die verschiedensten Ebenen des "Fremdfühlens", wie es Asp so schön und treffend in der aktuellen, sehr empfehlenswerten Ausgabe des Orkus ausdrückt.
Die Thematik bietet eine derartige Vielfältigkeit, sodass ich hier nur einige Aspekte des Fremdgefühls nennen werde, um mich nicht in ausufernden Aufzählungen zu verlieren: Der geniale, unendlich kreative Mastermind Asp beleuchtet detailverliebt wie eh und je, wie es ist, sich als Individuum in der Gesellschaft fremd zu fühlen, wie es ist, sich innerhalb einer zwischenmenschlichen Beziehung zu entfremden und sogar - und das ist vielleicht der Kern der Sache - das Gefühl, sich in sich selbst fremd zu fühlen, sich selbst nicht mehr wiederzuerkennen und somit die langjährige Metamorphose hin zu einer leeren Hülle, welche lediglich ein Schatten der einstig lebenden Person ist.

Sicherlich klingt die Thematik in ihrer Gesamtheit mehr als negativ, doch fühlt man sich als Hörer dennoch sanft und bedächtig durch die finstere Welt geführt - eine ganz besondere Tatsache und ein Ausdruck dessen, welch einzigartiges Gefühl man bei ASP schon immer hatte.
Wie ein sachter Schleier umgarnt das Werk den Hörer, wie sanfter Regen prasselt es auf einen nieder und erfrischt dabei Hirn und Herz...

Ich werde versuchen, dieses geniale, nicht zu beschreibende Gesamtkunstwerk nicht in Einzelheiten zu zerpflücken, denn gerecht werden kann man diesem Meisterwerk sowieso nicht mit simplen Worten - ich hoffe, einen Ausblick auf das geben zu können, was den Hörer erwarten wird und zusammenfassend arbeiten zu können, denn eine krampfhafte Analyse verdient dieses Werk, welches doch so sehr durch seine Emotionalität lebt, in keiner Weise.

ASP beginnen den neuen Zyklus mit dem düsteren Intro "A Prayer For Sanctuary", welches den Hörer in einer hypnotischen Art und Weise inhaltlich in das Album geleitet. Das Mantra wird beschwörerisch vorgetragen, der Hörer wird durch dieses Stück, welches beinahe einer Zauberformel ähnelt, direkt und konsequent - auch aufgrund es relativ deutlichen Textes - in die Welt der neuen Erzählung entführt.
Der perfekte Beginn eines wundervollen Albums und sicherlich auch live ein vorstellbarer Opener, legt es doch so beschwörerisch los und entwickelt es sich doch zu einer wahren Headbanging-Orgie!

Direkt auf das Intro folgt die erste Single "Wechselbalg", welche schon im Format der Single vollauf durch Eingängigkeit und Tanzbarkeit überzeugen konnte. Eine puristische Hymne voller Energie, welche mit einem außerordentlich langen und hymnischen Refrain aufwartet und in den Strophen sogar melancholische Momente zulässt. Der perfekte Übergang zwischen dem Zyklus des "Schwarzen Schmetterlings" und dem "Fremder-Zyklus"! Natürlich überzeugt das rockige, energetische Lied im Album-Konzept eingebettet noch mehr, ist es doch eine Art Bindeglied und gerade zu Beginn von "fremd" ist es natürlich perfekt platziert! Ganz große Klasse!

