Fashion Sale Hier klicken Fußball Fan-Artikel calendarGirl Cloud Drive Photos OLED TVs Learn More saison Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Lego NYNY

Kundenrezensionen

5,0 von 5 Sternen1
5,0 von 5 Sternen
5 Sterne
1
4 Sterne
0
3 Sterne
0
2 Sterne
0
1 Stern
0
Format: Kindle Edition|Ändern
Preis:16,23 €

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel

Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 8. März 2012
Im Moment ist dies die aktuellste und wohl umfangreichste Nureyev-Biographie, die erhältlich ist, weswegen ich mich nach langer Suche schließlich auch für dieses Buch entschieden habe. Julie Kavanagh hat es im Auftrag der Nureyev Society geschrieben, so daß es auch ein bißchen den Anstrich einer "offiziellen" Biographie hat, was ja eigentlich nut gut sein kann - bedeutet das doch immerhin, dass hier nicht ein Autor einfach aus Privatvergnügen vor sich hin schreibt, sondern dass so etwas auch geprüft und gegengelesen wird, bevor es in Druck geht. Und so ist "The Life" auch ein dicker Wälzer vom Format der Bibel geworden, was aber nicht weiter Wunder nimmt, wenn man sich mal ansieht, wieviel Arbeit und Recherche Julie Kavanagh in diese Biographie gesteckt hat.

Sie hat samt und sonders Zeitgenossen Rudolf Nureyevs ausfindig gemacht, Freunde, Bekannte, Mitstudenten, Briefpartner, Tanzpartner, Zufallsbegegnungen...ich glaube, niemand, der dem Tänzer jemals begegnet ist und ein paar Worte gewechselt hat, ist hier ausgelassen worden. Sogar ehemalige Nachbarn in Ufa und in dem kleinen Dorf, in dem Rudolf aufgewachsen ist, hat sie ausfindig gemacht und befragt. Es muss wahnsinnig viel Zeit und Aufwand gekostet haben, mit all diesen Leuten zu sprechen und dabei auch das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen.
Zwar gelingt ihr das nicht immer (manches Mal wird unvermittelt jemand zitiert oder jemandes Aussage wiedergegeben, die nicht unbedingt imminent wichtig fürs Thema ist), doch in den meisten Fällen macht gerade das den Charme des Buches aus. Hier hat nicht einfach jemand aus einer der vielen Biographien abgeschrieben und stur bekannte Fakten aufgekocht; sondern hier wurde sich die Mühe gemacht, auch einmal viele Dinge richtig zu stellen, die so nicht gewesen sind oder gewesen sein können (gerade Nureyev selbst in seiner Autobiographie rückt sich gerne ja mal in ein positiveres Licht). Als Leser fühlt man sich, um einen abgedroschenen aber wahren Satz zu benutzen, "mittendrin statt nur dabei", als würde man selbst all diesen Leuten begegnen und mit ihnen sprechen. Dabei ergeben sich oft erstaunliche Einblicke, nicht unbedingt nur zum Thema Nureyev sondern auch überhaupt in die ganze (Künstler)szene des Paris und London der 60er Jahre, wobei einige der Aussagen auch in dieser Hinsicht wichtige Dokumente sind...immerhin haben die meisten Leute, die Nureyev damals kannten, inzwischen ein reifes Alter erreicht und man weiß nicht, wie lange sie noch zu Wort kommen können.

Das Buch besteht aber keineswegs nur aus Wiedergaben von Zitaten. Julie Kavanagh schreibt spannend und einfühlsam, mitreißend und trotzdem anschaulich und nicht übertrieben.
Man merkt aber auch, dass ihr das passiert ist, was viele Schriftsteller schlicht "die Krankheit" nennen: ihr Sujet hat sie gefangengenommen, sie hat sich schlichterdings selbst ein bißchen in Nureyev verliebt, was darin resultiert, dass sie ihn allzugern in Schutz nimmt oder sein bekanntermaßen cholerisches Temperament irgendwie zu verteidigen weiß. Das ist aber ein für den Leser nicht unangenehm auffallender, eher ein zum Schmunzeln anregender Zug, der eigentlich nur beweist, dass der Tänzer auch nach dem Tod nichts von seinem Charme verloren hat.

Eine Sache dagegen stört mich allerdings schon. Julie Kavanagh versucht meiner Meinung nach zu sehr, die Homosexualität Nureyevs in den Vordergrund zu stellen. Nicht penetrant, eher irritierend und nicht sachlich genug. Das beginnt mit ganz frühen Zitaten von Jugendfreunden, die davon "nichts bemerkt" haben wollen, mit den schlüssigen Argumenten, dass Rudolf sich "nicht wie ein Homosexueller bewegt" habe (?!), geht weiter über eine Aufzählung aller schwulen Männer, die sich in Paris in Rudolfs Dunstkreis befunden haben (wozu interessiert das den Leser, wenn keiner dieser Männer eine weitere Rolle in Nureyevs Leben spielt? Ist Homosexualität etwa ansteckend? Dass zu dieser Zeit und vor allem in liberalen Künstlerkreisen viele Menschen ihre Sexualität neu entdeckt und definiert haben, ist bekannt - und wenn nicht, so gäbe es andere Mittel und Wege, dem Leser die damalige Zeit plastischer vor Augen zu führen), und gipfelt in irgendwelchen völlig sinnlosen Aussagen ehemaliger Kompaniekollegen, dass Nureyev versucht habe, in deren Bett zu kommen, was von diesem dann postwendend schon damals bestritten wurde und ergo die Erwähnung solcher Episoden für den Leser zu nichts führt.

Kavanagh versucht, wie ich finde, insgeheim jeden Teil von Rudolfs Talent, Ausstrahlung, Genie, Kraft und Charme irgendwie auf die Homosexualität zurückzuführen bzw. fast schon umgekehrt, einen Schluss draus zu ziehen: Wer so aussieht, tanzt, lacht und flirtet, der muss eigentlich schwul sein. Dass Nureyev Männern (und Frauen!) zugetan war, ist kein Geheimnis; dass er lange Jahre mit einem Mann zusammen war, auch nicht (im Verhältnis kommt Erik Bruhn dann auch viel zu wenig zu Wort). Ich habe keine schlüpfrigen Details aus der Beziehung erwartet, auch kein verschämtes Verschweigen...aber Kavanaghs Umgang mit dem Thema zeigt, dass anscheinend doch immer noch eine Reihe alter Klischees über Homosexuelle exisitieren, die ich in der heutigen Zeit eigentlich für ausgeräumt gehalten hatte; gerade wo eben auch Rudolf Nureyev seiner Zeit ein Beispiel dafür war, dass es schlußendlich doch völlig egal ist, welche Sorte Mensch - männlich oder weiblich - man liebt.

Für diesen etwas ungeschickten Umgang und für die stellenweise Überschwänglichkeit würde ich zu gern einen halben Stern abziehen, da das hier aber nicht möglich ist, gebe ich die volle 5 mit oben genannten Einschränkungen.
Trotz allem ist dies nämlich meiner Meinung nach eine Biographie, die ihrem Titel "The Life" auch gerecht wird.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden