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5.0 von 5 Sternen La Mettries Geiseln
Gottlieb Zürn oder Wilhelm Krall, eine bereits vertraute Romanfigur aus Walsers früheren Romanen „Das Schwanenhaus" und „Die Jagd", ist Exmakler und Hobbyphilosoph, lebt zurückgezogen mit seiner Frau Anna am Bodensee. Doch das schier ruhige, erholsame Leben gerät durch den Besuch einer jungen Studentin aus Kalifornien namens Beate Gutbrod...
Veröffentlicht am 3. November 2005 von konstantinostzivanopoulos

versus
10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Reichlich pubertär
Walser, Martin, Der Augenblick der Liebe, 2004

Aus meiner Sicht ein Flop.

Aufhänger für diesen Roman ist La Mettrie, materialistischer Philosoph der Aufklärung, der jeglichen ideellen, transzendenten Überbau zugunsten der unmittelbaren, körperlichen, konkreten Erfahrung ablehnte. Entsprechend hedonistisch, entsprechend...
Veröffentlicht am 4. November 2007 von Diethelm Thom


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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Reichlich pubertär, 4. November 2007
Von 
Diethelm Thom - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Augenblick der Liebe (Taschenbuch)
Walser, Martin, Der Augenblick der Liebe, 2004

Aus meiner Sicht ein Flop.

Aufhänger für diesen Roman ist La Mettrie, materialistischer Philosoph der Aufklärung, der jeglichen ideellen, transzendenten Überbau zugunsten der unmittelbaren, körperlichen, konkreten Erfahrung ablehnte. Entsprechend hedonistisch, entsprechend abgelehnt von Männern wie Lessing und Diderot. Umso mehr aber geschätzt vom Protagonisten Wendelin Krall/Gottlieb Zürn, über 60, verheiratet mit Anna, 4 Töchter (wie der wirkliche Walser). Wendelin/Gottlieb hat unter diesen Pseudonymen in seiner Vergangenheit 2 Aufsätze über La Mettrie veröffentlicht, Beate, eine Doktorandin aus North Carolina, sucht ihn deswegen in seinem Heim am Bodensee auf, um ihm dazu nach so vielen Jahren einige Fragen zu stellen, die für ihre Dissertation relevant sind. Diese kurze Begegnung genügt, um die beiden per Brief und Telefon so füreinander zu entzünden, dass sie es kaum erwarten können, sich zu treffen und übereinander herzufallen. Der Zeitpunkt dafür ist eine Konferenz über La Mettrie in San Francisco, zu der Wendelin noch einmal einen Aufsatz schreiben muss, der dann im Roman abgedruckt ist - so bekommt der Leser auch einen Eindruck von dessen Philosophie, die sich die beiden Protagonisten längst zueigen gemacht haben. Im 2.Teil des Romans wird die tatsächliche Begegnung des ungleichen Paars in den USA beschrieben. Wendelin ist nach einigen heftigen Sexszenen mit Beate bereits reif für die Heimat: Er denkt zunehmend an Anna und seine Familie, so dass er zweimal den Termin für den Rückflug vorverlegt und wieder verschwindet, eine bestürzte Beate zurücklassend, die ihn am liebsten geheiratet hätte. 3.Teil: Kehre: Dieser Teil schildert zunächst Wendelins Rückkehr zu Anna: Er erobert sie neu mit einem ganz neuen Feuer, aber schon nach kurzer Zeit geraten beide wieder in alte Routine zurück, sodass Wendelin schon bald wieder anfängt, sich nach Beate zu sehnen, bis er sie erneut anruft, aber nicht mehr erreicht. Er wird benachrichtigt, dass sie einen Kommilitonen geheiratet hat. Zurück bleibt ein ungetrösteter, trostloser Wendelin, der am Altwerden verzweifelt.
Die Protagonisten wollen La Mettries Philosophie leben, aber die Ereignisse widersprechen dem dauernd: In Teil 1 ist die konkrete Erfahrung auf eine kurze Begegnung beschränkt, der Rest ist Überbau, Illusion, Fantasieentzündung. In 2 zeigt sich, dass Wendelin der konkreten Erfahrung nicht im Entferntesten standhalten kann. Ebensowenig kann er in Teil 3 seiner Beziehung zu Anna eine neue Qualität verleihen, jedes Mal hängt der Held in erster Linie seinen Fantasien und Sehnsüchten nach.