Mit "Eisige Wirklichkeit" folgt auf die erste Single ein Song, welcher mein Favorit für die nächste Single ist - es handelt sich um einen stampfenden Kracher, welcher sowohl in Clubs als auch im Rahmen eines Konzerts in jedem Falle riesigen Anklang finden dürfte!
Rasend und voller stampfender Elektronik beginnen die Strophen und bringen, wie der Titel es schon voraussagt, eine kühle und frostige Atmosphäre mit. Unruhe macht sich breit, die Wirklichkeit kommt hervor und verschlingt alle Freuden. Ernüchternd, vernichtend.
Selbstredend kann man den recht deutlichen Text auch auf sich selbst projizieren - sind es wirklich alle Ziele wert, dafür all seine Energie zu investieren und maßlose Opfer zu bringen? Auch wenn es scheint, als habe man sein Glück gefunden oder etwas erreicht, kann doch das frostige Unwohlsein hervorkommen und das Individuum in jeder Lebenslage einholen und vielleicht sogar verschlingen.
Der sehr melodische Refrain übertrifft die stakkatoartigen Strophen nochmals und mausert sich zu einem der stärksten Refrains, welcher auf Erden je hervorgebracht wurde. Absolute Ohrwurm-Gefahr und nicht zu übertreffen!
"Eisige Wirklichkeit" unterstreicht durch seine vielen harten, elektronischen Momente die Kühle des Textes und entpuppt sich als einer der stärksten Songs des gesamten Albums, welcher vollauf begeistert!

Im Folgenden überraschen ASP folgerichtig mit einem ruhigeren, aber nicht minder schönen Song - "The Mysterious Vanishing of the Foremar Family [A Real Gothic Tale]", ein schauerliches, märchenhaftes Stück, welches eine spannende Geschichte erzählt. Genauer gesagt: Eine Gothic Novel, ein Schauermärchen der Extraklasse, und ein dezidierter Beleg dafür, warum ASP ihre lyrische Musik als "Gothic Novel Rock" bezeichnen!
Klar, die typische Story von der verschwundenen Familie und dem verlassenen, gespenstischen Herrenhaus wird jeder schon einmal in irgendeiner Interpretation gehört haben, und doch überzeugt dieser Song durch eine enorme Qualität, welche andere Erzählungen gar übertrifft.
Mit gesprochenen Worten entführt der Erzähler Asp in das Schauermärchen ein, bis dann fließend in die erste Strophe übergegangen wird.
Folkig anmutende Klänge umgarnen die Ohren des Hörers, sanfte Melodien und Arrangements bleiben sofort im Ohr hängen und ein melodischer Refrain der Extraklasse animiert auf der Stelle zum mitsingen!
Klingt wie ein herbstlicher Spaziergang durch das verregnete, nächtliche London längst vergangener Zeiten... Wie Nebelschwaden über einem trostlosen Moor... Gänsehaut garantiert! Einer der stärksten Titel auf einem fantastischen Album und in jeder Sekunde vollauf nach meinem Geschmack!

Einer der schmerzhaftesten und emotionalsten Titel folgt dann mit dem so berührenden "Rücken an Rücken", welches von der Entfremdung innerhalb einer Beziehung erzählt und vom Niedergang der Liebe, und dennoch wird ein kleines Licht am finsteren Horizont entfacht...
Voller Hingabe kann man den Klängen dieses erhabenen Stückes lauschen, während man in den verzweifelten Lyrics versinkt und sich in diesen einmal mehr wiederfindet...
Gerade die Identifikation vieler mit den in diesem Stück beschriebenen Situationen sollte diesem Stück zu großer Beliebtheit verhelfen, und genau deshalb denke ich, dass es im Kampf um die Wahl der Single-Auskopplung ein sehr, sehr großes Wörtchen mitreden wird.

