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am 16. Juli 2012
Als großer Matt-Ruff-Fan habe ich mit Begeisterung auf das Erscheinen von "The Mirage" reagiert und mir das Buch sofort gekauft. Ich hatte - trotz der zum Teil verheerenden Verrisse, die ich in amerikanischen Online-Zeitungen gelesen hatte - allerhöchste Erwartungen an das Buch. Diese wurden zunächst auch nicht enttäuscht. Nachdem ich die ersten 150 Seiten gelesen hatte, war ich mir meines Urteils "Das beste Buch, das ich jemals gelesen habe" absolut sicher. Die Idee, eine Spiegelwelt rund um 9/11 zu schaffen, die nicht einfach nur die Verkehrung der tatsächlichen Verhältnisse darstellt, sondern wirklich eigenständig dahrkommt, ist einfach genial. Mit unglaublicher Deailfreude ("Libary of Alexandria") schafft Matt Ruff hier ein völlig eigenständiges (literarisches) Universum, das den Vergleich mit seinen bisherigen Büchern und großer Weltliteratur nicht scheuen muss.

ABER: Das Lob gilt nur für die ersten 2/3 des Buches. Denn ab einem bestimmten Punkt (als die Protagonisten nach Washington reisen) habe ich mich bis zum Ende der Lektüre nur noch durch das Buch gequält. Die Geschichte wird dünner und dünner, der Spannungsbogen nimmt auf unerträgliche Weise ab, die Charaktere verflachen zusehens und als Leser habe ich den Eindruck bekommen, das Matt Ruff völlig überfordert damit ist, seiner Geschichte zu einem runden Ende zu verhelfen. Stattdessen flüchtet er sich in wilde Verschwörungstheorien, Andeutungen und Träume. Die Handlung wird zäher und zäher, der Leser wartet auf einen finalen Höhepunkt, der niemals kommt und am Ende bleiben alle Fäden der Geschichte lose liegen.

Irgendwann beim Lesen des letzten Drittels kam mir der Gedanke, dass "The Mirage" für mich in dieselbe Kategorie wie "Bad Monkeys" fällt. Letzteres war das erste Matt-Ruff-Buch, das mir absolut nicht gefiel und das ich kein zweites Mal aus dem Regal nehmen werde - ganz im Vergleich zu Matt Ruffs vorherigen Romanen, die ich zum Teil schon zehn Mal und mehr gelesen habe. Beide Romane spielen mit der Idee, dass "Wirklichkeit" keine feste Größe ist, sondern sich je nach dem Blickwinkel des jeweiligen Betrachters verändert - Motto: Realität ist, was man sich schafft. Eigentlich finde ich diesen Gedanken als Grundidee für einen Roman sehr reizvoll - und so, wie er beispielsweise in "Ich, und die anderen" umgesetzt wurde, auch literarisch sehr gelungen. In "Bad Monkeys" hat der Autor es jedoch erstmals nicht geschafft, diese Grundidee in eine lesenswerte, in sich abgeschlossenen Geschichte einzubetten. Mit dem Ergebnis, dass der Roman den Leser irgendwie ratlos und unbefriedigt zurücklässt. Zudem habe ich den Eindruck, beide Romane sind an ihren eigenen Ansprüchen gescheitert. Dieses Urteil muss ich leider auch für "The Mirage" fällen - ein Buch, das in meinem Regal wohl auch verstauben wird. Leider.

Mein Fazit: Als Adler gestartet, als Ente gelandet. Wer "Bad Monkeys" mochte, wird "The Mirage" auch mit großem Vergnügen lesen. Wer jedoch Matt Ruffs "Fool on the Hill", "G.A.S." und "Ich, und die anderen" gerne gelesen hat, wird mit "The Mirage" nicht glücklich werden.
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Am 09. November 2001 steuern christliche Fundamental-Terroristen Flugzeuge in die Wolkenkratzer der UAS-Metropole Bagdad, ermorden damit Tausende von Menschen und erschüttern die wirtschaftliche und militärische Supermacht United Arab States bis ins Mark. Der Gegenschlag lässt nicht lange auf sich warten und so beginnt man mit dem Verbündeten Israel die Invasion Amerikas, einem unbedeutenden Drittweltland, das als Drahtzieher der Anschläge und Heimat der Terroristen vermutet wird.