Was mich enttäuscht: Wendelin wertet die konkrete, körperliche Erfahrung auf, nur sie lässt er gelten, wendet sich damit gegen Konvention, Religion, Moral, Verantwortung. Aber es zeigt sich, dass er die Erfahrungen, die sein Körper macht, nicht auswertet: Er fragt sich nicht, warum er es bei Beate nicht aushält, nicht einmal spielt eine Rolle, was Anna von der ganzen Show hält, Wendelin untersucht auch nicht, warum er Anna nach seiner Rückkehr so euphorisch gegenübertritt (Schuldgefühle?), geschweige denn, dass Anna misstrauisch wird. Es handelt sich also immer eher um Wunschprojektionen des Protagonisten als um den Versuch einer objektiven Darstellung, diese Projektionen werden indes auf bekannt virtuose Art und Weise verbalisiert.. Sicher, Literatur kann das und darf das, aber sie ist deswegen nicht überzeugend. Immer geht es für den Helden nur um sich selbst, um seine Lust. Insofern wirkt er reichlich pubertär und narzisstisch. Dies hat auch Auswirkungen auf die Darstellung: Wenn der Erzähler im ersten Teil aus Beates Sicht schreibt, so hören wir doch immer nur Wendelin/Walser. Walser agiert möglicherweise seine Altersängste und sexuellen Fantasien aus und schwimmt somit auf dem breiten Strom der Zeit. Die Komplexität und Tiefe, die sich für den kritischen Leser auftut, muss von diesem selbst ausgelotet werden, im dialektischen Prozess gewissermaßen, aber es ist überhaupt nicht sicher, dass Walser dies beabsichtigt. Eher lässt sich vermuten, dass er sich nur distanzlos selbst mit dieser Figur identifiziert hat, er macht sich ja kaum noch Mühe, die autobiografischen Bezüge zu verschleiern.
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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen La Mettries Geiseln, 3. November 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Augenblick der Liebe (Gebundene Ausgabe)
Gottlieb Zürn oder Wilhelm Krall, eine bereits vertraute Romanfigur aus Walsers früheren Romanen „Das Schwanenhaus" und „Die Jagd", ist Exmakler und Hobbyphilosoph, lebt zurückgezogen mit seiner Frau Anna am Bodensee. Doch das schier ruhige, erholsame Leben gerät durch den Besuch einer jungen Studentin aus Kalifornien namens Beate Gutbrod aus den Fugen und nimmt sowohl philosophische, als auch höchst erotische Gestalt an:
Beate verbindet ihren Aufenthalt bei ihrer Großtante am Bodensee geschickt mit einem Besuch bei dem Privatgelehrten Gottlieb Zürn alias Wilhelm Krall. Im Mittelpunkt des Treffens steht eine mitgebrachte Sonnenblume. Anfangs sollte sie nur ein Geschenk an das Hause Zürn oder Krall - das kann sich der Leser aussuchen - sein, doch schon bald dient die Blume als Brücke, besser gesagt, als Nährboden einer beginnenden, zwischenmenschlichen Beziehung. Denn als Gottlieb die 25jährige das erste Mal erblickt, ist er hingerissen von ihrer Person und kann sie nicht mehr aus seinen Gedanken verdrängen. Sein ungeheuerliches Verlangen nach ihr lässt ihn sogar den Altersunterschied und völlig vergessen. Denn Gottlieb und Beate kommunizieren über einer weitaus höhere Ebene: die der Philosophie. Doch damit nicht genug. Seine Phantasien treiben ihn sogar zur Selbstbefriedigung und zum versuchten Mord an Anna.
Geplagt von der räumlichen Trennung zu ihrem Wilhelm G. (so nennt Beate Gottlieb neuerdings), fädelt sie eine Reise zu einem wissenschaftlichen Kongress über den Philosophen La Mettrie (1709-1751) ein. Als Dienstreise und als deutscher La Mettrie Experte getarnt, folgt der Hobbyphilosoph der Einladung seiner Angebeteten und tritt die Reise in die Staaten an. Was kommt, wird vom Leser bereits erwartet: Eine Lovestory à la Hollywood. Viel Gefühl der beiden Protagonisten, verbunden mit körperlichen, sinnlichen und intellektuellen Zügen, die sich nicht immer in Einklang bringen lassen und den Leser emotional so richtig durchschütteln. Manchmal schwer zu erkennen, weist doch das ganze Buch kein einziges Satzzeichen auf, das eine direkte Rede einleitet. Zur Spitze treibt (schreibt) der 1927 in Wasserburg am Bodensee geborene Autor Martin Walser das ganze Spektakel erst durch das plötzliche Ausbleiben der sexuellen Kraft Gottliebs und der steigenden Angst, den Vortrag vor den Angehörigen der Universität von San Francisco zu vermasseln.
Vielleicht sind es autobiographische Züge, die Walser dazu bewegen, seine Romanfigur in ein derartig tiefes Loch fallen zu lassen? Spätestens als Gottlieb seine Stimme verliert und der Vortrag von seiner geliebten Beate gehalten werden muss, erlebt die Handlung ihre schon lang ersehnte Wendung: Zürn fühlt sich mit seinem Vortrag nicht richtig verstanden (der Walser-Kenner denkt hier an die Friedenspreisrede von 1998) und beschließt, die Rückreise nach Deutschland schon etwas früher anzutreten. Enttäuscht von Beate, lässt er sie fallen. Er erkennt, was er an seiner Frau Anna hat und freut sich umso mehr auf sie.
Der Autor teilt die Geschichte in vier Abschnitte, die der Leser sonst nur in klassischen Liebesdramen vorfindet: Kommen aber gehen (Erstes Date), Zusammenfinden (Kennen lernen und lieben lernen), Auseinanderkommen (Auseinanderleben), Kehre (Er- und Bekennen der Liebe). Für den einfachen Rezipienten eigentlich klar strukturiert, wären da nicht stellenweise Walsers Exkurse in die abstrakte Welt der Philosophie, die selbst einen Literaturkenner aussteigen lassen.
In „Der Augenblick der Liebe" wird, neben philosophischen und sexuellen Problemen, vor allem die Flucht aus dem Alltag hervorragend - wenn nicht immer gleich verständlich - geschildert. Droht das bürgerliche (Ehe)Leben monoton und langweilig zu werden, flüchtet mindestens ein Partner und versucht, sich meist mit erotischen Abenteuern, Abwechslung und Selbstbestätigung zu holen. Zumindest bleibt die geistige, zwischenmenschliche Beziehung aufrecht. So ganz nach der Philosophie La Mettries...
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Augenblick der "Sprachliebe", 19. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Augenblick der Liebe (Gebundene Ausgabe)
„Wäre es nicht ... eine Art Unmenschlichkeit, eine Rose verwelken zu lassen, ohne ihr die geringste Aufmerksamkeit geschenkt zu haben? Das ist La Mettrie." Dessen Lehre dient Martin Walser in seinem neuesten Buch als Auslöser für den Augenblick der Liebe. Alles beginnt mit dem Besuch einer amerikanischen Doktorandin namens Beate Gutbrod, die in „ihrem Leinenkleid - rostrot mit gelblichen Blumen -" der Hauptfigur Gottlieb Zürn den Kopf verdreht. Der ehemalige Immobilienhändler, bereits aus zwei früheren Romanen Walsers („Das Schwanenhaus" und „Jagd") bekannt, ist nun in die Jahre gekommen und versteht sich mit seiner Frau Anna umso besser, „je weniger sie mit einander reden". Beide kennen sich schon in- und auswendig und mittlerweile verwendet auch Gottlieb Annas Passepartoutwort. „Unglaublich".
Beate Gutbrod schreibt gerade an ihrer Dissertation über „La Mettries aufhaltsames Bekanntwerden in Deutschland". Da Gottlieb Zürn unter dem Pseudonym Wendelin Krall zwei Aufsätze („Vor Rousseau war La Mettrie" und „Alles eins") zu La Mettrie veröffentlicht hat, sucht sie ihn auf, in der Hoffnung mehr über den Philosophen zu erfahren. Nach zwei Stunden ist ihr Gespräch beendet und sie kehrt nach Amerika zurück. Sowohl Gottlieb als auch Beate sind voneinander angetan und es folgen endlose Telefonate und ein Briefwechsel, der sich nur auf Beates Träume bezieht. Walser illustriert Gottlieb und Beate als Freud und Dora.