Mich persönlich berührt "Rücken an Rücken" tief, ist es doch so wahr und trifft es doch einen lange unerkannten, wunden Punkt. Melancholie macht sich breit, wenn man es hört, und das trotz der rockigen Attitüde des Refrains.
Ich finde es textlich ganz, ganz groß und wer nicht durch dieses Stück und diesen fantastischen Text dazu animiert wird, um die liebsten Menschen in seiner Umgebung zu kämpfen und vor allem um die Zwischenmenschlichkeit, der sollte sich ernsthafte Gedanken machen.
Musikalisch gesehen liebe ich die erhabenen Strophen, welche dezent und zurückhaltend, und gerade deshalb voller düsterer Anmut daherkommen - was für eine Perle! Voller Schönheit und Glanz bezaubert die Melodie in den Strophen schon nach dem gesprochenen Intro, welches selbstredend auch super geworden ist, da Asps Stimme auch gesprochen wie nicht von dieser Welt klingt.
Der Refrain ist danach natürlich das donnernde, reinigende Gewitter, die Explosion nach den ruhig gehaltenen Strophen, eine unbeschreibliche Gesangsleistung und so wunderschön melodisch!
Kurzum: "Rücken an Rücken" besticht für mich als Lied, welches bittere Wahrheiten dezidiert beschreibt, welches Traurigkeit weckt und welches doch einen Hoffnungsschimmer in aller schauerlichen Dunkelheit aufblitzen lässt - denn woran sollte man glauben, wenn nicht an die Liebe?
Ein Stück zum Weinen, zum Heulen schön...

Schlag auf Schlag folgt an nächster Stelle das Zentrum des Albums, die riesenhafte Kathedrale inmitten der anderen Stücke, der 17-minütige Epos "Angstkathedrale (Canterbury version)". Das vertonte Leid, die ausformulierte Verzweiflung, die in Form gebrachte Angst... Vielleicht das Kernstück des Albums, auch wenn es das unzugänglichste Stück ist und mit seiner Schwermut und Monotonie, mit seiner Langwierigkeit, sicherlich einige Hörer verprellen wird.
Setzt man sich allerdings im Detail und in aller Intensität mit diesem wundervollen, perfekt ausgearbeiteten Stück auseinander, wird man immer und immer wieder mehr Details entdecken als in jedem anderen Stück dieser Welt...
Der Hörer findet einen erdrückenden Raum der Angst vor - den Gedanken, in sich selbst gefangen zu sein und sich seinen Ängsten zu unterwerfen. Ein düsterer Dom, schön wie ein funkelnder, schwarzer Diamant... ASP so komplex, doomig, hart und vielschichtig wie nie zuvor!
Beginnt das Stück noch mit einem ellenlangen Mantra, wird es nach einigen Minuten fortgesetzt mit etwas eingängigeren, rockigen Strophen. Ich empfehle inständig eine intensive und mehrmalige Auseinandersetzung mit dieser Komposition, die schon auf der "Wechselbalg"-Single als "Amiens version" vollauf überzeugen konnte.
Die doomigen Elemente, die Schwere dieses Titels, das Uneingängige daran, all das kann man nur lieben! Reiht sich ohne Probleme ein in die Riege der monumentalen ASP-Epen. Der Song braucht bei dem ein oder anderen zu Beginn sicherlich einige Zeit, um erfasst werden zu können, um Anklang zu finden - vielleicht muss der ein oder andere noch Zugang finden. Aber gerade das macht diesen wundervollen Song doch aus! Textlich und musikalisch zu jeder Zeit sehr kühl gehalten, tiefste Trauer verbreitend, begeistert der Song in jeder Sekunde seiner faszinierend langen Spielzeit!

Auch die durchaus deutlich ersichtlichen Metaphern haben es mir als Liebhaber der Lyrik sehr angetan, sie verstärken die emotionale Wirkung des Textes umso mehr und verdeutlichen einmal mehr, wie hochwertig, wie unerreichbar Asps Texte und auch der angewandte Sprachstil sind.
Am Anfang des Liedes ist meiner Ansicht nach die klangliche Monotonie sehr passend, denn sie untermalt die Inhaltlichkeit des Textes in hervorragender Weise - und wenn man die Augen schließt, beginnt man zu träumen, denn trotz oder vielleicht gerade wegen des Mantras verbirgt sich hier eine wunderschöne Melodie, verzaubernd!
Die gesanglosen Passagen des Werkes finde ich zudem ebenfalls toll, da sehr abwechslungsreich, oft sehr schön treibend (gerade auch der Gitarrenpart) - aber auch die Keyboardpassagen finde ich absolut zauberhaft! Unbedingt anhören!

