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Kundenrezensionen

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am 17. November 2011
Nicholas of Waringham ist 14 Jahre alt, als er 1529 nach dem Tod seines Vaters eine heruntergewirtschaftete Baronie inklusive unliebsamer Stiefmutter, ein paar Pferde und einen großen Titel erbt.
Und da er ebenfalls den Hang der Waringhams sein eigen nennt, sich bei jeder Gelegenheit um Kopf und Kragen zu reden und politisches Kalkül so gar nicht sein Ding ist, dauert es auch nicht lange, bis er sich mächtige Feinde macht.
Die Zeiten sind mehr als unsicher; Anne Boleyn hat des Königs Herz erobert und die Suche Henry VIII. nach einer Möglichkeit, sich von seiner ersten Frau Katharina von Aragon zu trennen, hat unabsehbare Folgen für Kirche, Glauben, Machtstrukturen und letztlich ganz England - als erstes aber für seine Tochter Mary, die verstoßen und zum Bastard erklärt wird.
Nick fühlt sich verpflichtet - aus Opposition gegen den König und seinen verhassten "Handlanger" Cromwell und aus Loyalität gegenüber der ebenfalls papsttreuen Hoheiten Katharina und Mary, Henrys abgelegte Familie vor Intrigen und vor allem vor Henry selber zu schützen.
In den Irrungen und Wirrungen dieser Jahre entpuppt sich das allerdings als Lebensaufgabe...

Und mein Fazit:
Außer ihrem Ratgeber Von Ratlosen und Löwenherzen: Eine kurzweilige, aber nützliche Geschichte des englischen Mittelalters habe ich bisher alle historischen Bücher Rebecca Gablés gelesen - und sie geliebt. Verwöhnter Anspruch erzeugt hohe Erwartungen und diesen konnte "Der dunkle Thron" leider nicht standhalten.
Nick of Waringham war mir meistens eher unsympathisch; er bleibt blass und unscheinbar und sein Anspruch an ehrenhaftes Verhalten gilt eigentlich nur für andere.
Zu viele Protagonisten - vor allem der wenig zu erklärende Fakt, dass ständig nach Bedarf irgendein Waringham-Verwandter und letztlich sogar ein Ableger der Helmsbys aus dem Hut gezaubert wurden - sorgen eigentlich nur für Verwirrung, genauso wie die eher verkrampft wirkenden Versuche, den jeweiligen verwandtschaftlichen Bezug dann zu erklären.
Soviele interessante historischen Persönlichkeiten hätten den Roman zu einem Knaller werden lassen können, aber im Gegensatz zu den Lancasters, Yorks, Nevilles etc. aus den ersten drei Waringham-Bänden bleibt einem nach der Lektüre keiner in Erinnerung - und damit war ich auch als Leserin nur mit dem Kopf und nicht mit dem Herzen dabei.
Auch die diesmal zu stark präsenten Sympathien und Antipathien der Autorin waren einfach too much; es gab überhaupt nicht die Möglichkeit, sich als Leser eine eigene Meinung zu bilden.
Und das die Präsentation historisch verbürgter Handlung meistens nur durch Dialoge und "HörenSagen" erfolgen musste, da sich Nick entweder im Tower oder im Gestüt oder in der Krippe oder sonstwo aufhielt - nur nicht im Brennpunkt des Geschehens, war auch nicht das Optimum.

Für mich war es der erste Gablé, den ich nicht in einem Rutsch durchlesen konnte, weil er mich einfach nicht gefesselt hat.
Aber ich freue mich trotzdem auf den nächsten...
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am 10. Januar 2016
Nachdem im Jahr 1529 sein Vater stirbt, erbt Nicholas of Waringham neben einer heruntergewirtschafteten Baronie auch die Feindschaft von Henry VIII. Der König versucht sich von der katholischen Kirche loszusagen, um sich von seiner Frau Catalina von Aragon scheiden zu lassen. Schon bald müssen die „Papisten“, unter denen sich Mary, die Tochter des Königs befindet, um ihr Leben fürchten. In den Wirren der Reformation steht einzig Nicholas weiter treu zu Mary und schmiedet einen Plan, der die Prinzessin vor ihrem Vater schützen soll…

In den letzten Jahren habe ich viele historische Romane von Rebecca Gablé gelesen und muss leider sagen, dass Der dunkle Thron mit Abstand ihr schwächstes Buch ist. Was mich am meisten gestört hat, ist vor allem der Hauptcharakter Nicholas of Waringham. Er war mir von Anfang an völlig unsympathisch, was vor allem daran liegt, dass er ständig hohe moralische Ansprüche an andere stellt, die er selbst in keiner Weise erfüllt. Seine Stiefmutter, die durchweg als bösartiger und gemeiner Charakter dargestellt wird und ständig versucht Nicholas zu behindern, beschreibt ihn als „hochmütig und selbstgefällig“ und hat damit völlig Recht. Damit wären wir auch schon bei einem weiteren Kritikpunkt, der Darstellung der Antagonisten. Diese sind eigentlich alle nur böse und egoistisch und besitzen keine nennenswerten positiven Charakterzüge. König Henry VIII. ist nicht mehr als ein fetter, selbstsüchtiger und etwas dümmlicher Monarch, der ab und zu in einer Szene vorkommt, dem Leser ansonsten nicht näher gebracht wird. Man fragt sich nach der Darstellung des Buches, wie er es eigentlich geschafft hat, England solange zu regieren. Auch Thomas Cromwell, eine prägende Figur der englischen Reformation, wird ebenso undifferenziert beschrieben. Er tritt vor allem dann auf, wenn es darum geht, „Papisten“ zu verhaften und zu foltern. Dass er ein sehr streitbarer Charakter ist, soll hier in keiner Weise beschönigt werden, aber sowohl er als auch Henry VIII. haben mehr Differenzierung verdient, als es die Autorin anscheinend für nötig gehalten hat. Im Anhang fällt zudem die Bemerkung, dass Frau Gablé keine Persönlichkeit so sehr gehasst hat wie Henry VIII., was der Handlung häufiger anzumerken ist. Der Versuch Nicholas Stiefmutter und Stiefschwester, von ihm liebevoll „Sumpfhexe“ und „Brechnuss“ genannt, als nur bösartig zu beschreiben, ist zumindest bei mir nicht aufgegangen. „Brechnuss“ ist eigentlich für mich der einzige Charakter, der nicht nur schwarz weiß gezeichnet ist und immer wieder Dinge tut, die mich überraschten. Neben Nicholas spielt vor allem die Prinzessin Mary eine große Rolle. Leider ist ihre Darstellung ebenso wenig differenziert wie die ihres Vaters. Generell wird alles was sie tut oder sagt von Nicholas stillschweigend akzeptiert oder sogar bewundert.

