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3,9 von 5 Sternen
Die Liebeshandlung
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. Juni 2012
Ich habe jahrelang ungeduldig auf einen neuen Roman von Eugenides gewartet, und es hat sich vollauf gelohnt!!! Wieder einmal schafft er es, verschiedene Stränge und Ebenen grandios zu verbinden. Besonders beeindruckt hat mich die wirklich eindrückliche Schilderung des Verlaufs einer manisch-depressiven Erkrankung. Als eine, die seit Jahren u.a. mit Menschen arbeitet, die diese Erkrankung haben, ist mir eine solch plastische, einfühlsame Beschreibung des Verlaufs und der Reaktionen und Schwierigkeiten des Erkrankten selbst sowie seiner Umwelt bisher nicht untergekommen.
Ganz abgesehen davon besticht der Roman durch wunderbare Sprache, Humor und Feingefühl.
Ich warte bereits wieder ungeduldig auf das nächste Werk Eugenides`.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Joffrey Eugenides, der große amerikanische Erfolgsautor, interessierte sich in seinen beiden bisherigen Romanen für die "Spielarten und Wege der Liebe" und die "Modalitäten des Geschlechts". Für sein großartiges Einwanderer Epos "Middlesex" erhielt er den Pulitzer Preis und lange hat man danach auf seinen neuen Roman gewartet. Die "Liebeshandlung", im Original "Marriage Plot", ist eine konsequente Fortschreibung seiner Romanvisionen. Es ist ein College Roman der in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts angesiedelt ist, in dem Eugenides, in einer amüsant satirischen Dreiecksgeschichte, scheinbar den Versuch unternimmt den viktorianischen Roman, die großen Liebesgeschichten des 19. Jahrhunderts, a la Jane Austen, Henry James, George Eliot und Edith Wharton mit allen Mitteln der Postmoderne ins 21. Jahrhundert hinüber zu retten. Unter diesem Aspekt ist es also auch ein Ideenroman, in dem er das growing up seiner Schriftstellergeneration, mit dem Streben die Glanzzeit der literarischen Postmoderne zu erobern, eindrucksvoll modifiziert spiegelt.

Es geht in dieser scheinbar klassischen Dreieckskonstellation, wie wir sie aus zahlreichen Filmen und Romanen kennen, um drei ehrgeizige Studenten die an einer der berühmtesten Universitäten der Welt, der Brown University in Providence, Rhode Island, ihren Abschluss machen. Eine Frau und zwei schwierige Männer in einer sexuell prickelnden Atmosphäre.

So wie wir es von den großen Erzählern des neunzehnten Jahrhunderts kennen, ist Eugenides sehr nah an den Figuren dran und lässt die Handlung, insbesondere die Suche der jungen Menschen nach dem Absoluten, dem Bedeutenden, dem Sinn des Lebens, da heraus entwickeln. So ist Madeleine Hannas Lieblingslektüre nicht, wie man annehmen könnte, "Stolz und Vorurteil" oder "Sinn und Sinnlichkeit", sondern Roland Barthes' "Fragmente einer Sprache der Liebe". Für ihre Anglistik- Examensarbeit thematisiert Madeleine Anthony Trollopes' Satz: "Es gibt kein Glück in der Liebe, außer am Ende eines englischen Romans".Und das Streben nach Glück führt häufig zu großem Leid, birgt darin aber die Möglichkeit herauszufinden was wirklich glücklich macht. Während sie so über die alten Motivationen und Spielarten der Liebe reflektiert treten diese zwei Männer in ihr Leben. Über weite Strecken ist das leider ziemlich retromäßig.