Darauf folgend positionieren ASP einen ihrer größten Hits überhaupt - "Schön, schön, schön". Eingängiger geht es nicht!
Mit beißender Ironie geht Asp hier vor, um Klischees der Gothic-Szene abzuarbeiten, welche sich dem Künstler gegenüber nur allzu oft widersprüchlich verhält und ihn nicht selten grundlos kritisiert.
"Schön, schön, schön" besticht mit erfrischender Leichtigkeit und einer Unbekümmertheit, die ihresgleichen sucht! Der perfekte Song, um nach der schwermütigen "Angstkathedrale" wieder ein wenig durchzuatmen und auch live sicherlich ein Pflichttitel für die nächsten Jahre!
Dark Wave trifft auf rockige Klänge und eine poppige Attitüde - besser geht es nicht!
Ein weiteres Highlight auf diesem unendlich starken Album! Wer hier nicht sofort tanzen will, ist vielleicht schon tot.

Vorletztes Lied ist ein weiterer Kandidat für die kommende Single-Auskopplung: "FremdkörPerson, erstens".
Vielleicht das Stück, welches Fremdgefühle am konsequentesten anspricht - wer kennt es nicht, wie es ist, sich in sich selbst fremd zu fühlen? Eben das wird hier in Reinkultur vertont!
In musikalischer Hinsicht wird der Hörer mit einer Mixtur aus folkig-mittelalterlichem Flair und rockig-metallischer Attitüde begeistert.
Gehört der Beginn noch ganz den sanften Flötenklängen, entwickelt sich der Song zu einem rasenden Ritt voller metallischer Anleihen. Absolut energetisch und treibend, peitschend und wie in Raserei!
Eine wilde Irrfahrt! Spektakulär inszeniert!

Zum Abschluss folgt dann ein in seiner Komplexität unübertrefflicher Song - "Unverwandt" - und auch der beste Song dieses insgesamt fantastischen Albums!
"Unverwandt" reiht sich problemlos ein in die Riege der ASP-Epen wie "Die Ruhe vor dem Sturm" oder die "Spiegel"-Reihe (Pt I-V), vielleicht übertrifft es sogar alles bisher Dagewesene.
Ein majestätisches Lied; der Text zeichnet so ergreifende Bilder im Kopfe des Hörers, und oft erkennt man sich selbst in den Zeilen wieder.
Nach meiner Ansicht einer der schönsten ASP-Texte von den bisher Veröffentlichten, so tiefgründig und bewegend.
Allein die Strophen sind schon perfekt durch ihre elegische Anmut, die Melodieführung ist traumhaft schön und ich habe, so denke ich, noch nie ein Lied hören dürfen, welches so harmonisch ineinander greift.
Der Refrain ist stimmlich natürlich ganz große Klasse und auf dem höchsten vorstellbaren Level, was für eine Gesangsleistung, was für ein gänsehauterzeugender Moment!
Das sind meine ersten Eindrücke, dieses Lied kann man in seiner Pracht überhaupt nicht in Gänze erfassen - es ist absolut phänomenal!

Ein würdiger Abschluss des ersten Teils des "Fremder-Zyklus" und das bezauberndste Lied ganz am Ende - welch schöner Abschluss! Die Magie, die diesem Lied innewohnt, ist offensichtlich und meiner Meinung nach wird sich selbst der kritischste Hörer oder Fan nicht davor verschließen können.
Der Abschluss präsentiert sich nach den vorher eher ruhigen, getragenen Parts feurig und hymnisch ohne Ende, denn die Instrumente liefern sich hier einen absolut mitreißenden Wettkampf! Hier muss ich allerdings auch die so versierten Musiker, zu welchen hier auch die bezaubernde Ally the Fiddle gehört, im höchsten Maße loben. Episch, elegisch, anspruchsvoll und voller kleiner Details!