Neben der Kritik an den Charakteren hat mich vor allem gestört, dass Nicholas häufig nicht dabei ist, wenn etwas Wichtiges geschieht, das die Handlung voranbringt. Als Charakter ist er zwar so angelegt, dass er sich dazu entscheidet, dem Hof fernzubleiben und sich politisch zu isolieren, aber als Leser war es doch langweilig, von großen Ereignissen oftmals nur durch die Berichte von anderen Personen zu erfahren.

Der dunkle Thron ist für mich der Tiefpunkt um die fiktive Geschichte der Waringhams. Mit Nicholas hat die Autorin einen absolut unsympathischen „Helden“ geschaffen, der mich nach einiger Zeit nur genervt hat und dessen Ansprüche offensichtlich nicht für ihn selbst gelten. Da auch die historischen Persönlichkeiten wie Henry VIII., Thomas Cromwell und Prinzessin Mary nur sehr undifferenziert oder klischeehaft dargestellt werden und die Handlung letztlich nicht wirklich spannend ist, kann ich diesen Teil der Waringham Saga nicht empfehlen.

(ACHTUNG, SPOILER!!!
Verbunden mit Mary ist einer meiner größten Kritikpunkte: Das Ende des Buches. Das Ganze endet mit ihrer Krönung, soweit so gut. Dass sie von ihren Untertanen den Beinamen „die Blutige“ bekam, wird nur in den Anmerkungen kurz erwähnt. Ebenso kurz erwähnt wird, dass unter ihrer Herrschaft ca. 300 Personen, vor allem Protestanten, verbrannt wurden. Dieser Umstand wird von der Autorin lapidar damit erklärt, dass es damals eben so üblich war. Es wirkt seltsam auf mich, wenn die Autorin Henry so stark verurteilt und Mary so sehr verteidigt. Während Henrys 40 Regierungsjahren wurden ca. 80 Personen zum Tode verurteilt, seine Tochter brachte es, wie bereits gesagt, in fünf Jahren dann auf 300. Der Umstand, dass der Roman einfach mit der Krönung endet und die weiteren Entwicklungen von Mary Regierungszeit verschweigt, die ein spannender Stoff gewesen wären, ist mir unerklärlich. Vielleicht hätte es Nicholas dann auch endlich einmal geschafft, Umstände kritisch zu hinterfragen.)
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am 30. Oktober 2015
Zuerst muss ich sagen, dass ich ein großer Fan von Rebecca Gablé bin - durch ihre historischen Romane habe ich nicht nur meine Liebe zu Romanen der englischen Geschichte, sondern zum Lesen allgemein entdeckt. Kein Buch liegt mir so sehr am Herzen, wie "Das Lächeln der Fortuna". Die Waringhams haben sich einen Platz in meinem Herzen gesichert.

Leider muss ich aber gestehen, dass dieser Band der Reihe für mich mehr als enttäuschend ist. War schon der dritte Band, durch das untreue Verhalten von Protagonist Julian, für mich etwas frustrierend (im Vergleich zu den Vorgängerromanen), so wurde mit Nick dem jetzigen Protagonisten das Lesen unerträglich.
Ich habe noch nie den Protagonisten eines Romanes so gehasst wie ihn. Unglaublich, welche Ansprüche er an seine Mitmenschen stellt, ohne auch nur selbst etwas davon vorzuweisen. Alleine schon für sein Verhalten seiner ersten Ehefrau Polly gegenüber würde ich ihn am liebsten auf den Mond schießen. Für seine körperlichen Bedürfnisse ist sie ihm gut genug, aber als er sie dann schwängert und aufgrund SEINES EIGENS ausgedachten Plans erzwungenermaßen heiraten muss, kann er kein gutes Haar mehr an ihr lassen. Sie riskiert alles für ihn und er ist und bleibt undankbar und egoistisch und überträgt diese Abneigung auch noch auf seine Kinder. Keine Ahnung, ob es von Rebecca Gablé so gewollt war, aber ich kann nicht anders, als zwischen Nick und Henry VIII. viele Parallelen zu ziehen. Beide sind egoistisch, und herablassend und verdammen ihre Ehefrauen für Dinge, die sie nicht verschuldet haben und behandeln als eine Folge daraus auch noch ihre Kinder mit Desinteresse - für die Kinder seiner "Krippe" hatte er aber scheinbar genug Zuneigung übrig. Janet war mir zwar als Nicks zweite Ehefrau nicht unbedingt unsympathisch, allerdings sehe ich nicht, was sie zu so einer wundervollen Person macht bzw. zu einer besseren Frau als Polly. Für mich hat Polly einiges mehr an Mut und Willensstärke bewiesen, schon alleine, weil sie unter so einem Tyrannen wie Nick trotz allem Würde beweist. Und dennoch ist Janet für Nick die "Heilige" - wahrscheinlich einfach nur, weil sie nicht von niederer Geburt ist. Seinen Sohn erkennt Nick auch erst später an, seine Tochter jedoch nicht. Sie ist eben "auch nur eine Frau". Mal abgesehen von der Über-Ikonisierung von Janet, Mary und der Tochter von Thomas Moore sowie vlt. noch seiner eigenen Schwester erscheint mir Nick fast misogyn - oder vlt. hat er auch einfach nur keinen Respekt für Menschen niederer Geburt übrig, vlt. auch beides. Irgendwie kann er mich einfach auch nicht überzeugen. Er wirkt auf mich nicht authentisch. Natürlich gibt es solche Leute, die sich furchtbar verhalten, aber nach Außen ein Bild der Rechtschaffenheit verkörpern wollen - aber wie mich so ein Charakter von seiner Qualifikation als "guter Protagonist" überzeugen soll, ist mir schleierhaft.