Acht Jahre später ist die angestrebte Zivilisierung Amerikas und Überführung in eine Demokratie immer noch nicht abgeschlossen und die Gefahr von Terroranschlägen im eigenen Land unverändert hoch. Mustafa, Amal und Samir arbeiten für Homeland Security und es gelingt ihnen, einen christlichen Selbstmordattentäter dingfest zu machen, der eine unglaubliche Geschichte zu erzählen hat: In Wahrheit wäre Amerika die fortschrittliche Supermacht und die zerstrittenen arabischen Länder befänden sich auf unterentwickeltem Niveau, als Beweis zeigt er den Ermittlern eine amerikanische Zeitung vom 12. September 2001.

Mustafa und seine Kollegen bekommen von höchster Stelle der Regierung den Auftrag, diesen mysteriösen Fall zu untersuchen und stoßen schon bald auf weitere Spuren: Der dubiose Unterweltsboss Saddam Hussein ersteigert regelmäßig im Internet Artefakte aus der vermeintlichen Parallelwelt und auch Senator Osama bin Laden, dem enge Verbindungen zum Geheimbund Al Kaida nachgesagt werden scheint daran sehr interessiert. Eine Reise nach Amerika soll schließlich des Rätsels Lösung bringen...

Matt Ruff hat es wieder einmal geschafft, seine Fans mit dieser fantastischen Geschichte zu überraschen und begeistert wie gewohnt mit einem mitreißenden Plot, dessen Details liebevoll sorgfältig ausgearbeitet sind: Die beliebteste TV-Serie der UAS ist der Echtzeit-Thriller "24/7 Jihad", die Musik-Charts werden angeführt von der Punk-Band Green Desert mit ihrem Hit "Arabian Idiot" und der Gouverneur des Libanon war in seinem früheren Leben ein populärer Action-Filmheld. Und natürlich fehlen auch nicht die Protagonisten auf der anderen Seite, zu viel soll hier allerdings nicht preisgegeben werden.

Indem der Autor die persönlichen Geschichten der drei Hauptfiguren mit den politischen Bedingungen verknüpft, zeigt er auch den ganz normalen Alltag in einem islamischen Land, das hin- und hergerissen ist zwischen Säkularisierungsbemühungen moderner Aufklärung und reaktionärer Reglementierung der traditionellen Religion, eben ganz so wie heute in den realen USA. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass Matt Ruff auch in seinem neuen Werk mit sprachgewaltigem Wortwitz glänzt, Bücher wie diese sorgen beim Leser für ungetrübte Freude!
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am 23. März 2012
Die Idee von Matt Ruffs neuestem Buch klang spannend und so startete die Geschichte auch ... aber je länger die Story dauerte, um so abstruser und konstruierter wurde sie und ich angenervter. So ca. nach 60-70 Prozent des Buches (für die ich mich mehrere Wochen quälte) war ich geneigt, es zur Seite zu legen - habe ich ehrlich gesagt auch, um dann erst mal ein Buch ähnlichen Seitenumfangs, in knapp einem Tag durchzulesen.

Handlungsstränge zu den Hauptcharakteren scheinen reingezwängt, aber ohne wirklichen Mehrwert und andere verebbten, obwohl man das Gefühl hat, da wäre noch mehr drin gewesen.

Zudem hatte man oftmals das Gefühl eher ein Drehbuch für einen Hollywood-Actionstreifen zu lesen. Kampfszenen gab es reichlich und diese wurden auch ausgiebigst geschildert. Mich persönlich nerven und langweilen solche "Szenen" immens. Meiner Meinung nach, hätte Matt Ruff stattdessen ein bißchen mehr Zeit in das Ende der Geschichte investieren können. - Das hat mich in seinem Grad an Einfallslosigkeit kaum noch überrascht, sondern das Gefühl der Langeweile optimal abgerundet.

Wie gesagt, die Idee an sich ist schon ganz toll, aber meines Erachtens hätte man da mehr rausholen können, auch wenn die anderen Leser mit den überschwenglichen Rezensionen das wohl anders sehen.
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am 30. März 2012
Wie sehnsüchtig hab ich auf dieses Buch gewartet. Wie sehr hab ich mich auf die pointierte Sprache Matt Ruffs gefreut. Wie sehr hab ich befürchtet, zu hohe Erwartungen zu haben.

In kongenialer Zusammenarbeit mit seiner Frau Lisa, die eine begnadete Rechercheurin ist, hat Matt Ruff hier ein Werk geschaffen, das nicht nur die jüngste Amerikanische Geschichte spiegelt, sondern uns allen einen Spiegel vor die Nase hält. Die Frage "what if?" sollten wir uns alle von Zeit zu Zeit stellen. Und er stellt sie sich und uns in unzensierter Weise. Wie tolerant sind wir wirklich? Wie viel wissen wir über die vermeintlichen Feinde der Demokratie? Was wäre, wenn alles genau anders rum geschehen wäre, in Bagdad, am 9.11.2001?

Ruffs Fans werden nicht enttäuscht. Diesmal keine erfundene Welt, keine Welt im Kopf, keine Welt im Untergrund, sondern eine Welt, die im Prinzip so sein könnte. Er traut sich raus aus der Phantasie, ohne sie zu verlieren. Matt Ruff wird erwachsen. Ein Amerikaner, der in der Lage ist, sein Land genug zu lieben, um es kritisch zu sehen. Und ein Mann, der Sprache atmet und weiß, sie zu verwenden. Kein moralischer Zeigefinger ist nötig, um uns zu animieren, unsere Vorurteile in Frage zu stellen. Was wäre wenn? Mehr als diese Frage war nicht nötig, um Matt Ruff zu motivieren. Eine kleine Frage, eine große Geschichte. Und eine überraschende Wendung.

Was, wenn ich nie über das bunte Cover der Deutschen TB-Ausgabe von "Fool on the Hill" gestolpert wäre? Wäre mein Lieblingsautor mir trotzdem begegnet? Ich mag mir einen Bücherschrank ohne Matt Ruff nicht mehr vorstellen.
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am 19. März 2012
Wie sehnsüchtig hab ich auf dieses Buch gewartet. Wie sehr hab ich mich auf die pointierte Sprache Matt Ruffs gefreut. Wie sehr hab ich befürchtet, zu hohe Erwartungen zu haben.

In kongenialer Zusammenarbeit mit seiner Frau Lisa, die eine begnadete Rechercheurin ist, hat Matt Ruff hier ein Werk geschaffen, das nicht nur die jüngste Amerikanische Geschichte spiegelt, sondern uns allen einen Spiegel vor die Nase hält. Die Frage "what if?" sollten wir uns alle von Zeit zu Zeit stellen. Und er stellt sie sich und uns in unzensierter Weise. Wie tolerant sind wir wirklich? Wie viel wissen wir über die vermeintlichen Feinde der Demokratie? Was wäre, wenn alles genau anders rum geschehen wäre, in Bagdad, am 9.11.2001?

Ruffs Fans werden nicht enttäuscht. Diesmal keine erfundene Welt, keine Welt im Kopf, keine Welt im Untergrund, sondern eine Welt, die im Prinzip so sein könnte. Er traut sich raus aus der Phantasie, ohne sie zu verlieren. Matt Ruff wird erwachsen. Ein Amerikaner, der in der Lage ist, sein Land genug zu lieben, um es kritisch zu sehen. Und ein Mann, der Sprache liebt und weiß, sie zu verwenden. Kein moralischer Zeigefinger ist nötig, um uns zu animieren, unsere Vorurteile in Frage zu stellen. Was wäre wenn? Mehr als diese Frage war nicht nötig, um Matt Ruff zu motivieren. Eine kleine Frage, eine große Geschichte.

Was, wenn ich nie über das bunte Cover der Deutschen TB-Ausgabe von "Fool on the Hill" gestolpert wäre? Wäre mein Lieblingsautor mir trotzdem begegnet? Ich mag mir einen Bücherschrank ohne Matt Ruff nicht mehr vorstellen.
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It is a world parallel to ours and the Osman Empire has profited from the Industrial Revolution and so most European countries have stayed in obscurity while the States of Northern America never formed a big Union as we know it. Then, in 2001 on the nith of November Christian fundamentalists hijack four planes and three of those destroy Arab landmarks motivating the United Arabian States to declare a War on Terrorism.
In 2009 an investigator for Homeland Security hears about claims of terrorists, that they know about another world, where there is a USA, which is a superpower, lording it over the Middle East. Investigating, he finds some very strange things.

Funny, terryfying and thought-provocing, all at the same time. This book challenges preconception and again and again asks the question what people could be in other circumstances than the ones they live in. Mr. Ruff will make some enemies on several sides of several conflicts with this title, so it's very well worth the time to read it.
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am 16. Februar 2012
Es ist der 9. November 2011 und mehrere entführte Flugzeuge nehmen nicht Kurs auf New York, sondern treffen ein anderes paar Türme: In Bagdad...

Die Welt ist eine andere. Die Vereinigten Arabischen Staaten sind nun plötzlich die Supermacht die sich gegen christlichen Terror wehren muss, die USA hat es in der uns bekannten Form nie gegeben. Die Spiegelwelt die der Autor hier erschaffen hat ist bekannt und zugleich so anders, dass es einem den Atem raubt. Es ist faszinierend mit was für einer Fantasie hier die Seiten verkehrt werden. Trotzdem sind alle Veränderungen in der Realität gegründet und plausibel. Es macht wirklich Spaß all die versteckten Ostereier in der Story zu suchen und zu finden.

In der Hauptgeschichte begleiten wir den Agenten der arabischen Homeland Security Mustafa und seine Kollegen Samir und Amal bei ihrer Hauptaufgabe: Der Bekämpfung von christlichen Terroristen. Doch schnell werden sie bei den Ermittlungen in das Geheimnis des Golf-Syndroms verwickelt. Die betroffenen haben häufig (Tag-)Träume von einer anderen Welt in der alles ganz anders ist und sind sich sicher in der "falschen" Realität zu sein. Bald beginnt auch Mustafa an der Realität zu zweifeln...

Am besten gelungen sind für mich die Auszüge aus der "Library of Alexandria" Datenbank - der Spiegelwelt-Version von Wikipedia - in der die neue Welt erklärt wird.

Was wie ein Thriller beginnt führt zu einer überraschenden Auflösung. Das Buch ist allein für die großartige Paralellwelt lesenswert.
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am 16. April 2012
Ich habe gesehen, dass ein neuer Matt Ruff erschienen ist und ihn sofort blind bestellt. Sofort nach dem Aufreißen des Pakets habe ich mit zugekniffenen Augen den Schutzumschlag entfernt und versteckt... Ich wollte mich überraschen lassen, und die doofen Klappentexte verraten einem ja manchmal die halbe Handlung eines Romans.

Und es hat sich gelohnt! Überraschend, witzig, dabei aber glaubhaft und nachdenklich stimmend - trotz der wieder mal eigentlich echt abgefahrenen Story ist dies vielleicht der realistischste Ruff-Roman bisher. Man kann sich in die Hauptcharaktere hineinfühlen, und die Schurken sind echt böse...

Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Roman von Matt Ruff.
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am 27. April 2013
Die Welt steht Kopf. Die führende Weltmacht sind die UAS, die United Arab States, und deren Tigris & Euphrates World Trade Towers in Baghdad wurden von christlichen Fundamentalisten aus dem hinterwäldlerischen Gottesstaat Amerika bei einem Selbstmordangriff am 9. November 2001 zerstört. Dies führt zu einem Krieg gegen den Terror und einem Einmarsch arabischer Truppen in Amerika. Israel wurde unterdessen im geteilten Deutschland gegründet mit Berlin als Hauptstadt, nachdem der zweite Weltkrieg durch Eingreifen der UAS beendet werden konnte.

Mustafa al Baghdadi und seine Kollegen von der Arab Homeland Security finden immer mehr Hinweise auf eine Vertuschungsaktion. Von ihnen gefangene Attentäter werden von vom Geheimdienst, Al Qaeda, unter Führung von Osama bin Laden abtransportiert und verschwinden für immer. Was zurückbleibt sind übereinstimmende Aussagen der Gefangenen, dass die Welt in der sie alle leben, eine Fata Morgana sei. In der realen Welt, wäre die USA die Supermacht. Einige Fundstücke, wie eine Ausgabe der New York Times, die Ground Zero zeigt und beschreibt, belegen diese Behauptungen. Die Attentäter gehen davon aus, dass sie von Gott mit dieser verdrehten Welt unter arabischer Führung bestraft werden.

Verwirrt und von allen Seiten verfolgt versuchen die Agenten der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Ihr Weg führt sie unter anderem ins Kriegsgebiet von Amerika, wo sie herausfinden, wie die Artefakte aus der anderen Realität zu ihnen in die Welt gelangen können. Eine Erklärung, die ihre Realität endgültig in Frage stellt. Welche höheren Mächte sind hier am Werk? Und wie passen gerade sie in die Ereigniskette hinein? Und was will Gangsterboss Saddam Hussein so dringend mit einer antiken Batterie, dass dafür Leichen die Straßen von Baghdad pflastern?

Matt Ruff schreibt außergewöhnlich ungewöhnliche Bücher und The Mirage gehört definitiv dazu. Bekannte Persönlichkeiten aus der arabischen Welt treten in der alternativen Realität in völlig neuen Rollen in Erscheinung, wobei sich an ihrem Charakter kaum etwas geändert zu haben scheint. Das Problem dem sich die Protagonisten gegenüberstehen ist auch einmalig: Wollen sie die Welt zurückversetzen zu einem Zustand in dem ihre eigene Nation nicht mehr Weltmacht ist? Können sie das überhaupt? Und wer ist eigentlich für all das verantwortlich? Bereichert wird das Buch von Wikipedia-artigen Ausschnitten aus der arabischen Online-Enzyklopädie The Library of Alexandria. Diese geben einen tieferen Einblick in die UAS und die Ereignisse in der alternativen Realität. Insgesamt ist es mehr Spiegel der Welt als eine Parodie darauf und bietet viel Stoff zum Nachdenken, ohne dass dabei Humor, menschliche Erfahrungen und Tragödien und natürlich eine gehörige Portion Spannung zu kurz kommen.
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am 17. April 2012
Bei "The Mirage" handelt es sich um das fünfte Buch von Matt Ruff, der es seinen Fans ja nicht allzu leicht macht, weil er nur alle paar Jahre mal was veröffentlicht. Aber immerhin sind seine Werke immer zumindest lesenswert, und auch beim neuen Roman ist ihm ein sehr guter Wurf gelungen. Dieses mal hat er sich für eine Alternativweltgeschichte entschieden, und das Werk ist sicher eines der besseren in diesem Subgenre.

In dem Buch baut Ruff eine Welt auf, in der einiges anders gelaufen ist als in unserer Realität, sodass im Endeffekt der arabische Raum zwar ähnlich stark vom Islam geprägt, aber dennoch gesellschaftlich wesentlich näher an unserer westlichen Welt ist als wir das kennen. Dafür existieren keine USA, und die (in unserer Welt) US-nahen europäischen Länder sowie das, was sich lt. Ruff in Nordamerika so entwickelt hat, sind rückständige Hinterwäldlerstaaten, in denen der Terrorismus fruchtbaren Boden findet. Dabei verzichtet Ruff darauf, einen genauen Zeitpunkt anzugeben, ab dem sich die Geschichte in seinem Buch von unserer Realität abgespalten hat, aber verschiedene Informationen aus dem immer wieder vorkommenden Wikipedia-Pendant "Library of Alexandria" zeigen, dass schon vor Jahrzehnten einiges anders gelaufen ist.

Reizvoll sind an der Geschichte - abgesehen davon, dass sie funktioniert, spannend und schlüssig ist und es erzähltechnisch nichts zu meckern gibt - meines Erachtens vor allem die Parallelen, die Ruff zu unserer Welt einbaut, z.B. die Entwicklung Israels sowie die einzelnen Personen, die es in beiden Realitäten gibt. Er hat zwar die Charaktere nicht verändert, wohl aber die Umgebung, in der sie wirken, woraus sich interessante Gedankenexperimente ergeben. Mir persönlich hat sehr gut gefallen, als Lyndon B. Johnson ein wenig über seine Rolle und seine Eigenschaft als Texaner phantasiert, was den handelnden Personen zwar nix sagt, aber für den Leser als netter Seitenhieb auf die Familie Bush identifizierbar ist.

Nachdem ich von "Bad Monkeys" ein wenig enttäuscht war, hat mich Ruff mit seinem neuen Buch wieder versöhnt, er ist damit zumindest wieder in der Form, in der er bei "Set this house in order" war. (Auch wenn wir auf einen ebenbürtigen Nachfolger von "Fool on the Hill" wohl nicht mehr warten brauchen.)

Lesetipp für Alternativweltgeschichtenfreunde: Vaterland von Robert Harris.
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