Ich bin somit beim Fazit angekommen, was den musikalischen und textlichen Teil dieser wunderschönen Veröffentlichung angeht:

ASP sind seit vielen Jahren meine absolute Lieblingsband und somit liege ich für mich nicht falsch, wenn ich das meiner Meinung nach beste ASP-Album, "fremd (Fremder-Zyklus, Teil 1)", als das beste je veröffentlichte Album bezeichne. Für mich hat es schon jetzt einen so hohen persönlichen Wert eingenommen, wie es noch kein Kunstwerk dieser Welt zuvor geschafft hat.
Asp zeichnet mit seinen bezaubernden Lyrics Bilder im Kopfe des Hörers, die unvorstellbar sind - und die Sprache ist an Anmut und Niveau nicht zu überbieten! Im Gegensatz zu den Lyrics vieler anderer Bands - ja, auch innerhalb der Schwarzen Szene - kommen die Texte nicht uninspiriert oder flach daher, sondern bieten unendlich viel Interpretationsspielraum. Die verwendeten Metaphern und Stilmittel sind oftmals so anspruchsvoll, dass sie sich gelegentlich erst nach mehrmaligem Lesen vollends erschließen lassen.
Abgesehen davon berührt mich die gesamte Thematik - sich "fremd" zu fühlen - ungemein, da ich mich in jedem Moment mit ihr identifizieren kann. Vor allem innerhalb der Gesellschaft fällt es nicht allzu schwer, sich fremd zu fühlen, so derartig unmenschlich, oberflächlich und hasserfüllt sind große Teile dieser Gesellschaft, welche in sich selbst verkommt und es noch nicht einmal bemerkt. Einen wunden Punkt wird natürlich die lyrische Beschreibung des Fremdfühlens in sich selbst bei vielen Menschen treffen, denn genau das ist es doch, was viele Personen tief im Inneren spüren oder auch erst, wenn sie in den Spiegel blicken, wie es ja auch in "Unverwandt" angesprochen wird.
"fremd" ist ein Album, welches auf der einen Seite klare, kritische Worte findet, die nötig sind, auf der anderen Seite allerdings auch Worte aus innersten Gefühlswelten beschwört - und auch den Zauber bringt diese Ausnahmeformation mal wieder zurück in eine hoffnungslose, trostlose Welt! Wer will es ihnen nicht danken?
Musikalisch und textlich ein unendlich anspruchsvolles und vielschichtiges Werk - ASP manifestieren einmal mehr ihren Status als wichtigste Band dieses Landes, für mich sogar als wichtigste Band dieses Planeten. Wer ein solches Album wie "fremd" oder die Alben aus dem "Schmetterlings-Zyklus" zu kreieren vermag, kann alles Erdenkliche schaffen. Ich jedenfalls erkenne unerschöpfliche Kreativität!

Bonus-CD:

Auf der limitierten Deluxe Ausgabe im Buchformat findet der geneigte Hörer neben dem regulären Album ein weiteres großzügiges Geschenk an die treuen Fans vor: Eine Bonus-CD, welche den Nik Kershaw-Klassiker "Wouldn't it be good" in 2 Versionen enthält und darüber hinaus noch einige alternative Versionen der Songs von CD 1 bietet.
"Wouldn't it be good" wurde perfekt gecovert - die Band bringt ihren eigenen Stil in Reinform mit ein, ohne das Flair des ursprünglichen Songs außen vor zu lassen! So überzeugt der Song auch in der aspifizierten Version durch seinen eingängigen Refrain, aber auch die ASP-typischen Gitarren und Asps perfekt passende Stimme fügen sich toll ein und machen auch diese Cover-Version zu einem Ohrenschmaus!

Der "Wechselbalg (Demmler Twins RMX)" kommt sehr elektronisch daher und wird aus diesem Grunde wahrscheinlich nur Liebhaber dieser Stilrichtung überzeugen können, doch ist er eine interessante Alternative zum Hit "Wechselbalg"! Manchmal lohnt es sich, seinen Horizont zu erweitern und seinen Blickwinkel auch auf solche, für ASP in dieser Form sehr untypische Stilmittel, zu richten!