Abgesehen von meiner extremen Abneigung des Protagonisten gegenüber muss ich, wie auch in einigen andere Rezensionen bereits erwähnt, sagen, dass die Geschichte für mich nicht genug "Action" besaß. Nick ist ja kaum aktiv in größere Ereignisse verwickelt, sondern bekommt meist vieles nur durch's Hören-Sagen mit.
Auch diese Schwarz-Weiß Malerei stört mich sehr. Für mich war Prinzessin Mary nie ein "Feindbild" - dass es da alleine schon durch die Taten ihres Vaters viele Seiten zu bedenken gibt, war mir schon klar. Sie war eine komplexe Persönlichkeit und ihr Image hat durch die Geschichtsschreiber sicherlich auch ziemlich gelitten. Aber wirklich alle Charaktere einfach nur in Gut oder in Böse aufzuteilen, war etwas zu viel des Guten - besonders wenn dann der "gute Protagonist" auch noch so unausstehlich ist. Die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander bleiben alle recht farblos und seicht. Am ehesten ist eine realistische Zuneigung bei Polly und ihren Kindern zu sehen. Ansonsten fehlt mir da ziemlich der Tiefgang. Und vielen Charakteren fehlt es an sympathischen Eigenheiten. Prinzessin Mary hätte beispielsweise eine interessante Persönlichkeit im Buch darstellen können, aber blieb blass und langweilig und ziemlich stereotyp.

Dass die Helmsbys auch noch einen Auftritt in der Geschichte hatten, fand ich persönlich jetzt nicht unbedingt störend - allerdings ist es vlt. etwas merkwürdig, dass sie ausgerechnet jetzt zum ersten Mal in der Waringham-Saga auftauchen - ich meine damit keinen aktiven Auftritt der Personen im Geschehen. Aber vlt. wäre es realistischer gewesen, wenn der Familienname einfach in irgendeinem Vorgängerband mal gefallen wäre - so als Familie von Bedeutung während irgendeiner Unterhaltung zu politischen oder sozialen Verhältnissen. Dass dann ausgerechnet die Helmsbys auch noch als "Anführer" fungieren ist dann auch etwas übertrieben. Es hätte ja auch eine andere Familie die Leute anführen können und ein Helmsby hätte dann einen der "Sidekicks" darstellen können oder sowas.

Im Allgemeinen finde ich, dass in dem Buch von den historischen Ereignissen relativ wenig widergegeben wird bzw. viele wichtige und auch interessante Dinge ausgelassen oder eben nur gestreift wurden, die zu einer viel interessanteren Handlung hätten führen können. Nick hätte in Ereignisse eingebunden werden können, die mehr Spannungspotential besitzen.
So war das Lesen eine Qual, einfach weil man das Gefühl hatte, es ginge nur um Nick und sein egozentrisches Weltbild.

Ich bin ehrlich: Vielleicht hätte mich der Band mehr überzeugt, wenn Nick sympathischer dargestellt worden wäre. Und selbst ein unsypmathischer Protagonists müsste kein Untergang für ein Buch darstellen, wenn einfach die Nebencharaktere mit Charme, Witz und Liebenswürdigkeit überzeugen. Das tun sie hier aber nicht. Mehr als eine authentische Widergabe historischer Fakten, ist für mich die Au­then­ti­zi­tät der Charaktere und dass man merkt, dass der/die Autor/in die Figuren mit Liebe erdacht hat. Aber das fehlt mir hier. Die Figuren sind lieblos - eher nur ein Hilfsmittel, um irgendwelche Ereignisse zu schildern.

Fazit: Mit seinen Vorgängern kann dieser Band bei Weitem nicht mithalten. Historisch gesehen ist er zwar sicherlich korrekt, aber es mangelt fast allen Figuren an dem gewissen Etwas, was sie zu etwas besonderem macht. Der Roman ist zwar nicht schlecht, aber wird sicherlich nicht alle Leser so überzeugen können, wie es die vorangehenden Bände getan haben.
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am 15. April 2012
Der "kleinste gemeinsame Nenner" ist im übertragenen Sinne ein angestrebtes Tiefniveau in der Unterhaltung, das möglichst viele Leute ansprechen und doch niemanden überfordern soll. Bei diesem Roman bekam ich mehr und mehr den Eindruck, auch hier wurde nach dieser Vorgabe gearbeitet.
Die Zeit unter Henry VIII ist eine hochspannende Epoche, eine Zeit enormer Umwälzungen in der britischen Gesellschaft. Ich meine, wir reden hier nicht zuletzt vom Bruch mit der katholischen Kirche sprich dem Papst und allen sich daraus ergebenden Konsequenzen.
Was war damals eigentlich in der europäischen Geschichte passiert, dass nach Jahrhunderten der allgemeinen Akzeptanz religiöser Dogmen und Machtstrukturen die Reformbewegung begann? Darauf wird man in diesem Buch keine Antwort finden. Alles, was man erfährt ist, dass es die Reformer = Ketzer und die Katholiken = Papisten gibt. Und dass man sich gern gegenseitig angiftet, ohne dass diese Diskussionen aber jemals in die Tiefe gingen (hey, das soll hier ja nicht zum Denken anregen, sondern unterhalten!).

Henry VIII, einer der berühmtesten englischen Könige, wird auf einen kindischen, fresssüchtigen und sogar dümmlich wirkenden bösen Onkel reduziert, der immer mal wieder durch die Szene grummelt, aber den man nicht näher kennen lernt. Solch ein Mann hätte aber nicht sein Land so lange so erfolgreich regieren können. Man könnte nun einiges aus der Literatur heranziehen, dass zeigt, das Henry nur am Ende seines Lebens ein zerrütteter, kränklicher Wirrkopf war, die ganzen Jahre davor eine respekteinflößende Persönlichkeit mit scharfen Verstand und Charisma. Aber es ist eben wieder offensichtlich, dass die historische Person hier zweckdienlich trivialisiert wurde. Denn Henry ist hier der Bösewicht im Hintergrund. Mehr hat er sozusagen nicht zu tun.
Im Nachwort fällt es verwunderlich auf, dass die Autorin Henry radikal verurteilt, ohne auf seine Beweggründe einzugehen, zugleich aber seine Tochter Mary ebenso radikal verharmlost, bis hin zu der verblüffenden Feststellung: damals verbrannte man eben Leute. Das erklärt natürlich fast 300 solcher Hinrichtungen in Marys fünf Regierungsjahren im Vergleich zu ca. 80 in Henrys rund 40 Jahren...

So bleibt auch Marys Darstellung undifferenziert. Alles, was sie tut und sagt, wird durch den Protagonisten Nick of Waringham akzeptiert, oft sogar bewundert. Anders als seinen Vorgängern unter den Waringhams, allen voran dem oft unschlüssigen Julian, gehen ihm eigentlich nur wenige Gedanken über richtig und falsch durch den Kopf. Oder wieder einfach gesagt: er glaubt schon, dass er richtig denkt. Er hinterfragt dies jedoch nie.

Auch dann nicht, wenn Nick seinen moralischen Ansprüche, die er ständig und mit einiger Penetranz an andere stellt (vor allem natürlich an den König) selbst nicht erfüllt. "Hochmütig und selbstgefällig" nennt ihn seine Stiefmutter, die als ein durch und durch bösartiger, geradezu unmenschlicher Charakter dargestellt wird. Nur leider - die Frau hat damit Recht. Nick ist egoistisch, verblendet und halsstarrig in seinen Ansichten. Er hat einen Dünkel, der früheren Waringhams peinlich gewesen wäre. Zudem wird er sogar von der Autorin selbst wiederholt als launisch beschrieben (was auch zutrifft). Jetzt wäre die Konsequenz, andere Figuren entsprechend auf ihn reagieren zu lassen, was bei ihm vielleicht auch mal zur Reflexion führen könnte.
Aber das geschieht nicht. Wie die anderen Waringhams darf Nick den Helden spielen, wird als "aufrechter Mensch" verkauft.

Auch nimmt sich Nick gegenüber Höhergestellten und sogar dem König mitunter verbal Dinge heraus, die ihn in einem realistischeren Roman konsequent in den Tower gebracht hätten.
Der König darf sich beispielsweise nach Nicks Meinung nicht scheiden lassen, weil er in eine andere Frau verliebt ist und auch einen Erben braucht. Nick darf das aber schon. Zudem darf Nick seine erste Frau auch abfällig behandeln und ihr nach Belieben zeigen, dass sie in seinen Augen nur dummer Pöbel ist, dem er seine Abscheu zeigen und zugleich ihre Liebesdienste in Anspruch nehmen darf.
Wenn Nick könnte, würde er sie sicher auch gern enthaupten lassen, aber er ist eben nicht König. Vielleicht nimmt er auch das Henry so übel. Denn Nicks wiederkehrende Hass- und Mordgedanken gegen seine Stiefmutter sind moralisch nicht besser als Henrys tatsächliche Hinrichtungen. Übel stößt es auch auf, dass Nick mit wirklich gehässigem Sadismus Freude empfindet, wenn Menschen, die ihm tatsächlich Schlechtes getan haben oder die er einfach nicht mag, grausam hingerichtet werden. Da fällt schon mal eine Äußerung wie, dass Nick es schadet findet, dass jemand nur enthauptet und nicht als Verräter ausgeweidet und gevierteilt wurde. Der harmlosen Katherine Howard wünscht er ein stumpfes Beil und einen unfähigen Henker.

Das ist alles so seltsam gemacht, dass ich mich immer noch frage, ob die Autorin da zu subtil vorgegangen ist (glaube ich aber eher nicht), oder ob ihr dieser Widerspruch zwischen Nicks Verhalten und seinem so positiven Selbstbild, das durch die personale Erzählhaltung, die sich fast immer auf seine Sicht bezieht, geschaffen wird, nicht aufgefallen ist.

Insgesamt geht der Roman erschütternd salopp mit den vielen dramatischen und tragischen Ereignissen um. Mir bleibt eine Szene in Erinnerung, in der sich Nick und ein paar andere erst über die neuesten Hinrichtungen unterhalten und im nächsten Satz Witze reißen. Sollte das "comic relief" sein? Ich weiß es nicht.

Schließlich entstand bei mir das Gefühl, dass die Autorin diesmal mit den historischen Ereignissen schlicht überfordert war, denn was zu dieser Zeit geschah, war einfach zu viel und zu komplex für einen Unterhaltungsroman, der sich um einen fanatischen Anhänger Marys dreht, aber in den Hintergründen nicht zu schwierig werden darf.
"Gablé" hatte vorher Bedenken gehabt, ob sie die Tudor-Zeit in einem ähnlichen Stil wie die alten Waringham-Bände behandeln könne. Zu Recht, wie man sieht.

Vermutlich gibt es deshalb auch so viele Schmöker, die im MA spielen: die Zeit lässt frei erfundene Abenteuergeschichten besser zu als die akribisch dokumentierte Neuzeit.
So bleibt am Ende von "Der dunkle Thron" doch wieder nur der Eindruck, dass Henry VII, der "dicke König mit den vielen Frauen" war. Außer seiner ersten bleiben auch diese blasse Figuren, bzw. erfüllen die eh schon bekannten Klischees, wie Anne Boleyn als gemeine Hexe.

Wer auf der Suche nach guten Büchern über die Tudorzeit bzw. Romanen zur Zeit von Henry VIII ist, würde ich eher die Reihe von C.J. Sansom empfehlen.
Während der große Aufstand des englischen Nordens hier nur in ein paar Sätzen erwähnt wird, beschreibt Sansom spannend die Situation in York in Der Anwalt des Königs. Während Nick auf seiner Pferdezucht in Waringham sitzt, weil er schmollt und dem König keinen Kriegsdienst leisten möchte (oder weil dies mehr Recherche erfordert hätte), erlebt man bei Sansom in Der Pfeil der Rache den Untergang der Mary Rose.