Bei der großartigen Figurengestaltung und Figurenführung weiß man auf Grund der individuellen Sprache immer genau bei welcher Figur man sich gerade befindet. Eugenides kann in kürzester Zeit, mit ganz wenigen Worten Personen und Situationen so wunderbar charakterisieren, dass man als Leser den Figuren sehr nahe kommt. Dabei ist der Autor beim Schreiben scheinbar so sehr mit seinen Figuren beschäftigt, das er die Themen sich selbst überlässt. Bei dieser Dreiecksgeschichte sind die beiden Männer charismatisch wesentlich besser dargestellt als die doch recht blasse, langweilige Frau.

Zum Plot: In einem Semiotik-Seminar lernt die Protagonistin den manisch depressiven, gut aussehenden Einzelgänger, den Biologiestudenten Leonard Bankhead kennen, der wie David Foster Wallace hoch intelligent ist, eine Bandana trägt, ständig Tabak kaut und auf Psychopharmaka angewiesen ist. Ähnlichkeiten mit DFW leugnet Eugenides und tatsächlich ist Leonard manisch -depressiv, während Wallace an einer klinischen Depression litt. Und anders wie in den viktorianischen Romanen gehört in diesem Fall, in Zeiten des akademischen Feminismus, die Frau der upper class an und der Mann ist der underdog, der übrigens nicht wie Wallace aus einem angesehenen Akademikerhaushalt kommt. Nun verwebt der Autor die Beziehung der beiden mit Barthes dekonstruktionistischen und strukturalistischen Visionen über die Liebe, dem Poststrukturalismus.

Madeleine sieht sich in eine erotisch und geistig geformte Beziehung hineinversetzt, Sie hat dabei die wahnhafte Vorstellung, durch ihre Liebe diesen depressiven Leonard vor sich selbst retten zu können. Sie glaubt an die große Liebe, glaubt den Mann ihres Lebens gefunden zu haben. Auf den Gedanken, jemanden zu heiraten, um ihn zu retten ist früher sicher niemand gekommen. Die bipolare Behinderung des krankhaft übersteigerten Niedergeschlagenen beschreibt Eugenides mit viel Feingefühl. Eigentlich setzt Madeleine mit ihrer Sicht der Dinge alles daran, um Trollopes' These im wahren Leben ad adsurdum zu führen, denn sie entscheidet sich für den falschen Mann, einen Mann der sie unglücklich macht und der am Ende eigentlich doch auch nichts dafür kann. Ob die beiden glücklich oder unglücklich werden, sei an dieser Stelle nicht verraten.

Die weibliche Hauptperson Madeleine wird noch von einem anderen Mann umkreist, ihrem ehemaligen Freund Mitchell Grammaticus, der Literatur- und Religionswissenschaften studiert und unverkennbar Züge des Autors trägt. Während Leonard und Madeleine in der idyllischen Dünenlandschaft von Cape Cod leben, macht sich dieser Mitchell, der sich vornehmlich mit Glaubensfragen beschäftigt, wegen der enttäuschten Liebe zu Madeleine auf die Suche nach Gott, und auf die Suche nach religiösen Erweckungserlebnissen. Er packt seine Sachen, pilgert nach Kalkutta, um in einer Einrichtung von Mutter Theresa das wahre Leben, sein Glück, sein Kismet zu finden. Ob ihm das gelingt sei auch nicht verraten, aber so viel, dass Jeffrey Eugenides in diesen Passagen, in seiner furiosen amerikanischen Erzählweise, eine großartige Beschreibung von Elend, menschlichem Leid und unerfüllter Liebe abliefert. Letztendlich gilt auch für den gläubigen Mitchell die gleiche Mission wie für Liebende:"Man rettet keine anderen Menschen, man rettet schließlich nur sich selbst". Liebesgeschichten sind eigentlich nur wirklich gut, wenn es Schwierigkeiten gibt und so reflektiert Mitchell an einer Stelle, "es gibt nur sehr wenige Bücher, die die Kraft haben dich durch das Chaos des Lebens hindurch zu führen".