Dieser Verweis auf die Traumanalyse Freuds verdeutlicht unter anderem die Kompetenz von Martin Walser auf dem Gebiet der Philosophie. Sein Wissen kommt nicht von ungefähr, denn Walser hat neben Literatur und Geschichte auch Philosophie studiert. Der Text „Entsprechen ist alles", den Gottlieb Zürn an Beates Universität beim internationalen La Mettrie-Kongress vortragen soll, beweist, dass Martin Walser in seinem Herzen auch ein wahrer Philosoph ist.
Gottlieb Zürn wird also von Beate nach Amerika eingeladen, wo beide ihrer Lust freien Lauf lassen. Die „Kunst, Wolllust zu empfinden", so der Titel eines Werks von La Mettrie, bleibt Gottlieb aber verwehrt. Unter Wolllust verstand La Mettrie eine wahrhaftige Ekstase, die nur der Wolllüstige, aber nicht der Wüstling erleben kann. Der Wolllüstige ist seelisch unversehrt und somit auch befriedigbar. Ein Wüstling hingegen hat die repressive Moral der Gesellschaft verinnerlicht und verletzt zwanghaft ihre Regeln. Gottlieb tat dies, indem er mit Beate schlief. Aufgrund seines Über-Ichs (Gewissen; Gebote und Verbote der Gesellschaft) soll er seiner Frau treu sein, aber er handelt absichtlich nicht danach. Dass ihn Schuldgefühle plagen, wird daraus ersichtlich, weil er nach jeweils vollzogenem Geschlechtsverkehr von seinen vier Töchtern zu erzählen anfängt. Als auch sein Vortrag zum Fiasko wird, verlegt er seinen Flug nach vor und verlässt Amerika am nächsten Tag. „Der Augenblick der Liebe" hat sein jähes Ende gefunden.
Diese Ehebruchsgeschichte erinnert in der Personenkonstellation und Thematik sehr an den Roman „Bleibtreu"(2003) von Martina Zöllner. Der einzige Unterschied ist die Perspektive, aus der erzählt wird. Während Walser die Geschichte aus der Sicht des alten Ehemannes schildert, ist es bei Martina Zöllner die junge Geliebte, die berichtet. Ob diese Ähnlichkeit auf Absicht beruht, ist unklar.
Martin Walser, 1927 in Wasserburg /Bodensee geboren, greift ein altbewährtes Thema auf und versucht es vor dem Hintergrund der Philosophie neu zu präsentieren. Die Idee an sich ist gut, nur werden ihr nicht alle Leser folgen können, da es nicht möglich ist, ohne ein philosophisches Vorwissen alle Gedankenstränge nachzuvollziehen.
Walser hat sich eingehend mit Julien Offray de La Mettrie, radikaler Materialist und Atheist, beschäftigt und hebt in „Der Augenblick der Liebe" seine Theorie der Schuldgefühle (théorie des remords) aus seinem Hauptwerk „Discours sur le bonheur" hervor.
„Jeder Versuch dich frei zu fühlen oder gar zu benehmen, mündete bis jetzt im Schuldgefühl. Das angeborene oder anerzogene Gewissen. Ob angeboren oder anerzogen, es ist die mächtigste, wachsamste, unerbittlichste, unbetrügbarste Regung, deren du fähig bist. Die Gegenwelt, deren Gefangener du von Anfang an bist, ist das Gute. [...] Du kannst den Mund nicht aufmachen gegen das Gute, ohne dir schlecht vorzukommen."
Der Roman lässt auch eine Doppelbödigkeit durchblicken, die nicht gleich jedem Leser auffallen wird. Die Theorie der Schuldgefühle bezieht sich nicht nur auf die Hauptfigur, sondern auch auf die Frage nach der deutschen Schuld (Zweiter Weltkrieg). Martin Walser hat selber am Zweiten Weltkrieg teilgenommen und verarbeitet dieses Erlebnis in seinen Werken. Er war auch Mitglied der Gruppe 47, mit der er sich für ein neues, demokratisches Deutschland einsetzte.
In „der Augenblick der Liebe" gibt Martin Walser viel Persönliches von sich preis:
Gottlieb Zürn ist mit ihm gealtert. Er hält den Vortrag über La Mettrie an der University of California, Berkeley, wo Walser Gastdozent war. Weiters spiegeln sich seine sprachlichen Kenntnisse im Roman wider. Hauptsächlich schrieb Walser auf Deutsch, aber auch englische und französische Stellen sind zu finden. Dadurch wird das Werk sehr authentisch. La Mettrie war Franzose und Beate Gutbrod ist Wahlamerikanerin. Für Leser, die weder Englisch noch Französisch können, gehen daher bestimmte Pointen unter. Aber Walsers Sprachgewandtheit und Sprachkreativität machen das wett. „Eine Sprache ist ja zuerst eine Melodie und erst dann ein System aus Grammatik und Wortbedeutungen". Martin Walser hat eindeutig das Talent zum Komponisten.
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erlebnishunger, 11. September 2004
Rezension bezieht sich auf: Der Augenblick der Liebe (Gebundene Ausgabe)
Ist es der Erlebnishunger älterer Männer, der sie in die Arme junger Frauen treibt? Wird Mann schon von einem Häppchen Liebe satt - vom Augenblick der Liebe? In Martin Walsers Roman „Der Augenblick der Liebe" gibt es keine eindeutigen Antworten auf diese Fragen. Aber zum Mitfühlen bleibt Raum. Eine kurze Zusammenfassung der Geschichte ergibt sich schon aus dem Inhaltsverzeichnis: die vier Kapitel heißen Kommen aber gehen, Zusammenfinden, Auseinanderkommen, Kehre.
Eine wunderbare Geschichte über die Liebe und gleichzeitig ein schönes Stück über den in Deutschland gar nicht so bekannten Philosophen La Mettrie. Am Ende des Buches bemerken ältere Herren, dass die Liebe zu jungen Mädchen nicht unangestrengt passiert, junge Mädchen spüren, dass die Jugend nicht alles gewinnt, Ehefrauen sind zufrieden darüber, wie sich alles zum Guten fügt und alle zusammen sind vielleicht neugierig geworden auf den Philosophen La Mettrie.
Martin Walser schreibt in einer altmodischen, literarischen Sprache - Gott sei Dank. Das bedeutet aber nicht, dass die Themen in einer altmodischen Art aufgenommen oder bewertet würden. Ganz im Gegenteil: seine Geschichte ist eine moderne, schnelle Geschichte. Wirklich schade, dass sie auf diesen 250 Seiten Platz gefunden hat. Man könnte noch ein paar hundert Seiten weiter lesen.
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43 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein echter Walser, 22. Juli 2004
Von 
Tobias Nazemi - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Augenblick der Liebe (Gebundene Ausgabe)
Der Augenblick der Liebe - schon beim Anblick des neuen Walsers im Buchladen hat er mich ergriffen. Ich bin verliebt - in dieses Buch. Und wie das so ist mit der Liebe: Man lässt dafür alles links liegen und schwelgt. Taucht ein, nimmt Teil, fühlt sich Zuhause.
Es ist wieder einmal ein echter Walser. Diese Sprache! Das kann nur er. Immer wieder bade ich in seinem Wortschatz. Was muss das für ein Mensch sein, der Dinge, Empfindungen so benennen kann? Mit unendlicher Leichtigkeit fliegt man durch die Seiten. Beseelt und bereichert.
Die Liebe, das ist Walsers Thema. Keiner kann das, was Menschen zueinander und auseinander bringt, so beschreiben wie er. Das Kosige, das sich Sehnen oder wie er es nennt: "Gluten" - das ist die Sprache der Liebe. Und daher ist alles stimmig in dieser nicht stimmigen Liebesgeschichte. Nichts ist konstruiert, alles ergibt sich und erlangt Zustimmung.
Man sucht danach und natürlich - überall in diesem Buch trifft man auf alte Bekannte. Walsers ewige Themen: Die männliche Zerrissenheit. Die Trauer über das Unmögliche, was möglich wäre, wenn das Mögliche nicht so unsagbar traurig wäre. Oder das Schweigen zwischen Mann und Frau. Diese Mauer aus Nichtgesagtem, die immer höher wird und nicht einstürzen darf, denn das wäre der sichere Tod. Und zuletzt natürlich die alte Wunde: Der Deutsche und seine Verantwortung. Diese Fessel des Geistes, die uns immer zuerst Deutsch und dann erst Mensch sein lässt.
Rowohlt hat sich beeilt, seinen neuen Star zu päsentieren. Und es ist ein schönes Buch geworden. Wenn ich an die lieblose Aufmachung der letzten Walser-Bücher denke - kein Klappentext, ein lebloser Rücken, einfach ausgedruckt und ins Regal gestellt. So behandelt man nicht einen der größten deutschen Autoren. es gibt so viele Menschen, die einfach blind sind. Für den Augenblick der Liebe.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen empfindsame Sprache, 16. November 2004
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Augenblick der Liebe (Gebundene Ausgabe)
Unterschiedliche Kritik zur Buchmesse hat mich auch wieder zu Walser geführt. Und es ist nichts, was sich ändert. Es ist der immer wieder sich selbst hinterfragende Ton in seinen Büchern, ein Ton, der den Helden in dieser Rolle niemals so erscheinen lässt. Es ist immer ein von Selbstzweifeln geplagter Mensch, ein Mensch, der sich an der Meinung anderer orientieren möchte, ja muss, der sich geliebt und gemocht sehen möchte, der jedoch aus Zweifel und missratender Selbstliebe niemals diesem Ziel näher kommen kann. Sein Sich-durch-andere-lebendig-fühlen bestimmt seine Haltung, ebenso wie er sich sieht im mehr intro- wie im gegensätzlich extravertierten.
Walsers ewige Themen: Die männliche Zerrissenheit, erlebt als Trauer über das Unmögliche, weil schon das Mögliche so unsagbar traurig erscheint. Und zuletzt natürlich die alte Wunde: Der Deutsche und seine Verantwortung. Und wie wieder alles der letzten Walser-Jahre zusammenkommt, Walser schreibt seine Biographie, versteckt und doch offen. Er ist sein Antiheld. Er ist Jenseits der Liebe immer noch in der Brandung und wird Ohne einander nicht sein können. Und es ist seine ? Altersliebe zu einer jungen Kollegin, gleich interessiert in die Aufklärung. Als Vertreter der Aufklärung hat er La Mettrie mit in den Augenblick der Liebe genommen und mir ist in lebhafter Erinnerung ein Zitat: Ich habe die Stärke gehabt zu vergessen, was ich aus Schwäche gelernt hatte (S. 70) Das spricht für Erkenntnis und Anpassung. Das spricht für den Willen zur Veränderung. Oder nur für den Zufall. Aber es war La Mettrie, der zitiert wurde, es ist La Mettrie, er ist der eigentliche Held und Walser führt uns in die Welt der Aufklärung. So sagt er: Inzwischen wacht das Gedächtnis über das Gewissen. Ob das lebensfeindlich ist, ist dem Gedächtnis egal." So gewinnt frühe Botschaft neue Aktualität, denn mit dieser Maxime ist Schuld eine Frage des Gedächtnisses und das Gewissen legt sich zur ruh. Kann es sein, dass hier die späte Rache wegen eines harten Tons gegen Walser zur Schuldfrage des Dritten Reiches von La Mettrie, oder Zürn stellvertretend geleistet werden musste? Nochmals: Der Deutsche in seiner Verantwortung. Und er hatte die Stärke zu vergessen......
Ja, warum Walser? Weil er einer ist, der mit Worten die Liebe, den Schmerz, die Sehnsucht einem so nahe bringt wie kein anderer. Der virtuos mit Sprache umgeht und den Leser auf eine Empfindungsreise bringt und ihn dann begleitet.