"Unverwandt (Some Tribute paid in the Reptile House)" ist eine weitere sehr ungewöhnliche Songvariante und wird viele durch sein Retro-Feeling in vergangene Zeiten zurückversetzen! Noch ruhiger und sanfter als die Originalversion von "Unverwandt" kommt diese Alternativversion daher, sie kann aber dennoch überaus gut punkten!
Auch "Angstkathedrale (Meditation Church)" unterscheidet sich wie auch der vorher benannte Remix sehr von der Ursprungsfassung, da hier ebenso auf ruhige Klänge gesetzt wird, und auch die E-Gitarre wird gänzlich gegen den akustischen Kollegen ausgetauscht. Hier fallen vor allem die Orgelklänge auf, die durch einen Synthesizer erzeugt werden. Eine entspannende Version mit hohem Unterhaltungswert, und das, obwohl das Lied eigentlich so düster und sperrig wirkt! Sehr viel beruhigender als alles andere auf diesem Album.

Auch die Maxivariante von "Wouldn't it be good" wird bei vielen Fans Anklang finden, ist sie doch um einiges länger als die eigentliche Coverversion.

Zum Abschluss der Bonus-CD nochmals ein Höhepunkt sondergleichen: Wer hat es sich nicht schon beim ersten Durchhören des regulären Albums gedacht? "The Mysterious Vanishing of the Foremar Family [A Real Gothic Tale]" würde sich wunderbar als akustische Version eignen!
Das haben sich ASP anscheinend auch gedacht und prompt Ally mit ihrem bezaubernden Geigenspiel und Ralph für die "Von Zaubererbrüdern Fassung mit Ally und Ralph" eingeladen. Noch gelungener als die ohnehin schon umwerfende Fassung auf CD 1! Vor allem im Refrain kommt Allys Geige dem Lied wie gerufen - Gänsehaut pur!

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Bonus-CD einen richtig großen Mehrwert bietet und dass sie ein Muss für alle ASP-Fans ist! Die alternativen Versionen wurden mit so viel Liebe umgestaltet, dass es beinahe eine Sünde wäre, sich diese nicht zu Gemüte zu führen! Welche Band legt sonst so viel Sorgfalt an den Tag, wenn es "nur" um Remix-Versionen geht? Bei ASP werden diese Mühen zur Wirklichkeit! Ganz einzigartig. Und auch das vorbezeichnete Cover würde nur jeden Rahmen sprengen, wenn ich versuchen würde, es hier ausreichend zu würdigen!

Als besondere Beigabe erhalten die Fans noch zwei außerordentlich gelungene Live-Mitschnitte: Ich will brennen Metropolis-Video, Subway to Sally featuring Asp, recorded live at Eisheilige Nächte, Potsdam, 2010 und MPEG4 Videotrack: Wechselbalg, live at the M'Era Luna Festival 2011. "Ich will brennen" erfährt hier eine spannende Umsetzung zusammen mit den wohlbekannten "Subway to Sally" - spannend, wie sich zwei so geniale Bands hier ergänzen und Asps größten Hit performen.

"Wechselbalg", welches auf dem M'Era Luna 2011 vorgetragen wurde, ist, wie man erwarten konnte auch live ein unverzichtbarer Titel und fügt sich perfekt in die Show ein! Darüber hinaus ist es hier sehr spannend, die neue Live-Band in Aktion zu sehen.

Verpackung / Artwork:

Jetzt komme ich endlich zu einem der mir wichtigsten und elementarsten Faktoren, welche vor allem bei ASP eine immense Bedeutung hat: Die Verpackung und das Artwork, hier vor allem bezogen auf die unendlich schöne und lohnenswerte Limited Edition!