Mit großer Souveränität und Perfektion gelingt es Eugenides, ebenso wie seinem amerikanischen Schriftstellerkollegen Jonathan Franzen, sich in seinen Romanen zurückzunehmen, und das ist bewundernswert, weil man den Roman auch autobiografisch lesen könnte. Bekanntlich hat Eugenides, der in Princeton lehrt, wie Mitchell einst hier Literatur- und Religionswissenschaften studiert und er hat auch als Freiwilliger in einer Institution von Mutter Teresa hospitiert.

"Mariage Plot", der amerikanische Titel, war sicher nicht einfach ins Deutsche zu übertragen, denn "Liebeshandlung" ist anders wie "Mariage Plot" kein Begriff den wir aus der Literaturgeschichte kennen, wo diese Romane eigentlich immer mit der Heirat enden. Eigentlich handelt es sich hier letztendlich um eine Dekonstruktion der Liebesheirat - Liebe ist auch eine zerstörerische Kraft - aber Eugenides schreibt darüber mit dem gleichen Humor mit dem er über alles andere schreibt.

Wir erfahren in diesem phantastisch geschriebenen, anrührenden und über weite Strecken auch vergnüglichen, mit delikatem Humor extrem gut konstruierten Roman, sehr viel über die 80 er Jahre, über das Campus Leben an einer amerikanischen Elite Universität, über das Leben in einer indischen Institution und das was Eugenides Figuren beim Sex denken, aber nicht da, was sie mit ihren Körpern dabei tun. Es ist eine extrem gut erzählte Geschichte, dabei spielt es eigentlich keine Rolle, das, so wie einige Rezententen meinen, Roland Barthes in vielen Passagen von Eugenides missbraucht wird. "Liebeshandlung" ist ein unterhaltsames Buch das keine hohen Ansprüche stellt und es ist eine Geschichte die unterschiedliche Lesarten offeriert. Man kann auf der einen Seite emotionalen Zugang finden, auf der anderen Seite sich aber auch konstruktiv mit dem Stoff auseinandersetzen und dabei zu der Erkenntnis kommen, dass Literatur nicht aus der Wirklichkeit herausführt, sondern direkten Einfluss aufs Leben nimmt. Die angerissenen Themen Liebe, Hoffnung, Glauben, Hilflosigkeit und Depressivität passen wunderbar in unsere Zeit. Das heiraten wollen bewegt uns immer noch sehr stark im Leben, aber nur als Vorstellung. Es ist in unseren Köpfen, jeder erwartet dabei den idealen Partner, den Seelenverwandten zu finden, mit dem er den Rest seines Lebens verbringt. Fazit: Die Ideen sind immer noch vorhanden, sie haben sich nur verwandelt, so würde heute niemand erwarten zu heiraten oder verheiratet zu bleiben, wenn die Ehe unglücklich ist. Eugenides hat sehr lange an diesem Roman gearbeitet und immer wieder einmal darauf hingewiesen, dass seine Generation "Tolstoi in Pynchons Manier sucht", einen Halbgott der postmodernen US-Literatur. Entstanden ist ein packender, page turner, in optima forma.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. April 2013
ein page-turner
habe das buch in einer nacht gelesen, und konnte nicht mehr aufhören. es ist gleichzeitig unterhaltsam, anspruchsvoll und sogar komisch, was will man mehr. eine dreiecks-liebesgeschichte mit tiefgang und zeitkolorit der achtziger jahre, mit einem abstecher nach indien, in die weltreligionen und die abgründe der menschlichen seele. absolut lesenwert.
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am 13. Februar 2015
Gut strukturierte Dreiecksbeziehung mit vielen interessanten Stellen. Madeleine, die Hauptprotagonistin, welche Literatur studiert, verliebt sich in Leonard, den Frauenheld des Campus, der, was sich bald herausstellt, nicht einfach nur charmant verschroben ist, sondern psychisch krank. Mitchell, welcher in Madeleine verliebt ist, sie ihn aber als zu anständig empfindet, verspielt im ersten Semester seine Chance bei ihr. Er geht auf Europa- und Indienreise und beschäftigt sich mit transzendenten Themen während Leonard mit den Nebenwirkungen der Psychopharmaka kämpft.
Die letzten 200 Seiten entbehren ein bisschen des Esprits, welchen den Roman auszeichnet.
Deshalb ein Punkt weniger.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. November 2011
Nachdem ich mich seit Middlesex wie Bolle auf den neuen Roman gefreut und ihn in wenigen Tagen im Urlaub inhaliert habe, bleibt eher Enttäuschung als das Gefühl, einen würdigen Nachfolger in den Händen gehalten zu haben. Die Figuren sind mir bis auf die lange Episode zu Leonhards Geschichte eigentlich nie nahegekommen, die langatmige Reiserei durch Europa und die ständige Zitiererei und Hinweiserei auf "Hab ich schon gelesen, ich Fuchs!" habe ich eher als Zeitverschwendung empfunden. Für mich hat es auch nicht viel Sinn gemacht, die Geschichte in die frühen 80er zurückzuversetzen, wenn man sie auch dann enden lässt. Wartet da im Hinterkopf noch eine Fortsetzung? Es hätte sonst doch zumindest noch einen kurzen Rückblick z.B. von Madeleine geben können, die sich an die beschriebene Zeit erinnert. Insgesamt war der Band für mich recht blutarm, herzlos und unnötig verkopft.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. Mai 2012
Die Collegestudentin Madeleine Hanna steckt voll in einer Dreiecksbeziehungskiste mit Leonard und Mitchell. Außerdem schreibt Sie gerade an ihrer wissenschaftlichen Arbeit über den "marriage plot" im viktorianischen Roman. Doch das Schreiben und Recherchieren dieser Arbeit bringt sie in ihrer persönlichen Lebenssituation nicht wesentlich weiter. Am Ende war es für mich überraschend wie die Dreiecksgeschichte aufgelöst wurde und sie wurde auch anders aufgelöst als im viktorianischen Roman.
Jeffrey Eugenides hat mit diesem Roman erneut bewiesen, dass er zu den ganz großen Autoren der Gegenwart gehört. Die Figuren diese Romans sind unglaublich authentisch, lebensnah und liebevoll gezeichnet. Gerade weil alle drei Protagonisten leiden, mit ihrem Schicksal hadern und so viele Fehler machen sind sie so sympathisch. Die zahlreichen Dialoge in diesem Roman sind intelligent, scharfsinnig und witzig. Jede Zeile dieses Buches war für mich reiner Lesegenuss.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Januar 2012
Entgegen vieler anderer Meinungen empfinde ich dieses Buch als WUNDERBAR geschriebenes Gesamtkunstwerk. Die Dialoge erinnern an Middlesex - sie sind keineswegs überflüssig, sondern ergänzen die Darstellung der Charaktere. Die Erzählung spielt mit zahlreichen Vor- und Rückblenden, die die Geschichte sukzessiv verdichten, erweitern, komplettieren.

Ich fand das Buch super! Die 600 Seiten hätten auch noch auf 1000 Seiten erweitert werden können. Das Ende kommt für mich zu plötzlich. Aber ansonsten kann ich jedem dieses Buch empfehlen. Es ist für mich keine "Liebesgeschichte", sondern eine dreifache Charakterdarstellung. Und als solche ist sie absolut gelungen!
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Wie alles von Eugenides ist auch dieses Buch ein packender Knaller für jeden, der feinsinnig Beschriebenes aus dem Leben mag. Bestens intelligent unterhalten lernt man gleichzeitig hautnah das Leben eines Manisch-Depressiven kennen, mit all seinen Schwierigkeiten, Haken und Ösen. Eugenides kann halt ganz ausgezeichnet beschreiben, und für mich ist dies sein bestes Buch. Bisher - ich hoffe, da kommt noch viel!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Oktober 2014
Und das sagt eigentlich alles über dieses Buch aus. Der Inhalt lässt sich nicht prägnant zusammenfassen, denn am Ende ist alles genauso wie am Anfang, nur dass die Protagonisten jetzt gute Vorsätze haben.
Mitchell ist in Madeleine verknallt, Madeleine in Leonard und Leonard ist mehr oder weniger in seine manische Depression verknallt (zumindest kommt es einem teilweise so vor).
Am Ende meint Mitchell zu erkennen, dass er mit der Zeit über Madeleine hinwegkommen wird, aber eigentlich ist er immer noch in sie verliebt. Madeleine versucht mit Befreiungssex über Leonard hinwegzukommen, scheint aber immer noch genauso in ihrer selbstzerfleischenden, mehr oder weniger unerfüllten Liebe zu baden, denn etwas wirklich Neues nimmt sie nicht in Angriff. Und Leonard sagt sich zwar von allem los, um mit seiner Krankheit fertig zu werden, aber sein Verhalten ist noch genauso unlogisch und sprunghaft wie am Anfang des Romans.
Dazwischen passiert so dies und jenes, es werden Abschlüsse gemacht, Zusammenbrüche gehabt, Hochzeiten gefeiert, man hat Probleme mit den Eltern, reist nach Indien (Wo sich mir nebenbei die Frage aufdrängt, warum man für Selbsterkenntnis-Trips immer nach Indien reisen muss. Wieso nicht mal Spirituelles in der Lüneburger Heide?), usw., aber nichts wirklich Relevantes, was mir den Eindruck vermittelt, die Figuren wären wirklich an ihren Problemen gewachsen.

Der Schreibstil ist flüssig und liest sich gut weg, aber das können Groschenroman-Autorinnen teilweise auch. Was mich wirklich über die Maßen gestört hat, ist zum einen das endlose Gelabere, das sinnlos in die Länge gezogen wird und zum anderen die haarsträubende Nicht-Struktur der Geschichte.
Ich weiß nicht, ob Mr. Eugenides bei Ersterem Problem Qualität mit Quantität gleichsetzt und meint, dass ein anspruchsvolles Buch mindestens 500 Seiten haben muss, aber in meinen Augen hätte die Geschichte nichts an Handlung verloren, wenn sie nur halb so lang gewesen wäre und der Lektor mal ordentlich den Rotstift angesetzt hätte. Allein diese pseudo-intelligenten Diskussionen über Apfelkuchen mit Käse oder die ständige Zur-Schau-Stellung von Mr. Eugenides Wissen in Sachen College-Lektüre haben mich gelegentlich fast zu einer Kopf-Tischplatte-Reaktion verleitet.
Wirklich interessant wurde es für mich erst nach über der Hälfte des Buches, als endlich aus Leonards Sicht die Krankengeschichte eines Manisch-Depressiven geschildert wurde. Dieser Teil war hochinteressant und sehr einfühlsam geschrieben. Meiner Meinung nach wäre dies der bessere und fesselndere Einstieg gewesen als Madeleines selbstverliebtes Leiden am Leben und ihrem ach so komplizierten Leben, das ist eigentlich stinknormal ist. Wer hat in dem Alter nicht Probleme mit den Eltern, wer leidet nicht an Liebeskummer, wer weiß schon, wie es nach dem Abschluss weitergehen soll?
Die Struktur fand ich einfach nur verwirrend. Vielleicht müsste ich einen College-Abschluss haben und Derrida gelesen, um diesen genialen Geniestreich von ständigen Zeitsprüngen würdigen zu können, so geht es mir mit meinem 08/15-Schulabschluss nur auf die Nerven. Die zerhackstückten Einzelteile der Handlung beginnen in der Gegenwart, springen dann in die Erinnerung sprich Vergangenheit zurück, um dann übergangslos zur Ausgangssituation zurückzukehren. Gegen die verschiedenen Perspektiven, aus denen erzählt wird, ist ja prinzipiell nichts einzuwenden, aber in Verbindung mit diesem strukturellen Chaos hat sich mir der Eindruck aufgezwungen, dass der Autor das undurchsichtige Auf und Ab einer manisch-depressiven Gedankenwelt versucht hat mit der Strukturierung seines Buches wiederzugeben.