PS: Die Rezension ist viel gemäßigter ausgefallen, als hätte ich sie direkt nach dem Lesen geschrieben. Meine erste Reaktion auf diese Banalisierung bzw. Trivialisierung des Tudor-Stoffs war schon eine gewisse Verärgerung.
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am 31. Juli 2012
Ich bin ein sehr großer Fan von Frau Gablé, mit "Das zweite Königreich" hat sie mich völlig in ihren Bann gezogen und mit "Das Lächeln der Fortuna" meine Vorliebe für ihre Bücher untermauert. Ich habe sie alle im Regal stehen und alle geliebt - bis auf dieses hier. Es ist nicht schlecht - verglichen mit dem, was man sonst so im Buchladen findet, ist es immer noch über dem Durchschnitt. Aber für Frau Gablé ist es eher unterdurchschnittlich.
Vielleicht bin ich deshalb kritisch, weil ich die Geschichte von Henry Tudor und seinen sechs Frauen so haarsträubend faszinierend finde, daß ich mich darin gut auskenne und es in diesem Roman dürftig aufbereitet finde. Wie viele meiner Vorredner hier gesagt haben, hält sich Protagonist Nick fleißig aus allen Hofquerelen heraus. Anders als seine Vorfahren, und das macht die Erzählung mittelbar und streckenweise langweilig.
Daran knöpft auch an, daß z.B. keine einzige Schlacht vorkommt; vieles wird wirklich nur indirekt erzählt und dafür lese ich ja keinen Roman, ich will die Ereignisse ja miterleben! Kämpfe werden erwähnt, aber nur einen Abschnitt lang: "Dieses und jenes ist passiert und so ist es ausgegangen". Das reicht mir als Leser nicht.
Vielleicht hat Frau Gablé sich einfach nicht an diese recht bekannte Geschichte um Henry Tudor herangetraut? Schade eigentlich, sie hätte mehr daraus machen können, das traue ich ihr ohne weiteres zu!
Mary Tudor als Sympathieträgerin darzustellen, ist zwar eine interessante Idee, aber wird meines Erachtens nicht durchgehalten. Mary und Protagonist Nick können den Leser einfach nicht wirklich für sich gewinnen.
Für das Buch spricht, daß ich es schon zu zwei Dritteln durch hatte, ehe ich mich wirklich an diesen ganzen Punkten stören konnte. Es ist sprachlich angenehm geschrieben und unterhält ganz gut, aber hinter seinen Vorgängern steht es weit zurück! Hier wurde viel Potenzial verschenkt. Hoffen wir, daß das nächste Buch wieder besser wird.
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TOP 1000 REZENSENTam 16. September 2011
Die große Waringham-Saga geht weiter!

***Zum Inhalt***
England 1529
Der vierzehnjährige Nicholas of Waringham steht vor den Scherben seines Lebens. Er erbt, nach dem tragischen Tod seines geliebten Vaters, die heruntergewirtschaftete Baronie derer von Waringham und den Groll des nachtragenden Königs Henry VIII.
Die Launen des Königs überschatten ganz England. Um seine große Liebe Anne Boleyn zu heiraten, will er sich von seiner Ehefrau und der katholischen Kirche lossagen.
Schon bald sind die Papisten ihres Lebens nicht mehr sicher. Unter ihnen auch Prinzessin Mary und Nick of Waringham. In der Zeit der Reformation setzen viele Engländer ihre ganze Hoffnung in Mary. Doch ihr Leben wird von einer großen Macht bedroht: Ihrem eigenen Vater, dem König von England.
Schafft es Nick sein Versprechen gegenüber Catalina von Aragón, der wahren Königin von England, einzuhalten? Mary's Leben zu beschützen und ihren rechtmäßigen Anspruch auf die Krone zu verteidigen?

***Meine Meinung***
Als ich gehört habe, dass Rebecca Gablé an einer Fortsetzung der Waringham-Reihe arbeitet, konnte ich es kaum fassen - hat sie im Nachwort des dritten Teils doch das wahrscheinliche Ende der Waringhams verkündet. Besonders schön finde ich deshalb, dass sie dieses Buch ihren Lesern gewidmet hat. Nach "Das Lächeln der Fortuna", "Die Hüter der Rose" und "Das Spiel der Könige" ist dies der vierte Teil der erfolgreichen Waringham-Saga.
Da der dritte Band - Das Spiel der Könige - mit dem Finale der Rosenkriege endete, war Frau Gablé gezwungen nun diese Fortsetzung in der Zeit des Umschwungs, in der Reformation/Renaissance, spielen zu lassen. Ich war gespannt, ob mir dass Mittelalter mit seinen Schlachten, Schlachtrössern und die Zeit der Knappen und Rüstungen fehlen würde. Doch ich muss sagen, dass ich mich dank Frau Gablé sehr gut in den Wirren dieser Zeit zurechtgefunden habe. Ein Buch von ihr zu lesen ist wirklich besser als jeder Geschichtsunterricht.

Mit ihrem wunderbaren Schreibstil und ihrem Talent geschichtliche Lücken zu finden, ist es ihr wieder einmal gelungen, ein gigantisches Werk zu erschaffen. "Der dunkle Thron" ist ein Buch voller Geheimnisse, Überraschungen und Schicksalsschlägen unter der Führung des wohl berühmtesten englischen Königs - dem melancholischen und selbstsüchtigen Henry Tudor VIII. Sie verstrickt ihre fiktiven Charaktere so geschickt in die englische Geschichte ein, dass man am Ende wirklich glaubt sie waren ein realer Bestandteil.

Teilweise allerdings waren mir die Zeitsprünge zwischen den einzelnen Buchteilen ein wenig zu groß, was dem Lesevergnügen trotzdem keinen Abbruch tat.

Doch was mir am allermeisten gefallen hat ist die Tatsache, dass die Autorin die Nachfahren verschiedener Hauptcharaktere aus ihren anderen historischen Romanen wie z.B. die Familie Durham aus „Der König der purpurnen Stadt" und die Helmsby's aus "Das zweite Königreich" bzw. "Hiobs Brüder" mit in diese Geschichte einbezogen hat. Besonders die Durham's spielen in Nicks Leben eine sehr wichtige Rolle. Einfach toll!

Nicholas "Nick" of Waringham ist ein sehr sympathischer Protagonist und er macht seinem Namen alle Ehre. Er trägt sein Herz auf der Zunge und gerät dadurch immer wieder in Schwierigkeiten.
Ihm steht, mit seinen vierzehn Jahren, eine schwere Zeit bevor - sein Vater stirbt einen tragischen Tod, er muss sich mit einer rachsüchtigen Stiefmutter und einer gehässigen Stiefschwester rumschlagen und in Sachen Liebe ist er gezwungen eine Entscheidung zu treffen, die er später bitter bereuen wird.