Diese kommt im ungewöhnlichen, aber prächtigen und praktischen Buchformat daher und bietet ein 40-seitiges Booklet mitsamt allen Texten und vielen Bildern. Außerdem ist die Limitierung auf 7000 Exemplare zu erwähnen, die mehr als fanfreundlich ist und allen Liebhabern dieser Musik wohl ein Exemplar garantiert!
Was für eine Qualität die Verpackung bietet, wird einem schon beim Lesen der Beschreibung im ASP-Shop deutlich: Buch im Hardcover-Paperback-Einband mit aufwändiger 'Singer'-Fadenheftung, Buchrücken veredelt mit Halbleinen und schwarzer Heißfolienprägung, Seidenmatter Kunstdruck auf 130gr. Bilderdruckpapier mit aufwändiger Spotlack-Ebene, Handnummeriertes Echtheitszertifikat und von Asp höchstpersönlich signiert. Und das alles nur als Beispiel!
Wie bei der "Wechselbalg"-Single bieten ASP dem Käufer auch mit dem Album "fremd" ein abgefahrenes "Spinnennetz-Design" auf dem großen Cover - gibt es so sonst nirgendwo auf der Welt und fühlt sich wundervoll an! Aufwändiger geht es einfach nicht...

Die unzähligen Bilder im Booklet sind im Übrigen ebenfalls sehr gut gelungen und bieten einen optischen Einblick in die dunkelromantische Welt von ASP, welcher sich hier verstörend und düster zugleich hat ablichten lassen!
Ferner erwähne ich, um das Highlight schlechthin nicht zu verleugnen, den Klarlack, welcher für den Druck einiger geheimer Passagen im Booklet zum Einsatz gekommen ist. Sehr spannend, sich hier durch die einzelnen Botschaften zu lesen - mysteriös und innovativ! Ich danke hier für viele spannende Stunden der Entdeckungen.

Das Cover selbst ist natürlich die personifizierte Anmut: So schön wie hier sah der Schmetterling noch nie aus, der Zeichner Timo Würz hat ganze Arbeit geleistet! Es ist anzumerken, dass das geflügelte Tier aus Teilen einer gothischen Kathedrale zusammengesetzt ist - ich denke, dass ich nicht eindrucksvoller beschreiben könnte, wie aufwändig die Zeichnung ist!

Ich kann also auch im Bezug auf die Verpackung sagen: Ich verneige mich! Schon bei den Artworks wird deutlich, wie ernst Asp seine Arbeit nimmt, denn diese haben denselben Anspruch wie seine Musik und bezaubern immerfort! Besser kann man seine Musik nicht verpacken und optisch (und dieses Mal ja auch haptisch!) präsentieren. In jeder Vitrine ein absolutes Schmuckstück, in jedem Regal bezauberndster Aspekt des ganzen Raumes!

Fazit (gesamtes Werk):

ASP haben sich einmal mehr selbst übertroffen und ein Werk in Perfektion umgesetzt. Ich persönlich kann nicht einen Funken kritisieren und bin unendlich gespannt, wie die Fortsetzung dieses Zyklus wohl inhaltlich aussehen wird.

Der neue Produzent und teils auch Gitarrist Lutz Demmler hat seine Arbeit vorzüglich gemacht und beweist hier, welch tolle Fähigkeiten er hat! Ich denke, er wird der Band auch in Zukunft sehr gut tun und auch die kommenden Werke so gekonnt in Szene setzen! Ein ganz wertvoller Gewinn für die Band nach der Trennung von dem früheren Gitarristen und Produzenten Matthias Ambré.

Unbedingt kaufen - nur von lohnenswert kann ich hier nicht sprechen! Das wäre klar untertrieben, denn wir haben es hier mit einem Album zu tun, welches die Messlatte für die nächste Veröffentlichung extrem hoch hängt! Wie ein lauer Abendwind uns an so manchem Tage zu umgarnen vermag, so fängt und auch dieses Album immer und immer wieder ein und entführt uns in eine Welt, in der der Schwarze Schmetterling einmal mehr seine Flügel um uns legt...
Auch wenn nun eine neue Geschichte beginnt und ASP nie erfrischender, nie ausgereifter klangen!
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