In einen Augenblick der Liebe.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Der alte Mann und die Langeweile, 23. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Augenblick der Liebe (Taschenbuch)
Ich gehöre zu den Menschen, die selten vorzeitig ein Kino verlassen oder ein angefangenes Buch in die Ecke legen. Im Rahmen meiner Beschäftigung mit dem Philosophen de la Mettrie bin ich auf den Walser-Roman gestoßen und - warum nicht -kaufte mir das Buch. Obwohl ich zu den Frauen gehöre, die sexuell mit älteren Männern nichts anfangen können, muss deshalb ein Buch zu diesem Thema nicht von vorneherein schlecht sein. Es war mein erstes Walser-Buch und ich erhoffte mir zumindest ein sprachliches Erlebnis. Nun mache ich es kurz: Ich fing an das Buch nach 4 Seiten genauen Lesens schneller durchzublättern, aber es blieb mit seinen Telegrammstilsätzen, der spießigen Grundstimmung und der langweiligen Handlung unerträglich. Ich kann das Buch leider niemandem empfehlen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen tiefstgründig..., 28. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Augenblick der Liebe (Taschenbuch)
eine (liebes)geschichte, deren inhalt für mich genausowenig nachvollziehbar ist, wie für mich auch ihr philosophischer hintergrund weitgehend im verborgenen bleibt. die um 40 jahre jüngere studentin mit dem alten mann... liebesrausch zwischen geistigen höhenflügen...
trotzdem habe ich manches interessante detail gefunden - vor allem hat mich martin walsers wortgewalt und sprachgeschicklichkeit beeindruckt. ein werk, dass fast nicht in eine andere sprache übersetzt werden kann, ohne einen großteil seiner wirkung einzubüßen.
... für liebhaber von tiefgründigem ein excellentes buch!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schrott, 16. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Augenblick der Liebe (Kindle Edition)
Ich hab ja schon viel gute Romane von Walser gelesen. Ehen in Philippsburg, Das Schwanenhaus, Finks Krieg sind echte Höhepunkte. Wann immer Walser eine Beziehungskiste mit Sex schreibt, wird's zum Krampf! So auch hier. Dass er seine sexuellen Phantasien auslebt, muss wohl am Alter liegen. Nach ca. 100 Seiten hatte ich die Nase voll. Walser ist für mich zunächst mal erledigt! Ich versteh' gar nicht, wieso die Literaturkritiker so einen Schrott hoch loben können. Vielleicht weil man's dem bisherigen Erfolg des Autors schuldig zu sein glaubt, oder weil man nicht als Banause dastehen will?
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herr Zürn oder Herr Krall''?, 29. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Augenblick der Liebe (Gebundene Ausgabe)
Herr Zürn oder Herr Krall....?

Fragt die junge Doktorandin die in einer Dissertation nachweisen will warum die Deutschen für den französische Philosophen La Mettrie nicht viel übrig hatten. Ihr Professor , Begründer der amerikanischen La Mettrie-Gesellschaft hat sie auf den Verfasser zweier Aufsätze eines Wendelin Krall - Synonym Gottlieb Zürn's - hingewiesen, den sie deswegen aufsucht, denn leicht zu übersetzen seien sie nicht.
Aus dieser Begegnung entspinnt sich eine "aus dem Moment heraus"-Beziehungsgeschichte, zwischen einem älteren Mann und einer jungen Frau, über Kontinente von der man ahnt, dass sie von kurzer Dauer sein wird. Seine Lieblings-La Mettrie-Stelle entspricht vielleicht grade deswegen seinen Empfindungen: "Se laisser doucement aller aux agréable impulsion de la nature" und gleichzeitig passend für ihn der Ausruf : "Quelle comédie !". Trotz "Klirren der Möglichkeiten" bleibt die Frage offen ob "Mann" so eine Affäre wirklich bereue oder ob sich gegen seine Überzeugung Schuldgefühle durchsetzen, wenn schliesslich auch die Realität ihn einholt.
Seine Ehefrau, so schliesst man, ahnt nicht nur, sondern weiss was folgen wird, bleibt wegen dieses Wissens gelassen, denn es ist eine Wiederholungsgeschichte.

Ein Lesegenuss nicht ausschliesslich für Walser-Begeisterte! Schilderung einer Lebenssituation in und zwischen und um die Zeilen herum. Lebenskunde eines Sprachkünstlers. Ein fünf-Sterne-Buch ganz klar, das sich jeder anschaffen sollte.
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Der Augenblick der Liebe von Martin Walser
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