Die Reformbewegung ändert nicht nur Nick's Leben, sondern das Leben aller Engländer. Keiner weiß mehr, welcher der wahre Glaube ist und jeder fürchtet um sein Leben.
Dass Nick sich ausgerechnet mit Mary verbündet, hat mich ehrlich gesagt am Anfang ein wenig überrascht. Bis jetzt ist mir Mary nur als "Bloody Mary" ein Begriff gewesen und mir bisher unsympathisch. Doch nach diesem Buch sehe ich sie mit ganz anderen Augen. Sie war letztendlich einfach ein Opfer der Reformation. Ich kann jedem empfehlen, auch das Nachwort von Rebecca Gablé zu lesen, denn dort erfährt man noch so einige interessante Hintergründe über Mary Tudor.

***Fazit***
Zu diesem Buch fällt mir nur eins ein: "WOW" und "Schade, dass es nun wieder vorbei ist". Jetzt heißt es wieder warten... warten... warten... und hoffen, dass Rebecca Gablé noch einen fünften Waringham-Band - der dann im "goldenen Zeitalter" spielen wird - schreibt.
Ich kann jedem dieses Buch wärmstens ans Herz legen. Gewiss kann man es lesen ohne die drei Vorgänger zu kennen, doch schöner ist es, wenn man die gesamte Familiengeschichte von Nicholas of Waringham kennt. Ihr werdet sie bestimmt genauso ins Herz schließen, wie ich es getan habe!!!

Jeder der historische Romane mag, wird die Bücher von Rebecca Gablé lieben!

Frau Gablé - Es war mir eine Ehre!!!
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am 3. Mai 2014
Vorweg muss ich sagen das ich die ersten 3 Teile regelrecht verschlungen habe.
Besonders Teil 2 (Die Hüter der Rose) und Teil 3 (Das Spiel der Könige) waren besonders fesselnd.

Bei Teil 4 erging es mir leider teilweise wie beim 1. Band: Ich konnte mich nicht so recht mit dem Hauptcharakter anfreunden.
War es im 1. Band die überzeichnete ritterlichkeit die mich etwas nervte, so war es in "Der Dunkle Thron" das Problem das Nicholas of Waringham irgendwie blass blieb. Man bekam nicht wirklich viel von seinem Charakter zu sehen und hatte daher auch keine Chance eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Hinzu kommt das Nicholas nie am wirklichen politischen Geschehen des Landes teilnimmt, stattdessen immer nur durch Erzählungen anderer Charaktere von den Vorgängen bei Hofe erfährt. Damit nimmt auch automatisch der Leser nicht daran teil. Die Verbindung zu Nicks Ahnen fehlt aufgrund des zeitlichen Sprungs leider völlig. Auch sein Vater (zu Beginn des Romans) blieb für mich völlig fremd.

Der Großteil des Buches verliert sich in der Geschichte rund um Mary (die ältere Tochter von König Henry VIII), welcher sich Nick sein leben lang verpflichtet fühlt. Rund um diesen Kern bekommt man noch einige Nebengeschichten um die Reformation, die Krippe bzw Schule und das Gestüt mit. Aber man fühlt sich leider nie wirklich teilhabend am direkten Geschehen welches das Land beeinflusst. Was natürlich auch daran liegt das Mary die meiste Zeit abgeschottet und weit weg vom königlichen Hof lebte. Zu oft werden die Treffen zwischen Nick und Mary auf irgendwelchen einsamen Gütern in der englischen Einöde zwischen Mary und Nick behandelt, welche sich immer um die gleichen Themen drehen.
Warum sich Gablé ausgerechnet so intensiv mit Mary auseinander setzen musste bleibt mir ein Rätsel, denn diese ständige Frömmigkeit und der Versuch alles Gute in ihr zu vereinen während ihr Vater König Henry (so ziemlich) alles schlechte verkörpert machte es für mich eher langweilig und anstrengend.

Es ist nichts im Vergleich zu den bisherigen Bänden in denen die Protagonisten (Nicks Vorfahren) immer mitten im Geschehen standen und durch ihr Wirken die Geschichte mit beeinflussten.

Es fehlte auch zwischendurch mal etwas "Action". Spannende Schlachten wie man sie aus den Vorgängern kannte waren hier leider gar keine vorhanden. Was wiederum darauf zurück zu führen ist das sich Nick aus jeglichen Feldzügen (in Frankreich oder gegen Schottland) völlig heraushält und die Zeit währenddessen in Waringham verbringt. Die einzigen "spannenderen" Momente sind die unzähligen Hinrichtungen dieser Zeit.

Auch die zeitlich weiten Sprünge zwischendurch machen das Eindringen in die Tiefe der Geschichte nicht einfacher. So war mir beispielsweise die "plötzliche" Hingabe Nick's bezüglich der Waisenkinder in London (und der Gründung der Krippe) immer ein Rätsel. Es gab einen zeitlichen Sprung zwischen den Kapiteln und plötzlich kümmerte sich Nick hingebungsvoll um diese Kinder. Da fehlte mir zu oft der Bezug zu manchen Wendungen und Ereignissen. Auch die Reise von Nick durch Europa (durch Frankreich, über die Alpen nach Italien) geschah in einem Kapitelsprung und wurde binnen einer Seite in einer Erzählung von Nick an dessen Sohn abgehandelt. Schade drum.

FAZIT: Gewohnt flüssig und schön geschrieben, wie ich es von Rebecca Gablè gewohnt bin. Inhaltlich bleibt der Roman aber hinter meinen Erwartungen zurück. Insbesondere in Anbetracht der bisherigen 3 Teile. Mir fehlte der direkte Bezug der Hauptperson zum eigentlichen Geschehen (Henry VIII, Reformation usw.) da der Protagonist eigentlich nie selbst am geschichtlichen Geschehen teilnahm. Auch die zu starke Konzentration auf Henrys Tocher Mary langweilte mich auf Dauer doch sehr. Dem Protagonisten fehlt deutlich das Charisma seiner Vorgänger (die man automatisch ins Herz schloss), und die Erwähnungen der Familiengeschichte bleiben nebulöse Anekdoten. Ebenso wie die verwandschaftlichen Beziehungen zu anderen Charakteren.
Hier wäre meines Erachtens doch mehr Potenzial vorhanden gewesen.
Trotzdem ein passables Buch und ich habe es gern gelesen.