Bei den Figuren selbst hab ich mich auch eher schwer getan. Madeleine, die weibliche Hauptfigur, wirkte auf mich nur hochgradig unsympathisch und selbstherrlich bis manipulativ-ausnutzend, was ihr Verhalten Mitchell gegenüber anging. Alles ist ein Problem, aber bis auf den manisch-depressiven Freund, sind es genau die Probleme, die jeder andere auch hat. Lediglich ihre Treue zu Leonard war da ein Pluspunkt.
Was sie so sehr an Leonard anzieht, geht aus ihren Beschreibungen nicht aus mich hervor, der Charakter des Leonard wirkt eher wichtigtuerisch als enigmatisch-anziehend.
Das bessert sich erst, als es dann doch mal einen Part aus Leonards Sicht gibt. Der Kürzeste, aber meiner Meinung nach der Beste und eine, wie gesagt, interessante, einsichtsreiche, packende Schilderung der Krankheit.
Mitchell ist einfach der nette Kerl von nebenan, der mal eben ganz klischeehaft auf einen Selbstfindungstrip nach Indien geht und dabei vielleicht, aber vielleicht auch nicht, auch eine homoerotische Erfahrung mit seinem besten Kumpel nicht auslässt. Die Boy-next-door-Art gibt einem hier wenigstens eine Figur mit Identifikationspotenzial, aber es reicht nicht, um alles andere rauszureißen.

Etwas enttäuscht war ich, dass der sogenannte Marriage-Plot der Literatur des 19. Jahrhunderts so mehr oder weniger untergeht. In meinem Klappentext wurde noch vollmundig angekündigt, dass Madeleine eben diesen Marriage-Plot ja ach so sehr studiert und alles, was über die Literatur des 19. Jahrhunderts rüberkam, war eine billige Zusammenfassung von Jane Austens Lebenslauf in der Mitte des Buches, den sowieso jeder Mensch kennt, der sich einmal die Booklets zu den DVD-Verfilmungen durchgelesen hat und die Erwähnung des Namens Gaskell und James.
Trotzdem muss ich sagen, dass die eigentliche Übertragung des Marriage-Plots in die Neuzeit sehr gut geglückt ist, mit dem guten und dem bösen Verehrer, wobei sich die Heldin natürlich erstmal in den unpassenden Kerl verliebt, die Eltern von Anfang an wissen, was gut fürs Töchterchen ist (im Übrigen fand ich die Eltern-Tochter-Beziehung sehr viel besser dargestellt, als diese undurchsichtige Liebe von Madeleine und Leonard zueinander) und der Gute am Ende völlig selbstlos handelt. Wenn auch völlig anders als erwartet. Der Abschluss mit seiner unvorhergesehenen Wendung und Leonards Erkrankung, die eine schöne, moderne Wendung zum viel zu oft gelesenen Bösewicht-Klischee ist, hat mich etwas versöhnt, aber alles in allem ist das Buch nicht mehr als Durchschnitts-Lektüre, die auf zu viele Seiten ausgedehnt wurde. Es hat durchaus seine schönen Momente, aber nicht genug, um für mich die Mängel an der Geschichte aufzuwiegen. Für den Durchschnitt dann mal 3 Sterne.
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am 2. August 2015
Das Buch ist einfach langweilig. Die Handlung ist leider nich nachvollziehbar bzw. war mir einfach zu öde. Probleme die keinen interessieren. Vielleicht habe ich es nicht verstanden. seis drum.
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