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4.0 von 5 Sternen Aus dem Goldenen Zeitalter des dänischen Films, 21. Mai 2013
Von 
Estragon - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Asta Nielsen: Afgrunden / Balletdanserinden / Den sorte drøm / Mod lyset [Dänemark Import] (DVD)
Dass der dänische Film vor der Dogma-Bewegung der 1990er Jahre schon einmal Weltgeltung erlangt hatte, ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Von ungefähr 1910 bis zum Ersten Weltkrieg war Dänemark führend in der europäischen Filmproduktion, auch während des Krieges blieb der dänische Film begehrt. Mit den 1910er Jahren endete das Goldene Zeitalter des dänischen Films, nachdem die aufstrebende US-amerikanische Filmindustrie die dänischen Produkte nach und nach vom internationalen Markt verdrängt hatte. Das Dänische Filminstitut hat etliche der Filme jener Periode restauriert und auf DVD wieder allgemein zugänglich gemacht.

Die vorliegende DVD ist Asta Nielsen gewidmet, einem der ersten weiblichen Filmstars Europas. Die Dänin Nielsen hat nur wenige Filme in ihrem Geburtsland gedreht, bevor sie ihre Karriere in Deutschland fortsetzte. Doch sie galt auch in Dänemark weiterhin als der größte dänische Filmstar. Die DVD enthält sämtliche dänische Produktionen, in denen Nielsen mitgewirkt hat. Es handelt sich um

– »Afgrunden / Abgründe« (1910) - Regie: Urban Gad

– »Balletdanserinden / Die Balletttänzerin« (1911) - Regie: August Blom

– »Den sorte drøm / Der schwarze Traum« (1910) - Regie: Urban Gad

– »Mod lyset / Der Fackelträger« (1919) - Regie: Holger-Madsen

Insbesondere die Filme der Jahre 1910/11 sind für heutige Zuschauer vermutlich stilistisch ungewohnt. Sie sind im sogenannten Tableau-Stil inszeniert, bei dem Szenen mit starrer Kamera gefilmt und auch nicht durch Schnitte in unterschiedliche Einstellungen aufgelöst werden. Durch das Arrangement der Figuren (und Gegenstände) innerhalb der Einstellung, durch deren Bewegung und Neuarrangement sowie durch unterschiedliche Arten der Akzentuierung (Beleuchtung, Bewegung in den Vordergrund, Rahmung usw.) wird der Blick des Zuschauers gelenkt und die Erzählung vorangetrieben. David Bordwell hat in einigen Essays auf die Finesse hingewiesen, die die Regisseure der damaligen Zeit im Rahmen dieses Tableau-Stils entwickelt haben.

Besonders hinzuweisen ist auf den Film »Afgrunden / Abgründe«, der Asta Nielsens Debüt war. In seiner Entstehungszeit war der Film vor allem aufgrund einer ›erotischen Tanzszene‹ berüchtigt und wurde drastisch zensiert. Im Zuge der Restaurierung konnte die wieder aufgefundene Tanzszene (die aus heutiger Sicht ungefähr so anstößig ist wie eine x-beliebige Margarine-Reklame) in den Film integriert werden. Trotz der Restaurierungsbemühungen weist der hier vorliegende Film etliche Schadstellen auf, weil kein besseres Ausgangsmaterial mehr zur Verfügung steht.

Interessant auch der Vergleich der drei älteren Filme mit dem von 1919: Deutlich zeigt sich, welche ungeheure Veränderungen es im Verlauf der 1910er Jahre im Bereich der Filmproduktion gegeben hat. So sehr allerdings der Stil des 1919er Films (»Mod lyset / Der Fackelträger«) uns heute näher sein mag, die Story ist es nicht: Es handelt sich um die dramatische Geschichte der moralisch-religiösen Bekehrung einer leichtsinnigen und frivolen Frau. Asta Nielsen wirkt seltsam deplatziert. Möglicherweise hat man sich bei diesem Film bereits mit Blick auf den internationalen Markt an amerikanischen Vorbildern (Cecil B. DeMille?) orientiert.

Die DVD bringt neben den vier Filmen keine Extras. Die Musikbegleitungen von Ronen Thalmay sind sehr passend. Die Laufzeit der Filme beträgt zwischen 35 und 55 Minuten (die Laufzeit der »Balletttänzerin« ist fälschlich mit 45 statt mit 35 Minuten angegeben). Man kann zwischen den originalen dänischen und englischen Zwischentiteln wählen, wobei die englischen sehr schmucklos daherkommen.
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