Sollte es einen 5. Roman zur Waringham-Saga (Königin Elizabeth I., der Weg zur Seemacht, der Kampf mit Spanien um die Seeherrschaft, Francis Drake, Maria Stuart usw....) geben würde ich mich sehr freuen, denn hier gibt es meines Erachtens noch mehr geschichtliches Potenzial, jedoch dann bitte wieder so spannend und fesselnd wie die ersten Teile der Reihe!
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am 29. November 2011
Die Bücher von Rebecca Gablé haben etwas wunderbar Zuverlässiges an sich - alle zwei Jahre gibt es da dieses verregnete Herbstwochenende, an dem man in Gesellschaft ihres neuesten Romans die Welt, das Wetter und die Gegenwart vergessen darf. Die Dame schreibt gut informiert, flüssig und zuweilen mit einem kleinen Augenzwinkern. Und allzu gruselig wird's auch nicht, denn egal wie finster die Zeit, unser Held kommt immer durch und kehrt heim zu Frau, Familie und Enkelkindern. Sicher keine große Literatur, aber allerbeste Unterhaltung.

"Der dunkle Thron" ist dennoch eine Enttäuschung, und zwar sowohl aus historischer als auch aus erzählerischer Sicht. Aus historischer Sicht: Ganz schön mutig, mit Mary Tudor ausgerechnet jemanden zur historischen Hauptperson zu machen, der mit dem Beinamen "die Blutige" in die Geschichte eingegangen ist. Und ganz schön feige, an der Stelle abzubrechen, an der Marys Geschichte richtig interessant wird: Was zum Teufel ist denn bloß so katastrophal schief gegangen während ihrer Herrschaft, dass sie binnen fünf Jahren von einer vom Volk zur Krone getragenen Königin zu der Unperson mit dem obengenannten Beinamen wurde? "Der dunkle Thron" endet so, wie jeder Waringham-Roman endet, nämlich mit einer Krönung und allgemeiner Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung - kein Wort mehr über das, was danach geschah. Im Nachwort merkt Rebecca Gablé dann an, dass während Marys Herrschaft sicherlich das eine oder andere aus dem Ruder gelaufen sei. So kann man eine rekordverdächtige Zahl auf den Scheiterhaufen gebrachter Protestanten natürlich auch bezeichnen. Die spannende Frage, wie es dazu kommen konnte, bleibt unbeantwortet.
Fast bemitleidenswert: Marys Vater. Heinrich der Achte ist zwar alles andere als ein Sympathieträger, aber eine Darstellung, die etwas differenzierter ausfällt als die alte Geschichte vom bösartigen, frauenmordenden Fleischklops hätte er meiner Meinung nach schon verdient - insbesondere von einer Historikerin.

Enttäuschend aus erzählerischer Sicht: Waringham in jeder Beziehung. Protagonist Nick ist natürlich ein toller Kerl, zwar mit leichter Lernschwäche versehen, aber trotzdem mit vierzehn Jahren in der Lage, theologische Dispute zu führen, in denen er wie ein Vierzigjähriger klingt. In Zeiten der Reformation als einer der letzten Katholiken in England unterwegs, geht er selbstverständlich gegen die dunklen Seiten seines Glaubens an (lüsterne, raffgierige Priester) und kultiviert die Lektüre seiner verbotenen englischen Bibelübersetzung (aus Sicht seiner Freundin Mary eigentlich ein Grund, um auf dem Scheiterhaufen zu landen, siehe oben). Seine Kinder sind wohlgeraten, seine erste Gattin ist nicht ganz perfekt, die zweite ist hingegen so perfekt, dass sie auch perfekt wieder von der Bildfläche verschwindet, nachdem sie ihre Schuldigkeit für Liebesszenen und Nachwuchs getan hat.
Alle paar Seiten taucht jemand auf, der sich als entfernter Verwandter entpuppt, was dann in etwa so klingt: "Na klar, du bist der Enkel der Großtante der Nichte meines Urgroßvaters - also sind wir Vettern". Dann bricht auch noch jemand durch's Gebüsch, der Helmsby heißt. Nee, Freunde, also wirklich... Und gerade, wenn man sich fragt, wo eigentlich der männliche Verwandte bleibt, dessen gleichgeschlechtliche Neigungen für die Zeit ungewöhnlich verständnisvoll toleriert werden, erscheint wer? Na? Soviel zu den erzählerischen Überraschungseffekten.

Es gibt durchaus einige Charaktere und Szenen, die mir ein freundliches Lächeln entlockt haben. Aber es gibt mindestens genauso viele Szenen, die Seifenopernniveau haben (etwa wenn Nicky sich auf den letzten Seiten mit der entfremdeten Ex-Gattin versöhnen darf) oder schlichtweg albern sind (zum Beispiel die Diskussion um potentielle reformatorische Babynamen). Und dabei habe ich Sumpfhexe und Brechnuss noch gar nicht erwähnt! (Und werde es auch nicht tun, denn dies war für mich der verwirrendste Handlungsstrang des ganzen Buches - weil ich Brechnuss aus mir unerfindlichen Gründen sympathisch fand).

König Heinrichs Familiendrama bietet einen Stoff, bei dem man eigentlich gar nichts falsch machen kann. Da ist alles enthalten, was das Leserherz begehrt - Liebe, Hass, Eifersucht, Tragödie und himmelschreiende Ungerechtigkeit - und das Erstaunlichste am "Dunklen Thron" ist, dass davon im ganzen Buch nichts zu spüren ist. Der umso dramatischeren, weil wahren Geschichte gewinnt Rebecca Gablé keine neuen Facetten ab, die historischen Charaktere bleiben fern und oberflächlich, die fiktiven wie blasse Kopien aus den vorigen Romanen. Die kuschelige Waringham-Wohlfühl-Atmosphäre zieht sich durch den ganzen Roman, der letztendlich aber doch nur wie ein Flickenteppich aus den Vorgängern wirkt. Das Erfolgsrezept England+History+Waringham hat sich meinem Eindruck nach ganz enorm abgenutzt. Schade eigentlich, denn ich habe mich immer sehr auf das verregnete Lese-Wochenende im Herbst gefreut - aber nächstes Mal dann ohne mich.
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am 14. November 2013
Ein seichter historischer Roman, zwar flüssig geschrieben, aber mit den üblichen Kitsch-Mittelalter-Bildern überfrachtet. Die Tudors dienen über weite Strecken nur als Staffage, viele historische Ereignisse werden ausgelassen, nur beiläufig erwähnt oder sehr eigenartig dargestellt. Henry VIII. wird als böser Tyrann im Hintergrund beschrieben, Mary als eigentlich edel und gut, die nur durch die ständige Misshandlung durch ihren Vater radikalisiert wird - eine differenzierte historische Betrachtung sähe nun wirklich anders aus. Auch der Protagonist ging mir also Leser sehr bald auf die Nerven. Mit hohem moralischem Anspruch verurteilt er den wankelmütigen König und die kriecherischen Höflinge, dabei wird er selbst seinen eigenen Maßstäben keineswegs gerecht. Er ist aufbrausend, hochmütig und egoistisch, und selbstverständlich ist es bei ihm etwas ganz anderes, wenn er sich von seiner ersten Frau scheiden lassen will, um die schwangere Geliebte heiraten zu können! Dass dieser Protagonist angesichts derartiger Doppelmoral über mehr als 900 Seiten konstant als Held gezeichnet wurde, ließ das Buch noch länger scheinen, als es ohnehin schon war.
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am 5. März 2014
Die Saga geht weiter: Nicholas Waringham in den Wirren der Reformation im London des 16. Jhds

Klappentext

London 1529: Nach dem Tod seines Vaters erbt der vierzehnjährige Nick of Waringham eine heruntergewirtschaftete Baronie – und den unversöhnlichen Groll des Königs Henry VIII. Dieser will sich von der katholischen Kirche lossagen, um sich von der Königin scheiden zu lassen. Bald sind die „Papisten“, unter ihnen auch Henrys Tochter Mary, ihres Lebens nicht mehr sicher. Doch in den Wirren der Reformation setzen die Engländer ihre Hoffnungen auf Mary, und Nick schmiedet einen waghalsigen Plan, um die Prinzessin vor ihrem größten Feind zu beschützen: ihrem eigenen Vater …

Meine Meinung

Der vierte und vorerste letzte Teil der Waringham Saga. Man merkt sofort, dass seit dem letzten Band einige Zeit vergangen ist – in der Handlung, aber auch im Schreibstil. Da ich Band 3 ja grade erst gelesen habe, hat es einige Seiten gedauert, mich mit dem neuen Stil zurecht zu finden, denn auch wenn geschichtlich „nur“ ca. 70 Jahre vergangen sind, hat sich doch schon einiges anders entwickelt - vom Mittelalter zur Renaissance. Der Umgang der Menschen untereinander, die alten Adelsgeschlechter, die durch die Rosenkriege sehr dezimiert wurden, der lüsterne König Henry, mit einem wahrhaften Verschleiß an Gemahlinnen und natürlich die Kirchenreform, die sich in diesen Jahren immer mehr durchsetzt. Ich bin froh, die beiden Bände hintereinander gelesen zu haben, so dass ich die älteren Namens- und Verwandtschaftsverhältnisse noch im Kopf hatte und die kleinen Anmerkungen zu früheren Begebenheiten schnell einordnen konnte.

Nicholas Waringham hat es nicht leicht, denn dieses Mal geht es bei den Intrigen und Machtkämpfen am Hof nicht um die Feinde außerhalb, sondern innerhalb des Landes. Als Nicks Vater, wegen Ketzerei angeklagt, im Tower of London landet, ahnt er schon, dass noch etwas anderes dahinter steckt. Und er wäre kein Waringham, wenn er nicht mit Ehre und Pflichtgefühl seinem Glauben treu bleiben und dem Königshaus, vor allem der jungen Prinzessin Mary, bis zum bitteren Ende beistehen würde. Stur und eigensinnig bleibt er seinen Prinzipien treu und es dauert nicht lange, bis er in das Visier des Königs gerät. Noch dazu muss er sich um das herunter gewirtschaftete Gut Waringham und die geliebte Pferdezucht kümmern, was nicht leicht ist, wenn die verhasste Stiefmutter ständig dazwischen pfuscht.

Aber auch die anderen Charaktere sind wieder sehr anschaulich und authentisch. Der kränkliche König Henry, der Lord Chancellor Thomas Cromwell, der aufopfernde Mentor von Nick Waringham Thomas More, die aufsässige Prinzessin Mary, um nur einige zu nennen. Ein bunt gemischter Haufen in einer farbenprächtigen Zeit, in der viele Veränderungen und Neuerungen stattgefunden haben. Es herrscht große Umbruchstimmung zu der Zeit - die sog. "Ketzer" erheben das Wort, Martin Luther wird bekannt und viel Altbewährtes gerät mehr und mehr in den Hintergrund; einiges an Etikette und Bräuchen fällt dem "Fortschritt" zum Opfer. Gerade zwischen Teil 3 und 4 spürt man eine deutliche Entwicklung zu dieser Zeit.

Einige Namen haben mich sofort an die Matthew Shardlake Reihe von C. J. Sansom erinnert. Die historischen Krimis spielen zur gleichen Zeit und viele Namen habe ich wiedererkannt, was ein besonderes Vergnügen für mich war :)

Insgesamt wieder ein imposantes Werk aus einer Zeit, deren Umstände und Sitten wir uns kaum noch vorstellen können. Doch obwohl es strikte Vorschriften bezüglich des Standes und harte Sanktionen gab, schienen sich die Menschen besser als gedacht damit zu arrangieren. Jeder fügte sich in seine „gottgegebene“ Rolle in der Gesellschaft ein und versuchte, sie so gut es ging zu erfüllen.

Ich freue mich sehr, dass ich auf der Website der Autorin gelesen habe, dass es mit der Saga weitergehen wird!

Fazit

Mal wieder hat es die Autorin gemeistert, uns eine schwierige, unbeständige Zeit im englischen Mittelalter in einem wunderbar spannenden Roman zu präsentieren. Mit einem König, der mit seinen ständig wechselnden Launen das Volk aufwiegelt, den Reformern, die einen Widerspruch zur christlichen Lehre fördern und den Papisten, die an den altbewährten Glaubensrichtlinien festhalten wollen – und mittendrin Nicholas Waringham, der seinen Ahnen mit Loyalität und Pflichtbewusstsein wieder alle Ehre macht.

© Aleshanee
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Band 1: Das Lächeln der Fortuna
Band 2: Die Hüter der Rose
Band 3: Das Spiel der Könige
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